Text in Arbeit!
Aber schon mal viel Spass beim Fotos und Karten schauen...
Wenn man sein Ziel nicht kennt, bringt einen jeder Weg dorthin!
BIIIIIIGGGG Quetzaltrekkers-Reunion!!!!!!!
Von Yosemite ging es zurück nach Sunnyvale, wo wir Sanna ablieferten und unsere Rucksäcke wieder einluden. Und da wir schon mal so nahe bei San Francisco waren, wollten wir uns das auch noch anschauen. Bryan ging voll in seiner Rolle als Reiseführer auf und wir schafften die Express-Sightseeing-Tour in unter 4 Stunden!
Das riesige Yosemite Valley wurde vor Jahrtausenden von einem Gletscher aus dem Granit geschliffen. Heute ist von dem Eisriesen nichts mehr übrig, aber seine Spuren sind nicht zu übersehen – zu allen Seiten ragen die mehrere hundert Meter hohen Granitwände senkrecht empor. Und da gerade Frühling ist donnern von diesen Felswänden riesige Wasserfälle ins Tal. WOW!!!!! Toadally awsome, dude!!!!!!!!!!!!!
Mal nicht per Daumen, sondern mit Öffis ging es Richtung Sunnyvale, nahe San Francisco. Hier verbrachten wir ein verlängertes Wochenende und genossen Massagen, Reikibehandlungen und gute Gesellschaft. Das Gathering zu dem Allan und Bonnie geladen hatten hatte den Zweck eine neue Art von Communities praktisch auszuprobieren. Zuerst besprachen wir warum viele andere Communities (Hippies, Kibbutz,...) nicht so recht funktionieren und was gegeben sein muss, dass es klappen kann. Dann war fröhliches Ausprobieren und gegenseitiges Button-pushing angesagt.
Quetzaltrekkers-Reunion in Santa Cruz!
Um uns von dem ganzen Großstadtrummel und der Glitzerwelt von Hollywood wieder etwas zu erholen zogen wir uns in den nahegelegenen Leo Carillo State Park zurück. Erst ging es mit dem Bus nach Malibu, wo wir im Vorbeifahren der Rettungsschwimmerzentrale zuwinkten. Zu Fuß starteten wir dann Richtung State Park und wurden sogar ohne den Daumen zu strecken aufgelesen und bis zur Rangerhütte chauffiert.
Da in Los Angeles alle Unterkünfte viel zu teuer sind haben wir im Vorhinein schon 2 Leute über HospitalityClub kontaktiert, ob sie uns nicht für 2-3 Tage beherbergen könnten. Da wir unser Tramperglück aber unterschätzt hatten und viel zu früh in LA waren standen wir vor einem Problem: Es war 8 Uhr abends und wir wussten nicht wo wir die Nacht verbringen sollten. Die Studentenpartie meinte, dass es in Santa Monica einen Park gibt, in dem viele Obdachlose übernachten und auch Freunde von ihnen schon mal dort gepennt haben.
Da die USA eine Autofahrernation sind, ist der Nationalparkseingang natürlich 7 Meilen vom Grand Canyon weg und öffentlichen Transport gibt es keinen. Da Autostoppen im Nationalpark auch noch verboten ist schafften wir es an diesem Tag nicht mehr bis zum großen Graben.
Nach unseren guten Autostoppererahrungen in Mexiko wurden wir von den USA gleich einmal kräftig enttäuscht. Noch bevor wir unseren ersten Lift hatten, wurden wir auch schon vom Sherriff verstaubt. Wir waren zwar an einer Stelle, an der Autostoppen laut Gesetz völlig legal ist, aber erklär das mal einem amerikanischen Cop, der dich da nicht haben will. So fanden wir schon am zweiten Tag in den USA heraus, dass die Polizei hier für Autostopper nicht der Freund und Helfer ist.
Der einzige grund warum wir Mazatlan in unsere Reiseroute aufgenommen haben ist der dortige Hafen von dem aus die Fähren nach Baja California starten. Hier wollten wir fürs teure Geld auf die Halbinsel hinüberschippern und dann Richtung Norden nach Tijuana stoppen. Wie sich aber herausstellte ist der Fährbetrieb bis Mitte Mai oder so eingestellt und so mussten wir unsere Reisepläne wieder einmal völlig umkrempeln.
Diese nette kleine Stadt ist hauptsächlich wegen der Filmsets in den umliegenden Hügeln bekannt. Sie mussten für unzählige US-Western als Kulisse herhalten. Wir sahen uns eines der Filmsets an und da es unter der Woche war, waren wir die einzigen Besucher. Es war nicht einmal das Kassenhäuschen offen. So wanderten wir grati durch die Geisterstadt und hofften verzweifelt auf einen vorbeitreibenden Kugelbusch um die Szenerie perfekt zu machen. Die kommen aber in dieser Gegend natürlich nicht vor...Haben sie wahrscheinlich für die Filme aus der USA importiert...
Wir haben zwar in Puerto Escondido beschlossen ein paar Kolonialstädte auszulassen, aber um Zacatecas kommt man einfach nicht herum.
Ciudad de Mexico, oder DF (sprich: De Effe), wie es die Mexikaner nennen, ist einer der größten Ballungsräume der Erde. Wie viele Menschen genau dort leben ist nicht ganz klar, aber Schätzungen gehen bis 26 Millionen!
Nach insgesamt 3 Wochen im wunderschönen Puerto Escondido waren wir vom vielen Hängemattenschaukeln so ausgeglichen, dass wir endlich weiterreisen konnten. Am Tag vor unserer geplanten Abreise trafen wir zufällig Andrew, den wir schon von Nicaragua kannten. Er war mit seinem Dad und seiner Schäferhündin Lola auf dem Weg von Nicaragua Richtung USA. Natürlich nahmen wir sein Angebot uns bis Acapuco mitzunehmen gerne an. Wir wussten schon, dass es in seinem Jeep etwas eng werden würde, aber hatten keine Ahnung wie knapp der Platz mit all dem Gepäck und der Riesenhündin werden würde.
Von Mazunte nach Puerto Escondido versuchten wir in Mexiko erstmals unser Glück beim Autostoppen. Schon nach wenigen Minuten in der sengenden Hitze saßen wir in einem klimatisierten Pickup und überholten unterwegs noch 2 Busse. Eine gute Stunde später stiegen wir direkt gegenüber unserer Unterkunft aus. Manchmal kann Autostoppen so viel gemütlicher sein als Busreisen…
Mazunte ist ca. doppelt so groß wie Zipolite, hat doppelt so viele Restaurants und doppelt so viele Hotels…aber mehr los ist deswegen auch nicht. Wir fanden eine günstige Cabaña direkt am Strand und genossen das azurblaue Meer, die Sonne und tonnenweise pappige Tortillas (das einzige für uns leistbare Futter).
Nach ein paar Wochen im Hochland Guatemalas und Mexikos ging es endlich wieder ins Warme. An der mexikanischen Pazifikküste war unser erster Stopp im kleinen Nest Zipolite. Dieser paradiesische Strand wurde in den 70ern von Hippies und Aussteigern entdeckt und in ein gemütliches Paradies verwandelt. Auch heute noch tummeln sich hier Esoteriker, Althippies und Touristen die das breite Angebot an Massagen und anderen Wohlfühlbehandlungen genießen. Zipolite ist außerdem einer der wenigen Orte in Mexico an denen Nacktbaden kein Problem ist, was noch zusätzlich zur sowieso schon sehr relaxten Stimmung beiträgt.
In Oaxaca war es schon ein wenig wärmer. Dennoch noch weit von unserer Komforttemperatur entfernt. Auch hier machten wir nur das Pflichtsightseeing-Prgramm und erkundeten ein wenig die Umgebung.
Mit Xela waren unsere Pläne für Guatemala abgeschlossen und es konnte endlich nach Mexiko weitergehen. Unser erstens Ziel war die Zapatisten-Hauptstadt San Cristobal de las Casas. Diese mittelgroße statt wurde bei der Revolution 1994 von der EZLN (Nationale Zapatistische Befreiungsarmee) eingenommen, um mehr Rechte für die indigene Bevölkerung zu fordern. Sie wurden zwar nach wenigen Tagen von der Armee wieder zurückgedrängt, aber sie konnten mit dieser Aktion auf jeden Fall ein deutliches Zeichen setzen.
Nach Xela mussten wir aus zwei Gründen: Zum einen wegen der hohen Vulkane in der Umgebung und zum anderen, weil hier unsere Kollegen von Quetzaltrekkers Guatemala zuhause sind und wir schauen mussten was die hier heroben so treiben.
„Da Lago Atitlan is so a grossa See in de Beag von Guatemala wo gaunz fü Leit mit am buntn Gwaund umadumrenan! Echte Indianer, a boa Hippis und an haufn Gringos (Amis).“
Als wir gerade in Antigua angekommen waren erfuhren wir, dass Maritas Onkel und Tante gerade auf einer Kreuzfahrt sind und auch einen Tag in Puerto Quetzal, an der Küste Guatemalas anlegen würden. So beschlossen wir kurzerhand einfach ein bisschen länger in Antigua zu bleiben und uns mit ihnen zu treffen. Zum einen ist es für uns praktisch, weil wir so ein paar Sachen heim „schicken“ können, zum anderen mussten wir die Gelegenheit nutzen nach über 2 Jahren wieder mal Familie zu sehen!
In Antigua ist schon zu Weihnachten die Hölle los gewesen. Wie im Rest von Süd- und Mittelamerika wird auch hier zu Mitternacht Feuerwerk geschossen…Und zu Silvester, wurde uns gesagt, sollte noch viel mehr geschossen werden. Die Ratschläge gingen von „Mitten rein ins Getümmel!“ bis „Verzieh dich zu Mitternacht in irgendeine Bar oder ins Hotel, denn die Plaza ist lebensgefährlich“. Für uns war klar: wir mussten uns natürlich ersteres geben!
Manche Leute, die man beim Reisen kennen lernt, sind nur kurze Bekanntschaften, bei anderen weiß man sofort, dass das ganz besondere Freunde sein werden. Tyson ist einer dieser Menschen…
Wir haben schon von anderen Travellern gehört, dass sich der Besuch dieses aktiven Vulkans echt lohnt, da man wirklich nahe an die Lava heran kommt. Da wir seit Nicaragua sowieso vulkansüchtig sind, konnten wir uns das natürlich nicht entgehen lassen…und Lava wollten wir immer schon mal sehen. Wir hatten ja keine Ahnung WIE nahe wir sie sehen würden…
Die schöne Kolonialstadt Antigua liegt im Hochland Guatemalas, umringt von den Vulkanen Agua (Wasser), Fuego (Feuer) und Acatenango. Es ist die ehemalige Hauptstadt des Landes, weshalb es hier unzählige alte Kolonialbauten, weite Kopfsteinpflasterstraßen und schöne alte Kirchen gibt. Vor ein paar Jahrzehnten entdeckten Auswanderer und die Oberschicht Guatemalas die Stadt für sich und kauften die alten eingefallen Gebäude im Zentrum auf und putzten sie wieder heraus. Heute ist Antigua DIE Touristenhauptstadt des Landes, aber auch sicher die Unguatemaltekischte. Viele der Stromleitungen verlaufen unterirdisch, das Müllabfuhrsystem funktioniert tadellos und streunende Hunde verschwinden über Nacht auf mysteriöse Art und Weise.
