Wenn man sein Ziel nicht kennt, bringt einen jeder Weg dorthin!

Freitag, Oktober 16, 2009

Meditations-Retreat in Suan Mokkh...2 Wochen im Kloster...

Als wir im Meditationszentrum ankamen wussten wir nicht genau was uns in den nächsten 10 Tagen erwarten würde, wir stellten aber schnell fest, dass es mit einem gewöhnlichen VHS-Meditationskurs oder so nicht viel gemeinsam hatte. Dieses Meditations-Retreat ist eher die hardcore Variante! In diesen 10 Tagen dreht sich alles ums Meditieren und um dabei möglich erfolgreich zu sein, muss man alle äußeren Störfaktoren beseitigen. Deshalb leben alle Kursteilnehmen wie buddhistische Mönche. Die Grundregeln folgen dem von Buddha gelehrten „edlen 8-fachen Pfad“. Unsere Freesyle-Übersetzung des Pfades:

• Du sollst keinen Atem nehmen (töten) – nicht mal Moskitos!!
• Du sollst nicht nehmen, was nicht gegeben wurde (stehlen)
• Du sollst deinen Körper und deinen Geist frei von jeglichen sexuellen Kontakten halten
• Du sollst niemanden durch Rede verletzen
• Du sollst keine Gifte oder bewusstseinsverändernde Stoffe konsumieren (kein Alkohol, keine Zigaretten, kein Kaffee,…)
• Du sollst zwischen Mittag und Sonnenaufgang nichts essen
• Du sollst nicht tanzen, singen, spielen, Musik hören, dich schmücken oder parfümieren
• Du sollst nicht auf luxuriösen Sesseln sitzen oder in luxuriösen Betten schlafen (Strohmatte auf Betonpritsche und Holzkopfpolster)

Da das aber noch sehr allgemeine Regeln sind und wir bei dem Meditationskurs wirklich abschalten sollten gab es noch ein paar Verschärfungen. Es herrschte zum Beispiel absolutes Schweigen (Regel 4 war also nicht schwer einzuhalten *g*) und auch sonstige soziale Kontakte sollten vermieden werden (Ein Blick kann oft mehr sagen als 1000 Worte und einen ganz schön ablenken). Für uns hieß das also, dass wir 10 Tage nebeneinander leben würden und so tun müssten, als würde der andere nicht existieren…
Diese ganzen Regeln klingen anfangs ziemlich heftig und teilweise sinnlos, aber wenn man genauer hinsieht tragen sie erheblich zum Erfolg der Meditation bei.
Ein typischer Tag im Retreat sieht folgendermaßen aus:

4:00 Die Glocke läutet dich aus dem Bett und du kannst die ungemütliche Pritsche mit Holzkopfpolster endlich verlassen, auch wenn du noch alles andere als ausgeschlafen bist. Im Stockdunkeln versuchst du mit der Laterne den Weg zum Brunnen zu finden und dabei nicht auf einen Skorpion oder Hundertfüßler zu steigen. Dann ist Körperpflege angesagt – mit einem Sarong bekleidet (Haut zeigen ist im Kloster verboten) gießt du dir arschkaltes Wasser über den Kopf um wenigstens ein bisschen wach zu werden.
4:30 Morgenlesung
4:45 Morgenmeditation – gar nicht so leicht um diese Zeit ohne Kaffee nicht wieder wegzupennen (besonders wenn dein Sitznachbar bereits schnarcht)
5:30 Yoga – 1 ½ Stunden Körperverrenkungen bis es kracht und schmerzt
7:00 Ajahn Pho´s (jetziger Abt des Klosters Suan Mokkh) Morgenvortag und anschließende Meditation
8:00 FRÜHSTÜCK = Reissuppe und Bananen
8:30 Reinigungsdienste – jeder werkelt im Mönchstempo irgendwo am Gelände. Kevin schrubbte zum Beispiel die Hotsprings (dazu später mehr) und kehrte den Speisesaal, Marita reinigte die Fußbäder vor der Meditationshalle und putzte Klos.
9:00 Hotsprings oder einfach nur komatöses Schlafdefizitaufholen im Zimmer

10:00 Tan Dhammavidu´s Morgenvortrag – ein brittischer Mönch mit kohlrabenschwarzen brittischen Humor, der schon seit über 20 Jahren in Suan Mokkh lebt und lehrt. Hier bekamen wir die Theorie zu Buddhismus und Meditation vermittelt.
11:00 Gehmeditation (60 Zombies starren 3 Meter vor sich in den Boden und laufen scheinbar planlos in tiefer Konzentration versunken übers Gelände)
11:45 Sitzmeditation – EINATMEN, AUSATMEN, EINATMEN, AUSATMEN,…
12: 30 MITTAGESSEN!!!!! Die letzte feste Nahrung bis zum nächsten Frühstück! Darum schaufelte auch jeder kräftig rein. Und das Essen war echt lecker – rein vegetarisch, viel frisches Gemüse und Kräuter und sehr interessante, aber leckere Nachspeisen.

14:30 Dhamma Talk (Vortrag) meist von einem der Volunteers
15:30 Gehmeditation
16:15 Sitzmeditation
17:00 Chanting – ein Highlight des Tages. Zum einen weil das singen so angenehm war und man endlich wieder Laute von sich geben durfte und zum anderen, weil der Chanting-Mönch Tan Medi so lustig war. Buddhisten haben echt einen guten Sinn für Humor!
18:00 Tee und anschließende Hotsprings!!!!!! Das hat dieses Retreat echt versüßt – Nach einem harten Tag des Sitzens und Meditierens konnte man seine müden Knochen im heißen Wasser etwas einweichen…

19:30 Sitzmeditation
20:00 Gruppengehmeditation
20:30 Sitzmeditation
21:00 Endlich geschafft! Zurück zur Unterkunft bevor das Tor zugesperrt wird.
21:30 Strom aus und KOMA bis 4:00 am nächsten Tag…

Die ersten paar Tage waren echt heftig und wir kamen uns teilweise vor als wären wir im Häfn oder bei irgendeiner komischen Sekte gelandet. Vom vielen am Boden sitzen tat uns das ganze Gestell weh und die ersten Tage konnten wir uns beide kaum rühren. Schlafdefizit und Hunger tragen dann noch zusätzlich zum Unwohlsein bei.
Nach ein paar Tagen gewöhnten wir uns aber an den neuen Rhythmus und als sich dann noch die ersten Meditationserfolge einstellten genossen wir unsere Zeit hier richtig (zumindest meistens).
Das Schweigen und das fehlen von Sozialkontakten erleichterte es ungemein wirklich abschalten zu können und sich voll und ganz auf sich und die eigene Meditation konzentrieren zu können.
Es war zwar echt hart und es waren mit Sicherheit die längsten 10 Tage, die wir je erlebt haben, aber es war’s echt wert. Wir sind echt froh bis zum Schluss durchgehalten und so die volle Erfahrung gehabt zu haben. (Viele Kursteilnehmer sind schon nach 2 oder 3 Tagen ausgeschieden – von den Anfangs ca. 60 Leuten waren am Schluss noch gut 40 übrig)
Wir sind zwar jetzt weder Buddhisten noch erleuchtet, aber wir konnten auf jeden Fall viel für uns mitnehmen. Echt eine geniale Erfahrung!
Falls irgendjemand in seinem nächsten Thailand-Urlaub also masochistische Anwandlungen kriegt und das auch machen möchte – wir können es nur empfehlen. Mehr Infos gibt’s auf www.suanmokkh-idh.org
Wir waren aber auch wieder froh, als die 10 Tage um waren – endlich wieder miteinander reden können, endlich wieder umarmen dürfen,…
Vom asketischen, weltfremden Leben noch etwas geflasht, beschlossen wir noch 2 Tage im Kloster zu bleiben um die ganzen Erfahrungen vom Retreat verarbeiten zu können und setzen zu lassen. Wir verbrachten unsere Tage damit am Klostergelände herumzuspazieren, den Affen zuzuschauen, Yoga zu machen und vor allem endlich wieder zu quatschen.
Danach wollten wir weiter in den Süden. Da wir aber schon von mehreren Leuten gehört hatten, dass dort der Monsun gerade voll eingesetzt hat änderten wir unsere Pläne wieder einmal und fuhren zurück nach Bangkok. Nach 16 Stunden (statt fahrplanmäßigen 11) kamen wir endlich in der Hauptstadt an, fuhren ins Hotel und genossen unsere wohlverdiente Dusche – Wasser aus der WAND, was für ein Luxus!
Vorgestern skypten wir noch mit Martin (einem Österreicher, den wir in Mexiko kennen gelernt hatten und der gerade in Indonesien ist) und erfuhren, dass er auf dem Weg nach Thailand ist, da sein Visum ausläuft und ihm der Regen in Bali sowieso zu viel wird. Also werden wir uns in ein paar Tagen mit ihm hier treffen und dann gemeinsam den Norden des Landes unsicher machen…

Wat Suan Mokkh...

Das Wat (Kloster) Suan Mokkh wurde 1932 vom Mönch Ajahn Buddhadasa gegründet. Er war mit der buddhistischen Lehre, so wie sie in Bangkok praktiziert wurde nicht zufrieden und wollte nahe der Natur sein und zurück zu den wahren Wurzeln des Buddhismus finden.
Das Kloster selbst ist eigentlich mehr ein „gepflegtes“ Stück Dschungel, in dem ein paar Meditationshallen und Schreine stehen. Die Mönche leben in kleinen Holzhütten, die auf einer riesigen Fläche im Wald verstreut sind und nur durch kleine Pfade mit den Hauptgebäuden des Klosters verbunden sind. In und mit der Natur zu leben ist ein Schwerpunkt in diesem Kloster, weshalb auch die Tierwelt artenreich vertreten ist. Neben Affen, Schildkröten und Pythons schlängelt sich auch die eine oder andere Königskobra durchs Unterholz. Aber auch Hunde, Katzen und Hühner tummeln sich auf den vielen schön gepflegten Pfaden und kleinen Lichtungen.
Ajahn Buddhadasa, der 1993 verstorben ist, legte seit jeher großen Wert auf das Verständnis zwischen den Religionen und Kulturen. So fing er schon Anfang der 80er damit an Meditationskurse für „Westerners“ zu halten und ihnen die Lehre des Dhamma näher zu bringen. 1988 wurde dann nahe dem Kloster ein extra Meditationszentrum für diese Kurse gebaut. Die ersten 10 Tage im Monat versammeln sich hier nun immer unzählige meditationswillige Ausländer und in den letzen 10 Tagen des Monats gibt es das Gleiche noch mal für Thais.
Da wir einen Tag zu früh dran waren konnten wir noch eine Nacht im Kloster verbringen. Am nächsten Tag in der Früh ging es dann rüber ins Dhamma International Hermitage – Zentrum zur Anmeldung und letzten genauen Einweisung.

Ko Pha Ngan

Ko Pha Ngan ist vor allem bekannt durch seine monatlich stattfindenden FullMoon-Parties. Schon ein paar Tage vor Vollmond scheint jeder Backpacker, den man trifft hierher unterwegs zu sein um dort zu feiern was das Zeug hält. Am Südende der Insel (wo die Party steigt) tummeln sich dann zu Vollmond tausende Leute zum feiern, saufen, kiffen und Schwammerl futtern.
Da wir auf eine solche Erfahrung nicht unbedingt heiß waren verzogen wir uns ans ruhige Nordende der Insel. Im kleinen Fischernest Chaloklum fanden wir die perfekte Unterkunft – ein kleiner Bungalow direkt am Strand mit kleinem Balkon und eigener Hängematte, Privatbad, drahtlosem Internet und Wahnsinnsausblick…und das ganze um knapp 5 Euro pro Tag!
Wir verbrachten die Tage mit Nichtstun, Spazierengehen, Schätze am Strand suchen (Muscheln, Schnecken, Korallenteile,…) und Schnorcheln. Für zwei Tage liehen wir uns einen Roller und machten das Inselinnere unsicher. Da Ko Pha Ngans Infrastruktur nicht die Beste ist hieß das meist auf tiefroten Erdstraßen durch den Dschungel holpern.
Als Kevin dann auch noch herausfand, dass die Einheimischen vom Pier aus immer Tintenfische angeln, war unsere Abendplanung auch klar. Es ist einfach soooo lustig, wenn sie sich antinten! Den Fang brachten wir dann zu „unserer“ Straßenstandl-Lady, die ihn für uns zubereitete.
Nach 6 wunderschönen Tagen auf der Insel ging es für uns wieder zurück aufs Festland. Eigentlich wollten wir ja in irgendeinen Nationalpark im Süden, aber spontan wie wir sind änderte sich das während der Fährenüberfahrt nach Surat Thani. In unserem Reiseführer hatten wir von einem Meditations-Retreat gelesen, dass immer zu Monatsbeginn anfängt. Bei unserer ursprünglichen Reiseplanung wären wir zu diesem Zeitpunkt schon weiter im Süden gewesen, aber da wir uns auf Ko Pha Ngan ein wenig vertrödelt hatten passte es jetzt genau. Wir besorgten uns also noch die letzten Infos und fuhren auf gut Glück in das kleine Nest Chaiya, wo in dem Kloster Suan Mokkh der 10-tägige Kurs stattfinden sollte.

Ko Samui

Wir hatten zwar schon gelesen, dass Ko Samui sehr touristisch ist, aber wir hätten nie geglaubt, dass es SO schlimm ist…Wir sind einfach nicht mehr gewohnt mit so viel Pauschaltourismus konfrontiert zu werden. Die gesamte Küste der Insel ist von einer beinahe lückenlosen Kette aus Hotels und Restaurants umrahmt. Vom italienischen Designer bis zum Deutschen Biergarten kannst du hier alles haben – echte Thaikultur suchst du allerdings vergebens.
Die ersten zwei Tage blieben wir im Südosten der Insel und genossen Sonne und Strand und versuchten uns von der Urlaubermeute so gut es ging fernzuhalten. Dann übersiedelten wir in den Norden der Insel, weil wir gehört hatten, dass es dort ruhiger sei…Naja ruhiger war es, aber auch um einiges teurer…Im Fisherman´s Village feierten wir dann Maritas Geburtstag – ihr dritter auf dieser Reise. Lange Strandspaziergänge, der Besuch eines kleinen Tempels und ein gemütliches Bier am Abend…was will man mehr!
Nach 4 Tagen hatten wir aber echt genug von all dem Rummel und reisten weiter auf die etwas ruhigere und backpackerfreundlichere Nachbarinsel Ko Pha Ngan.

Bangkok...

Bangkok, eine Boomstadt mir 6 Mio. Einwohnern, in der es vom modernen Einkaufszentrum und Skytrain bis zu Slums entlang von sumpfigen Abwasserkanälen alles gibt. Gigantische Wolkenkratzer, kleine Kanäle, majestätische Paläste und enge Marktstraßen gemischt mit kamikazeartigem Linksverkehr….kurz eine Chaosstadt! Wir waren auf das schlimmste vorbereitet und wurden eigentlich positiv überrascht. Selbst in einer Stadt wie Bangkok gibt es ein paar ruhige Ecken, wo man seinen Jetlag auskurieren und sich an die dampfbadartigen Temperaturen gewöhnen kann.
Für uns ist die große Herausforderung in Asien nicht nur die völlig andere Kultur mit all ihren Verhaltenscodes und Gepflogenheiten, sondern auch die Tatsache, dass wir zum ersten mal seit Beginn unserer Reise in einem Land sind, indem wir die Landessprache überhaupt nicht verstehen. So muss man bei jedem Straßenstandl sämtliche Activity-Skills auspacken um was zu essen zu kriegen…und dann weiß man immer noch nicht WAS man kriegt. Bei unserem ersten Essen in Thailand beachteten wir die Warnung der Marktlady nicht und Kevin bestellte etwas, das sie als „ein bisschen spicy“ bezeichnete. Schon beim ersten Bissen fühlte sich sein Kopf an wie ein Kelomat, und ein paar Bissen später fing der Schweiß an in Strömen zu fließen – 40 Grad, 100% Luftfeuchtigkeit und „etwas spicy“…Selbst am nächsten Morgen wurde er an die Lektion vom Vortag erinnert – Spicy in Thailand heißt SPICY!!!!!
Nachdem wir unseren Jetlag ausgeschlafen hatten fingen wir langsam an die nähere Umgebung zu erkunden. Gleich um die Ecke von unserer Unterkunft ist die berühmtberüchtigte Khao San Road – die Backpackerstraße schlecht hin. Hier versuchen Hostels, Bars, Tatoostudios, Ausweisfälscher und Souvenirverkäufer den farangs (weiße Touris) so viel Geld wie möglich aus der Tasche zu locken.
In dieser Neon-Partywelt der Pseudo-Hardcore-Backpacker fühlten wir uns echt nicht wohl und schlenderten lieber durch Seitenstraßen und Märkte, wo sich selten ein Touri hinverirrt.
Zu den größten Sehenswürdigkeiten Bangkoks zählen eindeutig seine mehr als 300 buddhistischen Tempel. Wir pickten uns die 3 berühmtesten heraus und verbrachten 2 lange Tage damit diese zu erkunden. WOW!!!!!!
Hier sagen die Bilder mehr als tausend Worte – SO viel Prunk und Glitzer!!!.....
Nach ca. einer Woche im Großstadtgetümmel fiel uns ein, dass Thailand ja eigentlich für seine Inseln und Strände berühmt ist und so machten wir uns auf in den Süden…
Wir kauften uns ein 3.Klasse-Ticket für den Übernachtzug nach Surat Thani und von dort fuhren wir mit der Fähre auf die Insel Ko Samui – Endlich wieder Sonne, Palmen, Strand und Meer!!!

Housesitting in Vancouver...

Anfangs befürchteten wir, dass uns in den 3 Wochen in denen auf Haus und Hund der Ramseys aufpassen, langweilig werden könnte. Es stellte sich aber bald heraus, dass eher das Gegenteil der Fall war – die 3 Wochen wurden uns viel zu kurz um all die Arbeiten erledigen zu können und auch noch Vancouver und den Luxus eines eigenen Hauses genießen zu können. Da dies aber eine der seltenen Möglichkeiten war während der Reise Geld zu verdienen anstatt es immer nur auszugeben nutzten wir die Zeit so gut es ging und arbeiteten wie die Bösen.
Das größte Projekt waren die Frontstiegen der Ramseys. Ursprünglich sollten wir nur die Deckbretter austauschen, was in ein paar Stunden erledigt gewesen wäre. Wie sich aber herausstellte war die gesamte Stiegenkonstruktion verrottet und so mussten wir alles runterreißen und neue Stiegen bauen. Wir haben so was zwar noch nie gemacht, aber es gibt für alles ein erstes Mal. Nach viel Tüftlerei, Planung und ca. 100 Arbeitstunden war es dann geschafft! Das kleine Hexenhaus in der Trinity Street sieht dank unseres Face-Liftings jetzt mindestens 20 Jahre jünger aus…
Neben dem Stufengroßprojekt strichen wir auch noch 2 Badezimmer, verpassten dem Garten einen neuen Haarschnitt und digitalisierten an die 1000 alte Fotos.
Als die Ramseys dann von ihrem Urlaub zurück kamen erkannten sie ihr Haus fast nicht mehr wieder. Wir hatten unseren „Job“ somit erledigt und hätten weiterreisen können…wäre da nicht noch der kleine Bär in der Einfahrt gestanden…
Wir hatten ihn über 3 Wochen im Internet inseriert gehabt, aber dank Wirtschaftskrise wollte wohl keiner ein SOOO teures Auto kaufen. Letztendlich fand sich aber dann doch noch jemand, der sich in unser Auto verliebte und es von nun an bewohnen und pflegen wird.
Endlich frei und um 2000 Dollar reicher stand also nun der Weiterreise nach Asien nichts mehr im Weg.
Wir buchten einen Flug nach Bangkok, besorgten uns ein Thai-Visum, machten letzte Einkäufe und packten unsere (neuen) Rucksäcke.
Ein paar Tage vor der Abreise hatte Chris Geburtstag und wir machten ihm eine abenteuerliche Schatzsuche (inklusive Geheimcodeentziffern und Bogenschießen). Beim Bau des Bogens verwechselte Kevin versehentlich den Ast mit seinem Zeigefinger und versuchte das falsche abzuschneiden. Gott sei Dank haben Finger einen Knochen in der Mitte, den auch ein frisch geschliffener Leatherman nicht mit einem mal durchkriegt.
Da wir keine Krankenversicherung haben und Ärzte in Kanada relativ teuer sind packten wir unser Erste-Hilfe-Kit aus und flickten Kevin im Pfusch wieder zusammen. Aus einem Kleiderbügel und ein bisschen Duct-Tape improvisierten wir dann noch eine Schiene und hofften inständig, dass sie uns dieses Metallding bei der Sicherheitskontrolle am Flughafen nicht wieder abnehmen würden.
Am 10. September war es dann so weit. Mit dem Bus ging es nach Seattle und dann per Flugzeug über Seoul nach Bangkok. Kevin durfte seine Schiene behalten, die asiatische Airline mit der wir flogen war überoberluxuriös und auch die Ankunft in Bangkok war völlig problemlos. Alles in allem ein perfekter Start eines neuen Reiseabschnittes.

Donnerstag, August 20, 2009

Der Weg zurück nach Vancouver...

Nach den lachsfischenden Bären ging es für uns stetig zurück Richtung Vancouver. Auf der Strecke fuhren wir durch ein paar Indianerreservate uns schauten dort den First Nations beim Lachsfischen mit riesigen Keschern zu und bewunderten die kunstvoll geschnitzten Totempfähle, die in den Ortschaften stehen.
In der Nähe von Williams Lake machten wir auch noch einen kleinen Abstecher zum Farwell Canyon. Birgit hatte uns von diesem Platz vorgeschwärmt und so mussten wir natürlich hin. Es ist hier trocken und brütend heiß und es schlängelt sich ein türkisblauer Fluss durch die Wüstenlandschaft. Die hoch aufragenden Sandsteinformationen vervollständigen das Bild. In dieser Gegend kommt man sich eher vor wie in Arizona oder Mexiko als in Kanada.
Danach ging es weiter Richtung Süden. Gemütlich tingelten wir von Gratiscampingplatz zu Gratiscampingplatz – von einem schönen See zum nächsten. Aufgrund der Hitze wollten die Fische aber nicht so richtig beißen und so verbrachte Kevin viel Zeit damit Würmer zu baden.
Auf unserem Weg Richtung Vancouver fiel uns in der Nähe von Lilloet das seltsame Farbenspiel am Himmel auf – es war erst Mittag, aber irgendwie herrschte trotzdem Sonnenuntergangsstimmung. Kurz darauf sahen wir warum der Himmel so komisch gefärbt war: Auf den Hängen über Lilloet war ein riesiger Waldbrand im Gange und der dichte braune Rauch verdunkelte die Sonne. Unzählige Löschhubschrauber waren im Dauereinsatz um ein Ausbreiten auf die Ortschaft zu verhindern.
Weiter südlich machten wir dann noch einen Hike zu den Joffre Lakes. Hier bildet ein Gletscher einen Wasserfall, der in 3 ineinander fließende Seen mündet. Vom ersten See geht es stetig bergauf, bis man schließlich den noch schöneren zweiten See erreicht. Der bereits unten sichtbare Gletscher ist schon ein gutes Stück näher. Nach einem weiteren Aufstieg steht man dann beim dritten See und hat freie Sicht auf den Wasserfall und den Gletscher. Ein wunderschöner Flecken Erde!
Eigentlich wollten wir auch noch einen Zweitageshike machen, aber bei der vorherrschenden Hitze waren wir nicht heiß darauf unsere Rucksäcke auf irgendwelche Berge zu schleppen. So ließen wir diesen Hike aus und fuhren direkt zurück nach Vancouver. Unsere vorzeitige Ankunft kam Maritas Verwandten ganz gelegen und so wurden wir gleich zum Babysitten (und Geldverdienen!) eingespannt.
Seit 8. August haben wir nun das Haus für uns alleine. Wir haben kurzfristig ein Haus und einen Hund und werden dafür auch noch bezahlt – Housesitting, the best job in the world!
Nebenbei reparieren, renovieren und putzen wir ihnen die Hütte auch noch ein bisschen…und auch in der Nachbarschaft wurden wir schon angeheuert – Das tut der Reisekasse gut!
Ende August kommen die Ramsey´s dann wieder aus dem Urlaub zurück und für uns geht es dann Anfang September weiter nach Asien. Vorher müssen wir nur noch unser Auto verkaufen – Wünscht uns Glück!

Stewart und Hyder...

Nach ein paar hundert Kilometern Wildnis, glasklaren Seen, endlosen Wäldern, der gelegentlichen Bärensichtung und einem vom Permafrost schwer mitgenommenen Highway, machten wir den kleinen Sidetrip nach Stewart und Hyder. Am Weg dort hin passiert man auf einer Strecke von knapp 70km 37 hängende Gletscher. In der Nähe von Stewart gibt es einen gratis Campingplatz an einen wunderschönen kleinen See. Diesen Platz erkoren wir zu unserem Basislager für die Erkundung der Gegend.
Hier trafen wir auch die ausgewanderte Deutsche Birgit, die mit ihren 2 Hunden für 4 Monate den Norden Kanadas unsicher macht. Da Kevin vom Ufer aus kein Glück beim Angeln hatte, borgte sie ihm ihr Kajak…und Kevin ward den Rest des Tages nicht mehr gesehen!
Erst nach mehreren Stunden am Wasser kam er wieder zurück zum Campplatz – den Tränen nahe. Er hatte am anderen Ende des Sees endlich einen Fisch an der Angel gehabt – und was für einen! Die Riesenseeforelle (oder was auch immer es war – das Vieh war viel zu stark um sich auch nur einmal an die Oberfläche ziehen zu lassen) zog Kevin in seinem kleinen Kajak mehrere hundert Meter über den See bevor sie sich nach 20minütigen Kampf dazu entschloss diesen unnützen Ballast abzuwerfen und in die Tiefe zu verschwinden.
Kevin machte den See mit Kajak und Angel noch bis tief in die Nacht unsicher (ja, wir waren schon wieder so weit südlich, dass es auch wieder dunkel wird), aber die Riesenforelle wollte nicht noch mal beißen – so sehr Birgit und Marita es ihm auch wünschten.
Am nächsten Tag ging es dann hinein nach Stewart und weiter ins benachbarte Hyder/Alaska. Diese zwei Nester existieren nur deshalb, weil sie am Ende des Portland-Kanals liegen – einem der längsten Fjorde der Erde. Hyder ist offiziell Alaska, aber es gibt hier keine Grenzkontrollen, da außerhalb der Ortschaft sowieso für 800km nichts als Wildnis ist. Die einzige Straße, die aus der Ortschaft rausführt geht zu einigen Minen. Wir folgten ihr ca. 30km bis zum Salmon Glaciar, dem größten per Straße erreichbaren Gletscher der Erde. Es ist einfach ein unbeschreibliches Gefühl auf diese Eismasse hinunter zu blicken, die sich im Tal aufspaltet und zwei in entgegen gesetzter Richtung fließende Eisströme bildet. Wie immer war uns natürlich die Touristen-Aussichtsplattform nicht genug und wir mussten näher ran an die Action. Nach ein paar Kilometern auf einer Schotterstrasse und ein bisschen Kraxelei fanden wir den perfekten Platz um dieses Naturwunder zu bestaunen. Gleich neben einem tosenden Wasserfall entdeckte Kevin eine kleine Felsnische von wo aus man den besten Panoramablick überhaupt hat: Zwei Meter rechts von dir tost ein Wasserfall, der dann direkt unter deinen Füßen vorbei rinnt um gleich wieder 20 Meter in die Tiefe zu stürzen. Der glasklare See, in den er mündet, grenzt direkt an den Gletscher und ist voller Eisberge, die rund um den Wasserfall ein natürliches Amphitheater bilden. WOW!
Am Rückweg vom Gletscher schauten wir noch bei den Bären vorbei. Der Fish Creek in der Nähe von Hyder ist ein Lachslaichgebiet und ist deshalb bei allen Bären und Weiskopfseeadlern in der Gegend bekannt. Jedes Jahr zur Lachswanderung gibt’s hier super frisches running sushi. Aufgrund der speziell errichteten Aussichtsplattformen können nun Touristen den Bären aus nächster Nähe beim Fischen zuschauen, ohne selbst Teil des Menus zu werden. Wir hatten Glück und sahen sowohl einen Grizzly als auch einen Schwarzbären in Action.

Von Alaska zurück nach British Columbia...

Von der Touristenhölle des Denali Nationalparks ging es in den viel ruhigeren Wrangell-St. Elias Nationalpark. Da die Sicht aber so mies und die Flüsse zu hoch für unseren VW Bus waren hielten wir unseren Aufenthalt hier kurz. Am Weg zurück nach Kanada gabelten wir kurz vor der Grenze wieder mal Autostopper auf. Diesmal drei deutsche Burschen, die gerade ihre große Weltreise angefangen hatten und am Weg nach Feuerland waren. Da sie genauso wenig Stress hatten wie wir, reisten wir 2 Tage lang gemeinsam. Nach unzähligen Fischerstopps und Badestrandpausen kamen wir dann in Whitehorse an, wo wir sie am nächsten Morgen noch zur Kreuzung nach Skagway brachten und uns dann verabschiedeten. Da wir Whitehorse ja schon gesehen hatten, nutzten wir diesen Zivilisationsstopp hauptsächlich zum Lebensmittelvorrat aufstocken und Mails checken. Dann ging es relativ zügig über Watson Lake zurück nach British Columbia.
Hier nahmen wir diesmal aber nicht den Alaskahighway, sondern den näher an der Küste verlaufenden Stewart-Cassiar Highway.

Into the wild - der Stampede Trail!

In einer Infobroschüre haben wir zufällig gelesen, dass der „Into the Wild“-Bus gleich in der Nähe von Fairbanks steht. Für Kevin stand sofort fest, dass wir da raushiken müssen…und Marita blieb wieder mal nichts anderes übrig als mitzukommen.
Für alle, die weder das Buch gelesen noch den Film gesehen haben: Der „Magic Bus“ ist ein ausrangierter alter Schulbus, der Mitten in der alaskanischen Wildnis steht und 1992 dem jungen Aussteiger Chris McCandless als Unterkunft diente. Chris verbrannte damals sein letztes Geld und marschierte „Into the Wild“ um frei von jeglichen gesellschaftlichen Zwängen in der Natur zu leben. Als er im Frühling losmarschierte waren die zwei auf der Strecke liegenden Flüsse noch kein Problem, aber als er dann Anfang Juli (ca. zur gleichen Zeit wie unser Hike) zurückkehren wollte war der gletschergespeiste Teklanika River so hoch, dass ein Furten nicht möglich war. Er zog sich wieder zum Bus zurück und verstarb dort wenige Wochen später an einer Vergiftung (vermutlich Schimmelpilz). Der Journalist und Abenteurer John Krakauer griff die Geschichte auf und schrieb den Bestseller „Into the Wild“. Vor kurzem kam auch der gleichnamige Film heraus.
In die Wildnis, durch reißende Flüsse und von Bären, Elche und Wölfen bewohnte Tundra, zu einem Aussteigerbus – klingt doch verlockend, oder?
Nachdem eine ausführliche Internetrecherche nicht sonderlich viel Brauchbares ergab und das Backcountry Information Center im nahe gelegenen Denali Nationalpark auch keine große Hilfe war, kauften wir uns einfach eine Karte und marschierten drauf los…
Die einzige Info, die wir mehrfach gefunden hatten, stellte sich als wahr heraus – It´s a wet and muddy trail! So ging es am ersten Tag durch Bäche, von Bibern geflutetes Sumpfland und den Savage River bis zum Teklanika. Dort schlugen wir das Zelt auf, da Gletscherflüsse normal in den frühen Morgenstunden am niedrigsten sind und wir bei den eisigen Wassertemperaturen auf die wärmenden Strahlen der Sonne hofften.
Am nächsten Morgen stellten wir fest, dass der Fluss um einige Zentimeter höher als am Vorabend war. Als Kevin furtete fanden wir auch heraus, dass der Telanika so tief war, dass Marita mit ihrem Rucksack eintunken würde und bei der Strömung keine Chance hätte. So musste Kevin insgesamt dreimal den Fluss durchqueren – beim ersten Mal war er froh dass er endlich drüben ist und ab dem dritten Mal durch die reißenden Fluten fing es fast an ihm Spaß zu machen (wären die Beine nicht taubgefroren gewesen).
Am anderen Ufer angekommen kommt man sich irgendwie vor als wäre man auf einer Insel – der einzige (vernünftige) Weg zurück in die Zivilisation führt durch diesen launischen Fluss! Und wenn einem der nicht wohlgesinnt ist, sitzt man hier fest!
Da nicht ganz klar ist, wo der Weg auf der anderen Seite weitergeht, irrten wir dann erst mal eine gute Stunde durch ein riesiges, von Bibern unter Wasser gesetztes Gebiet. Ab dem Zeitpunkt wo wir wieder auf dem Trail waren, ging es zügig voran. Kurz nachdem wir nach einem Kartenstudium beschlossen hatten, dass es noch ca. 1 Stunde sein müsste, rochen wir plötzlich Rauch. Und als wir um die nächste Kurve bogen stand er vor uns - Der „Magic Bus“ mit rauchendem Schornstein. Ein New Yorker Pärchen, das auch hier raus gewandert war, hatte gerade Mittagessen gekocht.
Nachdem wir dann unser Mittagessen gekocht hatten ging es ans Erkunden des Busses. Von außen wie von innen schaut er wahrscheinlich noch ziemlich genauso aus, wie er es 1992 getan hat – die Metallbetten, der Ölfassofen und die zerschossenen mit Plastikplane geflickten Fenster. Innen haben unzählige Leute Lebensmittel und Survivalpakete (damit hier nicht noch jemand verhungern muss) und einen Koffer voll mit Tagebüchern zurückgelassen. Jeder der hier vorbeikommt schreibt ein paar Zeilen hinein und es ist echt faszinierend die ganzen Geschichten zu lesen. Leute kamen mit Hundeschlitten, Fahrrädern, Ski-Doos, zu Fuß, mit Quads oder sogar mit dem Helikopter hierher. Einige Einträge sind von der Familie McCandless und John Krakauer.
Da uns der Platz so gut gefiel, beschlossen wir so lange wir möglich zu bleiben. Da wir aber in der Windschutzscheibe unseres Autos eine Notiz mit unserem geplanten Rückkehrdatum hinterlassen hatten, war unsere Zeit hier sehr begrenzt. Wir machten das Beste draus und erkundeten die Gegend rund um den Bus. Als Kevin entdeckte, dass der nahe gelegene Bach voller Fische ist, verfluchte er es sein Fischerzeug nicht mitgenommen zu haben...Doch mit etwas Improvisationstalent, einem aus einem Plastikseil gefädelten Faden und einer zurechtgebogenen Stecknadel war unser Abendessen gesichert. Da gleich 7Äschen an den Haken gegangen waren luden wir das New Yorker Flitterwochenpärchen zum Dinner ein.
Am späten Nachmittag des nächsten Tages (dank Mitternachtssonne ist hiken in der Nacht ja kein Problem) machten wir uns schweren Herzens auf den Rückweg.
Zurück beim Teklanika folgten wir dem Trail und fanden eine viel bessere Furt als beim Hinweg. Der Fluss ist hier viel breiter und in mehrere Arme aufgefächert. So furteten wir ohne gröbere Probleme und schlugen unser Camp auf der anderen Flussseite auf – Es schläft sich besser, wenn man diese Hürde bereits hinter sich gebracht hat.
Am nächsten Tag trafen wir eine Gruppe Jäger, die uns warnte, dass sie vor einer halben Stunde beobachtet hatten, wie ein Bär gleich neben dem Weg ein Elchkalb gerissen hat. Die Elchkuh hat den Bären zwar verjagt, aber der kommt sicher wieder um sich seine Beute zu holen. Toll! Nicht nur ein Bär, der seine Beute verteidigen will, sondern auch noch eine aggressive Elchkuh, die ihr totes Junges beschützen will. Da wollten wir echt nicht dazwischenstolpern. Dank der genauen Wegbeschreibung der Jäger konnten wir dem Tatort aber aus dem Weg gehen.
Zurück beim Auto verbrachten wir noch eine Nacht am Trailhead und fuhren dann zum Visitors Center des Denali Nationalparks um uns bei Flo per Internet „back from the wild“ zu melden.
Da nur Kevin das Buch „Into the Wild“ gelesen hatte und das schon Jahre zurückliegt, fragten wir im Denali Buchgeschäft nach diesem Bestseller. Obwohl die Geschichte praktisch vor den Türen des Nationalparks passiert ist führen sie diesen Titel nicht. „Den dürfen wir hier nicht verkaufen – Das Buch kriegt ihr nur außerhalb des Nationalparks!“ Die spinnen die Amis!

Fairbanks/Alaska...

Unser Freund Flo aus Deutschland, den wir in Nicaragua bei Quetzaltrekkers kennen gelernt haben ist im Moment für 3 Jahre in Alaska um Vogelkacke zu untersuchen (er ist Biologe und studiert die Verbreitung und Mutationen des Vogelgrippevirus) ….und da wir schon mal „in der Gegend“ waren mussten wir natürlich bei ihm vorbeischauen. Außerdem klingt „von Feuerland bis Alaska“ doch auch ganz gut, oder?
Wir kamen pünktlich zur Sommersonnenwende in Fairbanks an – DEM Event im Norden. Nachdem uns Flo und seine Freundin Irina herzlich willkommen geheißen haben, ging’s gleich zum Midnight-Sun-Run. Klingt sportlicher als es ist – ca. ¾ der Teilnehmer spazieren verkleidet mit einem Bier in der Hand durch die Stadt und werden von Grillparty-Gästen entlang der Strecke nass gespritzt.
Am nächsten Tag war dann großes Volksfest mit Tanz, Musik und viel lecker Essen.
Da Flo auf der Uni arbeitet konnte er sich relativ günstig Kanus ausleihen und so machten wir am Wochenende einen nahe gelegenen Fluss unsicher. Den Warnungen eines Sourdoughs (Ortsansässigen) trotzend stürzten wir uns in die Fluten und paddelten los. Wir fanden bald heraus, dass Kanu fahren auf europäischen Flüssen einfacher ist, da die umliegenden Wälder besser durchforstet sind und sich deshalb weniger Treibholz ansammelt. Das Problem ist nämlich, dass Wasser (sprich die Hauptströmung) durch einen Log-Jam hindurchfließt, ein Kanu aber nicht. Für uns alte Kanuten kein Problem und auch Flo und Irina hatten den Dreh bald raus und hörten auf sich nach jeder Kurve zu drehen.
Nach ein paar Treidel-Stellen und vielen Flusskilometern suchten wir uns eine nette Schotterbank zum Campen. Bei genauerer Erkundung stellte sich aber heraus, dass diese regelmäßig von Bären frequentiert wird und so paddelten wir noch ein bisschen weiter, bis wir eine fanden, die zwar Waschbären- und Elch-, aber keine Bärenspuren hatte. Bei Lagerfeuer, Budweiser und Mitternachtssonne ließen wir den Tag ausklingen.
Am nächsten Morgen erfüllte sich dann die Prophezeiung des Sourdoughs – wir wurden NASS!!!!! Aber nicht weil wir, so wie er meinte kenterten, sondern weil es goss wie aus Kübeln. Klatschnass und durchgefroren erreichten wir die Ausstiegsstelle und während Kevin und Flo das zweite Auto holten hielten sich Marita und Irina mit „Heisse-Schokolade-Fantasien“ so gut es ging warm. Zurück in Fairbanks gab’s dann eine heiße Dusche und noch heißere Schokolade!!!
Nach gut einer Woche in Fairbanks verabschiedeten wir uns wieder von unseren beiden Gastgebern und machten uns auf den Weg zurück nach Süden…

Dawson City und der Weg nach Fairbanks...

Dawson City war einst ein verschlafenes Nest am A*** der Welt bis 1898 Gold im nahe gelegenen Bonanza Creek gefunden wurde. Schnell verbreitete sich die Kunde und tausende Goldsucher strömten auf der Suche nach Reichtum hierher. Praktisch über Nacht verwandelte sich Dawson in eine Metropole mit über 30 000 Einwohnern und war somit die größte Stadt im Westen Kanadas.
Heute ist die Stadt wieder praktisch auf ihre ursprüngliche Größe zusammengeschrumpft. Einzige Zeugen dieser glorreichen Zeit sind die vielen (für die Touristen herausgeputzten) historischen Gebäude. Die Stadt wirkt irgendwie wie eine bewohnte Geisterstadt, da sie für ihre jetzige Einwohnerzahl einfach zu groß ist. (Die wenigen erhaltenen alten Gebäude sind auf eine Riesenfläche zerstreut.)
Wir machten einen auf Touri und sahen uns natürlich den Discovery Claim an, wo der Legende nach Skookum Jim im Sommer 1898 ein Goldnugget in der Größe seines Daumens aus dem Bonanza Creek fischte und somit den Startschuss für den Goldrausch gab. Danach ging’s weiter zum Dredge No. 4, einer riiiiiiesigen schwimmenden Goldschürfmaschine, die bis 1966 in Betrieb war. Dieses Monster wusch in ihren besten Zeiten bis zu 25kg Gold pro Tag aus den Sedimenten.
Zurück am Campingplatz erkundeten wir den nahe gelegenen Schaufelraddampferfriedhof. Hier wurden früher die Schiffe für den Winter aufs Trockene gezogen und als sie irgendwann nicht mehr gebraucht wurden…einfach dort gelassen. So rottet hier der einstige Stolz des Yukon Rivers schön langsam vor sich hin. Kevin hatte einen Heidenspaß dabei in den alten Wracks herumzuklettern.
Von Dawson City ging es über den spektakulären „Top of the World“ Highway nach Alaska. Irgendwo entlang dieser Schotterstrasse stand dann in den Bergen eine kleine Baracke – wahrscheinlich der kleinste US-Grenzposten.
Das erste Highlight in Alaska war das Nest Chicken, das nur deshalb eine Attraktion ist, weil es Chicken heißt und seinen Namen kommerziell ausschlachtet. Vor gut 100 Jahren gründeten Goldsucher diese Siedlung und wollten sie nach den lokalen Schneehühnern benennen. Da sie sich aber nicht einigen konnten, wie man „Ptarmigan“ schreibt, wurde einfach Chicken daraus…Und jetzt kann man hier alle möglichen Hühnersouvenirs und „I got laid in Chicken/Alaska“-Shirts kaufen.
Zurück am Alaska Highway ging es flott Richtung Fairbanks, wo uns Flo (ein ehemaliger QT-Kollege) erwartete. Am Weg dorthin mussten wir natürlich einen kurzen Stopp beim Weihnachtsmann einlegen. In Northpole ist das ganze Jahr über Weihnachten und man kann Santa und seine Rentiere besuchen. Sogar die Straßenlaternen sind weihnachtliche Zuckerstangen. Wieder ein Nest, das seinen Namen gut verkauft!

Unterwegs am Klondike Hwy, dem Silvertrail und dem Demster Hwy...

Von Whitehorse ging es für uns dann über den Klondike Highway Richtung Dawson City (leider nicht mit dem Kanu, wie sich Kevin gewünscht hätte). Wir machten aber noch einen kleinen Abstecher auf den Silver Trail. Hier besuchten wir das Nest Keno City, das zwar nur 12 Einwohner, dafür aber ein Museum, ein Restaurant, ein Hotel und eine Bibliothek hat. Hier probierten wir zum ersten Mal wirklich aus, was unser VW-Bus im Gelände so drauf hat. Über eine schottrige Schlammpiste erklommen wir den Keno Hill, von wo aus man eine Wahnsinnsaussicht auf die Umgebung hat. Außer uns wagten nur Leute mit Geländewagen den „Aufstieg“ und schauten nicht schlecht, als sie am Gipfel angekommen dort einen VW Bus sahen.
Da sich unser kleiner Bär offroad so gut geschlagen hatte, beschlossen wir auch noch ein Stück des nicht asphaltierten Dempster Highways zu fahren. Diese Straße führt über mehr als 700km in die nördlichste per Straße erreichbare Stadt in ganz Kanada. Wir fuhren aber nicht bis nach Inuvik, sondern nur die ersten 100km oder so. Die Landschaft auf diesem Streckenabschnitt ist einfach atemberaubend. Zu Beginn fährt man durch hügelige Waldlandschaft, die schön langsam in die Berge der Tombstone Range übergeht, welche dann Richtung Norden in der ewigen baumlosen Weite der Tundra verebbt.
Wir sahen Elche, ein Weißkopfseeadlernest und spielende Babyfüchse, die sich durch unsere Anwesenheit nicht im Geringsten stören ließen. Als Kevin dann auch noch riesige Äschen aus dem Northern Klondike River zog, war der Sidetrip perfekt. Auf der Fahrt zurück mussten wir alle paar hundert Meter anhalten, bis Kevin sein Tagesfanglimit erreicht hatte – Lecker waren sie!!!...Trotzdem war es dann nach mehreren Tagen Fisch zu Mittag und zu Abend gut wieder mal Pasta zu essen…
Zurück am Klondike Highway ging es dann direkt nach Dawson City.

Whitehorse...

Das gesamte Yukon Territorium hat nur ca. 30 000 Einwohner von denen 24 000 in der Hauptstadt Whitehorse leben – das heißt außerhalb dieser Stadt gibt es im Yukon mehr Schwarzbären als Menschen…
Zu Zeiten des Goldrausches war Whitehorse ein wichtiger Transportpunkt auf der Strecke von Skagway/Alaska zu den Goldfeldern in Dawson City. Hunderttausende Goldsucher aus aller Welt fuhren damals per Schiff nach Skagway, erklommen zu Fuß den Chilkoot Pass und setzten auf der anderen Seite der Berge ihre Reise in selbst gebauten Booten fort. Erst ab Whitehorse fuhren dann die berühmten Schaufelraddampfer die restliche Strecke bis Dawson City.
Einer der letzten Yukon Schaufelraddampfer, die S.S. Klondike II, liegt heute voll restauriert in einem Stadtpark am Trockenen. An Deck zu gehen hätte Eintritt gekostet, aber die Klondike ist so schon imposant genug.
In Whitehorse gaben wir uns das volle Sightseeing-Programm – inklusive Museen. Im Transportmuseum bestaunten wir sämtliche Kuriositäten des Transportgeschäfts im Yukon – vom Hundeschlitten bis zum ersten Flugzeug, das als Dampfschiff angemeldet war (Anmeldeformulare für Flugzeuge gab’s damals im Yukon noch nicht).
Gleich nebenan befindet sich das Beringia Museum, das sich mit dem von der letzten Eiszeit verschont gebliebenen Gebiet zwischen dem Yukon und Sibirien befasst. Aufgrund des ganzen Wassers, das in Form von Eis gelagert war, war die Beringstraße trocken und geografisch bedingt auch eisfrei. Seine kalten Grassteppen boten unter anderem Lebensraum für Wollmammuts, Moschusochsen und Riesenbiber (in der Größe eines Schwarzbären). Die First Nations-Legenden von diesen gigantischen Bibern wurden von Wissenschaftlern lange belächelt…bis sie einen Schädel ausgruben…
Vom Sightseeing völlig erschöpft parkten wir unseren kleinen Bären am größten RV-Park (Campingplatz für Wohnmobile) von Whitehorse – dem Walmart-Parkplatz. Diese Supermarktkette erlaubt es ihren Kunden gratis über Nacht zu parken. So hatten wir eine „günstige“ Unterkunft und konnten die Stadt in aller Ruhe erkunden…

Der Alaska Highway...

