Dienstag, 26. Februar 2008

Huaca de la Luna und Huaca del Sol...

Diese beiden Lehmziegelpyramiden sind noch um ca. 700 Jahre älter als Chan Chan und stammen von der Kultur der Moche. Bis jetzt ist nur der Huaca de la Luna (Huaca = Tempel) teilweise freigelegt und restauriert. Interessant bei diesem Tempel ist, dass es eigentlich 5 übereinander gebaute Tempelanlagen sind. Die Moche haben mit jeder Dynastie den alten Tempel völlig mit Lehmziegeln ausgelegt und einen neuen darüber errichtet. Vom 5. und vermutlich letzten Tempel ist aufgrund der Erosion praktisch nichts mehr erhalten, von den anderen sieht man noch erstaunlich viel, da sie ja nur eine Dynastie lang verwendet wurden und seit dem mit Ziegeln komplett zugeschlichtet waren. Die Wände der Tempel sind reichhaltig verziert und mit feinen bunten Mustern und Symbolen bemalt. Die Pyramidenform entstand dadurch, dass jeder neue Tempel etwas kleiner gebaut wurde als sein Vorgänger. Archeologen können heute nur Teile der unteren Tempel freilegen, da sonst ja die gesamte darüber gebaute Konstruktion zusammenstürzen würde. Die Tempel waren ja nie darauf ausgelegt ein Stockwerk tragen zu müssen.

Gleich neben dem Huaca de la Luna steht der noch größere Huaca del Sol. Diese Riesenpyramide ist der größte Lehmziegelbau der Erde – 140 Millionen Lehmziegel wurden hier übereinander geschlichtet. Heute erinnert dieser im Flachland stehende „Berg“ eher an einen großen Sandkuchen als einen Tempel. Was sich in seinem Inneren befindet weiß man bis heute nicht, da noch keine größeren Ausgrabungen vorgenommen worden sind. Die Archäologen sind noch mit dem Huaca de la Luna beschäftigt…Aus diesem Grund kann man auf den Huaca del Sol auch noch raufklettern und darauf herumspazieren. Erst wenn man den Gipfel erklommen hat wird einem die wahre Größe dieses Bauwerks bewusst. Es ist unvorstellbar wie man so viele Lehmziegel übereinanderschlichten kann. Wenn man es nicht besser wüsste, könnte man glauben, es ist einfach ein Berg…

Leider haben wir von diesen Tempeln nur sehr wenige Fotos, weil unsere Speicherkarte nach dem Besuch der Huaca de la Luna den Geist aufgegeben hat und sich einfach nicht mehr auslesen lässt. Schade! Es wären viele wunderschöne Fotos dabei gewesen…


Nachdem wir mit diesen Tempeln, die (vorerst) letzten für uns interessanten Dinge in Peru gesehen haben, haben wir das Land fluchtartig verlassen. In einer Marathonbusfahrt gings nach Ecuador - insgesamt über 30 Stunden in Bussen, 4 mal Umsteigen inklusive Citytrekking zum nächsten Busunternehmen, regenbedingten Verspätungen (La Niña lässt wieder mal grüßen),…

Jetzt sind wir in Riobamba, oder wie manche es nennen Friobamba (frio = kalt). Da es mit unserer geplanten Fahrt am Dach eines Zuges über die spektakuläre Nariz del Diablo (Teufelsnase) aufgrund von Streckenschäden nichts wird, fahren wir morgen weiter ins tiefer gelegene (und hoffentlich wärmere) Baños. Dort warten auf uns Thermalbäder, Downhill-Mountainbiking in den Dschungel und geniale Landschaft…

Chan Chan...

Einst die größte Lehmziegelstadt der Welt mit über 100 000 Einwohnern, erinnert Chan Chan heute eher an eine überdimensionale Sandkiste. Trotz der starken Erosion sind aber bis heute noch viele Strukturen dieser 700Jahre alten Großstadt erhalten geblieben. Nur ein Bruchteil der Anlage ist bisher restauriert worden. Der Rest ist frei zugänglich und bröckelt langsam vor sich hin. Man hat das Gefühl, die Archäologen kommen mit dem Restaurieren nicht so schnell nach, wie die Lehmmauern wieder zerfallen.

Was aber erhalten und restauriert worden ist, ist echt beeindruckend. Wir besichtigten den Tempelkomplex von Tschudi.

Da Lehmziegel ein leicht zu bearbeitendes Baumaterial sind, sind auch die Reliefs und sonstigen Verzierungen der Tempelanlagen von besonderer Feinheit. Von allen Mauern lachen einem Fische, Vögel und Fabelwesen entgegen. Wahrlich beeindruckend ist aber die Mauer, die die gesamte Anlage umgibt. Eine mehrere Meter dicke, bis zu 10 Meter hohe Wand, die rein aus Lehmziegeln gebaut ist und eine Tempelanlage von mehreren Hektar umschließt.

Chan Chan liegt zwischen Trujillo und Huanchaco in der Wüste. Die Tempelanlage von Huaca Esmeralda hatte dieses Glück nicht. Die Stadt ist inzwischen schon rund um sie herum gewachsen. Nur eine Mauer trennt den Tempel von den umliegenden Wohnhäusern. Irgendwie lustig mitten in einem Wohngebiet auf einer uralten Lehmziegelpyramide herumzuklettern. So was ist auch nur in Peru möglich – in Machu Picchu darf man nicht mal auf massiven Granit steigen und hier zerbröselt ein antiker Lehmtempel unter den Sportschuhen und Stilettos der Touristenmassen.


Trujillo und Huanchaco...

Der Grund warum wir diese Großstadt in unsere Reiseroute mit aufgenommen haben, ist ihre Nähe zu unzähligen Ruinen. Die Stadt an sich hat aber auch ihre schönen Seiten. Im historischen Zentrum steht ein wunderschön renoviertes Kolonialgebäude neben dem anderen und auf der gepflegten Plaza tummeln sich Künstler, Prediger und allerlei interessante Leute.

Da wir aber dem Großstadtrummel aus dem Weg gehen wollten, fuhren wir ins nur wenige Kilometer entfernte Huanchaco. Dieses kleine Fischerdorf ist heute einer der beliebtesten Bade- und Surforte des Landes. Während die Touristen mit ihren Surfboards aufs Meer rauspaddeln, benutzen die heimischen Fischer die traditionellen „caballitos de totora“. Diese, nach jahrhundertealter Tradition gebauten kajakartigen Boote werden aus Totora-Schilf gebunden. Als Paddel werden am Ende aufgeschnittene Bambusrohre verwendet. Bis heute bringen die Fischer ihren Fang so ans Ufer – Ein Schauspiel, wenn sie alle nach getaner Arbeit zum Strand zurückpaddeln!

Von Huanchaco aus erkundeten wir in den nächsten Tagen, die umliegenden Ruinen.


Huaraz und die Ruinen von Chavín de Huantar...

Perus Outdoorparadies wird nicht ohne Grund so genannt. Die Lage zwischen der Cordillera Blanca und der Cordillera Negra macht Huaraz zum idealen Startpunkt für Bergsteiger, Trekker, Rafter und sonstige Outdoorfreaks. Da aber gerade Regenzeit ist und wir ohnehin keine warme Trekkingausrüstung mehr haben fielen derartige Aktivitäten für uns leider aus.

Stattdessen mussten wir uns mit den ca. 3200 Jahre alten Ruinen von Chavín de Huantar zufrieden geben.

Diese Tempelanlage wurde in der Zeit zwischen 1200 v.Chr. und 800 v. Chr. von einer der ältesten Hochkulturen des südamerikanischen Kontinents erbaut. Berühmt ist die Anlage für seine unterirdischen Tunnel, Kammern und Steinfiguren. Die architektonische Leistung dieser Kultur ist wirklich erstaunlich. Der Tempel ist komplett symmetrisch und antiseismisch aufgebaut und viele Elemente orientieren sich am astronomischen Kalender. So konnten die Menschen von Chavín genau sagen, wann Sonnenwende ist und wann sie ernten oder aussähen müssen.

Das Tal, in dem die Tempelanlage von Chavín de Huantar steht, war aber schon lange Zeit vorher besiedelt. Man fand Spuren von menschlichen Siedlungen die auf das Jahr 12 200 v.Chr. datiert wurden. Und diese Kulturen wussten schon damals was lecker ist: Seit 7000 v.Chr. wurden hier Cuy (Meerschweinchen) gezüchtet und gegessen.

Nachdem das Wetter aber der Jahreszeit entsprechend kühl und feucht war zogen wir schon nach wenigen Tagen weiter Richtung Trujillo – der Sonne entgegen.

Da die peruanischen campesinos (Bauern bzw. Landbevölkerung) wieder mal streikten und Straßen blockierten dauerte die Busfahrt aber etwas länger als normal. Statt 9 Stunden saßen wir 30! Stunden in einem klapprigen Bus ohne jeglichen Service…21 Stunden Verspätung! – Ein neuer Rekord!

Streiken ist ja, wie wir schon von Arequipa wissen, eine der Lieblingsbeschäftigungen der Peruaner. Die im ganzen Land errichteten Straßensperren werden dann meist mit Polizeigewalt geräumt, was nicht immer friedlich abläuft. Allein an unserem Reisetag gab es 4 Tote…


Die Oase Huacachina...

Auf unserem Weg nach Norden stolperten wir Dank des Tips einer spanischen Backpackerin über die Oase Huacachina in der Nähe von Ica. Bei dieser, von riesigen Sanddünen umgebenen Lagune fanden wir ein günstiges Hostal mit Pool und beschlossen einfach mal 2 Tage Urlaub vom Reisen zu machen. Aber da man nicht nur faul im Pool hängen kann erkundeten wir natürlich die Gegend und aus unserem „Urlaub“ wurde wieder nichts. Dafür war die Aussicht vom Gipfel der Riesendünen echt atemberaubend!

Nachdem wir unsere wasserdichte Kamera im Pool ertränkt hatten (schon die 2. „wasserdichte“ Kamera, die unter Wasser den Geist aufgegeben hat) ging es von der Wüste wieder in die Berge…


Nasca...

Bis Mitte des vorigen Jahrhunderts war Nasca ein kleines Nest wie viele andere in der peruanischen Küstenregion. Dank der kommerziellen Luftfahrt wurde in den 30er Jahren aber zufällig eine der mystischsten Stätten Perus entdeckt. Piloten berichteten von Linien und Figuren, die sie im Wüstensand erkennen konnten. Der Wissenschaftler Paul Kosok war der Erste, der die Gegend genauer erkundete und so das Ausmaß dieser Wunderwerke im Sand erkannte. Heute ist Nasca nach Machu Picchu eines der Haupttouristenziele in Peru.

Die Nascalinien erstrecken sich über eine Fläche von 500km2 im Wüstensand und sind teilweise mehrere Kilometer lang. Es sind riesige Linien und Figuren, die in der Zeit zwischen 900 v.Chr. und 600 n.Chr. durch das Abtragen der oberen dunkleren Gesteinsschicht geschaffen wurden. Erkennen kann man sie nur aus der Luft, weshalb niemand genau weiß warum und wie diese gigantischen Zeichnungen kreiert worden sind. Die Spekulationen über die Funktion der Linien reichen von „walking lines“ eines Wasserkults über Bilder für die Götter bis hin zu astronomischen Kalenderlinien. Manche meinen sogar es seien Landebahnen von Außerirdischen…wenn man sich die Bilder so ansieht könnte an jeder dieser Theorien was Wahres dran sein. Bis heute zerbrechen sich jährlich hunderttausende Touristen den Kopf darüber.

Aufgrund unseres knappen Budgets wollten wir uns ursprünglich den Überflug sparen und stattdessen nur den Aussichtsturm besuchen, von dem aus man zwei der Figuren erkennen kann. Nachdem sich der hoch gelobte „mirador“ aber als wackeliges Miniblechtürmchen entpuppt hatte, von dem aus man die Figuren nur mit sehr viel Fantasie erahnen konnte, beschlossen wir doch etwas tiefer in die Taschen zu greifen. Dank Nebensaison und Verhandlungsgeschick kriegten wir einen Flug, der normal 60 US$ kostete um 30US$ und so schlichteten wir uns noch am gleichen Nachmittag zu viert (Pilot inklusive) in eine Blechdose der Markt Cessna. Allein dieser abenteuerliche Flug wäre die 30 Dollar schon wert gewesen. Man kommt sich vor wie in einem VW-Käfer mit Flügeln, der mit einer Wahnsinnsgeschwindigkeit von 90km/h jedes auf der Strecke liegende Luftloch mit Präzision ansteuert. Und da wir ja die Luxusvariante des Überflugs gebucht hatten zog der Pilot über jeder Figur noch 3 Schleifen – 2 rechts und eine links. Wahres Achterbahnfeeling in 80m Höhe!

Aus der Luft sind die Linien und Figuren echt faszinierend. Dass man so große Bilder in den Sand malen kann ist echt unvorstellbar, besonders, weil man ja vom Boden aus absolut nichts erkennen kann. Kein Wunder also, dass sie erst so spät entdeckt worden sind. Für die Figur der Echse ist es leider zu spät gewesen. Den armen Gecko hat schon vor der Entdeckung der Linien die Ruta Panamericana überrollt. Jeden Tag wird er aufs Neue von hunderten Autos und LKWs überfahren…

Dank eines Hospitalityclub-Kontakts konnten wir dann auch noch das Planetarium gratis besuchen. Hier erfuhren wir noch viel über die Linien und die deutsche Wissenschaftlerin Maria Reiche, die ihr Leben der Erforschung ebendieser gewidmet hat. Diese faszinierende Frau leistete auch mit 85 Jahren noch Feldarbeit und trug viel zur Erhaltung der Linien bei.