Da Semuc Champey und die nahe gelegenen Höhlen von Lanquin zum Pflichtprogramm eines jeden Backpackers gehören, mussten wir natürlich auch hin. Aus Erfahrung meiden wir normalerweise jede Art von geguideter Tour, aber in diesem Fall stimmte das Preis-Leistungs-Verhältnis und es war die einzige Möglichkeit wirklich alles zu sehen. Und wir wurden positiv überrascht.
Zuerst ging es in die erst kürzlich entdeckte Cueva de las Marias. Der Ursprung des Baches der aus dieser Höhle rinnt, ist bis heute noch ein Rätsel… Mit Badehosen, Kerzen und Kopflampen ausgestattet wateten wir in das eiskalte Wasser der Höhle. Teilweise mussten wir mit der Kerze in der Hand längere Strecken schwimmen, passierten einige Engstellen und kletterten in einem Wasserfall am Seil hoch. Ist schon ein mulmiges Gefühl wenn man in einer dunklen Höhle im schwarzen tiefen Wasser schwimmt und nicht genau weiß was so alles da drinnen lebt...
Am Rückweg ging es dann durch die Klospülung. An dieser Stelle verengt sich die Höhle auf einen schmalen Schlitz, in dem nach wenigen Metern das Wasser plötzlich wie in einer Klospülung in einem kleinen Loch verschwindet. Der Guide erklärt dir nur wo du deine Hände und Füße platzieren musst und wann du auslassen sollst. Unwissend wo du landen wirst platscht du in einen kleinen darunter liegenden Pool…
Völlig unterkühlt und durchgefroren kamen wir nach 2 Stunden wieder ans Tageslicht.
Nach der Höhle ging es im Autoschlauch den Fluss hinunter. Beim Rückweg sprangen wir noch (wer wollte) von einer 8 Meter hohen Brücke. Kevin musste natürlich auf Anhieb einen Kopfsprung wagen…er blieb der Einzige an diesem Tag.
Dann ging es auf eine etwa halbstündige Wanderung zu einem Aussichtspunkt, von wo aus wir die berühmten Pools von Semuc Champey aus mehreren hundert Metern Höhe bewundern konnten. Wieder unten beim Fluss konnten wir durchgeschwitzt von der Dschungelwanderung endlich in die kühlen, glasklaren Pools springen. Das Besondere an Semuc Champey ist, dass ein reißender Fluss in einer Höhle verschwindet und erst nach mehreren Hundert Metern wieder donnernd ans Tageslicht kommt. Auf dem Dach der Höhle, das wie eine natürliche Brücke wirkt, hat sich im Lehmstein eine Unzahl von glasklaren, türkis schimmernden Pools und Wasserfällen gebildet. Es gibt unzählige Felsen, die zum Hineinspringen einladen, natürliche Wasserrutschen und mehre Meter tiefe Pools. Das ganze wirkt wie ein natürlich entstandener Wasserfreizeitpark und ist einfach paradiesisch!
Nach diesem ereignisreichen Tag fielen wir am Abend hundemüde in unsere Hängematten – Reisen kann so schön sein!!!
In die kleine Stadt Cobán sind wir eigentlich nur deswegen gefahren, weil es am Weg nach Semuc Champey liegt. Es gab aber dann doch einige nette Dinge zu sehen. Mit seiner Lage auf knapp über tausend Metern bietet sich die Gegend rund um Cobán für den Anbau von Hochlandkaffee an. Das Wetter hier ist auch genauso wie es der Kaffee mag – schön feucht und kühl. Nur wir zwei Karibikverwöhnten fühlten uns nicht so wohl…
Trotzdem machten wir volles Sightseeingprogramm. Erst gings zur Kaffee-Finca Magdalena, wo wir alles über die koffeinhaltigen Bohnen und ihre Verarbeitung erfuhren. Diese Kaffeeplantage wurde 1880 von einem deutschen Auswanderer gegründet und produziert noch immer qualitativ hochwertigen Exportkaffee. Echt nett mal zu sehen wo unsere heiß geliebte schwarze Suppe herkommt.
Gestärkt mit einer Tasse frisch gerösteten Kaffees ging es weiter zum Templo el Calvario. Der Kreuzweg, der zu dieser Kapelle führt, wurde von den Indigenas etwas umfunktioniert. In den kleinen Nischen findet man nicht mehr den Leidensweg Jesu, sondern diverse Opfergaben an die alten Mayagötter. Hier in Guatemala kommt es oft vor, dass sich alte Traditionen und die christliche Religion vermischen. Auf dem Friedhof neben der Kirche findet man zwei große Opferschalen und in der Kirche hängen große Bündel mit Mais – dem Stoff aus dem in der Maya-Mythologie die ersten Menschen geformt worden sind.
An einem langen Reisetag schafften wir es von Livingston bis Guatemala City zu kommen. Von dieser Stadt hatten wir bisher nichts Gutes gehört und bereiteten uns auf das Schlimmste vor. Alle Reisenden, denen wir bisher von unserem Plan, auch die Hauptstadt des Landes zu besuchen erzählt hatten, haben den Kopf geschüttelt und uns davon abgeraten. Unserer Meinung nach ist es aber wichtig auch die Hauptstadt eines Landes gesehen zu haben und so stürzten wir uns mitten hinein in die Action…und wurden positiv überrascht.
Sicherlich ist Guatemala City eine der gefährlichsten Städte des gesamten Kontinents, aber wenn man tagsüber im Zentrum der Stadt ohne Wertgegenstände spazieren geht merkt man nicht viel davon. Die riesige Plaza lädt zum Hinsetzen und Leuteschauen ein (eine unserer Lieblingsbeschäftigungen) und am nahe gelegenen mercado central kann man von kitschigen Souvenirs bis zu exotischen Früchten und Weihnachtsramsch alles kaufen. Überall kann man günstige Straßensnacks kaufen und so verbrachten wir einen gemütlichen Naschmittag…
Unserer Meinung nach ist Guatemala City eine mehr oder weniger schöne Großstadt (was sich ja eigentlich widerspricht), die man auf jeden Fall gesehen haben sollte.
Beim Schlendern auf dem Markt entdeckten wir in einem Elektronikgeschäft auch endlich die Lösung für unser Speicherplatzproblem. Seit unser I-pod nämlich den Geist aufgegeben hat können wir unsere Bilder nur noch am Laptop speichern und der wird erstens schön langsam voll und zweitens ist es immer besser, die Daten noch an einem zweiten Ort gesichert zu haben. Nach langem Überlegen beschlossen wir die 110 Euro zu investieren und uns eine 2,5“ 320GB externe Festplatte zu gönnen. Jetzt kann unser Laptop endlich wieder mal aufatmen!
Wenn man an Guatemala denkt, kommt einem sicher nicht als erstes die Karibik in den Sinn. Livingston ist auch nicht unbedingt das, was man als typisch guatemaltekisch bezeichnet. Die Garifuna-Stadt an der Mündung des Rio Dulce hat bis heute noch keinen Straßenanschluss und hat deshalb sein karibisches Flair noch nicht verloren. Ein bisschen ist es sogar wie Belize…aber nicht mehr ganz so entspannt, freundlich und belizisch…
Nichts desto trotz war es unser letzter Halt an der Karibik und so machten wir das Beste daraus. Wir campten (als einzige) im Garten vom teuren Gringohostel und genossen es die Exoten am Platz zu sein.
Hier lernten wir auch den Indo-amerikaner Channy kennen, der mit seinen 66 Jahren die Welt mit genauso viel Begeisterung und Scheißdrauf erkundet wie wir. Bei ein paar gemeinsamen Bier tauschten wir Reisegeschichten und Tips aus und lernten eine Menge über Astronomie. Hoffentlich treffen wir ihn mal wieder…entweder in Guatemala, oder irgendwo im Rest dieser kleinen Welt…
Da der Bankomat in Livingston unsere Karten (alle 3) nicht akzeptieren wollte, war unser Aufenthalt hier begrenzt. Wir kratzten noch die letzten Dollar zusammen und dehnten so unseren letzten Karibikaufenthalt so lange wie möglich. Es zog uns so gar nicht ins kalte Hochland…
Unser nächstes Ziel war Punta Gorda, eine Stadt, die dafür bekannt ist, dass seine Bewohner soooo relaxt sind - noch mehr als im Rest von Belize. Sie können sich nicht einmal dazu aufraffen ihre Stadt beim vollen Namen zu nennen und so ist Punta Gorda im ganzen Land einfach als PG bekannt.
Wir kamen hierher, weil es leider schon wieder Zeit war, unser neues Lieblingsland zu verlassen. Von PG fahren die Boote nach Guatemala ab und auf dem Wasserweg spart man sich die 20 US$ Ausreisegebühr (Es werden lediglich die 3,75 US$ Nationalparkerhaltungsgebühr kassiert und die zahlten wir gerne)
Bevor es aber zurück nach Guatemala ging legten wir einen Tag Pause ein um unser 2jähriges Reisejubiläum zu feiern.
2 years on the road!!!
Wir feierten mit lauter Sachen, die wir uns sonst nicht gönnen. Wir leisteten uns ein teures beliz´sches Bier, aßen andächtig die Gummibärchen, die Kevin in Nicaragua als Trinkgeld bekommen hatte (die ersten seit 2 Jahren!) und stießen mit österreichischem Marillenschnaps an (Danke, Dominik!).
Am nächsten Morgen stiegen wir schweren Herzens in das Boot, das uns über den blau strahlenden Golf von Honduras nach Livingston/Guatemala brachte. Keiner von uns beiden wollte Belize so recht verlassen und schon gar nicht in Richtung Guatemala…
Placencia - die Insel, auf die man mit dem Auto fahren kann. Dadurch, dass der Ort auf der äußersten Spitze einer 16 Meilen langen Halbinsel liegt, die meist nur 50 bis 300 Meter breit ist, hat man nicht das Gefühl am Festland zu sein. Lange Zeit konnte man Placencia nur mit dem Boot erreichen und dieses damals entstandene Inselflair ist bis heute erhalten geblieben.
Die Ortschaft ist umringt von weißen Sandstränden an denen Schatten spendende Kokospalmen einen grünen Kontrast zum türkis schimmernden Wasser der Karibik bilden. (Es ist WIRKLICH so kitschig, sorry!)
Das Geheimnis vom Paradies ist leider schon lange heraußen und hunderte reiche Amis bauen ihre Villen und Paläste entlang der Strände der Halbinsel. Das Dorf selbst ist aber zum Glück verschont geblieben und ist noch immer ruhig und relaxt.