Der berühmte Alaska Highway war die erste Landverbindung ins Yukon Territorium und nach Alaska und wurde erst 1942 in einem Gemeinschaftsprojekt mit den USA im Zuge des Zweiten Weltkrieges gebaut. Damals fürchteten die Amerikaner, dass die Japaner nach Pearl Harbour Alaska angreifen würden und so brauchten sie eine Straße um Truppen und Gerät in dieses abgelegene Gebiet zu transportieren. In der Rekordzeit von knapp einem Jahr wurde diese 2200km lange Straße durch Sümpfe, Wälder und Wildnis gebaut. Die Zeiten, wo die höchste fahrbare Geschwindigkeit am Alaska Highway 15km/h betrug, sind aber lange vorbei. Heute sind ca. 95% der Strecke asphaltiert und viele Abschnitte begradigt. Das große Abenteuer ist somit eintönigem Highwayfahren gewichen.
In Dawson Creek sahen wir uns die Meile 0 und ein paar andere Sehenswürdigkeiten zum Alaska Highway an, bevor wir die lange Reise bis Whitehorse antraten.
Wirklich interessant wurde die Strecke erst nördlich von Fort Nelson, wo sich der Highway durch enge Täler und an blauen Gebirgsseen vorbeischlängelt. An einem der höchsten Punkte der Strecke machten wir einen Dayhike zum Summit Peak. Die wunderschöne alpine Landschaft und die irre Aussicht von oben waren den Aufstieg wirklich wert.
Zu einem der Highlights des Trips zählten eindeutig die heißen Quellen am Liard River. Hier sprudelt mitten in einem Sumpf heißes Wasser aus dem Boden und bildet ein Mikroklima in dem für Kanada einzigartige Orchideen und Farne wuchern. Elche und andere Großsäuger besuchen dieses kleine Paradies regelmäßig um sich mit den nahrhaften Wasserpflanzen den Bauch voll zu schlagen…und sich die kalten Hufe zu wärmen. Wir haben auf unserer Reise schon in vielen heißen Quellen gebadet, aber die Liard River Hotsprings waren bei weitem die Schönsten – natürliche Becken ohne Beton, dafür mit dem gelegentlichen Stück Treibholz darin, natürlichen Zu- und Abflüssen und wunderschönen Farnen, die am Ufer wuchern.
Wie schon die Erbauer des Alaskahighways nutzten auch die Feuerwehrleute, die den nahe gelegenen Waldbrand bekämpften die heißen Quellen, um sich am Abend den Schmutz und Russ des Tages abzuwaschen. Gott sei Dank haben die Hotsprings eine so große Durchflussmenge, dass die Pools schön sauber bleiben.
Unser erster Stopp im Yukon Territorium war in Watson Lake, wo 1942 ein heimwehkranker US-Soldat eine bis heute geführte Tradition angefangen hat. Er errichtete ein Schild mit dem Namen seiner Heimatstadt und der Entfernung. Heute beinhaltet der Schilderwald über 60 000 Ortsschilder, Verkehrszeichen und selbst gebastelte Tafeln aus aller Welt – Tendenz steigend. Wir fanden heraus, dass besonders die Deutschen begnadete Ortstafeldiebe sind.

Von Vancouver nach Dawson Creek...

Noch mitgenommen vom schweren Abschied von Maritas Eltern starteten wir unseren Roadtrip Richtung Norden. Erst ging es in die Gegend um Squamish und Whistler, wo diesen Winter ein Teil der olympischen Winterspiele ausgetragen wird. Aus diesem Grund ist die ganze Strecke eine einzige Baustelle und auch in den Ortschaften selbst sieht es nicht viel anders aus. Das High-society-Outdoor-Gehabe (Whistler ist das IN-Ziel für alle outdoor-begeisterten geldigen Vancouveraner) konnte uns nicht so recht beeindrucken und so machten wir uns auf den Weg Richtung Norden, wo die wahren Outdoorer und harten Hunde zuhause sind.
Als kleine Wiedergutmachung für die Abholzung der heimischen Wälder hat der Forestry Service von B.C. ca. 1200 Gratis-Campingplätze eingerichtet. Das mussten wir natürlich nutzen. Mit Hilfe des Buches „Camp Free in B.C.“ fanden wir auf unserem Roadtrip die besten dieser Gratis-Übernachtungsmöglichkeiten.
Auf der Strecke bis nach Dawson Creek hat sich nicht sonderlich viel getan – Die Gegend ist noch ziemlich dicht besiedelt (für kanadische Verhältnisse). Und so tingelten wir von Camp-Free zu Camp-Free und Kevin hatte endlich genug Zeit seine neue Angel auszuprobieren.
Und auch die Steinschleuder kam zur Verwendung – Am Greeny Lake wagte sich ein keckes Eichhörnchen zu nahe an unser Camp…und landete prompt im Kochtopf. Schmeckt ein bisschen wie Meerschweinchen – Echt lecker! Und um wirklich nichts zu verschwenden kam der Schwanz als Wimpel auf die Antenne, die 4 „Glückspfoten“ an den Rückspiegel und das Fell wurde gegerbt…
An einem sehr abgelegenen See nördlich von Prince George hatten wir dann eine Kulturerfahrung der besonderen Art – Rednecks everywhere! Für alle, die kein Bild zu einem Redneck haben: Es handelt sich um schwer bewaffnete, ständig betrunkene, Quad-fahrende Hinterwäldler-Proleten, die schlechte Indianerwitze erzählen und dieses Jahr schon mindestens 20 Bären erlegt haben (oder es wenigstens behaupten)… Wir wussten echt nicht, dass sich Klischees SO bestätigen können.
Hier machten wir uns schon echt Sorgen wie schlimm es dann erst im WIRKLICHEN Norden werden würde – Gott sei Dank wurde es wieder besser.

Montag, August 10, 2009

Saltspring Island, Vancouver Island and Good Bye...

Übers lange Maiwochenende ging es dann mit den Ramseys (inklusive Heather, die von Toronto eingeflogen kam) nach Saltspring Island.
Dort hatten wir zwei wunderschöne Cottages am See gemietet und verbrachten ein relaxtes Wochenende auf dieser Althippie-/Künstlerinsel. Kevin fing haufenweise Schwarzbarsche, die dann am Abend am Grill landeten. Grillen, kaltes Bier und Familie – was will man mehr!
An einem Abend war dann auch noch Ladiesnight angesagt und Heather, Sharon, Ilse und Marita machten die lokale Bar unsicher. Dort wurde dann bis zur Sperrstunde getanzt während Kevin und Pepi…fischten.
Nach dem Wochenende fuhren die Ramseys wieder heim und wir weiter auf Vancouver Island.
Dort schickten wir Pepi in den siebten Baumhimmel. Er hat nun ein Foto von jedem Baum im Cathedral Grove und träumte wahrscheinlich noch Wochen später von diesen Giganten. Weiter ging es an die Westküste der Insel, wo wir das Kleinstadtflair von Tofino genossen und lange Strandspaziergänge machten. Am Abend spannten wir in der Sauna und dem Hottub des Campingplatzes aus. Mal schauen ob Ilses Vision von so einer Riesenbadewanne im Garten wahr wird…
Nach einigen Tagen auf der Insel ging es wieder zurück aufs Festland, da die Abreise und der unausweichliche Abschied immer näher rückten. Am Abend vor der Abreise gab es für Stu noch eine Überraschungsgeburtstagsfeier mit lecker Essen und vielen Leuten, die wir nicht kannten.
Es ist echt irre wie schnell 3 ½ Wochen vergehen können…Gerade erst hatten wir Maritas Eltern am Flughafen abgeholt und schon mussten wir sie auch wieder hergeben….
Vor lauter Abschiedsschmerz konnte sich Marita so gar nicht auf den bevorstehenden Trip in den Norden freuen…

Wiedersehen mit Maritas Eltern und unsere gemeinsame Reise über die Rockies...

Am 30. April war es endlich so weit: Maritas Eltern kamen in Calgary an und wir sahen sie zum ersten Mal seit fast 2 ½ Jahren wieder. Die beiden kamen für einen 3 ½ wöchigen Roadtrip-Urlaub nach Kanada!
Das Wiedersehen am Flughafen war herzlich und tränenreich. Es ist echt ein unbeschreibliches Gefühl, sich nach so langer Zeit wiederzusehen – so in Lebensgröße und incl. dicker Umarmung, nicht nur via Webcam auf Skype!
Maritas Mama war einfach nur glücklich ihre Tochter wiederzuhaben und bei ihrem Papa kam zur Wiedersehensfreude noch die Freude des bevorstehenden Busumbaus zum Campermobil dazu.
Nachdem wir das Auto endlich hatten und einen Intensivshoppingnachmittag in sämtlichen Baumärkten Calgarys und einem Sitzbankkauf am Autofriedhof konnte der Umbau beginnen. Kevin und Pepi werkten, sägten (mit der extra dafür gekauften Stichsäge) und schliffen einen ganzen Tag lang und das Ergebnis kann sich echt sehen lassen. – Eine neue Sitzbank und dahinter ein Bett mit darunter liegendem Stauraum! Als das geschafft war konnte der Roadtrip endlich beginnen.
Los ging es erst mal Richtung Banff und da uns in diesem Touristennest zu viele Touristen waren fuhren wir gleich weiter Richtung Columbia Icefields. Die Straße führte uns mitten durch die kanadischen Rockies und hinter jeder Kurve begrüßte uns ein anderer schneebedeckter Gipfel. Beim Columbia Icefield angekommen waren wir geschockt über die Folgen der Klimaerwärmung: Vor ca. 100 Jahren reichte der Gletscher noch bis an die Straße – heute ist es eine 1 ½ km lange Wanderung bis zu dem Eiskoloss.
Wir hatten wunderbares Wetter und auch die Tierwelt war uns wohlgesinnt. Wir sahen nicht nur eine Wildschafherde, sondern auch noch 3 Schwarzbären innerhalb von 5 Minuten.
Nach drei Tagen campen, fischen und Landschaft bewundern kamen wir dann in Vancouver an. Hier wurden wir von Stu, Sharon, Chris, Julia und ihrem Hund Bilbo herzlich willkommen geheißen.
In den folgenden Tagen erkundeten wir Vancouver und seine Umgebung. Zuerst ging es in die Stadt zum großen Standard-Sightseeing-Programm, dann auf einen Spaziergang in den riesigen Stanley Park und danach noch ins Aquarium zum Belugaschauen. Wir machten auch noch einen Ausflug zum Lynn Canyon, wo Pepi bei der Hängebrücke seine Höhenangst überwinden musste um zu den großen Bäumen auf der anderen Seite zu gelangen. Dort angekommen kam er aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Als vor ca. 90 Jahren Vancouver boomte, wurden hier die riesigen alten Bäume umgeholzt. Auf den enormen Wurzelstöcken wuchsen dann neue Bäume. Einige dieser Wurzelstöcke sind inzwischen verrottet und so stehen die Bäume nun auf Wurzelstelzen.

Autokauf in Calgary...

In Calgary wurden wir von Karl und Sally gleich von hinten bis vorne verwöhnt. Nach Wochen des Zelten und am Boden Schlafens hatten wir nicht nur ein eigenes Bett, sondern gleich ein eigenes Zimmer. Wir wurden bekocht und umsorgt und genossen es beim Schneegestöber nicht draußen sein zu müssen.
Nach einem Erholungstag stand aber das große Projekt Autokauf auf dem Programm. Da wir mit Maritas Eltern Kanada erkunden wollten erkundigten wir uns nach den Möglichkeiten: Busfahren – zu teuer und zu unflexibel, Mietauto – viel zu teuer und mit Autostoppen hätten Maritas Eltern wahrscheinlich ein Problem gehabt. Also stand schnell fest, dass es am billigsten und flexibelsten sein würde ein Auto zu kaufen und es später (bevor wir nach Asien reisen) wieder zu verkaufen.
Erst suchten wir in Autozeitschriften und im Internet nach einem passenden fahrbaren Untersatz.
Es war schnell klar, dass es ein alter VW-Bus werden würde und wir hatten auch schnell einen passenden gefunden.
Karl und Sally halfen uns sehr beim herumtelefonieren, quer durch die Stadt chauffieren und Preis verhandeln. Danke!
Am Anfang lief alles wie geschmiert. Wir sahen uns das Auto an, ließen es auch noch in der Werkstadt anschauen, kauften es, schlossen eine Versicherung ab… Aber als es dann ums Anmelden ging erfuhren wir, dass wir eine „Out of Province-Inspection“ brauchen. Und als wir die gemacht hatten erfuhren wir von der Werkstadt, dass ein Haufen Kleinigkeiten zu machen wären, die summa summarum auf 1200CA$ kommen.
Zu diesem Zeitpunkt war Marita knapp davor die Nerven wegzuwerfen! Aber irgendwie ist dann doch noch alles gut gegangen und wir können uns jetzt stolze Besitzer eines 87er VW-Bus nennen! HURRA!!!!

Von Bend nach Calgary...

Von Bend aus war es kein Problem einen Lift zu kriegen. Die Leute in Oregon sind super hilfsbereit und nehmen dich schnell mal mit, nur fahren sie meist nicht weit. So wechselten wir alle halbe Stunde das Auto und lernten so einige schräge Typen kennen – vom Althippie, der am liebsten nach Belize auswandern würde bis zur verkaterten Mittvierzigerin, die ihren geliebten Hund vor den Unkrautvernichtungsmittelattacken ihres Nachbarn beschützen muss war so manches dabei...
Beim 5. Lift machten wir dann einen gravierenden Fehler – nur weil Straßen auf der Karte gleich groß aussehen, heißt das nicht, dass sie es in Wirklichkeit auch sind. Als wir in dem kleinen Nest Antelope unsere Rucksäcke vom Pickup luden merkten wir, dass wir das besser schon vor 15km bei der Highwaykreuzung gemacht hätten. Auf diesem Nebenhighway war nämlich null Verkehr. Als wir durch den „Ort“ (ca. 5 Häuser) marschierten kamen wir mit einem Alteingesessenen ins Gespräch, der uns erzählte, dass hier pro Tag so ca. 5 Autos durchfahren. Der größere Highway geht durch die 8 Meilen entfernte Ortschaft Shaniko und bis dahin geht’s nur bergauf…
Wir verabschiedeten uns freundlich und starteten unseren vermeintlich mehrstündigen Fußmarsch. Schon nach wenigen Minuten hörten wir jedoch hinter uns einen Pickup hupen und der nette Herr mit dem wir eben noch gequatscht hatten meinte, er müsste sowieso noch nach Shaniko was einkaufen und könnte uns mitnehmen…Das mit dem Einkaufen war sicher nur eine Nebensache – er wollte höchstwahrscheinlich nur der sein, der was aufregendes zu erzählen hat, wenn sich schon mal zwei Backpacker in so ein Nest wie Antelope verirren…
So standen wir kurz darauf in Shaniko und streckten unsere Schilder (eins mit „NORTH“ und eins mit einem Smiley) den wenigen vorbeifahrenden Autos entgegen.
Nach ca. einer Stunde blieb dann ein Pickup in die Gegenrichtung stehen und fragte uns ob wir nach Norden wollten. Es stellte sich heraus, dass Nate, der Fahrer des Pickups schon 5 Meilen an uns vorbei war, als er sich doch entschied uns mitzunehmen und noch mal umdrehte. – „I liked your smiley-sign!“
Mit ihm kamen wir dann wirklich weit. Er war auf dem Weg zu seinen Eltern, die im Bundesstaat Washington ca. 40 Meilen vor der kanadischen Grenze wohnen. Dort angekommen wurden wir gleich mal von den Eltern unter die Fittiche genommen. Sie luden uns zum Abendessen ein und richteten gleich das Gästebett im Keller für uns her. Nach gutem mexikanischen Essen und einer heißen Dusche fielen wir hundemüde und glücklich (nicht in der Schweinekälte campen zu müssen) auf die ausziehbare Couch.
Am nächsten Morgen gab’s noch Frühstück und Nate´s Vater drückte uns ein Kilo Räucherlachs in die Hand – als Wegzehrung. Da auf der Straße nicht viel Verkehr ist und Nate sowieso Urlaub hatte brachte er uns noch bis zum Grenzposten. Einfach irre, wie nette Leute es gibt!!!
Wir hatten an der Grenze noch nicht einmal unsere Rucksäcke abgeladen, da stand schon der amerikanische Grenzer da und fragte harsch was wir leicht hier wollten. „Ähhh, das ist ein Grenzübergang, oder?“ …Naja, Amis kriegen immer einen Stress, wenn Menschen mit Fahrzeugen unterwegs sind…nur Obdachlose und Assoziale gehen zu Fuß…
Nachdem alle Grenzformalitäten erledigt waren begannen wir unseren Kanadaaufenthalt gleich mit einem „Walk in the woods“. Der Grenzübergang ist SO am A… der Welt, dass wir nicht auf ein Auto hoffen konnten und so die 10km bis zur größeren Straße marschieren wollten. Dank unserem Stopperglück saßen wir aber schon nach einer halben Stunde in einem Pickup, der uns bis zur Kreuzung mitnahm.
Und schon nach 10 Minuten an der Kreuzung saßen wir in einem Truck, der uns die 550km bis Calgary mitnahm. Der Trucker war ein kleiner Inder, der uns mitgenommen hatte um nicht wegzupennen, da er schon 10 Stunden hinter dem Steuer saß. Er beschwerte sich über die schlechten Straßenverhältnisse hier im Süden Kanadas – normalerweise haut er den Tempomat rein, setzt sich im Schneidersitz hin und dreht die indische Musik auf volle Lautstärke auf…
Nach 6 oder 7 Stunden kamen wir dann endlich in Calgary an. Das Wetter war hier ein „bisschen“ schlechter als im frühsommerlichen Oregon. Bei Schneesturm und einer Sicht von 200m stiegen wir bei einem Truckstopp im Norden der Stadt aus.
Hier hatten ein paar Trucker Mitleid mit uns und ließen uns in den nur für Trucker reservierten Pausenraum, von wo aus wir Karl und Sally anriefen und dann auf sie warteten.
Kaum zu glauben, dass wir die Strecke, für die wir eine Woche eingeplant hatten in nur 2 Tagen geschafft hatten!

Dienstag, April 21, 2009

Zu Besuch bei Taylor in Bend/Oregon...

BIIIIIIGGGG Quetzaltrekkers-Reunion!!!!!!!
In Bend angekommen wurden wir gleich von einer stürmischen Taylor in die Arme geschlossen. Ganz in alter QT-Manier haben wir gleich groß aufgegrillt, Bier getrunken und Shisha geraucht. Wäre es hier Nachts nicht so kalt, hätten wir fast glauben können wir seien wieder in Nicaragua...
Gemeinsam schauten wir uns in den nächsten Tagen so einiges an. Zuerst ging es zu den Lavatunneln in der Nähe von Bend. Diese Höhlen wurden, wie der Name schon sagt, von einem Lavastrom geformt und erstrecken sich über mehrere Kilometer. Echt beeindruckend!
Danach ging es zum Campingausflug in den Smith Rock State Park. Klar, was wäre eine Quetzaltrekkers-Reunion ohne Campen und Hiken?
Bryan musste leider am Sonntag schon wieder abreisen und wir werden uns morgen früh (Dienstag) auf die Socken machen. Wir wollten nur noch die schon lange ausständige Aktualisierung abschliessen, bevor wir uns auf ins nächste Land machen.
Bis Calgary/Kanada sind es von hier noch 822 Meilen (1315km)... Wünscht uns Glück! Nur mehr knappe 2 Wochen bis wir Maritas Eltern dann nach 2 ½ Jahren wiedersehen!!!!!!!
Für alle, die sich jetzt Sorgen machen: Calgary ist natürlich noch lange nicht das Ende unserer Reise...

Am Weg nach Bend...

Von Yosemite ging es zurück nach Sunnyvale, wo wir Sanna ablieferten und unsere Rucksäcke wieder einluden. Und da wir schon mal so nahe bei San Francisco waren, wollten wir uns das auch noch anschauen. Bryan ging voll in seiner Rolle als Reiseführer auf und wir schafften die Express-Sightseeing-Tour in unter 4 Stunden!
Von San Francisco ging es dann in 2 Tagen in Bryans Auto rauf bis Bend/Oregon, wo unsere QT-Crew um ein Mitglied größer wurde.

Yosemite National Park...

Das riesige Yosemite Valley wurde vor Jahrtausenden von einem Gletscher aus dem Granit geschliffen. Heute ist von dem Eisriesen nichts mehr übrig, aber seine Spuren sind nicht zu übersehen – zu allen Seiten ragen die mehrere hundert Meter hohen Granitwände senkrecht empor. Und da gerade Frühling ist donnern von diesen Felswänden riesige Wasserfälle ins Tal. WOW!!!!! Toadally awsome, dude!!!!!!!!!!!!!
Wir frohren uns am Campingplatz den Arsch ab, machten ein paar echt irre Tageshikes und Marita und Sanna hatten sogar das Glück einen Bären aus nächster Nähe zu sehen...Aber wie schon beim Grand Canyon – Die Bilder sprechen einfach für sich!!!!

Zu Gast bei Bonnie und Allan in Sunnyvale...

Mal nicht per Daumen, sondern mit Öffis ging es Richtung Sunnyvale, nahe San Francisco. Hier verbrachten wir ein verlängertes Wochenende und genossen Massagen, Reikibehandlungen und gute Gesellschaft. Das Gathering zu dem Allan und Bonnie geladen hatten hatte den Zweck eine neue Art von Communities praktisch auszuprobieren. Zuerst besprachen wir warum viele andere Communities (Hippies, Kibbutz,...) nicht so recht funktionieren und was gegeben sein muss, dass es klappen kann. Dann war fröhliches Ausprobieren und gegenseitiges Button-pushing angesagt.
Auch wenn Allan immer wieder in seine ernste, theoretische Lehrerposition verfiel hatten wir doch eine Menge Spaß. Es gab haufenweise leckeres, gesundes Essen und M&M´s im Kilopack. Am Abend wurde musiziert und gelacht und wir lernten echt eine Menge netter Leute kennen.
Sanna aus Finnland adoptierten wir sogar vorübergehend und nahmen sie mit zurück nach Santa Cruz, wo wir gemeinsam mit Bryan das Aquarium von Monterrey unsicher machten. Danach gings noch zum Abendessen bei seinen Eltern und zur Schlossbesichtigung. Seine Großeltern hatten eine Menge Kohle im Baugewerbe gemacht und sich dann eine echte Ritterburg als Wohnhaus gebaut – inklusive Ritterrüstungen, Bootshaus, hinter Bildern versteckten Türen und riesigen Kerzenleuchtern im Wohnzimmer. Echt irre!
Da sich Sanna so gut in unsere Gruppe einfügte nahmen wir sie dann auch gleich noch in den Yosemite National Park mit...

Zu Besuch bei Bryan in Santa Cruz...

Quetzaltrekkers-Reunion in Santa Cruz!
Nach einem erfolgreichen Stoppertag stiegen wir direkt vor der Touristinfo in Santa Cruz aus, besorgten uns noch schnell eine Karte und ab gings ins Zentrum zum Treffen mit Bryan. Der nahm uns gleich mit auf den Farmers Market, wo wir mit unseren Riesenpackeln Obst- und Gemüsestände durchschauten, mit Freunden quatschten und den Tag genossen - Bryans Annahme: Bei richtigen Quetzaltrekker ist der Rucksack ja eh praktisch angewachsen – recht hat er.
Da Bryan gerade keinen Job hat, aber eine Wohnung und ein Auto besitzt, kamen wir genau zur richtigen Zeit. Er ging ganz in seiner Rolle als Gastgeber und Guide auf und zeigte uns Santa Cruz und die Umgebung. Nach ein paar Tagen mussten wir aber vorrübergehend wieder abreisen, da wir ein Stück weiter Nördlich auch noch einen Termin hatten. Allan, den wir in Antigua/Guatemala kennen gelernt hatten hatte uns zu einem interessanten Gathering mit Heilern, Bodyworkern und Masseuren eingeladen. Was uns dort erwartete wussten wir noch nicht so genau, aber es klang interessant...

Leo Carillo State Park...

Um uns von dem ganzen Großstadtrummel und der Glitzerwelt von Hollywood wieder etwas zu erholen zogen wir uns in den nahegelegenen Leo Carillo State Park zurück. Erst ging es mit dem Bus nach Malibu, wo wir im Vorbeifahren der Rettungsschwimmerzentrale zuwinkten. Zu Fuß starteten wir dann Richtung State Park und wurden sogar ohne den Daumen zu strecken aufgelesen und bis zur Rangerhütte chauffiert.
Hier hatten wir die genialste Campsite überhaupt – auf einer kleinen Lichtung im Wald mit einem Riesenbaum in der Mitte, der nur so zum klettern, sitzen, liegen und ausspannen einlud.
Nach 3 Tagen des Ausspannens und der Ausrüstungspflege (wieder 5 Patches mehr auf unserem Zelt) ging es weiter Richtung Norden.
Schön langsam wird es kitschig, aber wir schafften es wieder in nur einem Tag bis ans geplante Ziel. Diesmal waren unsere Glücksbringer 2 Kanadier, die uns bis nach Santa Cruz mitnahmen.

Los Angeles...

Da in Los Angeles alle Unterkünfte viel zu teuer sind haben wir im Vorhinein schon 2 Leute über HospitalityClub kontaktiert, ob sie uns nicht für 2-3 Tage beherbergen könnten. Da wir unser Tramperglück aber unterschätzt hatten und viel zu früh in LA waren standen wir vor einem Problem: Es war 8 Uhr abends und wir wussten nicht wo wir die Nacht verbringen sollten. Die Studentenpartie meinte, dass es in Santa Monica einen Park gibt, in dem viele Obdachlose übernachten und auch Freunde von ihnen schon mal dort gepennt haben.
So verbrachten wir unsere erste Nacht in LA so, wie unsere letzte in Stockholm – im Stadtpark.
Für die nächsten Nächte suchten wir uns aber dann doch eine Jugendherberge.- die bisher teuerste Unterkunft auf unserer Reise. 20 Dollar pro Person im 30-Bett-Schlafsaal!!!
Da wir uns einen langen Aufenthalt hier nicht leisten konnten, machten wir ein Intensivsightseeingprogramm. Eine Tageskarte für den Bus, einen Stadtplan und los ging es:
• Erster Halt Downtown: Riesenwolkenkratzer, das berühmte asymmetrische Disney-Theater, Chinatown, ein paar Zombies, die mit sich selbst reden, ein viel zu offensichtlicher Drogendeal, gehetzte Buisnessleute,...
• Nächster Halt Hollywood: der Walk of Fame, der Hollywoodschriftzug auf einem entfernten Hügel, die Hand- und Fußabdrücke von Stars vor Grauman´s Chinese Theater, ein Fotoshooting mit Captain Jack Sparrow in persona und die Angst eine Strafe für spucken, zu laut reden, Kaugummipapierl-verlieren oder dergleichen zu kassieren.
• Nächster Halt die Hügel von Hollywood: Unser Versuch das Hollywoodzeichen aus der Nähe zu sehen scheiterte an Luxusvillen, Hochsicherheitszäunen und Security-Personal.
• Nächster Halt Beverly Hills und Bel Air: da wir kein Auto haben schauten wir uns diese Luxusviertel vom Bus aus an
• Nächster Halt Rodeo Drive: Auf der teuersten Einkaufsstraße der Welt zerreißt Maritas Hose. Nicht der Richtige Zeitpunkt um sich einen Ersatz zu suchen....
• Nächster Halt Venice Beach: Eine Freak-Show! Hier versammelt sich alles was in LA nicht ganz normal ist – Straßenkünstler, Hippies, Obdachlose, Musiker, Punks, Clowns, der Gockel-Mann, ein Jimmy Hendrix-Double und, und, und... Wie Pflasterspektakel nur viel extremer, viel unzivilisierter und das ganze Jahr!

Grand Canyon...

Da die USA eine Autofahrernation sind, ist der Nationalparkseingang natürlich 7 Meilen vom Grand Canyon weg und öffentlichen Transport gibt es keinen. Da Autostoppen im Nationalpark auch noch verboten ist schafften wir es an diesem Tag nicht mehr bis zum großen Graben.
Wir campten gratis eine Nacht im National Forest und marschierten dann entlang eines Teilstücks des Arizonatrails in den Park hinein. Dort organisierten wir uns einen Campplatz und machten uns auf den Weg zum Canyon. An der Kante angekommen sahen wir hauptsätzlich Wolken und ein bisschen steile Felswand. So hatten wir uns das eigentlich nicht vorgestellt. Als es dann auch noch zu schneien begann, fanden wir heraus, dass wir ein völlig falsches Bild vom Grand Canyon hatten. Auf Fotos sieht man immer nur Wüste - und Wüste sollte doch heiß und trocken sein? Aber wenn man logisch nachdenkt: ...der Canyon ist über eine Meile (1,6km) tief, oder besser gesagt hoch. Der Colorado River, der an seiner tiefsten Stelle fliesst hat noch einige hundert Meilen bis zum Meer. Das ganze ergibt dann eine Seehöhe von über 7000 Fuss (mehr als 2300m) – Also: Wüste war richtig, aber mit trocken und warn ist da so früh im Jahr gar nichts!
Als der leichte Schneefall in einen Schneesturm überging verzogen wir uns in die geheizte Cafeteria und verharrten dort bei Refill-Kaffee und Wi-Fi bis zur Sperrstunde. Dann hieß es ab ins Zelt. Der Wetterbericht hatte für diese nacht -7 Grad gemeldet und wir haben nur unsere Sommerschlafsäcke. Auf der Suche nach wärmendem Material entschieden wir gegen die zu teuren Decken, Schlafsäcke und Rettungsdecken im Souvenirladen und machten es stattdessen wie die Obdachlosen. Wir investierten 50 cent um die Zeitungsbox aufzukriegen und deckten uns mit genügend Isoliermaterial ein. Zurück beim Zelt mussten wir dieses erst einmal von Eis und Schnee befreien bevor wir mit der großen Ausstopfaktion beginnen konnten. Wir zogen uns alles an was wir hatten und füllten dann die äußeren Lagen mit Zeitungspapier – Ein Gefühl als hätte man einen Schianzug an, aber hey! Wir haben überlebt!
Am nächsten Tag war das Wetter und die Sicht eindeutig besser! WOW!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! Ich glaube, wir lassen die Fotos einfach für sich sprechen, auch wenn ein Foto dieses Gefühl nicht wiedergeben kann. Hier merkt man erst wir klein man eigentlich ist – nein winzig...nein futziwutziklein....oder so.
Da wandern in den USA „sehr gefährlich“ ist braucht man für Übernachthikes ein Backcountry-Permit und weiss ich was für Registrierungen. Deshalb haben wir es bei Tageshikes belassen und flohen, nachdem wir alles gesehen hatten, so schnell es ging ins wärmere Tiefland.
Am ersten Tag schafften wir es nur bis Williams, wo wir in einem Trailerpark netterweise im geheizten Waschraum schlafen durften. Da „unsere“ Auffahrt am nächsten Morgen von einem alten Tramp belegt war und er meinte er warte durchschnittlich 1-3 Tage auf eine Mitfahrgelegenheit, beschlossen wir es nicht auf den Spruch auf seinem Pappendeckel ankommen zu lassen („Need a miracle“ – „Ich brauche ein Wunder“) und marschierten die paar Meilen zur nächsten Auffahrt.
Nach 20 Minuten an der Rampe kam dann UNSER „miracle“ in Form eines bunt bemalten Schulbusses voller Studenten aus Los Angeles. So brauchten wir wieder einmal statt geplanten 3 Tagen nur einen.

Autostoppen in Arizona...

Nach unseren guten Autostoppererahrungen in Mexiko wurden wir von den USA gleich einmal kräftig enttäuscht. Noch bevor wir unseren ersten Lift hatten, wurden wir auch schon vom Sherriff verstaubt. Wir waren zwar an einer Stelle, an der Autostoppen laut Gesetz völlig legal ist, aber erklär das mal einem amerikanischen Cop, der dich da nicht haben will. So fanden wir schon am zweiten Tag in den USA heraus, dass die Polizei hier für Autostopper nicht der Freund und Helfer ist.
Aber nicht nur der Sherriff ist z´wider und grantig, sondern der Großteil der Autofahrer auch. Als Autostopper passt du einfach nicht ins amerikanische System. Hier ist alles für Fahrzeuge ausgelegt und wenn du keines hast muss mit dir irgendwas nicht stimmen – nur Massenmörder und Drogenabhängige reisen per Daumen!
Was das Autostoppen für uns so schwierig gemacht hat, waren nicht nur die ewigen Wartezeiten und die Cops, sondern vor allem die Reaktionen der Autofahrer. Beim Stoppen hast du ca. eine halbe Sekunde um den Autofahrer davon zu überzeugen, dass du nett, sauber und mitnehmenswert bist. Das heisst: mit Schwung und Elan den Daumen strecken, immer freundlich lächeln und soviel positive Energie wie möglich rüberbringen. Wenn du als Antwort darauf nur grantige, ängstliche, empörte, hochnäsige oder sogar aggresive Blicke kriegst, kostet das ganz schön Kraft und Energie.
Und die Leute, die dich dann mitnehmen gehören dann meist (selbst) sozialen Randgruppen an. So zum Beispiel der 40jährige Donald, der bei seiner Mutter (einer verrückten Wissenschaftlerin) wohnt und in seinem Garten irgendwo in der Wüste von Arizona funktionstüchtige Wasserstoffmotoren für Autos baut. Dieser Kerl hat nicht mal einen Schulabschluss, aber mit Versuch und Irrtum und so mancher Explosion ertüftelte er diesen genialen Spritsparmotor. Nach einer kleinen Auseinandersetzung zwischen ihm und seiner Mom durften wir bei ihm im Garten campen. Und nachdem sie unsere Pässe kontrolliert hatte, durften wir sogar ins Haus und waren plötzlich nicht mehr Donalds Gäste, sondern ihre. Wahrlich eine kulturelle Erfahrung!
Aber solches Glück hatten wir selten. Nach einem 20 Meilen Tag und 5 Stunden an der gleichen Stelle mit dem oben genanntem Problem der grantigen Gesichter waren wir körperlich und emotional am Ende. Da wir von mehreren Leuten gehört hatten, wie gefährlich die Wüste in dieser Gegend nicht sei, weil es von Drogenschmugglern und Illegalen nur so wimmle, wollten wir in einem nahegelegenen Campingplatz übernachten. Die nette Dame am Schalter erklärte uns jedoch, dass es ohne Fahrzeug nicht möglich sei hier zu campen. Mit Auto und Zelt ist ok, aber ohne fahrbaren Untersatz...Wir waren den Tränen nahe, baten um eine Ausnahme und boten ihr sogar unsere Reisepässe zu hinterlegen, aber...Regel ist Regel. Sie meinte noch wir könnten auf der nahe gelegenen Raststation schlafen – „Die ist nur 20 Meilen den Freeway runter!“ Dass wir kein Auto haben, hatte sie anscheinend schon wieder vergessen. Als letzten Ratschlag bakamen wir: „Na dann müsst ihr in der Wüste campen. Aber seid vorsichtig, das ist gefährlich!“
An diesem Punkt waren wir fast so weit wieder zurück nach Mexiko zu fahren und einen Flug über dieses verdammte Land zu nehmen.
Nach einer Nacht in der Wüste, in der wir zum Glück nicht von der Border Patrol geweckt wurden (die patroullieren dort nämlich mit Wärmebildhubschraubern) trafen wir Gott sei Dank unseren rettenden Engel...
Wir waren gerade dabei unsere Autostopperehre aufzugeben und einen bus zu nehmen, als sie uns erschien. Nach einem Marsch in die nächste Stadt, saßen wir bei einer Tankstelle auf unseren Rucksäcken und tranken Kaffee aus 1/2liter-Bechern. Plötzlich streckt uns eine Fremde 20 Dollar entgegen und meint: „Ihr könnt das sicher für eure Reise brauchen!“ Wir waren erst mal völlig baff und einigten uns dann nach einem kurzen Smalltalk darauf, dass wir das Geld nur im Tausch gegen eines unserer Armbänder akzeptieren können. Beim Verabschieden meinte sie noch so: „Wenn ich euch nachher noch mal sehe, dann fahre ich euch nach Flagstaff rauf.“ Wir bedankten uns lächelnd und setzten unseren Marsch zum Greyhound-Terminal fort. Als wir dort um die Ecke bogen wartete sie dort schon auf uns. – Sie hatte es wirklich ernst gemeint.
Kurz darauf cruisten wir mit ihrem Sohn am Beifahrersitz den Freeway Richtung Norden rauf. „Ich würde sonst heute den ganzen Tag zuhause sitzen. So kommen wir wenigstens ein bisschen raus und ich fahre ja sowieso gerne!“ Und sie fährt wirklich gerne. Sie brachte uns nicht nur nach Flagstaff, sondern sogar noch weiter bis Valle – 3 Stunden oneway!
DANKE VIRNALISA UND DUSTYN!!!!
Von dort, wo sie uns aussteigen ließ waren es nur noch 30 Meilen bis zum Grand Canyon. Die schafften wir an diesem Tag auch noch locker auf der Ladefläche eines Pickups.

Mazatlan...und ein laaaanger Autostoppertag...

Der einzige grund warum wir Mazatlan in unsere Reiseroute aufgenommen haben ist der dortige Hafen von dem aus die Fähren nach Baja California starten. Hier wollten wir fürs teure Geld auf die Halbinsel hinüberschippern und dann Richtung Norden nach Tijuana stoppen. Wie sich aber herausstellte ist der Fährbetrieb bis Mitte Mai oder so eingestellt und so mussten wir unsere Reisepläne wieder einmal völlig umkrempeln.
Anstatt nun also einen haufen Geld auszugeben und nach Westen zu reisen, zahlten wir nichts und stoppten direkt Richtung Norden. Das stellte sich als genialer Plan heraus.
Wir planten für die Strecke bis zur US-Grenze ungefähr 3-7 Tage ein und schafften die 1250km in unter 25! Stunden! - Neuer Rucksacknomaden-Autostopper-Rekord!!!!!!!!!!!!!!!
Wir wurden praktisch von einem Trucker zum Nächsten weitergereicht (Funkgerät sei Dank). Wir fuhren bis Mittenacht und campten für nur 3 Stunden auf einer Raststation neben dem Truck bis uns der Fahrer wieder aufstaubte, einlud und weiterfuhr. Als wir dann letztendlich an der US-Grenze standen konnten wir es kaum glauben, dass wir gestern um diese Zeit noch in Zentralmexiko gewesen sind.
Wir hatten nicht mal Zeit unsere Rucksäcke umzupacken und marschierten einfach mal mit der Machete außen am Rucksack drauf los.
Die Mexikaner waren so überrascht ausländische (nicht US) Touristen zu sehen, dass sie glatt vergaßen uns die Ausreisegebühr für Mexiko abzuknöpfen. Bei den Amis ging es nicht viel anders zu – wir wurden wie VIPs ins Obergeschoß begleitet um unsere Greencard ausgestellt zu kriegen und vor lauter Freude, dass sie mal nicht mit Mexikanern zu tun hatter vergaßen sie völlig darauf unsere Rucksäcke zu röntgen oder auch nur näher anzusehen.
Zur Feier dieser erfolgreichen und unerwartet problemlosen Grenzüberquerung gönnten wir uns gleich mal die volle Ladung USA und gingen zm McDonalds essen.

Durango...

Diese nette kleine Stadt ist hauptsächlich wegen der Filmsets in den umliegenden Hügeln bekannt. Sie mussten für unzählige US-Western als Kulisse herhalten. Wir sahen uns eines der Filmsets an und da es unter der Woche war, waren wir die einzigen Besucher. Es war nicht einmal das Kassenhäuschen offen. So wanderten wir grati durch die Geisterstadt und hofften verzweifelt auf einen vorbeitreibenden Kugelbusch um die Szenerie perfekt zu machen. Die kommen aber in dieser Gegend natürlich nicht vor...Haben sie wahrscheinlich für die Filme aus der USA importiert...
Der Saloon in dem schon Filmgrößen wie John Wayne und Kevin Costner ihren Wiskey (oder Apfelsaft?) geleert haben hatte leider auch geschlossen. So machten wir uns wieder auf den Weg zurück in die reale Welt. Hier laufen auch jede Menge Möchtegerncowboys und Revolverhelden herum – die sprechen aber spanisch...

Zacatecas...

Wir haben zwar in Puerto Escondido beschlossen ein paar Kolonialstädte auszulassen, aber um Zacatecas kommt man einfach nicht herum.
Nach ewiger Unterkunftssuche und etwas Preisfeilscherei konnten wir dann vom Hotelzimmer aus den Blick auf die wunderschöne Kathedrale geniessen. Nach einem Tag durch die Stradt spazieren hatten wir aber so ziemlich alles gesehen und so viel aufregender wie andere Kolonialstädte auf unserer Reise war Zacatecas dann auch nicht.
Also hieß es für uns wieder Rucksäcke schultern und Daumen Strecken. So kamen wir im null komma nix nach Durango.

Mexico City...

Ciudad de Mexico, oder DF (sprich: De Effe), wie es die Mexikaner nennen, ist einer der größten Ballungsräume der Erde. Wie viele Menschen genau dort leben ist nicht ganz klar, aber Schätzungen gehen bis 26 Millionen!
Das ganze klingt aber schlimmer als es ist. Das historische Zentrum ist realtiv kompakt und für eine so große Stadt (unter Tags) auch relativ sicher. Hier trafen wir uns mit Martin, einem Österreicher, den wir in Puerto Escondido kennen gelernt hatten und machten für ein paar Tage die Stadt unsicher.
Hier ging sich auch der ausständige Arzttermin für Marita aus in dem sie ihre Hormonspirale ausgetauscht bekam – wieder 5 Jahre ohne Sorgen!
Ausserdem mussten wir uns von einem langjährigen Freund trennen – unser Scheisser gab plötzlich den Geist auf und machte gar nichts mehr (außer bunten Bildern und komischen Geräuschen). Zum Glück sind Elektrogeräte in Mexiko relativ günstig und so bekamen wir einen zwar minimal größeren aber auch viel besseren neuen Mini-Laptop. Und wie es sich für einen echten Mexikaner gehört spricht er natürlich Spanisch. Für uns nach 2 Jahren Internetcafe-Erfahrung in Lateinamerika kein Problem!
Nach einer Woche im Smog ging es weiter in die alte Silberstadt Zacatecas.

Acapulco...

Nach insgesamt 3 Wochen im wunderschönen Puerto Escondido waren wir vom vielen Hängemattenschaukeln so ausgeglichen, dass wir endlich weiterreisen konnten. Am Tag vor unserer geplanten Abreise trafen wir zufällig Andrew, den wir schon von Nicaragua kannten. Er war mit seinem Dad und seiner Schäferhündin Lola auf dem Weg von Nicaragua Richtung USA. Natürlich nahmen wir sein Angebot uns bis Acapuco mitzunehmen gerne an. Wir wussten schon, dass es in seinem Jeep etwas eng werden würde, aber hatten keine Ahnung wie knapp der Platz mit all dem Gepäck und der Riesenhündin werden würde.
Wir waren echt froh als Knie und Schultern nach 8 Stunden Platzangst und Hundemundgeruch endlich wieder mehr als 10 cm voneinander entfernt sein konnten. Naja, wenigstens kamen wir zügig und gratis bis Acapulco...
Dieses berühmte Ferienparadies liegt an einer fast geschlossenen Bucht und ist trotz der nur knapp einer Million Einwohner über ca. 15km entlang der Küste. Obwohl die besten Jahre der Stadt schon vorüber sind zieht es immer noch Tausende mexikanische und internationale Urlauber an.
Da Springbreak, die Semesterferien der Amis, kurz bevor stand und wir den grölenden, saufenden Studentenhorden aus dem Weg gehen wollten hielten wir unseren Aufenthalt in Acapulco so kurz wie möglich. Wir sahen uns natürlich die berühmten todesmutigen Klippenspringer an, machten das übliche Sightseeing-Programm und zogen schon nach 3 Tagen weiter nach Mexico City.
Dank der neuen Schnellstrasse schafften wir die 400km locker in einem Tag – raus aus der Touristenhölle, rein in den Großstadtdschungel!

Dienstag, Februar 10, 2009

Puerto Escondido...

Von Mazunte nach Puerto Escondido versuchten wir in Mexiko erstmals unser Glück beim Autostoppen. Schon nach wenigen Minuten in der sengenden Hitze saßen wir in einem klimatisierten Pickup und überholten unterwegs noch 2 Busse. Eine gute Stunde später stiegen wir direkt gegenüber unserer Unterkunft aus. Manchmal kann Autostoppen so viel gemütlicher sein als Busreisen…
Obwohl wir eigentlich nur 2 Tage oder so in Puerto bleiben wollten, ist es nun doch schon wieder eine Woche…Aber die Ortschaft ist nett, die Unterkunft günstig und das Essen, dank eigener Küche auch leistbar, abwechslungsreich und genug. Wir wissen, dass wir schön langsam Richtung Norden aufbrechen sollten, aber im Hochland ist es einfach so arschkalt!!! Wir haben beschlossen einfach ein paar alte Kolonialstädte auszulassen und dafür noch ein bisschen länger im Paradies zu verweilen.

Mazunte...

Mazunte ist ca. doppelt so groß wie Zipolite, hat doppelt so viele Restaurants und doppelt so viele Hotels…aber mehr los ist deswegen auch nicht. Wir fanden eine günstige Cabaña direkt am Strand und genossen das azurblaue Meer, die Sonne und tonnenweise pappige Tortillas (das einzige für uns leistbare Futter).
Viele Tagestouristen kommen um sich das Schildkrötenzentrum hier anzusehen. Es ist sowohl ein Forschungszentrum, als auch eine Aufzuchtsstation in der alle, der in Mexiko lebenden Schildkrötenarten vertreten sind. So konnten wir uns diese faszinierenden Tiere in allen Größen aus nächster Nähe ansehen.
Später machten wir auch noch einen Bootsausflug hinaus aufs Meer um Delfine und Schildkröten in freier Wildbahn zu sehen. Wir hatten Glück und sahen nicht nur unzählige Delfine direkt neben unserem kleinen Schinackel springen, sondern auch noch eine Schule Grauwale, die die Küste entlang zog und uns alle paar hundert Meter kurz ihre Rücken und Schwanzflossen zeigte. Außerdem sahen wir noch einige Mantarochen und eine Seeschlange. Höhepunkt der Tour war aber sicherlich die große Meeresschildkröte, mit der wir schwimmen konnten. Unser Guide stürzte sich bei voller Fahrt aus dem Boot und fing eines dieser riesigen Tiere. Dann durften wir ins Wasser, um sie uns aus der Nähe anzusehen…Es war just ein Tier der Spezies, deren Babies wir wenige Tage zuvor in die Freiheit entlassen hatten. Nach einem kurzen Fotoshooting durfte sie aber wieder abtauchen und wir sahen ihr zu, wie sie in den blauen Tiefen des Ozeans unter uns verschwand…

Zipolite und die Babyturtles...