La Paz und der Karneval

Unsere Reise nach La Paz hatten wir so geplant, dass wir genau zu Karnevalsbeginn ankamen. Die Vorwehen dieses Festes hatten wir schon in Sucre und Cochabamba mitgekriegt, wo man nicht auf die Straße gehen konnte, ohne nass gespritzt zu werden. Deshalb machten wir uns auch in La Paz schon auf einiges gefasst…

In Bolivien wird der Karneval nicht so wie im benachbarten Brasilien mit Salsa und knappen Kostümen gefeiert, sondern eher traditionell naturreligiös. Statt den halbnackten Salsatänzerinnen sieht man in La Paz dicke Bolivianerinnen in traditioneller Tracht, die mit Luftschlangen, Knallfröschen, Cocablättern und viel hochprozentigem Alkohol ihre Marktstände und Geschäfte weihen. So wird mit viel Radau und anschließender Sauferei der Pachamama geopfert. Somit kann im kommenden Geschäftsjahr praktisch nichts mehr schief gehen.

Es ist echt schön bei so einer Zeremonie zuzusehen. Das Ritual hat, obwohl es sehr wichtig ist, nichts Hochheilig-andächtiges, sondern eher etwas Selbstverständlich-notwendiges. Im Gegensatz zu Segnungen der Kirche braucht man hier keinen Pfarrer, da Segnungen jeder machen kann… Nach den Opferungen setzen sich dann noch alle gemütlich auf ein paar Bier zusammen und feiern und opfern mit jedem Gläschen weiter (der erste Schluck wird immer für die Pachamama ausgegossen) … Eine echt gemütliche Arte religiöse Feste zu zelebrieren…

Die Jugend feiert auf etwas dynamischere Art. Früher war es Brauch zu Karneval ausgeblasene und mit Duftwasser gefüllte Eier der Angebeteten auf die Schulter zu klatschen. Da aber Duftwasser teuer und das Fassungsvermögen von Eiern eher gering ist wurde der Brauch „etwas“ abgeändert. Heute liefern sich die Jugendlichen regelrechte Schlachten mit Wasserbomben, gigantischen Spritzpistolen und neuerdings auch mit Schaumsprays.

Das konnten wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Wir kauften uns Billigponchos und eine Dose Schaumspray und stürzten uns mit unserer wasserdichten Kamera mitten ins Getümmel. Für die Bolivianer war es echt ein Riesenspaß Touristen einzuschaumen. Aber auch wir haben sie nicht verschont…

Bolivianer halten ohne Probleme 4 Tage lange Wasserschlachten und Saufereien durch. Wir hatten schon nach einem Tag genug und versuchten die restlichen 3 Tage so wenig Wasser und Schaum wie möglich abzukriegen. Gar nicht so leicht, wenn von jedem Balkon kübelweise Wasser auf Passanten gekippt wird und organisierte Wasserschlachtenpickups die Strassen unsicher machen und alles was Beine hat mit Wasserbomben eindecken.

So verbrachten wir die meiste Zeit entweder im Zimmer oder auf einem der vielen Märkte von La Paz. Besonders erwähnenswert ist der „mercado de las brujas“ – der Hexenmarkt. Hier kriegt man alles was man für den täglichen Ritualgebrauch so benötigt: getrocknete Lamaföten (werden als Schutz bei neu gebauten Häusern unter der Eingangtür vergraben), San Pedro Kakteen (ein sehr starkes Halluzinogen, das bei manchen Ritualen verwendet wird), Affenschädel, Schlangen- und Raubkatzenhäute, eingelegte Kröten, Räucherwerk, Talismane, Cocablätter, Kerzen,… Aber auch alle möglichen Heilkräuter und Wunderheilmittel gibt es hier zu kaufen - vom Aphrodisiakum bis zum Mittel gegen Warzen findest du hier alles.

Auf diesem Markt einzukaufen ist für Bolivianer so normal wie zum Bäcker zu gehen, aber für uns ist es wie ein Besuch in einer anderen Welt…

Nachdem wir den Karneval ausgesessen hatten (es wäre keine gute Idee gewesen mit Rucksäcken die 2 km zum Terminal zu gehen) ging es endlich weiter Richtung Norden. Mit einem kurzen Zwischenstopp in Copacabana am Titicacasee ging es direkt nach Nasca/Peru.



Freitag, 1. Februar 2008

Cochabamba...

Da Cochabamba eine Großstadt ohne viele Sehenswürdigkeiten ist und das Wetter hier auch nicht besser war, gestalteten wir unseren Aufenthalt relativ kurz. Wir wanderten, wie in jeder Stadt das historische Zentrum ab und hielten uns dann die meiste Zeit auf den in Cochabamba riesigen Märkten auf.
Außerdem trafen wir uns mit Bastian, einem Deutschen, den wir auch über den Hospitality-Club kennen gelernt hatten. Mit ihm und seiner Freundin gingen wir edel Steakessen (und die können echt mit argentinischen Steaks mithalten!!!). Wir erfuhren viel über seine Projekte in Bolivien und tauschten die eine oder andere Reisegeschichte aus. Ein echt gemütlicher Abend!
Da das Wetter aber einfach nicht besser werden wollte beschlossen wir Richtung Peru weiterzureisen. Mit einem Zwischenstopp in La Paz, geht es dann endlich der Sonne entgegen. An der peruanischen Küste scheint nämlich schon seit Wochen ununterbrochen die Sonne und wir hocken im Sauwetter….
Gestern sind wir hier in La Paz angekommen und werden noch einige Tage in dieser faszinierenden Metropole mitten in den Hochanden bleiben. Danach soll es nach Nazca, zu den berühmten gleichnamigen Linien gehen…

Sucre...

Sucre teilt sich, obwohl es bei weitem nicht eine der größten Städte des Landes ist, mit La Paz den Titel der Hauptstadt. In La Paz befindet sich die Exekutive und Regierung während Sucre die Judikative besitzt.
Die Stadt wird auch „Ciudad Blanca“ – „Die weiße Stadt“ genannt, da praktisch alle Häuser weiß sind. Die Stadt setzt auch alles daran, dass sie so bleiben. Jeder Bewohner ist dazu verpflichtet einmal jährlich zu einem bestimmten Datum sein Haus weiß zu streichen.
Hier in Sucre trafen wir auch unseren ersten Hospitality-Club-Kontakt. Wolfgang ist Deutscher, der aber schon viele Jahre in Bolivien lebt und arbeitet. Bei ihm waren wir jedem Abend zum Kaffee eingeladen und lernten bei unseren stundenlangen Gesprächen so manches über bolivianische Geschichte, Politik und Gebräuche. Ihm verdanken wir auch ein paar neue bolivianische Lieblingsgerichte. Seit dem gibt’s fast jeden Tag „Api“ und „Pasteles“ zum Frühstück!
Das Wetter hatte sich im Vergleich zu Santa Cruz nicht wesentlich gebessert und so versuchten wir jedes Regenloch für Sightseeing und Stadtrundgänge zu nutzen. Und auch die Weiterreise war nicht gewiss, da sich die Situation in ganz Bolivien zugespitzt hatte. Es gibt bis jetzt unzählige Tote und Vermisste, viele Dörfer sind überflutet oder weggeschwemmt, Brücken sind weggerissen und viele Straßen sind aufgrund von Hangrutschen oder ähnlichem unbefahrbar. In La Paz ist sogar ein Teil der Trinkwasserversorgung für Tage zusammengebrochen.
So nutzten wir die „Zwangspause“ für schon lange ausständige Arztbesuche. Dank Wolfgang fanden wir auch einen guten Zahnarzt, der noch einen Termin für uns einschieben konnte. So kriegte Marita statt der erwarteten einen Füllung gleich vier und Kevin, der eigentlich nur zur Kontrolle da war ging mit einem Weisheitszahn in der Tasche heim.
Der zweite Arztbesuch war bei einer Dermatologin, da Kevin seit Uruguay einen seltsamen Abszess am Bauch hatte, der nicht abheilen wollte. Die Ärztin meinte es sei ein Abszess, der aufgeschnitten werden müsste. Sie und auch wir staunten nicht schlecht, als uns aus der Wunde statt dem erwarteten Eiter eine ca. 1cm große Larve entgegenlachte. Dermatobia hominis – die Larve der Dasselfliege. Diese Fliege legt ihre Eier auf anderen Insekten, oftmals Moskitos, ab. Diese Schlüpfen auf ihrem Zwischenwirt und lassen sich, wenn dieser ein Tier oder einen Menschen sticht, auf die Haut des Opfers fallen. Durch die Einstichstelle kriecht die winzigkleine Larve in die Haut und nistet sich dort ein. Sie wird bis zu 3cm groß (Kevins Exemplar war also noch ein Teenie) und verlässt, wenn sie ausgewachsen ist ihren Wirt um sich zu verpuppen und zur Fliege zu werden…Kevins Haustierchen schaffte es nicht so weit und wir haben jetzt ein neues, in Formalin eingelegtes Reisemaskottchen.
Nach einem Tag Ruhepause von der Zahn- und Larvenextraktion ging es wieder weiter – nach Cochabamba.

Die Fahrt von Santa Cruz nach Sucre...

Wir fuhren also zum Busterminal, kauften uns unsere Tickets und setzten uns entspannt in den Bus. In bolivianischen Bussen wird, solange sie noch im Terminal stehen so ziemlich alles verkauft und so genehmigten wir uns was zu Essen und eine Zeitung. Erst hier lasen wir was die andauernden Regenfälle in Bolivien angerichtet hatten. Unzählige Straßen (unter anderem in dem Gebiet um Santa Cruz) waren unbefahrbar und es war sogar schon nationaler Katastrophenalarm ausgerufen worden.
Wir hofften also für unsere Strecke das Beste…Bis 3 Uhr morgens ging auch alles relativ glatt, aber bei einer Furt (in Bolivien gibt es kaum Brücken) war dann endgültig Schluss. Der Regen hatte den kleinen Bach in einen reißenden Fluss verwandelt, sodass an eine Überquerung nicht zu denken war. Das einzige was wir machen konnten war darauf zu warten, dass das Wasser weniger werden würde. Und wir waren nicht die einzigen, die warteten...Neben unserem Bus standen noch ca. 8 andere Busse und einige LKWs in der Schlange.
Nach 11 Stunden ohne Futter und Wasser kam endlich Leben in die wartende Schlange. Ein Baufahrzeug und ein LKW riskierten die Durchquerung des Flusses und schafften es auch mit Müh und Not – Für Busse war es aber immer noch unmöglich. Erst als irgendjemand ein Baufahrzeug organisiert hatte, das die Furt von großen Steinen und Unebenheiten befreite konnten es auch die Busse wagen. Zum Glück saßen wir nicht im ersten Bus!
Mit viel Anlauf und etwas Glück schafften es aber alle heil ans andere Ufer und die Fahrt nach Sucre konnte weitergehen.
Nach 26! Stunden (statt normalerweise 12) kamen wir endlich in der weißen Stadt Sucre an.

Santa Cruz de la Sierra...

Bei unserem ersten Bolivien-Besuch vor gut einem halben Jahr schauten wir uns hauptsächlich das Altiplano an (Andenhochebene, die sich von Südbolivien bis Peru erstreckt). Dieses Gebiet ist aufgrund der enormen Höhe (der Großteil über 4000m) sehr karg und lebensunfreundlich. Es gibt praktisch keine Industrie und das einzige das wächst sind Kartoffeln und Quinoa. Aus diesem Grund ist dieser Teil Boliviens auch extrem arm und (nach Meinung der UNO) „unterentwickelt“.
Bei unserem jetzigen Besuch wollen wir uns eher das reichere Tiefland ansehen. Aufgrund des großteils tropischen Klimas wächst hier fast alles und zudem befindet sich hier auch das enorme Ölvorkommen des Landes.
Santa Cruz ist mit 1,3 Mio. Einwohnern Boliviens größte Stadt und neben Cochabamba eine der Reichsten. Im Zentrum findet man unzählige Boutiquen und edle Restaurants. Je weiter man sich aber vom historischen Zentrum entfernt desto mehr wird aber auch deutlich, dass das Geld in Bolivien nur in den Händen weniger ist…
Im Moment ist in Bolivien Regenzeit, was normalerweise heißt, dass es jeden Tag ein bis zwei Stunden regnet und sonst die Sonne scheint. Dieses Jahr ist das aber dank „La Niña“ anders und es schüttet in Strömen.
Aus diesem Grund hielten wir unseren Aufenthalt in dieser Großstadt kurz und hofften auf besseres Wetter in Sucre.

Asunción...

Südamerika ist relaxt, Uruguay ist sehr relaxt und in Paraguay kriegst du fast die Schlafkrankheit – Da tut sich rein gar nix!
Das soll jetzt nicht heißen, dass Paraguay kein schönes Land ist, ganz im Gegenzteil, aber es ist einfach nichts los. In den Sommermonaten verschlimmert sich die Situation noch, weil eine glühende Hitze über dem ganzen Land liegt. Besonders Asunción sollte man um diese Jahreszeit meiden. 40 Grad im Schatten bei einer Luftfeuchtigkeit, die dir die Schuhe auszieht! Deshalb gestalteten wir auch unseren Paraguayaufenthalt relativ kurz.
Neben dem üblichen Sightseeing konnten wir hier auch extrem viel deutsche Kultur bewundern. Unter dem Diktator Strössner (1954-1989) wanderten sehr viele Deutsche nach Paraguay aus (unter anderem wurde vielen Nazis Asyl gewährt). Der Chaco, ein großes, reltiv trostloses Steppengebiet wird fast ausschließlich von deutschen Mennoniten bewohnt. Hier wird auch heute noch (Platt)deutsch gesprochen. Auch in Asunción findet man überall deutsche Bäckereien, Fleischereien, Hotels…sogar zwei deutschsprachige Zeitungen gibt es in Paraguay. Dieser Auswanderungstrend setzt sich auch heute noch fort – Es gibt im Internet eine Unzahl an Comunities, Foren und sonstigen Seiten von Auswanderern für Auswanderer – alles in Deutsch versteht sich.
Eigentlich sollte man sich so richtig DEUTSCHE Kultur in Südamerika ja anschauen, aber da wir uns wahrscheinlich mit den oberreligiösen und konservativen Mennoniten nicht all zu gut verstanden hätten, ließen wir den Zwischenstopp im Chaco aus und reisten gleich direkt nach Santa Cruz/Bolivien. Mit dem Bus ging es über die Ruta Trans-Chaco, die Hauptroute, die Paraguay und Bolivien miteinander verbindet. Man soll sich da aber keine falschen Vorstellungen machen. Die Trans-Chaco wird nicht zu Unrecht als eine der miesesten Straßen Südamerikas bezeichnet – bei Sonnenschein brauchst du eine Staubmaske und bei Regen am besten Gummistiefel und eine Schaufel…
Dank unserem Rallye -Busfahrer kamen wir aber trotzdem in Rekordzeit gut durchgeschüttelt in Santa Cruz an.