Da Lebensmittel hier teurer sind als am „Festland“ hieß es für uns: Handleine auspacken und ab an den Strand! Wir fingen zwar nichts Großes, aber wenn man einen ganzen Fischschwarm verkocht, wird man davon auch satt. Touris schauen manchmal ein wenig irritiert, wenn sie beim romantischen Strandspaziergang auf zwei Hippies treffen, die auf ihrem Benzinkocher ein paar Aquariumfische abbraten, aber die Einheimischen finden es immer lustig und interessant. Eine Fischerkollegin schenkte uns sogar 2 Bier! Wenn das kein perfekter Tag am Strand ist…
Auch wenn das Wetter in Placencia alles andere als karibisch war, genossen wir trotzdem dieses kleine Paradies.
Durch unsere tollen Verkaufserfolge in Barton Creek angestachelt, versuchten wir unser Glück als professionelle Artesanos natürlich auch hier. Wir haben zwar schon öfter Armbänder und dergleichen verkauft, haben es aber noch nie gewagt uns tatsächlich mit unserem Zeug auf die Straße zu setzen und zu verkaufen. Placencia ist da der perfekte Ort für eine Premiere.
Wegen mangelnden Touristen waren unsere Verkäufe zwar nicht all zu rosig, aber die eine oder andere Mahlzeit ging sich schon aus. Wir werden es auf jeden Fall beibehalten an schönen Orten unsere Reisekasse ein bisschen aufzubessern.
Placencia wäre wirklich ein Platz, an dem wir es uns vorstellen könnten zu leben. Der Erste auf unserer Reise, der 100%ig passen würde…Aber noch ruft die Reiselust und man kann schöne Orte ja vormerken…
Da es von Hopkins ins benachbarte Sitee keinen Bus gab und auch kein Verkehr war, hieß es für uns wieder mal marschieren. So ging es in der Mittagshitze über eine im Sumpf aufgeschüttete Schotterstraße Richtung Süden.
Plötzlich gab es ein lautes Platschen und aus dem Augenwinkel nahmen wir eine schnelle Bewegung im Wasser wahr. Wir hatten circa 4 Meter neben uns ein sich sonnendes Krokodil aufgeschreckt… „Lass uns lieber in der Mitte der Straße gehen!“
In Sitee River angekommen fanden wir eine tolle Campingmöglichkeit mit gratis Kajak/Kanubenutzung und mit dem 3 Nächte zum Preis von 2 Angebot war unsere Aufenthaltsdauer schon bei der Ankunft klar.
Der Zugang zu gratis Kajaks artete in ein Intensivoberkörpermuskulaturtraining aus. Stundenlang erkundeten wir den Fluss und seine Seitenarme auf der Suche nach Krokodilen. Nebenbei versuchten wir unser Glück beim Fischen und erlegten die eine oder andere Kokosnuss. (Merke: Nimm NIE die im Sumpf liegenden trockenen Nüsse – sie riechen entweder nach Scheiße oder schmecken nach Magensäure – 2 Erfahrungen, die man sich sparen kann!)
Nach drei Tagen sollte es nach Placencia weitergehen. Wir saßen in der Haltestelle und warteten auf den Bus, als wir plötzlich von irgendwoher Reggaemusik hörten. Kurz darauf erschien eine klapprige Karre in unserem Blickfeld aus der uns ein Rastamann zugrüßte: „Eh Rastafara, Respect!“ Er hatte - oh Wunder - ein wenig Zeit und stieg aus um mit uns ein wenig zu plaudern. Als er Maritas Ukulele am Rucksack entdeckte war er sofort begeistert – Jamsession! Da die Ukulele aber nicht so klingen wollte wie er sich das vorgestellt hatte meinte er wir müssten sie erst weihen. Er klappte seine zerlesene, in Leder gebundene Bibel auf und entnahm ihr einen feinsäuberlich gerollten Joint. Der Joint wurde angeraucht und die Ukulele weitergereicht (man kann nicht rauchen und spielen gleichzeitig). Nach einer kurzen Reggaesession (ich glaube alle Rasta können singen) und einem auf Rasta-Style interpretierten Bibelzitat stieg er wieder in seine Schüssel und tuckerte zum Sound von Bob Marley wieder weiter. Yea, dats life here fella! Yu betta Belize it!
Da wieder einmal kein Bus kam durften wir wieder Geld sparen und nette Leute kennen lernen. Ein paar nette Leute später standen wir bei der Abzweigung nach Placencia. Hier war das erste Fahrzeug das daherkam ein Bus und so bezahlten wir halt.
Als wir in den alten Schulbus einstiegen grüßte der Fahrer mit einem Daumen nach oben und drehte den Reggae lauter. Im Takt wippend quälte sich der Bus dann über eine rote lehmige Schlammpiste durch den Dschungel Richtung Placencia…
Nächster Halt: Blue Hole National Park.
Nur gute 10 Meilen südlich von Belmopan liegt dieser kleine Nationalpark, in dem es neben mehreren Höhlen und Lehmsteinformationen auch das namensgebende Blue Hole gibt. Der Name ist aber spektakulärer als das blaue Loch selbst. Es ist eine kollabierte Lehmsteinhöhle, die sich dank einem unterirdischen Fluss mit Wasser gefüllt hat und nun in allen Blautönen schimmert. Gemäß Reiseführer soll es 100 Meter im Durchmesser haben und über 30 Meter tief sein. In Wirklichkeit hat es (wenn man die seichten Stellen mit einrechnet) 20 Meter im Durchmesser und ist angeblich 8 Meter tief. Keine Ahnung wo die bei Lonely Planet diese Daten herhaben…
Die Höhlen, die nur in einem Nebensatz erwähnt werden, waren dafür echt eindrucksvoll. Man kann leider nur in eine ohne Guide rein, aber die paar hundert Meter reichten schon, um wieder einmal ein bisschen Höhlenluft zu schnuppern.
Wir konnten für ein paar Belizedollar beim Besucherzentrum des Parks campen, was uns wieder einmal eine Nacht in einem teuren Hotel sparte. Als dann am Abend die Ranger heimgegangen waren und der Verkehr auf der Straße weniger wurde, konnten wir endlich auf die andere Straßenseite – rein in die Grapefruitplantage! Wir füllten alle unsere Taschen und genossen die bittersüßen Früchte zum Abendessen. Zum Frühstück gab’s dann für jeden einen halben Liter frisch gepressten Grapefruitsaft zum Kaffee. So lässt es sich leben – selbst im teuren Belize!
Nach dieser mit Tierstimmen und Scharrgeräuschen gefüllten Dschungelnacht wollten wir weiter an die Karibikküste. Da der Bus aber zu voll war und nicht stehen blieb, hatten wir zwei Möglichkeiten: a) wir warten noch eine Stunde und hoffen, dass uns der nächste Bus mitnimmt oder b) wir sparen ein paar Dollar und lernen in diesem so freundlichen Land ein paar nette Menschen kennen.
Mit einem Grapefruittruck ging es kurz darauf den Hummingbird Highway Richtung Süden runter. Als Abschiedsgeschenk drückte uns der Trucker dann ein paar Grapefruits in die Hand, nicht wissend, dass unsere Rucksäcke nur deshalb so schwer waren, weil wir von der letzten Plantage noch einen Vorrat gebunkert hatten…
Ein paar lifts später waren wir an unserem Ziel, dem kleinen Nest Hopkins, angekommen.
Da Hopkins aber nicht viel mehr als eine staubige Straße mit ein paar Häusern entlang der Küste war machten wir uns gleich am nächsten Tag auf Richtung Sitee River – einem noch kleineren Nest in dem es auch nichts zu sehen gibt, man aber günstig campen kann.
Mitten im Dschungel, am Rand des Mountain Pine Ridge Forest Reserves haben sich zwei Amis in der Nähe der Barton Creek Höhle ihr kleines Paradies geschaffen – den Barton Creek Outpost. Außer der Höhle gibt es in der näheren Umgebung noch schöne Badeplätze, Dschungelspaziergänge, Mennonitendörfer und Orangenplantagen zu sehen.
Und das Beste daran: Wenn man sein eigenes Zelt hat kann man dort gratis campen. So eine Gelegenheit können wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Die einzige Schwierigkeit besteht darin dieses Paradies am A… der Welt zu erreichen. Es gibt keinen öffentlichen Transport und die einzige offizielle Variante hinzukommen ist via Tour, die circa 40US$ pro Person kostet.
Von dem ließen wir uns natürlich nicht beirren. Wir kauften Futter für mehrere Tage, fuhren mit dem Bus bis zur Abzweigung zum Reserve und marschierten los. Schon das erste Auto, das nach einer Stunde kam, nahm uns mit. Wie sich herausstellte, war es sogar eine der teuren Touren, die am Weg zum Outpost war. So kamen wir gratis per Tour an unser Ziel! Wenn das kein Autostopperglück ist!
Die nächsten Tage verbrachten wir mit Schwimmen, Wandern, Leben genießen und Knüpfen. Unseren Gastgebern gefielen unsere Armbänder und Ketten sogar so gut, dass sie uns gleich noch ein paar abkauften.
Der Rücktransport nach San Ignacio funktionierte auch völlig reibungslos und gratis, da wir mit den bei der Höhle stationierten Parkrangern mitkamen.
Alles in allem haben wir für diesen Trip (im teueren Belize) praktisch kein Geld ausgegeben…wir haben sogar Gewinn gemacht, wenn man unsere tollen Verkäufe mit einrechnet.
Belize City war, bis es 1961 von einem Hurricane schwer getroffen wurde, die Hauptstadt des Landes. Um neuerliche Schäden zu vermeiden packte die Regierung alles zusammen und verlegte die Hauptstadt einfach in das kleine Nest Belmopan, im Landesinneren. Die Idee der neuen Hauptstadt hat die Leute von Belize City aber nicht zum Übersiedeln animieren können. So bleibt Belmopan ein kleines Nest und Belize City mit 66 000 Einwohnern die größte Stadt des Landes.
Wir besuchten beide Städte in einem Tagestrip von San Ignacio aus. In Belmopan gibt es außer ein paar Regierungsgebäuden, einer Tankstelle und einem Busterminal nicht all zu viel zu sehen und auch Belize City ist weit davon entfernt eine Metropole zu sein. Die Hauptstraße ist eine staubige Schotterstraße auf der ein schwarzer Polizist mit der offenen Tarnjacke und Sonnenbrille auf einem pinken Mädchenfahrrad Patrouille fährt…Irgendwie wirkt die Stadt wie ein überdimensionales Karibiknest – und genau das ist sie eigentlich auch. Sicher gibt es auch hier ein paar sehr seltsame Gestalten und Belize City mag schon das gefährlichste Pflaster des Landes sein, aber das mag nicht viel heißen. Es ist und bleibt Belize! Wir sind im Moment andere Kaliber gewohnt.