Nach ein paar Wochen im Hochland Guatemalas und Mexikos ging es endlich wieder ins Warme. An der mexikanischen Pazifikküste war unser erster Stopp im kleinen Nest Zipolite. Dieser paradiesische Strand wurde in den 70ern von Hippies und Aussteigern entdeckt und in ein gemütliches Paradies verwandelt. Auch heute noch tummeln sich hier Esoteriker, Althippies und Touristen die das breite Angebot an Massagen und anderen Wohlfühlbehandlungen genießen. Zipolite ist außerdem einer der wenigen Orte in Mexico an denen Nacktbaden kein Problem ist, was noch zusätzlich zur sowieso schon sehr relaxten Stimmung beiträgt.
Wir fanden hier einen günstigen Platz zum Campen und….schon war eine Woche um!!!!
Wir verbrachten unsere Tage mit Sonnenbaden, Fischen, Felsenkraxeln, Hängemattebaumeln und Extreme-Relaxing. Am Abend setzten wir uns immer mit einem Bier auf die Hauptstraße und genossen das bunte Treiben.
Bei einem Einkaufs- und Geldabhebeausflug in die nahe gelegene Stadt Pochutla trafen wir zufällig ein paar Deutsche, die wir in Oaxaca im Hostal kennen gelernt hatten. Spontan beschlossen wir sie zur nahe gelegenen Lagune zu begleiten, wo man zu einem lächerlichen Preis eine Croc-watching-Tour machen kann. Man dümpelt mit einem Kanu im See herum, während im Wasser neben dir die 3-4 Meter langen Panzerechsen lautlos durchs kühle Nass gleiten.
Am Weg zurück hatten wir noch das Glück bei einer Babymeeresschildkrötenfreilassungsaktion dabei sein zu können. In der Brutstation an der Playa Ventanilla werden die am Stand gesammelten Schildkröteneier ausgebrütet und die frisch geschlüpften Babies dann unter Aufsicht gesammelt freigelassen. Das erhöht ihre Überlebenschancen und verhindert ein Festmahl unter Pelikanen und Möwen.
Die kleinen Scheißer sind einfach sooo süß, wenn sie unbeholfen auf deiner Handfläche herumklettern. Und wenn sie dann alle gesammelt Richtung Meer krabbeln ist der euphorischste Moment wenn dann endlich die Welle kommt und sie mit hinaus nimmt…
Nach 8 Tagen in Zipolite schafften wir es endlich weiterzureisen. Wir kamen genau 2,5 Km weit…ins benachbarte Mazunte…

Oaxaca, Tule und Monte Álban...

In Oaxaca war es schon ein wenig wärmer. Dennoch noch weit von unserer Komforttemperatur entfernt. Auch hier machten wir nur das Pflichtsightseeing-Prgramm und erkundeten ein wenig die Umgebung.
Einer dieser Trips führte uns zum Arbol de Tule. Dieser 2000-3000 Jahre alte Baum hat einen Stammdurchmesser von bis zu 14 Metern. Er steht im Kirchenhof der kleinen Ortschaft Tule und lässt das Gotteshaus neben sich wie ein Spielzeug aussehen – Ein wahrer Großvater!
An einem anderen Tag besuchten wir die Zapoteken-Ruinen von Monte Albán. Echt beeindruckend, aber…im Prinzip wieder nur alte Steine. Inzwischen sind wir echt nicht mehr leicht zu beeindrucken.
Viel beeindruckender waren da schon die Leckereien am Markt. Neben dem besten Schnürl-Käse überhaupt gibt es in Oaxaca auch noch geröstete Heuschrecken in allen Größen und Schärfegraden zu kaufen.
Jeden Abend gönnten wir uns ein Corona in der Literflasche und mampften dazu Käse und chapulines (am besten mittelgroß und mittelscharf)…

San Cristóbal de las Casas...

Mit Xela waren unsere Pläne für Guatemala abgeschlossen und es konnte endlich nach Mexiko weitergehen. Unser erstens Ziel war die Zapatisten-Hauptstadt San Cristobal de las Casas. Diese mittelgroße statt wurde bei der Revolution 1994 von der EZLN (Nationale Zapatistische Befreiungsarmee) eingenommen, um mehr Rechte für die indigene Bevölkerung zu fordern. Sie wurden zwar nach wenigen Tagen von der Armee wieder zurückgedrängt, aber sie konnten mit dieser Aktion auf jeden Fall ein deutliches Zeichen setzen.
Wir erkundeten die wunderschöne koloniale Stadt für ein paar Tage, entschieden uns aber bald wieder weiter zu fahren, da die Temperaturen hier im Hochland alles andere als angenehm sind – da half auch die Zapatisten-Sturmhaube nichts…

Xela und der Besuch bei Quetzaltrekkers Guatemala...

Nach Xela mussten wir aus zwei Gründen: Zum einen wegen der hohen Vulkane in der Umgebung und zum anderen, weil hier unsere Kollegen von Quetzaltrekkers Guatemala zuhause sind und wir schauen mussten was die hier heroben so treiben.
So quartierten wir uns im Casa Argentina ein, das sowohl ein Hostal als auch das Büro/Zuhause von QT ist. Als quasi Arbeitskollegen wurden wir gleich herzlich empfangen und zum Essen eingeladen. Außerdem bekamen wir wertvolle Tipps wie man die Vulkane der Umgebung solo besteigen kann.
Das erste unserer hohen Ziele war der Vulkan Santa Maria mit 3772m. Vom Gipfel dieses Vulkans aus sieht man direkt auf den kleineren Vulkan Santiaguito, der zu den aktivsten in ganz Guatemala gehört. Im Schnitt bricht er alle 40-50 Minuten aus und spuckt eine riesige Staub- und Aschewolke ca. 1000 Meter hoch in die Luft. Echt beeindruckend so etwas aus nächster Nähe zu sehen und zu hören – man hat das Gefühl als würde da unten ein Düsenjet starten. Der Santa Maria ist außerdem auch ein sehr heiliger Berg für die hier lebenden Maya. Als wir oben waren sahen wir hunderte Menschen, die hier hoch gepilgert waren um zu beten, singen und den Göttern zu opfern. Es vermischt sich auf groteske Art und Weise das Christentum mit dem alten Glauben und der nicht abreißende Singsang ist halb katholisch und halb heidnisch.
Es ist schon ein witziger Kontrast, die Touristen in ihrer High-Tech-Trekking-Ausrüstung neben den Locals zu sehen, die den Berg mit Flip-Flops besteigen und oben in Wolldecken gehüllt unter Plastikplanen campen.
Dank der Quetzaltrekker-Tipps konnten wir den Berg locker ohne Guide und Tour besteigen und zahlten so statt 20€ nur ca. 40 Cent pro Person.
Nach einem Tag Pause starteten wir schon unsere nächste Vulkanbesteigung. Diesmal sollte es auf den höchsten Berg von Mittelamerika gehen - den Vulkan Tajumulco mit 4222m. Bei unserem frühmorgendlichen Start fanden wir heraus, dass der Wegbeschreibung zu folgen („Immer Bergauf und dem Gipfel entgegen“) im Dunkeln und bei dichtem Nebel gar nicht so einfach ist. Aber Dank Kevins internem, intuitionsgesteuerten GPS war der Aufstieg aber kein Problem. Nach ca. 1 Stunde waren wir dann endlich über den Wolken und wir sahen zum ersten Mal den Gipfel des Tajumulco. Noch eine Stunde später konnten wir mal wieder richtige Höhenluft schnuppern – über 4000m wird der Sauerstoff dann nämlich schon merklich knapp. Während wir in Bolivien und Peru bei unseren Bergtouren (oft über 5000m) super akklimatisiert waren, sind wir im Moment schon sehr Dickluft-verwöhnt.
Doch das Gefühl, wenn man es dann endlich geschafft hat und am höchsten Punkt von Zentralamerika steht entlohnt für alle Mühen! Nach einer ausgiebigen Pause und einer deftigen Frühstücksjause mussten wir dann auch noch den Berggeistern opfern. Kevin hatte noch einen Böller von Silvester übrig, den er rituell sprengte…Der Tajumulco ist jetzt keine 4222m hoch, sondern nur mehr 4221m…Es fühlte sich auf jeden Fall so an…
Und auch das obligatorische Stoamandl durfte nicht fehlen. Danach ging es im Laufschritt wieder hinunter und wir waren schon am frühen Nachmittag wieder zurück in Xela.
In den nächsten Tagen in Xela lernten wir auch noch die Kiddies vom Quetzaltrekkers-Projekt kennen. An einem Abend waren wir zum wöchentlichen QT-Dinner eingeladen und an einem anderen spielten wir mit den Kids Fußball!
Gerade als wir abreisen wollten erfuhren wir von der geplanten Demo gegen den Krieg in Palästina, an der der Großteil der Quetzaltrekkers teilnehmen wollte. So blieben wir noch einen Tag und marschierten für einen guten Zweck mit. Die Demo war nicht groß, aber der gute Wille zählt…Es war sogar ein Bild von dieser Aktion in einer lokalen Zeitung – Kevins Iro ist unverkennbar!

Lago Atitlan...

„Da Lago Atitlan is so a grossa See in de Beag von Guatemala wo gaunz fü Leit mit am buntn Gwaund umadumrenan! Echte Indianer, a boa Hippis und an haufn Gringos (Amis).“
Kevins Kurzzusammenfassung trifft es eigentlich schon recht gut. Aber es gibt noch ein bisschen mehr zu erzählen...
Nach über 2 Wochen in Antigua ging es für uns wieder weiter. Gemeinsam mit der Norwegerin Stine fuhren wir zum Lago Atitlan. Die erste Nacht verbrachten wir noch in Panajachel, dass, da es den direktesten Straßenanschluss hat die Touristenhölle schlechthin ist: Nur Restaurants, Hotels und Souvenirshops und überfüllt mit vor allem guatemaltekischen Touristen, die es so richtig Krachen lassen.
Wir fuhren so schnell es ging weiter ins ruhigere San Marcos. Dieses kleine Nest ist das genaue Gegenteil von Pana. Außer ein paar kleinen Hotels gibt es hier nicht viel. Die Leute, die man hier trifft sind hauptsächlich Hardcore-Esoteriker, Pseudo-Yogis, Althippies und solche, die es noch werden wollen.
Unsere Tage in San Marcos verbrachten wir meistens bei den nahe gelegenen Felsen am Seeufer. Hier hat man die volle Ruhe zum Lesen, Entspannen und Sonnenbaden. Außerdem kann man von einigen Felsen ideal ins Wasser springen. Kevin ging wieder mal auf Konfrontationskurs mit seiner Höhenangst und stürzte sich x-mal von den 9 Meter hohen Klippen ins Wasser.
Fazit dieser Tage am See: Marita holte sich einen mörderischen Sonnenbrand am Bauch und Kevin ein verrissenes Kreuz…
Nach ein paar Tagen der Ruhe fuhren wir weiter nach San Pedro, in die Party- und Drogenmetropole des Lago Atitlans. Viele Backpacker kommen hierher um einen Spanischkurs zu machen und nebenbei noch so richtig die Sau raus zu lassen. An uns ging die ganze Sache wieder einmal spurlos vorüber. Das was bei uns Party-Machen am Nächsten kam war ein gepflegtes Bier am Randstein und auch da waren wir um 10 Uhr abends im Bett…
Nachdem wir alle Bars und Sprachschulen (ausnahmslos nur von außen) gesehen hatten, konnte es weiter nach Xela gehen, wo ein paar hohe Vulkane auf uns warteten…

Verwandtschaftsbesuch...

Als wir gerade in Antigua angekommen waren erfuhren wir, dass Maritas Onkel und Tante gerade auf einer Kreuzfahrt sind und auch einen Tag in Puerto Quetzal, an der Küste Guatemalas anlegen würden. So beschlossen wir kurzerhand einfach ein bisschen länger in Antigua zu bleiben und uns mit ihnen zu treffen. Zum einen ist es für uns praktisch, weil wir so ein paar Sachen heim „schicken“ können, zum anderen mussten wir die Gelegenheit nutzen nach über 2 Jahren wieder mal Familie zu sehen!
Das Treffen stellte sich aber schwieriger als gedacht heraus. Am Kreuzfahrtschiff bieten sie für diesen Tag an Land zwar auch Touren nach Antigua an, diese waren aber leider schon ausgebucht. Also mussten wir uns was anderes einfallen lassen…
Wir mieteten uns also für den 1. Jänner ein Auto (was echt nicht so einfach war) und fuhren hinunter an die Küste. Das Kreuzfahrtschiff legte pünktlich um 9 Uhr an und kurz darauf wurden wir schon von einer überglücklichen Vroni und einem freudestrahlenden Robert in die Arme geschlossen. Da es an der Küste echt nichts Sehenswertes gibt packten wir die beiden ins Auto und fuhren wieder zurück nach Antigua, um ihnen unser momentanes zuhause zu zeigen. Neben dem typischen Sightseeingprogramm (Aussichtshügel, Kirchen Kunsthandwerksmarkt,…) führten wir sie auch noch am Markt zum Essen aus. Obwohl sie erst skeptisch auf eine eigene Portion verzichteten, bestellten sie dann, nachdem unsere Teller serviert worden waren und das Essen darauf „gar nicht so schlecht“ aussah, doch noch was für sich auch. Nachdem wir uns auch noch durch die tropischen Früchte am Markt gekostet hatten ging es schon wieder zurück zum Schiff.
Wir ließen den Nachmittag mit einem Bier (und Kevin und Robert mit einer Curley) im Hafen ausklingen. Um 5 Uhr Nachmittag hieß es dann Abschied nehmen - Robert und Vroni kehrten zurück in ihre schwimmende Luxusstadt und wir machten uns wieder auf nach Antigua in unser kleines, billiges Zimmer zu unseren Rucksäcken…Unterschiedlicher können Reisestile nicht sein!
Danke Vroni und Robert für diesen wunderschönen Tag!

Silvester in Antigua...

In Antigua ist schon zu Weihnachten die Hölle los gewesen. Wie im Rest von Süd- und Mittelamerika wird auch hier zu Mitternacht Feuerwerk geschossen…Und zu Silvester, wurde uns gesagt, sollte noch viel mehr geschossen werden. Die Ratschläge gingen von „Mitten rein ins Getümmel!“ bis „Verzieh dich zu Mitternacht in irgendeine Bar oder ins Hotel, denn die Plaza ist lebensgefährlich“. Für uns war klar: wir mussten uns natürlich ersteres geben!
Schon die ganze Woche freute sich Kevin wie ein kleines Kind aufs große Kracherschießen. Am 31. am Nachmittag war es dann soweit. Wir gingen auf den Feuerwerks-Markt, den sie extra für Neujahr aufgebaut hatten und Kevin konnte sich endlich selbst sein Geburtstagsgeschenk machen. Nach einer guten halben Stunde des Aussuchens und Preisfeilschens war der Rucksack voll mit Böllern und Feuerwerk und das Geldtaschl leer. Also hieß es zurück zum Hostal, Zeug abliefern, Rucksack ausleeren, mehr Geld einpacken und wieder zurück zum Markt. Maritas Einwände, dass wir ja schon Böller hatten um mindestens 2 Einfamilienhäuser in die Luft zu jagen schlugen auf taube Ohren. Kevin brauchte mindestens eine weitere Rucksackladung um völlig zufrieden zu sein…
Um die Zeit bis zum großen Schießen zu überbrücken kochten wir im Hostal groß auf – Hühnchen in Erdnuss-Sahne-Sauce!
Gegen Mitternacht wanderten wir dann aufmagaziniert dem Inferno entgegen. Schon von weitem hörte man die Kracher - und Kracher in Guatemala sind nicht wie die netten kleinen Schweizer in Österreich, sondern eher wie Rohrbomben, weshalb jeder richtige Rumpser auch gleich von dem Gezirpe und Getute der Autoalarmanlagen begleitet ist.
Kevin ging voll in seiner Rolle als Sprengmeister auf, während Marita eine Fetzengaudi mit kleinen Feuerwirbelchen und Knisterhölzchen hatte…
Mitternachtswalzer gab’s zwar keinen, dafür klingelnde Ohren und viel zu süßen Sekt – perfektes Silvester sozusagen – Happy Birthday, Kevin!
Nach dem großen Schießen ging es für uns aber gleich ins Bett. Wir mussten am nächsten Morgen ja bald auf um Maritas Onkel und Tante vom Hafen abzuholen…

MayaPedal...

Manche Leute, die man beim Reisen kennen lernt, sind nur kurze Bekanntschaften, bei anderen weiß man sofort, dass das ganz besondere Freunde sein werden. Tyson ist einer dieser Menschen…
Wir lernten ihn bei unserer Arbeit in Nicaragua kennen, als eines schönen Tages plötzlich ein abgekämpfter Radfahrer in der Tür stand und fragte ob das hier ein Hostal sei. Das Haus hat von außen interessant ausgeschaut… Wir erklärten ihm was wir hier machen und er erzählte uns von seiner bereits einjährigen Radreise durch Süd- und Mittelamerika. Da Tyson noch auf Unterkunftssuche war und wir ein Zimmer frei hatten quartierten wir ihn kurzerhand bei uns im Haus ein. Wir kochten gemeinsam, erfuhren einiges über seinen überaus interessanten Lebensstil und tauschten Autostoppergeschichten gegen Radfahrstorys aus.
Seit diesen Tagen ist der Kontakt zwischen uns nie abgerissen. In Antigua bekamen wir dann ein Mail, in dem er uns schrieb, dass er in dem kleinen Ort Itzapa, ca. 1 Stunde von Antigua, bei Mayapedal als Volunteer arbeitet. Wir beschlossen kurzerhand ihm einen Überraschungsbesuch abzustatten. Und überrascht war er!
Sofort wurden wir der ganzen Volunteer-Truppe vorgestellt und zum Mittagessen eingeladen. Es war ein super Tag mit spazieren gehen, kochen, Schokolademachen und die Volunteerwerkstatt besichtigen.
Bei Mayapedal bauen Volunteers aus alten Fahrrädern Maschinen, die mit Tretkraft anstelle von Strom angetrieben werden. Es gibt Fahrrad-Waschmaschinen, Fahrrad-Mixer, Fahrrad-Mühlen,… Im Prinzip ist es als Sozialprojekt geplant, in dem die arme Landbevölkerung von Guatemala unterstützt werden soll. In der Realität schlagen leider nur einige Profit aus den verkauften Maschinen und der eigentliche Zweck ist in den Hintergrund getreten.
Tyson war sehr gefrustet deswegen, sah es aber trotzdem als gute Gelegenheit viel über Fahrräder und deren Reparatur zu lernen…Und die Truppe dort war echt super!
Nach einem ereignisreichen Tag und einem geschenkten Kocher aus recycelten Bierdosen ging es für uns wieder zurück nach Antigua. Es war echt schön Tyson wieder gesehen zu haben. Und wir werden weiter in Kontakt bleiben. Er ist ja auch auf dem Weg in die Staaten. Vielleicht kreuzen sich unsere Wege ja wieder einmal…

Vulkan Pacaya...

Wir haben schon von anderen Travellern gehört, dass sich der Besuch dieses aktiven Vulkans echt lohnt, da man wirklich nahe an die Lava heran kommt. Da wir seit Nicaragua sowieso vulkansüchtig sind, konnten wir uns das natürlich nicht entgehen lassen…und Lava wollten wir immer schon mal sehen. Wir hatten ja keine Ahnung WIE nahe wir sie sehen würden…
In 2 Stunden wandert man rauf bis knapp unter den Gipfel. Hier tritt aus der Seite des Vulkans konstant Lava aus. In kleinen Bächen rinnt das flüssige Gestein aus dem inneren des Bergs. Und du kannst (so nahe du es in der Hitze halt aushältst) direkt daneben stehen. Es ist so schräg auf einem erst kürzlich erloschenen Lavastrom zu stehen, wo du weißt, dass das vielleicht vorgestern oder so noch tausende Grad heiße Lava war. Unter deinen Füßen siehst du in den kleinen Spalten und Rissen noch die Lava glühen…
Du musst schon aufpassen wo du hinsteigst, da es sein kann, dass dir sonst deine Sohlen unter den Füßen wegschmelzen. Kevins Schuhe sind ein gutes Beispiel für „ZU nahe bei der Lava“…Auch ein nettes Andenken!
Wenn du in Nicaragua auf Vulkane kletterst hast du oft das Gefühl als würdest du auf einem erloschenen Grill stehen…beim Pacaya ist es eher so als würdest du am frisch angeheizten Barbecue herumspazieren!
Sicherheitstechnisch ist ein Trip auf den Pacaya ein Albtraum, aber es ist einfach eine irre Erfahrung! Du stehst so knapp bei der Lava, dass du, wenn du wolltest Marshmallows oder Würstel darauf grillen könntest. Oder du zündest dir einfach deine Zigarette mit glühendem Gestein an…Schade, dass wir vergessen hatten ein Steak mitzubringen…

Antigua...

Die schöne Kolonialstadt Antigua liegt im Hochland Guatemalas, umringt von den Vulkanen Agua (Wasser), Fuego (Feuer) und Acatenango. Es ist die ehemalige Hauptstadt des Landes, weshalb es hier unzählige alte Kolonialbauten, weite Kopfsteinpflasterstraßen und schöne alte Kirchen gibt. Vor ein paar Jahrzehnten entdeckten Auswanderer und die Oberschicht Guatemalas die Stadt für sich und kauften die alten eingefallen Gebäude im Zentrum auf und putzten sie wieder heraus. Heute ist Antigua DIE Touristenhauptstadt des Landes, aber auch sicher die Unguatemaltekischte. Viele der Stromleitungen verlaufen unterirdisch, das Müllabfuhrsystem funktioniert tadellos und streunende Hunde verschwinden über Nacht auf mysteriöse Art und Weise.
Eigentlich wollten wir nur einige Tage in Antigua bleiben. Der Plan war nach Weihnachten weiter zu ziehen. Als wir aber erfuhren, dass Maritas Onkel und Tante bei ihrem Kreuzfahrtsurlaub für einen Tag auch in Guatemala Halt machen würden, beschlossen wir auf sie zu warten und Silvester auch noch in Antigua zu feiern. Wann hat man schon mal die Möglichkeit die Familie wieder zu sehen…Das Warten war auch nicht so schlimm. In und um die Stadt gibt es genug zu tun und Dank unserer supergünstigen Unterkunft und dem billigen Marktfutter konnten wir locker in unserem Budget bleiben. Außerdem fanden sich in unserem Hostel immer nette Leute zum quatschen. Wir verbrachten viele Abende mit gemeinsamen Abendessen und Gesprächen bis tief in die Nacht. Bei so einem gemütlichen Leben vergeht die Zeit des Wartens echt schnell…

Dienstag, Dezember 23, 2008

Lanquín und Semuc Champey...

Da Semuc Champey und die nahe gelegenen Höhlen von Lanquin zum Pflichtprogramm eines jeden Backpackers gehören, mussten wir natürlich auch hin. Aus Erfahrung meiden wir normalerweise jede Art von geguideter Tour, aber in diesem Fall stimmte das Preis-Leistungs-Verhältnis und es war die einzige Möglichkeit wirklich alles zu sehen. Und wir wurden positiv überrascht.

Zuerst ging es in die erst kürzlich entdeckte Cueva de las Marias. Der Ursprung des Baches der aus dieser Höhle rinnt, ist bis heute noch ein Rätsel… Mit Badehosen, Kerzen und Kopflampen ausgestattet wateten wir in das eiskalte Wasser der Höhle. Teilweise mussten wir mit der Kerze in der Hand längere Strecken schwimmen, passierten einige Engstellen und kletterten in einem Wasserfall am Seil hoch. Ist schon ein mulmiges Gefühl wenn man in einer dunklen Höhle im schwarzen tiefen Wasser schwimmt und nicht genau weiß was so alles da drinnen lebt...

Am Rückweg ging es dann durch die Klospülung. An dieser Stelle verengt sich die Höhle auf einen schmalen Schlitz, in dem nach wenigen Metern das Wasser plötzlich wie in einer Klospülung in einem kleinen Loch verschwindet. Der Guide erklärt dir nur wo du deine Hände und Füße platzieren musst und wann du auslassen sollst. Unwissend wo du landen wirst platscht du in einen kleinen darunter liegenden Pool…

Völlig unterkühlt und durchgefroren kamen wir nach 2 Stunden wieder ans Tageslicht.

Nach der Höhle ging es im Autoschlauch den Fluss hinunter. Beim Rückweg sprangen wir noch (wer wollte) von einer 8 Meter hohen Brücke. Kevin musste natürlich auf Anhieb einen Kopfsprung wagen…er blieb der Einzige an diesem Tag.

Dann ging es auf eine etwa halbstündige Wanderung zu einem Aussichtspunkt, von wo aus wir die berühmten Pools von Semuc Champey aus mehreren hundert Metern Höhe bewundern konnten. Wieder unten beim Fluss konnten wir durchgeschwitzt von der Dschungelwanderung endlich in die kühlen, glasklaren Pools springen. Das Besondere an Semuc Champey ist, dass ein reißender Fluss in einer Höhle verschwindet und erst nach mehreren Hundert Metern wieder donnernd ans Tageslicht kommt. Auf dem Dach der Höhle, das wie eine natürliche Brücke wirkt, hat sich im Lehmstein eine Unzahl von glasklaren, türkis schimmernden Pools und Wasserfällen gebildet. Es gibt unzählige Felsen, die zum Hineinspringen einladen, natürliche Wasserrutschen und mehre Meter tiefe Pools. Das ganze wirkt wie ein natürlich entstandener Wasserfreizeitpark und ist einfach paradiesisch!

Nach diesem ereignisreichen Tag fielen wir am Abend hundemüde in unsere Hängematten – Reisen kann so schön sein!!!

Cobán - alte Braeuche und Kaffee

In die kleine Stadt Cobán sind wir eigentlich nur deswegen gefahren, weil es am Weg nach Semuc Champey liegt. Es gab aber dann doch einige nette Dinge zu sehen. Mit seiner Lage auf knapp über tausend Metern bietet sich die Gegend rund um Cobán für den Anbau von Hochlandkaffee an. Das Wetter hier ist auch genauso wie es der Kaffee mag – schön feucht und kühl. Nur wir zwei Karibikverwöhnten fühlten uns nicht so wohl…

Trotzdem machten wir volles Sightseeingprogramm. Erst gings zur Kaffee-Finca Magdalena, wo wir alles über die koffeinhaltigen Bohnen und ihre Verarbeitung erfuhren. Diese Kaffeeplantage wurde 1880 von einem deutschen Auswanderer gegründet und produziert noch immer qualitativ hochwertigen Exportkaffee. Echt nett mal zu sehen wo unsere heiß geliebte schwarze Suppe herkommt.

Gestärkt mit einer Tasse frisch gerösteten Kaffees ging es weiter zum Templo el Calvario. Der Kreuzweg, der zu dieser Kapelle führt, wurde von den Indigenas etwas umfunktioniert. In den kleinen Nischen findet man nicht mehr den Leidensweg Jesu, sondern diverse Opfergaben an die alten Mayagötter. Hier in Guatemala kommt es oft vor, dass sich alte Traditionen und die christliche Religion vermischen. Auf dem Friedhof neben der Kirche findet man zwei große Opferschalen und in der Kirche hängen große Bündel mit Mais – dem Stoff aus dem in der Maya-Mythologie die ersten Menschen geformt worden sind.

Ciudad de Guatemala - eine positive Ueberraschung...

An einem langen Reisetag schafften wir es von Livingston bis Guatemala City zu kommen. Von dieser Stadt hatten wir bisher nichts Gutes gehört und bereiteten uns auf das Schlimmste vor. Alle Reisenden, denen wir bisher von unserem Plan, auch die Hauptstadt des Landes zu besuchen erzählt hatten, haben den Kopf geschüttelt und uns davon abgeraten. Unserer Meinung nach ist es aber wichtig auch die Hauptstadt eines Landes gesehen zu haben und so stürzten wir uns mitten hinein in die Action…und wurden positiv überrascht.

Sicherlich ist Guatemala City eine der gefährlichsten Städte des gesamten Kontinents, aber wenn man tagsüber im Zentrum der Stadt ohne Wertgegenstände spazieren geht merkt man nicht viel davon. Die riesige Plaza lädt zum Hinsetzen und Leuteschauen ein (eine unserer Lieblingsbeschäftigungen) und am nahe gelegenen mercado central kann man von kitschigen Souvenirs bis zu exotischen Früchten und Weihnachtsramsch alles kaufen. Überall kann man günstige Straßensnacks kaufen und so verbrachten wir einen gemütlichen Naschmittag…

Unserer Meinung nach ist Guatemala City eine mehr oder weniger schöne Großstadt (was sich ja eigentlich widerspricht), die man auf jeden Fall gesehen haben sollte.

Beim Schlendern auf dem Markt entdeckten wir in einem Elektronikgeschäft auch endlich die Lösung für unser Speicherplatzproblem. Seit unser I-pod nämlich den Geist aufgegeben hat können wir unsere Bilder nur noch am Laptop speichern und der wird erstens schön langsam voll und zweitens ist es immer besser, die Daten noch an einem zweiten Ort gesichert zu haben. Nach langem Überlegen beschlossen wir die 110 Euro zu investieren und uns eine 2,5“ 320GB externe Festplatte zu gönnen. Jetzt kann unser Laptop endlich wieder mal aufatmen!

Livingston - zurueck in Guatemala...

Wenn man an Guatemala denkt, kommt einem sicher nicht als erstes die Karibik in den Sinn. Livingston ist auch nicht unbedingt das, was man als typisch guatemaltekisch bezeichnet. Die Garifuna-Stadt an der Mündung des Rio Dulce hat bis heute noch keinen Straßenanschluss und hat deshalb sein karibisches Flair noch nicht verloren. Ein bisschen ist es sogar wie Belize…aber nicht mehr ganz so entspannt, freundlich und belizisch…

Nichts desto trotz war es unser letzter Halt an der Karibik und so machten wir das Beste daraus. Wir campten (als einzige) im Garten vom teuren Gringohostel und genossen es die Exoten am Platz zu sein.

Hier lernten wir auch den Indo-amerikaner Channy kennen, der mit seinen 66 Jahren die Welt mit genauso viel Begeisterung und Scheißdrauf erkundet wie wir. Bei ein paar gemeinsamen Bier tauschten wir Reisegeschichten und Tips aus und lernten eine Menge über Astronomie. Hoffentlich treffen wir ihn mal wieder…entweder in Guatemala, oder irgendwo im Rest dieser kleinen Welt…

Da der Bankomat in Livingston unsere Karten (alle 3) nicht akzeptieren wollte, war unser Aufenthalt hier begrenzt. Wir kratzten noch die letzten Dollar zusammen und dehnten so unseren letzten Karibikaufenthalt so lange wie möglich. Es zog uns so gar nicht ins kalte Hochland…

Punta Gorda und ein Jubilaeum...

Unser nächstes Ziel war Punta Gorda, eine Stadt, die dafür bekannt ist, dass seine Bewohner soooo relaxt sind - noch mehr als im Rest von Belize. Sie können sich nicht einmal dazu aufraffen ihre Stadt beim vollen Namen zu nennen und so ist Punta Gorda im ganzen Land einfach als PG bekannt.

Wir kamen hierher, weil es leider schon wieder Zeit war, unser neues Lieblingsland zu verlassen. Von PG fahren die Boote nach Guatemala ab und auf dem Wasserweg spart man sich die 20 US$ Ausreisegebühr (Es werden lediglich die 3,75 US$ Nationalparkerhaltungsgebühr kassiert und die zahlten wir gerne)

Bevor es aber zurück nach Guatemala ging legten wir einen Tag Pause ein um unser 2jähriges Reisejubiläum zu feiern.

2 years on the road!!!

Wir feierten mit lauter Sachen, die wir uns sonst nicht gönnen. Wir leisteten uns ein teures beliz´sches Bier, aßen andächtig die Gummibärchen, die Kevin in Nicaragua als Trinkgeld bekommen hatte (die ersten seit 2 Jahren!) und stießen mit österreichischem Marillenschnaps an (Danke, Dominik!).

Am nächsten Morgen stiegen wir schweren Herzens in das Boot, das uns über den blau strahlenden Golf von Honduras nach Livingston/Guatemala brachte. Keiner von uns beiden wollte Belize so recht verlassen und schon gar nicht in Richtung Guatemala…

Placencia - eine Halbinsel wie im Paradies...

Placencia - die Insel, auf die man mit dem Auto fahren kann. Dadurch, dass der Ort auf der äußersten Spitze einer 16 Meilen langen Halbinsel liegt, die meist nur 50 bis 300 Meter breit ist, hat man nicht das Gefühl am Festland zu sein. Lange Zeit konnte man Placencia nur mit dem Boot erreichen und dieses damals entstandene Inselflair ist bis heute erhalten geblieben.

Die Ortschaft ist umringt von weißen Sandstränden an denen Schatten spendende Kokospalmen einen grünen Kontrast zum türkis schimmernden Wasser der Karibik bilden. (Es ist WIRKLICH so kitschig, sorry!)

Das Geheimnis vom Paradies ist leider schon lange heraußen und hunderte reiche Amis bauen ihre Villen und Paläste entlang der Strände der Halbinsel. Das Dorf selbst ist aber zum Glück verschont geblieben und ist noch immer ruhig und relaxt.

Da Lebensmittel hier teurer sind als am „Festland“ hieß es für uns: Handleine auspacken und ab an den Strand! Wir fingen zwar nichts Großes, aber wenn man einen ganzen Fischschwarm verkocht, wird man davon auch satt. Touris schauen manchmal ein wenig irritiert, wenn sie beim romantischen Strandspaziergang auf zwei Hippies treffen, die auf ihrem Benzinkocher ein paar Aquariumfische abbraten, aber die Einheimischen finden es immer lustig und interessant. Eine Fischerkollegin schenkte uns sogar 2 Bier! Wenn das kein perfekter Tag am Strand ist…

Auch wenn das Wetter in Placencia alles andere als karibisch war, genossen wir trotzdem dieses kleine Paradies.

Durch unsere tollen Verkaufserfolge in Barton Creek angestachelt, versuchten wir unser Glück als professionelle Artesanos natürlich auch hier. Wir haben zwar schon öfter Armbänder und dergleichen verkauft, haben es aber noch nie gewagt uns tatsächlich mit unserem Zeug auf die Straße zu setzen und zu verkaufen. Placencia ist da der perfekte Ort für eine Premiere.

Wegen mangelnden Touristen waren unsere Verkäufe zwar nicht all zu rosig, aber die eine oder andere Mahlzeit ging sich schon aus. Wir werden es auf jeden Fall beibehalten an schönen Orten unsere Reisekasse ein bisschen aufzubessern.

Placencia wäre wirklich ein Platz, an dem wir es uns vorstellen könnten zu leben. Der Erste auf unserer Reise, der 100%ig passen würde…Aber noch ruft die Reiselust und man kann schöne Orte ja vormerken…

Sitee River...

Da es von Hopkins ins benachbarte Sitee keinen Bus gab und auch kein Verkehr war, hieß es für uns wieder mal marschieren. So ging es in der Mittagshitze über eine im Sumpf aufgeschüttete Schotterstraße Richtung Süden.

Plötzlich gab es ein lautes Platschen und aus dem Augenwinkel nahmen wir eine schnelle Bewegung im Wasser wahr. Wir hatten circa 4 Meter neben uns ein sich sonnendes Krokodil aufgeschreckt… „Lass uns lieber in der Mitte der Straße gehen!“

In Sitee River angekommen fanden wir eine tolle Campingmöglichkeit mit gratis Kajak/Kanubenutzung und mit dem 3 Nächte zum Preis von 2 Angebot war unsere Aufenthaltsdauer schon bei der Ankunft klar.

Der Zugang zu gratis Kajaks artete in ein Intensivoberkörpermuskulaturtraining aus. Stundenlang erkundeten wir den Fluss und seine Seitenarme auf der Suche nach Krokodilen. Nebenbei versuchten wir unser Glück beim Fischen und erlegten die eine oder andere Kokosnuss. (Merke: Nimm NIE die im Sumpf liegenden trockenen Nüsse – sie riechen entweder nach Scheiße oder schmecken nach Magensäure – 2 Erfahrungen, die man sich sparen kann!)

Nach drei Tagen sollte es nach Placencia weitergehen. Wir saßen in der Haltestelle und warteten auf den Bus, als wir plötzlich von irgendwoher Reggaemusik hörten. Kurz darauf erschien eine klapprige Karre in unserem Blickfeld aus der uns ein Rastamann zugrüßte: „Eh Rastafara, Respect!“ Er hatte - oh Wunder - ein wenig Zeit und stieg aus um mit uns ein wenig zu plaudern. Als er Maritas Ukulele am Rucksack entdeckte war er sofort begeistert – Jamsession! Da die Ukulele aber nicht so klingen wollte wie er sich das vorgestellt hatte meinte er wir müssten sie erst weihen. Er klappte seine zerlesene, in Leder gebundene Bibel auf und entnahm ihr einen feinsäuberlich gerollten Joint. Der Joint wurde angeraucht und die Ukulele weitergereicht (man kann nicht rauchen und spielen gleichzeitig). Nach einer kurzen Reggaesession (ich glaube alle Rasta können singen) und einem auf Rasta-Style interpretierten Bibelzitat stieg er wieder in seine Schüssel und tuckerte zum Sound von Bob Marley wieder weiter. Yea, dats life here fella! Yu betta Belize it!

Da wieder einmal kein Bus kam durften wir wieder Geld sparen und nette Leute kennen lernen. Ein paar nette Leute später standen wir bei der Abzweigung nach Placencia. Hier war das erste Fahrzeug das daherkam ein Bus und so bezahlten wir halt.

Als wir in den alten Schulbus einstiegen grüßte der Fahrer mit einem Daumen nach oben und drehte den Reggae lauter. Im Takt wippend quälte sich der Bus dann über eine rote lehmige Schlammpiste durch den Dschungel Richtung Placencia…

Der Blue Hole National Park und Hopkins...

Nächster Halt: Blue Hole National Park.

Nur gute 10 Meilen südlich von Belmopan liegt dieser kleine Nationalpark, in dem es neben mehreren Höhlen und Lehmsteinformationen auch das namensgebende Blue Hole gibt. Der Name ist aber spektakulärer als das blaue Loch selbst. Es ist eine kollabierte Lehmsteinhöhle, die sich dank einem unterirdischen Fluss mit Wasser gefüllt hat und nun in allen Blautönen schimmert. Gemäß Reiseführer soll es 100 Meter im Durchmesser haben und über 30 Meter tief sein. In Wirklichkeit hat es (wenn man die seichten Stellen mit einrechnet) 20 Meter im Durchmesser und ist angeblich 8 Meter tief. Keine Ahnung wo die bei Lonely Planet diese Daten herhaben…

Die Höhlen, die nur in einem Nebensatz erwähnt werden, waren dafür echt eindrucksvoll. Man kann leider nur in eine ohne Guide rein, aber die paar hundert Meter reichten schon, um wieder einmal ein bisschen Höhlenluft zu schnuppern.

Wir konnten für ein paar Belizedollar beim Besucherzentrum des Parks campen, was uns wieder einmal eine Nacht in einem teuren Hotel sparte. Als dann am Abend die Ranger heimgegangen waren und der Verkehr auf der Straße weniger wurde, konnten wir endlich auf die andere Straßenseite – rein in die Grapefruitplantage! Wir füllten alle unsere Taschen und genossen die bittersüßen Früchte zum Abendessen. Zum Frühstück gab’s dann für jeden einen halben Liter frisch gepressten Grapefruitsaft zum Kaffee. So lässt es sich leben – selbst im teuren Belize!

Nach dieser mit Tierstimmen und Scharrgeräuschen gefüllten Dschungelnacht wollten wir weiter an die Karibikküste. Da der Bus aber zu voll war und nicht stehen blieb, hatten wir zwei Möglichkeiten: a) wir warten noch eine Stunde und hoffen, dass uns der nächste Bus mitnimmt oder b) wir sparen ein paar Dollar und lernen in diesem so freundlichen Land ein paar nette Menschen kennen.

Mit einem Grapefruittruck ging es kurz darauf den Hummingbird Highway Richtung Süden runter. Als Abschiedsgeschenk drückte uns der Trucker dann ein paar Grapefruits in die Hand, nicht wissend, dass unsere Rucksäcke nur deshalb so schwer waren, weil wir von der letzten Plantage noch einen Vorrat gebunkert hatten…

Ein paar lifts später waren wir an unserem Ziel, dem kleinen Nest Hopkins, angekommen.

Da Hopkins aber nicht viel mehr als eine staubige Straße mit ein paar Häusern entlang der Küste war machten wir uns gleich am nächsten Tag auf Richtung Sitee River – einem noch kleineren Nest in dem es auch nichts zu sehen gibt, man aber günstig campen kann.

Barton Creek Outpost...

Mitten im Dschungel, am Rand des Mountain Pine Ridge Forest Reserves haben sich zwei Amis in der Nähe der Barton Creek Höhle ihr kleines Paradies geschaffen – den Barton Creek Outpost. Außer der Höhle gibt es in der näheren Umgebung noch schöne Badeplätze, Dschungelspaziergänge, Mennonitendörfer und Orangenplantagen zu sehen.

Und das Beste daran: Wenn man sein eigenes Zelt hat kann man dort gratis campen. So eine Gelegenheit können wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Die einzige Schwierigkeit besteht darin dieses Paradies am A… der Welt zu erreichen. Es gibt keinen öffentlichen Transport und die einzige offizielle Variante hinzukommen ist via Tour, die circa 40US$ pro Person kostet.

Von dem ließen wir uns natürlich nicht beirren. Wir kauften Futter für mehrere Tage, fuhren mit dem Bus bis zur Abzweigung zum Reserve und marschierten los. Schon das erste Auto, das nach einer Stunde kam, nahm uns mit. Wie sich herausstellte, war es sogar eine der teuren Touren, die am Weg zum Outpost war. So kamen wir gratis per Tour an unser Ziel! Wenn das kein Autostopperglück ist!

Die nächsten Tage verbrachten wir mit Schwimmen, Wandern, Leben genießen und Knüpfen. Unseren Gastgebern gefielen unsere Armbänder und Ketten sogar so gut, dass sie uns gleich noch ein paar abkauften.

Der Rücktransport nach San Ignacio funktionierte auch völlig reibungslos und gratis, da wir mit den bei der Höhle stationierten Parkrangern mitkamen.

Alles in allem haben wir für diesen Trip (im teueren Belize) praktisch kein Geld ausgegeben…wir haben sogar Gewinn gemacht, wenn man unsere tollen Verkäufe mit einrechnet.

Belize City und Belmopan

Belize City war, bis es 1961 von einem Hurricane schwer getroffen wurde, die Hauptstadt des Landes. Um neuerliche Schäden zu vermeiden packte die Regierung alles zusammen und verlegte die Hauptstadt einfach in das kleine Nest Belmopan, im Landesinneren. Die Idee der neuen Hauptstadt hat die Leute von Belize City aber nicht zum Übersiedeln animieren können. So bleibt Belmopan ein kleines Nest und Belize City mit 66 000 Einwohnern die größte Stadt des Landes.

Wir besuchten beide Städte in einem Tagestrip von San Ignacio aus. In Belmopan gibt es außer ein paar Regierungsgebäuden, einer Tankstelle und einem Busterminal nicht all zu viel zu sehen und auch Belize City ist weit davon entfernt eine Metropole zu sein. Die Hauptstraße ist eine staubige Schotterstraße auf der ein schwarzer Polizist mit der offenen Tarnjacke und Sonnenbrille auf einem pinken Mädchenfahrrad Patrouille fährt…Irgendwie wirkt die Stadt wie ein überdimensionales Karibiknest – und genau das ist sie eigentlich auch. Sicher gibt es auch hier ein paar sehr seltsame Gestalten und Belize City mag schon das gefährlichste Pflaster des Landes sein, aber das mag nicht viel heißen. Es ist und bleibt Belize! Wir sind im Moment andere Kaliber gewohnt.

Belize - San Ignacio...

Da Kevin, aus irgendeinem Grund immer schon nach Belize wollte und wir sowieso unser Visum Für Guatemala verlängern mussten, beschlossen wir einen kurzen Abstecher in dieses angeblich viel zu teure Land zu machen.

Stell dir vor: ein Land ca. halb so groß wie Österreich mit nur 300 000 Einwohnern, die aus allen Kulturen, Farben und Religionen bunt zusammengewürfelt sind und sich auch noch gut untereinander vertragen. Jeder spricht mehrere Sprachen und man einigt sich bei einem Gespräch halt einfach auf eine davon. Das Land selbst ist von Dschungel überwachsen, mit glasklaren Flüssen durchzogen und das zweitgrößte Barrier Reef der Erde liegt direkt vor seiner Küste. Überall wachsen Orangen, die Strände sind sauber, die Leute freundlich, überall hört man Reggae,…

Wo ist da der Haken?...Gibt keinen! Wir haben unser Paradies gefunden!

Dieses Land war genau das was wir jetzt brauchten. Nachdem wir die Grenze von Guatemala überquert hatten wurden wir gleich von freundlich grüßenden Menschen empfangen. Keiner will mehr unverschämt hohe Summen für lächerliche Kleinigkeiten, man tut sich einfach so mal einen Gefallen, alles läuft etwas langsamer und jeder hat mal Zeit für einen kleinen Tratsch auf der Straße. Es ist hier völlig normal wildfremde Menschen anzusprechen und mit ihnen schon nach wenigen Minuten gut befreundet zu sein (Ja, so etwas gibt es auf dieser Welt noch!).

So ging es uns in San Ignacio als wir auf der Suche nach einem Campingplatz von einem reggaesingendem Rastamann mit Joint im Mund eingeladen wurden mit ihm zu campen. Der Campingpreis stellte sich als leistbar heraus und so hatten wir ein neues Zuhause. Calvin, der singende Rasta, war neben uns der einzige Camper und wir verbrachten die nächsten Tage mit gemeinsamem Kochen, singen, quatschen und Ideen austauschen. Ein echt witziger Kerl!

Calvin ist gebürtiger Belizer, der lange Zeit in Jamaika gelebt hat und erst seit wenigen Wochen wieder in seiner ursprünglichen Heimat ist. Er lebt davon Bananenwein zu brauen und den dann am Markt zu verscherbeln. Es ist grundsätzlich nur ein leckerer Fruchtsaft, aber er vermarktet ihn mit so einer Begeisterung, dass er zum magischen Heiltrunk wird. Seine Inspiration schöpft er aus der Kraft Jah´s und dem heiligen Kraut, dass er ununterbrochen raucht – ein echter Rastafari halt. Wenn manche Christen Glauben, Spiritualität und Nächstenliebe so leben würden, wäre diese Welt ein besserer Ort! Er betet, verbrennt heiliges Kraut und singt (um den Druck im Kopf zu verringern) heilige Reggaelieder. Mit ihm haben wir die Rastafari-Bewegung als echte Religion verstanden.

So langsam das Leben in Belize scheint, so schnell ziehen die Tage vorbei (besonders, wenn man nur ein 30-Tages-Visum hat)

Jeden Samstag ist in San Ignacio Markttag und das bedeutet, dass die ohnehin schon bunte Ortschaft noch viel bunter wird. Alles und jeder versammelt sich auf dem großen Marktplatz und es wird gehandelt, getratscht und gegrillt. Die Amish fahren mit ihren Pferdefuhrwerden an dir vorbei, während die Inderin in ihrem Sari mit dem Rasa mit den knielangen Dreadlocks plaudert und der ausgewanderte Ami bei dem kleinen Mayaweibchen seine Kokosnüsse kauft. Der eine oder andere Tourist vervollständigt das bunte Treiben noch.

Die Ruinen von Tikal...

Der Besuch der Ruinen von Tikal begann nicht in der besten Stimmung. In den letzten Wochen unserer Reise hatte sich ein Stimmungstief aufgebaut. Zuerst war da der schmerzhafte Abschied von León und Quetzaltrekkers, dann die heftige Geschichte von El Salvador, viele anstrengende Reisetage, die Bescheißerei in Guatemala und dann noch die Nachricht von Robs Ermordung.

Obwohl es uns schwer fiel, beschlossen wir am Tag nachdem wir die Todesnachricht erhalten hatten zu den Ruinen zu fahren – Wir brauchten die Ablenkung.

Tikal ist einfach gigantisch! Die Stadt, die einst über 100 000 Einwohner hatte, war Jahrhunderte vom Dschungel überwachsen und ist heute gerade so weit freigelegt, dass man ihre vielen Plazas, Gebäude und Tempel bewundern kann. Es wurde aber noch genug Dschungel übergelassen, um einem das richtige Indiana Jones-Feeling zu geben. Nur die Spitzen der gigantischen Tempel ragen über das Dschungeldach hinaus.