Hurra, hurra die Post ist da! Endlich gehts weiter...

Nach ein paar weiteren Tagen des Wartens in Montevideo wollten wir schon fast wieder an den Strand abhauen…Zum Glück schauten wir vorher noch mal bei der Post vorbei, wo ein Umschlag für Kevin auf uns wartete. Wir erfuhren auch (Internetverfolgung sei Dank), dass Maritas Karte am Vortag in Montevideo angekommen war und aus unerfindlichem Grund gleich wieder zurück nach Österreich gegangen ist.
Aber da wir ja jetzt zumindest eine Bankomatkarte und die Kreditkarte haben und Maritas nicht verschollen, sondern auf dem Weg zurück nach hause ist, konnten wir weiter.
Gleich am nächsten Tag ging es also per Bus raus aus der Stadt und dann per Daumen Richtung argentinischer Grenze. Aber schon von unserer zweiten Mitfahrgelegenheit erfuhren wir, dass die Grenzen zu Argentinien am Landweg alle dicht sind. Grund sind die schon seit langem andauernden Streitigkeiten der zwei Länder wegen der uruguayischen Papierfabrik am Grenzfluss. Deshalb machen die Argentinier immer wieder die Grenzen dicht und der einzige Weg das Land in Richtung Argentinien zu verlassen ist per Fähre nach Buenos Aires.
Also änderte sich spontan unsere geplante Route und wir stoppten nach Colonia del Sacramento. Aber da Wochenende war und alle Porteños (Bewohner von Buenos Aires und Umgebung) wieder nachhause wollten waren die günstigen Fähren natürlich alle voll. Für uns hieß das also eine Nacht im Straßengraben und am nächsten Morgen weiter nach Carmelo, wo auch noch Fähren fahren.
Mit viel Glück ergatterten wir 5 Minuten vor Abfahrt noch zwei Restplätze und konnten endlich aus Uruguay ausreisen…
In Buenos Aires hatten wir schon eine halbe Stunde nach Ankunft am Terminal einen Anschlussbus nach Asunción/Paraguay.

Donnerstag, 10. Jänner 2008

Cabo Polonio - Das gelobte Land aus Sand...

Schon vor ziemlich genau einem Jahr waren wir in diesem kleinen Hippie-/Fischerdorf am Rande der berühmten Wanderdünen. Es liegt auf einem kleinen Kap, das sich die Bewohner mit einer großen Kolonie von Seelöwen teilen. Es gibt keinen Straßenanschluss und die einzige Stromleitung hierher versorgt den Leuchtturm und sonst nichts. Am Abend flackern in den Fenstern der Häuser Kerzen und man hört statt Fernseher und Radio Gitarrenmusik und Live-Gesang. Unter Tags tummeln sich viele Tagestouristen, aber da es keine Hotels oder ähnliches gibt bleiben am Abend nur noch die eingesessenen Hippies über. Da im Dorf campen verboten ist bildet sich jeden Sommer eine kleine Zeltstadt ca. 1km außerhalb an einem kleinen Bach. Hier ließen wir uns auch wieder nieder und ergatterten diesmal sogar ein echt geniales Platzl. Wir hatten unseren eigenen Strauch (von denen es in und um Polonio nicht all zu viele gibt) und hatten so den ganzen Tag Schatten, was hier VIEL wert ist. Dank unserm Busch hatten wir auch viele Mitbewohner, die teils sogar IN unserem Zelt Quartier bezogen. Neben unzähligen Vögeln bestand unsere Nachbarschaft sonst hauptsächlich aus Insekten. Riesengrillen bevölkerten unsere Rucksäcke und deren Tragesysteme und die sich dazugesellende Riesensandspinne (Größe einer halbwüchsigen Vogelspinne) durfte nur deshalb bleiben, weil wir hofften, dass sie erstere Bewohner verzehren könnte. Neben Ameisen und Käfern besuchte uns eines Tages auch eine 1,3m lange, vermutlich giftige Schlange – Die haben wir nicht zu uns ins Zelt gebeten, auch wenn sie vielleicht auch Grillen frisst… Um 3 in der früh wurden wir gelegentlich von kauenden, schmatzenden, prustenden, unseren Strauch fressenden Kühen geweckt, aber Gott sei Dank waren sie so nett unser Zelt nicht niederzutrampeln.
Natürlich statteten wir auch den Lobo Marinos (Seelöwen) wieder einen Besuch ab und Kevin hatte den größten Spaß sie mit der neuen Kamera von ihrer Schokoladenseite zu erwischen.
Am 30. Dezember hatten wir die gute Idee, wie schon im Jahr zuvor, wieder Herzmuscheln zu essen. Wir buddelten einige hundert dieser delikaten Tierchen aus dem Strand und bereiteten sie in lecker Gemüsesauce ganz frisch zu – Ein Festmahl…von dem wir Stunden später noch was haben sollten.
Was wir nicht ahnen konnten war, dass gerade Rotalgensaison ist. Diese spezielle Algenart kommt nur 10 Tage im Jahr in Küstennähe vor und macht für diese Zeit sämtliches Seafood ungenießbar.
Fischvergiftung ist etwas, dass wir niemandem wünschen. Die ganze Nacht über pflanzten wir Tretminen in die Dünen. Muschelsuppe aus allen Enden – Kevin schaffte es sogar 3 dieser kleinen Biester durch die Nase wieder ans Tageslicht zu befördern…
Von unseren nächtlichen Dünenbesuchen noch etwas angeschlagen verbrachten wir den ganzen 31. im Schatten. Am Abend verließen wir nur zweimal kurz das Zelt. Das erste Mal um 20:58 Uhr, um in Gedanken mit allen Daheimgebliebenen Silvester zu feiern und zu schauen ob wir die versprochenen Raketen sehen. Das zweite Mal machte uns der Wecker um kurz vor 12 darauf aufmerksam, dass wir raus sollten um das Feuerwerk nicht zu verpennen. Nach einer halben Stunde lagen wir aber schon wieder, immer noch von Bauchkrämpfen geplagt, in unseren Schlafsäcken.
Am 1. Jänner ging es uns aber dann schon wieder relativ gut – da waren wir die einzigen in Cabo Polonio. Während der ganze Ort im Schatten seinen Kater ausschlief feierten wir Kevins Geburtstag am Strand mit viel Sonne, Sand und Wellen. Das große Geburtstagsessen müssen wir aber noch nachholen, da sowohl unser Budget, als auch unsere angeschlagenen Mägen mit Spaghetti mit Tomatensoße zufrieden waren.
Jeden Abend machten wir einen Ausflug ins Dorf um an der einzigen Stelle mit Handyempfang unser Mobiltelefon für eine viertel Stunde in die Luft zu strecken und zu sehen ob schon ein SMS mit der Nachricht der Bankomatkartenankunft aus Montevideo gekommen ist.
Am 6. Jänner mussten wir Polonio schweren Herzens den Rücken kehren, da wir Abgabetermin für unsere 3-wöchige Zeitungskolumne (Tips-Freistadt) hatten. Es gibt nicht viele Orte in Südamerika von denen uns die Abreise so schwer fällt wie von diesem Flecken Sand.
So marschierten wir zwangsweise die 8km über die Dünen zurück zur Strasse und stoppten Richtung Internet. Unser erster Lift war eine Familie aus Montevideo, die uns nach La Paloma mitnahm und uns, unser Kartendilemma kennend, sogar ihr Haus in Montevideo zur Verfügung gestellt hätte (auch wenn sie noch 2 Wochen Urlaub in Aguas Dulces machen würden). Die kennen dich grad mal eine halbe Stunde und bieten dir an in ihrem Haus zu wohnen…Das gibt’s nur in Uruguay!
Nachdem wir in La Paloma den Bericht geschrieben und verschickt hatten, stoppten wir noch Richtung Montevideo. Unser zweiter Lift an diesem Tag nahm uns auch bis in die Hauptstadt mit und lud uns sogar noch zum Essen ein. Manche Menschen sind fast zu nett für diese Welt…
In Montevideo fanden wir glücklicherweise eine Bank, die uns mit Kevins komplett verbeulter Kreditkarte trotzdem Geld gab. Nicht mehr am Hungertuch nagend (zuletzt hatten wir nur noch 300 Peso = 10 Euro – nicht mal in Uruguay ist das viel Geld) sitzen wir jetzt in Montevideo und warten auf Post…

Unsere Odyssee nach Cabo Polonio...

Nachdem unsere Bankomatkarten erst Anfang Jänner in Montevideo eintreffen würden beschlossen wir noch einige Tage nach Cabo Polonio zu fahren um dort am Strand auszuspannen und Geld zu sparen.
Wir hatten auch echtes Stopperglück und schossen am ersten Tag gleich übers Ziel hinaus. Vor lauter quatschen mit unserem netten Autofahrer übersahen wir die Abzweigung nach Aguas Dulces und so beschlossen wir eben spontan bis Punta del Diablo mit ihm mitzufahren. Wir campten die Nacht in den Dünen am Strand und machten uns am nächsten Tag auf die Rückreise Richtung Aguas Dulces. Dort angekommen wollten wir über den Strand bis Cabo Polonio wandern – gesamt etwa 15km. Aber nach 7km war in der kleinen Ortschaft Valizas Schluss. Hier fließt nämlich ein ca. 5m breiter Fluss ins Meer, den wir aufgrund der starken Strömung mit den Rucksäcken nicht durchqueren konnten. Die einzige Möglichkeit rüber zu kommen war ein alter Knacker mit seinem Motorboot. Dieser verlangte aber allen Ernstes für diese 5m 20Pesos pro Person. Einheimische sagten uns, dass er normalerweise 5-10 pro Person kassiert und bei uns wahrscheinlich wegen der Rucksäcke draufschlägt – klar, ohne Rucksack könnte man den Fluss ohne weiteres furten, aber mit den Packeln waren wir auf ihn angewiesen… und da er uns das mit so einem Scheiß-Grinser sagte, beschlossen wir ihm das Gegenteil zu beweisen...
Es ging zwar nur um einen Betrag von ca. 70cent pro Person, aber hier schalteten wir einfach auf stur! Wir marschierten nach Valizas rein, von dort weiter auf die Ruta 10 und erreichten so nach ein paar Stunden die Brücke die wir gratis und mit einem breiten Grinsen überquerten! Alles in allem ein Umweg von ca.15km, aber um die 40 gesparten Peso kriegt man mindestens ein Bier (1 Liter natürlich)!
Am nächsten Tag schafften wir es zu Fuß über die Dünen bis Cabo Polonio! Das gelobte Land hat uns wieder!

Weihnachten in Montevideo...

Wir konnten Weihnachten in der Wohnung einer Freundin von Juliana und Beta feiern – mitten in der Altstadt von Montevideo. Es gab sogar einen Computer mit Internetanschluss und so konnten wir sogar mit unseren Familien telefonieren.
Am 24. kauften wir groß ein und feierten mit viel Essen (1/2kg Fleisch pro Person), mitternächtlichem Countdown und Feuerwerk – nix da mit stiller Nacht! Es war wirklich ein gemütliches Beisammensein, auch wenn sich bei uns so keine rechte Weihnachtsstimmung einstellen wollte. Wie denn auch bei Sommertemperaturen und Mitternachtsfeuerwerk?

Zu Besuch in der Metropole Jose Pedro Varela...

Jose Pedro Varela ist ein kleines 6000-Seelen-Nest im Landesinneren. Alles lebt hier von der Landwirtschaft oder der Reisindustrie. Eine Ortschaft in der es wirklich NICHTS zu sehen gibt... Außer es verirren sich mal zwei Backpacker hierher…
Schon auf unserem Weg von der Landstraße ins Zentrum ernteten wir so manch fragenden Blick und die alte Dame, die wir nach dem Weg fragten hatte richtig Angst vor uns zwei Exoten. Bei unseren Ausflügen in den Supermarkt wurden wir auch beäugt als wären wir von einem anderen Stern…
Beta hat hier ein kleines Haus in dem sie nicht nur lebt, sondern auch arbeitet – todo es ceramica (alles ist Keramik)! Entsprechend sieht es auch im und ums Haus aus. In der Küche stapeln sich Farbtöpfe, das Wohnzimmer ist mit halbfertigen Stücken und Materialien vollgestellt und überall liegt der nicht zu vermeidende graue Staubfilm. Da Beta in letzter Zeit nicht nur mit der örtlichen Trennung von Juliana zu kämpfen hat, sondern auch noch massive finanzielle Probleme hat, kamen wir gerade recht. Wir versuchten unser Bestes, krempelten Haus und Hof um und brachten etwas Leben in ihre Bude. Den ganzen Tag waren wir mit irgendwelchen Reparaturen oder sonstigen Projekten beschäftigt – wir spielten Automechaniker, eröffneten Varelas erstes Keramikgeschäft, brachten Ordnung ins Haus,…
Nach der Arbeit ging Beta dann jeden Abend mit den zwei Weltreisenden hausieren und angeben. Bald kannte uns das ganze Dorf und wir hatten jeden Abend eine andere Einladung. Im Tausch gegen uruguayische Hausmannskost und das eine oder andere Gläschen Bier brachten wir die große, weite Welt ins Wohnzimmer der Varelos und unterhielten sie mit unseren Fotos und Reisegeschichten.
Eine besondere Einladung war die zur Feier des 50. Geburtstags von Daniel, auf die sich das ganze Dorf schon 2 Wochen vorher freute. Es war DAS Event in Varela und wir durften uns zu den auserwählten 100 Gästen zählen. Zu Essen gab es etwas typisch Uruguayisches – Es wurde eine halbe Kuh in ihrer Haut gegrillt – mit Haaren und allem drum und dran. Ein ungewohnter Anblick, wenn man ein Stück Fleisch samt Fell am Teller liegen hat, aber man isst eh nur das Fleisch. Die Haut bleibt beim Grillen nur deshalb drauf, damit das Fleisch saftiger bleibt. Echt lecker!
Bei Wein, Whisky, Musik und Tanz wurde bis in den Morgen gefeiert und wie es sich für echte Österreicher gehört waren wir diejenigen, die bis zur Sperrstunde übrig geblieben sind…
Nach einer echt gemütlichen Zeit in Varela packten wir am 24. aber dann doch zusammen und fuhren nach Montevideo um mit Juliana und Beta dort die Feiertage zu verbringen.