Da Kevin, aus irgendeinem Grund immer schon nach Belize wollte und wir sowieso unser Visum Für Guatemala verlängern mussten, beschlossen wir einen kurzen Abstecher in dieses angeblich viel zu teure Land zu machen.
Stell dir vor: ein Land ca. halb so groß wie Österreich mit nur 300 000 Einwohnern, die aus allen Kulturen, Farben und Religionen bunt zusammengewürfelt sind und sich auch noch gut untereinander vertragen. Jeder spricht mehrere Sprachen und man einigt sich bei einem Gespräch halt einfach auf eine davon. Das Land selbst ist von Dschungel überwachsen, mit glasklaren Flüssen durchzogen und das zweitgrößte Barrier Reef der Erde liegt direkt vor seiner Küste. Überall wachsen Orangen, die Strände sind sauber, die Leute freundlich, überall hört man Reggae,…
Wo ist da der Haken?...Gibt keinen! Wir haben unser Paradies gefunden!
Dieses Land war genau das was wir jetzt brauchten. Nachdem wir die Grenze von Guatemala überquert hatten wurden wir gleich von freundlich grüßenden Menschen empfangen. Keiner will mehr unverschämt hohe Summen für lächerliche Kleinigkeiten, man tut sich einfach so mal einen Gefallen, alles läuft etwas langsamer und jeder hat mal Zeit für einen kleinen Tratsch auf der Straße. Es ist hier völlig normal wildfremde Menschen anzusprechen und mit ihnen schon nach wenigen Minuten gut befreundet zu sein (Ja, so etwas gibt es auf dieser Welt noch!).
So ging es uns in San Ignacio als wir auf der Suche nach einem Campingplatz von einem reggaesingendem Rastamann mit Joint im Mund eingeladen wurden mit ihm zu campen. Der Campingpreis stellte sich als leistbar heraus und so hatten wir ein neues Zuhause. Calvin, der singende Rasta, war neben uns der einzige Camper und wir verbrachten die nächsten Tage mit gemeinsamem Kochen, singen, quatschen und Ideen austauschen. Ein echt witziger Kerl!
Calvin ist gebürtiger Belizer, der lange Zeit in Jamaika gelebt hat und erst seit wenigen Wochen wieder in seiner ursprünglichen Heimat ist. Er lebt davon Bananenwein zu brauen und den dann am Markt zu verscherbeln. Es ist grundsätzlich nur ein leckerer Fruchtsaft, aber er vermarktet ihn mit so einer Begeisterung, dass er zum magischen Heiltrunk wird. Seine Inspiration schöpft er aus der Kraft Jah´s und dem heiligen Kraut, dass er ununterbrochen raucht – ein echter Rastafari halt. Wenn manche Christen Glauben, Spiritualität und Nächstenliebe so leben würden, wäre diese Welt ein besserer Ort! Er betet, verbrennt heiliges Kraut und singt (um den Druck im Kopf zu verringern) heilige Reggaelieder. Mit ihm haben wir die Rastafari-Bewegung als echte Religion verstanden.
So langsam das Leben in Belize scheint, so schnell ziehen die Tage vorbei (besonders, wenn man nur ein 30-Tages-Visum hat)
Jeden Samstag ist in San Ignacio Markttag und das bedeutet, dass die ohnehin schon bunte Ortschaft noch viel bunter wird. Alles und jeder versammelt sich auf dem großen Marktplatz und es wird gehandelt, getratscht und gegrillt. Die Amish fahren mit ihren Pferdefuhrwerden an dir vorbei, während die Inderin in ihrem Sari mit dem Rasa mit den knielangen Dreadlocks plaudert und der ausgewanderte Ami bei dem kleinen Mayaweibchen seine Kokosnüsse kauft. Der eine oder andere Tourist vervollständigt das bunte Treiben noch.
Der Besuch der Ruinen von Tikal begann nicht in der besten Stimmung. In den letzten Wochen unserer Reise hatte sich ein Stimmungstief aufgebaut. Zuerst war da der schmerzhafte Abschied von León und Quetzaltrekkers, dann die heftige Geschichte von El Salvador, viele anstrengende Reisetage, die Bescheißerei in Guatemala und dann noch die Nachricht von Robs Ermordung.
Obwohl es uns schwer fiel, beschlossen wir am Tag nachdem wir die Todesnachricht erhalten hatten zu den Ruinen zu fahren – Wir brauchten die Ablenkung.
Tikal ist einfach gigantisch! Die Stadt, die einst über 100 000 Einwohner hatte, war Jahrhunderte vom Dschungel überwachsen und ist heute gerade so weit freigelegt, dass man ihre vielen Plazas, Gebäude und Tempel bewundern kann. Es wurde aber noch genug Dschungel übergelassen, um einem das richtige Indiana Jones-Feeling zu geben. Nur die Spitzen der gigantischen Tempel ragen über das Dschungeldach hinaus.
Den ganzen Tag (von sechs in der Früh bis vier am Nachmittag) wanderten wir zwischen den Ruinen umher und erkletterten fast jeden Tempel. Bei einer Fläche von ehemals 30km² und Tempeln, die bis zu 64m hoch sind, kommen da so einige Strecken- und Höhenkilometer zusammen…
Im Vergleich zu Copán ist Tikal einfach RIESIG. Es ist faszinierend wie die Maya damals so hohe und schmale Tempel bauen konnten.
Aber beide Ruinenstädte muss man gesehen haben – Tikal wegen seiner Architektur und Umgebung und Copán wegen der feinen Steinmetzkunst.
Es ist jetzt, wo wir diese Zeilen schreiben, schon über ein Monat her, aber irgendwie können wir es immer noch nicht fassen. Das sind Sachen, von denen man normalerweise nur in der Zeitung liest und plötzlich ist man selbst davon betroffen…Aber alles der Reihe nach:
Wir haben Rob in León bei Quetzaltrekkers kennen gelernt. Er machte sein 5-monatiges Praktikum für seine Tourismusschule in León und genoss das Leben in Nicaragua in vollen Zügen. Er war die gesamten 3 ½ Monate, die wir in León waren mit von der Partie und war einfach fixer Bestandteil des Quetzaltrekkers-Hauses.
Als Anfang November die Zeit für die Heimreise nach Holland gekommen war, fuhr Rob mit dem Chickenbus über Nacht von Managua nach Guatemala City, von wo aus er seinen Flug nachhause hatte. Der Bus kam aber nie an.
Etwa 100km vor dem Ziel wurde der Bus am nächsten Morgen ausgebrannt am Straßenrand gefunden. Der Polizei war es zunächst ein Rätsel was sich zugetragen hatte, da alle Passagiere noch in ihren Sitzen saßen, die Türen und Fenster des Busses aber offen standen. Offensichtlich hatte keiner versucht dem Feuer zu entkommen.
Erst nach einigen Tagen stellte sich heraus, dass sämtliche Passagiere beim Ausbruch des Feuers schon tot gewesen sind. Sie wurden alle erschossen.
15 Nicaraguaner und Rob fanden den Tod.
Niemand weiß warum und was sich genau abgespielt hat. Die Polizei vermutet irgendeinen Drogen- oder Ganghintergrund.
Es tat so unglaublich weh, die Bilder des ausgebrannten Busses mit den Leichensäcken davor in der Zeitung zu sehen. Wir kennen diese Busse so gut. Fast jeden Tag sitzen wir in einem von ihnen. Und dann siehst du das Bild mit dem ausgebrannten Bus und weißt, dass in einem der schwarzen Plastiksäcke die verkohlten Überreste von Rob liegen.
Es schmerzt so unglaublich und über all dem steht die große Frage nach dem WARUM! Diese Menschen waren völlig unschuldig! Niemand, besonders nicht Rob, hatte irgendjemandem etwas getan. Womit haben sie so ein Ende verdient?
Es ist so schwer diesen Film wieder aus dem Kopf zu kriegen. Dadurch, dass wir schon so lange in dieser Gegend unterwegs sind und selbst viel in Übernachtbussen gefahren sind, können wir uns die Situation ZU gut vorstellen. Wenn man von so einer Tragödie in einem fernen Land hört ist es tragisch, aber wir haben die ganzen Bilder dazu im Kopf.
Als wir von dem ganzen per Mail erfuhren, waren wir einfach fassungslos. Wir versuchten das Ganze irgendwie zu begreifen. Ziellos wanderten wir durch Flores, da uns im Hotel die Decke auf den Kopf gefallen wäre…Und dann sitzt du dort mit Tränen in den Augen auf der Plaza, versuchst die Geschichte zu verarbeiten und würdest am liebsten den spielenden Kindern ihre Plastikpistolen aus der Hand reißen mit denen sie rumrennen und sich gegenseitig abschießen.
Rob ist in den Monaten in León ein wirklich guter Freund geworden. Eine Zeit lang waren wir sogar die einzigen Bewohner der schrägen Quetzaltrekkers-WG.
Rob war so ein lustiger und schräger Kerl – er hasste Hikes und liebte die Nica-Girls. Er wusste genau, wie er seinen Europäer-Bonus und Latino-Hüftschwung in den Discos von León zu seinem Vorteil einsetzte.
Mit seiner schrägen Art, Sachen aus einem völlig anderen Blickwinkel zu betrachten unterhielt er uns und stellte uns vor so manches Rätsel. Wir haben schon viele Fragen zu unserer Reise gestellt bekommen, aber Rob schaffte es immer wieder uns Sachen zu fragen, über die wir noch nie so nachgedacht hatten. Wenn er dich mit seiner begeisterten und begeisternden Art ansah und meinte: „Wie muss sich das wohl anfühlen, wenn…“…
Marita wird nie wieder Wäsche mit der Hand waschen können ohne an Rob denken zu müssen. Das waren nämlich immer die Momente, wo er kam um über Liebesleben, Zukunftspläne und andere Sorgen ihren weiblichen Rat einzuholen…
Goodbye Dutchie! We miss you! Hasta luego, amigo!
Wir fuhren voll positiver Erwartungen nach Guatemala. Von so vielen Reisenden hatten wir schon gehört wie toll, faszinierend und billig dieses Land nicht ist. Unser erster Eindruck war aber ein ganz anderer. SO billig ist es nicht (besonders nicht, wenn man gerade von Nicaragua und Honduras kommt), ein jeder will dir was andrehen oder dich bescheißen und das ganze noch auf eine echt unfreundliche und plumpe Art.