Den ganzen Tag (von sechs in der Früh bis vier am Nachmittag) wanderten wir zwischen den Ruinen umher und erkletterten fast jeden Tempel. Bei einer Fläche von ehemals 30km² und Tempeln, die bis zu 64m hoch sind, kommen da so einige Strecken- und Höhenkilometer zusammen…

Im Vergleich zu Copán ist Tikal einfach RIESIG. Es ist faszinierend wie die Maya damals so hohe und schmale Tempel bauen konnten.

Aber beide Ruinenstädte muss man gesehen haben – Tikal wegen seiner Architektur und Umgebung und Copán wegen der feinen Steinmetzkunst.

Rob - Der Verlust eines guten Freundes...

Es ist jetzt, wo wir diese Zeilen schreiben, schon über ein Monat her, aber irgendwie können wir es immer noch nicht fassen. Das sind Sachen, von denen man normalerweise nur in der Zeitung liest und plötzlich ist man selbst davon betroffen…Aber alles der Reihe nach:

Wir haben Rob in León bei Quetzaltrekkers kennen gelernt. Er machte sein 5-monatiges Praktikum für seine Tourismusschule in León und genoss das Leben in Nicaragua in vollen Zügen. Er war die gesamten 3 ½ Monate, die wir in León waren mit von der Partie und war einfach fixer Bestandteil des Quetzaltrekkers-Hauses.

Als Anfang November die Zeit für die Heimreise nach Holland gekommen war, fuhr Rob mit dem Chickenbus über Nacht von Managua nach Guatemala City, von wo aus er seinen Flug nachhause hatte. Der Bus kam aber nie an.

Etwa 100km vor dem Ziel wurde der Bus am nächsten Morgen ausgebrannt am Straßenrand gefunden. Der Polizei war es zunächst ein Rätsel was sich zugetragen hatte, da alle Passagiere noch in ihren Sitzen saßen, die Türen und Fenster des Busses aber offen standen. Offensichtlich hatte keiner versucht dem Feuer zu entkommen.

Erst nach einigen Tagen stellte sich heraus, dass sämtliche Passagiere beim Ausbruch des Feuers schon tot gewesen sind. Sie wurden alle erschossen.

15 Nicaraguaner und Rob fanden den Tod.

Niemand weiß warum und was sich genau abgespielt hat. Die Polizei vermutet irgendeinen Drogen- oder Ganghintergrund.

Es tat so unglaublich weh, die Bilder des ausgebrannten Busses mit den Leichensäcken davor in der Zeitung zu sehen. Wir kennen diese Busse so gut. Fast jeden Tag sitzen wir in einem von ihnen. Und dann siehst du das Bild mit dem ausgebrannten Bus und weißt, dass in einem der schwarzen Plastiksäcke die verkohlten Überreste von Rob liegen.

Es schmerzt so unglaublich und über all dem steht die große Frage nach dem WARUM! Diese Menschen waren völlig unschuldig! Niemand, besonders nicht Rob, hatte irgendjemandem etwas getan. Womit haben sie so ein Ende verdient?

Es ist so schwer diesen Film wieder aus dem Kopf zu kriegen. Dadurch, dass wir schon so lange in dieser Gegend unterwegs sind und selbst viel in Übernachtbussen gefahren sind, können wir uns die Situation ZU gut vorstellen. Wenn man von so einer Tragödie in einem fernen Land hört ist es tragisch, aber wir haben die ganzen Bilder dazu im Kopf.

Als wir von dem ganzen per Mail erfuhren, waren wir einfach fassungslos. Wir versuchten das Ganze irgendwie zu begreifen. Ziellos wanderten wir durch Flores, da uns im Hotel die Decke auf den Kopf gefallen wäre…Und dann sitzt du dort mit Tränen in den Augen auf der Plaza, versuchst die Geschichte zu verarbeiten und würdest am liebsten den spielenden Kindern ihre Plastikpistolen aus der Hand reißen mit denen sie rumrennen und sich gegenseitig abschießen.

Rob ist in den Monaten in León ein wirklich guter Freund geworden. Eine Zeit lang waren wir sogar die einzigen Bewohner der schrägen Quetzaltrekkers-WG.

Rob war so ein lustiger und schräger Kerl – er hasste Hikes und liebte die Nica-Girls. Er wusste genau, wie er seinen Europäer-Bonus und Latino-Hüftschwung in den Discos von León zu seinem Vorteil einsetzte.

Mit seiner schrägen Art, Sachen aus einem völlig anderen Blickwinkel zu betrachten unterhielt er uns und stellte uns vor so manches Rätsel. Wir haben schon viele Fragen zu unserer Reise gestellt bekommen, aber Rob schaffte es immer wieder uns Sachen zu fragen, über die wir noch nie so nachgedacht hatten. Wenn er dich mit seiner begeisterten und begeisternden Art ansah und meinte: „Wie muss sich das wohl anfühlen, wenn…“…

Marita wird nie wieder Wäsche mit der Hand waschen können ohne an Rob denken zu müssen. Das waren nämlich immer die Momente, wo er kam um über Liebesleben, Zukunftspläne und andere Sorgen ihren weiblichen Rat einzuholen…

Goodbye Dutchie! We miss you! Hasta luego, amigo!

Flores und ein Stimmungstief...

Wir fuhren voll positiver Erwartungen nach Guatemala. Von so vielen Reisenden hatten wir schon gehört wie toll, faszinierend und billig dieses Land nicht ist. Unser erster Eindruck war aber ein ganz anderer. SO billig ist es nicht (besonders nicht, wenn man gerade von Nicaragua und Honduras kommt), ein jeder will dir was andrehen oder dich bescheißen und das ganze noch auf eine echt unfreundliche und plumpe Art.

Unser Busfahrer zum Beispiel, mit dem wir vorher fließend spanisch gesprochen hatten, blieb ein paar Kilometer außerhalb von Flores stehen und fragte die dort wartenden Taxifahrer wie viel die 2 Gringos wert seien. Dass wir in der ersten Reihe saßen und jedes Wort verstanden schien er nicht zu checken. Nach den abgeschlossenen Trinkgeldverhandlungen stieg der Taxifahrer ein und wollte uns erklären, dass wir für Flores hier aussteigen müssten. Wie dumm, dass wir einen Stadtplan haben und spanisch sprechen. Man hat uns schon in vielen Ländern beschissen (oder es zumindest versucht), aber SO plump…

So kamen wir nach einem langen Tag in Bussen grantig und fertig in Flores an – der Touristenfalle schlecht hin. Wegen seiner Nähe zu den Ruinen von Tikal, einer der größten Mayastätten des Kontinents, steht Flores auf dem Programm jedes Guatemala-Reisenden. Es liegt auf einer Halbinsel, auf der es außer Hotels, Souvenirshops und Restaurants kaum andere Gebäude gibt. So kamen wir uns in einem Land, das uns ohnehin schon viel zu teuer erschien vor wie wandelnde Geldtaschen. Ein nicht-Touristenlokal zu finden ist also unmöglich und so legten wir jeden Tag bei der Futtersuche mehrere Kilometer zurück. Erst im benachbarten Santa Elena fanden wir im letzten Eck des Marktes etwas Essbares, das unserer Preisvorstellung nahe kam.

Beim Internetchecken im Hotel erfuhren wir dann in einem Mail von Taylor (Quetzaltrekkers-Crew) von der Ermordung unseres guten Freundes und Quetzaltrekkers-Kollegen Rob.

Das gab unserer Stimmung den Rest. ICH HASSE DIESES LAND UND WILL SO SCHNELL WIE MÖGLICH WIEDER RAUS!!!

Tela und Omoa - die Karibikkueste Honduras'

Nach so viel Geschichte und alten Steinen brauchten wir wieder etwas Entspannung. Und wo lässt es sich besser ausspannen als an der heiß geliebten Karibik. Nach über einem halben Jahr endlich wieder Salzwasser in der Nase!

Unser erster Halt in Tela war eher enttäuschend – der Reiseführer hat wieder mal zu viel versprochen. Die Strände waren nicht so besonders (wir sind inzwischen aber auch verwöhnt) und die Stadt selbst hat überhaupt nichts Karibisches. Sie ist halt nur zufällig hier gebaut worden…

Die einzige Besonderheit war unser Hotel - wieder einmal eine dieser Hütten, die in keinem Reiseführer steht und doch (oder gerade deshalb) etwas Besonderes ist. Als wir zum ersten Mal davor standen glaubten wir, dass diese Bruchbude schon lange nicht mehr in Betrieb ist – ein erblasstes Schild auf einem uralten, halbvermoderten Holzbalkon und keine ersichtliche Eingangstür. Als wir wieder umdrehen wollten kam ein Nachbar angelaufen und lotste uns durch einen schmalen Wellblechdurchgang an der Seite des Hauses in einen Hinterhof wo einige alte Männer so in ihr Kartenspiel vertieft waren, dass sie uns nicht mal wahrnahmen. Nach ein paar lauten „Buenas tardes!“ machte sich dann doch einer die Mühe und nahm sich um uns an. Der Alte schielte an uns vorbei (oder schaute er uns beide zugleich an?) und deutete uns ihm zu folgen. So ging es durch seine Küche, über eine wacklige Holztreppe mitten hinein ins Geisterhaus. Der Boden hatte nicht mehr alle Dielen und man sah ins darunter liegende Wohnzimmer. (Merke: Nachts nicht ohne Taschenlampe aufs Klo gehen!) Die Matratze war zu weich und durchgelegen, der uralte Industrieventilator quietschte und wackelte und am Balkon hätte man bei Wind seekrank werden können, aber es war die bei weitem günstigste und stilvollste Unterkunft seit langem!

Nach Tela ging es in das kleine, verschlafene Karibiknest Omoa wo wir endlich unser heiß ersehntes Karibikflair fanden! Einst sehr touristisch ist es heute eher ruhig. Seit sie die Straße zur Grenze nach Guatemala ausgebaut haben, verirren sich nur mehr wenige Backpacker hierher.

Wir fanden ein perfektes Hostel und blieben (wieder mal) hängen… Wir schliefen günstig in Hängmatten, hatten Küche, Garten, Waschplatz und gratis Fahrräder und Kajaks. Tagsüber erkundeten wir die Gegend und die Abende verbrachten wir, so wie die Einheimischen, fischend am Steg.

Bei einem Kajakausflug entlang der Küste begegnete uns ein Fischer in seinem Ruderboot. Mit einem „Ya conocen el rio?“ (Kennt ihr den Fluss schon?) lud er uns ein ihn zu begleiten. Er war gerade unterwegs ein paar Bambusstangen abzuholen und brauchte, wie es schien, ein bisschen Unterhaltung. So sahen wir nicht nur den schönen Fluss, sondern erfuhren auch noch so einiges über hondurianische Politik, misslungene Agrarreformen und die Alltagssorgen der örtlichen Fischer – besser als jede gebuchte Paddeltour!

So schön es war im Paradies, aber irgendwann (als das Geld knapp wurde) mussten wir dann doch weiterziehen. Unser nächstes Ziel, das guatemaltekische Flores, war aber gar nicht so leicht zu erreichen. Im Gegensatz zu Südamerika, wo es zu fast jedem x-beliebigen Ziel einen Direktbus gibt, muss man in Mittelamerika bei jeder 2. Kreuzung oder Ortschaft den Bus wechseln. An diesem Tag saßen wir in 5! verschiedenen Bussen. Und das heißt: 5 mal den richtigen Bus erraten, 5 mal den Fahrpreis ausstreiten, 5 mal Packln reinschlichten und immer aufmerksam sein, dass dein Rucksack nicht vor dir aussteigt.

Die Ruinen von Copán...

Hinein in die Touristenhoelle! Der Grund warum sich so viele Touris in dieses kleine Dorf verirren, sind die nahe gelegenen, gleichnamigen Ruinen, die zu den 3 wichtigsten Mayastätten gehören. Sie sind Pflichtprogramm bei jedem Hondurastrip.

Wir stellten uns auf das Schlimmste ein und komischerweise…kam es nicht schlimmer. Ganz im Gegenteil, Copan Ruinas ist ein nettes kleines Nest mit genug günstigen Unterkünften und allem was Rucksacknomaden sonst noch so brauchen. Neben den vielen edlen Restaurants, wo man auf der Karte schaut, was man sich alles nicht leistet gibt es glücklicherweise auch noch einen Markt mit Comedor (Ausspeisung). Wir sind es inzwischen gewohnt, dass Einheimische komisch schauen, wenn sich 2 (inzwischen sonnengebräunte) Bleichgesichter ins letzte Eck vom Markt verirren und sich ganz selbstverständlich bei einem Comedor hinsetzen und das Tagesmenu bestellen, ohne erst zu fragen, was es heute gibt…(Unsere Erfahrung zeigt, dass es zu 90% ohnehin Hendl mit Reis und Bohnen ist) Man lernt mit der Zeit einfach wo es gutes, günstiges, frisches Essen gibt…

Wenn man schon so nahe an einer der wichtigsten Ruinenstädte ist muss man sie sich auch anschauen, auch wenn man weiß, dass es eine große Touristenabzocke ist. Aber es hilft nichts – an der Kasse einfach den großen Geldschein aus dem Geldgurt kramen, nicht zu viel drüber nachdenken, wie viele Tagesbudgets das sind und ihn dann schweren Herzens gegen 2 Eintrittskarten zu den Ruinen tauschen (und nur dort hin – für Museum, Tunnel, Guide,…müsste man mehr bezahlen)

Uns reicht aber eh der einfache Eintritt. Vorab haben wir schon alles Wichtige über Copán und seine Geschichte gelesen, im Reiseführer ist ein Plan und für genauere Informationen muss man sich einfach nur unauffällig an Tourgruppen dranhängen. Was Sprachen betrifft sind wir ja inzwischen bei solchen Geschichtsspionageaktionen nicht mehr so wählerisch. Wir nehmen was daherkommt – deutsch, englisch, spanisch und wenn es von einem Spanischsprecher gesprochen wird auch mal italienisch oder portugiesisch.

Wir verbrachten den ganzen Tag in den Ruinen und kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus. Die Maya waren was Architektur betrifft genau solche Psychos wie die Inka! Und die Archäologen haben sich auch hier ganz gut (kreativ) verwirklicht.

Gracias - lieber Termalwasser, als Bergsteigen...

Nach dem höchsten Berg in El Salvador wollten wir auch gleich noch den höchsten von Honduras, den Cerro de las Minas dranhängen. Das war der eigentliche Grund warum wir nach Gracias gefahren sind…Dort angekommen bemerkten wir, dass man in der Umgebung von Gracias nirgends einen hohen Berg sehen konnte. Die Einheimischen erklärten uns dann, dass sich dort drüben unter den Wolkentürmen der Cerro versteckt. Das tut er zu dieser Jahreszeit sehr gerne…Das Camp für die Besteigung des Berges liegt auf über 2000m, das heißt im Nebelwald mitten in den Wolken. Da wir das uns und unserem altersschwachen Zelt nicht antun wollten, entschieden wir uns lieber für die nahe gelegenen heißen Quellen. Der Schneck musste im Hotel bleiben…Wir wurden schön eingewaschelt, aber mit warmen Wasser…und man muss doch nicht jeden höchsten Berg besteigen, oder?

Cerro El Pital - der hoechste Berg El Salvadors...

Von Suchitoto ging es weiter nach Norden, der Grenze zu Honduras entgegen. Auf der Strecke lag noch La Palma, das im Reiseführer als wunderschönes Künstlerdorf beschrieben ist und toller Ausgangspunkt für eine Besteigung des Cerro El Pital sein soll. Künstlerdorf klang nett und die Besteigung des höchsten Berges El Salvadors (2730m) musste sein.

Da aber La Palma in Wirklichkeit eines der hässlichsten Dörfer war, das wir seit langem gesehen hatten standen wir 10 Minuten nach unserer Ankunft schon wieder an der Bushaltestelle. San Ignacio, das nächste Dorf, gefiel uns viel besser.

Mit unserem Glück fanden wir auch noch eine Luxusunterkunft in unserer Preisklasse. Ein Zimmer mit gemütlichen Betten, Ventilator, Klimaanlage, Kabelfernsehen, Privatbad und gutem Geruch! Keine Ahnung warum, aber aus einem Grund, den wir bis heute noch nicht kennen, bekamen wir dieses Zimmer zur Hälfte des Normalpreises. Nicht zu viel Nachfragen – einfach genießen!

Der El Pital ist nicht nur der höchste Berg El Salvadors, er ist auch noch der am Leichtesten zu besteigende. Hätte man ein Auto könnte man bis zum Gipfel fahren. Rucksacknomaden fahren ein Stück mit dem Bus und marschieren dann noch die letzten 2 Stunden. Oben angekommen hat man zwar aufgrund einer großen Sendeanlage auf der einen und Wald auf der anderen Seite keine sonderliche Aussicht, dafür kann man zwischen El Salvador und Honduras hin und herhüpfen. Der Stein, der den höchsten Punkt markiert ist nämlich gleichzeitig auch ein Grenzstein. Ein Stück unterhalb des Gipfels gibt es aber eine nette almartige Wiese, von der die Aussicht großartig ist und man perfekt im weichen Gras sitzend Frühstücken kann.

Nach einem Ausspanntag in San Ignacio verließen wir El Salvador in Richtung Honduras – wieder ein Land abgehakt.

Suchitoto - das "originale" El Salvador...

Wenn man Salvadorianern erzählt, dass man nach Suchitoto fährt, kriegen sie einen verklärten Blick und fangen an zu träumen – Suchi ist eine kleine Ortschaft, die heute noch so ist, wie angeblich ganz Salvador vor dem Bürgerkrieg war – Eine kleine heile Welt mit einer gepflegten Plaza, kleinen gepflasterten Strassen, einem kleinen Rummel und überall riecht es nach frisch gemachten Pupusas…

(Pupusas waren unsere Hauptnahrung im teuren El Salvador. Diese köstlichen mit Käse, Bohnen, Fleisch oder ähnlichem gefüllten Maisflatschen kann man fast an jeder Straßenecke für 25cent pro Stück kaufen.)

Suchitoto hat ein angenehmes Klima, unsere Unterkunft war supergemütlich und wir brauchten einige Tage zum Ausspannen. So nutzten wir die Gelegenheit wieder mal richtig Abzuschalten und erkundeten die Umgebung.

An einem Tag ging es zu einem wunderschönen Wasserfall, an einem anderen machten wir einen Spaziergang zum See. Da bei einem Seezugang ein „Centro Turistico“ war und die dort Eintritt von uns wollten zweigten wir wieder mal vom Touri-Trail ab und gingen lieber in die kleine Fischerspelunke am seegrasbewachsenen Ufer auf einen Kaffee. Der kostete uns ganze 15cent pro Tasse und bei dem Preis sind mindestens 10 schwimmende Ameisen inkludiert! Die besseren Schwimmer konnten wir noch lebend aus der lauwarmen Suppe retten, die anderen machten den Kaffee nahrhafter…

Von Suchitoto aus besuchten wir auch unsere erste Mayastätte. Die Ruinen von Cihuatan bestehen aus einer kleinen mit Gras bewachsenen Pyramide, einem kleinen Ballspielplatz und ein paar Steinhügeln. Ein netter erster Einstieg in die Welt der Mayaruinen, aber nichts Besonderes…

Santa Ana...

In Argentinien haben wir Mate getrunken, in Bolivien Coca gekaut, in Kolumbien Zigarren geraucht,… manchen Suchtmitteln kommt man einfach nicht aus. Hier in Mittelamerika ist es seit Nicaragua der Zwang Vulkane zu besteigen. Und im Nationalpark Los Volcanes gibt es gleich 3. Der eher unspektakuläre inaktive Cerro Verde, der Vulkan Santa Ana mit seinem wunderschönen spiralförmigen Krater und Itzalco, der immer noch sehr aktiv ist und sich deshalb den Beinamen Leuchtturm des Pazifiks verdient hat.

Der Ausgangspunkt dafür ist die kleine Stadt Santa Ana von wo aus wir bald in der Früh starteten. Nach 3stündiger Rumpelbusfahrt kamen wir bei strahlendem Sonnenschein im Nationalpark an. Hier erklärte man uns, dass heute eine Besteigung leider nicht möglich sei, da angeblich zu viel Wind ist. (Oder waren es nur zu wenige Touristen um die Tour rentabel zu machen?) „Aber ihr könnt ja morgen wiederkommen…vielleicht geht die Tour dann…“ So viel Ungewissheit war uns keine weiteren 6 Rumpelbusfahrtsstunden wert und so schossen wir ein paar Fotos und beließen es dabei…

San Salvador...

Ein ganz normaler Tag im Leben von Rucksacknomaden: „Nach einer stundenlangen Busfahrt in einem alten amerikanischen Schulbus kommt man wieder einmal am Rande einer Millionenstadt außerhalb des Stadtplanes an. Locker drängt man sich mit beiden Ellenbogen an den Einheimischen vorbei um rechtzeitig vor anderen Interessenten bei seinem Gepäck zu sein. Gekonnt ignoriert man die Horde von Taxifahrern und schultert lässig seinen 25kg-Rucksack. Zielstrebig marschiert man planlos aus dem Terminal und quetscht sich in den nächsten Autobus, der angeblich Richtung Zentrum fährt. Mit einem Hüftkick schwingt man den Rucksack über das Drehkreuz und schlichtet sich und das Gepäck auf 2 viel zu kleine Sitze. Locker schielt man mit einem Auge am Rucksack vorbei und versucht die sporadisch auftretenden Straßenschilder zu erspähen und mit dem Stadtplan abzugleichen. Genauso schnell, wie man drinnen war ist man eine halbe Stunde später am anderen Ende der Stadt auch schon wieder draußen. Die 2 Polizisten, die uns beim Ausstolpern erst skeptisch gemustert hatten erweisen sich nach einem netten Lächeln dann als ganz gute Touristinfo. So stapfen wir in die beschriebene Richtung los und fragen sobald wir außer Sichtweite sind den nächsten Passanten nach dem Weg – traue keiner Wegbeschreibung, die nicht von mindestens drei unabhängigen Personen bestätigt worden ist. In der Mittagshitze von San Salvador quälen wir uns mit unseren Packln an klimatisierten Einkaufszentren und Fastfoodlokalen vorbei. Der Magen knurrt und wenn man so an sich runter sieht könnten wir auch mal eine neue Garderobe vertragen. Kevins Hose besteht inzwischen aus mehr Patches als Originalmaterial und unsere Sandalen haben gerade beschlossen, sich von ihren Sohlen zu trennen. Dann wieder ein Blick rüber in die Glitzerwelt…den Kopf schütteln, den Magen auf noch unbestimmte Zeit vertrösten und einen Schritt zulegen. In einer vollkommen heruntergekommenen Hütte für Peacecorps-Volunteers finden wir dann eine überteuerte Unterkunft. Die steinalte Besitzerin gibt uns eine Wegbeschreibung zu unserem Zimmer – sie kommt die Stufen in den ersten Stock nicht mehr hinauf. So geht es durch ihr Wohnzimmer in die Garage und von dort über eine wackelige Treppe in unser neues Zuhause. Ein Rucksacknomade ist dort zuhause, wo er seinen Schlafsack ausrollt…“

Da San Salvador nicht zu den sichersten Pflastern gehört suchten wir uns eine Unterkunft im „guten“ Stadtviertel. Hier befinden sich die Fastfoodketten und Einkaufszentren der Stadt, die das wahre „Zentrum“ bilden, aber keinen persönlichen Charakter haben und genauso irgendwo in den USA sein könnten.

Die Altstadt im Gegensatz ist zwar vielleicht authentischer, aber deshalb nicht „schöner“. Es gibt zwar eine nett gepflegte koloniale Plaza, dahinter beginnt aber gleich der für lateinamerikanische Städte typische, grindige Markt auf dem von Bananen bis Raubkopien alles verkauft wird. Nur ein paar Straßen weiter steht man dann mitten in einem Armenviertel wo man lieber schnell wieder umdreht.

Es war wichtig die Stadt gesehen zu haben – sie ist aber nix zum lange bleiben.

Perquín und El Mozote...

Nach unserem Kurzaufenthalt in Tegucigalpa ging es mit „ein paar mal“ Buswechseln ins Hochland von El Salvador. Perquín war im Bürgerkrieg aufgrund seiner isolierten Lage in den grünen Hügeln im Nordosten des Landes DIE Guerillahochburg. Noch heute sind die Bewohner stolz auf ihre revolutionäre Vergangenheit. Am besten sieht man das im berühmten Guerillamuseum des Ortes. Hier findet man neben den Fotos der gefallenen Helden, Waffen und Zeitungsartikeln auch so manche Kuriosität: selbst gebastelte Handgranaten (Kevins Meinung: sehr kreativ…macht sicher einen gescheiten Rumpser!!!), das selbst gebastelte Equipment des Guerillaradiosenders und vieles mehr. Dass es in der Stadt zugegangen sein muss sieht man immer noch an den zahlreichen Schützengräben und Bombenkratern (die heute teilweise in Vorgärten als Goldfischteiche gepflegt werden).

In der nähe von Perquín liegt das kleine Dorf El Mozote in dem sich eines der dunkelsten Kapitel der salvadorianischen Geschichte abgespielt hat. Am 10. Dezember 1981 befahl die Regierung sämtlichen Bewohnern der Region sich in diesem kleinen Dorf zu versammeln um eine Hilfslieferung vom Roten Kreuz zu empfangen. Statt der Samariter marschierte aber das gefürchtete Atlacatl-Batallion ein. Unter dem offiziellen Vorwand Guerillakämpfer zu suchen folterten und ermordeten sie hier in den nächsten Tagen über 1000!!!! Menschen – der Großteil von ihnen Kinder, Frauen und alte Menschen. Es gab nur eine Überlebende, die aufgrund des Bürgerkrieges erst Jahre später die Wahrheit ans Licht bringen konnte. Rufina widmete ihr Leben der Verbreitung der Geschichte unter dem Titel: „Nunca más“ (Nie mehr wieder) Vom Originaldorf sieht man heute nur noch die Grundsteine der alten Kirche, da die Ortschaft nach dem Massaker komplett zerstört und niedergebombt worden ist.

Wenn man von so einer Geschichte im Reiseführer liest, klingt es schlimm aber es ist nur eine Geschichte. Wenn man dann tatsächlich im Dorf steht und von einer ehemaligen Bewohnerin, die nur durch Zufall zum Zeitpunkt des Massakers nicht im Dorf war, die Geschichte erzählt bekommt schnürt es einem die Kehle zu… Noch tagelang nachher waren wir schockiert und fassungslos wozu Menschen fähig sein können, wenn man sie in eine Uniform steckt…Wie bringt man jemanden dazu so etwas zu tun…

El Salvador...

Anders als andere mittelamerikanische Länder ist El Salvador nicht so sehr wegen seiner Natur und Landschaft interessant, sondern eher wegen seiner Geschichte. Deshalb erst mal ein kurzer Überblick:

Seit seinem Bestehen wurden die Bewohner des Landes von Krisen geplagt. Militärdiktaturen, Bürgerkriege und Revolutionen gaben sich praktisch die Klinke in die Hand. Beim Indianeraufstand 1932 griff die Regierung hart durch und ließ Indigenas oder indigen aussehende Menschen wahllos ermorden. Insgesamt wurden damals 30 000 Menschen wegen ihrer Abstammung niedergemetzelt. Und das war kein Einzelfall.

Die Geschichte El Salvadors setzt sich genauso fort. Immer wieder kam es zu Massakern, so genannte Todesschwadrone entführten, folterten und ermordeten auch in den folgenden Jahren tausende Regierungsgegner. In den 1970er Jahren stieg die Unzufriedenheit mit der Militärdiktatur und es bildeten sich immer mehr Guerillaorganisationen Als dann 1980 der sozial engagierte, linksgerichte Erzbischof Romero während er eine Messe hielt von Regierungstruppen ermordet wurde, kam es zum Buergerkrieg der bis 1992 andauerte und 75 000 Todesopfer forderte. Wie immer bei mittelamerikanischen Krisen hatte auch hier die US-Regierung ihre Finger im Spiel. Sie unterstützte mit gesamt 6 Mrd. ! Dollar die Regierung und bildete sogar ihre Killerkommandos aus…

Auf den ersten Blick scheint sich El Salvador heute wieder erholt zu haben. Der Konsum in der Hauptstadt boomt und alles glitzert und glänzt in den guten Vierteln…Man sieht aber nicht deshalb Schmuck, neueste Handymodelle und teure Autos auf den Straßen weil die Wirtschaft im Land so boomt, sondern weil viele Tausend Salvadorianer in den Staaten (legal oder illegal) arbeiten und das Geld (insgesamt 3 Milliarden US$ jedes Jahr) an die Familie nachhause schicken.

Einige dieser „hermanos lejanos“ (Brüder in der Ferne) rutschten aber im Laufe der Zeit in die Kriminalität ab und gründeten eine der größten Latinogangs in den USA – die Mara Salvatrucha. Aufgrund des neuen Ausweisungsprogramms der Staaten werden Kriminelle, die in Gangverbrechen verwickelt sind, in ihr Heimatland abgeschoben. Damit ist das Problem aber nicht beseitigt. Die illegalen Geschäfte gehen weiter, eben nur wo anders…

Man darf sich so eine Gang nun aber nicht als kleine Rowdiegruppe vorstellen – Salva Trucha hat über ganz Mittelamerika verteilt inzwischen über 100 000 Mitglieder und mischt am internationalen „Markt“ mit Mafia und Co groß mit.

Politik und Polizei haben aber nichts aus ihrer Geschichte gelernt und versuchen das Problem mit der altbekannten Methode zu lösen - Gewalt mit mehr Gewalt beantworten. Es gab die Regierungscampagne mit dem Namen „Mano Dura“ (harte Hand) und da die nicht funktioniert hat nun das neue Programm: „Super Mano Dura“

So ist und bleibt El Salvador eines der heißesten Pflaster in Mittelamerika – 10 Morde pro Tag sprechen für sich…

Wir haben gerade festgestellt, dass wir El Salvador nun so dargestellt haben, dass dort sicher keiner mehr hinfahren will. Damit tun wir dem Land aber unrecht. Es ist im Alltag bei weitem nicht so schlimm wie es in den Statistiken aussieht. Die Salvadorianer sind sehr offene und freundliche Menschen und wenn man sich nicht gerade in den Vororten der Großstädte aufhält ist das Land für den Standardtouristen wahrscheinlich nicht gefährlicher als Honduras oder Nicaragua.

Man versäumt auf jeden Fall etwas, wenn man in Mittelamerika reist und El Salvador auslässt….Pupusas zu Beispiel ;-)

Freitag, Oktober 24, 2008

Adios León und Quetzaltrekkers...

Alle, die sich schon Sorgen gemacht haben, dass es in León mit unserer Reise zu einem Ende gekommen ist können wir hiermit beruhigen – Wir haben es (schweren Herzens) geschafft Quetzaltrekkers zu verlassen.

Statt geplanten 2 Monaten haben wir fast 4 Monate als Volunteers gearbeitet und Hikes auf die umliegenden Vulkane geguidet. Zum Schluss hatten wir echt schon Routine, sowohl im Hikes vorbereiten als auch im guiden. Es hört sich vielleicht langweilig an immer die gleichen Hikes auf immer die gleichen Vulkane zu machen und das 2-3-mal die Woche. (Kevin war insgesamt ca. 15-mal am Cerro Negro, 14-mal am Telica, 10-mal am El Hoyo,…) Aber es ist viel interessanter als es klingt. Zum einen geht man die Hikes ja immer mit anderen Leuten und zum anderen kann man echt genial beobachten wie sich die Landschaft, die Wege und Vegetation in der Regenzeit verändern. Man kennt bald jeden Strauch und freut sich zum Beispiel schon auf den nächsten Telica-Hike, weil man weiß, dass die Nancites (kleine gelbe Früchte) dann reif sein müssten.

Inzwischen wissen wir so viel über Tiere und Pflanzen in Nicaragua, dass wir uns hier in Wald und Dschungel schon richtig zuhause fühlen. Man gewöhnt sich echt schnell an Skorpione, Vogelspinnen und Giftschlangen.

Auch wenn Geologie und Vulkanologie nie so richtig interessiert haben…Wenn du ständig auf diese Schwefel speienden Ungetüme kletterst willst du irgendwann wissen woher der Gestank kommt…und ehe du dich versiehst diskutierst du mit anderen Quetzaltrekkern über die Entstehungstheorien verschiedener Krater und Landschaftsformen.

Quetzaltrekkers ist aber mehr als nur ein Tourunternehmen. Wir haben hier nicht nur gearbeitet, sondern auch ein Teilzeitzuhause mit vielen neuen Freunden gefunden. In der chaotischen QT-WG war immer was los: Hyperaktive Frühaufsteher, neurotische Reinigungsfanatiker, chronische Unordnungsstifter, kaffeesüchtige Morgenmuffel, europäische Latinlovers,…

Jeder Abend wurde mit der Frage: „Who goes?“ begonnen. Irgendeiner packte dann die leeren Bierflaschen zusammen und tauschte sie im Alkoshop ums Eck gegen volle ein. Dann wurde gemeinsam gekocht, geraucht, gezockt, gegrillt, getrunken,…Kurz: Eine WG, wie sie nur mit Putzfrau funktionieren kann…und die hatten wir zum Glück.

Bei so viel Gemütlichkeit ist es gar nicht so leicht wieder so viel Reiselust aufzubringen um dann auch wirklich abzureisen. Nach ein paar verschobenen Abreiseterminen schafften wir es am 21. dann endlich unsere Reise in Richtung Kanada fortzusetzen.

Zuvor gab es aber noch 2 Abschiedsfeiern (Danke Eva und Rob). Bei der ersten hatten wir ein lustiges Gruppengnoccikochen und bei der zweiten wurde groß aufgegrillt. Am letzten Abend lösten wir noch Maritas Geburtstagsgeschenk ein - ein (dank Stromausfall) echtes Candlelightdinner in einem der besten Restaurants der Stadt.

Am nächsten Morgen gab es noch ein großes Schulterklopfen, Abschiedsknuddeln und e-mail-Adressen austauschen und dann wurde es ernst. Es ist schon ein seltsames Gefühl, wenn man so viele Leute kommen und gehen gesehen hat und dann ist man selber dran – Plötzlich bist du derjenige, der voll bepackt durch die Officetür geht und nicht mehr zurück kommen wird.

Gott sei Dank ist es bei vielen Leuten kein „Good-bye“, sondern nur ein „hasta luego“ (bis später) – See you in the States, Austria, Germany,…!!!!

Wir werden León, Quetzaltrekkers und alle unsere Freunde echt vermissen…oder besser gesagt: Wir vermissen sie!!!!

Unsere Sorgen das Reisen schon verlernt zu haben erwiesen sich als unbegründet. Sobald du voll bepackt zum Terminal hirscht legt sich der Schalter um und es läuft wieder wie geschmiert.

Nach einem langen Tag in ungemütlichen Bussen auf holprigen Pisten sind wir Dienstag Abend heil, blank und hundemüde in Tegucigalpa, der Hauptstadt Honduras angekommen. Das es hier aber nicht all zu viel zu sehen und zu tun gibt geht es nach vollendeter Internetaktualisierung gleich wieder weiter Richtung El Salvador.

Mittwoch, August 13, 2008

Quetzaltrekkers...

Schon seit Beginn unserer Reise haben wir nach einer für uns passenden Volunteer-Arbeit gesucht. Es ist gar nicht so leicht, wenn man kein halbes Jahr Zeit hat, nicht fürs Arbeiten auch noch bezahlen will und nicht unbedingt mit Kindern arbeiten will… Hier in León haben wir endlich das Perfekte Projekt für uns gefunden. Wir lieben es draußen zu sein, zu trekken, Menschen unsere Freude an der Natur zu vermitteln und kreativ tätig zu sein. Bei Quetzaltrekkers können wir all das. Wir arbeiten hier als freiwillige, unbezahlte Trekkingguides und führen Touren auf die umliegenden Vulkane. Der gesamte Profit, der dabei reinkommt geht direkt an die Organisation „Las Tías“ (Die Tanten), die Straßenkindern und Kindern aus Risikofamilien hilft. Die Idee ist einfach genial! – Touristen können günstige Hikes machen und spenden dabei noch Geld für einen guten Zweck. Wir können hier mal ins Guidebusiness reinschnuppern und lernen auch sonst so einiges – von Marketing und Promotion über Vorbereitung einer Tour bis hin zu „Wie guide ich einen 2-Tages-Hike, wenn ich nur 3 Stunden Schlaf hatte?“

Die Kollegen sind super und wir können mal wieder richtig umreißen und neue Ideen einbringen und verwirklichen. Außerdem tut es gut mal wieder (wenigstens vorübergehend) ein Zuhause zu haben. Verdienen tun wir zwar nichts und wir müssen sogar noch für Unterkunft und Verpflegung aufkommen, aber der Spaß und das Gefühl was Gutes zu tun sind das auf jeden Fall wert.

Für alle die mehr über Quetzaltrekkers wissen wollen: auf www.quetzaltrekkers.com (Nicaragua) stehen alle Infos.

Damit ihr eine Idee bekommt was wir in letzter und nächster Zeit so machen – hier eine kleine Beschreibung unserer Lieblingshikes:

Cerro Negro (1 Tag):

Der Cerro Negro (Schwarzer Berg) ist Zentralamerikas jüngster und einer der aktivsten Vulkane. Wo 1850 noch ein Maisfeld stand ragt heute ein 724m hoher Sandhügel empor. Seit damals ist der Cerro Negro schon über 20-mal ausgebrochen…das letzte mal 1999. 1995 war die spektakulärste Eruption bei der die mehrere Kilometer hoch geschleuderte Lava sogar von León aus sehen konnte. Im Moment raucht er nur, aber wir warten alle auf den nächsten großen Rumps…natürlich hoffen wir auch, dass dies geschieht, wenn wir nicht grad mit den Klienten im Krater stehen...

Der lustigste Teil der ganzen Tour ist das hinunterlaufen über den losen Schotter des Vulkans. Dadurch dass der weiche Vulkanschotter so gut dämpft, kann man Riesenschritte machen und das ganze fühlt sich dann irgendwie so an als würde man in Zeitlupe laufen – aber mit Full-Speeeeeed!!! …und nach dem dritten, vierten Mal wird man schon zum Vulkanlaufprofi!

Telica – Kevins Liebling (2 Tage):

Unser beliebtester 2-Tages-HIke führt zum Krater des sehr aktiven Vulkans Telica. Dies ist Kevins absoluter Lieblingshike. Es gab in den letzten Wochen Zeiten in denen er mehr Zeit da oben als in León verbrachte. Das ganze liegt unter anderem daran, dass er wesentlich an der Suche und Etablierung der neuen Route mitgearbeitet hat. Es gibt zurzeit wahrscheinlich keinen anderen Volunteer, der diesen Berg von so vielen Seiten gesehen hat.

Der Hike an sich ist wunderschön und der Campplatz ist einfach ein Traum. Man campt im äußeren, erloschenen, von Gras bewachsenen Krater und hat eine unglaubliche Aussicht auf den rauchenden Krater.

Wenn man Glück hat kann man sogar am Boden des Kraters Lava glühen sehen, was uns aber leider bis jetzt nicht vergönnt war.

El Hoyo (2 Tage):

Unsere 3-in-1-challenge, wo du 3 Vulkane in 2 Tagen besteigst…Man beginnt mit dem Cerro Negro, geht über die Vulkangruppe Las Pilas auf den Vulkan El Hoyo, wo man auf einem wunderschönen Platz mit genialer Aussicht die Nacht verbringt. Von dort oben sieht man alle wichtigen Vulkane Nicaraguas. Außerdem kann man das enorme Loch in der Seite des Vulkans bestaunen, dessen Ursprung niemand genau erklären kann. Wahrscheinlich war es eine Höhle, die eingestürzt ist.

Nach dem Abstieg am zweiten Tag lässt man den Hike noch mit einem kühlen Bad in der Kraterlagune Asososca ausklingen.

Cosigüina (3 Tage):

Ganz im Nordwesten des Landes liegt der Vulkan Cosigüina. Dieser hatte einst über 3000m bis er dann Mitte des 19. Jahrhunderts explodierte. Der gesamte obere Teil des Vulkans wurde dabei abgesprengt. Die Asche flog bis nach Mexiko, Panama und sogar Jamaika. Heute hat der Cosigüina nur mehr knappe 900m und einen enormen Krater von 2km Durchmesser und 500m Tiefe. Am Boden des Kraters befindet sich eine Lagune, die noch mal 300m tief ist….Einfach irre! Gecampt wird am Strand, den auch Schildkröten zur Eiablage nutzen. Demnächst müsste die Nistzeit beginnen. Vielleicht haben wir mal Glück? ...

Die Schule in Aguas Frías:

Kein Hike, sondern eines unserer Projekte: Neben Las Tías tun wir auch immer wieder Kleinprojekte auf und dazu gehört seit Neuestem die Schule von Aguas Frías. In diesem kleinen Dorf am Fuße des Telica-Kraters leben 200 Menschen, con denen ca. 40 im schulpflichtigen Alter sind. Unser Plan ist es den Kindern Schulmaterial zur Verfügung zu stellen und in weiterer Folge eine Schule mit 4!!! Wänden hinzustellen. Die Fotos sprechen für sich.

Dschungel, Hoehlen und eine Militaereskorte...

Beim Lesen unseres Reiseführers waren wir über einen Nebensatz gestolpert, in dem uns die Wörter „semimystische Höhlen“ und „praktisch unerforscht“ sofort ins Auge stachen. Da unser schlaues Büchlein leider nicht mehr Info hergab, versuchten wir unser Glück im Internet und fanden…..NICHTS! ...was das Ganze noch viel interessanter machte…Sämtliche Information, die wir hatten war, dass es in San José de Bocay einen Guide namens Henry Taylor gibt, der uns zu den Höhlen von Tunowalán bringen kann.

Nach 2 Tagen Holperbusfahrt kamen wir dann endlich in Bocay an und mussten feststellen, dass keiner dort einen Henry Taylor zu kennen schien und selbst zu den Höhlen konnte uns keiner genaue Angaben machen. Nach langem Suchen fanden wir endlich einen leicht dümmlichen Parkranger, der sich bereit erklärte uns für 50 US$ zu den Höhlen zu führen. So ging es für uns nach einer Nacht in einem Verschlag von Hotelzimmer auf der Ladefläche eines LKWs weiter Richtung Ayapal. Auf dieser Strecke gibt es keine Brücken mehr, weshalb die Fahrtzeit, je nach Flussstand, zwischen 4 Stunden und 2 Tagen betragen kann. Nach 8 Stunden erreichten wir in Ayapal dann das Ende der „Straße“. Von hier geht es nur noch zu Fuß oder per Boot weiter. Zuerst mussten wir aber noch ein paar Hände schütteln. Wie VIPs wurden wir durch den Ort geführt und dem Bürgermeister, dem Polizeichef, dem Indigenachef und dem Militär vorgestellt. Von diesen vier brauchten wir nämlich die Erlaubnis um unseren Trip starten zu können. Da sich in der Gegend gerade Banditen herumtreiben mussten wir auch noch eine Polizei- oder Militäreskorte zum Schutz mitnehmen. Da aber noch nicht ganz klar war wer das übernehmen sollte bzw. wie wir jetzt genau zu den Höhlen gelangen sollten (unser Guide stellte sich als immer unqualifizierter heraus) trafen wir uns am Abend an jenem Ort an dem alle wichtigen Entscheidungen in Ayapal getroffen werden – dem Dorfbeisl.

Hier im Norden herrschen noch andere Sitten. Die Lebensbedingungen sind sehr simpel. Strom gibt es nur wenige Stunden am Tag und fließendes Wasser so gut wie nirgends. Die Kinder spielen im Schlamm vor dem Haus und die Schweine schlafen im Wohnzimmer. Ein richtiger Mann braucht mindestens einen Gaul, Sporen auf den Gummistiefeln und einen Colt (oder zumindest eine Machete). Wenn er auf ein Bier geht parkt er das Pferd vor seinem Stammlokal und ist froh, wenn er ein paar Stunden später wieder herauskommt, dass sich zumindest das Pferd an den Nachhauseweg erinnert – Autopilot sozusagen.

In genau so einem Beisl handelten wir uns mit dem Bürgermeister, dem Militärchef und noch ein paar anderen aus, wie wir am nächsten Tag zu den Höhlen kommen würden. Im Tausch gegen ein paar Gallonen Diesel brachte uns ein Miskito-Indianer in seiner völlig überladenen Zille über einen reißenden Dschungelfluss in die Nähe der Höhlen. So startete unsere kleine Expeditionsgruppe, die inzwischen aus uns, dem Parkranger, einem lokalen Bauern (unser Guide kannte den Weg nicht!!!) und einer schwerbewaffneten 2-Mann-starken Militäreskorte bestand, den Marsch durch den Dschungel zu den Höhlen.

Nachdem wir endlich am Ziel angekommen waren und die Soldaten die Höhle gecheckt hatten konnten wir nach Lust und Laune die Höhlensysteme erkunden und herumkraxeln. Wir fanden sogar Höhlenmalereien…Es ist schon cool, wenn man irgendwo im nirgendwo mitten im Dschungel in irgendwelchen halberforschten Höhlen herumklettern kann. Vergiss Abenteuertourismus – Stürz dich ins Abenteuer!!!

Zurück in Ayapal erfuhren wir, dass wir angeblich die ersten Touristen sind, die sich hierher verirrt hatten. Es waren zwar schon Wissenschaftler und Entwicklungshelfer hier, aber noch niemand, der sich die Gegend einfach nur so zum Spaß anschauen wollte.

So kehrten wir nach einer abenteuerlichen Woche absolut nicht erholt nach León zurück um mit unserer Arbeit bei Quetzaltrekkers zu beginnen.

Managua...

Die neue Hauptstadt Nicaraguas hatte es nie leicht. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts war Managua ein kleines Dorf. Erst als der Streit zwischen den beiden Städten León und Granada um den Sitz der Hauptstadt eskalierte und in einem Bürgerkrieg endete, wurde Managua, das genau in der Mitte der beiden Streitparteien liegt kurzerhand zur Hauptstadt ernannt.

Kurz nachdem es zu einer richtigen Stadt geworden war wurde es 1931 schon wieder von einem Erdbeben zerstört. Mitten in den Aufbauarbeiten kam es 5 Jahre später zu einem Großbrand, der alle Arbeit erneut zunichte machte. Die Nicas kratzten abermals alle Kohle und Arbeitskraft zusammen und bauten die Stadt erneut auf. 1972 kam es zu einem noch schwereren Erdbeben und daraufhin zu dem Entschluss das historische Zentrum endgültig aufzugeben. Heute stehen hier nur noch die zerstörte Kathedrale, die vor sich hinbröckelt, ein paar Regierungsgebäude und einige Ruinen. So ist Managua jetzt eine Stadt ohne Zentrum, die aus zusammengewachsenen Vororten besteht, in denen Shoppingmalls die neuen Zentren bilden.

Die meisten Traveller meiden diese nicht ungefährliche Stadt ohne Sehenswürdigkeiten. Wir verbrachten 2 Tage hier um uns das tote Zentrum und den Aussichtshügel Loma de Tiscapa mit seiner riesigen Sandino-Statue anzusehen, waren aber froh wieder weiterreisen zu können.

Leon...

Nachdem es Hauptstädte in Nicaragua nie leicht hatten, ist die ehemalige Hauptstadt León natürlich auch nicht an ihrem Originalstandort geblieben. León Viejo (Alt-León) lag am Lago de Managua und wurde 1610 vom Vulkan Momotombo komplett zerstört. Daraufhin verlegten die Spanier die Stadt weiter weg von all den Vulkanen an den heutigen Standort.