Montevideo...

Zurück in Montevideo checkten wir im gleichen Hotel ein, in dem wir auch bei unserer Ankunft in Südamerika abgestiegen waren. Hier wurde auch unser 1jähriges Reisejubiläum bei Chips und Packlwein ausgiebig gefeiert. Eigentlich wollten wir ja gespitzt essen gehen, aber nach einer kurzen Restaurant-Sightseeing-Tour beschlossen wir, dass unser Geld im Supermarkt effektiver investiert ist und deckten uns dort mit Junkfood ein.
Tags darauf besorgten wir uns eine neue uruguayische SIM-Karte und kontaktierten all unsere Freunde vom letzten Sommer. Das ganze artete beinahe in Stress aus: Mit Belén waren wir bei der Noche de las Luces (größtes Feuerwerk in Uruguay um den Anfang des Sommers zu feiern), mit Nacho besuchten wir ein Experimentaltheater,…Walter lud uns zu einem „kleinen Snack“ zu Mittag ein, was sich als das edelste Essen seit über einem Jahr entpuppte. Am Mercado del Puerto, wo sich ein Nobelrestaurant an das andere reiht, genehmigten wir uns erst einen typisch uruguayischen Aperitif und schlugen uns dann die Bäuche mit einem Riesenasado voll. Im kommenden (europäischen) Sommer kommt Walter nach Österreich – wir werden zwar noch nicht daheim sein, aber vielleicht können sich unsere Familien mal revanchieren…
Nachdem uns Juliana und Beta eingeladen haben, so wie letztes Jahr Weihnachten mit ihnen zu feiern, beschlossen wir kurzerhand unseren Uruguay-Aufenthalt noch zu verlängern.
Nach ein paar Tagen im teuren Montevideo wollten wir in das kleine Nest José Pedro Varela im Landesinneren um dort Beta in ihrem Haus zu besuchen und die Zeit bis Weihnachten tot zu schlagen. Vor der Abreise wollten wir noch schnell zum Bankomaten um ein wenig Geld abzuheben, aber…nix da! – Karte kaputt! Da sich Kevins Bankomatkarten in der brasilianischen Hitze im Zelt etwas deformiert hatten und seit dem nur noch bei jenen Bankomaten funktionieren, die die Karten nicht einziehen (solche gibt es in ganz Uruguay nicht) und Maritas nun auch den Geist aufgegeben hatte, hatten wir ein Problem. Das Bestellen einer neuen Bankomatkarte dauert in Österreich 10 Tage und dann kommen noch mal 3-15 (oder mehr)Tage für den Postweg nach Südamerika dazu. Naja, wir können das auf Post warten eh schon ganz gut (siehe Salvador)…

Colonia del Sacramento...

Diese Stadt ist DAS Aushängeschild von Uruguay und Pflichtpunkt bei jeder Uruguayreise. Die ehemalige Schmugglerstadt an der Mündung des Rio de la Plata ist heute ein echtes Juwel – verwinkelte grob gepflasterte Gassen, kleine liebevoll restaurierte Kolonialbauten und überall blühende Büsche und Blumen.
Wir schafften es aber wieder mal uns nicht wie Standardtouristen aufzuführen und verzogen uns in den Hafen zum Fischen – so wie es die Einheimischen machen…
So schön Colonia aber ist, so klein ist es auch und deshalb hatten wir nach 2 Tagen alles gesehen und es konnte nach Montevideo weitergehen.
Unser erster Lift war gleich eine lokale Berühmtheit – Emilio Arenas Florin. Er hat 3 Einträge im Guiness´ Buch der Rekorde für die weltgrößte Sammlung an Bleistiften, Schlüsselanhängern und Zündholzschachteln. Da man als Autostopper für so was immer Zeit hat nahmen wir sein Angebot an und schauten uns sein kleines Privatmuseum an – echt beeindruckend so ein Sammlervogel!
Unser nächster Lift war anfangs weit weniger gesprächig als Emilio und so nahmen wir an, dass er einfach keine Lust zu plaudern hatte. Nach ca. 50 Schweigekilometern schwenkte der Wagen plötzlich nach links und wir donnerten mit 100km/h in den Strassengraben. Während unser Fahrer ein Nickerchen hielt versuchten wir den Wagen ohne zu schleudern wieder auf die Straße zu bekommen. Davon wurde unser Schläfer aber dann doch munter und meinte mit einem Lächeln: Wenn ihr jetzt nicht gewesen wärt, wäre ich jetzt tot. Dann gab er auch noch zu, dass es heute eh schon das zweite Mal ist, dass er weggenickt ist…Die restliche Fahrt versuchten wir alles um die Konversation aufrecht zu erhalten. Auf einen zweiten Ausflug in den Strassengraben hatten wir echt keine Lust!

Buenos Aires...

Unser erster Besuch in der Hauptstadt Argentiniens vor knapp einem Jahr fiel ja sehr kurz aus, weswegen wir jetzt, auf unserem Weg Richtung Uruguay noch ein paar Tage Sightseeing in der Stadt des Tangos einlegten.
Wir quartierten uns zwangsweise in einem der vielen Gringo-Hostels ein. Hier wurde uns wieder einmal bewusst, dass Reisen nicht gleich Reisen ist. In diesen Unterkünften trifft man hauptsächlich jene mutigen Abenteuer, die mit einem Around-the-World-Ticket in 7 Monaten die ganze Welt neu entdecken und schon nach 2 Monaten in Südamerika echte Hardcore-Traveller sind. Die einzigen Einheimischen mit denen sie je Kontakt hatten sind meist englischsprachige Hotelangestellte, Taxifahrer und Kellner – aber ein Urteil über „die südamerikanische Kultur“ ist auf jeden Fall drin. Wir versuchten die sozialen Kontakte zu unseren „Reisekollegen“ auf ein Minimum zu beschränken und verbrachten die Tage mit Sightseeing und die Abende mit Internetrecherche im hosteleigenen Wi-Fi.
Von Buenos Aires ging es mit dem Zug in den Vorort Tigre, wo wir eine Fähre über den Rio de la Plata nach Carmelo/Uruguay nahmen. Von da gings mit dem Daumen weiter nach Colonia del Sacramento.

Rosario...

Der Grund warum wir unbedingt auch nach Rosario mussten war eine Adresse, die jedem Argentinier ein Begriff ist – Entre Rios 480. In diesem gewöhnlichen Wohnhaus erblickte am 14.Juni 1928 Ernesto „Che“ Guevara das Licht der Welt. Nur ein kleines Schild weist darauf hin, aber wenn man schon in der Nähe ist…
Wir kamen am Abend in Rosario an und da sich kein Hotel in unserer Preisklasse finden ließ beschlossen wir nach einigen Stunden City-Trekking einfach ein Foto unseres Besuchsgrundes zu machen und wieder zurück zum Busterminal zu fahren. Um 2 in der Früh nahmen wir einen Bus nach Buenos Aires…

Alta Gracia...

Alta Gracia ist eine Kleinstadt 35km von Cordoba entfernt und war bis Mitte des letzten Jahrhunderts das In-Sommerfrische-Ziel der argentinischen Highsociety. Deshalb und aufgrund des milden Klimas zog auch die Familie Guevara Lynch hierher. Die gesunde Luft sollte ihrem Sohn, dem asthmakranken kleinen Ernestito gut tun.
Das Haus, in dem die Familie 11 Jahre lang lebte ist heute ein Museum und tausende Fans des Comandante Ernesto „Che“ Guevara pilgern jährlich hierher. Von der Kinderzeichnung über Guerillaanzug bis hin zu seiner Pfeife ist alles ausgestellt. Sogar die „Poderosa“, sein Motorrad, mit dem er ganz Südamerika bereiste kann man bewundern. Unzählige Fotos zeigen ihn als Kind, Vater, Guerilla und Minister. Dieses Museum ist für jeden wahren Che-Fan ein Muss!
Nach ein paar Tagen ging es per Bus nach Rosario. Von einer Großstadt in die Nächste per Daumen war uns einfach zu viel Stress.

Von Salta nach Cordoba...

Einen Tag vor der geplanten Abreise aus Salta lernten wir die beiden Slowaken Zuzana und Juri kennen. Und weil grillen zu mehrt viel lustiger ist, beschlossen wir am Abend ein großes Asado zu veranstalten. Das Wetter machte uns aber fast einen Strich durch die Rechnung. Zum Glück gibt es auf dem Campingplatz aber einen überdachten Grillplatz, den wir uns witterungsbedingt mit all den anderen Campern teilen mussten. Anfangs war es noch ungemütlich und jeder war jedem im Weg aber nach ein paar Gläschen Wein legte sich das und bald wurden Gitarren, Trommeln und Zuzanas Fiedel ausgepackt. Ab da ging die Party so richtig los. Auf 25m² feierten wir zu 20st bis spät in die Nacht. Aus diesem Grund wurde auch die Abreise aus Salta noch einen Tag verschoben – es ist so leicht sich auf argentinischen Campingplätzen zu vertrödeln…
Auf unserem Weg nach Cordoba übernachteten wir eine Nacht in Santiago del Estero, wo wir schon am Weg zum Campingplatz zwei neue „Freunde“ fanden. Javier und Hugo sind zwei Artesanos (Reisende Hippies, die sich mit Knüpfen, Jonglieren,…ein paar Peso verdienen und sich das Land anschauen), die eine Wahnsinnsfreude hatten, dass sich in diese Stadt mitten in der heißen Steppe noch zwei ihrer Art verirrt hatten. Die Hellsten sind sie zwar nicht und auch nicht unbedingt die Organisiertesten, Saubersten oder Nüchternsten, aber zwei echt liebe Kerle. Javier ist der etwas Schlauere und Begabtere und verdient Geld mit Jonglieren und Knüpfen. Hugo kann dafür ganz gut Autoscheiben putzen. Ein irres Team!
Von Santiago ging es noch bis ins 70km entfernte Loreto und dann war Schluss mit unserem Stopperglück. In einer der heißesten Ortschaften Argentiniens (hier dauert die Siesta von 11 bis 17Uhr) standen wir uns in der sengenden Hitze ohne Schatten einen Tag lang die Füße in den Bauch. Am Abend marschierten wir aus der Ortschaft hinaus und fragten beim Polizeiposten, ob wir in der Nähe unser Zelt aufschlagen könnten. Die Beamten waren erst mal völlig überfordert – so was ist in der Metropole Loreto noch nie passiert – und gaben uns ihr ok. Nach ca. 10 Minuten kamen sie noch mal angeschwänzelt und der Rädelsführer fragte uns nach unseren Daten - zur Sicherheit. Irgendwie kams aber eher so rüber, als ob sie einfach einen Grund gebraucht hätten um die beiden Exoten etwas näher beäugen zu können.
Der nächste Tag ging so erfolglos weiter wie der letzte aufgehört hatte und nach 5 Stunden in der Hitze beschlossen wir einen Bus nach Cordoba zu nehmen.
In Cordoba nisteten wir uns am städtischen Campingplatz ein, der eigentlich schon nicht mehr in der Stadt ist…13km vom Zentrum, aber 10 davon kann man immerhin im Bus zurücklegen. Cordoba ist Argentiniens größte Universitätsstadt mit 7 Unis und deshalb hat sie auch ein ziemlich lebhaftes und jugendliches Flair. Aber eigentlich ist es nur eine große Stadt wie alle anderen. Wir nutzten sie hauptsächlich als Ausgangspunkt für unseren Ausflug nach Alta Gracia, wo „El Comandante“ seine Jugend verbrachte…

Freitag, 23. November 2007

Salta - La Linda (die Schoene)...

Inmitten waldbedeckter Hügel liegt diese hübsche, ruhige Stadt. Wenn man in ihrem gepflegten Zentrum herumschlendert glaubt man fast nicht, dass hier eine halbe Million Menschen leben. Neben vielen alten Kolonialbauten und Kirchen hat die Stadt auch noch ein echt interessantes Museum. Es wird der Fund von 3 Kindermumien dokumentiert, die von den Inkas auf 6700m auf dem Gipfel des Vulkans Llullaillaco den Göttern geopfert wurden. Für die Inka hatten die Berge eine besondere Bedeutung, da sie den Göttern näher waren als alles andere. Diese Mumien sind so gut erhalten, dass man glaubt, dass sie jeden Moment aufwachen könnten. Echt faszinierend!
Nachdem der Campingplatz, wie in Argentinien ueblich viel zu gemuetlich ist, haben wir uns wieder einmal vertroedelt, aber morgen gehts hoffentlich wieder weiter...Heute steht noch ein Grillabend mit unseren slowakischen Zeltnachbarn an – mal schauen wann wir morgen aus dem Zelt koennen und ob es ratsam ist in fremde Autos zu steigen...

„Con dedo“ (mit dem Daumen) - Von Encarnacion nach Salta...