Unser Busfahrer zum Beispiel, mit dem wir vorher fließend spanisch gesprochen hatten, blieb ein paar Kilometer außerhalb von Flores stehen und fragte die dort wartenden Taxifahrer wie viel die 2 Gringos wert seien. Dass wir in der ersten Reihe saßen und jedes Wort verstanden schien er nicht zu checken. Nach den abgeschlossenen Trinkgeldverhandlungen stieg der Taxifahrer ein und wollte uns erklären, dass wir für Flores hier aussteigen müssten. Wie dumm, dass wir einen Stadtplan haben und spanisch sprechen. Man hat uns schon in vielen Ländern beschissen (oder es zumindest versucht), aber SO plump…
So kamen wir nach einem langen Tag in Bussen grantig und fertig in Flores an – der Touristenfalle schlecht hin. Wegen seiner Nähe zu den Ruinen von Tikal, einer der größten Mayastätten des Kontinents, steht Flores auf dem Programm jedes Guatemala-Reisenden. Es liegt auf einer Halbinsel, auf der es außer Hotels, Souvenirshops und Restaurants kaum andere Gebäude gibt. So kamen wir uns in einem Land, das uns ohnehin schon viel zu teuer erschien vor wie wandelnde Geldtaschen. Ein nicht-Touristenlokal zu finden ist also unmöglich und so legten wir jeden Tag bei der Futtersuche mehrere Kilometer zurück. Erst im benachbarten Santa Elena fanden wir im letzten Eck des Marktes etwas Essbares, das unserer Preisvorstellung nahe kam.
Beim Internetchecken im Hotel erfuhren wir dann in einem Mail von Taylor (Quetzaltrekkers-Crew) von der Ermordung unseres guten Freundes und Quetzaltrekkers-Kollegen Rob.
Das gab unserer Stimmung den Rest. ICH HASSE DIESES LAND UND WILL SO SCHNELL WIE MÖGLICH WIEDER RAUS!!!
Nach so viel Geschichte und alten Steinen brauchten wir wieder etwas Entspannung. Und wo lässt es sich besser ausspannen als an der heiß geliebten Karibik. Nach über einem halben Jahr endlich wieder Salzwasser in der Nase!
Unser erster Halt in Tela war eher enttäuschend – der Reiseführer hat wieder mal zu viel versprochen. Die Strände waren nicht so besonders (wir sind inzwischen aber auch verwöhnt) und die Stadt selbst hat überhaupt nichts Karibisches. Sie ist halt nur zufällig hier gebaut worden…
Die einzige Besonderheit war unser Hotel - wieder einmal eine dieser Hütten, die in keinem Reiseführer steht und doch (oder gerade deshalb) etwas Besonderes ist. Als wir zum ersten Mal davor standen glaubten wir, dass diese Bruchbude schon lange nicht mehr in Betrieb ist – ein erblasstes Schild auf einem uralten, halbvermoderten Holzbalkon und keine ersichtliche Eingangstür. Als wir wieder umdrehen wollten kam ein Nachbar angelaufen und lotste uns durch einen schmalen Wellblechdurchgang an der Seite des Hauses in einen Hinterhof wo einige alte Männer so in ihr Kartenspiel vertieft waren, dass sie uns nicht mal wahrnahmen. Nach ein paar lauten „Buenas tardes!“ machte sich dann doch einer die Mühe und nahm sich um uns an. Der Alte schielte an uns vorbei (oder schaute er uns beide zugleich an?) und deutete uns ihm zu folgen. So ging es durch seine Küche, über eine wacklige Holztreppe mitten hinein ins Geisterhaus. Der Boden hatte nicht mehr alle Dielen und man sah ins darunter liegende Wohnzimmer. (Merke: Nachts nicht ohne Taschenlampe aufs Klo gehen!) Die Matratze war zu weich und durchgelegen, der uralte Industrieventilator quietschte und wackelte und am Balkon hätte man bei Wind seekrank werden können, aber es war die bei weitem günstigste und stilvollste Unterkunft seit langem!
Nach Tela ging es in das kleine, verschlafene Karibiknest Omoa wo wir endlich unser heiß ersehntes Karibikflair fanden! Einst sehr touristisch ist es heute eher ruhig. Seit sie die Straße zur Grenze nach Guatemala ausgebaut haben, verirren sich nur mehr wenige Backpacker hierher.
Wir fanden ein perfektes Hostel und blieben (wieder mal) hängen… Wir schliefen günstig in Hängmatten, hatten Küche, Garten, Waschplatz und gratis Fahrräder und Kajaks. Tagsüber erkundeten wir die Gegend und die Abende verbrachten wir, so wie die Einheimischen, fischend am Steg.
Bei einem Kajakausflug entlang der Küste begegnete uns ein Fischer in seinem Ruderboot. Mit einem „Ya conocen el rio?“ (Kennt ihr den Fluss schon?) lud er uns ein ihn zu begleiten. Er war gerade unterwegs ein paar Bambusstangen abzuholen und brauchte, wie es schien, ein bisschen Unterhaltung. So sahen wir nicht nur den schönen Fluss, sondern erfuhren auch noch so einiges über hondurianische Politik, misslungene Agrarreformen und die Alltagssorgen der örtlichen Fischer – besser als jede gebuchte Paddeltour!
So schön es war im Paradies, aber irgendwann (als das Geld knapp wurde) mussten wir dann doch weiterziehen. Unser nächstes Ziel, das guatemaltekische Flores, war aber gar nicht so leicht zu erreichen. Im Gegensatz zu Südamerika, wo es zu fast jedem x-beliebigen Ziel einen Direktbus gibt, muss man in Mittelamerika bei jeder 2. Kreuzung oder Ortschaft den Bus wechseln. An diesem Tag saßen wir in 5! verschiedenen Bussen. Und das heißt: 5 mal den richtigen Bus erraten, 5 mal den Fahrpreis ausstreiten, 5 mal Packln reinschlichten und immer aufmerksam sein, dass dein Rucksack nicht vor dir aussteigt.
Hinein in die Touristenhoelle! Der Grund warum sich so viele Touris in dieses kleine Dorf verirren, sind die nahe gelegenen, gleichnamigen Ruinen, die zu den 3 wichtigsten Mayastätten gehören. Sie sind Pflichtprogramm bei jedem Hondurastrip.
Wir stellten uns auf das Schlimmste ein und komischerweise…kam es nicht schlimmer. Ganz im Gegenteil, Copan Ruinas ist ein nettes kleines Nest mit genug günstigen Unterkünften und allem was Rucksacknomaden sonst noch so brauchen. Neben den vielen edlen Restaurants, wo man auf der Karte schaut, was man sich alles nicht leistet gibt es glücklicherweise auch noch einen Markt mit Comedor (Ausspeisung). Wir sind es inzwischen gewohnt, dass Einheimische komisch schauen, wenn sich 2 (inzwischen sonnengebräunte) Bleichgesichter ins letzte Eck vom Markt verirren und sich ganz selbstverständlich bei einem Comedor hinsetzen und das Tagesmenu bestellen, ohne erst zu fragen, was es heute gibt…(Unsere Erfahrung zeigt, dass es zu 90% ohnehin Hendl mit Reis und Bohnen ist) Man lernt mit der Zeit einfach wo es gutes, günstiges, frisches Essen gibt…
Wenn man schon so nahe an einer der wichtigsten Ruinenstädte ist muss man sie sich auch anschauen, auch wenn man weiß, dass es eine große Touristenabzocke ist. Aber es hilft nichts – an der Kasse einfach den großen Geldschein aus dem Geldgurt kramen, nicht zu viel drüber nachdenken, wie viele Tagesbudgets das sind und ihn dann schweren Herzens gegen 2 Eintrittskarten zu den Ruinen tauschen (und nur dort hin – für Museum, Tunnel, Guide,…müsste man mehr bezahlen)
Uns reicht aber eh der einfache Eintritt. Vorab haben wir schon alles Wichtige über Copán und seine Geschichte gelesen, im Reiseführer ist ein Plan und für genauere Informationen muss man sich einfach nur unauffällig an Tourgruppen dranhängen. Was Sprachen betrifft sind wir ja inzwischen bei solchen Geschichtsspionageaktionen nicht mehr so wählerisch. Wir nehmen was daherkommt – deutsch, englisch, spanisch und wenn es von einem Spanischsprecher gesprochen wird auch mal italienisch oder portugiesisch.
Wir verbrachten den ganzen Tag in den Ruinen und kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus. Die Maya waren was Architektur betrifft genau solche Psychos wie die Inka! Und die Archäologen haben sich auch hier ganz gut (kreativ) verwirklicht.
Nach dem höchsten Berg in El Salvador wollten wir auch gleich noch den höchsten von Honduras, den Cerro de las Minas dranhängen. Das war der eigentliche Grund warum wir nach Gracias gefahren sind…Dort angekommen bemerkten wir, dass man in der Umgebung von Gracias nirgends einen hohen Berg sehen konnte. Die Einheimischen erklärten uns dann, dass sich dort drüben unter den Wolkentürmen der Cerro versteckt. Das tut er zu dieser Jahreszeit sehr gerne…Das Camp für die Besteigung des Berges liegt auf über 2000m, das heißt im Nebelwald mitten in den Wolken. Da wir das uns und unserem altersschwachen Zelt nicht antun wollten, entschieden wir uns lieber für die nahe gelegenen heißen Quellen. Der Schneck musste im Hotel bleiben…Wir wurden schön eingewaschelt, aber mit warmen Wasser…und man muss doch nicht jeden höchsten Berg besteigen, oder?
Von Suchitoto ging es weiter nach Norden, der Grenze zu Honduras entgegen. Auf der Strecke lag noch La Palma, das im Reiseführer als wunderschönes Künstlerdorf beschrieben ist und toller Ausgangspunkt für eine Besteigung des Cerro El Pital sein soll. Künstlerdorf klang nett und die Besteigung des höchsten Berges El Salvadors (2730m) musste sein.
Da aber La Palma in Wirklichkeit eines der hässlichsten Dörfer war, das wir seit langem gesehen hatten standen wir 10 Minuten nach unserer Ankunft schon wieder an der Bushaltestelle. San Ignacio, das nächste Dorf, gefiel uns viel besser.
Mit unserem Glück fanden wir auch noch eine Luxusunterkunft in unserer Preisklasse. Ein Zimmer mit gemütlichen Betten, Ventilator, Klimaanlage, Kabelfernsehen, Privatbad und gutem Geruch! Keine Ahnung warum, aber aus einem Grund, den wir bis heute noch nicht kennen, bekamen wir dieses Zimmer zur Hälfte des Normalpreises. Nicht zu viel Nachfragen – einfach genießen!
Der El Pital ist nicht nur der höchste Berg El Salvadors, er ist auch noch der am Leichtesten zu besteigende. Hätte man ein Auto könnte man bis zum Gipfel fahren. Rucksacknomaden fahren ein Stück mit dem Bus und marschieren dann noch die letzten 2 Stunden. Oben angekommen hat man zwar aufgrund einer großen Sendeanlage auf der einen und Wald auf der anderen Seite keine sonderliche Aussicht, dafür kann man zwischen El Salvador und Honduras hin und herhüpfen. Der Stein, der den höchsten Punkt markiert ist nämlich gleichzeitig auch ein Grenzstein. Ein Stück unterhalb des Gipfels gibt es aber eine nette almartige Wiese, von der die Aussicht großartig ist und man perfekt im weichen Gras sitzend Frühstücken kann.