Auch wenn León heute nicht mehr die Hauptstadt des Landes ist, so spielt sich hier politisch und kulturell noch so einiges ab. Vielleicht liegt das daran, dass die Bewohner von León so stolz auf ihre Heimatstadt sind…

Wir fühlten uns hier, wie die meisten andern Reisenden auch super wohl und blieben viel länger als beabsichtigt in unserem gemütlichen Hostel. Verschärfend kam noch hinzu, dass wir dort eine fast reine Österreicher-WG bildeten. In über 1 ½ Jahren unterwegs haben wir vielleicht drei mal Österreicher getroffen und hier in León scheinen sie wie die Schwammerl zu sprießen. Sogar der Hostelbesitzer ist mit einer Österreicherin verheiratet.

Wir nutzten unsere Zeit in León für Reiseplanung. Bei unserer Recherche kamen wir zu dem Entschluss, dass unser Plan Kanada vor dem Winter zu erreichen nichts werden würde. Mittelamerika sieht auf der Karte zwar klein aus, aber es gibt hier sooo viel zu sehen….

Da im Winter Autostoppen in Kanada sehr ungemütlich ist wollen wir erst im Frühling hoch….Wir haben also etwas Zeit totzuschlagen.

Da kam uns die Volunteer-Organisation Quetzaltrekkers gerade recht. Wir beschlossen hier 2 Monate zu arbeiten und dann erst weiterzureisen… Da wir aber bis zum Start der Arbeit noch eine Woche zu überbrücken hatten ging es noch zu einem Abenteuer in den Nordosten des Landes…

Granada und Masaya...

Granada ist eine Kolonialstadt wie sie im Buche steht – bunte, alte Häuser, gepflasterte Strassen, schöne Kirchen und schattige Plazas. Genau aus diesem Grund ist es auch übertouristisch und trotzdem irgendwie leblos. Die schönen Kolonialgebäude im Zentrum werden alle von reichen Ausländern gekauft und renoviert, was die Preise so in die Höhe treibt, dass es sich kein Nica mehr leisten kann. Man findet zwar unzählige schöne Fotomotive, trendige Cafés und Restaurants, das ursprüngliche Flair einer Nica-Stadt ist aber verloren gegangen. Nach zwei Tagen ging es also weiter ins weniger touristische Masaya.

Diese Stadt gefiel uns schon viel besser mit seinen lebhaften Plazas und chaotischen Märkten.

Die meisten Touristen kommen nach Masaya um den „authentischen“ Touri-Ramsch-Markt unsicher zu machen. Wir machten einen Bogen um diesen und gingen lieber am Einheimischen-Markt einkaufen (12 große Mangos für nicht mal 20cent)…

Von hier aus besuchten wir auch die nahe gelegene Laguna de Apoyo, ein Kratersee, der ganz nett ist zum plantschen. Wir hatten dummerweise unsere Badesachen vergessen…

Ein anderer Daytrip führte uns auf den Vulkan Masaya. Diesen Vulkan zu besteigen klingt aber spektakulärer als es ist. Eine asphaltierte Straße, die in einen großen Parkplatz mündet führt bis zum Gipfel. Die Aussicht ist diesen „harten“ Aufstieg aber auf jeden Fall wert. Der Krater misst mehrere hundert Meter im Durchmesser, ist fast 100 Meter tief und raucht wie die VOEST. Wir verließen dann aber schnell wieder den breiten Touristenpfad und erkundeten den erloschenen Krater nebenan. Hier gab es zwar keinen Rauch, dafür wunderschöne Landschaft, steile Klippen und hunderte Geier, die sich nicht mal durch unser Fotoshooting bei ihrem Sonnenbad stören ließen.

Isla Ometepe...

Ometepe – eine Insel wie aus einer Sage entsprungen. Mitten im riesigen Lago de Nicaragua ragen die beiden Vulkane Maderas und Concepción aus dem Wasser und bilden so diese semimythische Insel. Neben einer sagenumwobenen Lagune gibt es auch noch uralte Steinskulpturen und um das ganze abzurunden durchstreifen auch noch riesige Süßwasserhaie den See.

Einmal hier angekommen wird man gleich vom verschlafenen Flair der Insel eingelullt. Es herrscht schon im Rest von Nicaragua keine Hektik, aber auf Ometepe kann man noch mal einen Gang runterschalten.

Wir mussten uns also irgendwie beschäftigen um nicht gleich in den Schneewittchenschlaf zu verfallen. An einem Tag liehen wir uns Fahrräder aus und erkundeten so einen Teil der Insel. Wir hatten uns auch noch vorgenommen einen der beiden Vulkane zu besteigen, aber der Concepción ist im Moment zu aktiv und der Maderas nicht interessant genug. Auf der anderen Seite waren wir schon mal da…es fehlte nur die richtige Motivation. Im Endeffekt entschied ein Münzwurf und wir zogen ohne Vulkanbesteigung weiter nach Granada.

Costa Rica...

Aufgrund der Preislage in Costa Rica war schon im Vorhinein klar, dass unser Aufenthalt hier kurz ausfallen würde. Nach den ersten zwei Tagen war klar, dass es SEHR kurz werden würde.

Unser erster Stopp war im kleinen Karibiknest Cahuita. Hier gibt es nicht nur schöne Strände, sondern auch einen Nationalpark, den man auf kleinen Dschungelpfaden zu Fuß erkunden kann. Neben unzähligen Vögeln, Insekten und Reptilien sieht man auch noch Kapuziner- und Brüllaffen aus nächster Nähe. Dazu gibt es aber nicht viel zu erzählen – die Fotos sprechen für sich…

Nach Cahuita ging es nach San José, der Hauptstadt Costa Ricas. Nach einem verregneten Sightseeing-Tag ging es schon wieder weiter nach Nicaragua.

Bocas del Toro...

Nach unserer Bergtour im kalten Boquete brauchten wir wieder etwas Wärme und die holt man sich in Mittelamerika am Besten auf einer Karibikinsel. Bocas del Toro bietet sich dafür besonders an, da diese Inselgruppe so nahe am Festland ist, dass man sie für ein paar Dollar mit dem Wassertaxi erreichen kann. Dieses Geheimnis ist aber schon seit ein paar Jahrzehnten heraußen und dementsprechend überlaufen ist dieses kleine Paradies. Wir fanden trotzdem oder gerade deswegen ein echt gemütliches Hostel. Eigentlich ist es ja eine richtige Gringohütte, die noch dazu weit außerhalb unseres Budgets liegt, aber durch Verhandlungsgeschick und einen schweizerisch-österreichischen Sympathiebonus kriegten wir es zum halben Preis.

Die Aqua-Lounge ist komplett auf Stelzen im karibischen Meer gebaut, hat eine riesige Terrasse in der ein „Pool“ ausgeschnitten ist und bietet auch sonst allen erdenklichen Traveller-Luxus. Für uns hieß das jeden Tag in der früh aufstehen, gratis Pfannkuchen futtern, danach 5 Schritte gehen und ins mehrere Meter tiefe, glasklare Wasser zu fallen und mit bunten Fischen um die Wette zu tauchen. Den Rest des Tages verbrachten wir mit ausspannen, Sonnenbaden, fischen, rund ums und unterm Haus Schnorcheln, essen und nichts tun. Kevin verbrachte so viel Zeit im Wasser, dass ihm schon fast Schwimmhäute gewachsen wären. Ständig tauchte er Seesterne und –gurken herauf und war völlig fasziniert von den Barracudas und Muränen, die sich ums Haus tummelten. So wurden aus geplanten 2 Tagen schnell mal 8 oder so.

Wir schafften es aber auch 2 Tagesausflüge zu unternehmen. Einen auf die nahe gelegene Isla Bastimentos, wo wir am Wizzard Beach badeten und am Red Frog Beach erfolglos nach den berühmten roten Pfeilgiftfröschen suchten. Der andere Daytrip ging zu einer Grotte auf der Hauptinsel. Dort watet man im Stockdunkeln durch hüfttiefes Wasser und versucht dabei die tausenden Fledermäuse nicht zu wecken, die an der Decke hängen und schlafen – ein gruseliges Erlebnis! Am Höhlenausgang angekommen hatten wir gleich noch ein Schreckerlebnis. Dieselbe Schlange, die uns schon im Darien zum Umkehren gezwungen hatte versperrte uns den Weg. Diesmal war sie aber so sehr mit dem Jagen eines Frosches beschäftigt, dass sie keine Zeit hatte uns zu verjagen. Und wer den Mund so voll hat, kann auch nicht beißen. Deshalb verlief das Fotoshooting diesmal etwas entspannter.

Nach über einer Woche konnten wir uns endlich dazu aufraffen ins nahe gelegene Costa Rica weiterzureisen.

Samstag, Mai 31, 2008

Boquete und der Vulkan Barú...

Schon bei unserer Ankunft im strömenden Regen erfuhren wir die frohe Botschaft, dass es hier um diese Jahreszeit jeden Nachmittag so schüttet. Die Regenzeit hat begonnen und in Boquete merkt man es so richtig…Wir dachten schon, dass dann aus der Vulkanbesteigung nichts würde bis uns Pancho (der nette, hyperaktive, ständig bekiffte Hostelbesitzer) von der Möglichkeit einer Übernachtbesteigung erzählte. In der Früh wäre am Gipfel die Sicht am Besten, meinte er. Und die braucht man für den Vulkan Barú auf jeden Fall. Er ist mit fast 3500m der höchste Berg Panamas und an einem klaren Tag kann man von oben beide Ozeane sehen, den Atlantik und den Pazifik.
Den ersten Tag in Boquete spannten wir erst mal von der Großstadthektik aus und erkundeten die Umgebung. Aufgrund seiner hohen Lage (gut 1000m) herrscht hier das ganze Jahr ein angenehm kühles Klima. Die Gegend ist deswegen auch das Hauptanbaugebiet für Hochlandkaffee in Panama. Ist echt nett in der hügeligen tiefgrünen Landschaft durch Kaffeeplantagen zu streifen (vorausgesetzt es regnet gerade nicht…).
Aus der ersten geplanten Besteigung wurde witterungsbedingt nichts. Also hieß es warten. Nach 3 Tagen spielte endlich das Wetter mit und wir konnten los. Spontan schlossen sich auch noch der Israeli Saki und die Südkoreanerin Chong Mi an, was uns ganz recht war. Erstens ist das Taxi für uns günstiger, wenn man es sich teilt und zweitens ist es zu mehrt immer mehr Spaß.
Kurz vor 23 Uhr fuhren wir mit dem Taxi zum Anfangspunkt des Pfades und begannen im hellen Mondlicht den Aufstieg. Um 5 in der früh waren wir dann rechtzeitig zu Sonnenaufgang am Gipfel. Wir wurden schon gewarnt, dass es ziemlich kalt werden würde da oben, aber mit SO einem Zapfen hatten wir echt nicht gerechnet…Frierend und bibbernd genossen wir den schönsten Sonnenaufgang in unserem Leben. Die Sicht war genial und man konnte auf der einen Seite die Sonne im Atlantik schimmern sehen und auf der anderen Seite berührte der Schatten des Vulkans den Pazifik. Einfach nur geil!
Nach zwei Stunden des Staunens und Frierens am Gipfel stiegen wir ein paar hundert Meter ab und lernten wieder einmal was über fremde Kulturen: Israelis gehen wandern um an einem schönen Ort Kaffee zu trinken. Anstelle von warmer Kleidung hatte Saki nämlich Gaskocher, Kochtopf, Kaffee, Zucker, Wasser und sogar Plastikbecher und Kaffeelöffel mit auf den Berg genommen. Es gibt nichts Besseres als einen schönen starken türkischen Kaffee nach einer anstrengenden Nacht ohne Schlaf!
Gut koffeiniert machten wir uns an den Abstieg. Auf dem Weg wurden noch schnell Karotten von einem Feld mitgenommen (auf Reisen muss man schauen wo man was zu essen kriegt und Gratisvitamine sind da immer willkommen). Und weil wir gerade auf unserer Sparwelle waren umgingen wir auch noch die Rangerstation und sparten uns so die 5 Dollar Nationalparkseintritt pro Person.
Um 13 Uhr, pünktlich zu Regenbeginn, waren wir dann wieder zurück an de Straße, wo wir 14 Stunden vorher losmarschiert waren. 30 Kilometer, 2000 Meter Aufstieg und genauso viele Höhenmeter wieder runter…Unsere Beine wussten was sie geleistet hatten!
Eigentlich wollten wir alle 4 am nächsten Tag weiterreisen, aber keiner fühlte sich körperlich so recht in der Lage, seinen Rucksack zu schultern. Wir beschlossen also im Kollektiv noch zu bleiben und unseren armen Muskeln in den nahe gelegenen heißen Quellen etwas Entspannung zu gönnen.
Es tat echt so gut wieder mal den ganzen Körper in heißes Wasser zu tauchen (Badewannen spielt es beim Reisen einfach nicht)!
Am Abend kochten wir noch groß auf und machten einen Riesenberg Bananen-Pfannkuchen und ließen so zwei wunderschöne gemeinsame Tage ausklingen…
Nächster Stopp auf unserer Reise war die Karibikinselgruppe Bocas del Toro, wo wir gerade sind. Hier genießen wir gerade alle Vorzüge eines eigentlich viel zu teuren Hostels, das wir glücklicherweise zum Halbpreis gekriegt haben. Aber dazu mehr beim nächsten Mal…

Der Panamakanal...

Wenn man in Österreich an Panama denkt, denkt man an Bananen und den berühmten Kanal. Da wir Bananen schon zur Genüge gesehen, gerochen, gebraten, gegrillt, gekocht, püriert, gegessen,… haben, mussten wir uns also nur noch den Kanal ansehen um wirklich mitreden zu können.
Dieses Meisterwerk der Baukunst wurde 1914 fertig gestellt und ermöglicht seitdem täglich ca. 40 Schiffen die Abkürzung zwischen Pazifik und Atlantik zu nehmen.
Technisch funktioniert der Kanal so, dass ein Fluss, der in den Atlantik rinnt aufgestaut und so der Lago Gatún geschaffen wurde. Da dieser Stausee aber nur die halbe Strecke zwischen Atlantik und Pazifik ausmacht, musste der Rest gegraben werden. Der Seespiegel liegt ca. 26 Meter über dem des Meeres, weshalb die riesigen Ozeandampfer in entsprechend großen Schleusen erst gehoben und auf der anderen Seite wieder gesenkt werden müssen. Das heißt ein vom Atlantik kommendes Schiff fährt erst ein Stück den Fluss rauf wird dann mittels Schleusen auf Seespiegel gehoben, fährt am See bis zu den nächsten Schleusen, die es dann wieder auf Pazifikniveau in den künstlich gegrabenen Teil des Kanals absenken. Dieser Spaß spart viele tausend Kilometer, kostet aber auch dementsprechend. Ein durchschnittlicher Ozeandampfer zahlt für die 6-10stündige Durchfahrt (das 24-48 Stunden lange Schlangestehen nicht mitgerechnet) ungefähr 100.000-200.000 US-Dollar.
Der beste Ort um sich das ganze aus nächster Nähe anzusehen sind die Schleusen in Gatún. Diese besuchten wir als Tagestrip von Panama City aus.
Hier kann man von einer Beobachtungsplattform aus miterleben, wie die riesigen Schiffe durch die Schleusen manövriert werden. Ist schon irre, wenn man zuschaut, wie diese bis zu 300m langen Monster in 3 hintereinander liegenden Schleusen die 26 Meter angehoben werden. Links und rechts haben sie je nur knappe 2 Fuß „Spazi“.
Nach einem Tag der Zahlen und Superlativen fuhren wir mit rauchenden Köpfen wieder zurück nach Panama City.
Mit dem Kanal war auch der letzte Punkt im Pflicht-Sightseeing-Programm abgehakt und so konnten wir weiter nach Boquete fahren. Dort hatten wir einen Termin mit einem Vulkan…

Ciudad de Panamá - Panama City

Bei unserer Ankunft in Panama City kriegten wir gleich mal einen Kulturschock. Wir dachten bis vor kurzem noch, dass Kolumbien sehr westlich und modern ist…bis wir die Skyline der Stadt sahen, die nicht umsonst Miami des Südens genannt wird. Dadurch, dass der Panamakanal bis 1999 in den Händen der USA war hat sich natürlich die nordamerikanische Kultur hier dementsprechend breit gemacht und durch das Geld das der Kanal abwirft kann sie auch so richtig verwirklicht werden – dicke neue Autos, moderne Gebäude, Wolkenkratzer und Supermärkte in denen man wirklich ALLES kriegt. Neben den typisch amerikanischen Sachen wie Marshmallowcreme, Peanutbutter, Root Beer und Cream Soda fanden wir sogar Darbo Marmelade! Leider war die Tyrolean Blueberry nicht ganz so unsere Preisklasse…
Nachdem wir alle unsere Junkfood-Gelüste befriedigt hatten erkundeten wir die Stadt.
Die Altstadt von Panama City war bis vor kurzen noch ein Slum in dem man sich als Tourist besser nicht hineinverirrt hätte. In den letzten Jahren wurde aber vermehrt begonnen das Erbe der Stadt zu bewahren und wieder zu renovieren und so kann man dank verstärkter Polizeipräsenz die ersten hochglanzrenovierten Kolonialbauten bewundern. Trotz der vielen Ruinen, die immer noch in der Altstadt stehen kann man schon erahnen wie wunderbar kitschig das Stadtbild mal werden wird. Im Moment ist es ein Stadtteil, der irgendwie nicht zusammenstimmt, weil zu neu und zu alt einfach zu nah beieinander steht.
Mit den beiden Israelis Or und Lilach besuchten wir auch die grüne Lunge der Stadt. Mitten in Panama City befindet sich der 265 ha große Parque Natural Metropolitano – ein Stück Urwald mitten im Großstadtdschungel. Am Parkeingang erfuhren wir von den Rangern, dass man mit viel Glück auch Tiere sehen kann. Mit unserem Glück (und inzwischen gut geschulten Augen) sahen wir nicht nur einen Ameisenbären und ein Faultier, sondern auch noch eine ganze Gruppe Tití-Affen. Das Faultier war beim Fotoshooting nicht ganz so kreativ in seinen Posen, die Affen flirteten da schon viel begabter mit der Kamera…

Darien - über die letzte wahre Grenze Amerikas...

Nach fast 1 ½ Jahren in Südamerika sollte es endlich nach Mittelamerika weitergehen. Das einzige Problem hierbei ist, dass es zwischen Kolumbien und Panama keine Straße und somit auch keinen regulären Grenzübergang gibt. Hier endet irgendwo im kolumbianischen Dschungel die Ruta Panamericana und fängt erst 150km weiter in der kleinen panamesischen Ortschaft Yaviza wieder an. Dazwischen befindet sich das berüchtigte Darien Gap – ein praktisch undurchdringliches Dschungelgebiet wo sich Sümpfe mit steilen Berghängen abwechseln. Neben diversen großen Raubtieren bewohnen auch allerlei giftige Tierchen dieses Gebiet und als wäre das noch nicht genug tummeln sich auch noch so einige Guerillas, Schmuggler und andere Banditen unter dem dichten Blätterdach des Darien.
Die einzige offizielle Variante von Kolumbien nach Panama zu kommen wäre ein Flug, was aber weder zu unserem Reisestil noch Budget passt. Also nichts wie rein ins Vergnügen! Nach langer Internetrecherche fanden wir eine relativ sichere und vor allem günstige Variante diese Grenze zu überqueren.
Mit dem Bus ging es bis Turbo, Kolumbiens letzter großer Karibikhafen vor der Grenze. Verständlich, dass hier nicht nur Bananen verschifft werden…14% der 200.000-Einwohner-Stadt leben direkt oder indirekt vom Schmuggel oder anderen kriminellen Machenschaften. Ist ganz lustig, wenn man in Turbo auf der Plaza sitzt, sich 20 Leute aussucht und dann überlegt, welche 3 wohl die Kriminellen sind…
Von Turbo nahmen wir ein Schnellboot, das uns nach einem 2 ½stündigen rauen Wellenritt in der kleinen Ortschaft Capurgana absetzte.
Dieses kleine Nest an der Küste mitten im Darien ist das neue In-Ziel für kolumbianische Touristen. Es ist auch wirklich gemütlich mit seinen kleinen Gassen und Shops und ziemlich sicher aufgrund der Grenzpolizei, die hier ihren Stützpunkt hat. Wir beschlossen ein paar Tage zu bleiben und die Gegend rundherum etwas zu erkunden. Wenn man schon mal so viel Wildnis vor der Haustür hat…
An einem Tag wanderten wir nach Sapzurro, einer kleinen Ortschaft, die eine Bucht weiter liegt. Um dort hinzugelangen muss man 1 ½ Stunden auf einem kleinen Pfad durch den Dschungel gehen. Der Weg hin war überhaupt kein Problem. Wir gingen sogar noch weiter in die nächste Ortschaft La Miel, die schon zu Panama gehört. Auf der „Grenze“ befindet sich eine Sandsackstellung in der 2 Hängematten hängen. Eine olivgrüne und eine in fleckerltarn – passend zur jeweiligen Uniform. Hier schreiben sowohl der panamesische als auch der kolumbianische Soldat deinen Namen in ein Schulheft und du kannst die Grenze überqueren – Nur als Ausflug versteht sich, da man von La Miel sowieso nicht wegkommt.
Der Rückweg von Sapzurro nach Capurgana gestaltete sich als etwas problematischer als der Hinweg. Nach ca. 20 Minuten versperrte uns nämlich eine giftgrüne ca. 1 ½ Meter lange Schlange den Weg…und sie machte auch nach 10 Minuten des Wartens keine Anstalten diesen zu verlassen. Da ein Umgehen an dieser Stelle nicht möglich war versuchte Kevin sie zu verscheuchen indem er Holzstückchen in ihre Richtung warf. Anstatt sich aber ins Unterholz zu verziehen wurde sie aggressiv und attackierte die Holzstücke. Nach weiteren 10 Minuten unternahm Kevin einen zweiten Versuch an ihr vorbeizukommen. Mit einem 3 Meter langen Stock bewaffnet wollte er sich auf der anderen Seite des Weges an ihr vorbeischmuggeln. Das aggressive Mistvieh schoss aber direkt auf den Stock zu um ihn anzugreifen und zwang Kevin so in die Flucht. Sie war sich ihrer Gefährlichkeit so sicher, dass sie begann mit uns zu spielen. Sobald wir uns auf 10 Meter an sie heranwagten schlängelte sie sich wieder ganz gemächlich in unsere Richtung bis wir wieder genug Sicherheitsabstand zu ihr einhielten. Dieses Spiel wiederholten wir ein paar Mal, sahen aber dann bald ein, dass wir gegen sie keine Chance hatten und nicht an ihr vorbeikommen würden. Das hieß also zurück nach Sapzurro und hoffen, dass uns irgendwer zu einem halbwegs vernünftigen Preis zurück nach Capurgana bringen würde. Als wir zum Hafen kamen, legte gerade ein Fischer ab, der neben seinem Fang (2 Haie) noch Platz für uns hatte.
Nach ein paar Tagen an den Dschungelstränden des Darien ging es mit einem Fischerboot weiter nach Puerto Obaldia, wo wir den panamesischen Einreisestempel bekamen. Nach allen Formalitäten ging es weiter zum Flughafen, einer 500m langen unebenen Betonpiste gleich hinter dem Fußballplatz, die sich im Dschungel verläuft.
Von hier flogen wir mit der kleinen 17-sitzigen Aeroperlas-Maschine nach Panama City. Dort angekommen nahm uns gleich mal der Zoll in Beschlag. Das einzige wo sie Stress hatten war beim Einkassieren der Pässe, danach wurde alles in Ruhe erledigt. Nach 3 ½ Stunden kannten sie unseren gesamten Rucksackinhalt, unsere finanziellen Mittel, unsere weitere Reiseplanung und wir kriegten netterweise auch noch unsere Pässe zurück. Gemeinsam mit einem israelischen Pärchen, das wir am Flug kennen gelernt hatten fuhren wir in die Stadt hinein, die wir in den nächsten Tagen erkundeten.

Isla Mucura... echtes Karibikflair...

Dem Tipp eines Amerikaners, den wir in Santa Marta kennen gelernt hatten, folgend, war unser nächster Stopp in Tolú. Von hier aus ging es hinaus aufs Archipelago San Bernardo. Unser genaues Ziel war die kleine Insel Mucura, ca. 2 Bootsstunden vom Festland entfernt. Diese winzige Karibikinsel ist glücklicherweise in keinem Reiseführer erwähnt und so vom großen Massentourismus bisher verschont geblieben. Den einzigen Tourismus, den Mucura abkriegt sind ein paar kolumbianische Tagestouristen aus Tolú, die aber nur 2 Stunden pro Tag den Hauptstrand der Insel in Beschlag nehmen. Ansonsten leben die Menschen hier noch sehr traditionell von und mit dem Meer. Jeden Morgen paddeln die Fischer mit ihren winzigen Kanus aufs Meer hinaus um Fische, Langusten und Riesenschnecken mit der Hand zu fangen.
Da es auf Mucura natürlich auch keine Hotels oder so gibt kam unser Zelt endlich wieder mal zum Einsatz. Eigentlich wollten wir ja am Strand campen, aber der „padron“ (Inselhäuptling) wollte das nicht mehr und so stellten wir unseren „Schneck“ halt mitten im Dorf auf. Wir hatten zwar weniger Ruhe, dafür bekamen wir das Dorfleben aus nächster Nähe mit.
Anfangs wurden wir von den vielen Kindern im Dorf nur von weitem sehr skeptisch beäugt und genau unter die Lupe genommen. Als sie sich dann am zweiten Tag einig waren, dass wir weder gefährlich noch langweilig sind kam die ganze Schar an und ging mit uns und unserer Ausrüstung auf Tuchfüllung. Zu Bestzeiten war Kevin mit mindestens 5 Kindern behängt!
In unserer „Freizeit“ erkundeten wir die Insel, was sich anstrengender anhört als es ist. In 5 Minuten hat man dieses kleine Eiland durchquert und in 20 Minuten schafft man es rundherum. Die Wasser hier sind ideal zum Baden und Schnorcheln, da die gesamte Inselgruppe von einem Korallenriff umgeben ist, das die Brandung abhält. Dadurch gibt es keine Wellen, das Wasser ist glasklar und man kann sich die Korallen und Fische in aller Ruhe aus der Nähe ansehen.
Nach 5 Tagen im Paradies ging es aber wieder weiter – endlich Richtung Mittelamerika! Das einzige, was noch zwischen uns und Panama lag war das Darien Gap – die letzte wahre Grenze Amerikas…

Dienstag, April 29, 2008

Cartagena... frueher der Traum aller Piraten... heute der vieler Touristen...

Cartagena ist seit der Kolonialzeit die wichtigste Hafenstadt Kolumbiens. Hier lagerten die Spanier die von den Indios gestohlenen Reichtümer, bevor sie nach Europa verschifft wurden. Aus diesem Grund war die Stadt immer wieder Ziel von Piratenangriffen, die die Stadt plünderten und brandschatzten. Nach dem verheerenden Angriff von Francis Drake im Jahre 1586 war es den Spaniern dann endgültig zu viel und sie beschlossen Cartagena mit Mauern zu schützen und es so uneinnehmbar zu machen. Die Bauarbeiten der Festungsanlagen dauerten über 200 Jahre (zum Teil, weil Piraten bei Angriffen die Mauern immer wieder zerstörten) und sind auch heute noch echt beeindruckend.

Die gesamte Altstadt ist von einer riesigen Mauer mit unzähligen Kanonen umgeben. Rund um die Stadt findet man immer noch die enormen Festungen, die Angriffe von allen Seiten abwehren sollten. Die Altstadt hat sich über die Jahrhunderte kaum verändert – enge Gassen mit bunten Kolonialbauten und blumenbeladenen Balkonen. Bunt gekleidete Frauen tragen Körbe mit Obst auf ihren Köpfen um dir frisch einen Obstsalat zuzubereiten und an jeder Ecke findet einen der vielen tinteros (Kaffeeverkäufer)

Da Cartagena das Haupttouristenziel in Kolumbien ist (für viele Touristen der einzige Ort, den sie in Kolumbien besuchen) ist es leider übertouristisch und überteuert. Aber ein Spaziergang durch die wunderschöne Altstadt kostet ja nichts und wir sind inzwischen schon so lange unterwegs, dass wir auch in Cartagena was finden, das in unserer Budget passt…

Von Cartagena aus besuchten wir in einem Tagesausflug den Volcán de Lodo. Die beste Art diesen relativ aktiven Vulkan zu besuchen ist es einfach ein wenig Anlauf zu nehmen, in den Krater zu springen und das warme Bad zu genießen…Der Vulkan ist natürlich nicht mit Lava gefüllt, sondern spuckt lauwarmen Schlamm. Das Blubbern wird durch die Gärgase von Biomasse im Erdinneren erzeugt. Sieht ekelhaft aus, ist aber echt lustig. Man dümpelt im lauwarmen cremigen Schlamm und kann nicht untergehen. Der Korkstoppeleffekt ist einfach zu groß. Hat man genug vom Schlammbaden geht man einfach zur nahe gelegenen Lagune und lässt sich von den dort wartenden Ladies für ein Trinkgeld abschrubbeln und entmatschen… Angeblich soll dieser Schlamm sehr gesund sein und gegen Hautkrankheiten helfen – Marita hat jetzt einen juckenden Ausschlag am Rücken - war wohl eher etwas kontraproduktiv…Trotzdem ist das Bad in diesem einzigartigen Vulkan echt ein Erlebnis!


Etwas spaet aber doch - Die Geschichte einer Schwangerschaft...

Wie ihr ja alle wisst, hatte Kevin vor einigen Monaten einen kleinen Mitbewohner im Bauch. Er hatte sich in Uruguay eine Dasselfliegenlarve (dermatobia hominis) eingefangen. Wie sich ein paar Wochen nach der erfolgreichen Abtreibung von Kevins Tierchen heraus stellte war Marita auch in froher Erwartung. Und sie war schon in der vierten (von neun) Schwangerschaftswochen. Da eine gewaltvolle Abtreibung, so wie sie bei Kevins Baby angewandt wurde, nicht die sanfteste Methode ist, beschlossen wir bei Marita ein paar Hausmittel zu probieren. Im Internet fanden wir einige Möglichkeiten, welche wir allesamt ausprobierten. Weder das Vaseline noch das 400g-Steak konnten „Fritzi“ davon überzeugen vor Geburtstermin sein Nest zu verlassen. Er hielt lieber für 5! Stunden die Luft an, anstatt ins leckere Fleisch zu kriechen…

Nachdem alle Versuche eines Aborts fehlschlugen und Marita sich die Antibiotikatherapie, die Kevin machen musste, ersparen wollte, beschlossen wir: „Fritzi wird ausgetragen!“

Theoretisch sollte er nach ca. 9-wöchiger Schwangerschaft zur Welt kommen, sich verpuppen und zur Dasselfliege werden. Es gefiel Fritzi in Maritas Hintern aber so gut, dass er wohl etwas länger bleiben wollte. Das wäre ja grundsätzlich kein so großes Problem gewesen, hätte er nicht angefangen seine Wohnung auszubauen. Irgendwann hatte Marita genug von den Schmerzen und wir beschlossen uns doch für eine Abtreibung. Der Hautarzt in Quito entschied sich Gott sei Dank nicht für die Methode des Kaiserschnitts, sondern für die Zangengeburt und drückte Fritzi einfach wie einen Riesenpickel heraus.

Und so ward eine Made geboren und durfte auch gleich zum Babyschwimmen – IN FORMALIN!!!! Du beißt keinen mehr in den Arsch, Fritzi!!!!!!!!!!!

Der Tayrona Nationalpark - Eineinhalb Wochen im Paradies...

Wir hatten ja schon von anderen Reisenden gehört, dass die Polizeikontrolle am Parkeingang sehr genau sein sollte, aber als wir 3 da auftrixten wurde sie gleich noch genauer. Irgendwie ja verständlich, wenn man bedenkt, dass sie hauptsächlich nach Drogen (Marihuana) suchen (um Bestechungsgelder zu kassieren – dein Gras kriegst du eh wieder zurück)…und dann kommen da einer mit Iro und Zopf, eine mit Batik-Peace-Shirt und der Dritte mit Dreads und Filzhut…

Nach einer ¾ Stunde erfolgloser Intensivsuche (sie hatten gerade einmal mit dem zweiten Rucksack angefangen) hatten wir schon das Verbot den Rum, das Fischerzeug und sogar die Armbänder mitzunehmen. Wir beschlossen daraufhin den Polizisten und uns einiges an Arbeit zu ersparen und nicht in den Nationalpark zu gehen. Die Polizisten waren auch noch so nett uns zu verraten, dass man außerhalb des Parks ohne weiteres am Stand campen kann. Also ersparten wir uns den Nationalparkseintritt und suchten uns unseren eigenen Strand.

Wir marschierten also in die Richtung, in die die Polizisten gemeint hatten und kamen nach kurzer Zeit zu einem Fluss. Da Flüsse bekanntlich alle zum Meer fließen gingen wir einfach den entlang, denn da wollten wir ja hin. Da sich der Weg am Ufer schon nach ein paar hundert Metern verlief, gingen wir halt IM Fluss. Für ein Weilchen ging das auch ganz gut, bis der Fluss (das Meer schon in Sichtweite) plötzlich breiter und tiefer wurde. So waren wir gezwungen über eine Bananen und Kokosplantage auszuweichen um dann doch irgendwie zum Strand zu kommen. Und dort fanden wir DAS Paradiesplatzl!

Kurz bevor der Fluss ins Meer mündet, läuft er für ca. 500m parallel zum Meer. Nur eine ca. 100 Meter breite Sanddüne trennt den glasklaren, lauwarmen Strom von der tosenden Brandung. Da der Fluss im Oberlauf sehr breit und seicht ist, heizt er sich im Laufe des Tages extrem auf und erreicht zu Sonnenuntergang dann Badewassertemperaturen. An unserem Campplatz war er nur ca. 5 m breit und dadurch knie- bis schultertief – ideal zum Baden also.

Hinter dem Fluss ist noch ein kleiner Sandstreifen und dann beginnt der Dschungel. Hier wechseln sich dann Kokospalmen mit Lianen und Mangroven ab.

Für alle denen das zu schnell ging - Hier noch mal eine Skizze von unserem kleinen Paradies:

Ein idealer Platz zum Ausspannen und das Beste war: Das Camp war bereits innerhalb des Nationalparks.

Hier machten wir es uns gemütlich. Mit Hängematten und Lagerfeuer, Kokosnüssen so viel man essen kann, viel Sonne, Süßwasser vor der Haustüre und viel Zeit um das ganze zu genießen. Wir gönnten uns natürlich auch so einige Specials: Schon mal bei Sonnenuntergang in einem lauwarmen Fluss in der Karibik gelegen und aus einer Kokosnuss mit Strohhalm einen Coco-Loco getrunken (Cocktail aus Kokoswasser, Sahne, Zucker und RUM)?

Jeden Tag in der Früh besuchte uns ein Kokosnusssammler, der auf ein kleines Kaffeeplauscherl vorbeischaute. Von ihm lernten wir wie man Kokosnüsse richtig aufmacht und welche brauchbar und welche unbrauchbar sind. In den folgenden Tagen ließen wir dann, was Kokosnüsse betrifft, unserer Kreativität freien Lauf: Kokosnuss zum Frühstück, Kokosnuss gebraten mit Linsen, Kokosnuss im Reis, karamellisierte Kokosnuss, Kokosnusscocktail, Trinkbecher aus Kokosnussschalen, Lagerfeuer aus trockenen Kokosnüssen, einen Hut aus Kokosmatten, einen Korb und ein Regendach aus Kokospalmwedeln,…

Wenn wir mal genug von Kokosnüssen hatten, dann rauchten wir uns am Abend halt eine Shisha an und futterten Popcorn.

Kevin und Claudius waren ständig irgendwo im Dschungel und den Mangroven unterwegs und jagten Fische, Krabben oder Kokosnüsse. Obwohl wir eigentlich nichts zu tun hatten waren wir doch den ganzen Tag beschäftigt…und wir hätten uns auch noch für eine weitere Woche was zu tun gefunden. Leider wurden aber die Futterreserven knapp und wir wollten den touristischen Teil des Nationalparks auch noch ansehen. Um den Parkrangern auch sicher nicht zu begegnen folgten wir natürlich nicht dem Weg, sondern schlugen uns mit den Macheten unseren eigenen durchs Unterholz. Wo es ging wanderten wir am Strand bzw. überkletterten die Klippen oder wateten hüfttief in der Brandung. Zugegeben, es war nicht der einfachste Weg, aber wir schafften es uns an den Parkrangern vorbeizuschummeln.

Wir campten noch 2 Tage auf einem Campingplatz in Arecifes (eine der Ortschaften im Park) und machten uns dann wieder auf den Rückweg nach Santa Marta. Beim Verlassen des Parks haben wir noch mal heftig gezittert, da jeder (zahlende) Besucher ein Plastikarmband bekommt, das er jederzeit vorweisen können muss. Sie kontrollierten uns aber zum Glück nicht und so war es endlich gewiss – Wir hatten uns pro Mann und Nase 25.000 Peso (ca. 9 Euro) gespart…für uns ein Haufen Kohle!

Santa Marta und Taganga...

Unser erster Stopp, zurück in Kolumbien war Santa Marta. Obwohl diese Stadt über 400.000 Einwohner hat, wirkt sie im Zentrum eher so als wären es eher 40.000. Direkt an die gemütliche Altstadt schließt der weiße Sandstrand und das karibische Meer an. Die Hostels sind meist nur einen Block von der Strandpromenade entfernt und so kann man, obwohl man mitten in der Großstadt ist, noch vor dem Frühstück gemütlich mal eine Runde planschen.

Nur 5km von der Stadt entfernt liegt das kleine Fischernest Taganga, das sich immer mehr zum Touristenziel entwickelt. Wir besuchten es nur als Tagesausflug. Hier gibt es wunderschöne Sand- und Schotterstrände und je weiter man die Küste entlang wandert, umso schöner und einsamer werden die Buchten.

In unserem Hostel in Santa Marta lernten wir den Deutschen Claudius kennen, der genauso wie wir in den Nationalpark Tayrona wollte. Wir schlossen uns also spontan zusammen um eine Woche lang den Park unsicher zu machen.

Zurueck in Kolumbien...

Nach dem Kulturschock in Venezuela waren wir froh wieder zurück in Kolumbien zu sein. Was wir bisher nämlich noch nicht wirklich erwähnt haben ist, wie nett und gemütlich die Kolumbianer sind. Sie sind fast so freundlich wie die Kanadier und fast so gemütlich wie die Österreicher – eine echt gute Mischung also. An einem typischen Samstag Nachmittag sitzt man gemeinsam auf der Terrasse vor dem Haus, schlürft Kaffee oder trinkt das eine oder andere Bier, tratscht mit den Nachbarn oder hilft verschwitzten Backpackern, die vorbeischnaufen, den richtigen Weg zu finden…

Kolumbianer sind generell sehr gesprächig und haben immer Zeit für einen kleinen Plausch – wir verquatschen uns regelmäßig mit den tinteros (Kaffeeverkäufern). Wenn man mal eine Info braucht oder den richtigen Weg sucht kann es schon mal passieren, dass 5 Nachbarn plötzlich zu diskutieren beginnen, welche Lösung für dich am gescheitesten wäre.

Wir fühlen uns wirklich wohl in diesem Land!


Tucacas und der Nationalpark Morrocoy...

Eigentlich wollten wir ja mit einem Frachtschiff aufs Archipièlago Los Roques, einer Inselgruppe vor der venezuelanischen Küste, aber der Hafenwächter wollte uns einfach nicht reinlassen um bei den Kapitänen zu fragen. Er schaltete einfach auf stur: keine Touris auf Frachtschiffen! Wir hätten vielleicht hartnäckiger sein können, aber da Kevin eh noch etwas angeschlagen war ließen wir das Streiten sein und zogen, genervt von Venezuela und seinen sturen Hafenaufpassern ab.

Wir fuhren nach Tucacas um uns dort im Nationalpark Morrocoy von einem Boot auf einer der vielen Inseln für eine Woche oder so aussetzen zu lassen. Klingt im Reiseführer echt nett – Karibik, Korallenriff, einsame Insel, Camping,…

Leider haben die Venezuelaner den Nationalpark in der Osterwoche so vermüllt, dass er bis auf weiteres für Camper geschlossen ist. So mussten wir es bei Daytrips belassen und waren im Nachhinein auch froh darüber – Wir können die Parkranger wirklich verstehen! Die Gegend an sich ist zwar wunderschön, aber die Venezuelaner sind was Müll angeht echte Schweine! Es scheint, als wären Nationalparks in Venezuela nicht dazu da, die Natur zu schützen und zu bewahren, sondern sie möglichst vielen Menschen möglichst einfach zugänglich zu machen. Der Müll, der zum Camping und Picknicken mitgenommen wird, wird einfach dort fallen gelassen, wo man gerade steht. Die leeren Bierflaschen an denen im lauwarmen Wasser genuckelt wird, bleiben anschließend einfach im knietiefen Wasser zurück. Man kann ohne Sandalen nicht ins Meer gehen, da man sich sonst an den Kronkorken und Glasscherben die Füße aufschneidet….Als wir das alles gesehen hatten war klar: Noch schnell Kevins Fieber ganz auskurieren und dann wieder schnell zurück ins sichere und günstigere Kolumbien!


Caracas... das Zentrum der bolivarischen Revolution...

Carácas, die Hauptstadt Venezuelas und das Zentrum der bolívarischen Revolution. Für alle denen südamerikanische Politik nicht so geläufig ist: Simón Bolívar war jener General, der fast ganz Südamerika von den Spaniern befreite. Hugo Chávez, Venezuelas Präsident, hat es sich nun zum Ziel gesetzt sein Land in einen perfekten sozialistischen Staat zu verwandeln und das ganze natürlich im Namen des großen Befreiers Bolívar…Mit einer Demokratie hat das ganze nicht mehr viel zu tun, aber Hugo verkauft sich so gut, dass das keinem auffällt. Es scheint, als würde er Schritt für Schritt eine ähnlich Diktatur wie sie sein Spetzi Fidel in Kuba aufgezogen hat anstreben. Er hat immer wieder so geniale Ideen wie die letzte Währungsreform, oder die neue halbstündige Zeitzone für Venezuela und kommt mit denen auch durch. Informiert wird das Volk darüber in seinen spontanen mehrstündigen Reden. Hugo hat nämlich einen Knopf mit dem er alle nationalen Radio- und Fernsehsender abwürgt und seine Reden übertragen lässt…und das mitten im Hauptabendprogramm oder wann immer er sonst grad Lust dazu hat… Dafür erzählt er dem Volk dann für 3-4 Stunden oder so alles was sich grad so in seinem Leben tut, was er nicht alles gemacht hat, was er so vorhat, wer morgen zu ihm auf Besuch kommt und wie genial die Zahlen und Statistiken unter seiner Regierung nicht sind. Aber genug mit Politik!

Kaum in Caracas angekommen, fing Kevin an zu husten und zu fiebern. Was für den Normal-Österreicher nach einfacher Grippe klingt, ist im Malaria- und Denguefieber-Gebiet schon etwas besorgniserregender. Nach näherer Fieberkurvenanalyse war aber dann klar, dass es sich Gott sei Dank doch nur um eine Bronchitis handelte. Die Klimaanlagen in venezuelanischen Bussen laufen prinzipiell auf Vollgas und man fragt sich wenn man mit langer Hose und Pullover drinnen sitzt: „Warum muss ich frieren, wenn die draußen kurzärmelig und in Shorts rumlaufen?“ Kein Wunder also, wenn man sich da eine Erkältung zuzieht.

So wurde also das Caracas-Sightseeing krankheitsbedingt auf ein Minimum beschränkt und wir fuhren sobald Kevin halbwegs reisefähig war weiter. Raus aus dieser heißen, dreckigen Millionenstadt, ans karibische Meer…


Mérida... und der venezuelanische Preisschock!

Unser erster Stopp in Venezuela war in Mérida. Nach einem ewigen Busmarathon kamen wir am Abend in der Stadt an und wollten nur noch ein Bett. Das zu finden stellte sich allerdings als schwierig heraus. Unterkünfte gibt es in Mérida zwar in rauen Mengen, aber zu Preisen, die so weit außerhalb unseres Budgets liegen, dass sie nicht einmal für nur eine Nacht in frage kämen. Nach zwei Stunden des planlosen Herumirrens und Fragens in mindestens 20 Hotels war das beste Angebot für ein Doppelzimmer über 30 Dollar (In Bolivien können wir dafür ein halbes Monat übernachten). Unsere Rettung waren die Artesanos (reisende, knüpfende Hippies, die es in ganz Südamerika gibt und zu denen wir inzwischen auch oft gezählt werden) auf der Plaza – die wissen immer wo es was einigermaßen günstiges gibt…Und so kamen wir dann doch für 25 Dollar unter – Immer noch viel zu teuer, aber wie wir bald herausfinden mussten leider venezuelanischer Standard. Unser Reiseführer aus dem Jahr 2007 ist eigentlich relativ aktuell, nur in Venezuela stimmen die Preise überhaupt nicht. Meist sind sie Doppelt bis 2,5 mal so hoch wie erwartet. Jaja Hugo…mit dem Bolívar Fuerte gibt es keine Inflation mehr, gell? (Chávez hat bei seiner „Währungsrevorm“ Ende 2007 beim Bolívar einfach drei Nuller gestrichen und jetzt haben sie in Venezuela den Bolívar Fuerte – den „starken Bolívar“…)

Eigentlich wollten wir in Mérida mit der längsten Seilbahn der Erde fahren – Innerhalb von 12,5 km fährt sie von 1577m auf 4765m. Sicher ein eindrucksvoller Trip, aber keine 28 Dollar wert. Außerdem hätten wir sowieso 3 Tage warten müssen bis die nächste fährt und bei den Hotelpreisen kam das erst recht nicht in Frage…

Da Mérida sonst nichts in unserer Preislage zu bieten hat (die Eisdiele mit den 900 Sorten Eis muss natürlich auch zu haben!) gings direkt weiter nach Caracas.

Bogotá... die Hauptstadt Kolumbiens...

Nach der Hitze des kolumbianischen Tieflands ging es hinauf in die auf ca. 2600m gelegene Hauptstadt des Landes. Bogotá hat ein angenehm kühles Klima und hat trotz seiner Größe im Zentrum eine gemütliche Atmosphäre.

Eines der Highlights bei unserer Sightseeingtour war die Donacion Botero, eine Stiftung des gleichnamigen kolumbianischen Künstlers. Hier kann man neben seinen eigenen Werken auch die von international berühmten Künstlern wie Picasso, Chagall, Monet, Matisse, Miró, Renoir, Dali oder Klimt bewundern. So etwas müssen uns sogar wir Kunstmuffel ansehen – besonders weil die Ausstellung GRATIS ist… Es waren mit Abstand die meisten Gemälde, die wir in unserem Leben auf einen Haufen gesehen haben. Und obwohl uns Boteros Stil anfangs nicht sonderlich gefiel, wurden wir nach den 123 Botero-Bildern im Museum sogar noch zu richtigen Botero-Fans…

Ein weiteres Gratismuseum in Bogotá ist das Polizeimuseum. Grundsätzlich wäre es genauso uninteressant wie jedes andere Polizeimuseum, hätten sie nicht ein ganzes Stockwerk der Jagd nach Pablo Escobar gewidmet. Für alle, denen dieser Name nichts sagt: Pablo Escobar war der Chef des Medellín-Drogen-Kartells und einer der gefürchtetsten und meistgesuchten Verbrecher dieses Jahrhunderts. Jahrelang sah die kolumbianische Regierung seinem Treiben machtlos zu (sie boten ihm sogar einmal volle Begnadigung für all seine Verbrechen und Morde an, wenn er in Zukunft all seine kriminellen Geschäfte niederlegen würde) bis sie Unterstützung von den USA bekamen. Ein 1500 Mann starkes Sonderkommando mit dem modernsten Equipment schaffte es erst nach einer 499tägigen Jagd ihn zu stellen und zu erschießen. Im Museum kann man von seiner versilberten und vergoldeten Harley Davidson, über seine Waffensammlung bis hin zu der Jacke, die er am Todestag trug alles bewundern. Der Rest des Museums wäre eher langweilig, wäre nicht die rührende Privatführung mit Kaffeepause, Museumsdirektorplausch und und und gewesen.