Im Osten Paraguays ist Autostoppen nicht üblich – in Argentinien aber schon! Deshalb ging es nach einem regenbedingten Pausetag in Encarnacion über die Brücke in die argentinische Schwesterstadt Posadas am anderen Flussufer. Ab hier hatte uns die Landstrasse wieder….naja fast…erst mussten wir mal aus der Stadt rauslatschen – 9km in der brütenden Nachmittagshitze um nachher herauszufinden, dass auch ein Stadtbus um einen Peso so weit raus gefahren wäre…Von hier gings dann aber – mit einem netten Vampirjäger bis zum Polizeicheckpoint vor der Stadt und dank der Hilfe der Polizisten auch noch weiter. Ein Bauer nahm uns auf seinem Pickup mit, bis sein Feldweg zu seiner Estancia abzweigte – Wir waren froh, denn hier mitten im Nichts findet man leicht einen Platz für sein Zelt in der Nähe der Straße und kann so am nächsten Tag zeitig aufbrechen und weiterstoppen. Außerdem wird man fernab der Zivilisation viel leichter mitgenommen – Mitleids-Bonus!
Am darauf folgenden Tag saßen wir mit einem Kampfhund auf einer Ladefläche, tranken im klimatisierten Luxusschlitten Mate mit einem Geschäftsmann, purzelten auf der Ladefläche eines Kleintransporters herum und schlichteten uns zu guter letzt mit unseren Riesenrucksäcken in einen Kompaktwagen. – ein ganz normaler Autostoppertag also. Von Corrientes ging es dann zu Fuß über die längste Brücke, die wir je zu Fuß überquert haben (45min.) ins gegenüberliegende Resistencia. Hier spannten wir mal ein paar Tage aus – uns wollten echt Gringos erzählen, dass Busreisen ja SO anstrengend ist…
Von Resistancia gings dann mit einem richtigen argentinischen Rinderbaron in die 200-Seelen-Metropole Pampa del Infierno. Auf der Fahrt erzählte er uns ein wenig von seinem Geschäft, den 6000 Kühen, die er jährlich kauft und verkauft, den Fleischpreisen, die die argentinische Regierung niedrig hält und seinen 3 Autos, Häusern, Boot und Privatflugzeug, die er sich auch noch leisten muss. – man hat´s nicht leicht als Rinderzüchter, oder?
Pampa del Infierno trägt seinen Namen zu Recht – es hat eine Affenhitze dort! Wir litten in der Mittagshitze Höllenqualen und müssen wirklich arm ausgeschaut haben, weil sogar ein Langstreckenlinienbus stehen blieb und uns gratis mehrere hundert Kilometer mitnahm. Man kann fast ein schlechtes Gewissen kriegen, wenn man im klimatisierten Bus neben all den zahlenden Fahrgästen sitzt und sich Spiderman 2 im Fernsehen ansieht… Und weil gratis Busfahren noch nicht reicht campten wir an diesem Tag noch auf einem Tankstellencampingplatz – ebenfalls umsonst. Nach einer regenreichen Nacht (in der wir ausnahmsweise mal nicht ganz abgesoffen sind) kamen wir mit einem Trucker gleich mehrere hundert Kilometer mit – Kevin hinten auf der Ladefläche, Marita als Flirtunterhaltung vorne...Das letzte Stück bis Salta legten wir im Kleinwagen des Bürgermeisters von El Golpón zurück. Der war so stolz darauf erfolgreich zum ersten Mal Autostopper mitgenommen zu haben, dass er fast darauf vergessen hätte unseren zweiten Rucksack auszuladen…

Die Jesuitenreduktionen von Jesus und Trinidad...

Etwa 30 Kilometer nördlich von Encarnacion liegen die ehemaligen Jesuitenmissionen von Jesus und Trinidad. Hier wurden bis vor ca. 250 Jahren Guaraní (Ureinwohner dieses Gebietes) von Jesuitenmönchen „bekehrt“. Anders als bei anderen Missionierungsaktionen ging es hier aber auch um den Schutz der indigenen Bevoelkerung vor den Sklavenhaendlern und Grossgrundbesitzern. Ab ca. 1600 hatten die Jesuiten das o.k. von der spanischen Krone in den Guaraní-Gebieten Ackerbau zu betreiben und zu missionieren. Diese Jesuitenreduktionen erwirtschafteten aber bald so viel Ueberschuss, dass die Spanier das Ganze abbliesen und die Jesuiten wieder verstaubten. Die Reduktionen verfielen langsam und wurden erst vor kurzem wieder restauriert. Trinidad ist heute sogar UNESCO Weltkultuterbe was aber nicht heisst, dass es deshalb ueberrannt ist...
Direkt neben den Ruinen konnten wir glücklicherweise gratis campen und am nächsten Tag waren wir schon wieder on the road to Encarnacion.

Itaipú...

Itaipú ist nach dem kürzlich fertig gestellten Dreischluchtendamm in China das zweitgrößte Wasserkraftwerk der Erde. Nach fast 10 Jahren Bauzeit ging es 1984 in Betrieb und versorgt bis heute praktisch ganz Paraguay und ein Viertel Brasiliens mit Energie. Dennoch ist das Werk sehr umstritten, da nicht nur 40.000 Guaraní umgesiedelt werden mussten, sondern sein Bau auch beträchtliche Schäden am Ökosystem nach sich zog. Deshalb ist die PR-Abteilung des Zweistaaten-Unternehmens immer noch bemüht ihr Image aufzupolieren. Sie haben nicht nur unzählige kleine Nationalparks und Wildtierzuchtstationen, sondern auch einige gratis Freizeitparks, ein riesiges Besucherzentrum und gratis Kraftwerksführungen – letzteres mussten wir natürlich ausnutzen.
Es ist schon eine gigantische Anlage und die technischen Daten sind einfach unvorstellbar:
· Die Staumauer hat eine Gesamtlänge von ca. 8km und misst an der höchsten Stelle 196 Meter.
· Die beim Bau bewegten Erd- und Gesteinsmassen entsprechen dem Volumen des Zuckerhuts in Rio de Janeiro
· Mit dem verwendeten Beton könnte man 210 große Fussballstadien (vgl. dem Maracanã in Rio) bauen.
· Aus dem verwendeten Stahl gingen sich 380 Eiffeltürme aus…

Nach der Kraftwerksbesichtigung packten wir unsere Rucksäcke und marschierten daumenstreckend aus der Stadt hinaus. Nachdem unser erster Lift schon nach 15 Kilometern mit einem Reifenplatzer endete und die nächsten 3 Stunden auch nicht wirklich erfolgreich waren (der einzige, der stehen blieb, sagte uns lediglich, dass hier Autostoppen nicht üblich ist und wir doch einen Bus nehmen sollten) machten wir es wie die Einheimischen und fuhren mit dem Bus.

Ciudad del Este...

Nachdem wir uns die Fälle angesehen hatten ging es ins paraguayische Ciudad del Este. Diese Stadt ist Paraguays Schmugglermetropole und war einst die korrupteste Stadt Südamerikas. Heute ist sie ein riesiger, funkelnder Elektronikmarkt in dem man vom Tamagotchi bis zum Laptop alles kriegt. Das Gekaufte wird dann in riesigen Säcken und Schachteln über die Puente de Amistad nach Brasilien oder Argentinien geschleppt – sehr offensichtliches Schmuggeln, aber die Grenzer schauen gerne mal weg…
Uns war diese Stadt etwas zu steil – soviel Konsum sind wir einfach nicht mehr gewöhnt. Nach einem Tagesausflug zum nahe gelegenen Wasserkraftwerk Itaipú schulterten wir wieder unsere Rucksäcke und streckten die Daumen

Puerto Iguazú und die Wasserfaelle...

Nachdem wir in Puerto Iguazu ein paar Tage ausgespannt und den Luxus der argentinischen Supermärkte und Fleischereien genossen haben ging es endlich zu den Wasserfällen.
Hier stürzt der Rio Iguazú von einem Basaltplateau auf einer Breite von …Kilometern über zwei Stufen bis zu … Meter in die Tiefe. Klingt spektakulär – sieht noch spektakulärer aus!
Da der Fluss hier die Grenze zwischen Argentinien und Brasilien bildet, nutzen natürlich beide Seiten die touristische Anziehungskraft der Fälle – die einen motivierter als die anderen…Während man in Brasilien für 10 Euro Eintrittspreis lediglich ein paar kleine Plattformen und den „Gesamtüberblick“ geboten kriegt, hat man auf der argentinischen Seite für das gleiche Geld einen riesigen Freizeitpark mit allen Extras: zig Kilometer Stege zu diversen Plattformen, einen Besucherzug, eine Fähre zu einer Insel inmitten der Fälle, Jausenstationen, Museum, Wanderwege, die kreuz und quer durch den Nationalpark gehen…
Aus Vernunfts- und Kostengründen besuchten wir natürlich nur die argentinische Seite…und wurden nicht enttäuscht.
Auf kilometerlangen Stegen kann man die gigantischen Fälle aus allen Blickwinkeln und vor allem auch aus nächster Nähe bestaunen – kann ganz schön feucht werden!
Aber dieser Nationalpark hat noch mehr als Wasser zu bieten. Die Tier- und Pflanzenwelt hier ist unglaublich und man kann selbst auf den touristischen Hauptwegen immer wieder Koatis (Nasenbären), Tejus (waranartige Riesenechsen), wilde Meerschweinchen (wären sicher lecker, aber leider ist es ein Nationalpark…), tropische Vögel und eine Unzahl bunter Schmetterlinge sehen. Der Park muss sogar mit Einbruch der Dunkelheit schließen, weil das die Zeit ist wo die Großkatzen die Herrschaft über dieses Paradies übernehmen – und das sind nicht nur Horrorgeschichten um die Touristen zum Nachhausegehen zu überreden – man riecht immer wieder, dass die Tiere kräftig ihr Revier markieren…

Dienstag, 6. November 2007

Rio de Janeiro...

Bei unserer Flucht ins sicherere und billigere Paraguay kamen wir zwangsläufig durch Rio de Janeiro durch und…wenn wir schon da sind…
Wir kamen am Nachmittag in Rio an und für Kurzsightseeing war es doch schon ein bisschen spät. Nach einer längeren Diskussion ob wir nicht einfach auf diese Stadt sch… sollten, fiel der Entschluss sie uns doch anzusehen, aber kurz und billig. Wir übernachteten am Terminal (warum für ein teures Hotel bezahlen, wenn man gratis auf Marmor schlafen kann) und starteten am nächsten Tag, nachdem wir unser Zeug bei der Gepäcksaufbewahrung gelassen hatten, zeitig Richtung Zentrum. Dieses war wie ausgestorben, da zur Abwechslung wieder mal ein Feiertag war, aber so rennt dir wenigstens keiner ins Bild und die potenziellen Taschendiebe lassen sich auf einige wenige beschränken. In unserem Reiseführer steht zwar, dass man die Altstadt an Sonn- und Feiertagen genau deshalb meiden soll, aber einen Pfefferspray haben wir ja noch…
Danach ging es mit der Bim hinauf ins Künstlerviertel Santa Teresa – wir kamen uns vor wie am Pöstlingberg, nur dass die Aussicht etwas spektakulärer ist. Wieder unten gings Express gleich weiter nach Ipanema, zum Strand. Hier treffen sich die Reichen und Schönen und jene, die es noch werden wollen. Menschen präsentieren ihre Designerbademode inklusive dazupassender Sonnenbrille, durchtrainierte Bubis gehen mit ihren Surfbrettern am Strand Gassi, obwohl das Meer spiegelglatt ist und dazwischen geht das schwule Pärchen mit ihrem Golden Retriever und dem Pulsmesser am Oberarm walken. Für unseren Geschmack etwas zu abgehoben und unecht, aber wer´s mag…
Nach einigen Kilometern den Strand entlang erreichten wir dann das berühmte Copacabana und suchten die ganzen Bikinischönheiten….vergeblich. Hier tummeln sich jene, die auch sehen und gesehen werden wollen, sich aber Ipanema nicht leisten können (ich meine, ein Kilo Emmentaler im Supermarkt von Ipanema um 30US$ ist schon ein wenig heftig, oder?). Man kann sich Copacabana vorstellen wie das Strandbad von Mörbisch oder die proletenverseuchten Strände von Jesolo, nur, dass eben der Zuckerhut im Hintergrund thront.
Zuckerhut und Jesusstatue ließen wir aus zeitlichen und vor allem finanziellen Gründen aus. Den Zuckerhut sahen wir gut vom Strand aus und auch der Jesus ließ sich zwischen den Hochhäusern durch hin und wieder einmal kurz blicken. Auf den meisten Postkarten scheint es so, als würde er groß über der Stadt thronen, in Wirklichkeit wirkt er eher mickrig. Wir wissen echt nicht, was an diesem 3-cm-Hansel das Weltwunder sein soll, aber vielleicht ist er aus der Nähe eindrucksvoller…
Nach einem Hardcoretrekkingtag in Rio freuten wir uns echt schon auf die Liegesitze des argentinischen Busses. Mit ihm fuhren wir nach Puerto Iguazú (Argentinien) in der Nähe der gleichnamigen Wasserfälle.
Hier sitzen wir nun wieder auf einem gemütlichen Campingplatz in der zivilisierten, gemütlichen Welt der Mate-Trinker und Kilo-Steak-Esser…
Feels like home…

Arembepe und Aldeia Hippie...