Nach einem Ausspanntag in San Ignacio verließen wir El Salvador in Richtung Honduras – wieder ein Land abgehakt.
Wenn man Salvadorianern erzählt, dass man nach Suchitoto fährt, kriegen sie einen verklärten Blick und fangen an zu träumen – Suchi ist eine kleine Ortschaft, die heute noch so ist, wie angeblich ganz Salvador vor dem Bürgerkrieg war – Eine kleine heile Welt mit einer gepflegten Plaza, kleinen gepflasterten Strassen, einem kleinen Rummel und überall riecht es nach frisch gemachten Pupusas…
(Pupusas waren unsere Hauptnahrung im teuren El Salvador. Diese köstlichen mit Käse, Bohnen, Fleisch oder ähnlichem gefüllten Maisflatschen kann man fast an jeder Straßenecke für 25cent pro Stück kaufen.)
Suchitoto hat ein angenehmes Klima, unsere Unterkunft war supergemütlich und wir brauchten einige Tage zum Ausspannen. So nutzten wir die Gelegenheit wieder mal richtig Abzuschalten und erkundeten die Umgebung.
An einem Tag ging es zu einem wunderschönen Wasserfall, an einem anderen machten wir einen Spaziergang zum See. Da bei einem Seezugang ein „Centro Turistico“ war und die dort Eintritt von uns wollten zweigten wir wieder mal vom Touri-Trail ab und gingen lieber in die kleine Fischerspelunke am seegrasbewachsenen Ufer auf einen Kaffee. Der kostete uns ganze 15cent pro Tasse und bei dem Preis sind mindestens 10 schwimmende Ameisen inkludiert! Die besseren Schwimmer konnten wir noch lebend aus der lauwarmen Suppe retten, die anderen machten den Kaffee nahrhafter…
Von Suchitoto aus besuchten wir auch unsere erste Mayastätte. Die Ruinen von Cihuatan bestehen aus einer kleinen mit Gras bewachsenen Pyramide, einem kleinen Ballspielplatz und ein paar Steinhügeln. Ein netter erster Einstieg in die Welt der Mayaruinen, aber nichts Besonderes…
In Argentinien haben wir Mate getrunken, in Bolivien Coca gekaut, in Kolumbien Zigarren geraucht,… manchen Suchtmitteln kommt man einfach nicht aus. Hier in Mittelamerika ist es seit Nicaragua der Zwang Vulkane zu besteigen. Und im Nationalpark Los Volcanes gibt es gleich 3. Der eher unspektakuläre inaktive Cerro Verde, der Vulkan Santa Ana mit seinem wunderschönen spiralförmigen Krater und Itzalco, der immer noch sehr aktiv ist und sich deshalb den Beinamen Leuchtturm des Pazifiks verdient hat.
Der Ausgangspunkt dafür ist die kleine Stadt Santa Ana von wo aus wir bald in der Früh starteten. Nach 3stündiger Rumpelbusfahrt kamen wir bei strahlendem Sonnenschein im Nationalpark an. Hier erklärte man uns, dass heute eine Besteigung leider nicht möglich sei, da angeblich zu viel Wind ist. (Oder waren es nur zu wenige Touristen um die Tour rentabel zu machen?) „Aber ihr könnt ja morgen wiederkommen…vielleicht geht die Tour dann…“ So viel Ungewissheit war uns keine weiteren 6 Rumpelbusfahrtsstunden wert und so schossen wir ein paar Fotos und beließen es dabei…
Ein ganz normaler Tag im Leben von Rucksacknomaden: „Nach einer stundenlangen Busfahrt in einem alten amerikanischen Schulbus kommt man wieder einmal am Rande einer Millionenstadt außerhalb des Stadtplanes an. Locker drängt man sich mit beiden Ellenbogen an den Einheimischen vorbei um rechtzeitig vor anderen Interessenten bei seinem Gepäck zu sein. Gekonnt ignoriert man die Horde von Taxifahrern und schultert lässig seinen 25kg-Rucksack. Zielstrebig marschiert man planlos aus dem Terminal und quetscht sich in den nächsten Autobus, der angeblich Richtung Zentrum fährt. Mit einem Hüftkick schwingt man den Rucksack über das Drehkreuz und schlichtet sich und das Gepäck auf 2 viel zu kleine Sitze. Locker schielt man mit einem Auge am Rucksack vorbei und versucht die sporadisch auftretenden Straßenschilder zu erspähen und mit dem Stadtplan abzugleichen. Genauso schnell, wie man drinnen war ist man eine halbe Stunde später am anderen Ende der Stadt auch schon wieder draußen. Die 2 Polizisten, die uns beim Ausstolpern erst skeptisch gemustert hatten erweisen sich nach einem netten Lächeln dann als ganz gute Touristinfo. So stapfen wir in die beschriebene Richtung los und fragen sobald wir außer Sichtweite sind den nächsten Passanten nach dem Weg – traue keiner Wegbeschreibung, die nicht von mindestens drei unabhängigen Personen bestätigt worden ist. In der Mittagshitze von San Salvador quälen wir uns mit unseren Packln an klimatisierten Einkaufszentren und Fastfoodlokalen vorbei. Der Magen knurrt und wenn man so an sich runter sieht könnten wir auch mal eine neue Garderobe vertragen. Kevins Hose besteht inzwischen aus mehr Patches als Originalmaterial und unsere Sandalen haben gerade beschlossen, sich von ihren Sohlen zu trennen. Dann wieder ein Blick rüber in die Glitzerwelt…den Kopf schütteln, den Magen auf noch unbestimmte Zeit vertrösten und einen Schritt zulegen. In einer vollkommen heruntergekommenen Hütte für Peacecorps-Volunteers finden wir dann eine überteuerte Unterkunft. Die steinalte Besitzerin gibt uns eine Wegbeschreibung zu unserem Zimmer – sie kommt die Stufen in den ersten Stock nicht mehr hinauf. So geht es durch ihr Wohnzimmer in die Garage und von dort über eine wackelige Treppe in unser neues Zuhause. Ein Rucksacknomade ist dort zuhause, wo er seinen Schlafsack ausrollt…“
Da San Salvador nicht zu den sichersten Pflastern gehört suchten wir uns eine Unterkunft im „guten“ Stadtviertel. Hier befinden sich die Fastfoodketten und Einkaufszentren der Stadt, die das wahre „Zentrum“ bilden, aber keinen persönlichen Charakter haben und genauso irgendwo in den USA sein könnten.
Die Altstadt im Gegensatz ist zwar vielleicht authentischer, aber deshalb nicht „schöner“. Es gibt zwar eine nett gepflegte koloniale Plaza, dahinter beginnt aber gleich der für lateinamerikanische Städte typische, grindige Markt auf dem von Bananen bis Raubkopien alles verkauft wird. Nur ein paar Straßen weiter steht man dann mitten in einem Armenviertel wo man lieber schnell wieder umdreht.
Es war wichtig die Stadt gesehen zu haben – sie ist aber nix zum lange bleiben.
Nach unserem Kurzaufenthalt in Tegucigalpa ging es mit „ein paar mal“ Buswechseln ins Hochland von El Salvador. Perquín war im Bürgerkrieg aufgrund seiner isolierten Lage in den grünen Hügeln im Nordosten des Landes DIE Guerillahochburg. Noch heute sind die Bewohner stolz auf ihre revolutionäre Vergangenheit. Am besten sieht man das im berühmten Guerillamuseum des Ortes. Hier findet man neben den Fotos der gefallenen Helden, Waffen und Zeitungsartikeln auch so manche Kuriosität: selbst gebastelte Handgranaten (Kevins Meinung: sehr kreativ…macht sicher einen gescheiten Rumpser!!!), das selbst gebastelte Equipment des Guerillaradiosenders und vieles mehr. Dass es in der Stadt zugegangen sein muss sieht man immer noch an den zahlreichen Schützengräben und Bombenkratern (die heute teilweise in Vorgärten als Goldfischteiche gepflegt werden).
In der nähe von Perquín liegt das kleine Dorf El Mozote in dem sich eines der dunkelsten Kapitel der salvadorianischen Geschichte abgespielt hat. Am 10. Dezember 1981 befahl die Regierung sämtlichen Bewohnern der Region sich in diesem kleinen Dorf zu versammeln um eine Hilfslieferung vom Roten Kreuz zu empfangen. Statt der Samariter marschierte aber das gefürchtete Atlacatl-Batallion ein. Unter dem offiziellen Vorwand Guerillakämpfer zu suchen folterten und ermordeten sie hier in den nächsten Tagen über 1000!!!! Menschen – der Großteil von ihnen Kinder, Frauen und alte Menschen. Es gab nur eine Überlebende, die aufgrund des Bürgerkrieges erst Jahre später die Wahrheit ans Licht bringen konnte. Rufina widmete ihr Leben der Verbreitung der Geschichte unter dem Titel: „Nunca más“ (Nie mehr wieder) Vom Originaldorf sieht man heute nur noch die Grundsteine der alten Kirche, da die Ortschaft nach dem Massaker komplett zerstört und niedergebombt worden ist.
Wenn man von so einer Geschichte im Reiseführer liest, klingt es schlimm aber es ist nur eine Geschichte. Wenn man dann tatsächlich im Dorf steht und von einer ehemaligen Bewohnerin, die nur durch Zufall zum Zeitpunkt des Massakers nicht im Dorf war, die Geschichte erzählt bekommt schnürt es einem die Kehle zu… Noch tagelang nachher waren wir schockiert und fassungslos wozu Menschen fähig sein können, wenn man sie in eine Uniform steckt…Wie bringt man jemanden dazu so etwas zu tun…
Anders als andere mittelamerikanische Länder ist El Salvador nicht so sehr wegen seiner Natur und Landschaft interessant, sondern eher wegen seiner Geschichte. Deshalb erst mal ein kurzer Überblick:
Seit seinem Bestehen wurden die Bewohner des Landes von Krisen geplagt. Militärdiktaturen, Bürgerkriege und Revolutionen gaben sich praktisch die Klinke in die Hand. Beim Indianeraufstand 1932 griff die Regierung hart durch und ließ Indigenas oder indigen aussehende Menschen wahllos ermorden. Insgesamt wurden damals 30 000 Menschen wegen ihrer Abstammung niedergemetzelt. Und das war kein Einzelfall.