Nach ein paar Tagen in der Großstadt zog es uns aber wieder weiter – Richtung Venezuela.


Zu Gast bei der Familie Betancourt in Palmira...

Als wir die Einladung annahmen dachten wir eigentlich wir würden nur einen Nachmittag oder so bei der Familie verbringen um dann nach Bogotá weiterzufahren. Es kam aber wieder mal anders. Fabio hatte die ganze Woche Urlaub und wie sich beim Abendessen herausstellte waren wir schon für die ganze Woche mit eingeplant. Er wollte fischen, wandern, campen, baden,…

Dass unser Aufenthalt in Palmira länger als nur einen Tag dauern sollte war schon allen klar…außer uns. Aber wenn man schon mal so nette Leute trifft, warum nicht etwas Zeit mit ihnen verbringen.

Fabio und Nubia bemühten sich den ganzen Tag lang uns Kolumbien und insbesondere Palmira zu zeigen. Wir wurden liebevoll umsorgt und bekocht und mussten nichts anders tun als mit den Kindern zu spielen, ein wenig von Österreich und der Reise zu erzählen und einfach das Leben zu genießen. Jeden Tag stand etwas anderes am Programm: Sightseeingtour in Palmira, Grillabend beim Sohnemann, Fischen im völlig überfüllten Zuchtteich, Badeausflüge zu kleinen Gebirgsflüssen…

Als es am Wochenende zum Campingausflug ging, waren wir in unserem Element – da wir in Wald und Wildnis den einen oder anderen Trick bzw. Blödsinn kennen mussten wir das natürlich an die nächste Generation weitergehen. Die Kiddies hatten den größten Spaß beim Feuermachen, schnitzen, Holz sägen, Witze erzählen, Spielen und Blödeln,…Wenn die Großeltern bzw. Eltern wüssten, was wir mit den Kleinen alles angestellt haben. Yonniver dürfte, wenn es nach seiner Mum ginge nicht mal aus einer Petflasche trinken. Das mussten wir natürlich ändern – der würde sich in ein paar Jahren beim ersten Bier vor seinen Freunden ganz schön blamieren…

Nach einer Woche All-inclusive-Urlaub in Palmira ging es weiter nach Bogotá. Dank Fabio kamen wir im Bus in der Schlafkabine des Fahrers unter – nicht ganz legal, weil sich das Geld der Busfahrer einstreift, aber für uns billiger. Die Busse werden zwar vom Busunternehmen kontrolliert (um Korruption der Busfahrer zu vermeiden), aber die Schlafkabine des Fahrers wird dabei meist ausgelassen. Es war zwar etwas eng, aber was macht man nicht alles um ein paar Pesos zu sparen…

San Cipriano - ein kleines Stueckchen Afrika mitten im kolumbianischen Dschungel...

Das kleine, von ehemaligen Sklaven gegründete Dschungeldorf San Cipriano hat bis heute keinen Straßenanschluss. Es führen lediglich Zugschienen am Dorf vorbei, auf denen aber nur gelegentlich ein Güterzug vorbeikommt. Deshalb haben die Einheimischen ihr eigenes Transportsystem entwickelt: Auf von Motorrädern angetriebenen Karren bringen sie Lebensmittel und Touristen in ihr Dorf.

Wenn man hier ankommt, fühlt man sich als wäre man auf einem anderen Kontinent gelandet. San Cipriano ist ein Stück Afrika mitten im kolumbianischen Dschungel.

In der Nähe des Dorfes fließt ein glasklarer, eiskalter Fluss durch den dichten Dschungel. Über kleine Wanderwege erreicht man wunderschöne Flussstrände und Wasserfälle. Hier kann man sich in der brütenden Mittagshitze in eines der vielen tiefen Becken stürzen und sich den Wasserfall auf den Kopf prasseln lassen. Wenn das zu langweilig wird, erkundet man einfach den umliegenden, dichten Dschungel auf eigene Faust… Man sollte nur sichergehen sich wieder vor 2 Uhr nachmittags auf den Heimweg zu machen, da man ansonst besser Kiemen haben sollte. Beim täglichen Regenschütter kann man sich schon mal wie ein Fisch vorkommen… San Cipriano gehört mit seinen 6.500 mm Niederschlag im Jahr zu den nassesten Orten in Kolumbien. Bei Temperaturen um die 30 Grad ist das aber nur halb so schlimm.

Hier lernten wir auch die Familie Betancourt kennen, die uns nach einem halbstündigen Pläuschchen spontan zu sich nachhause einlud. Wir glichen das noch schnell mit unserem Terminkalender ab und da wir gerade Zeit hatten sagten wir zu.

San Agustín...

In einigen kleinen Tälern in den kolumbianischen Andenausläufern lebte seit fast 3000 Jahren eine Kultur, die ihre Toten in sehr schönen Grabanlagen bestattete. Mit dem Eintreffen der Spanier in Kolumbien verschwand diese Kultur jedoch und ihre Kultstätten gerieten in Vergessenheit. Erst vor kurzem wurden die teilweise riesigen Steinskulpturen wieder vom Dschungel befreit.

Der Ort in dessen Nähe die meisten dieser Grabstätten gefunden wurden ist jedoch immer noch sehr schwer zugänglich. Nur eine kleine Schotterstraße führt nach San Agustín und man muss schon so einige Qualen auf sich nehmen um dort hin zu kommen, dafür hat man dort dann seine Ruhe vor den großen Touristenmassen.

Die Gegend dort ist einfach wunderschön – ein mildes, leicht tropisches Klima, eine Hügellandschaft, vergleichbar mit dem Mühlviertel, bedeckt von niedrigem dschungelartigem Bewuchs. Wenn man die Gegend erwandert geht man vorbei an Obst- und Zuckerrohrplantagen, Dschungel, kleinen Dörfern mit freundlichen Menschen und dem einen oder anderen Soldaten, der aber ebenfalls freundlich grüßend sein mit Tarnnetzen zugehängtes Camp bewacht. Es ist halt doch noch Guerillagebiet…

Die Statuen und Grabstätten zu beschreiben bringt nicht viel, da die Fotos hier einfach für sich sprechen…

Nach ein paar Tagen hatten wir alle wichtigen Sehenswürdigkeiten in der Gegend erwandert und es konnte weiter gehen in die nächste kolumbianische „Metropole“…


Die Kirche von Las Lajas...

Von Otavalo ging es gleich weiter ins kolumbianische Ipiales. Trotz der kürzlichen Streitigkeiten zwischen Ecuador und Kolumbien war der Grenzübertritt kein Problem. Das Erste was wir an der kolumbianischen Grenze zu sehen bekamen war ein Fahndungsplakat mit den meistgesuchten FARC-Guerillas. Von den vielen Fotos waren zwei frisch mit Lackstift durchgestrichen worden, darunter stand zu lesen „ELIMINADO“ (eliminiert).

Von Ipiales aus besuchten wir das Santuario de la Vigen de Las Lajas. Hier hatte irgenwann irgendwer eine Erscheinung und da Kolumbien ein sehr katholisches Land ist, musste das natürlich eine Maria sein. Und bei Marienerscheinungen ist es hier eben so üblich dann eine Kirche ihr zu Ehren an der Stelle der Erscheinung zu errichten. In diesem Fall war das etwas ungünstig, da die Maria ausgerechnet in einer Felswand in 50 Metern Höhe erscheinen musste. Trotzdem wurde eine Kirche gebaut! Es ist sogar ein ziemlich eindrucksvoller Bau geworden.

Wir erkundeten die Umgebung natürlich auch abseits der breiten Pilgerpfade und entdeckten ein Stückchen stromauf eine alte indigene Kultstätte. Schon interessant, dass dann praktisch genau auf der gleichen Stelle eine Maria erscheint…Oder war es vielleicht doch jemand anderes?

Otavalo und der grosse Samstagsmarkt...

Was in Quito an Andenflair fehlte, bekamen wir dafür in Otavalo. Diese kleine Andenstadt lebt heute fast ausschließlich vom samstäglichen Tourismus. Den Rest der Woche ist es angenehm ruhig hier. Viele Leute tragen noch die traditionelle Tracht. Die Männer haben espandrilloartige Sandalen, weiße ¾-Hosen, einen schwarzen Poncho und lange, zu einem Zopf gebundene Haare unter einem schwarzen Filzhut. Die Frauen tragen einen geraden, langen Rock, eine viel zu gerüschte Bluse, viele, viele Goldkettchen und ein gefaltetes, auf den Kopf gelegtes Tuch. Es ist echt schön zu sehen, dass hier die Tracht, nicht wie in manch anderen Tourismuszielen, nur für die Touristen angezogen wird, sondern immer noch Teil der Kultur ist. Auch die Jugend trägt oft noch die alte Tracht und auch die Schuluniformen in Otavalo sind an sie angelehnt.

Der Samstagsmarkt war, wie zu erwarten war großteils obertouristisch. Aber wenn man ein Stückchen weitergeht und in ein paar Seitenstraßen abbiegt findet man auch hier authentisches Markttreiben. Gelegentlich findet man auch noch ein paar regionale Spezialitäten: das gegrillte Cuy (Meerschweinchen) war wie immer lecker, nur die lebenden Schnecken in Zitronensaft sind etwas gewöhnungsbedürftig…


Mitad del Mundo - Die Mitte der Welt!

Nur eine knappe Autostunde von Quito entfernt liegt die weltberühmte Anlage „Mitad del Mundo“. Für manche ist es das Highlight eines Ecuador-Urlaubs, für andere, die etwas genauer hinschauen und nachforschen, einfach nur die am besten verkaufte Lüge in ganz Südamerika.

In diesem „Freizeitpark“ steht das riesige Monument, das vor knapp hundert Jahren hier auf der Äquatorlinie errichtet wurde. Man kann hier gleichzeitig auf beiden Hemisphären stehen – mit einem Fuß auf der Nord- und mit dem andern auf der Südhalbkugel.

Für dieses tolle Foto zahlt man 2 Dollar Parkeintritt, kann sich aber großzügigerweise noch einige „schwindlige“, teils völlig themenfremde Mini-Ausstellungen und hunderte Souvenirshops ansehen. Für das Monument, das Museum und das Planetarium muss man natürlich noch extra zahlen…

Und der große Betrug kommt erst: Laut neuesten GPS-Messungen steht das Monument mehr als 200 Meter neben der tatsächlichen Äquatorlinie. Davon hört man natürlich im Park kein Wort…

Interessant ist, dass wenige Kilometer neben dem tollen Monument die Ruinen einer alten Kultur zu finden sind, welche vor tausenden Jahren exakt auf der Äquatorlinie errichtet worden waren um astronomische Forschungen vorzunehmen. Das Besondere an diesem Platz ist, dass man aufgrund der hohen Berge und des niedrigen Bewuchses den Horizont rundherum sieht. Überall sonst auf der Welt läuft die Äquatorlinie entweder im Meer oder im Dschungel, was es den Menschen aufgrund der fehlenden Fixpunkte am Horizont unmöglich machte exakte astronomische Forschungen anzustellen.

Auch wenn in jedem Reiseführer steht, dass man beim Herzeigen der Fotos zuhause ja nicht dazusagen muss, dass man gar nicht wirklich auf beiden Hemisphären gleichzeitig gestanden ist…Die Wahrheit ist uns wichtiger als ein Touri-Foto!


Nach 4 Tagen in und um Quito hatten wir alles Notwendige erledigt und konnten weiter Richtung Norden, in das kleine Nest Otavalo, wo jeden Samstag der größte Markt Ecuadors stattfindet.


Quito... authentische Andenstadt?¿?

Als wir in Quito ankamen erwarteten wir uns, wie im Reiseführer beschrieben, Menschen in traditionellen Trachten, Marktleben auf der Straße und was eben sonst noch zu einer typischen Andenstadt gehört….und wurden schwerst enttäuscht. Zugegeben, die Altstadt ist echt schön mit ihren alten Gassen und hübsch restaurierten Gebäuden, aber dennoch fehlt das andine Flair komplett und auch sonst strahlt die Stadt nichts faszinierendes oder gemütliches aus. Quito ist einfach eine Großstadt ohne viele Besonderheiten.

Wir logierten natürlich im „besten“ Viertel der Stadt, wo sich die Straßen ab sieben Uhr abends mit zwielichtigen Personen füllten. Wir versuchten dieser eigenartigen Partygesellschaft eher aus dem Weg zu gehen, da es gelegentlich auch vorkommen konnte, dass die Polizei als Überraschungsgast mit Pfefferspray vorbeischaute. – Ein kurzer Sprüher in die Runde und der Tumult löst sich hustend auf…

Es hätte auch noch ein „besseres“ Viertel für Backpacker gegeben, aber nach einem kurzen Besuch in „Gringolandia“ waren wir auf einmal mit unserer dreckigen, unsicheren Unterkunft ganz zufrieden. In diesem Viertel der Stadt gibt es mehr Touristen als Einheimische und die Preise sind, im Vergleich mit dem Rest Ecuadors, einfach unverschämt hoch…Dafür kannst du dort im English Bookstore schmökern, im Irish Pub deinen Cider trinken und anschließend Falafel und Shawarma essen…


Baños...

Baños ist DIE Outdoor-Metropole Ecuadors. Die Stadt liegt eingebettet zwischen dicht bewachsenen Bergen am Fuße des Vulkans Tungurahua, welcher immer noch beängstigend aktiv ist. Im August 2006 war die letzte große Eruption wo ganz Baños evakuiert werden musste, aber auch jetzt grummelt und spuckt der Berg immer wieder - nur eine Woche vor unserer Ankunft in Baños sogar so stark, dass es noch im 100km entfernten Ambato zu spüren war…

Wir fanden eine gemütliche, günstige Unterkunft (sogar mit Kabelfernsehen) und konnten so, trotz eher miesem Wetter in aller Ruhe die Gegend erkunden.

Wegen der tief hängenden Wolken war der Vulkan, der über der Stadt thront leider nie zu sehen. Da konnten wir noch so hoch die umliegenden Hügel hinaufklettern, mehr als die vom Krater aufsteigenden Rauchsäulen waren nie zu sehen...

An einem Tag liehen wir uns Mountainbikes aus und machten die Ruta de las Cascadas - die Wasserfallstraße - unsicher. Auf einer Strecke von 60km großteils bergab kommt man durch wunderschöne Landschaft und alle paar Kilometer stürzt von irgendeiner Felswand ein Wasserfall ins Tal…

Durch Zufall kamen wir auch noch zum wahrscheinlich schönsten Flecken in ganz Ecuador – der Gnomenschlucht. Hier donnert ein glasklarer Fluss 10 Meter in die Tiefe, in eine Grotte, die von Lianen und Moosen bewachsen ist. Kolibris flattern herum und überall duftet es nach exotischen Pflanzen. Rund um diesen schönen Flecken Erde hat sich nämlich ein Kanadier seinen eigenen kleinen botanischen Garten angelegt mit Pflanzen aus ganz Ecuador – vom Bergland bis zum tiefsten Dschungel….

Baños hätte neben Natur auch noch Thermalbäder zu bieten, welche wir aber ausließen. Am Wochenende schlichten sich hier nämlich hunderte Ecuadorianer dicht an dicht in die kleinen Betonbecken. Für uns war hier einfach der Kuschelfaktor zu groß…

Unser nächster Stopp war Quito, die von unserem Reiseführer so hoch gelobte „authentische“ Andenstadt…

Samstag, April 05, 2008

Verzoegerung der Textveroeffentlichung...

Da Caracas zu teuer und ungemuetlich ist und wir noch dazu gesundheitlich im Moment etwas angeschlagen sind (Kevin hatte bis gestern noch Fieber), haben wir es diesmal einfach nicht geschafft einen vernuenftigen Text zu schreiben. Wir haben es wirklich probiert, aber wir wollen euch ja gute Texte liefern, die uns und spaeter euch Spass machen.
Da wir morgen Richtung Archipelago Los Roques aufbrechen und voraussichtlich erst wieder in etwa 3 Wochen zu einem vernuenftigen Internetanschluss kommen werden, haben wir zumindest mal einen Teil der Aktualisierung gemacht...
Im Moment stehen die aktuellen Fotos und die Reiseroute online. Der Text folgt...
Sorry...

Dienstag, Februar 26, 2008

Huaca de la Luna und Huaca del Sol...

Diese beiden Lehmziegelpyramiden sind noch um ca. 700 Jahre älter als Chan Chan und stammen von der Kultur der Moche. Bis jetzt ist nur der Huaca de la Luna (Huaca = Tempel) teilweise freigelegt und restauriert. Interessant bei diesem Tempel ist, dass es eigentlich 5 übereinander gebaute Tempelanlagen sind. Die Moche haben mit jeder Dynastie den alten Tempel völlig mit Lehmziegeln ausgelegt und einen neuen darüber errichtet. Vom 5. und vermutlich letzten Tempel ist aufgrund der Erosion praktisch nichts mehr erhalten, von den anderen sieht man noch erstaunlich viel, da sie ja nur eine Dynastie lang verwendet wurden und seit dem mit Ziegeln komplett zugeschlichtet waren. Die Wände der Tempel sind reichhaltig verziert und mit feinen bunten Mustern und Symbolen bemalt. Die Pyramidenform entstand dadurch, dass jeder neue Tempel etwas kleiner gebaut wurde als sein Vorgänger. Archeologen können heute nur Teile der unteren Tempel freilegen, da sonst ja die gesamte darüber gebaute Konstruktion zusammenstürzen würde. Die Tempel waren ja nie darauf ausgelegt ein Stockwerk tragen zu müssen.

Gleich neben dem Huaca de la Luna steht der noch größere Huaca del Sol. Diese Riesenpyramide ist der größte Lehmziegelbau der Erde – 140 Millionen Lehmziegel wurden hier übereinander geschlichtet. Heute erinnert dieser im Flachland stehende „Berg“ eher an einen großen Sandkuchen als einen Tempel. Was sich in seinem Inneren befindet weiß man bis heute nicht, da noch keine größeren Ausgrabungen vorgenommen worden sind. Die Archäologen sind noch mit dem Huaca de la Luna beschäftigt…Aus diesem Grund kann man auf den Huaca del Sol auch noch raufklettern und darauf herumspazieren. Erst wenn man den Gipfel erklommen hat wird einem die wahre Größe dieses Bauwerks bewusst. Es ist unvorstellbar wie man so viele Lehmziegel übereinanderschlichten kann. Wenn man es nicht besser wüsste, könnte man glauben, es ist einfach ein Berg…

Leider haben wir von diesen Tempeln nur sehr wenige Fotos, weil unsere Speicherkarte nach dem Besuch der Huaca de la Luna den Geist aufgegeben hat und sich einfach nicht mehr auslesen lässt. Schade! Es wären viele wunderschöne Fotos dabei gewesen…


Nachdem wir mit diesen Tempeln, die (vorerst) letzten für uns interessanten Dinge in Peru gesehen haben, haben wir das Land fluchtartig verlassen. In einer Marathonbusfahrt gings nach Ecuador - insgesamt über 30 Stunden in Bussen, 4 mal Umsteigen inklusive Citytrekking zum nächsten Busunternehmen, regenbedingten Verspätungen (La Niña lässt wieder mal grüßen),…

Jetzt sind wir in Riobamba, oder wie manche es nennen Friobamba (frio = kalt). Da es mit unserer geplanten Fahrt am Dach eines Zuges über die spektakuläre Nariz del Diablo (Teufelsnase) aufgrund von Streckenschäden nichts wird, fahren wir morgen weiter ins tiefer gelegene (und hoffentlich wärmere) Baños. Dort warten auf uns Thermalbäder, Downhill-Mountainbiking in den Dschungel und geniale Landschaft…

Chan Chan...

Einst die größte Lehmziegelstadt der Welt mit über 100 000 Einwohnern, erinnert Chan Chan heute eher an eine überdimensionale Sandkiste. Trotz der starken Erosion sind aber bis heute noch viele Strukturen dieser 700Jahre alten Großstadt erhalten geblieben. Nur ein Bruchteil der Anlage ist bisher restauriert worden. Der Rest ist frei zugänglich und bröckelt langsam vor sich hin. Man hat das Gefühl, die Archäologen kommen mit dem Restaurieren nicht so schnell nach, wie die Lehmmauern wieder zerfallen.

Was aber erhalten und restauriert worden ist, ist echt beeindruckend. Wir besichtigten den Tempelkomplex von Tschudi.

Da Lehmziegel ein leicht zu bearbeitendes Baumaterial sind, sind auch die Reliefs und sonstigen Verzierungen der Tempelanlagen von besonderer Feinheit. Von allen Mauern lachen einem Fische, Vögel und Fabelwesen entgegen. Wahrlich beeindruckend ist aber die Mauer, die die gesamte Anlage umgibt. Eine mehrere Meter dicke, bis zu 10 Meter hohe Wand, die rein aus Lehmziegeln gebaut ist und eine Tempelanlage von mehreren Hektar umschließt.

Chan Chan liegt zwischen Trujillo und Huanchaco in der Wüste. Die Tempelanlage von Huaca Esmeralda hatte dieses Glück nicht. Die Stadt ist inzwischen schon rund um sie herum gewachsen. Nur eine Mauer trennt den Tempel von den umliegenden Wohnhäusern. Irgendwie lustig mitten in einem Wohngebiet auf einer uralten Lehmziegelpyramide herumzuklettern. So was ist auch nur in Peru möglich – in Machu Picchu darf man nicht mal auf massiven Granit steigen und hier zerbröselt ein antiker Lehmtempel unter den Sportschuhen und Stilettos der Touristenmassen.


Trujillo und Huanchaco...

Der Grund warum wir diese Großstadt in unsere Reiseroute mit aufgenommen haben, ist ihre Nähe zu unzähligen Ruinen. Die Stadt an sich hat aber auch ihre schönen Seiten. Im historischen Zentrum steht ein wunderschön renoviertes Kolonialgebäude neben dem anderen und auf der gepflegten Plaza tummeln sich Künstler, Prediger und allerlei interessante Leute.

Da wir aber dem Großstadtrummel aus dem Weg gehen wollten, fuhren wir ins nur wenige Kilometer entfernte Huanchaco. Dieses kleine Fischerdorf ist heute einer der beliebtesten Bade- und Surforte des Landes. Während die Touristen mit ihren Surfboards aufs Meer rauspaddeln, benutzen die heimischen Fischer die traditionellen „caballitos de totora“. Diese, nach jahrhundertealter Tradition gebauten kajakartigen Boote werden aus Totora-Schilf gebunden. Als Paddel werden am Ende aufgeschnittene Bambusrohre verwendet. Bis heute bringen die Fischer ihren Fang so ans Ufer – Ein Schauspiel, wenn sie alle nach getaner Arbeit zum Strand zurückpaddeln!

Von Huanchaco aus erkundeten wir in den nächsten Tagen, die umliegenden Ruinen.


Huaraz und die Ruinen von Chavín de Huantar...

Perus Outdoorparadies wird nicht ohne Grund so genannt. Die Lage zwischen der Cordillera Blanca und der Cordillera Negra macht Huaraz zum idealen Startpunkt für Bergsteiger, Trekker, Rafter und sonstige Outdoorfreaks. Da aber gerade Regenzeit ist und wir ohnehin keine warme Trekkingausrüstung mehr haben fielen derartige Aktivitäten für uns leider aus.

Stattdessen mussten wir uns mit den ca. 3200 Jahre alten Ruinen von Chavín de Huantar zufrieden geben.

Diese Tempelanlage wurde in der Zeit zwischen 1200 v.Chr. und 800 v. Chr. von einer der ältesten Hochkulturen des südamerikanischen Kontinents erbaut. Berühmt ist die Anlage für seine unterirdischen Tunnel, Kammern und Steinfiguren. Die architektonische Leistung dieser Kultur ist wirklich erstaunlich. Der Tempel ist komplett symmetrisch und antiseismisch aufgebaut und viele Elemente orientieren sich am astronomischen Kalender. So konnten die Menschen von Chavín genau sagen, wann Sonnenwende ist und wann sie ernten oder aussähen müssen.

Das Tal, in dem die Tempelanlage von Chavín de Huantar steht, war aber schon lange Zeit vorher besiedelt. Man fand Spuren von menschlichen Siedlungen die auf das Jahr 12 200 v.Chr. datiert wurden. Und diese Kulturen wussten schon damals was lecker ist: Seit 7000 v.Chr. wurden hier Cuy (Meerschweinchen) gezüchtet und gegessen.

Nachdem das Wetter aber der Jahreszeit entsprechend kühl und feucht war zogen wir schon nach wenigen Tagen weiter Richtung Trujillo – der Sonne entgegen.

Da die peruanischen campesinos (Bauern bzw. Landbevölkerung) wieder mal streikten und Straßen blockierten dauerte die Busfahrt aber etwas länger als normal. Statt 9 Stunden saßen wir 30! Stunden in einem klapprigen Bus ohne jeglichen Service…21 Stunden Verspätung! – Ein neuer Rekord!

Streiken ist ja, wie wir schon von Arequipa wissen, eine der Lieblingsbeschäftigungen der Peruaner. Die im ganzen Land errichteten Straßensperren werden dann meist mit Polizeigewalt geräumt, was nicht immer friedlich abläuft. Allein an unserem Reisetag gab es 4 Tote…


Die Oase Huacachina...

Auf unserem Weg nach Norden stolperten wir Dank des Tips einer spanischen Backpackerin über die Oase Huacachina in der Nähe von Ica. Bei dieser, von riesigen Sanddünen umgebenen Lagune fanden wir ein günstiges Hostal mit Pool und beschlossen einfach mal 2 Tage Urlaub vom Reisen zu machen. Aber da man nicht nur faul im Pool hängen kann erkundeten wir natürlich die Gegend und aus unserem „Urlaub“ wurde wieder nichts. Dafür war die Aussicht vom Gipfel der Riesendünen echt atemberaubend!

Nachdem wir unsere wasserdichte Kamera im Pool ertränkt hatten (schon die 2. „wasserdichte“ Kamera, die unter Wasser den Geist aufgegeben hat) ging es von der Wüste wieder in die Berge…


Nasca...

Bis Mitte des vorigen Jahrhunderts war Nasca ein kleines Nest wie viele andere in der peruanischen Küstenregion. Dank der kommerziellen Luftfahrt wurde in den 30er Jahren aber zufällig eine der mystischsten Stätten Perus entdeckt. Piloten berichteten von Linien und Figuren, die sie im Wüstensand erkennen konnten. Der Wissenschaftler Paul Kosok war der Erste, der die Gegend genauer erkundete und so das Ausmaß dieser Wunderwerke im Sand erkannte. Heute ist Nasca nach Machu Picchu eines der Haupttouristenziele in Peru.

Die Nascalinien erstrecken sich über eine Fläche von 500km2 im Wüstensand und sind teilweise mehrere Kilometer lang. Es sind riesige Linien und Figuren, die in der Zeit zwischen 900 v.Chr. und 600 n.Chr. durch das Abtragen der oberen dunkleren Gesteinsschicht geschaffen wurden. Erkennen kann man sie nur aus der Luft, weshalb niemand genau weiß warum und wie diese gigantischen Zeichnungen kreiert worden sind. Die Spekulationen über die Funktion der Linien reichen von „walking lines“ eines Wasserkults über Bilder für die Götter bis hin zu astronomischen Kalenderlinien. Manche meinen sogar es seien Landebahnen von Außerirdischen…wenn man sich die Bilder so ansieht könnte an jeder dieser Theorien was Wahres dran sein. Bis heute zerbrechen sich jährlich hunderttausende Touristen den Kopf darüber.

Aufgrund unseres knappen Budgets wollten wir uns ursprünglich den Überflug sparen und stattdessen nur den Aussichtsturm besuchen, von dem aus man zwei der Figuren erkennen kann. Nachdem sich der hoch gelobte „mirador“ aber als wackeliges Miniblechtürmchen entpuppt hatte, von dem aus man die Figuren nur mit sehr viel Fantasie erahnen konnte, beschlossen wir doch etwas tiefer in die Taschen zu greifen. Dank Nebensaison und Verhandlungsgeschick kriegten wir einen Flug, der normal 60 US$ kostete um 30US$ und so schlichteten wir uns noch am gleichen Nachmittag zu viert (Pilot inklusive) in eine Blechdose der Markt Cessna. Allein dieser abenteuerliche Flug wäre die 30 Dollar schon wert gewesen. Man kommt sich vor wie in einem VW-Käfer mit Flügeln, der mit einer Wahnsinnsgeschwindigkeit von 90km/h jedes auf der Strecke liegende Luftloch mit Präzision ansteuert. Und da wir ja die Luxusvariante des Überflugs gebucht hatten zog der Pilot über jeder Figur noch 3 Schleifen – 2 rechts und eine links. Wahres Achterbahnfeeling in 80m Höhe!

Aus der Luft sind die Linien und Figuren echt faszinierend. Dass man so große Bilder in den Sand malen kann ist echt unvorstellbar, besonders, weil man ja vom Boden aus absolut nichts erkennen kann. Kein Wunder also, dass sie erst so spät entdeckt worden sind. Für die Figur der Echse ist es leider zu spät gewesen. Den armen Gecko hat schon vor der Entdeckung der Linien die Ruta Panamericana überrollt. Jeden Tag wird er aufs Neue von hunderten Autos und LKWs überfahren…

Dank eines Hospitalityclub-Kontakts konnten wir dann auch noch das Planetarium gratis besuchen. Hier erfuhren wir noch viel über die Linien und die deutsche Wissenschaftlerin Maria Reiche, die ihr Leben der Erforschung ebendieser gewidmet hat. Diese faszinierende Frau leistete auch mit 85 Jahren noch Feldarbeit und trug viel zur Erhaltung der Linien bei.


La Paz und der Karneval

Unsere Reise nach La Paz hatten wir so geplant, dass wir genau zu Karnevalsbeginn ankamen. Die Vorwehen dieses Festes hatten wir schon in Sucre und Cochabamba mitgekriegt, wo man nicht auf die Straße gehen konnte, ohne nass gespritzt zu werden. Deshalb machten wir uns auch in La Paz schon auf einiges gefasst…

In Bolivien wird der Karneval nicht so wie im benachbarten Brasilien mit Salsa und knappen Kostümen gefeiert, sondern eher traditionell naturreligiös. Statt den halbnackten Salsatänzerinnen sieht man in La Paz dicke Bolivianerinnen in traditioneller Tracht, die mit Luftschlangen, Knallfröschen, Cocablättern und viel hochprozentigem Alkohol ihre Marktstände und Geschäfte weihen. So wird mit viel Radau und anschließender Sauferei der Pachamama geopfert. Somit kann im kommenden Geschäftsjahr praktisch nichts mehr schief gehen.

Es ist echt schön bei so einer Zeremonie zuzusehen. Das Ritual hat, obwohl es sehr wichtig ist, nichts Hochheilig-andächtiges, sondern eher etwas Selbstverständlich-notwendiges. Im Gegensatz zu Segnungen der Kirche braucht man hier keinen Pfarrer, da Segnungen jeder machen kann… Nach den Opferungen setzen sich dann noch alle gemütlich auf ein paar Bier zusammen und feiern und opfern mit jedem Gläschen weiter (der erste Schluck wird immer für die Pachamama ausgegossen) … Eine echt gemütliche Arte religiöse Feste zu zelebrieren…

Die Jugend feiert auf etwas dynamischere Art. Früher war es Brauch zu Karneval ausgeblasene und mit Duftwasser gefüllte Eier der Angebeteten auf die Schulter zu klatschen. Da aber Duftwasser teuer und das Fassungsvermögen von Eiern eher gering ist wurde der Brauch „etwas“ abgeändert. Heute liefern sich die Jugendlichen regelrechte Schlachten mit Wasserbomben, gigantischen Spritzpistolen und neuerdings auch mit Schaumsprays.

Das konnten wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Wir kauften uns Billigponchos und eine Dose Schaumspray und stürzten uns mit unserer wasserdichten Kamera mitten ins Getümmel. Für die Bolivianer war es echt ein Riesenspaß Touristen einzuschaumen. Aber auch wir haben sie nicht verschont…

Bolivianer halten ohne Probleme 4 Tage lange Wasserschlachten und Saufereien durch. Wir hatten schon nach einem Tag genug und versuchten die restlichen 3 Tage so wenig Wasser und Schaum wie möglich abzukriegen. Gar nicht so leicht, wenn von jedem Balkon kübelweise Wasser auf Passanten gekippt wird und organisierte Wasserschlachtenpickups die Strassen unsicher machen und alles was Beine hat mit Wasserbomben eindecken.

So verbrachten wir die meiste Zeit entweder im Zimmer oder auf einem der vielen Märkte von La Paz. Besonders erwähnenswert ist der „mercado de las brujas“ – der Hexenmarkt. Hier kriegt man alles was man für den täglichen Ritualgebrauch so benötigt: getrocknete Lamaföten (werden als Schutz bei neu gebauten Häusern unter der Eingangtür vergraben), San Pedro Kakteen (ein sehr starkes Halluzinogen, das bei manchen Ritualen verwendet wird), Affenschädel, Schlangen- und Raubkatzenhäute, eingelegte Kröten, Räucherwerk, Talismane, Cocablätter, Kerzen,… Aber auch alle möglichen Heilkräuter und Wunderheilmittel gibt es hier zu kaufen - vom Aphrodisiakum bis zum Mittel gegen Warzen findest du hier alles.

Auf diesem Markt einzukaufen ist für Bolivianer so normal wie zum Bäcker zu gehen, aber für uns ist es wie ein Besuch in einer anderen Welt…

Nachdem wir den Karneval ausgesessen hatten (es wäre keine gute Idee gewesen mit Rucksäcken die 2 km zum Terminal zu gehen) ging es endlich weiter Richtung Norden. Mit einem kurzen Zwischenstopp in Copacabana am Titicacasee ging es direkt nach Nasca/Peru.



Freitag, Februar 01, 2008

Cochabamba...

Da Cochabamba eine Großstadt ohne viele Sehenswürdigkeiten ist und das Wetter hier auch nicht besser war, gestalteten wir unseren Aufenthalt relativ kurz. Wir wanderten, wie in jeder Stadt das historische Zentrum ab und hielten uns dann die meiste Zeit auf den in Cochabamba riesigen Märkten auf.
Außerdem trafen wir uns mit Bastian, einem Deutschen, den wir auch über den Hospitality-Club kennen gelernt hatten. Mit ihm und seiner Freundin gingen wir edel Steakessen (und die können echt mit argentinischen Steaks mithalten!!!). Wir erfuhren viel über seine Projekte in Bolivien und tauschten die eine oder andere Reisegeschichte aus. Ein echt gemütlicher Abend!
Da das Wetter aber einfach nicht besser werden wollte beschlossen wir Richtung Peru weiterzureisen. Mit einem Zwischenstopp in La Paz, geht es dann endlich der Sonne entgegen. An der peruanischen Küste scheint nämlich schon seit Wochen ununterbrochen die Sonne und wir hocken im Sauwetter….
Gestern sind wir hier in La Paz angekommen und werden noch einige Tage in dieser faszinierenden Metropole mitten in den Hochanden bleiben. Danach soll es nach Nazca, zu den berühmten gleichnamigen Linien gehen…

Sucre...

Sucre teilt sich, obwohl es bei weitem nicht eine der größten Städte des Landes ist, mit La Paz den Titel der Hauptstadt. In La Paz befindet sich die Exekutive und Regierung während Sucre die Judikative besitzt.
Die Stadt wird auch „Ciudad Blanca“ – „Die weiße Stadt“ genannt, da praktisch alle Häuser weiß sind. Die Stadt setzt auch alles daran, dass sie so bleiben. Jeder Bewohner ist dazu verpflichtet einmal jährlich zu einem bestimmten Datum sein Haus weiß zu streichen.
Hier in Sucre trafen wir auch unseren ersten Hospitality-Club-Kontakt. Wolfgang ist Deutscher, der aber schon viele Jahre in Bolivien lebt und arbeitet. Bei ihm waren wir jedem Abend zum Kaffee eingeladen und lernten bei unseren stundenlangen Gesprächen so manches über bolivianische Geschichte, Politik und Gebräuche. Ihm verdanken wir auch ein paar neue bolivianische Lieblingsgerichte. Seit dem gibt’s fast jeden Tag „Api“ und „Pasteles“ zum Frühstück!
Das Wetter hatte sich im Vergleich zu Santa Cruz nicht wesentlich gebessert und so versuchten wir jedes Regenloch für Sightseeing und Stadtrundgänge zu nutzen. Und auch die Weiterreise war nicht gewiss, da sich die Situation in ganz Bolivien zugespitzt hatte. Es gibt bis jetzt unzählige Tote und Vermisste, viele Dörfer sind überflutet oder weggeschwemmt, Brücken sind weggerissen und viele Straßen sind aufgrund von Hangrutschen oder ähnlichem unbefahrbar. In La Paz ist sogar ein Teil der Trinkwasserversorgung für Tage zusammengebrochen.
So nutzten wir die „Zwangspause“ für schon lange ausständige Arztbesuche. Dank Wolfgang fanden wir auch einen guten Zahnarzt, der noch einen Termin für uns einschieben konnte. So kriegte Marita statt der erwarteten einen Füllung gleich vier und Kevin, der eigentlich nur zur Kontrolle da war ging mit einem Weisheitszahn in der Tasche heim.
Der zweite Arztbesuch war bei einer Dermatologin, da Kevin seit Uruguay einen seltsamen Abszess am Bauch hatte, der nicht abheilen wollte. Die Ärztin meinte es sei ein Abszess, der aufgeschnitten werden müsste. Sie und auch wir staunten nicht schlecht, als uns aus der Wunde statt dem erwarteten Eiter eine ca. 1cm große Larve entgegenlachte. Dermatobia hominis – die Larve der Dasselfliege. Diese Fliege legt ihre Eier auf anderen Insekten, oftmals Moskitos, ab. Diese Schlüpfen auf ihrem Zwischenwirt und lassen sich, wenn dieser ein Tier oder einen Menschen sticht, auf die Haut des Opfers fallen. Durch die Einstichstelle kriecht die winzigkleine Larve in die Haut und nistet sich dort ein. Sie wird bis zu 3cm groß (Kevins Exemplar war also noch ein Teenie) und verlässt, wenn sie ausgewachsen ist ihren Wirt um sich zu verpuppen und zur Fliege zu werden…Kevins Haustierchen schaffte es nicht so weit und wir haben jetzt ein neues, in Formalin eingelegtes Reisemaskottchen.
Nach einem Tag Ruhepause von der Zahn- und Larvenextraktion ging es wieder weiter – nach Cochabamba.

Die Fahrt von Santa Cruz nach Sucre...

Wir fuhren also zum Busterminal, kauften uns unsere Tickets und setzten uns entspannt in den Bus. In bolivianischen Bussen wird, solange sie noch im Terminal stehen so ziemlich alles verkauft und so genehmigten wir uns was zu Essen und eine Zeitung. Erst hier lasen wir was die andauernden Regenfälle in Bolivien angerichtet hatten. Unzählige Straßen (unter anderem in dem Gebiet um Santa Cruz) waren unbefahrbar und es war sogar schon nationaler Katastrophenalarm ausgerufen worden.
Wir hofften also für unsere Strecke das Beste…Bis 3 Uhr morgens ging auch alles relativ glatt, aber bei einer Furt (in Bolivien gibt es kaum Brücken) war dann endgültig Schluss. Der Regen hatte den kleinen Bach in einen reißenden Fluss verwandelt, sodass an eine Überquerung nicht zu denken war. Das einzige was wir machen konnten war darauf zu warten, dass das Wasser weniger werden würde. Und wir waren nicht die einzigen, die warteten...Neben unserem Bus standen noch ca. 8 andere Busse und einige LKWs in der Schlange.
Nach 11 Stunden ohne Futter und Wasser kam endlich Leben in die wartende Schlange. Ein Baufahrzeug und ein LKW riskierten die Durchquerung des Flusses und schafften es auch mit Müh und Not – Für Busse war es aber immer noch unmöglich. Erst als irgendjemand ein Baufahrzeug organisiert hatte, das die Furt von großen Steinen und Unebenheiten befreite konnten es auch die Busse wagen. Zum Glück saßen wir nicht im ersten Bus!
Mit viel Anlauf und etwas Glück schafften es aber alle heil ans andere Ufer und die Fahrt nach Sucre konnte weitergehen.
Nach 26! Stunden (statt normalerweise 12) kamen wir endlich in der weißen Stadt Sucre an.

Santa Cruz de la Sierra...

Bei unserem ersten Bolivien-Besuch vor gut einem halben Jahr schauten wir uns hauptsächlich das Altiplano an (Andenhochebene, die sich von Südbolivien bis Peru erstreckt). Dieses Gebiet ist aufgrund der enormen Höhe (der Großteil über 4000m) sehr karg und lebensunfreundlich. Es gibt praktisch keine Industrie und das einzige das wächst sind Kartoffeln und Quinoa. Aus diesem Grund ist dieser Teil Boliviens auch extrem arm und (nach Meinung der UNO) „unterentwickelt“.
Bei unserem jetzigen Besuch wollen wir uns eher das reichere Tiefland ansehen. Aufgrund des großteils tropischen Klimas wächst hier fast alles und zudem befindet sich hier auch das enorme Ölvorkommen des Landes.
Santa Cruz ist mit 1,3 Mio. Einwohnern Boliviens größte Stadt und neben Cochabamba eine der Reichsten. Im Zentrum findet man unzählige Boutiquen und edle Restaurants. Je weiter man sich aber vom historischen Zentrum entfernt desto mehr wird aber auch deutlich, dass das Geld in Bolivien nur in den Händen weniger ist…
Im Moment ist in Bolivien Regenzeit, was normalerweise heißt, dass es jeden Tag ein bis zwei Stunden regnet und sonst die Sonne scheint. Dieses Jahr ist das aber dank „La Niña“ anders und es schüttet in Strömen.
Aus diesem Grund hielten wir unseren Aufenthalt in dieser Großstadt kurz und hofften auf besseres Wetter in Sucre.

Asunción...

Südamerika ist relaxt, Uruguay ist sehr relaxt und in Paraguay kriegst du fast die Schlafkrankheit – Da tut sich rein gar nix!
Das soll jetzt nicht heißen, dass Paraguay kein schönes Land ist, ganz im Gegenzteil, aber es ist einfach nichts los. In den Sommermonaten verschlimmert sich die Situation noch, weil eine glühende Hitze über dem ganzen Land liegt. Besonders Asunción sollte man um diese Jahreszeit meiden. 40 Grad im Schatten bei einer Luftfeuchtigkeit, die dir die Schuhe auszieht! Deshalb gestalteten wir auch unseren Paraguayaufenthalt relativ kurz.
Neben dem üblichen Sightseeing konnten wir hier auch extrem viel deutsche Kultur bewundern. Unter dem Diktator Strössner (1954-1989) wanderten sehr viele Deutsche nach Paraguay aus (unter anderem wurde vielen Nazis Asyl gewährt). Der Chaco, ein großes, reltiv trostloses Steppengebiet wird fast ausschließlich von deutschen Mennoniten bewohnt. Hier wird auch heute noch (Platt)deutsch gesprochen. Auch in Asunción findet man überall deutsche Bäckereien, Fleischereien, Hotels…sogar zwei deutschsprachige Zeitungen gibt es in Paraguay. Dieser Auswanderungstrend setzt sich auch heute noch fort – Es gibt im Internet eine Unzahl an Comunities, Foren und sonstigen Seiten von Auswanderern für Auswanderer – alles in Deutsch versteht sich.
Eigentlich sollte man sich so richtig DEUTSCHE Kultur in Südamerika ja anschauen, aber da wir uns wahrscheinlich mit den oberreligiösen und konservativen Mennoniten nicht all zu gut verstanden hätten, ließen wir den Zwischenstopp im Chaco aus und reisten gleich direkt nach Santa Cruz/Bolivien. Mit dem Bus ging es über die Ruta Trans-Chaco, die Hauptroute, die Paraguay und Bolivien miteinander verbindet. Man soll sich da aber keine falschen Vorstellungen machen. Die Trans-Chaco wird nicht zu Unrecht als eine der miesesten Straßen Südamerikas bezeichnet – bei Sonnenschein brauchst du eine Staubmaske und bei Regen am besten Gummistiefel und eine Schaufel…
Dank unserem Rallye -Busfahrer kamen wir aber trotzdem in Rekordzeit gut durchgeschüttelt in Santa Cruz an.

Hurra, hurra die Post ist da! Endlich gehts weiter...

Nach ein paar weiteren Tagen des Wartens in Montevideo wollten wir schon fast wieder an den Strand abhauen…Zum Glück schauten wir vorher noch mal bei der Post vorbei, wo ein Umschlag für Kevin auf uns wartete. Wir erfuhren auch (Internetverfolgung sei Dank), dass Maritas Karte am Vortag in Montevideo angekommen war und aus unerfindlichem Grund gleich wieder zurück nach Österreich gegangen ist.
Aber da wir ja jetzt zumindest eine Bankomatkarte und die Kreditkarte haben und Maritas nicht verschollen, sondern auf dem Weg zurück nach hause ist, konnten wir weiter.
Gleich am nächsten Tag ging es also per Bus raus aus der Stadt und dann per Daumen Richtung argentinischer Grenze. Aber schon von unserer zweiten Mitfahrgelegenheit erfuhren wir, dass die Grenzen zu Argentinien am Landweg alle dicht sind. Grund sind die schon seit langem andauernden Streitigkeiten der zwei Länder wegen der uruguayischen Papierfabrik am Grenzfluss. Deshalb machen die Argentinier immer wieder die Grenzen dicht und der einzige Weg das Land in Richtung Argentinien zu verlassen ist per Fähre nach Buenos Aires.
Also änderte sich spontan unsere geplante Route und wir stoppten nach Colonia del Sacramento. Aber da Wochenende war und alle Porteños (Bewohner von Buenos Aires und Umgebung) wieder nachhause wollten waren die günstigen Fähren natürlich alle voll. Für uns hieß das also eine Nacht im Straßengraben und am nächsten Morgen weiter nach Carmelo, wo auch noch Fähren fahren.
Mit viel Glück ergatterten wir 5 Minuten vor Abfahrt noch zwei Restplätze und konnten endlich aus Uruguay ausreisen…
In Buenos Aires hatten wir schon eine halbe Stunde nach Ankunft am Terminal einen Anschlussbus nach Asunción/Paraguay.

Donnerstag, Jänner 10, 2008

Cabo Polonio - Das gelobte Land aus Sand...