Arembepe ist das Wochenendausflugsziel der Mittelklassesalvadorianer, den Rest der Woche ist es aber angenehm ruhig. Zwei Kilometer außerhalb dieses ehemaligen Fischernests begab es sich aber in den 60ern, dass sich die Wege von Mick Jagger und Janis Joplin unter Kokospalmen kreuzten und eine Hippiekolonie entstand…Auch heute noch ist „Aldeia Hippie“ der Wohnort einiger Althippies, Künstler und Tagträumer. Es gibt bis heute weder Strom, fließend Wasser, noch Kanalanschluss, dafür jede Menge weißen Sand und Kokospalmen so weit das Auge reicht. Und wozu braucht man eine mega Stereoanlage, wenn man Gitarre, Trommeln, Kräuter und Freunde hat…
Ist doch verständlich, dass es uns hier gefiel, oder? Schon nach wenigen Tagen konnte man uns nicht mehr von den Einheimischen unterscheiden – Das hast du auf jeden Fall geschafft, wenn dich Tagestouristen fragen, ob sie ein Foto von dir machen dürfen… „Du Mami, schau mal da, echte Hippies!!!!“
Wir hatten unser Zelt bei Luis im Garten (auf seinem Teil der großen Sanddüne) aufgeschlagen und verbrachten die Tage im Schatten in der Hängematte baumelnd und die Abende shisharauchend und mit billigem Sangria am Strand…Beim Schweijern unter Tags leisteten uns Luis Katzen und Kevins Liebling – die coolste Henne der Welt – Gesellschaft. Dieses Huhn war nicht ohne Grund so zerzaust wie ein Klobesen. Es hatte einfach vor nichts und niemandem Respekt und klaute sogar den Katzen das Futter aus dem Maul. Morgens besuchte es uns erst mal um etwas vom Frühstückskaffee abzukriegen, fetzte 3 Runden ums Haus und verbrachte dann den restlichen Tag damit irgendwo Futter zu organisieren (in unserem Zelt, in den Rucksäcken, aus dem Kochtopf,…)
Nachdem nach 10 Tagen im Hippieexil das Paket im Internet noch immer als „unterwegs zum Zoll“ vermerkt war kletterten wir von unserer Düne herunter und fuhren auf gut Glück in die große, große Stadt um den Postlern mal ein wenig Feuer unter dem Hintern zu machen.
Wie sich herausstellte war unser Packerl auch schon seit mehreren Tagen im Postgebäude, es war nur vom Zoll noch nicht freigegeben. Da aus Versicherungsgründen der Wert am Paket vermerkt gewesen war und in Brasilien für Elektrogeräte 60% Zoll zu zahlen ist hatten wir ein Problem: der Spaß sollte uns ca. 1000US$ kosten. Da wir aber Touristen sind und in ein paar Tagen wieder aus dem Land ausreisen würden versuchten sie (weil wir gar so verzweifelt schauten) wirklich alles um das Paket anders freigeben zu können. Nach eineinhalb Stunden, in denen wir in der Post Völkerwanderungen, Händeringen und rauchende Köpfe ausgelöst hatten, drückte unser Postengerl beide Augen zu und den Stempel „LIBERTADO“ aufs Paket. Danke Sandra!
Erleichtert und um 2 Kameras schwerer stiegen wir in den Bus zurück nach Aldeia.
Etwa auf halber Strecke wurden bei einer routinemäßigen Polizeikontrolle alle Männer von einer 20Mann starken, schwer bewaffneten Sondereinheit „freundlich“ aus dem Bus gebeten, mit gespreizten Beinen gegen selbigen gelehnt und gesackelt. Und so lehnte Kevin da, in Batikshirt, Badehose und Sandalen…nur 2 Sachen in seinen Taschen: ein Feuerzeug und einen Pfefferspray. Ersteres war den Beamten relativ egal, dank zweiterem durfte Marita auch aussteigen. Zitat eines Polizisten: „He, temos um hippie armado!“ – „Wir haben da einen bewaffneten Hippie!“ Nachdem sich aber herausstellte, dass wir Touristen waren und im Hippiedorf wohnten, entspannte sich die Lage wieder und die Läufe senkten sich – das ist einfach viel zu viel administrativer Aufwand: zwei ausländische Hippies, einer bewaffnet, der andere ohne Ausweis, dafür mit 2 neuen Kameras unbestimmter Herkunft…
Zurück im Hippiedorf entspannten wir erst mal gründlich und planten dann, den Grund unseres ewigen Wartens endlich in den Händen haltend, unsere Weiterreise/Flucht.

Salvador - das Afrika Brasiliens...

Nach 36 Stunden Busfahrt kamen wir fertig und hungrig (weil unsere mitgenommene Jause klimabedingt zu schnell schlecht geworden ist – nächstes mal keine Spaghetti mit Soße mehr) in Salvador an. Wir gaben unsere Rucksäcke bei der Gepäckaufbewahrung am Terminal ab und fuhren voller Erwartung ins Zentrum um unsere Post abzuholen. Danach wollten wir nach einem halben Tag Express-Sightseeing gleich weiter nach Rio.
Aber es war ein Feiertag von dem wir nichts gewusst hatten und die Post war zu. Also hieß es zurück zum Terminal, Sachen holen, wieder ins Zentrum und eine viel zu teure günstige Unterkunft suchen…Die Hoffnung auf das Packerl lebte für den nächsten Tag…Und wurde enttäuscht. Unsere neuen Kameras gurkten seit Tagen irgendwo zwischen Sao Paulo und Salvador herum und so hieß es für uns warten – bei Brot und Bananen, das einzig halbwegs leistbare in Salvador.
Unser Hostal war im Stadtteil Pelourinho, dem historischen und touristischen Zentrum der Stadt. Hier konzentrieren sich nicht nur die Souvenirshops, sondern auch die Restaurants und Futterstände. Überall roch es nach Essen, das wir uns nicht leisten konnten und wollten – aber man gewöhnt sich an das konstante leichte Hungergefühl…
Bei unserer Ankunft in Salvador waren wir erst einmal geschockt von den sozialen Problemen, der Gewalt und den extremen Unterschieden von arm und reich in dieser Stadt und wollten nur so schnell wie möglich raus. Gleich am ersten Tag sahen wir wie ein Polizist eine Obdachlose mit dem Schlagstock verprügelte und kurz darauf, wie ein Mann einen anderen mit einer Eisenstange blutig schlug. Schwangere, abgemagerte Prostituierte, Müllsammler, Billigdrogen-Zombies, Straßenkinder und Obdachlose, die die Gehsteige blockieren,…
Aber nach einer Woche des zwangsweisen Wartens konnten wir auch Salvador, dem Afrika Brasiliens, einige schöne Seiten abgewinnen. In Pelourinho wird den ganzen Tag irgendwo getrommelt oder getanzt. Auf den Plazas kann man Capoeira-Gruppen bei ihrem artistischen Kampf-Tanz zusehen und bei manchen für ein kleines Trinkgeld auch selber ausprobieren. Man könnte auch an Candomblé-Sessions (afro-brasilianische Religion) teilnehmen. Überall spielt Musik, die Straßen sind gefüllt mit bunten Bildern und schrägen Menschen mit noch schrägeren Frisuren (so viele Rasta und Dreads kombiniert mit kreativen Rasuren findest du nirgendwo sonst)
Da Pelô das touristische Zentrum der Stadt ist wird es auch dementsprechend von der Polizei gesichert und bewacht. Solltest du als Tourist auf die blöde Idee kommen in diesem hermetisch abgeriegelten Viertel in die falsche Seitengasse abzubiegen, hüpfen gleich 5 Menschen vor dir auf die Straße und erklären dir wie gefährlich es hier nicht ist und versperren dir den Weg. Bleibst du in Pelô bist du beschützt wie eine unter Artenschutz stehende Spezies, schaffst du es aber die unsichtbare Grenze zu durchbrechen kannst du auch den Rest der Stadt ohne Probleme erkunden…Nur solltest du dann Geld und Kamera im Hotel lassen, dafür aber den Pfefferspray griffbereit haben…
Nachdem wir die Stadt genug erkundet hatten, saßen wir die meiste Zeit in unserem Zimmer am Fenster und beobachteten das Leben auf der Plaza unter uns. Dicke deutsche Touristen, Clowns, Ketterlverkäufer, Brasilianerinnen die trotz ihrer 100kg wie Supermodels posieren, Dosensammler, riesige Touristengruppen mit eigenem Kameramann, tanzende Kinder, spontane Trommelsessions und immer wieder seltsame, falsche Gesänge zu Gitarrenmusik aus dem Tempel einer Sekte (Katoliker oder so ähnlich….)…
Aber als nach einer Woche des Wartens das Paket immer noch nicht in Salvador war fassten wir den Entschluss ins billigere Arembepe zu flüchten und in der dortigen Hippiekolonie ins Exil zu gehen…Auf einer Sanddüne wartet es sich gleich entspannter…

Belem - das Tor zum Amazonas...

Nach einer relativ rauen Fahrt auf einem Fluss, der hier oft schon so breit ist, dass man das Ufer nicht mehr sehen kann, erreichten wir Belém, das Tor zwischen Amazonas und Atlantik. Der Übergang zwischen den beiden Gewässern ist aber ein sehr fließender, da das Flussdelta solche enormen Ausmaße hat. Der Amazonas ist hier mehrere Kilometer breit, der Seegang oft enorm und es gibt hier sogar eine Insel, die größer ist als die Schweiz…
Wir kamen wieder einmal abends an und stiegen dann auch noch am falschen Hafen aus. In brasilianischen Städten werden generell mit Einbruch der Dunkelheit die Gehsteige hochgeklappt und die einzigen Personen, die noch auf der Straße sind, sind eher zwielichtiger Natur. Und so standen wir nun in Belém, in einem der eher ungemütlicheren Stadtviertel und mussten irgendwie zu einem Hotel kommen…Mit Pfefferspray in der Hosentasche umgingen wir von Obdachlosen errichtete Straßensperren und erreichten irgendwie doch ein Stadtviertel in dem es einige Hotels gab. Wir fanden sogar ein relativ günstiges in dem zwar die Betten unbrauchbar, aber dafür Haken an der Wand waren – Hängemattenschlafen sind wir ja inzwischen gewöhnt…
Im Gegensatz zu den anderen Amazonasstädten hat Belém aufgrund seiner Lage einiges an Geschichte und somit auch an Sehenswürdigkeiten zu bieten. Es ging immer schon jeglicher Warenverkehr zwischen Atlantik und Amazonas durch diese Stadt und verschaffte ihr so konstanten Reichtum. In der gesamten Stadt stehen alte Kirchen, riesige Prunkbauten und schöne Plazas. Eine Besonderheit sind die zwei 5 bzw. 15ha großen naturbelassenen Dschungelparks mitten in der Stadt. Hier laufen grüne Leguane, Faultiere und so manch andere Dschungelbewohner frei herum.
Nach zwei Tagen Sightseeing in Belém ging es wieder weiter nach Salvador. Und schon beim Kauf der Tickets stand für uns eines fest: Wir müssen dieses Land fluchtartig verlassen. Die Bustickets kosteten uns mehr als 2 Inlandsflüge in Peru und da waren nicht einmal Essen oder Liegesitze inkludiert (was im Rest von Südamerika Standard ist.)…Der Plan war folgender: In Salvador zur Post, das Paket aus Österreich, das für uns wartet abholen, weiter nach Rio de Janeiro für kurzes Sightseeing und dann die Flucht über Puerto Iguazú ins sichere Paraguay…aber es sollte anders kommen…

Die Brasilianer....

Von Europa klingt Brasilien wie DAS südamerikanische Paradies…und genau das haben wir auch erwartet…und wurden wirklich enttäuscht. Nicht nur, dass das Preisniveau hier ungefähr dem europäischen entspricht und somit für uns nicht leistbar ist, es ist auch die brasilianische Mentalität, die wir einfach nicht aushalten. Wir wollen hier niemandem Brasilien „schiachreden“, aber es ist für uns auch echt wichtig mal nicht wie alle anderen nur von Kokospalmen und weißen Stränden zu erzählen, sondern das Land und vor allem die Leute so zu beschreiben wie es wirklich ist.

Wir bringen mal einfach ein paar Beispiele, die zeigen warum uns dieses unzivilisierte, viel zu laute Proletenland nicht gefallen hat:

· Alles ist einfach alles ZU… - zu laut, zu süß, zu viel, zu teuer, zu…
· Grundsätzlich will dich jeder um mindestens den doppelten Preis bescheißen (naja, er muss ja auch überleben, oder?)
· Der Großteil der Brasilianer sind einfach Proleten á la GTI- Fahrer und Nachtschichtgeher…
· Außerdem sind Brasilianer grundsätzlich LAUT – Man muss ja miteinander schreien, wenn man nur 2 Meter voneinander entfernt steht, oder? Der Großteil der Gespräche wird so geführt und die Stimme wird nicht gesenkt, wenn zufällig mal ein Passantenohr 10cm vom Mund entfernt ist… Außerdem ist es voll gerechtfertigt einfach mal zu schreien, auch ohne Grund.
· Brasilianer sind generell unsozial und rücksichtslos: Wenn ich auf der Plaza sitze und Musik hören will mache ich bei meinem Auto einfach alle Türen auf und dreh meine Megaanlage auf volle Lautstärke, auch wenn daneben das Baby im Kinderwagen schläft.
· Taktlos, gefühllos, Ellbogenmentalität,…aber in diesem Land, wo das alle machen muss man ja so werden…
· …nicht mal ein Bettler bedankt sich, wenn man ihm was gibt, er dreht sich einfach um und geht…
· In keinem anderen Land bisher war der Unterschied zwischen Arm und Reich so deutlich und kein anderes Land hatte so viele soziale Probleme wie Brasilien
· Die Polizei ist hier das Gesetz.
· Brasilianer betreiben einen abartigen Körperkult: 3x täglich wird geduscht und danach in Parfum gebadet, nach jedem Snack werden die Zähne geputzt, für seine Haare braucht man mindestens 5 Pflegeprodukte,…Kleidung ist grundsätzlich 3 Nummern zu eng, was schon bei Schlanken nicht gut aussieht und dann erst bei 90kg…
· Es gibt fast keine Supermärkte, dafür Kosmetik-Hypermärkte und Billiggewandgeschäfte á la New Yorker nur mit noch mehr Glitzer und Neon an jeder Ecke.

…und nun zu einem sehr zentralen Punkt in unserem Leben: dem Essen!

· Einziges Milchprodukt ist Butter – nur ist da keine Butter drin, sondern Fette, Stabilisatoren, Geschmacks- und Farbstoffe, Butteraroma,…sie hält zwar 3 Monate ohne Kühlung schmeckt aber dafür…
· Wein im Rest der Welt enthält…Trauben. In brasilianischen Weinen ist ein bisschen Wein, Ethylalkohol, Traubensaftkonzentrat, Farb- und Geschmacksstoffe und mindestens 5 E-Nummern…
· Filterkaffee wird in 20ml-Becherchen getrunken – wir trinken normal im Schnitt zwischen 300ml und 500ml!
· …

Natürlich und zum Glück sind nicht alle Brasilianer so und wir wollen hier auch keine Vorurteile züchten, sondern einfach mal Dampf ablassen.
Es gibt auch tolle Sachen an Brasilien – z.B.: sie haben die besten Ananas und Papayas der Welt!