Die Geschichte El Salvadors setzt sich genauso fort. Immer wieder kam es zu Massakern, so genannte Todesschwadrone entführten, folterten und ermordeten auch in den folgenden Jahren tausende Regierungsgegner. In den 1970er Jahren stieg die Unzufriedenheit mit der Militärdiktatur und es bildeten sich immer mehr Guerillaorganisationen Als dann 1980 der sozial engagierte, linksgerichte Erzbischof Romero während er eine Messe hielt von Regierungstruppen ermordet wurde, kam es zum Buergerkrieg der bis 1992 andauerte und 75 000 Todesopfer forderte. Wie immer bei mittelamerikanischen Krisen hatte auch hier die US-Regierung ihre Finger im Spiel. Sie unterstützte mit gesamt 6 Mrd. ! Dollar die Regierung und bildete sogar ihre Killerkommandos aus…
Auf den ersten Blick scheint sich El Salvador heute wieder erholt zu haben. Der Konsum in der Hauptstadt boomt und alles glitzert und glänzt in den guten Vierteln…Man sieht aber nicht deshalb Schmuck, neueste Handymodelle und teure Autos auf den Straßen weil die Wirtschaft im Land so boomt, sondern weil viele Tausend Salvadorianer in den Staaten (legal oder illegal) arbeiten und das Geld (insgesamt 3 Milliarden US$ jedes Jahr) an die Familie nachhause schicken.
Einige dieser „hermanos lejanos“ (Brüder in der Ferne) rutschten aber im Laufe der Zeit in die Kriminalität ab und gründeten eine der größten Latinogangs in den USA – die Mara Salvatrucha. Aufgrund des neuen Ausweisungsprogramms der Staaten werden Kriminelle, die in Gangverbrechen verwickelt sind, in ihr Heimatland abgeschoben. Damit ist das Problem aber nicht beseitigt. Die illegalen Geschäfte gehen weiter, eben nur wo anders…
Man darf sich so eine Gang nun aber nicht als kleine Rowdiegruppe vorstellen – Salva Trucha hat über ganz Mittelamerika verteilt inzwischen über 100 000 Mitglieder und mischt am internationalen „Markt“ mit Mafia und Co groß mit.
Politik und Polizei haben aber nichts aus ihrer Geschichte gelernt und versuchen das Problem mit der altbekannten Methode zu lösen - Gewalt mit mehr Gewalt beantworten. Es gab die Regierungscampagne mit dem Namen „Mano Dura“ (harte Hand) und da die nicht funktioniert hat nun das neue Programm: „Super Mano Dura“
So ist und bleibt El Salvador eines der heißesten Pflaster in Mittelamerika – 10 Morde pro Tag sprechen für sich…
Wir haben gerade festgestellt, dass wir El Salvador nun so dargestellt haben, dass dort sicher keiner mehr hinfahren will. Damit tun wir dem Land aber unrecht. Es ist im Alltag bei weitem nicht so schlimm wie es in den Statistiken aussieht. Die Salvadorianer sind sehr offene und freundliche Menschen und wenn man sich nicht gerade in den Vororten der Großstädte aufhält ist das Land für den Standardtouristen wahrscheinlich nicht gefährlicher als Honduras oder Nicaragua.
Man versäumt auf jeden Fall etwas, wenn man in Mittelamerika reist und El Salvador auslässt….Pupusas zu Beispiel ;-)
Alle, die sich schon Sorgen gemacht haben, dass es in León mit unserer Reise zu einem Ende gekommen ist können wir hiermit beruhigen – Wir haben es (schweren Herzens) geschafft Quetzaltrekkers zu verlassen.
Statt geplanten 2 Monaten haben wir fast 4 Monate als Volunteers gearbeitet und Hikes auf die umliegenden Vulkane geguidet. Zum Schluss hatten wir echt schon Routine, sowohl im Hikes vorbereiten als auch im guiden. Es hört sich vielleicht langweilig an immer die gleichen Hikes auf immer die gleichen Vulkane zu machen und das 2-3-mal die Woche. (Kevin war insgesamt ca. 15-mal am Cerro Negro, 14-mal am Telica, 10-mal am El Hoyo,…) Aber es ist viel interessanter als es klingt. Zum einen geht man die Hikes ja immer mit anderen Leuten und zum anderen kann man echt genial beobachten wie sich die Landschaft, die Wege und Vegetation in der Regenzeit verändern. Man kennt bald jeden Strauch und freut sich zum Beispiel schon auf den nächsten Telica-Hike, weil man weiß, dass die Nancites (kleine gelbe Früchte) dann reif sein müssten.
Inzwischen wissen wir so viel über Tiere und Pflanzen in Nicaragua, dass wir uns hier in Wald und Dschungel schon richtig zuhause fühlen. Man gewöhnt sich echt schnell an Skorpione, Vogelspinnen und Giftschlangen.
Auch wenn Geologie und Vulkanologie nie so richtig interessiert haben…Wenn du ständig auf diese Schwefel speienden Ungetüme kletterst willst du irgendwann wissen woher der Gestank kommt…und ehe du dich versiehst diskutierst du mit anderen Quetzaltrekkern über die Entstehungstheorien verschiedener Krater und Landschaftsformen.
Quetzaltrekkers ist aber mehr als nur ein Tourunternehmen. Wir haben hier nicht nur gearbeitet, sondern auch ein Teilzeitzuhause mit vielen neuen Freunden gefunden. In der chaotischen QT-WG war immer was los: Hyperaktive Frühaufsteher, neurotische Reinigungsfanatiker, chronische Unordnungsstifter, kaffeesüchtige Morgenmuffel, europäische Latinlovers,…
Jeder Abend wurde mit der Frage: „Who goes?“ begonnen. Irgendeiner packte dann die leeren Bierflaschen zusammen und tauschte sie im Alkoshop ums Eck gegen volle ein. Dann wurde gemeinsam gekocht, geraucht, gezockt, gegrillt, getrunken,…Kurz: Eine WG, wie sie nur mit Putzfrau funktionieren kann…und die hatten wir zum Glück.
Bei so viel Gemütlichkeit ist es gar nicht so leicht wieder so viel Reiselust aufzubringen um dann auch wirklich abzureisen. Nach ein paar verschobenen Abreiseterminen schafften wir es am 21. dann endlich unsere Reise in Richtung Kanada fortzusetzen.
Zuvor gab es aber noch 2 Abschiedsfeiern (Danke Eva und Rob). Bei der ersten hatten wir ein lustiges Gruppengnoccikochen und bei der zweiten wurde groß aufgegrillt. Am letzten Abend lösten wir noch Maritas Geburtstagsgeschenk ein - ein (dank Stromausfall) echtes Candlelightdinner in einem der besten Restaurants der Stadt.
Am nächsten Morgen gab es noch ein großes Schulterklopfen, Abschiedsknuddeln und e-mail-Adressen austauschen und dann wurde es ernst. Es ist schon ein seltsames Gefühl, wenn man so viele Leute kommen und gehen gesehen hat und dann ist man selber dran – Plötzlich bist du derjenige, der voll bepackt durch die Officetür geht und nicht mehr zurück kommen wird.
Gott sei Dank ist es bei vielen Leuten kein „Good-bye“, sondern nur ein „hasta luego“ (bis später) – See you in the States, Austria, Germany,…!!!!
Wir werden León, Quetzaltrekkers und alle unsere Freunde echt vermissen…oder besser gesagt: Wir vermissen sie!!!!
Unsere Sorgen das Reisen schon verlernt zu haben erwiesen sich als unbegründet. Sobald du voll bepackt zum Terminal hirscht legt sich der Schalter um und es läuft wieder wie geschmiert.
Nach einem langen Tag in ungemütlichen Bussen auf holprigen Pisten sind wir Dienstag Abend heil, blank und hundemüde in Tegucigalpa, der Hauptstadt Honduras angekommen. Das es hier aber nicht all zu viel zu sehen und zu tun gibt geht es nach vollendeter Internetaktualisierung gleich wieder weiter Richtung El Salvador.
Schon seit Beginn unserer Reise haben wir nach einer für uns passenden Volunteer-Arbeit gesucht. Es ist gar nicht so leicht, wenn man kein halbes Jahr Zeit hat, nicht fürs Arbeiten auch noch bezahlen will und nicht unbedingt mit Kindern arbeiten will… Hier in León haben wir endlich das Perfekte Projekt für uns gefunden. Wir lieben es draußen zu sein, zu trekken, Menschen unsere Freude an der Natur zu vermitteln und kreativ tätig zu sein. Bei Quetzaltrekkers können wir all das. Wir arbeiten hier als freiwillige, unbezahlte Trekkingguides und führen Touren auf die umliegenden Vulkane. Der gesamte Profit, der dabei reinkommt geht direkt an die Organisation „Las Tías“ (Die Tanten), die Straßenkindern und Kindern aus Risikofamilien hilft. Die Idee ist einfach genial! – Touristen können günstige Hikes machen und spenden dabei noch Geld für einen guten Zweck. Wir können hier mal ins Guidebusiness reinschnuppern und lernen auch sonst so einiges – von Marketing und Promotion über Vorbereitung einer Tour bis hin zu „Wie guide ich einen 2-Tages-Hike, wenn ich nur 3 Stunden Schlaf hatte?“
Die Kollegen sind super und wir können mal wieder richtig umreißen und neue Ideen einbringen und verwirklichen. Außerdem tut es gut mal wieder (wenigstens vorübergehend) ein Zuhause zu haben. Verdienen tun wir zwar nichts und wir müssen sogar noch für Unterkunft und Verpflegung aufkommen, aber der Spaß und das Gefühl was Gutes zu tun sind das auf jeden Fall wert.
Für alle die mehr über Quetzaltrekkers wissen wollen: auf www.quetzaltrekkers.com (Nicaragua) stehen alle Infos.
Damit ihr eine Idee bekommt was wir in letzter und nächster Zeit so machen – hier eine kleine Beschreibung unserer Lieblingshikes:
Cerro Negro (1 Tag):
Der Cerro Negro (Schwarzer Berg) ist Zentralamerikas jüngster und einer der aktivsten Vulkane. Wo 1850 noch ein Maisfeld stand ragt heute ein 724m hoher Sandhügel empor. Seit damals ist der Cerro Negro schon über 20-mal ausgebrochen…das letzte mal 1999. 1995 war die spektakulärste Eruption bei der die mehrere Kilometer hoch geschleuderte Lava sogar von León aus sehen konnte. Im Moment raucht er nur, aber wir warten alle auf den nächsten großen Rumps…natürlich hoffen wir auch, dass dies geschieht, wenn wir nicht grad mit den Klienten im Krater stehen...
Der lustigste Teil der ganzen Tour ist das hinunterlaufen über den losen Schotter des Vulkans. Dadurch dass der weiche Vulkanschotter so gut dämpft, kann man Riesenschritte machen und das ganze fühlt sich dann irgendwie so an als würde man in Zeitlupe laufen – aber mit Full-Speeeeeed!!! …und nach dem dritten, vierten Mal wird man schon zum Vulkanlaufprofi!
Telica – Kevins Liebling (2 Tage):
Unser beliebtester 2-Tages-HIke führt zum Krater des sehr aktiven Vulkans Telica. Dies ist Kevins absoluter Lieblingshike. Es gab in den letzten Wochen Zeiten in denen er mehr Zeit da oben als in León verbrachte. Das ganze liegt unter anderem daran, dass er wesentlich an der Suche und Etablierung der neuen Route mitgearbeitet hat. Es gibt zurzeit wahrscheinlich keinen anderen Volunteer, der diesen Berg von so vielen Seiten gesehen hat.
