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Endlich ist es soweit und wir beginnen mit einem völlig neuen Reiseabschnitt, der ultimativen Herausforderung - Wir gehen von Istanbul heim! Von Asien nach Österreich!

Nach Tagen und Wochen des Zeittotschlagens und Stundenrumbiegens in Ägypten, war es am 11. September endlich so weit – wir hatten unseren Flug nach Istanbul und starteten so in einen neuen Reiseabschnitt. Wir waren echt schon gespannt wie das werden würde: Nicht mehr mit dem Rucksack, sondern mit dem Wohnmobil, nicht mehr von Hostel zu Hostel tingeln, sondern im eigenen Gefährt von Destination zu Destination gekarrt werden....
Nach der Landung bangten wir noch, ob auch alles gut gegangen sein mag und es Kevins Eltern auch wirklich rechtzeitig zum Flughafen geschafft haben, aber als wir dann in der Ankunftshalle schon die Österreichfahne von weitem wehen sahen, waren unsere Zweifel schnell zerstreut. Schon Sekunden später konnten wir Helga und Otto nach fast 4 Jahren wieder in die Arme schließen!
Im Auto wurde dann gleich mal das Wiedersehen gefeiert und mit österreichischem Weizenbier und türkischem Rakı auf eine gemeinsame Reise angestoßen.
Am Campingplatz wurden wir dann gleich mit Geschenken und Köstlichkeiten aus der Heimat überschüttet – Leberkäse, Knabbernossis, Weizenbier, Landjäger, …. und kiloweise Milkaschokolade für Marita und Haribos für Kevin.
Nachdem die erste Begrüßungseuphorie verflogen war, mussten wir uns Gedanken darüber machen, was wir alles machen wollten bzw. wo wir mit dem Reisen beginnen sollten. Helga und Otto waren zwar schon zum dritten Mal in der Türkei, aber das erste Mal als Individualreisende und die extensive Reiseführerstudie hatte eher zur Verwirrung beigetragen, als das sich eine klare Reiseroute herauskristallisiert hätte.
Aus klimatischen Gründen entschieden wir uns die Schwarzmeerküste zuerst zu bereisen und uns dann langsam Richtung Kappadokien im Landesinneren vorzuarbeiten. Am Mittelmeer, so entschieden wir, ist das Wetter am längsten warm. Mit diesem groben Plan ausgestattet fuhren wir los, ließen uns aber noch alle Türen offen – Wenn Reisen Spaß machen soll, muss man flexibel bleiben!
Auf den engen Küstenstraßen am Schwarzen Meer wurden Ottos Fahrkünste gleich einmal herausgefordert – Haarnadelkurven, Schlaglöcher, unerwartete Verkehrsteilnehmer wie Esel, Traktoren oder Schubkarren, türkischer Fahrstil und gähnende Abgründe, die im tosenden Meer enden... Dafür wurden wir mit wunderbarer Aussicht, einsamen Stränden und touristenleeren Campingplätzen belohnt. Wir genossen die letzten schönen Sommertage am Schwarzen Meer (das zwar schon zu kalt zum Baden war, aber zum Sonnenliegen allemal reichte), ließen uns österreichisch bekochen, gingen Fischen und hangelten uns gemütlich von Campingplatz zu Campingplatz – immer gen Osten.
Maritas Geburtstag feierten wir dann auf einem wirklich gemütlichen Campingplatz nahe der Hafenstadt Sinop. Gemeinsam mit dem Campingplatzbesitzer Orhan und einigen anderen Campingplatzgästen wurde groß aufgekocht und der Griller angeworfen. Nach einigen Rakıs war dann auch schnell klar, dass das Ausprobieren von Maritas neuen Laufschuhen (ein Geschenk von Helga und Otto) noch einen Tag warten muss...
Von Sinop fuhren wir nur noch ein kleines Stück das Schwarze Meer entlang und bogen dann Richtung Süden ab – die magische Landschaft Kappadokiens wartete auf uns...