Santarem und Alter do Chao...

Nach einer viel zu teuren Nacht in Santarem, einer Stadt, die nichts Besonderes zu bieten hat, zogen wir weiter nach Alter do Chao – der Karibik des Amazonas. Schon bei der Ankunft kamen wir uns vor als wären wir versehentlich in den Garten eines Luxushotels gestolpert: weiße Sandstrände, lauwarmes Flusswasser, Mangobäume, Kokospalmen und rundherum Dschungel. Und alles um einen Deut zu kitschig, als hätte es ein Landschaftsplaner entworfen.
Die einzige leistbare Unterkunft in Alter do Chao war eine Pousada, die auch überdachte Hängemattenplätze hatte. Wir waren zwar auch mit diesen Hängemattenplätzen über unserem Budget, aber es war einfach so nett mit dem als Dschungel belassenen Garten, den Leguanen, Fledermäusen und Geckos, dass wir beschlossen trotzdem ein paar Tage im Paradies auszuspannen.
Um das Ausspannen wirklich exzessiv betreiben zu können, verwirklichten wir auch endlich unseren Traum einer eigenen Reise-Shisha. In Manaus hatten wir in einem Geschäft Wasserpfeifentabak und ein Hiatl gekauft und nun wurde mit Bambus, Pet-flasche, Plastikschlauch und Leukoplast die genialste Reise-Shisha gebaut. Hat schon was beim Lagerfeuer am weißen Sandstrand zu sitzen und den Tag zu verblubbern…
Nach fast einer Woche in der „Karibik“ rafften wir uns aber wieder auf und verließen schweren Herzens diesen schönen Flecken Erde – und machten uns auf zu unserer letzten Etappe auf dem Amazonas, dem Atlantik entgegen.

Manaus...

Manaus – eine Großstadt mitten im Dschungel mit einem internationalen Hafen, der 1500km vom Meer entfernt ist. Hier, am Zusammenfluss des Amazonas mit dem Rio Negro wird der Fluss so groß, dass es sogar riesige Containerschiffe vom Meer bis hierher schaffen. Nach Wochen mitten in Dschungel und auf kleinen Flüssen ein ungewohnter Anblick…
Bei ihrem Zusammenfluss (dem encontro dos aguas) mischen sich der milchkaffeefarbene Amazonas und der espressofarbenen Rio Negro – eine der Hauptsehenswürdigkeiten der Stadt. Aufgrund der unterschiedlichen Zusammensetzung und Temperatur geschieht dies aber erst, nachdem sie einige Kilometer nebeneinander geflossen sind – sieht echt genial aus, weil es scheint als wären die beiden durch eine Glasplatte voneinander getrennt, so deutlich sieht man die farbliche Grenze.
Wir erreichten Manaus in den frühen Abendstunden und nachdem gute Hostels in Brasilien teuer sind, nisteten wir uns für diese erste Nacht im erstbesten Billigloch ein – wir brauchten es ja eh nur zum schlafen…Eines der billigsten Zimmer, das wir in ganz Brasilien hatten: mit Klimaanlage, Privatbad, Fernseher mit 2 Pornokanälen, Latexmatratze und einem großen Aufkleber doch bitte Kondome zu verwenden um Geschlechtskrankheiten zu vermeiden…
Da dieses Hotel aber nicht so sicher erschien und auch irgendwie die Wohlfühlatmosphäre fehlte übersiedelten wir gleich am nächsten Morgen in eine viel teurere Gringohütte…die Atmosphäre war nicht viel besser, aber es war wenigstens sicher und das Frühstück war inkludiert.
Aber in Brasilien ist generell alles sauteuer und wie wir bald herausfanden versucht dich generell mal jeder kräftig zu bescheißen. In fast allen Ländern ist es so, dass dir Marktfrauen noch einen kleinen Touristenaufschlag verrechnen, aber in Brasilien versuchen sie dir den 3-fachen Preis abzuknöpfen…und das, bei einem schon von vorneherein viel zu hohen Ausgangspreis.
Nachdem wir uns am geplanten Abreisetag mit einem netten Australier beim Frühstück verquatscht hatten ging es halt erst nach 3 Tagen weiter nach Santarem.
Da die Tickets am Unterdeck etwas günstiger sind hängten wir unsere Matten natürlich da auf. Der einzige noch freie Platz war über dem Motor. Wir dachten uns, dass es nicht so schlimm werden würde…bis der riesige Schiffsmotor angeworfen wurde. Es folgten 2 Tage dröhnender Lärm und viele wortkarge Stunden…

Triple Boarder - Peru, Brasilien und Kolumbien!

Wir hatten Glück und erwischten tatsächlich ein Boot, das auch noch am selben Tag ablegte – mit uns und noch ca. 200 anderen Menschen an Bord. Das heißt Nase an Nase, Hängematte an Hängematte mit wildfremden Menschen für 2 Tage…
Einer unserer Hängemattennachbarn war ein Kolumbianer, der das ganze Boot mit seiner selbst genähten Hängemattenkonstruktion unterhielt – Anfangs hatte er ca. 2,5m Vorhangstoff, ein paar Meter Seil und Nadel und Zwirn…nach 5 Versuchen und 3 Stürzen war seine Hängemattenkonstruktion zwar nur noch 1,5m lang, aber sie hielt endlich. Sieht lustig aus, wenn ein ca. 2m großer, kräftig gebauter Mann in einer „Kinderhängematte“ schläft…
Nach der überfülltesten und dreckigsten Bootsfahrt auf unserem gesamten Amazonastrip kamen wir an der peruanisch- kolumbianisch- brasilianischen Grenze an. Nachdem das peruanische Santa Rosa nur ein Nest mit ein paar Häusern und einem Grenzposten ist, fuhren wir mit dem Boot ins gegenüberliegende Tabatinga (Brasilien). Dort feierten wir Maritas Geburtstag mit einer riesengroßen Geburtstagswassermelonentorte. Als Geschenk gab es einen brasilianischen Einreisestempel und tags darauf eine Luxuskreuzfahrt nach Manaus.
Bevor wir aber abreisten sahen wir uns noch das (viel schönere) kolumbianische Leticia an, das nahtlos an Tabatinga anschließt. Die einzige wirkliche Sehenswürdigkeit die es dort gibt ist ein Park in dem sich jeden Abend viele Tausend Papageien versammeln um dort die Nacht zu verbringen – das abendliche Kreischkonzert hört man bis Tabatinga hinüber.
Die Bootsfahrt nach Manaus stellte sich glücklicherweise als, für brasilianische Verhältnisse, sehr günstig heraus, weil am selben Tag zwei Boote ablegten und sie deshalb die Tickets zum halben Preis verkauften – südamerikanische Logik!?! Und das Boot war nicht ein dreckiger Frachtkahn wie sonst, sondern ein edles, neues Transportschiff, in dem es sogar einen klimatisierten Speisesaal gab. Luxus auf der vollen Linie also.
Auf dieser Fahrt gaben wir zum ersten Mal seit fast 10 Monaten nicht nur Geld aus, sondern nahmen auch etwas ein. Unsere geknüpften Arm- und Halsketterl gingen weg wie die warmen Semmeln. Die Entscheidung war gefallen: Wir machen das jetzt nicht nur mehr als Zeitvertreib für uns selbst, sondern gehen in die Produktion für den Verkauf – besonders in Brasilien kann ein kleiner Zusatzverdienst nicht schaden…

Sonntag, 16. September 2007

Iquitos...Perus Dschungelmetropole...

Iquitos - Eine Stadt mit 400.000 Einwohnern mitten im Dschungel ohne Straßenanschluss. Weltweit die größte ihrer Art.
Im Gegensatz zu Pucallpa hat Iquitos dank des Gummi-Booms und später des Öls eine lange Geschichte. Im Zentrum sieht man noch viele der alten Residenzen der Gummibarone aus dem späten 19. Jahrhundert. Eine Besonderheit ist auch das Stadtviertel Belén: Ein Armenviertel das so nahe am Fluss gebaut ist, dass es das halbe Jahr unter Wasser steht. Die Häuser sind entweder auf meterhohen Stelzen gebaut oder stehen auf riesigen, liegenden Baumstämmen, die als Floss dienen, wenn das Wasser steigt. In Belén gibt es auch einen Markt auf dem man fast alles zu kaufen bekommt: Fische aller Art, Krokodil- und Schildkrötenfleisch, gegrillte Riesenmaden, gekochte Schildkröteneier, eingelegte oder getrocknete Schlangenköpfe, Rinden und Lianen (auch Ayahuasca – eine halluzinogene Lianenart, die bei schamanischen Ritualen verwendet wird), Kräuter, exotische Früchte, und auch sonst noch alles was man im alltäglichen Leben so braucht – von der Küchenabwasch bis zur Machete…
Nahe der Stadt gibt es einen relativ großen parque zoologico, in dem man die Tiere des Dschungels aus der Nähe sehen kann. Sie sind zwar eingesperrt, aber meist in ihrer natürlichen Umgebung – viel artgerechter als in den meisten europäischen Zoos. Man kann in wunderschöner Tropenlandschaft spazieren gehen und Tiere wie Tapire, Affen, Riesenotter, Kaimane, Raubkatzen und viele andere aus nächster Nähe sehen. Aber nicht nur in den Käfigen sieht man Tiere, auch in allen Bäumen wimmelt es von exotischen Vögeln und frechen, kleinen Affen, die den Tapiren das Futter stibitzen.
Nachdem wir nun die Stadt und ihre Umgebung genug erkundet haben geht es morgen per Riverboat weiter zur brasilianischen Grenze – wenn ein Boot fährt bzw. auch tatsächlich ablegt…

Mit dem Frachtschiff von Pucallpa nach Iquitos...

Nachdem wir in Pucallpa alles fürs Riverboat-fahren besorgt hatten (Hängematten, Getränke, Futternapf, Moskitoschutz,…) packten wir unser Zeug und marschierten zum Hafen. Dort fragten wir uns durch welches Boot nach Iquitos fahren würde und gingen an Bord.
Diese Boote sind Frachtschiffe, die Iquitos mit allem Nötigen versorgen. Iquitos ist nämlich weltweit die größte Stadt ohne Straßenanschluss. Alles was es dort zu kaufen gibt wurde entweder vor Ort erzeugt, oder per Schiff oder Flugzeug hintransportiert. Diese Frachtschiffe nehmen meist auch Passagiere mit, die aber eher ein Nebenverdienst sind. Es gibt zwar auch ein paar Kabinen, aber die sind natürlich zu teuer für uns und außerdem hat das keinen Style – Wir machten es wir die Einheimischen und schliefen in Hängematten am Oberdeck. Hier geht es ziemlich chaotisch zu und jeder hängt seine Matte dort hin, wo noch Platz ist (oft auch neben oder zwischen die Fracht).
Es gibt auch keine fixen Abfahrtszeiten, sondern die Boote legen dann ab, wenn sie voll beladen sind.
Unser Boot transportierte von Obst und Gemüse über Möbel und Zement bis hin zu Fischen und Riesenschildkröten alles. Ablegen sollten wir planmäßig noch am selben Tag. Der Zement war aber noch nicht vollständig an Bord und deshalb verbrachten wir (um Hotelkosten zu sparen) die erste Nacht am Boot im Hafen. Auch am zweiten Tag kam etwas dazwischen, da die Marine das OK zum Ablegen noch nicht erteilt hatte – Aber wir haben ja Zeit und ans Hängemattenschlafen gewöhnt man sich am besten ohne Schaukeln…
In den frühen Morgenstunden des dritten Tages legten wir dann endlich ab und tuckerten Richtung Iquitos.
Das Leben an Boot ist sehr einfach aber gemütlich. Drei mal am Tag gibt’s was warmes zu Essen - auch wenn es jeden Tag das Gleiche ist…wässriger Brei zum Frühstück; Reis, Bananen und irgendein Stück Fleisch (Huhn, Schwein, Ratte?) zu Mittag und Nudelsuppe mit Kochbanane zum Abendessen. Aber wir sind ja inzwischen nicht mehr wählerisch was Nährstoffe angeht (auch Salmonellen haben Kalorien, oder?) Während sogar einige Peruaner an Bord Probleme mit dem Essen bzw. seiner Verdauung hatten ging es uns wunderbar – wir haben wirklich schon Saumägen!
Zu tun gibt es den ganzen Tag nichts außer faul in der Hängematte liegen, lesen, knüpfen, mit den Hängemattennachbarn quatschen und das Ufer vorbeiziehen sehen.
Kevins Lieblingsplatz war das Dach des Schiffes wo er stundenlang cocakauend saß und den Delfinen beim spielen zusah. Von dort oben hat man eine geniale Aussicht. Man sieht immer wieder kleine Dörfer und Siedlungen am Ufer. Oft steht auch irgendwo nur ein Dach mit einer Wäscheleine daneben, einem Bananenfeld dahinter und einem Einbaum am Ufer. So einfach kann das Leben sein…Besonders zu Sonnenuntergang ist die Stimmung am Fluss atemberaubend!
Während sich Kevin am Dach von der Sonne braten ließ genoss Marita das Leben in der Hängematte. Zum einen, weil es dort schattig ist, zum anderen, weil einer von uns immer bei den Rucksäcken bleiben musste. Es wechselt auf diesen Booten sehr viel, sehr schnell den Besitzer. Angeblich gibt es Menschen, die nur aus diesem Grund mitfahren. Besonders kurz vor und in den Häfen muss man aufpassen, dass seine Sachen nicht von Bord gehen.
Am 4. Reisetag kamen wir um 10 Uhr nachts dann in Iquitos an. Deshalb und da es in Strömen schüttete beschlossen wir noch eine Nacht am Boot zu schlafen um wiederum Hotelkosten zu sparen und trocken zu bleiben.
Der Kapitän war sogar noch so nett und gab uns für die letzte Nacht eine der jetzt sowieso ungenutzten Kabinen zum Schlafen.
Am nächsten Morgen wurden wir schon vor Sonnenaufgang vom regen Treiben im Hafen geweckt. Bananen wurden abgeladen, Fische noch an Bord verkauft, Aligatorschwänze, Piranhas und Riesenschildkröten wechselten den Besitzer. Am Nachbarboot war am Vortag eine Kuh verendet, die nun von 10 Mann die schlammige Hafenböschung hinaufgeschleift wurde. Lautsprecher tönten und Motocarros röhrten – Kein Wunder, dass wir wach waren.
Nachdem wir dem Hafentreiben mehrere Stunden vom Boot aus fasziniert zugesehen hatten, schulterten wir die Rucksäcke und marschierten Richtung Zentrum.