Schon vor ziemlich genau einem Jahr waren wir in diesem kleinen Hippie-/Fischerdorf am Rande der berühmten Wanderdünen. Es liegt auf einem kleinen Kap, das sich die Bewohner mit einer großen Kolonie von Seelöwen teilen. Es gibt keinen Straßenanschluss und die einzige Stromleitung hierher versorgt den Leuchtturm und sonst nichts. Am Abend flackern in den Fenstern der Häuser Kerzen und man hört statt Fernseher und Radio Gitarrenmusik und Live-Gesang. Unter Tags tummeln sich viele Tagestouristen, aber da es keine Hotels oder ähnliches gibt bleiben am Abend nur noch die eingesessenen Hippies über. Da im Dorf campen verboten ist bildet sich jeden Sommer eine kleine Zeltstadt ca. 1km außerhalb an einem kleinen Bach. Hier ließen wir uns auch wieder nieder und ergatterten diesmal sogar ein echt geniales Platzl. Wir hatten unseren eigenen Strauch (von denen es in und um Polonio nicht all zu viele gibt) und hatten so den ganzen Tag Schatten, was hier VIEL wert ist. Dank unserm Busch hatten wir auch viele Mitbewohner, die teils sogar IN unserem Zelt Quartier bezogen. Neben unzähligen Vögeln bestand unsere Nachbarschaft sonst hauptsächlich aus Insekten. Riesengrillen bevölkerten unsere Rucksäcke und deren Tragesysteme und die sich dazugesellende Riesensandspinne (Größe einer halbwüchsigen Vogelspinne) durfte nur deshalb bleiben, weil wir hofften, dass sie erstere Bewohner verzehren könnte. Neben Ameisen und Käfern besuchte uns eines Tages auch eine 1,3m lange, vermutlich giftige Schlange – Die haben wir nicht zu uns ins Zelt gebeten, auch wenn sie vielleicht auch Grillen frisst… Um 3 in der früh wurden wir gelegentlich von kauenden, schmatzenden, prustenden, unseren Strauch fressenden Kühen geweckt, aber Gott sei Dank waren sie so nett unser Zelt nicht niederzutrampeln.
Natürlich statteten wir auch den Lobo Marinos (Seelöwen) wieder einen Besuch ab und Kevin hatte den größten Spaß sie mit der neuen Kamera von ihrer Schokoladenseite zu erwischen.
Am 30. Dezember hatten wir die gute Idee, wie schon im Jahr zuvor, wieder Herzmuscheln zu essen. Wir buddelten einige hundert dieser delikaten Tierchen aus dem Strand und bereiteten sie in lecker Gemüsesauce ganz frisch zu – Ein Festmahl…von dem wir Stunden später noch was haben sollten.
Was wir nicht ahnen konnten war, dass gerade Rotalgensaison ist. Diese spezielle Algenart kommt nur 10 Tage im Jahr in Küstennähe vor und macht für diese Zeit sämtliches Seafood ungenießbar.
Fischvergiftung ist etwas, dass wir niemandem wünschen. Die ganze Nacht über pflanzten wir Tretminen in die Dünen. Muschelsuppe aus allen Enden – Kevin schaffte es sogar 3 dieser kleinen Biester durch die Nase wieder ans Tageslicht zu befördern…
Von unseren nächtlichen Dünenbesuchen noch etwas angeschlagen verbrachten wir den ganzen 31. im Schatten. Am Abend verließen wir nur zweimal kurz das Zelt. Das erste Mal um 20:58 Uhr, um in Gedanken mit allen Daheimgebliebenen Silvester zu feiern und zu schauen ob wir die versprochenen Raketen sehen. Das zweite Mal machte uns der Wecker um kurz vor 12 darauf aufmerksam, dass wir raus sollten um das Feuerwerk nicht zu verpennen. Nach einer halben Stunde lagen wir aber schon wieder, immer noch von Bauchkrämpfen geplagt, in unseren Schlafsäcken.
Am 1. Jänner ging es uns aber dann schon wieder relativ gut – da waren wir die einzigen in Cabo Polonio. Während der ganze Ort im Schatten seinen Kater ausschlief feierten wir Kevins Geburtstag am Strand mit viel Sonne, Sand und Wellen. Das große Geburtstagsessen müssen wir aber noch nachholen, da sowohl unser Budget, als auch unsere angeschlagenen Mägen mit Spaghetti mit Tomatensoße zufrieden waren.
Jeden Abend machten wir einen Ausflug ins Dorf um an der einzigen Stelle mit Handyempfang unser Mobiltelefon für eine viertel Stunde in die Luft zu strecken und zu sehen ob schon ein SMS mit der Nachricht der Bankomatkartenankunft aus Montevideo gekommen ist.
Am 6. Jänner mussten wir Polonio schweren Herzens den Rücken kehren, da wir Abgabetermin für unsere 3-wöchige Zeitungskolumne (Tips-Freistadt) hatten. Es gibt nicht viele Orte in Südamerika von denen uns die Abreise so schwer fällt wie von diesem Flecken Sand.
So marschierten wir zwangsweise die 8km über die Dünen zurück zur Strasse und stoppten Richtung Internet. Unser erster Lift war eine Familie aus Montevideo, die uns nach La Paloma mitnahm und uns, unser Kartendilemma kennend, sogar ihr Haus in Montevideo zur Verfügung gestellt hätte (auch wenn sie noch 2 Wochen Urlaub in Aguas Dulces machen würden). Die kennen dich grad mal eine halbe Stunde und bieten dir an in ihrem Haus zu wohnen…Das gibt’s nur in Uruguay!
Nachdem wir in La Paloma den Bericht geschrieben und verschickt hatten, stoppten wir noch Richtung Montevideo. Unser zweiter Lift an diesem Tag nahm uns auch bis in die Hauptstadt mit und lud uns sogar noch zum Essen ein. Manche Menschen sind fast zu nett für diese Welt…
In Montevideo fanden wir glücklicherweise eine Bank, die uns mit Kevins komplett verbeulter Kreditkarte trotzdem Geld gab. Nicht mehr am Hungertuch nagend (zuletzt hatten wir nur noch 300 Peso = 10 Euro – nicht mal in Uruguay ist das viel Geld) sitzen wir jetzt in Montevideo und warten auf Post…

Unsere Odyssee nach Cabo Polonio...

Nachdem unsere Bankomatkarten erst Anfang Jänner in Montevideo eintreffen würden beschlossen wir noch einige Tage nach Cabo Polonio zu fahren um dort am Strand auszuspannen und Geld zu sparen.
Wir hatten auch echtes Stopperglück und schossen am ersten Tag gleich übers Ziel hinaus. Vor lauter quatschen mit unserem netten Autofahrer übersahen wir die Abzweigung nach Aguas Dulces und so beschlossen wir eben spontan bis Punta del Diablo mit ihm mitzufahren. Wir campten die Nacht in den Dünen am Strand und machten uns am nächsten Tag auf die Rückreise Richtung Aguas Dulces. Dort angekommen wollten wir über den Strand bis Cabo Polonio wandern – gesamt etwa 15km. Aber nach 7km war in der kleinen Ortschaft Valizas Schluss. Hier fließt nämlich ein ca. 5m breiter Fluss ins Meer, den wir aufgrund der starken Strömung mit den Rucksäcken nicht durchqueren konnten. Die einzige Möglichkeit rüber zu kommen war ein alter Knacker mit seinem Motorboot. Dieser verlangte aber allen Ernstes für diese 5m 20Pesos pro Person. Einheimische sagten uns, dass er normalerweise 5-10 pro Person kassiert und bei uns wahrscheinlich wegen der Rucksäcke draufschlägt – klar, ohne Rucksack könnte man den Fluss ohne weiteres furten, aber mit den Packeln waren wir auf ihn angewiesen… und da er uns das mit so einem Scheiß-Grinser sagte, beschlossen wir ihm das Gegenteil zu beweisen...
Es ging zwar nur um einen Betrag von ca. 70cent pro Person, aber hier schalteten wir einfach auf stur! Wir marschierten nach Valizas rein, von dort weiter auf die Ruta 10 und erreichten so nach ein paar Stunden die Brücke die wir gratis und mit einem breiten Grinsen überquerten! Alles in allem ein Umweg von ca.15km, aber um die 40 gesparten Peso kriegt man mindestens ein Bier (1 Liter natürlich)!
Am nächsten Tag schafften wir es zu Fuß über die Dünen bis Cabo Polonio! Das gelobte Land hat uns wieder!

Weihnachten in Montevideo...

Wir konnten Weihnachten in der Wohnung einer Freundin von Juliana und Beta feiern – mitten in der Altstadt von Montevideo. Es gab sogar einen Computer mit Internetanschluss und so konnten wir sogar mit unseren Familien telefonieren.
Am 24. kauften wir groß ein und feierten mit viel Essen (1/2kg Fleisch pro Person), mitternächtlichem Countdown und Feuerwerk – nix da mit stiller Nacht! Es war wirklich ein gemütliches Beisammensein, auch wenn sich bei uns so keine rechte Weihnachtsstimmung einstellen wollte. Wie denn auch bei Sommertemperaturen und Mitternachtsfeuerwerk?

Zu Besuch in der Metropole Jose Pedro Varela...

Jose Pedro Varela ist ein kleines 6000-Seelen-Nest im Landesinneren. Alles lebt hier von der Landwirtschaft oder der Reisindustrie. Eine Ortschaft in der es wirklich NICHTS zu sehen gibt... Außer es verirren sich mal zwei Backpacker hierher…
Schon auf unserem Weg von der Landstraße ins Zentrum ernteten wir so manch fragenden Blick und die alte Dame, die wir nach dem Weg fragten hatte richtig Angst vor uns zwei Exoten. Bei unseren Ausflügen in den Supermarkt wurden wir auch beäugt als wären wir von einem anderen Stern…
Beta hat hier ein kleines Haus in dem sie nicht nur lebt, sondern auch arbeitet – todo es ceramica (alles ist Keramik)! Entsprechend sieht es auch im und ums Haus aus. In der Küche stapeln sich Farbtöpfe, das Wohnzimmer ist mit halbfertigen Stücken und Materialien vollgestellt und überall liegt der nicht zu vermeidende graue Staubfilm. Da Beta in letzter Zeit nicht nur mit der örtlichen Trennung von Juliana zu kämpfen hat, sondern auch noch massive finanzielle Probleme hat, kamen wir gerade recht. Wir versuchten unser Bestes, krempelten Haus und Hof um und brachten etwas Leben in ihre Bude. Den ganzen Tag waren wir mit irgendwelchen Reparaturen oder sonstigen Projekten beschäftigt – wir spielten Automechaniker, eröffneten Varelas erstes Keramikgeschäft, brachten Ordnung ins Haus,…
Nach der Arbeit ging Beta dann jeden Abend mit den zwei Weltreisenden hausieren und angeben. Bald kannte uns das ganze Dorf und wir hatten jeden Abend eine andere Einladung. Im Tausch gegen uruguayische Hausmannskost und das eine oder andere Gläschen Bier brachten wir die große, weite Welt ins Wohnzimmer der Varelos und unterhielten sie mit unseren Fotos und Reisegeschichten.
Eine besondere Einladung war die zur Feier des 50. Geburtstags von Daniel, auf die sich das ganze Dorf schon 2 Wochen vorher freute. Es war DAS Event in Varela und wir durften uns zu den auserwählten 100 Gästen zählen. Zu Essen gab es etwas typisch Uruguayisches – Es wurde eine halbe Kuh in ihrer Haut gegrillt – mit Haaren und allem drum und dran. Ein ungewohnter Anblick, wenn man ein Stück Fleisch samt Fell am Teller liegen hat, aber man isst eh nur das Fleisch. Die Haut bleibt beim Grillen nur deshalb drauf, damit das Fleisch saftiger bleibt. Echt lecker!
Bei Wein, Whisky, Musik und Tanz wurde bis in den Morgen gefeiert und wie es sich für echte Österreicher gehört waren wir diejenigen, die bis zur Sperrstunde übrig geblieben sind…
Nach einer echt gemütlichen Zeit in Varela packten wir am 24. aber dann doch zusammen und fuhren nach Montevideo um mit Juliana und Beta dort die Feiertage zu verbringen.

Montevideo...

Zurück in Montevideo checkten wir im gleichen Hotel ein, in dem wir auch bei unserer Ankunft in Südamerika abgestiegen waren. Hier wurde auch unser 1jähriges Reisejubiläum bei Chips und Packlwein ausgiebig gefeiert. Eigentlich wollten wir ja gespitzt essen gehen, aber nach einer kurzen Restaurant-Sightseeing-Tour beschlossen wir, dass unser Geld im Supermarkt effektiver investiert ist und deckten uns dort mit Junkfood ein.
Tags darauf besorgten wir uns eine neue uruguayische SIM-Karte und kontaktierten all unsere Freunde vom letzten Sommer. Das ganze artete beinahe in Stress aus: Mit Belén waren wir bei der Noche de las Luces (größtes Feuerwerk in Uruguay um den Anfang des Sommers zu feiern), mit Nacho besuchten wir ein Experimentaltheater,…Walter lud uns zu einem „kleinen Snack“ zu Mittag ein, was sich als das edelste Essen seit über einem Jahr entpuppte. Am Mercado del Puerto, wo sich ein Nobelrestaurant an das andere reiht, genehmigten wir uns erst einen typisch uruguayischen Aperitif und schlugen uns dann die Bäuche mit einem Riesenasado voll. Im kommenden (europäischen) Sommer kommt Walter nach Österreich – wir werden zwar noch nicht daheim sein, aber vielleicht können sich unsere Familien mal revanchieren…
Nachdem uns Juliana und Beta eingeladen haben, so wie letztes Jahr Weihnachten mit ihnen zu feiern, beschlossen wir kurzerhand unseren Uruguay-Aufenthalt noch zu verlängern.
Nach ein paar Tagen im teuren Montevideo wollten wir in das kleine Nest José Pedro Varela im Landesinneren um dort Beta in ihrem Haus zu besuchen und die Zeit bis Weihnachten tot zu schlagen. Vor der Abreise wollten wir noch schnell zum Bankomaten um ein wenig Geld abzuheben, aber…nix da! – Karte kaputt! Da sich Kevins Bankomatkarten in der brasilianischen Hitze im Zelt etwas deformiert hatten und seit dem nur noch bei jenen Bankomaten funktionieren, die die Karten nicht einziehen (solche gibt es in ganz Uruguay nicht) und Maritas nun auch den Geist aufgegeben hatte, hatten wir ein Problem. Das Bestellen einer neuen Bankomatkarte dauert in Österreich 10 Tage und dann kommen noch mal 3-15 (oder mehr)Tage für den Postweg nach Südamerika dazu. Naja, wir können das auf Post warten eh schon ganz gut (siehe Salvador)…

Colonia del Sacramento...

Diese Stadt ist DAS Aushängeschild von Uruguay und Pflichtpunkt bei jeder Uruguayreise. Die ehemalige Schmugglerstadt an der Mündung des Rio de la Plata ist heute ein echtes Juwel – verwinkelte grob gepflasterte Gassen, kleine liebevoll restaurierte Kolonialbauten und überall blühende Büsche und Blumen.
Wir schafften es aber wieder mal uns nicht wie Standardtouristen aufzuführen und verzogen uns in den Hafen zum Fischen – so wie es die Einheimischen machen…
So schön Colonia aber ist, so klein ist es auch und deshalb hatten wir nach 2 Tagen alles gesehen und es konnte nach Montevideo weitergehen.
Unser erster Lift war gleich eine lokale Berühmtheit – Emilio Arenas Florin. Er hat 3 Einträge im Guiness´ Buch der Rekorde für die weltgrößte Sammlung an Bleistiften, Schlüsselanhängern und Zündholzschachteln. Da man als Autostopper für so was immer Zeit hat nahmen wir sein Angebot an und schauten uns sein kleines Privatmuseum an – echt beeindruckend so ein Sammlervogel!
Unser nächster Lift war anfangs weit weniger gesprächig als Emilio und so nahmen wir an, dass er einfach keine Lust zu plaudern hatte. Nach ca. 50 Schweigekilometern schwenkte der Wagen plötzlich nach links und wir donnerten mit 100km/h in den Strassengraben. Während unser Fahrer ein Nickerchen hielt versuchten wir den Wagen ohne zu schleudern wieder auf die Straße zu bekommen. Davon wurde unser Schläfer aber dann doch munter und meinte mit einem Lächeln: Wenn ihr jetzt nicht gewesen wärt, wäre ich jetzt tot. Dann gab er auch noch zu, dass es heute eh schon das zweite Mal ist, dass er weggenickt ist…Die restliche Fahrt versuchten wir alles um die Konversation aufrecht zu erhalten. Auf einen zweiten Ausflug in den Strassengraben hatten wir echt keine Lust!

Buenos Aires...

Unser erster Besuch in der Hauptstadt Argentiniens vor knapp einem Jahr fiel ja sehr kurz aus, weswegen wir jetzt, auf unserem Weg Richtung Uruguay noch ein paar Tage Sightseeing in der Stadt des Tangos einlegten.
Wir quartierten uns zwangsweise in einem der vielen Gringo-Hostels ein. Hier wurde uns wieder einmal bewusst, dass Reisen nicht gleich Reisen ist. In diesen Unterkünften trifft man hauptsächlich jene mutigen Abenteuer, die mit einem Around-the-World-Ticket in 7 Monaten die ganze Welt neu entdecken und schon nach 2 Monaten in Südamerika echte Hardcore-Traveller sind. Die einzigen Einheimischen mit denen sie je Kontakt hatten sind meist englischsprachige Hotelangestellte, Taxifahrer und Kellner – aber ein Urteil über „die südamerikanische Kultur“ ist auf jeden Fall drin. Wir versuchten die sozialen Kontakte zu unseren „Reisekollegen“ auf ein Minimum zu beschränken und verbrachten die Tage mit Sightseeing und die Abende mit Internetrecherche im hosteleigenen Wi-Fi.
Von Buenos Aires ging es mit dem Zug in den Vorort Tigre, wo wir eine Fähre über den Rio de la Plata nach Carmelo/Uruguay nahmen. Von da gings mit dem Daumen weiter nach Colonia del Sacramento.

Rosario...

Der Grund warum wir unbedingt auch nach Rosario mussten war eine Adresse, die jedem Argentinier ein Begriff ist – Entre Rios 480. In diesem gewöhnlichen Wohnhaus erblickte am 14.Juni 1928 Ernesto „Che“ Guevara das Licht der Welt. Nur ein kleines Schild weist darauf hin, aber wenn man schon in der Nähe ist…
Wir kamen am Abend in Rosario an und da sich kein Hotel in unserer Preisklasse finden ließ beschlossen wir nach einigen Stunden City-Trekking einfach ein Foto unseres Besuchsgrundes zu machen und wieder zurück zum Busterminal zu fahren. Um 2 in der Früh nahmen wir einen Bus nach Buenos Aires…

Alta Gracia...

Alta Gracia ist eine Kleinstadt 35km von Cordoba entfernt und war bis Mitte des letzten Jahrhunderts das In-Sommerfrische-Ziel der argentinischen Highsociety. Deshalb und aufgrund des milden Klimas zog auch die Familie Guevara Lynch hierher. Die gesunde Luft sollte ihrem Sohn, dem asthmakranken kleinen Ernestito gut tun.
Das Haus, in dem die Familie 11 Jahre lang lebte ist heute ein Museum und tausende Fans des Comandante Ernesto „Che“ Guevara pilgern jährlich hierher. Von der Kinderzeichnung über Guerillaanzug bis hin zu seiner Pfeife ist alles ausgestellt. Sogar die „Poderosa“, sein Motorrad, mit dem er ganz Südamerika bereiste kann man bewundern. Unzählige Fotos zeigen ihn als Kind, Vater, Guerilla und Minister. Dieses Museum ist für jeden wahren Che-Fan ein Muss!
Nach ein paar Tagen ging es per Bus nach Rosario. Von einer Großstadt in die Nächste per Daumen war uns einfach zu viel Stress.

Von Salta nach Cordoba...

Einen Tag vor der geplanten Abreise aus Salta lernten wir die beiden Slowaken Zuzana und Juri kennen. Und weil grillen zu mehrt viel lustiger ist, beschlossen wir am Abend ein großes Asado zu veranstalten. Das Wetter machte uns aber fast einen Strich durch die Rechnung. Zum Glück gibt es auf dem Campingplatz aber einen überdachten Grillplatz, den wir uns witterungsbedingt mit all den anderen Campern teilen mussten. Anfangs war es noch ungemütlich und jeder war jedem im Weg aber nach ein paar Gläschen Wein legte sich das und bald wurden Gitarren, Trommeln und Zuzanas Fiedel ausgepackt. Ab da ging die Party so richtig los. Auf 25m² feierten wir zu 20st bis spät in die Nacht. Aus diesem Grund wurde auch die Abreise aus Salta noch einen Tag verschoben – es ist so leicht sich auf argentinischen Campingplätzen zu vertrödeln…
Auf unserem Weg nach Cordoba übernachteten wir eine Nacht in Santiago del Estero, wo wir schon am Weg zum Campingplatz zwei neue „Freunde“ fanden. Javier und Hugo sind zwei Artesanos (Reisende Hippies, die sich mit Knüpfen, Jonglieren,…ein paar Peso verdienen und sich das Land anschauen), die eine Wahnsinnsfreude hatten, dass sich in diese Stadt mitten in der heißen Steppe noch zwei ihrer Art verirrt hatten. Die Hellsten sind sie zwar nicht und auch nicht unbedingt die Organisiertesten, Saubersten oder Nüchternsten, aber zwei echt liebe Kerle. Javier ist der etwas Schlauere und Begabtere und verdient Geld mit Jonglieren und Knüpfen. Hugo kann dafür ganz gut Autoscheiben putzen. Ein irres Team!
Von Santiago ging es noch bis ins 70km entfernte Loreto und dann war Schluss mit unserem Stopperglück. In einer der heißesten Ortschaften Argentiniens (hier dauert die Siesta von 11 bis 17Uhr) standen wir uns in der sengenden Hitze ohne Schatten einen Tag lang die Füße in den Bauch. Am Abend marschierten wir aus der Ortschaft hinaus und fragten beim Polizeiposten, ob wir in der Nähe unser Zelt aufschlagen könnten. Die Beamten waren erst mal völlig überfordert – so was ist in der Metropole Loreto noch nie passiert – und gaben uns ihr ok. Nach ca. 10 Minuten kamen sie noch mal angeschwänzelt und der Rädelsführer fragte uns nach unseren Daten - zur Sicherheit. Irgendwie kams aber eher so rüber, als ob sie einfach einen Grund gebraucht hätten um die beiden Exoten etwas näher beäugen zu können.
Der nächste Tag ging so erfolglos weiter wie der letzte aufgehört hatte und nach 5 Stunden in der Hitze beschlossen wir einen Bus nach Cordoba zu nehmen.
In Cordoba nisteten wir uns am städtischen Campingplatz ein, der eigentlich schon nicht mehr in der Stadt ist…13km vom Zentrum, aber 10 davon kann man immerhin im Bus zurücklegen. Cordoba ist Argentiniens größte Universitätsstadt mit 7 Unis und deshalb hat sie auch ein ziemlich lebhaftes und jugendliches Flair. Aber eigentlich ist es nur eine große Stadt wie alle anderen. Wir nutzten sie hauptsächlich als Ausgangspunkt für unseren Ausflug nach Alta Gracia, wo „El Comandante“ seine Jugend verbrachte…

Freitag, November 23, 2007

Salta - La Linda (die Schoene)...

Inmitten waldbedeckter Hügel liegt diese hübsche, ruhige Stadt. Wenn man in ihrem gepflegten Zentrum herumschlendert glaubt man fast nicht, dass hier eine halbe Million Menschen leben. Neben vielen alten Kolonialbauten und Kirchen hat die Stadt auch noch ein echt interessantes Museum. Es wird der Fund von 3 Kindermumien dokumentiert, die von den Inkas auf 6700m auf dem Gipfel des Vulkans Llullaillaco den Göttern geopfert wurden. Für die Inka hatten die Berge eine besondere Bedeutung, da sie den Göttern näher waren als alles andere. Diese Mumien sind so gut erhalten, dass man glaubt, dass sie jeden Moment aufwachen könnten. Echt faszinierend!
Nachdem der Campingplatz, wie in Argentinien ueblich viel zu gemuetlich ist, haben wir uns wieder einmal vertroedelt, aber morgen gehts hoffentlich wieder weiter...Heute steht noch ein Grillabend mit unseren slowakischen Zeltnachbarn an – mal schauen wann wir morgen aus dem Zelt koennen und ob es ratsam ist in fremde Autos zu steigen...

„Con dedo“ (mit dem Daumen) - Von Encarnacion nach Salta...

Im Osten Paraguays ist Autostoppen nicht üblich – in Argentinien aber schon! Deshalb ging es nach einem regenbedingten Pausetag in Encarnacion über die Brücke in die argentinische Schwesterstadt Posadas am anderen Flussufer. Ab hier hatte uns die Landstrasse wieder….naja fast…erst mussten wir mal aus der Stadt rauslatschen – 9km in der brütenden Nachmittagshitze um nachher herauszufinden, dass auch ein Stadtbus um einen Peso so weit raus gefahren wäre…Von hier gings dann aber – mit einem netten Vampirjäger bis zum Polizeicheckpoint vor der Stadt und dank der Hilfe der Polizisten auch noch weiter. Ein Bauer nahm uns auf seinem Pickup mit, bis sein Feldweg zu seiner Estancia abzweigte – Wir waren froh, denn hier mitten im Nichts findet man leicht einen Platz für sein Zelt in der Nähe der Straße und kann so am nächsten Tag zeitig aufbrechen und weiterstoppen. Außerdem wird man fernab der Zivilisation viel leichter mitgenommen – Mitleids-Bonus!
Am darauf folgenden Tag saßen wir mit einem Kampfhund auf einer Ladefläche, tranken im klimatisierten Luxusschlitten Mate mit einem Geschäftsmann, purzelten auf der Ladefläche eines Kleintransporters herum und schlichteten uns zu guter letzt mit unseren Riesenrucksäcken in einen Kompaktwagen. – ein ganz normaler Autostoppertag also. Von Corrientes ging es dann zu Fuß über die längste Brücke, die wir je zu Fuß überquert haben (45min.) ins gegenüberliegende Resistencia. Hier spannten wir mal ein paar Tage aus – uns wollten echt Gringos erzählen, dass Busreisen ja SO anstrengend ist…
Von Resistancia gings dann mit einem richtigen argentinischen Rinderbaron in die 200-Seelen-Metropole Pampa del Infierno. Auf der Fahrt erzählte er uns ein wenig von seinem Geschäft, den 6000 Kühen, die er jährlich kauft und verkauft, den Fleischpreisen, die die argentinische Regierung niedrig hält und seinen 3 Autos, Häusern, Boot und Privatflugzeug, die er sich auch noch leisten muss. – man hat´s nicht leicht als Rinderzüchter, oder?
Pampa del Infierno trägt seinen Namen zu Recht – es hat eine Affenhitze dort! Wir litten in der Mittagshitze Höllenqualen und müssen wirklich arm ausgeschaut haben, weil sogar ein Langstreckenlinienbus stehen blieb und uns gratis mehrere hundert Kilometer mitnahm. Man kann fast ein schlechtes Gewissen kriegen, wenn man im klimatisierten Bus neben all den zahlenden Fahrgästen sitzt und sich Spiderman 2 im Fernsehen ansieht… Und weil gratis Busfahren noch nicht reicht campten wir an diesem Tag noch auf einem Tankstellencampingplatz – ebenfalls umsonst. Nach einer regenreichen Nacht (in der wir ausnahmsweise mal nicht ganz abgesoffen sind) kamen wir mit einem Trucker gleich mehrere hundert Kilometer mit – Kevin hinten auf der Ladefläche, Marita als Flirtunterhaltung vorne...Das letzte Stück bis Salta legten wir im Kleinwagen des Bürgermeisters von El Golpón zurück. Der war so stolz darauf erfolgreich zum ersten Mal Autostopper mitgenommen zu haben, dass er fast darauf vergessen hätte unseren zweiten Rucksack auszuladen…

Die Jesuitenreduktionen von Jesus und Trinidad...

Etwa 30 Kilometer nördlich von Encarnacion liegen die ehemaligen Jesuitenmissionen von Jesus und Trinidad. Hier wurden bis vor ca. 250 Jahren Guaraní (Ureinwohner dieses Gebietes) von Jesuitenmönchen „bekehrt“. Anders als bei anderen Missionierungsaktionen ging es hier aber auch um den Schutz der indigenen Bevoelkerung vor den Sklavenhaendlern und Grossgrundbesitzern. Ab ca. 1600 hatten die Jesuiten das o.k. von der spanischen Krone in den Guaraní-Gebieten Ackerbau zu betreiben und zu missionieren. Diese Jesuitenreduktionen erwirtschafteten aber bald so viel Ueberschuss, dass die Spanier das Ganze abbliesen und die Jesuiten wieder verstaubten. Die Reduktionen verfielen langsam und wurden erst vor kurzem wieder restauriert. Trinidad ist heute sogar UNESCO Weltkultuterbe was aber nicht heisst, dass es deshalb ueberrannt ist...
Direkt neben den Ruinen konnten wir glücklicherweise gratis campen und am nächsten Tag waren wir schon wieder on the road to Encarnacion.

Itaipú...

Itaipú ist nach dem kürzlich fertig gestellten Dreischluchtendamm in China das zweitgrößte Wasserkraftwerk der Erde. Nach fast 10 Jahren Bauzeit ging es 1984 in Betrieb und versorgt bis heute praktisch ganz Paraguay und ein Viertel Brasiliens mit Energie. Dennoch ist das Werk sehr umstritten, da nicht nur 40.000 Guaraní umgesiedelt werden mussten, sondern sein Bau auch beträchtliche Schäden am Ökosystem nach sich zog. Deshalb ist die PR-Abteilung des Zweistaaten-Unternehmens immer noch bemüht ihr Image aufzupolieren. Sie haben nicht nur unzählige kleine Nationalparks und Wildtierzuchtstationen, sondern auch einige gratis Freizeitparks, ein riesiges Besucherzentrum und gratis Kraftwerksführungen – letzteres mussten wir natürlich ausnutzen.
Es ist schon eine gigantische Anlage und die technischen Daten sind einfach unvorstellbar:
· Die Staumauer hat eine Gesamtlänge von ca. 8km und misst an der höchsten Stelle 196 Meter.
· Die beim Bau bewegten Erd- und Gesteinsmassen entsprechen dem Volumen des Zuckerhuts in Rio de Janeiro
· Mit dem verwendeten Beton könnte man 210 große Fussballstadien (vgl. dem Maracanã in Rio) bauen.
· Aus dem verwendeten Stahl gingen sich 380 Eiffeltürme aus…

Nach der Kraftwerksbesichtigung packten wir unsere Rucksäcke und marschierten daumenstreckend aus der Stadt hinaus. Nachdem unser erster Lift schon nach 15 Kilometern mit einem Reifenplatzer endete und die nächsten 3 Stunden auch nicht wirklich erfolgreich waren (der einzige, der stehen blieb, sagte uns lediglich, dass hier Autostoppen nicht üblich ist und wir doch einen Bus nehmen sollten) machten wir es wie die Einheimischen und fuhren mit dem Bus.

Ciudad del Este...

Nachdem wir uns die Fälle angesehen hatten ging es ins paraguayische Ciudad del Este. Diese Stadt ist Paraguays Schmugglermetropole und war einst die korrupteste Stadt Südamerikas. Heute ist sie ein riesiger, funkelnder Elektronikmarkt in dem man vom Tamagotchi bis zum Laptop alles kriegt. Das Gekaufte wird dann in riesigen Säcken und Schachteln über die Puente de Amistad nach Brasilien oder Argentinien geschleppt – sehr offensichtliches Schmuggeln, aber die Grenzer schauen gerne mal weg…
Uns war diese Stadt etwas zu steil – soviel Konsum sind wir einfach nicht mehr gewöhnt. Nach einem Tagesausflug zum nahe gelegenen Wasserkraftwerk Itaipú schulterten wir wieder unsere Rucksäcke und streckten die Daumen

Puerto Iguazú und die Wasserfaelle...

Nachdem wir in Puerto Iguazu ein paar Tage ausgespannt und den Luxus der argentinischen Supermärkte und Fleischereien genossen haben ging es endlich zu den Wasserfällen.
Hier stürzt der Rio Iguazú von einem Basaltplateau auf einer Breite von …Kilometern über zwei Stufen bis zu … Meter in die Tiefe. Klingt spektakulär – sieht noch spektakulärer aus!
Da der Fluss hier die Grenze zwischen Argentinien und Brasilien bildet, nutzen natürlich beide Seiten die touristische Anziehungskraft der Fälle – die einen motivierter als die anderen…Während man in Brasilien für 10 Euro Eintrittspreis lediglich ein paar kleine Plattformen und den „Gesamtüberblick“ geboten kriegt, hat man auf der argentinischen Seite für das gleiche Geld einen riesigen Freizeitpark mit allen Extras: zig Kilometer Stege zu diversen Plattformen, einen Besucherzug, eine Fähre zu einer Insel inmitten der Fälle, Jausenstationen, Museum, Wanderwege, die kreuz und quer durch den Nationalpark gehen…
Aus Vernunfts- und Kostengründen besuchten wir natürlich nur die argentinische Seite…und wurden nicht enttäuscht.
Auf kilometerlangen Stegen kann man die gigantischen Fälle aus allen Blickwinkeln und vor allem auch aus nächster Nähe bestaunen – kann ganz schön feucht werden!
Aber dieser Nationalpark hat noch mehr als Wasser zu bieten. Die Tier- und Pflanzenwelt hier ist unglaublich und man kann selbst auf den touristischen Hauptwegen immer wieder Koatis (Nasenbären), Tejus (waranartige Riesenechsen), wilde Meerschweinchen (wären sicher lecker, aber leider ist es ein Nationalpark…), tropische Vögel und eine Unzahl bunter Schmetterlinge sehen. Der Park muss sogar mit Einbruch der Dunkelheit schließen, weil das die Zeit ist wo die Großkatzen die Herrschaft über dieses Paradies übernehmen – und das sind nicht nur Horrorgeschichten um die Touristen zum Nachhausegehen zu überreden – man riecht immer wieder, dass die Tiere kräftig ihr Revier markieren…

Dienstag, November 06, 2007

Rio de Janeiro...

Bei unserer Flucht ins sicherere und billigere Paraguay kamen wir zwangsläufig durch Rio de Janeiro durch und…wenn wir schon da sind…
Wir kamen am Nachmittag in Rio an und für Kurzsightseeing war es doch schon ein bisschen spät. Nach einer längeren Diskussion ob wir nicht einfach auf diese Stadt sch… sollten, fiel der Entschluss sie uns doch anzusehen, aber kurz und billig. Wir übernachteten am Terminal (warum für ein teures Hotel bezahlen, wenn man gratis auf Marmor schlafen kann) und starteten am nächsten Tag, nachdem wir unser Zeug bei der Gepäcksaufbewahrung gelassen hatten, zeitig Richtung Zentrum. Dieses war wie ausgestorben, da zur Abwechslung wieder mal ein Feiertag war, aber so rennt dir wenigstens keiner ins Bild und die potenziellen Taschendiebe lassen sich auf einige wenige beschränken. In unserem Reiseführer steht zwar, dass man die Altstadt an Sonn- und Feiertagen genau deshalb meiden soll, aber einen Pfefferspray haben wir ja noch…
Danach ging es mit der Bim hinauf ins Künstlerviertel Santa Teresa – wir kamen uns vor wie am Pöstlingberg, nur dass die Aussicht etwas spektakulärer ist. Wieder unten gings Express gleich weiter nach Ipanema, zum Strand. Hier treffen sich die Reichen und Schönen und jene, die es noch werden wollen. Menschen präsentieren ihre Designerbademode inklusive dazupassender Sonnenbrille, durchtrainierte Bubis gehen mit ihren Surfbrettern am Strand Gassi, obwohl das Meer spiegelglatt ist und dazwischen geht das schwule Pärchen mit ihrem Golden Retriever und dem Pulsmesser am Oberarm walken. Für unseren Geschmack etwas zu abgehoben und unecht, aber wer´s mag…
Nach einigen Kilometern den Strand entlang erreichten wir dann das berühmte Copacabana und suchten die ganzen Bikinischönheiten….vergeblich. Hier tummeln sich jene, die auch sehen und gesehen werden wollen, sich aber Ipanema nicht leisten können (ich meine, ein Kilo Emmentaler im Supermarkt von Ipanema um 30US$ ist schon ein wenig heftig, oder?). Man kann sich Copacabana vorstellen wie das Strandbad von Mörbisch oder die proletenverseuchten Strände von Jesolo, nur, dass eben der Zuckerhut im Hintergrund thront.
Zuckerhut und Jesusstatue ließen wir aus zeitlichen und vor allem finanziellen Gründen aus. Den Zuckerhut sahen wir gut vom Strand aus und auch der Jesus ließ sich zwischen den Hochhäusern durch hin und wieder einmal kurz blicken. Auf den meisten Postkarten scheint es so, als würde er groß über der Stadt thronen, in Wirklichkeit wirkt er eher mickrig. Wir wissen echt nicht, was an diesem 3-cm-Hansel das Weltwunder sein soll, aber vielleicht ist er aus der Nähe eindrucksvoller…
Nach einem Hardcoretrekkingtag in Rio freuten wir uns echt schon auf die Liegesitze des argentinischen Busses. Mit ihm fuhren wir nach Puerto Iguazú (Argentinien) in der Nähe der gleichnamigen Wasserfälle.
Hier sitzen wir nun wieder auf einem gemütlichen Campingplatz in der zivilisierten, gemütlichen Welt der Mate-Trinker und Kilo-Steak-Esser…
Feels like home…

Arembepe und Aldeia Hippie...

Arembepe ist das Wochenendausflugsziel der Mittelklassesalvadorianer, den Rest der Woche ist es aber angenehm ruhig. Zwei Kilometer außerhalb dieses ehemaligen Fischernests begab es sich aber in den 60ern, dass sich die Wege von Mick Jagger und Janis Joplin unter Kokospalmen kreuzten und eine Hippiekolonie entstand…Auch heute noch ist „Aldeia Hippie“ der Wohnort einiger Althippies, Künstler und Tagträumer. Es gibt bis heute weder Strom, fließend Wasser, noch Kanalanschluss, dafür jede Menge weißen Sand und Kokospalmen so weit das Auge reicht. Und wozu braucht man eine mega Stereoanlage, wenn man Gitarre, Trommeln, Kräuter und Freunde hat…
Ist doch verständlich, dass es uns hier gefiel, oder? Schon nach wenigen Tagen konnte man uns nicht mehr von den Einheimischen unterscheiden – Das hast du auf jeden Fall geschafft, wenn dich Tagestouristen fragen, ob sie ein Foto von dir machen dürfen… „Du Mami, schau mal da, echte Hippies!!!!“
Wir hatten unser Zelt bei Luis im Garten (auf seinem Teil der großen Sanddüne) aufgeschlagen und verbrachten die Tage im Schatten in der Hängematte baumelnd und die Abende shisharauchend und mit billigem Sangria am Strand…Beim Schweijern unter Tags leisteten uns Luis Katzen und Kevins Liebling – die coolste Henne der Welt – Gesellschaft. Dieses Huhn war nicht ohne Grund so zerzaust wie ein Klobesen. Es hatte einfach vor nichts und niemandem Respekt und klaute sogar den Katzen das Futter aus dem Maul. Morgens besuchte es uns erst mal um etwas vom Frühstückskaffee abzukriegen, fetzte 3 Runden ums Haus und verbrachte dann den restlichen Tag damit irgendwo Futter zu organisieren (in unserem Zelt, in den Rucksäcken, aus dem Kochtopf,…)
Nachdem nach 10 Tagen im Hippieexil das Paket im Internet noch immer als „unterwegs zum Zoll“ vermerkt war kletterten wir von unserer Düne herunter und fuhren auf gut Glück in die große, große Stadt um den Postlern mal ein wenig Feuer unter dem Hintern zu machen.
Wie sich herausstellte war unser Packerl auch schon seit mehreren Tagen im Postgebäude, es war nur vom Zoll noch nicht freigegeben. Da aus Versicherungsgründen der Wert am Paket vermerkt gewesen war und in Brasilien für Elektrogeräte 60% Zoll zu zahlen ist hatten wir ein Problem: der Spaß sollte uns ca. 1000US$ kosten. Da wir aber Touristen sind und in ein paar Tagen wieder aus dem Land ausreisen würden versuchten sie (weil wir gar so verzweifelt schauten) wirklich alles um das Paket anders freigeben zu können. Nach eineinhalb Stunden, in denen wir in der Post Völkerwanderungen, Händeringen und rauchende Köpfe ausgelöst hatten, drückte unser Postengerl beide Augen zu und den Stempel „LIBERTADO“ aufs Paket. Danke Sandra!
Erleichtert und um 2 Kameras schwerer stiegen wir in den Bus zurück nach Aldeia.
Etwa auf halber Strecke wurden bei einer routinemäßigen Polizeikontrolle alle Männer von einer 20Mann starken, schwer bewaffneten Sondereinheit „freundlich“ aus dem Bus gebeten, mit gespreizten Beinen gegen selbigen gelehnt und gesackelt. Und so lehnte Kevin da, in Batikshirt, Badehose und Sandalen…nur 2 Sachen in seinen Taschen: ein Feuerzeug und einen Pfefferspray. Ersteres war den Beamten relativ egal, dank zweiterem durfte Marita auch aussteigen. Zitat eines Polizisten: „He, temos um hippie armado!“ – „Wir haben da einen bewaffneten Hippie!“ Nachdem sich aber herausstellte, dass wir Touristen waren und im Hippiedorf wohnten, entspannte sich die Lage wieder und die Läufe senkten sich – das ist einfach viel zu viel administrativer Aufwand: zwei ausländische Hippies, einer bewaffnet, der andere ohne Ausweis, dafür mit 2 neuen Kameras unbestimmter Herkunft…
Zurück im Hippiedorf entspannten wir erst mal gründlich und planten dann, den Grund unseres ewigen Wartens endlich in den Händen haltend, unsere Weiterreise/Flucht.

Salvador - das Afrika Brasiliens...

Nach 36 Stunden Busfahrt kamen wir fertig und hungrig (weil unsere mitgenommene Jause klimabedingt zu schnell schlecht geworden ist – nächstes mal keine Spaghetti mit Soße mehr) in Salvador an. Wir gaben unsere Rucksäcke bei der Gepäckaufbewahrung am Terminal ab und fuhren voller Erwartung ins Zentrum um unsere Post abzuholen. Danach wollten wir nach einem halben Tag Express-Sightseeing gleich weiter nach Rio.
Aber es war ein Feiertag von dem wir nichts gewusst hatten und die Post war zu. Also hieß es zurück zum Terminal, Sachen holen, wieder ins Zentrum und eine viel zu teure günstige Unterkunft suchen…Die Hoffnung auf das Packerl lebte für den nächsten Tag…Und wurde enttäuscht. Unsere neuen Kameras gurkten seit Tagen irgendwo zwischen Sao Paulo und Salvador herum und so hieß es für uns warten – bei Brot und Bananen, das einzig halbwegs leistbare in Salvador.
Unser Hostal war im Stadtteil Pelourinho, dem historischen und touristischen Zentrum der Stadt. Hier konzentrieren sich nicht nur die Souvenirshops, sondern auch die Restaurants und Futterstände. Überall roch es nach Essen, das wir uns nicht leisten konnten und wollten – aber man gewöhnt sich an das konstante leichte Hungergefühl…
Bei unserer Ankunft in Salvador waren wir erst einmal geschockt von den sozialen Problemen, der Gewalt und den extremen Unterschieden von arm und reich in dieser Stadt und wollten nur so schnell wie möglich raus. Gleich am ersten Tag sahen wir wie ein Polizist eine Obdachlose mit dem Schlagstock verprügelte und kurz darauf, wie ein Mann einen anderen mit einer Eisenstange blutig schlug. Schwangere, abgemagerte Prostituierte, Müllsammler, Billigdrogen-Zombies, Straßenkinder und Obdachlose, die die Gehsteige blockieren,…
Aber nach einer Woche des zwangsweisen Wartens konnten wir auch Salvador, dem Afrika Brasiliens, einige schöne Seiten abgewinnen. In Pelourinho wird den ganzen Tag irgendwo getrommelt oder getanzt. Auf den Plazas kann man Capoeira-Gruppen bei ihrem artistischen Kampf-Tanz zusehen und bei manchen für ein kleines Trinkgeld auch selber ausprobieren. Man könnte auch an Candomblé-Sessions (afro-brasilianische Religion) teilnehmen. Überall spielt Musik, die Straßen sind gefüllt mit bunten Bildern und schrägen Menschen mit noch schrägeren Frisuren (so viele Rasta und Dreads kombiniert mit kreativen Rasuren findest du nirgendwo sonst)
Da Pelô das touristische Zentrum der Stadt ist wird es auch dementsprechend von der Polizei gesichert und bewacht. Solltest du als Tourist auf die blöde Idee kommen in diesem hermetisch abgeriegelten Viertel in die falsche Seitengasse abzubiegen, hüpfen gleich 5 Menschen vor dir auf die Straße und erklären dir wie gefährlich es hier nicht ist und versperren dir den Weg. Bleibst du in Pelô bist du beschützt wie eine unter Artenschutz stehende Spezies, schaffst du es aber die unsichtbare Grenze zu durchbrechen kannst du auch den Rest der Stadt ohne Probleme erkunden…Nur solltest du dann Geld und Kamera im Hotel lassen, dafür aber den Pfefferspray griffbereit haben…
Nachdem wir die Stadt genug erkundet hatten, saßen wir die meiste Zeit in unserem Zimmer am Fenster und beobachteten das Leben auf der Plaza unter uns. Dicke deutsche Touristen, Clowns, Ketterlverkäufer, Brasilianerinnen die trotz ihrer 100kg wie Supermodels posieren, Dosensammler, riesige Touristengruppen mit eigenem Kameramann, tanzende Kinder, spontane Trommelsessions und immer wieder seltsame, falsche Gesänge zu Gitarrenmusik aus dem Tempel einer Sekte (Katoliker oder so ähnlich….)…
Aber als nach einer Woche des Wartens das Paket immer noch nicht in Salvador war fassten wir den Entschluss ins billigere Arembepe zu flüchten und in der dortigen Hippiekolonie ins Exil zu gehen…Auf einer Sanddüne wartet es sich gleich entspannter…

Belem - das Tor zum Amazonas...

Nach einer relativ rauen Fahrt auf einem Fluss, der hier oft schon so breit ist, dass man das Ufer nicht mehr sehen kann, erreichten wir Belém, das Tor zwischen Amazonas und Atlantik. Der Übergang zwischen den beiden Gewässern ist aber ein sehr fließender, da das Flussdelta solche enormen Ausmaße hat. Der Amazonas ist hier mehrere Kilometer breit, der Seegang oft enorm und es gibt hier sogar eine Insel, die größer ist als die Schweiz…
Wir kamen wieder einmal abends an und stiegen dann auch noch am falschen Hafen aus. In brasilianischen Städten werden generell mit Einbruch der Dunkelheit die Gehsteige hochgeklappt und die einzigen Personen, die noch auf der Straße sind, sind eher zwielichtiger Natur. Und so standen wir nun in Belém, in einem der eher ungemütlicheren Stadtviertel und mussten irgendwie zu einem Hotel kommen…Mit Pfefferspray in der Hosentasche umgingen wir von Obdachlosen errichtete Straßensperren und erreichten irgendwie doch ein Stadtviertel in dem es einige Hotels gab. Wir fanden sogar ein relativ günstiges in dem zwar die Betten unbrauchbar, aber dafür Haken an der Wand waren – Hängemattenschlafen sind wir ja inzwischen gewöhnt…
Im Gegensatz zu den anderen Amazonasstädten hat Belém aufgrund seiner Lage einiges an Geschichte und somit auch an Sehenswürdigkeiten zu bieten. Es ging immer schon jeglicher Warenverkehr zwischen Atlantik und Amazonas durch diese Stadt und verschaffte ihr so konstanten Reichtum. In der gesamten Stadt stehen alte Kirchen, riesige Prunkbauten und schöne Plazas. Eine Besonderheit sind die zwei 5 bzw. 15ha großen naturbelassenen Dschungelparks mitten in der Stadt. Hier laufen grüne Leguane, Faultiere und so manch andere Dschungelbewohner frei herum.
Nach zwei Tagen Sightseeing in Belém ging es wieder weiter nach Salvador. Und schon beim Kauf der Tickets stand für uns eines fest: Wir müssen dieses Land fluchtartig verlassen. Die Bustickets kosteten uns mehr als 2 Inlandsflüge in Peru und da waren nicht einmal Essen oder Liegesitze inkludiert (was im Rest von Südamerika Standard ist.)…Der Plan war folgender: In Salvador zur Post, das Paket aus Österreich, das für uns wartet abholen, weiter nach Rio de Janeiro für kurzes Sightseeing und dann die Flucht über Puerto Iguazú ins sichere Paraguay…aber es sollte anders kommen…

Die Brasilianer....