Gleich am ersten Abend besuchten wir unseren alten Freund Ali bei seinem Shop im Bazaar. Der freute sich riesig uns wiederzusehen - besonders, weil er wusste, dass wir ein Geschenk von Otto für ihn mit hatten. (Helga und Otto hatten ihn nämlich bei ihrem letzten Ägyptenurlaub auch besucht und ihm da versprochen ihm ein Handy zu besorgen, da diese in Ägypten teuer und schwer aufzutreiben sind. Otto hatte darauf hin eine Handysammelmission gestartet und Maureen 5 Handys mitgegeben.) Ali lud uns gleich ein bei ihm zu wohnen und arrangierte für uns gleich alles, dass wir am nächsten Tag übersiedeln könnten.
Leider hatte Maureen irgendwo was falsches zu Essen erwischt und lag am nächsten Tag mit Durchfall flach, was nicht nur unseren Besuch bei Ali verhinderte, sondern auch unser geplantes Sightseeing-Programm erstmal auf Eis legte. Für Maureen gabs also strikte Bettruhe, Kamillentee und Knäckebrot, während wir Luxor erkundeten und über die Veränderungen der letzten Jahre staunten.
Als es Maureen dann wieder besser ging, starteten wir ganz sachte mit Sightseeing Light – erst ein bisschen im Luxortempel alte Steine und Hieroglyphen schauen und dann gemütlich mit einer Felucca (traditionelle Nil-Segelboote) in den Sonnenuntergang schippern. Nachdem das ganz gut gegangen ist, entschieden wir die Dosis für den nächsten Tag zu erhöhen. Wir starteten bald in der Früh und fuhren mit der Fähre über den Nil. Wir mussten Maureen unbedingt ein Stück Sahara zeigen und die Tafelberge rund um das Tal der Könige sind einfach atemberaubend. Wir mussten die relative Kühle des Morgens (ca. 30ºC) nutzen, da Luxor'sche Sommertemperaturen um die Mittagszeit unerträglich werden. Bei etwa 43ºC im Schatten braucht man echt nicht auf Wüstenberge klettern...
Die Aussicht von dort oben ist echt irre. Auf der einen Seite sieht man das gesamte Niltal, das sich wie eine grüne, fruchtbare Schlange durch die Wüste windet und auf der anderen Seite die endlose Weite der Sahara, bizarre Felsformationen und unter einem ganz klein das Tal der Könige mit seinen Touristenmassen, die wie Ameisen in den Grabhöhlen verschwinden und wieder herausgewuselt kommen. Um ca. 10 Uhr mussten wir aber schon wieder mit dem Abstieg beginnen, da die Hitze schön langsam auf Backofentemperatur anstieg. Zurück in Luxor bereiteten wir dann alles aufs Übersiedeln vor – Ali wollte uns auf jeden Fall beherbergen und die Chance mal das ländliche Ägypten zu sehen konnten wir Maureen auch auf keinen Fall vorenthalten.
Der Empfang in Alis Haus war echt herzlich. Alis Mutter umarmte Marita wie eine heimgekehrte Tochter und wollte sie gar nicht mehr loslassen. Kurz darauf saßen wir dann auf dem Boden im Wohnzimmer tranken Tee und quatschten über alte Zeiten. Am Abend wurden wir dann lecker bekocht – Ägyptische Hausmannskost ist einfach SOOOO lecker!
Am nächsten Morgen fuhren wir dann mit Ali wieder nach Luxor hinein – er zum Geschäftemachen und Arbeiten, wir zum Sightseeing-Programm abschließen. Der Karnak Tempel ist eine der größten Tempelanlagen in Ägypten und wir hatten gelesen, das er für viele Ägyptenreisende das absolute Highlight des Urlaubs war. Naja, wenn man großzügigerweise über die Touristenmengen hinwegsieht, ist er schon eine gigantische Anlage mit wunderschönen Hieroglyphen und riesigen Säulen...das Highlight in Ägypten sind für uns aber immer noch die Menschen und die Kultur.