La Selva...der Dschungel...

Um 7 in der Früh starteten wir mit Chelos kleinem Boot Richtung Wildnis. Erst ging es die Lagune hinauf und dann über einen kleinen Kanal in den Rio Ucayali. Dieser hier noch relativ schmale Fluss (in etwa so breit wie die Donau) bildet mit einigen anderen Flüssen später den Rio Amazonas.
Auf der Fahrt erzählte uns Chelo viel über den Fluss und das Leben an seinen Ufern. Da in dieser Gegend alles undurchdringbarer Dschungel ist spielt sich sämtliches Leben entlang und auf den Flüssen ab. Sie sind Transportweg, Nahrungslieferant und Zentrum des Lebens. Alles hängt vom Wasserstand des Flusses ab. Viele Häuser stehen auf Stelzen oder schwimmen entweder das ganze Jahr oder zumindest Teile davon. - Am Amazonas beträgt der durchschnittliche Wasserstandsunterschied zwischen Regen- und Trockenzeit ca. 10m!!!
Die Bewohner dieser Region leben hauptsächlich vom Fischfang und Obstanbau (meist Bananen, Melonen und Papayas) Der Überschuss der produzierten Waren wird dann mit dem Einbaum nach Yarinacocha oder Pucallpa gefahren um dort am Markt verkauft zu werden.
Chelo erzählte uns aber auch viel über das Leben unter der Wasseroberfläche, was einerseits sehr interessant, andererseits zum Fürchten ist (Fische von mehreren Metern Länge, Piranhaschwärme, 10cm-Fischlein, die in Riesenschwärmen über Delfine herfallen…) Ein tolles Gefühl, wenn man kurz darauf in einem seichten Seitenarm aussteigen muss, um das Boot anzuschieben. Aber es waren nur die ersten Schritte wirklich schlimm – man gewöhnt sich schnell daran und versucht nicht an die Stachelrochen zu denken, die sich im weichen Sand vergraben. Am Abend waren wir dann schon ganz normal baden.
Die erste Nacht schlugen wir unser Camp mitten im Dschungel unter einem faszinierenden Riesenbaum auf. Diese Bäume beanspruchen eine Bodenfläche von mehreren hundert Quadratmetern und vergrößern sich indem sie dünne Lianen zum Boden wachsen lassen. Wenn diese die Erde erreichen, fangen sie an zu wurzeln und einen neuen Stamm auszubilden. Dieser bildet dann wiederum Lianen, usw. Auch wenn es aussieht wie viele ineinander verwachsene Bäume, so ist es doch nur ein einziger…
Nach dem Dunkelwerden erkundeten wir die nähere Umgebung mit unseren Taschenlampen. Im Dschungel beginnt bei Nacht das große Krabbeln! Aus allen Ritzen und Löchern kommen die eigenartigsten Insekten: Riesengrillen, tarnfarbene Gottesanbeterinnen, handtellergroße Riesenschaben, Vogelspinnen, Skorpione und noch viele andere Flattermänner und Krabbeltiere…
Danach ging das Erkunden der eigenartigen Tierwelt am Fluss weiter – mit einer Handleine. In den Flüssen hier scheint es nachts so, als gäbe es mehr Fische als Wasser. Die Wasseroberfläche brodelt und lässt das Gemetzel, das darunter stattfindet erahnen. Einen kleinen Einblick bekamen wir dank eines großen Angelhakens und kleinen Fischstücken, welche von den bluthungrigen Monstern innerhalb kürzester Zeit verschlungen wurden.
Zum Schlafen ging es dann nur unter ein Moskitonetz, denn hell leuchtenden Sternenhimmel als Dach…
In den nächsten Tagen erkundeten wir den Dschungel dann auch bei Tag. Wir hörten viel über die Pflanzen, ihre Charakteristika, ihre Heilwirkungen und die Verarbeitungsformen der unterschiedlichen Hölzer – das meiste haben wir schon wieder vergessen (spanische Namen, von Bäumen, die wir sowieso nicht mehr wieder erkennen…) Aber auch einige Tiere bekamen wir zu Gesicht. Überall in den Bäumen sieht man Ameisen- und Termitennester hängen und auch am Boden wimmelt es nur so von diesen kleinen Krabblern. Es gibt hier viele hundert Ameisenarten – von Minitierchen, die das Auge gerade mal sieht bis hin zu mehreren Zentimeter großen Riesenkalibern. Viele sind harmlos, aber es gibt auch unzählige, die es in sich haben. Chelo zeigte uns eine mit Riesenbeißwerkzeugen, die sich in seinem Fingernagel festbiss und nicht mehr losließ. Es gibt auch welche, die mit einem bestimmten Baum eine Symbiose eingehen. Sie leben in seinem hohlen Stamm und ernähren sich von einem Sekret, das dieser absondert. Würden die Ameisen dieses nicht fressen würde sich der Baum selbst vergiften und daran sterben.
Der Wald hier ist zwar ein Naturparadies, aber kein Zoo in dem einem an jedem Baum ein Affe entgegenlacht. Man muss sich sehr vorsichtig und leise bewegen um die Tiere nicht zu verscheuchen. Wir taten unser Bestes, aber stecke Europäer in Gummistiefel und lass sie über Laub und Äste latschen…Wir waren die meiste Zeit so damit beschäftigt keinen Lärm zu machen, dass wir darauf vergaßen die Umgebung zu beobachten. Aber wenn Chelo wieder losfetzte und mit der Machete zu wacheln begann wussten wir, dass es da was Interessantes zusehen gibt. So auch bei einem Ameisenbär, der sich leider in der Krone eines kleinen Baumes versteckte. Chelo versuchte ihn herunterzuschütteln und als er damit keinen Erfolg hatte, war Kevin an der Reihe. Seine Taktik: Raus aus den Gummistiefeln und rauf auf den Baum! Die beißenden Ameisen und der Anblick der Ameisenbärenkrallen, die auf ihn zukamen zwangen ihn zwar schnell wieder zum Abstieg, aber er hatte sein Ziel erreicht – der Ameisenbär war nun in Reichweite unserer Kamera.
So ein Glück hatten wir aber nicht mit allen Tieren. Die Affen waren zu hoch in den Bäumen und einfach zu schnell. Bei unserer Verfolgungsjagd durch den Dschungel zogen wir eindeutig den Kürzeren.
Wenn man vom Affenhetzen müde und durstig ist muss man nicht verzweifeln. Es genügen zwei kräftige Machetenhiebe und schon strömt frisches, klares Wasser aus der Liane. Man muss nur aufpassen, dass man die richtige Sorte erwischt – sonst kann es passieren, dass man einen unbeabsichtigten halluzinogenen Ayahuasca-Trip abkriegt…
Da das Wetter nach Regen aussah verbrachten wir die nächsten Nächte in einem kleinen Dorf von Shipibo-Indianern. Hier borgten wir uns am Abend auch einen Einbaum aus um die umliegende Gegend bei Nacht nach Kaimanen abzusuchen. Es ist schon ein unheimliches Gefühl im Stockfinsteren lautlos durch das Wasser zu gleiten und nur das zu sehen, was die Taschenlampe ausleuchten kann. Es trennen dich nur wenige Zentimeter von der Wasseroberfläche und rundherum erwacht der Fluss zu seinem nächtlichen Leben. Überall jagen große Raubfische, das Wasser spritzt und immer wieder springen kleine Fische in Panik ins Boot. Schon nach kurzer Zeit sahen wir unseren ersten Kaiman, oder besser…nur seine Augen, die im Schein der Taschenlampe wie rote Glühbirnen leuchten. Da die Kaimane hier keine natürlichen Feinde haben, kommt man sehr nahe an sie heran, bevor sie abtauchen. Das machen sich leider auch die Fischer zu Nutze und jagen sie wegen ihres Fleisches. Deshalb gibt es hier kaum noch große Tiere, da sie ab einer Größe von 1,5 Metern auf dem Teller landen.
Auch wir machten Jagd auf sie, aber nur mit der Kamera. Wir kamen auch bis auf eineinhalb Meter an einen stattlichen Burschen von ca. 2 Metern heran. Und genau diesen Zeitpunkt musste sich unsere Kamera natürlich aussuchen um wieder mal, wie schon so oft in den letzten Tagen und Wochen, zu spinnen - Sie löste nicht aus. Und damit war die Entscheidung endgültig gefallen: Wir brauchen eine neue Kamera! Unsere hat in letzter Zeit immer mehr Macken und schießt teilweise selbständig unkontrolliert Fotos, stellt nicht scharf oder löst, wie in diesem Moment einfach nicht oder zu spät aus. Auch wenn es unserem Reisebudget stark zusetzt (ca. 2 Monatsbudgets) werden wir uns demnächst eine neue Kamera kaufen – das bedeutet: bessere Fotos für die Fans zuhause!
Zurück im Dorf verbrachten wir die Nacht in einem typischen mit Palmblättern gedeckten Haus. Es steht, so wie alles in diesem Dorf (Hühnerstall mit eingeschlossen) auf Stelzen. – In der Regenzeit kann man das 5 Meter entfernte Nachbarhaus nur schwimmend oder per Einbaum erreichen.
Wenn wir mal gerade nicht zu Fuß im Dschungel unterwegs waren, erkundeten wir per Boot die kleinen Flüsse und Kanäle in der Gegend. Diese Trips nutzten wir natürlich auch zum Fischen. Nicht nur zum Spaß, sondern auch um ein Mittagessen zu haben. So kam es vor, dass wir erst mal fröhlich baden gingen, dann an der gleichen Stelle ein paar Piranhas raus fingen und diese dann gemütlich verspeisten. Die Fischreste wurden dann wieder im Wasser entsorgt, wo sich gleich einige ihrer Artgenossen die Bäuche voll schlugen. Nach dem sich die Wellen geglättet hatten gingen wir wieder baden – man muss sich ja die fettigen Fischfinger waschen, oder?
Die Piranhas ließen uns auch in Ruhe - sie attackieren normalerweise keine (unverletzten) Menschen. Aber es gibt ja noch andere Fische in diesen Gewässern…und einer von ihnen hatte gerade Appetit auf Marita und – zack – fehlte ein Stück von einem Muttermahl. Diese kleinen Muttermahlfetischisten sind eigentlich harmlos, aber Marita ging dann doch aus dem Wasser, da das blutende Muttermal ja noch größere Kaliber anlocken kann…
Der vierte Tag unseres Trips bestand eigentlich nur aus der Rückfahrt nach Yarinacocha. Trotzdem hatten wir das Glück vom Boot aus noch einiges zu sehen. In einem Baum entdeckten wir 2 Faultiere und nur ein Stück weiter saß auf jedem dritten Baum ein riesiger grüner Leguan. Im Fluss sahen wir immer wieder die Flossen eines pinken oder blauen Flussdelfins und hunderte Vögel flatterten, wie schon die letzten Tage immer um uns herum.
Wie es sich für eine perfekte Dschungeltour gehört kriegten wir dann auch noch einen echten Tropenschütter ab. Also, wenn es hier mal regnet, dann richtig! Es schüttet wie irre, blitzt und donnert und man hat das Gefühl als würde die Welt gleich untergehen. Die Leute hier lassen sich aber von solchen Kleinigkeiten nicht aus der Ruhe bringen. Es wird trotzdem gefischt, am Fluss gepaddelt und die Wäsche gewaschen…
Nach diesem echt genialen Trip ging es für uns wieder zurück nach Pucallpa von wo aus es per Frachtschiff Richtung Iquitos weitergehen würde…

Pucallpa und die Laguna Yarinacocha...

Nach einigen Monaten in den eher kalten Hochanden, war die Ankunft in Pucallpa, als betrete man ein Dampfbad. Die jährliche Durchschnittstemperatur!!! liegt hier bei 26 Grad, die konstante Luftfeuchtigkeit lässt es aber noch heißer erscheinen…
Die Stadt, die vor wenigen Jahrzehnten noch eine Dschungelsiedlung mit wenigen Tausenden Einwohnern war, beherbergt heute, dank ihrer großteils asphaltierten Straße nach Lima über 300.000 Menschen. Sie ist damit der einzige große Amazonashafen in Peru mit Straßenanschluss. Durch die relativ junge und unspektakuläre Entstehungsgeschichte Pucallpas ist auch das Stadtbild dementsprechend: keine wirklichen Sehenswürdigkeiten, großteils Zweckbauten und große Armenviertel am Stadtrand. Hauptverkehrsmittel sind Motocarros (motorisierte Rikschas), die einen Höllenlärm machen.
Nach 2 Tagen in dieser Dschungelmetropole zog es uns zur ruhigeren, 10km entfernten Lagune Yarinacocha. Hier sollte es Riesenleguane, pinke Delfine, Shipibodörfer und viel, viel Dschungel geben. Die Frage, wie wir das Ganze erkunden würden erübrigte sich gleich bei der Ankunft.
Wir kamen mit Chelo, einem Dschungelguide, der auch ein bisschen Deutsch spricht ins Gespräch und er machte uns ein langzeitreisendenpreisgerechtes Angebot, das wir kurzerhand annahmen. Früh am nächsten Morgen starteten wir zu unserer 4-tägigen Tour in den Dschungel…