Von Europa klingt Brasilien wie DAS südamerikanische Paradies…und genau das haben wir auch erwartet…und wurden wirklich enttäuscht. Nicht nur, dass das Preisniveau hier ungefähr dem europäischen entspricht und somit für uns nicht leistbar ist, es ist auch die brasilianische Mentalität, die wir einfach nicht aushalten. Wir wollen hier niemandem Brasilien „schiachreden“, aber es ist für uns auch echt wichtig mal nicht wie alle anderen nur von Kokospalmen und weißen Stränden zu erzählen, sondern das Land und vor allem die Leute so zu beschreiben wie es wirklich ist.

Wir bringen mal einfach ein paar Beispiele, die zeigen warum uns dieses unzivilisierte, viel zu laute Proletenland nicht gefallen hat:

· Alles ist einfach alles ZU… - zu laut, zu süß, zu viel, zu teuer, zu…
· Grundsätzlich will dich jeder um mindestens den doppelten Preis bescheißen (naja, er muss ja auch überleben, oder?)
· Der Großteil der Brasilianer sind einfach Proleten á la GTI- Fahrer und Nachtschichtgeher…
· Außerdem sind Brasilianer grundsätzlich LAUT – Man muss ja miteinander schreien, wenn man nur 2 Meter voneinander entfernt steht, oder? Der Großteil der Gespräche wird so geführt und die Stimme wird nicht gesenkt, wenn zufällig mal ein Passantenohr 10cm vom Mund entfernt ist… Außerdem ist es voll gerechtfertigt einfach mal zu schreien, auch ohne Grund.
· Brasilianer sind generell unsozial und rücksichtslos: Wenn ich auf der Plaza sitze und Musik hören will mache ich bei meinem Auto einfach alle Türen auf und dreh meine Megaanlage auf volle Lautstärke, auch wenn daneben das Baby im Kinderwagen schläft.
· Taktlos, gefühllos, Ellbogenmentalität,…aber in diesem Land, wo das alle machen muss man ja so werden…
· …nicht mal ein Bettler bedankt sich, wenn man ihm was gibt, er dreht sich einfach um und geht…
· In keinem anderen Land bisher war der Unterschied zwischen Arm und Reich so deutlich und kein anderes Land hatte so viele soziale Probleme wie Brasilien
· Die Polizei ist hier das Gesetz.
· Brasilianer betreiben einen abartigen Körperkult: 3x täglich wird geduscht und danach in Parfum gebadet, nach jedem Snack werden die Zähne geputzt, für seine Haare braucht man mindestens 5 Pflegeprodukte,…Kleidung ist grundsätzlich 3 Nummern zu eng, was schon bei Schlanken nicht gut aussieht und dann erst bei 90kg…
· Es gibt fast keine Supermärkte, dafür Kosmetik-Hypermärkte und Billiggewandgeschäfte á la New Yorker nur mit noch mehr Glitzer und Neon an jeder Ecke.

…und nun zu einem sehr zentralen Punkt in unserem Leben: dem Essen!

· Einziges Milchprodukt ist Butter – nur ist da keine Butter drin, sondern Fette, Stabilisatoren, Geschmacks- und Farbstoffe, Butteraroma,…sie hält zwar 3 Monate ohne Kühlung schmeckt aber dafür…
· Wein im Rest der Welt enthält…Trauben. In brasilianischen Weinen ist ein bisschen Wein, Ethylalkohol, Traubensaftkonzentrat, Farb- und Geschmacksstoffe und mindestens 5 E-Nummern…
· Filterkaffee wird in 20ml-Becherchen getrunken – wir trinken normal im Schnitt zwischen 300ml und 500ml!
· …

Natürlich und zum Glück sind nicht alle Brasilianer so und wir wollen hier auch keine Vorurteile züchten, sondern einfach mal Dampf ablassen.
Es gibt auch tolle Sachen an Brasilien – z.B.: sie haben die besten Ananas und Papayas der Welt!

Santarem und Alter do Chao...

Nach einer viel zu teuren Nacht in Santarem, einer Stadt, die nichts Besonderes zu bieten hat, zogen wir weiter nach Alter do Chao – der Karibik des Amazonas. Schon bei der Ankunft kamen wir uns vor als wären wir versehentlich in den Garten eines Luxushotels gestolpert: weiße Sandstrände, lauwarmes Flusswasser, Mangobäume, Kokospalmen und rundherum Dschungel. Und alles um einen Deut zu kitschig, als hätte es ein Landschaftsplaner entworfen.
Die einzige leistbare Unterkunft in Alter do Chao war eine Pousada, die auch überdachte Hängemattenplätze hatte. Wir waren zwar auch mit diesen Hängemattenplätzen über unserem Budget, aber es war einfach so nett mit dem als Dschungel belassenen Garten, den Leguanen, Fledermäusen und Geckos, dass wir beschlossen trotzdem ein paar Tage im Paradies auszuspannen.
Um das Ausspannen wirklich exzessiv betreiben zu können, verwirklichten wir auch endlich unseren Traum einer eigenen Reise-Shisha. In Manaus hatten wir in einem Geschäft Wasserpfeifentabak und ein Hiatl gekauft und nun wurde mit Bambus, Pet-flasche, Plastikschlauch und Leukoplast die genialste Reise-Shisha gebaut. Hat schon was beim Lagerfeuer am weißen Sandstrand zu sitzen und den Tag zu verblubbern…
Nach fast einer Woche in der „Karibik“ rafften wir uns aber wieder auf und verließen schweren Herzens diesen schönen Flecken Erde – und machten uns auf zu unserer letzten Etappe auf dem Amazonas, dem Atlantik entgegen.

Manaus...

Manaus – eine Großstadt mitten im Dschungel mit einem internationalen Hafen, der 1500km vom Meer entfernt ist. Hier, am Zusammenfluss des Amazonas mit dem Rio Negro wird der Fluss so groß, dass es sogar riesige Containerschiffe vom Meer bis hierher schaffen. Nach Wochen mitten in Dschungel und auf kleinen Flüssen ein ungewohnter Anblick…
Bei ihrem Zusammenfluss (dem encontro dos aguas) mischen sich der milchkaffeefarbene Amazonas und der espressofarbenen Rio Negro – eine der Hauptsehenswürdigkeiten der Stadt. Aufgrund der unterschiedlichen Zusammensetzung und Temperatur geschieht dies aber erst, nachdem sie einige Kilometer nebeneinander geflossen sind – sieht echt genial aus, weil es scheint als wären die beiden durch eine Glasplatte voneinander getrennt, so deutlich sieht man die farbliche Grenze.
Wir erreichten Manaus in den frühen Abendstunden und nachdem gute Hostels in Brasilien teuer sind, nisteten wir uns für diese erste Nacht im erstbesten Billigloch ein – wir brauchten es ja eh nur zum schlafen…Eines der billigsten Zimmer, das wir in ganz Brasilien hatten: mit Klimaanlage, Privatbad, Fernseher mit 2 Pornokanälen, Latexmatratze und einem großen Aufkleber doch bitte Kondome zu verwenden um Geschlechtskrankheiten zu vermeiden…
Da dieses Hotel aber nicht so sicher erschien und auch irgendwie die Wohlfühlatmosphäre fehlte übersiedelten wir gleich am nächsten Morgen in eine viel teurere Gringohütte…die Atmosphäre war nicht viel besser, aber es war wenigstens sicher und das Frühstück war inkludiert.
Aber in Brasilien ist generell alles sauteuer und wie wir bald herausfanden versucht dich generell mal jeder kräftig zu bescheißen. In fast allen Ländern ist es so, dass dir Marktfrauen noch einen kleinen Touristenaufschlag verrechnen, aber in Brasilien versuchen sie dir den 3-fachen Preis abzuknöpfen…und das, bei einem schon von vorneherein viel zu hohen Ausgangspreis.
Nachdem wir uns am geplanten Abreisetag mit einem netten Australier beim Frühstück verquatscht hatten ging es halt erst nach 3 Tagen weiter nach Santarem.
Da die Tickets am Unterdeck etwas günstiger sind hängten wir unsere Matten natürlich da auf. Der einzige noch freie Platz war über dem Motor. Wir dachten uns, dass es nicht so schlimm werden würde…bis der riesige Schiffsmotor angeworfen wurde. Es folgten 2 Tage dröhnender Lärm und viele wortkarge Stunden…

Triple Boarder - Peru, Brasilien und Kolumbien!

Wir hatten Glück und erwischten tatsächlich ein Boot, das auch noch am selben Tag ablegte – mit uns und noch ca. 200 anderen Menschen an Bord. Das heißt Nase an Nase, Hängematte an Hängematte mit wildfremden Menschen für 2 Tage…
Einer unserer Hängemattennachbarn war ein Kolumbianer, der das ganze Boot mit seiner selbst genähten Hängemattenkonstruktion unterhielt – Anfangs hatte er ca. 2,5m Vorhangstoff, ein paar Meter Seil und Nadel und Zwirn…nach 5 Versuchen und 3 Stürzen war seine Hängemattenkonstruktion zwar nur noch 1,5m lang, aber sie hielt endlich. Sieht lustig aus, wenn ein ca. 2m großer, kräftig gebauter Mann in einer „Kinderhängematte“ schläft…
Nach der überfülltesten und dreckigsten Bootsfahrt auf unserem gesamten Amazonastrip kamen wir an der peruanisch- kolumbianisch- brasilianischen Grenze an. Nachdem das peruanische Santa Rosa nur ein Nest mit ein paar Häusern und einem Grenzposten ist, fuhren wir mit dem Boot ins gegenüberliegende Tabatinga (Brasilien). Dort feierten wir Maritas Geburtstag mit einer riesengroßen Geburtstagswassermelonentorte. Als Geschenk gab es einen brasilianischen Einreisestempel und tags darauf eine Luxuskreuzfahrt nach Manaus.
Bevor wir aber abreisten sahen wir uns noch das (viel schönere) kolumbianische Leticia an, das nahtlos an Tabatinga anschließt. Die einzige wirkliche Sehenswürdigkeit die es dort gibt ist ein Park in dem sich jeden Abend viele Tausend Papageien versammeln um dort die Nacht zu verbringen – das abendliche Kreischkonzert hört man bis Tabatinga hinüber.
Die Bootsfahrt nach Manaus stellte sich glücklicherweise als, für brasilianische Verhältnisse, sehr günstig heraus, weil am selben Tag zwei Boote ablegten und sie deshalb die Tickets zum halben Preis verkauften – südamerikanische Logik!?! Und das Boot war nicht ein dreckiger Frachtkahn wie sonst, sondern ein edles, neues Transportschiff, in dem es sogar einen klimatisierten Speisesaal gab. Luxus auf der vollen Linie also.
Auf dieser Fahrt gaben wir zum ersten Mal seit fast 10 Monaten nicht nur Geld aus, sondern nahmen auch etwas ein. Unsere geknüpften Arm- und Halsketterl gingen weg wie die warmen Semmeln. Die Entscheidung war gefallen: Wir machen das jetzt nicht nur mehr als Zeitvertreib für uns selbst, sondern gehen in die Produktion für den Verkauf – besonders in Brasilien kann ein kleiner Zusatzverdienst nicht schaden…

Sonntag, September 16, 2007

Iquitos...Perus Dschungelmetropole...

Iquitos - Eine Stadt mit 400.000 Einwohnern mitten im Dschungel ohne Straßenanschluss. Weltweit die größte ihrer Art.
Im Gegensatz zu Pucallpa hat Iquitos dank des Gummi-Booms und später des Öls eine lange Geschichte. Im Zentrum sieht man noch viele der alten Residenzen der Gummibarone aus dem späten 19. Jahrhundert. Eine Besonderheit ist auch das Stadtviertel Belén: Ein Armenviertel das so nahe am Fluss gebaut ist, dass es das halbe Jahr unter Wasser steht. Die Häuser sind entweder auf meterhohen Stelzen gebaut oder stehen auf riesigen, liegenden Baumstämmen, die als Floss dienen, wenn das Wasser steigt. In Belén gibt es auch einen Markt auf dem man fast alles zu kaufen bekommt: Fische aller Art, Krokodil- und Schildkrötenfleisch, gegrillte Riesenmaden, gekochte Schildkröteneier, eingelegte oder getrocknete Schlangenköpfe, Rinden und Lianen (auch Ayahuasca – eine halluzinogene Lianenart, die bei schamanischen Ritualen verwendet wird), Kräuter, exotische Früchte, und auch sonst noch alles was man im alltäglichen Leben so braucht – von der Küchenabwasch bis zur Machete…
Nahe der Stadt gibt es einen relativ großen parque zoologico, in dem man die Tiere des Dschungels aus der Nähe sehen kann. Sie sind zwar eingesperrt, aber meist in ihrer natürlichen Umgebung – viel artgerechter als in den meisten europäischen Zoos. Man kann in wunderschöner Tropenlandschaft spazieren gehen und Tiere wie Tapire, Affen, Riesenotter, Kaimane, Raubkatzen und viele andere aus nächster Nähe sehen. Aber nicht nur in den Käfigen sieht man Tiere, auch in allen Bäumen wimmelt es von exotischen Vögeln und frechen, kleinen Affen, die den Tapiren das Futter stibitzen.
Nachdem wir nun die Stadt und ihre Umgebung genug erkundet haben geht es morgen per Riverboat weiter zur brasilianischen Grenze – wenn ein Boot fährt bzw. auch tatsächlich ablegt…

Mit dem Frachtschiff von Pucallpa nach Iquitos...

Nachdem wir in Pucallpa alles fürs Riverboat-fahren besorgt hatten (Hängematten, Getränke, Futternapf, Moskitoschutz,…) packten wir unser Zeug und marschierten zum Hafen. Dort fragten wir uns durch welches Boot nach Iquitos fahren würde und gingen an Bord.
Diese Boote sind Frachtschiffe, die Iquitos mit allem Nötigen versorgen. Iquitos ist nämlich weltweit die größte Stadt ohne Straßenanschluss. Alles was es dort zu kaufen gibt wurde entweder vor Ort erzeugt, oder per Schiff oder Flugzeug hintransportiert. Diese Frachtschiffe nehmen meist auch Passagiere mit, die aber eher ein Nebenverdienst sind. Es gibt zwar auch ein paar Kabinen, aber die sind natürlich zu teuer für uns und außerdem hat das keinen Style – Wir machten es wir die Einheimischen und schliefen in Hängematten am Oberdeck. Hier geht es ziemlich chaotisch zu und jeder hängt seine Matte dort hin, wo noch Platz ist (oft auch neben oder zwischen die Fracht).
Es gibt auch keine fixen Abfahrtszeiten, sondern die Boote legen dann ab, wenn sie voll beladen sind.
Unser Boot transportierte von Obst und Gemüse über Möbel und Zement bis hin zu Fischen und Riesenschildkröten alles. Ablegen sollten wir planmäßig noch am selben Tag. Der Zement war aber noch nicht vollständig an Bord und deshalb verbrachten wir (um Hotelkosten zu sparen) die erste Nacht am Boot im Hafen. Auch am zweiten Tag kam etwas dazwischen, da die Marine das OK zum Ablegen noch nicht erteilt hatte – Aber wir haben ja Zeit und ans Hängemattenschlafen gewöhnt man sich am besten ohne Schaukeln…
In den frühen Morgenstunden des dritten Tages legten wir dann endlich ab und tuckerten Richtung Iquitos.
Das Leben an Boot ist sehr einfach aber gemütlich. Drei mal am Tag gibt’s was warmes zu Essen - auch wenn es jeden Tag das Gleiche ist…wässriger Brei zum Frühstück; Reis, Bananen und irgendein Stück Fleisch (Huhn, Schwein, Ratte?) zu Mittag und Nudelsuppe mit Kochbanane zum Abendessen. Aber wir sind ja inzwischen nicht mehr wählerisch was Nährstoffe angeht (auch Salmonellen haben Kalorien, oder?) Während sogar einige Peruaner an Bord Probleme mit dem Essen bzw. seiner Verdauung hatten ging es uns wunderbar – wir haben wirklich schon Saumägen!
Zu tun gibt es den ganzen Tag nichts außer faul in der Hängematte liegen, lesen, knüpfen, mit den Hängemattennachbarn quatschen und das Ufer vorbeiziehen sehen.
Kevins Lieblingsplatz war das Dach des Schiffes wo er stundenlang cocakauend saß und den Delfinen beim spielen zusah. Von dort oben hat man eine geniale Aussicht. Man sieht immer wieder kleine Dörfer und Siedlungen am Ufer. Oft steht auch irgendwo nur ein Dach mit einer Wäscheleine daneben, einem Bananenfeld dahinter und einem Einbaum am Ufer. So einfach kann das Leben sein…Besonders zu Sonnenuntergang ist die Stimmung am Fluss atemberaubend!
Während sich Kevin am Dach von der Sonne braten ließ genoss Marita das Leben in der Hängematte. Zum einen, weil es dort schattig ist, zum anderen, weil einer von uns immer bei den Rucksäcken bleiben musste. Es wechselt auf diesen Booten sehr viel, sehr schnell den Besitzer. Angeblich gibt es Menschen, die nur aus diesem Grund mitfahren. Besonders kurz vor und in den Häfen muss man aufpassen, dass seine Sachen nicht von Bord gehen.
Am 4. Reisetag kamen wir um 10 Uhr nachts dann in Iquitos an. Deshalb und da es in Strömen schüttete beschlossen wir noch eine Nacht am Boot zu schlafen um wiederum Hotelkosten zu sparen und trocken zu bleiben.
Der Kapitän war sogar noch so nett und gab uns für die letzte Nacht eine der jetzt sowieso ungenutzten Kabinen zum Schlafen.
Am nächsten Morgen wurden wir schon vor Sonnenaufgang vom regen Treiben im Hafen geweckt. Bananen wurden abgeladen, Fische noch an Bord verkauft, Aligatorschwänze, Piranhas und Riesenschildkröten wechselten den Besitzer. Am Nachbarboot war am Vortag eine Kuh verendet, die nun von 10 Mann die schlammige Hafenböschung hinaufgeschleift wurde. Lautsprecher tönten und Motocarros röhrten – Kein Wunder, dass wir wach waren.
Nachdem wir dem Hafentreiben mehrere Stunden vom Boot aus fasziniert zugesehen hatten, schulterten wir die Rucksäcke und marschierten Richtung Zentrum.

La Selva...der Dschungel...

Um 7 in der Früh starteten wir mit Chelos kleinem Boot Richtung Wildnis. Erst ging es die Lagune hinauf und dann über einen kleinen Kanal in den Rio Ucayali. Dieser hier noch relativ schmale Fluss (in etwa so breit wie die Donau) bildet mit einigen anderen Flüssen später den Rio Amazonas.
Auf der Fahrt erzählte uns Chelo viel über den Fluss und das Leben an seinen Ufern. Da in dieser Gegend alles undurchdringbarer Dschungel ist spielt sich sämtliches Leben entlang und auf den Flüssen ab. Sie sind Transportweg, Nahrungslieferant und Zentrum des Lebens. Alles hängt vom Wasserstand des Flusses ab. Viele Häuser stehen auf Stelzen oder schwimmen entweder das ganze Jahr oder zumindest Teile davon. - Am Amazonas beträgt der durchschnittliche Wasserstandsunterschied zwischen Regen- und Trockenzeit ca. 10m!!!
Die Bewohner dieser Region leben hauptsächlich vom Fischfang und Obstanbau (meist Bananen, Melonen und Papayas) Der Überschuss der produzierten Waren wird dann mit dem Einbaum nach Yarinacocha oder Pucallpa gefahren um dort am Markt verkauft zu werden.
Chelo erzählte uns aber auch viel über das Leben unter der Wasseroberfläche, was einerseits sehr interessant, andererseits zum Fürchten ist (Fische von mehreren Metern Länge, Piranhaschwärme, 10cm-Fischlein, die in Riesenschwärmen über Delfine herfallen…) Ein tolles Gefühl, wenn man kurz darauf in einem seichten Seitenarm aussteigen muss, um das Boot anzuschieben. Aber es waren nur die ersten Schritte wirklich schlimm – man gewöhnt sich schnell daran und versucht nicht an die Stachelrochen zu denken, die sich im weichen Sand vergraben. Am Abend waren wir dann schon ganz normal baden.
Die erste Nacht schlugen wir unser Camp mitten im Dschungel unter einem faszinierenden Riesenbaum auf. Diese Bäume beanspruchen eine Bodenfläche von mehreren hundert Quadratmetern und vergrößern sich indem sie dünne Lianen zum Boden wachsen lassen. Wenn diese die Erde erreichen, fangen sie an zu wurzeln und einen neuen Stamm auszubilden. Dieser bildet dann wiederum Lianen, usw. Auch wenn es aussieht wie viele ineinander verwachsene Bäume, so ist es doch nur ein einziger…
Nach dem Dunkelwerden erkundeten wir die nähere Umgebung mit unseren Taschenlampen. Im Dschungel beginnt bei Nacht das große Krabbeln! Aus allen Ritzen und Löchern kommen die eigenartigsten Insekten: Riesengrillen, tarnfarbene Gottesanbeterinnen, handtellergroße Riesenschaben, Vogelspinnen, Skorpione und noch viele andere Flattermänner und Krabbeltiere…
Danach ging das Erkunden der eigenartigen Tierwelt am Fluss weiter – mit einer Handleine. In den Flüssen hier scheint es nachts so, als gäbe es mehr Fische als Wasser. Die Wasseroberfläche brodelt und lässt das Gemetzel, das darunter stattfindet erahnen. Einen kleinen Einblick bekamen wir dank eines großen Angelhakens und kleinen Fischstücken, welche von den bluthungrigen Monstern innerhalb kürzester Zeit verschlungen wurden.
Zum Schlafen ging es dann nur unter ein Moskitonetz, denn hell leuchtenden Sternenhimmel als Dach…
In den nächsten Tagen erkundeten wir den Dschungel dann auch bei Tag. Wir hörten viel über die Pflanzen, ihre Charakteristika, ihre Heilwirkungen und die Verarbeitungsformen der unterschiedlichen Hölzer – das meiste haben wir schon wieder vergessen (spanische Namen, von Bäumen, die wir sowieso nicht mehr wieder erkennen…) Aber auch einige Tiere bekamen wir zu Gesicht. Überall in den Bäumen sieht man Ameisen- und Termitennester hängen und auch am Boden wimmelt es nur so von diesen kleinen Krabblern. Es gibt hier viele hundert Ameisenarten – von Minitierchen, die das Auge gerade mal sieht bis hin zu mehreren Zentimeter großen Riesenkalibern. Viele sind harmlos, aber es gibt auch unzählige, die es in sich haben. Chelo zeigte uns eine mit Riesenbeißwerkzeugen, die sich in seinem Fingernagel festbiss und nicht mehr losließ. Es gibt auch welche, die mit einem bestimmten Baum eine Symbiose eingehen. Sie leben in seinem hohlen Stamm und ernähren sich von einem Sekret, das dieser absondert. Würden die Ameisen dieses nicht fressen würde sich der Baum selbst vergiften und daran sterben.
Der Wald hier ist zwar ein Naturparadies, aber kein Zoo in dem einem an jedem Baum ein Affe entgegenlacht. Man muss sich sehr vorsichtig und leise bewegen um die Tiere nicht zu verscheuchen. Wir taten unser Bestes, aber stecke Europäer in Gummistiefel und lass sie über Laub und Äste latschen…Wir waren die meiste Zeit so damit beschäftigt keinen Lärm zu machen, dass wir darauf vergaßen die Umgebung zu beobachten. Aber wenn Chelo wieder losfetzte und mit der Machete zu wacheln begann wussten wir, dass es da was Interessantes zusehen gibt. So auch bei einem Ameisenbär, der sich leider in der Krone eines kleinen Baumes versteckte. Chelo versuchte ihn herunterzuschütteln und als er damit keinen Erfolg hatte, war Kevin an der Reihe. Seine Taktik: Raus aus den Gummistiefeln und rauf auf den Baum! Die beißenden Ameisen und der Anblick der Ameisenbärenkrallen, die auf ihn zukamen zwangen ihn zwar schnell wieder zum Abstieg, aber er hatte sein Ziel erreicht – der Ameisenbär war nun in Reichweite unserer Kamera.
So ein Glück hatten wir aber nicht mit allen Tieren. Die Affen waren zu hoch in den Bäumen und einfach zu schnell. Bei unserer Verfolgungsjagd durch den Dschungel zogen wir eindeutig den Kürzeren.
Wenn man vom Affenhetzen müde und durstig ist muss man nicht verzweifeln. Es genügen zwei kräftige Machetenhiebe und schon strömt frisches, klares Wasser aus der Liane. Man muss nur aufpassen, dass man die richtige Sorte erwischt – sonst kann es passieren, dass man einen unbeabsichtigten halluzinogenen Ayahuasca-Trip abkriegt…
Da das Wetter nach Regen aussah verbrachten wir die nächsten Nächte in einem kleinen Dorf von Shipibo-Indianern. Hier borgten wir uns am Abend auch einen Einbaum aus um die umliegende Gegend bei Nacht nach Kaimanen abzusuchen. Es ist schon ein unheimliches Gefühl im Stockfinsteren lautlos durch das Wasser zu gleiten und nur das zu sehen, was die Taschenlampe ausleuchten kann. Es trennen dich nur wenige Zentimeter von der Wasseroberfläche und rundherum erwacht der Fluss zu seinem nächtlichen Leben. Überall jagen große Raubfische, das Wasser spritzt und immer wieder springen kleine Fische in Panik ins Boot. Schon nach kurzer Zeit sahen wir unseren ersten Kaiman, oder besser…nur seine Augen, die im Schein der Taschenlampe wie rote Glühbirnen leuchten. Da die Kaimane hier keine natürlichen Feinde haben, kommt man sehr nahe an sie heran, bevor sie abtauchen. Das machen sich leider auch die Fischer zu Nutze und jagen sie wegen ihres Fleisches. Deshalb gibt es hier kaum noch große Tiere, da sie ab einer Größe von 1,5 Metern auf dem Teller landen.
Auch wir machten Jagd auf sie, aber nur mit der Kamera. Wir kamen auch bis auf eineinhalb Meter an einen stattlichen Burschen von ca. 2 Metern heran. Und genau diesen Zeitpunkt musste sich unsere Kamera natürlich aussuchen um wieder mal, wie schon so oft in den letzten Tagen und Wochen, zu spinnen - Sie löste nicht aus. Und damit war die Entscheidung endgültig gefallen: Wir brauchen eine neue Kamera! Unsere hat in letzter Zeit immer mehr Macken und schießt teilweise selbständig unkontrolliert Fotos, stellt nicht scharf oder löst, wie in diesem Moment einfach nicht oder zu spät aus. Auch wenn es unserem Reisebudget stark zusetzt (ca. 2 Monatsbudgets) werden wir uns demnächst eine neue Kamera kaufen – das bedeutet: bessere Fotos für die Fans zuhause!
Zurück im Dorf verbrachten wir die Nacht in einem typischen mit Palmblättern gedeckten Haus. Es steht, so wie alles in diesem Dorf (Hühnerstall mit eingeschlossen) auf Stelzen. – In der Regenzeit kann man das 5 Meter entfernte Nachbarhaus nur schwimmend oder per Einbaum erreichen.
Wenn wir mal gerade nicht zu Fuß im Dschungel unterwegs waren, erkundeten wir per Boot die kleinen Flüsse und Kanäle in der Gegend. Diese Trips nutzten wir natürlich auch zum Fischen. Nicht nur zum Spaß, sondern auch um ein Mittagessen zu haben. So kam es vor, dass wir erst mal fröhlich baden gingen, dann an der gleichen Stelle ein paar Piranhas raus fingen und diese dann gemütlich verspeisten. Die Fischreste wurden dann wieder im Wasser entsorgt, wo sich gleich einige ihrer Artgenossen die Bäuche voll schlugen. Nach dem sich die Wellen geglättet hatten gingen wir wieder baden – man muss sich ja die fettigen Fischfinger waschen, oder?
Die Piranhas ließen uns auch in Ruhe - sie attackieren normalerweise keine (unverletzten) Menschen. Aber es gibt ja noch andere Fische in diesen Gewässern…und einer von ihnen hatte gerade Appetit auf Marita und – zack – fehlte ein Stück von einem Muttermahl. Diese kleinen Muttermahlfetischisten sind eigentlich harmlos, aber Marita ging dann doch aus dem Wasser, da das blutende Muttermal ja noch größere Kaliber anlocken kann…
Der vierte Tag unseres Trips bestand eigentlich nur aus der Rückfahrt nach Yarinacocha. Trotzdem hatten wir das Glück vom Boot aus noch einiges zu sehen. In einem Baum entdeckten wir 2 Faultiere und nur ein Stück weiter saß auf jedem dritten Baum ein riesiger grüner Leguan. Im Fluss sahen wir immer wieder die Flossen eines pinken oder blauen Flussdelfins und hunderte Vögel flatterten, wie schon die letzten Tage immer um uns herum.
Wie es sich für eine perfekte Dschungeltour gehört kriegten wir dann auch noch einen echten Tropenschütter ab. Also, wenn es hier mal regnet, dann richtig! Es schüttet wie irre, blitzt und donnert und man hat das Gefühl als würde die Welt gleich untergehen. Die Leute hier lassen sich aber von solchen Kleinigkeiten nicht aus der Ruhe bringen. Es wird trotzdem gefischt, am Fluss gepaddelt und die Wäsche gewaschen…
Nach diesem echt genialen Trip ging es für uns wieder zurück nach Pucallpa von wo aus es per Frachtschiff Richtung Iquitos weitergehen würde…

Pucallpa und die Laguna Yarinacocha...

Nach einigen Monaten in den eher kalten Hochanden, war die Ankunft in Pucallpa, als betrete man ein Dampfbad. Die jährliche Durchschnittstemperatur!!! liegt hier bei 26 Grad, die konstante Luftfeuchtigkeit lässt es aber noch heißer erscheinen…
Die Stadt, die vor wenigen Jahrzehnten noch eine Dschungelsiedlung mit wenigen Tausenden Einwohnern war, beherbergt heute, dank ihrer großteils asphaltierten Straße nach Lima über 300.000 Menschen. Sie ist damit der einzige große Amazonashafen in Peru mit Straßenanschluss. Durch die relativ junge und unspektakuläre Entstehungsgeschichte Pucallpas ist auch das Stadtbild dementsprechend: keine wirklichen Sehenswürdigkeiten, großteils Zweckbauten und große Armenviertel am Stadtrand. Hauptverkehrsmittel sind Motocarros (motorisierte Rikschas), die einen Höllenlärm machen.
Nach 2 Tagen in dieser Dschungelmetropole zog es uns zur ruhigeren, 10km entfernten Lagune Yarinacocha. Hier sollte es Riesenleguane, pinke Delfine, Shipibodörfer und viel, viel Dschungel geben. Die Frage, wie wir das Ganze erkunden würden erübrigte sich gleich bei der Ankunft.
Wir kamen mit Chelo, einem Dschungelguide, der auch ein bisschen Deutsch spricht ins Gespräch und er machte uns ein langzeitreisendenpreisgerechtes Angebot, das wir kurzerhand annahmen. Früh am nächsten Morgen starteten wir zu unserer 4-tägigen Tour in den Dschungel…

Lima...

Nach der schockierenden Fahrt durch die Erdbebengebiete ging’s ab ins Großstadtgetümmel von Lima.- Wieder mal eine Stadt mit so vielen Einwohnern wie Österreich…
Zu dieser Jahreszeit ist die peruanische Hauptstadt nicht das ideale Urlaubsziel. Sie kriegt viel feuchte Luft vom Pazifik ab und die Temperaturen liegen meist nur um die 10 Grad. Die Sonne kann man aufgrund des ganztägigen Nebels meist nur erahnen – Richtiges grausliches Herbstwetter!
Aus diesem Grund, und da Großstädte sowieso nichts für uns sind, fassten wir uns kurz, machten das übliche Sightseeing und einige Besorgungen für unsere Weiterreise ins Amazonasbecken.
Neben den üblichen Sehenswürdigkeiten wie Kathedrale, Präsidentenpalast mit spektakulärer Wachablöse und der Plaza de Armas hat Lima auch noch eine kleine Besonderheit, die die meisten Touristen übersehen. Auf der Plaza San Martín steht unter der eindrucksvollen Statue des großen Generals die kleinere Figur der „Madre Patria“. Der spanische Künstler hatte den Auftrag ihr einen Kranz aus „llama“ auf das Haupt zu setzen. Es bedachte damals jedoch keiner die Doppeldeutigkeit des Wortes – Llama heißt auf Spanisch sowohl „Flammen“ als auch „Lama“…und so ziert nun ein kleines, süßes Tierchen ihr Haupt…
Erschöpft vom ganzen Sightseeing (bzw. stundenlangem herumlatschen in einer viel zu großen Stadt), gönnten wir uns endlich unser wohlverdientes Cuy (Meerschweinchen). – Echt lecker diese Viecherl! Wenn wer ein gutes Rezept braucht, schreibt uns einfach ein Mail!
Da wir die kalten Regionen Südamerikas mit Lima für die nächsten Monate abgeschlossen haben, nutzten wir die Kleiderspende für die Erdbebenopfer und erleichterten unsere Rucksäcke um Jacken und Fleecehosen…
Wir froren zwar die letzten Stunden in Lima, aber die Vorfreude auf die Tropen wärmte uns ein wenig…
Die Strecke von Lima nach Pucallpa gilt als die gefährlichste Route in ganz Peru, da es regelmäßig zu Raubüberfällen auf Reisebusse gekommen ist. Deshalb empfehlen auch alle Reiseführer einen Flug. Unser Konto hatte aber das letzte Wort und bestand auf die Busfahrt.
Es lief alles, wie bei jeder anderen Busreise, bis wir dann um Mitternacht geweckt wurden. Vor uns stand ein Mann in Tarnhosen, Trainingsjacke und Baseballkappe mit einem riesengroßen Jagdgewehr am Rücken…
Er bat höflich um die Aufmerksamkeit der Fahrgäste und brachte sein Anliegen dar…Er wollte, wie kann es anders sein, Geld von uns…
Seine Motivation war aber keine Kriminelle, sondern eher gegenteilig. Er war Mitglied einer Bürgerwehr, die die Reisebusse auf diesem gefährlichen Straßenabschnitt begleiten und bat um eine kleine Spende, da der Staat dieses Projekt finanziell nicht unterstützt. Sie arbeiten zwar mit der Polizei zusammen, bekommen aber kein Geld dafür, dass sie sich Nacht für Nacht für eine sichere Strecke einsetzen.
Nach einer relativ rauen und ungemütlichen Fahrt über Schotterpisten kamen wir dann frühmorgens endlich in Pucallpa an…

Mit dem Bus durch die Erdbebengebiete...

Nach ein paar Tagen des Einkaufens und Organisierens in Cusco haben wir es endlich geschafft diese Stadt hinter uns zu lassen (insgesamt waren wir 20 Tage in der Stadt). Die Busfahrt ging durch die Ortschaften Ica und Pisco, die vom kürzlichen Erdbeben am schwersten betroffen waren. Was wir da sahen hat uns schwer bewegt, weshalb wir darüber auch einen Eintrag verfassen obwohl es ja „nur“ eine Busfahrt war…
Aus den Medien kannten wir ja schon einige Bilder, aber das ganze Ausmaß der Katastrophe wurde uns erst bewusst, als wir mit dem Bus mitten durch die am schwersten betroffenen Gegenden fuhren.
Die Randgebiete von Ica und praktisch ganz Pisco sind ein einziges Trümmerfeld. Es erinnert an Bilder, die man von bombardierten Städten kennt. Immer wieder sind Dächer eingestürzt oder es fehlt einfach eine Ecke vom Haus. Wir sahen auch ganze Siedlungen, die völlig in sich zusammengestürzt waren. Die Menschen leben meist in Zelten vor ihren in Trümmern liegenden Häusern. Teilweise campieren sie auch vor intakten Häusern – vermutlich aus Angst wieder hineinzugehen. (Es gab noch tagelang Nachbeben der Stärke 5-6…)
Als wir mit dem Bus durch diese Städte fuhren wurde es sehr still. Während vorher noch ein Film gezeigt worden ist und die Stimmung sehr fröhlich war, saßen plötzlich alle nur mehr betroffen am Fenster und betrachteten fassungslos die Zerstörung.
Am schwersten betroffen ist die ärmere Bevölkerung, deren einfache Häuser meist aus ungebrannten Lehmziegeln gebaut sind. Oft wird an Zement gespart, was die Häuser extrem unstabil macht. In manchen Stadtteilen ist einfach alles zerstört. Schulen, Krankenhäuser und Kirchen sind teils schwer beschädigt. Es fehlt an allem. In unserem Bus ging sogar jemand mit einem großen Sack durch und bat, die Fahrgäste ob sie nicht ein paar Snacks oder Kekse hätten, die sie für die Menschen der Region spenden könnten.
Wenn man durch diese Städte fährt merkt man aber auch, dass die Menschen schon wieder mit dem Aufbau beginnen. Die wichtigen Straßen sind zum Großteil schon wieder provisorisch hergerichtet, überall werden die Trümmer beseitigt, der Schutt wird von den noch verwendbaren Ziegeln getrennt und neue Mauern werden aufgezogen.
Hier in Südamerika kennt man Erdbeben und weiß damit umzugehen…

Sonntag, August 19, 2007

Machu Picchu...

Schon beim Ticketkauf wussten wir worin das Weltwunder besteht: Es ist echt ein Wunder es zu schaffen so vielen Touristen täglich so viel Geld aus der Tasche zu ziehen. Der Eintrittspreis hat sich seit Anfang des Jahres von ca. 23 Dollar auf 40 Dollar erhöht. Ein Preis, der im Vergleich zu den anderen Preisen in Peru einfach unverschämt hoch ist. Aber dank einer kleinen Datumsänderung auf Maritas Studentenausweis zahlte wenigstens einer von uns nur die Hälfte – die 2 Euro für den Datumsstempel hatten sich echt ausgezahlt!!!
Zeitig um 5 in der Früh starteten wir zu Fuß Richtung Machu Picchu. Mit dem Bus fahren kam sowieso nicht in Frage, da erstens unser Trek noch nicht abgeschlossen war und zweitens der Horrortarif von 6 Dollar für 20 Minuten Fahrt (normalerweise kostet das eine 5stündige Fahrt über Schotterpisten) nicht ganz unserem Budget entspricht…
Nach gut einer Stunde Aufstieg standen wir (wie hunderte andere Bustouristen) vor dem Eingang zu Machu Picchu. Hier erfuhren wir auch, dass die Mitnahme von Pet-Flaschen und Essen in die Ruinen untersagt ist, es drinnen aber nichts zu kaufen gibt und sogar die Toiletten außerhalb der Anlage sind – und auf dem Ticket steht ganz groß: Single Entry!!! Ab diesem Zeitpunkt waren wir nur noch gefrustet und hätten auf dem Absatz kehrt gemacht, hätten wir die Tickets nicht schon gehabt…
Gott sei Dank wollen da so viele Leute rein, dass sie dir nur die Sachen abnehmen, die du offen in der Hand trägst – die Rucksäcke durchsuchen sie zum Glück noch nicht. Somit hatten wir Essen und Trinken mit und ein Busch würde sich in der Not schon finden…
Wir schafften es trotz der langen Schlange vor Sonnenaufgang in den Ruinen zu sein, die um diese Urzeit noch ruhiger sind und durch das wenige Licht doch einen mystischen Hauch bekommen. Während die meisten Touristen brav nach Reiseführerempfehlung beim Wächterhaus auf den Sonnenaufgang warteten genossen wir das Schauspiel von weiter unten. Das Schauspiel bestand aber für uns nicht im Sonnenaufgang an sich (wir hatten auf unserem Trek schon viel spektakulärere gesehen), sondern darin die kleinen Punkte am Berg zu beobachten, die wie die Tauben im Verschlag auf die ersten Sonnenstrahlen warteten. Als es dann endgültig hell war und die Touristenmassen die Ruinen stürmten verzogen wir uns auf den Inti Punku – einen gegenüberliegenden Hügel, von wo aus man eine geniale Sicht auf die Stadt hat. Hier kommen auch die „Überlebenden“ des 3-tägigen Inkatrails an (Ja, es gibt tatsächlich T-Shirts zu kaufen mit „I survived the Inka-Trail!“) Es war eine Fetzengaudi ihnen zuzusehen wie sie sich freuten die Expedition geschafft zu haben…Wir saßen daneben, mampften Marmeladebrote und grinsten einfach nur.
Zurück in den Ruinen streunten wir stundenlang herum und sahen uns jedes Gebäude an. Dank des in Cusco gekauften kleinen Führers und den geguideten Touren, an die wir uns immer wieder dran hängten, wussten wir bald alles Wissenswerte über die Anlage. Bei so vielen Großgruppen, die da herumrennen muss man ja echt nicht für einen Guide bezahlen und wir sind ja auch nicht wählerisch…englisch, deutsch, spanisch, italienisch….wir verstehen eh alles! (Kevin hörte echt 10 Minuten bei einer Gruppe zu und checkte nicht, dass die da nicht spanisch, sondern italienisch redet – aber Hauptsache ist, er hat alles verstanden!)
Um kurz vor 11 kamen wir dann zufällig wieder beim Einlass für den Wayna Picchu (der spitze Berg, der auf jedem berühmten Machu Picchu- Foto zu sehen ist) vorbei und es standen gerade wenige Leute da, also stellten wir uns dazu. (Man kann den Wayna Picchu besteigen. Die Zahl der Besucher ist jedoch auf 400 pro Tag begrenzt und die Tickets dafür bekommt man nur bald in der Früh und muss sich dafür ewig lang anstellen. Uns war das in der Früh zu blöd, gefrustet wie wir waren…) Als wir an der Reihe waren sagte uns der Typ am Einlass, dass wir die glücklichen des Tages seien und sie noch einige Plätze frei hatten. Wir bekamen die Nummern 384 und 385 und konnten den Berg besteigen. Manche Besucher machen aus diesem Hügel ja echt eine Expedition und brauchen 1- 1 ½ Stunden für seine Bezwingung – Wir liefen in 25 Minuten rauf…Ja, wenn kein Rucksack da ist der bremst…
Die Aussicht von dort oben ist schon gewaltig und die Ruinen am Berg sind von Psychos gebaut! Mitten in der Steilwand die 300m senkrecht abfällt über einem Überhang stehen Mauern und Gebäude seit mehreren hundert Jahren.
Vom Gipfel gäbe es einen Rundweg über den Templo de la Luna zurück zur Stadt, wo sie uns aber nicht mehr runter ließen, weil es schon zu spät sei. Also stiegen wir wieder fast bis zum Eingang ab und machen den Rundweg zum Templo in die andere Richtung – viel mehr Höhenmeter und streckenmäßig auch weiter, aber echt lohnenswert. Wir waren aber trotzdem rechtzeitig wieder in Machu Picchu. Nach gesamt 8 Stunden in den Ruinen hatten wir genug alte Steine und Touristen gesehen und machten uns wieder auf den Weg zurück nach Aguas Calientes.

Fazit unseres Besuchs in der verlorenen Stadt:
Machu Picchu ist schon eine echt eindrucksvolle Stadt und die architektonische Leistung der Inka (und der Archäologen, die 40% der heute sichtbaren Mauern gebaut haben) ist erstaunlich. Leider ist alles so übertouristisch und einfach schon ausgelutscht. Machu Picchu ist heute einfach nichts Besonderes mehr – jeder der es sich leisten kann kommt hin und sein vielleicht ehemals vorhandenes mystisches Flair ist schon lange verweht. Alles in allem war Choquequirao, wenn es auch nicht so viele Gebäude hat, interessanter, eindrucksvoller und einfach viel relaxter! Wenn uns jetzt jemand fragen würde ob wir uns Machu Picchu noch einmal ansehen würden, wäre die eindeutige Antwort: JEIN!

Am nächsten Tag ging es wieder zu Fuß (inzwischen haben wir fast Angst vor der wahnsinnigen Geschwindigkeit von motorisierten Fahrzeugen) zurück in das relaxte und noch nicht von Touristen verdorbene Santa Teresa.
Der Rücktransport von dort nach Cusco war anstrengend und ein Abenteuer für sich. Zuerst ging es mit einem (8-Personen) Minibus in dem 23 Personen Platz fanden (einer sogar auf dem Dach) über enge Andenschotterpisten in das surreale Santa Maria, das wirkt als wäre es einem schlechten Western entsprungen. Von dort quälte sich dann ein uralter Bus zurück nach Cusco. Vor einigen Wochen war auf dieser Strecke ein großer Erdrutsch weshalb wir teilweise auf einer sehr provisorischen Ausweichstrecke sehr nahe an beunruhigend tiefen Abgründen unterwegs waren. In jeder Kurve musste der Bus reversieren und stand schon halb über der hunderte Meter tiefen Schlucht – Wir waren echt froh wieder in Cusco zu sein!
Hier werden wir noch ein paar Tage ausspannen, unser wohlverdientes Meerschweinchen essen, die Ausrüstung pflegen und dann geht es ab Richtung Amazonas!!!

2.Etappe: Von Choquequirao nach Machu Picchu...

Nach einem Tag in den Ruinen ging es weiter. Uns stand einer der anstrengendsten Tage unseres Treks bevor: Nach 300 Höhenmetern Aufstieg im dichten Urwald ein Abstieg von 1500 Metern in einer trockenen, glühend heißen Grassteppe und dann noch ein Aufstieg von 1200 Höhenmetern im feuchtschwülen Dschungel…
Zeitgleich mit uns verließ eine geguidete Tour Choquequirao, an die wir uns meist spurenlesenderweise anhängten (mit unseren Rucksäcken waren wir etwas langsamer als die anderen, die sich ohne Gepäck durchs Gelände plagten…) Mittagspause machten wir dann wieder gemeinsam. Da die Mulis der anderen ca. 2 Stunden hinter uns waren und somit das Futter für die Tour auch noch weit weg war, halfen wir kurzfristig mit Kocher und einem Packerl Spaghetti aus. Von dem Zeitpunkt an waren wir von Willy, dessen Guideehre wir gerade gerettet hatten, voll akzeptiert und er gab uns immer wieder Tips. Wir machten den Trek zwar alleine, campten aber meist gemeinsam und kriegten da immer wieder mal einen guten Rat oder einen heißen Mate de Coca…
Tags darauf ging es hinauf bis auf einen Pass mit 4200m und von dort wieder mal….hinunter zu einem Fluss. Unten im Tal wurde das Camp aufgeschlagen. Von dort stand uns nur noch ein großer Aufstieg bevor…der höchste Pass mit ca. 4800m. Dieser Tag war landschaftlich einer der beeindruckendsten des gesamten Treks, da wir zwischen zwei Fast-Sechstausender-Gipfeln mit Gletschern und schneebedeckten Steilwänden hindurchgingen, während uns die Sonne ins Gesicht brannte. Am Pass war es aber dann doch sehr windig und kalt, weshalb wir trotz völliger Erschöpfung schnell wieder abstiegen. Schön langsam machten sich auch die letzten Tage in den Beinen und Schultern bemerkbar – Man stemmt ja doch bei jedem Schritt bergauf das gesamte Gewich