Wir blieben insgesamt 2 Nächte in Alis Dorf, genossen die Gastfreundschaft der Leute, unternahmen ausgedehnte Spaziergänge in den Zuckerrohrfeldern rund ums Dorf und bekamen wieder einmal einen guten Blick hinter die Kulissen im ägyptischen Alltag. Danach mussten wir leider schon wieder weiter. Maureen hatte nur gut 2 Wochen in Ägypten und wir wollten ihr Dahab und das Rote Meer auch noch unbedingt zeigen.
Nach einem herzlichen Abschied von Alis Familie und all den Leuten in Alis Shop fuhren wir im Übernachtbus nach Dahab – der Schweijer-Hauptstadt Ägyptens.

Um die „große Stadt“ (ca. 18 Mio. Einwohner) hatten wir bisher einen großen Bogen gemacht, aber da unser Flug hier ankam und wir uns in knapp einer Woche hier mit Maureen (Kevins Schwester) treffen würden, stürzten wir uns diesmal mitten rein in den Großstadtdschungel. Und wir wurden echt positiv überrascht – nach Delhi wirkt Kairo wirklich wie eine saubere, moderne westliche Metropole. So kam es zumindest uns vor... mehr dazu später...
In den fünf Tagen die wir bis zu Maureens Ankunft hatten, kundschafteten wir schon mal die Sehenswürdigkeiten ein wenig aus und nutzten die gute Internetleitung die wir im Hotel hatten um unserem Blog das lange überfällige facelifting zu verpassen.
Am 18. Juli war es dann soweit – nach über 3 1/2 Jahren konnten wir endlich wieder ein Familienmitglied des Koppensteinerclans in die Arme schließen. Maureen hatten wir sogar schon fast 4 Jahre nicht mehr gesehen, da sie bei unserer Abreise gerade auf Auslandssemester in Holland war! Wir waren echt happy unsere kleine Schwester/ beste Freundin wiederzusehen!!!!
Da wir aber nur gut 2 Wochen gemeinsam Zeit hatte mussten wir etwas Gas geben und so starteten wir in Kairo gleich mit dem vollen Sightseeing- Programm. Für Maureen war es die erste Reise außerhalb Europas und deshalb war für sie schon Kairo eine Herausforderung. Es ist echt lustig wie viele Sachen Maureen aufgefallen sind, die wir schon gar nicht mehr sehen, weil es für uns einfach Alltag ist. Zum Beispiel dass die Gehsteige 30cm hoch sind und keine Aufgänge haben oder dass Ampeln reine Ziergegenstände sind, die keiner beachtet. Dass man beim Straßenüberqueren auf seine verkehrsstromteilenden „Mosesmächte“ vertrauen muss und dass einem Ägypter im Gegensatz zu Österreichern einfach sagen wenn ihnen deine Frisur gefällt.
Gleich am Tag nach Maureens Ankunft begannen wir mit dichtem Sightseeing-Programm. Wir wollten ihr einfach so viel wie möglich von diesem faszinierenden Land zeigen. Wir starteten gleich mal mit DEM Highlight eines jeden Ägyptenaufenthalts – den Pyramiden von Giza. Und auf richtige Rucksacknomadenmanier machten wir das Ganze natürlich nicht mit einer Tour, sondern individuell. Wir wussten, dass einer der Stadtbusse direkt zu den Pyramiden fährt, wussten auch, welche Nummer der haben soll, hatten aber Probleme den richtigen zu finden. Unsere arabischen Nummernlesekünste waren nämlich leider so eingerostet, dass wir zum Entziffern viel zu lange brauchten und der Bus nach erfolgreichem Lösen des Nummernrätsels schon lange an uns vorbei war. Also suchten wir aus der Unmenge von Stadtbussen einfach den Sympathischten aus, von dem ein Ägypter meinte, der könnte dort hinfahren, wo wir hin wollen. Mit einmal Umsteigen klappte es auch und wir stiegen direkt vor den Pyramiden aus.
Da die Pyramiden von Giza das absolute Must-See einer jeden Ägyptenreise sind, ist es auch dementsprechend touristisch. Wir entkamen dem Ganzen aber relativ gut, indem wir einfach alle „You want a Camel ride?“ und „Horseride, mister?“ gekonnt ignorierten (in Indien haben wir diese Fähigkeit perfektioniert) und einfach zu Fuß das Riesenareal abstapften. Nachdem wir der Sphinx hallo gesagt hatten marschierten wir einfach ein bisschen raus in die Wüste um einen Gesamtüberblick von den Ruinen zu bekommen. Gott sei Dank sind der Großteil der Touristen solche Herdentiere, dass sie immer zusammen bleiben und man, nur ein bisschen Abseits der Horden seine heilige Ruhe hat. Es fühlte sich fast an, als hätten wir die gesamten Pyramiden nur für uns allein.
Zurück bei den Tourgruppenmassen stellten wir uns dann an, um in eine der Pyramiden reingehen zu können – Wenn wir schon mal da sind, dann wollen wir auch mal sehen, wie diese Riesengräber von innen aussehen. In einem engen Gang geht man gebückt mehrere hundert Meter ins Innere der Pyramide. Es ist stickig, eng, spärlich beleuchtet und drückend heiß...Nicht unbedingt die ideale Umgebung für Klaustrophobiker! Am Ende des langen Ganges kommt man dann endlich in die Grabkammer – einem großen Raum mit einem steinernen Sarkophag, sonst nichts. (Alles was da einmal gewesen ist, ist jetzt im ägyptischen Museum ausgestellt.) Es ist echt ein schräges Gefühl da mitten in dieser Kammer zu stehen und zu wissen, das man mitten in einer der riesigen Pyramiden von Ägypten steht...
Am Tag nach den Pyramiden sahen wir uns dann all die Schätze an, die die Archäologen in ihren Grabräuberfeldzügen erbeutet haben. Das ägyptische Museum ist ein gigantischer Komplex voller Statuen, Hieroglyphen, Mumien, Sarkophagen und allen möglichen Grabbeigaben (von feinstem Goldschmuck über Einrichtungsgegenstände bis hin zu 3000 Jahre altem Brot und Fleisch). Wir wanderten stundenlang durch die riesigen Hallen und sahen nur einen Bruchteil der Ausstellungsstücke. Einfach irre!
Nach 2 Tagen Intensivsightseeing in Kairo gönnten wir unseren müden Fussis aber wieder keine Erholung sondern latschten quer durch die Stadt zum berühmten Khan al-Khalili, dem Touristenbazaar und der angrenzenden islamischen Altstadt mit ihren unzähligen Moscheen und alten Koranschulen. – Wir boten Maureen wirklich das volle Touristenprogramm! Im Gegensatz zu den meisten Touristen kriegte sie jedoch keine klimatisierten Busse und Lunchstopps in überteuerten Restaurants, sondern stinkende Stadtbusse und billige Straßensnacks. Ist zwar vielleicht nicht ganz so komfortabel, dafür aber ein Stück „echtes Ägypten“ ...besonders, wenn man jeden anstrengenden Sightseeing- Tag in einem der vielen, kleinen Straßencafés bei Tee und Shisha ausklingen lässt...
Von Kairo wollten wir runter nach Luxor und da auf dieser Strecke ein Zug verkehrt zogen wir den natürlich den ungemütlichen Bussen vor. Leider wurde daraus nix, weil es für Touristen nicht nur extra Regeln sondern auch noch extra Preise gibt. Von den Regeln wussten wir schon und damit hätten wir leben können, aber dass wir für den in Ägypten ohnehin teuren Zug auch noch das doppelte zahlen sollten, sahen wir nicht ein! Auf der Website von Egypt Railways fanden wir die normalen Preise und gingen davon aus dass wir die auch kriegen würden. Am Ticketschalter am Bahnhof staunten wir nicht schlecht, als uns der Kassierer nicht nur keine 2.Klasse-Tickets verkaufen wollte sondern auch noch für die 1.Klasse statt 90 Pfund 167 Pfund wollte. So nett Ägypter sind, aber manchmal kommt man sich hier echt vor wie eine wandelnde Geldbörse!
Wir ließen das ganze dann und nahmen für 90 Pfund einen VIP Bus nach Luxor.