Der Hike an sich ist wunderschön und der Campplatz ist einfach ein Traum. Man campt im äußeren, erloschenen, von Gras bewachsenen Krater und hat eine unglaubliche Aussicht auf den rauchenden Krater.
Wenn man Glück hat kann man sogar am Boden des Kraters Lava glühen sehen, was uns aber leider bis jetzt nicht vergönnt war.
El Hoyo (2 Tage):
Unsere 3-in-1-challenge, wo du 3 Vulkane in 2 Tagen besteigst…Man beginnt mit dem Cerro Negro, geht über die Vulkangruppe Las Pilas auf den Vulkan El Hoyo, wo man auf einem wunderschönen Platz mit genialer Aussicht die Nacht verbringt. Von dort oben sieht man alle wichtigen Vulkane Nicaraguas. Außerdem kann man das enorme Loch in der Seite des Vulkans bestaunen, dessen Ursprung niemand genau erklären kann. Wahrscheinlich war es eine Höhle, die eingestürzt ist.
Nach dem Abstieg am zweiten Tag lässt man den Hike noch mit einem kühlen Bad in der Kraterlagune Asososca ausklingen.
Cosigüina (3 Tage):
Ganz im Nordwesten des Landes liegt der Vulkan Cosigüina. Dieser hatte einst über 3000m bis er dann Mitte des 19. Jahrhunderts explodierte. Der gesamte obere Teil des Vulkans wurde dabei abgesprengt. Die Asche flog bis nach Mexiko, Panama und sogar Jamaika. Heute hat der Cosigüina nur mehr knappe 900m und einen enormen Krater von 2km Durchmesser und 500m Tiefe. Am Boden des Kraters befindet sich eine Lagune, die noch mal 300m tief ist….Einfach irre! Gecampt wird am Strand, den auch Schildkröten zur Eiablage nutzen. Demnächst müsste die Nistzeit beginnen. Vielleicht haben wir mal Glück? ...
Die Schule in Aguas Frías:
Kein Hike, sondern eines unserer Projekte: Neben Las Tías tun wir auch immer wieder Kleinprojekte auf und dazu gehört seit Neuestem die Schule von Aguas Frías. In diesem kleinen Dorf am Fuße des Telica-Kraters leben 200 Menschen, con denen ca. 40 im schulpflichtigen Alter sind. Unser Plan ist es den Kindern Schulmaterial zur Verfügung zu stellen und in weiterer Folge eine Schule mit 4!!! Wänden hinzustellen. Die Fotos sprechen für sich.
Beim Lesen unseres Reiseführers waren wir über einen Nebensatz gestolpert, in dem uns die Wörter „semimystische Höhlen“ und „praktisch unerforscht“ sofort ins Auge stachen. Da unser schlaues Büchlein leider nicht mehr Info hergab, versuchten wir unser Glück im Internet und fanden…..NICHTS! ...was das Ganze noch viel interessanter machte…Sämtliche Information, die wir hatten war, dass es in San José de Bocay einen Guide namens Henry Taylor gibt, der uns zu den Höhlen von Tunowalán bringen kann.
Nach 2 Tagen Holperbusfahrt kamen wir dann endlich in Bocay an und mussten feststellen, dass keiner dort einen Henry Taylor zu kennen schien und selbst zu den Höhlen konnte uns keiner genaue Angaben machen. Nach langem Suchen fanden wir endlich einen leicht dümmlichen Parkranger, der sich bereit erklärte uns für 50 US$ zu den Höhlen zu führen. So ging es für uns nach einer Nacht in einem Verschlag von Hotelzimmer auf der Ladefläche eines LKWs weiter Richtung Ayapal. Auf dieser Strecke gibt es keine Brücken mehr, weshalb die Fahrtzeit, je nach Flussstand, zwischen 4 Stunden und 2 Tagen betragen kann. Nach 8 Stunden erreichten wir in Ayapal dann das Ende der „Straße“. Von hier geht es nur noch zu Fuß oder per Boot weiter. Zuerst mussten wir aber noch ein paar Hände schütteln. Wie VIPs wurden wir durch den Ort geführt und dem Bürgermeister, dem Polizeichef, dem Indigenachef und dem Militär vorgestellt. Von diesen vier brauchten wir nämlich die Erlaubnis um unseren Trip starten zu können. Da sich in der Gegend gerade Banditen herumtreiben mussten wir auch noch eine Polizei- oder Militäreskorte zum Schutz mitnehmen. Da aber noch nicht ganz klar war wer das übernehmen sollte bzw. wie wir jetzt genau zu den Höhlen gelangen sollten (unser Guide stellte sich als immer unqualifizierter heraus) trafen wir uns am Abend an jenem Ort an dem alle wichtigen Entscheidungen in Ayapal getroffen werden – dem Dorfbeisl.
Hier im Norden herrschen noch andere Sitten. Die Lebensbedingungen sind sehr simpel. Strom gibt es nur wenige Stunden am Tag und fließendes Wasser so gut wie nirgends. Die Kinder spielen im Schlamm vor dem Haus und die Schweine schlafen im Wohnzimmer. Ein richtiger Mann braucht mindestens einen Gaul, Sporen auf den Gummistiefeln und einen Colt (oder zumindest eine Machete). Wenn er auf ein Bier geht parkt er das Pferd vor seinem Stammlokal und ist froh, wenn er ein paar Stunden später wieder herauskommt, dass sich zumindest das Pferd an den Nachhauseweg erinnert – Autopilot sozusagen.
In genau so einem Beisl handelten wir uns mit dem Bürgermeister, dem Militärchef und noch ein paar anderen aus, wie wir am nächsten Tag zu den Höhlen kommen würden. Im Tausch gegen ein paar Gallonen Diesel brachte uns ein Miskito-Indianer in seiner völlig überladenen Zille über einen reißenden Dschungelfluss in die Nähe der Höhlen. So startete unsere kleine Expeditionsgruppe, die inzwischen aus uns, dem Parkranger, einem lokalen Bauern (unser Guide kannte den Weg nicht!!!) und einer schwerbewaffneten 2-Mann-starken Militäreskorte bestand, den Marsch durch den Dschungel zu den Höhlen.
Nachdem wir endlich am Ziel angekommen waren und die Soldaten die Höhle gecheckt hatten konnten wir nach Lust und Laune die Höhlensysteme erkunden und herumkraxeln. Wir fanden sogar Höhlenmalereien…Es ist schon cool, wenn man irgendwo im nirgendwo mitten im Dschungel in irgendwelchen halberforschten Höhlen herumklettern kann. Vergiss Abenteuertourismus – Stürz dich ins Abenteuer!!!
Zurück in Ayapal erfuhren wir, dass wir angeblich die ersten Touristen sind, die sich hierher verirrt hatten. Es waren zwar schon Wissenschaftler und Entwicklungshelfer hier, aber noch niemand, der sich die Gegend einfach nur so zum Spaß anschauen wollte.
So kehrten wir nach einer abenteuerlichen Woche absolut nicht erholt nach León zurück um mit unserer Arbeit bei Quetzaltrekkers zu beginnen.
Die neue Hauptstadt Nicaraguas hatte es nie leicht. Bis Mitte des 19. Jahrhunderts war Managua ein kleines Dorf. Erst als der Streit zwischen den beiden Städten León und Granada um den Sitz der Hauptstadt eskalierte und in einem Bürgerkrieg endete, wurde Managua, das genau in der Mitte der beiden Streitparteien liegt kurzerhand zur Hauptstadt ernannt.
Kurz nachdem es zu einer richtigen Stadt geworden war wurde es 1931 schon wieder von einem Erdbeben zerstört. Mitten in den Aufbauarbeiten kam es 5 Jahre später zu einem Großbrand, der alle Arbeit erneut zunichte machte. Die Nicas kratzten abermals alle Kohle und Arbeitskraft zusammen und bauten die Stadt erneut auf. 1972 kam es zu einem noch schwereren Erdbeben und daraufhin zu dem Entschluss das historische Zentrum endgültig aufzugeben. Heute stehen hier nur noch die zerstörte Kathedrale, die vor sich hinbröckelt, ein paar Regierungsgebäude und einige Ruinen. So ist Managua jetzt eine Stadt ohne Zentrum, die aus zusammengewachsenen Vororten besteht, in denen Shoppingmalls die neuen Zentren bilden.
Die meisten Traveller meiden diese nicht ungefährliche Stadt ohne Sehenswürdigkeiten. Wir verbrachten 2 Tage hier um uns das tote Zentrum und den Aussichtshügel Loma de Tiscapa mit seiner riesigen Sandino-Statue anzusehen, waren aber froh wieder weiterreisen zu können.
Nachdem es Hauptstädte in Nicaragua nie leicht hatten, ist die ehemalige Hauptstadt León natürlich auch nicht an ihrem Originalstandort geblieben. León Viejo (Alt-León) lag am Lago de Managua und wurde 1610 vom Vulkan Momotombo komplett zerstört. Daraufhin verlegten die Spanier die Stadt weiter weg von all den Vulkanen an den heutigen Standort.
Auch wenn León heute nicht mehr die Hauptstadt des Landes ist, so spielt sich hier politisch und kulturell noch so einiges ab. Vielleicht liegt das daran, dass die Bewohner von León so stolz auf ihre Heimatstadt sind…
Wir fühlten uns hier, wie die meisten andern Reisenden auch super wohl und blieben viel länger als beabsichtigt in unserem gemütlichen Hostel. Verschärfend kam noch hinzu, dass wir dort eine fast reine Österreicher-WG bildeten. In über 1 ½ Jahren unterwegs haben wir vielleicht drei mal Österreicher getroffen und hier in León scheinen sie wie die Schwammerl zu sprießen. Sogar der Hostelbesitzer ist mit einer Österreicherin verheiratet.
Wir nutzten unsere Zeit in León für Reiseplanung. Bei unserer Recherche kamen wir zu dem Entschluss, dass unser Plan Kanada vor dem Winter zu erreichen nichts werden würde. Mittelamerika sieht auf der Karte zwar klein aus, aber es gibt hier sooo viel zu sehen….
Da im Winter Autostoppen in Kanada sehr ungemütlich ist wollen wir erst im Frühling hoch….Wir haben also etwas Zeit totzuschlagen.
Da kam uns die Volunteer-Organisation Quetzaltrekkers gerade recht. Wir beschlossen hier 2 Monate zu arbeiten und dann erst weiterzureisen… Da wir aber bis zum Start der Arbeit noch eine Woche zu überbrücken hatten ging es noch zu einem Abenteuer in den Nordosten des Landes…
Granada ist eine Kolonialstadt wie sie im Buche steht – bunte, alte Häuser, gepflasterte Strassen, schöne Kirchen und schattige Plazas. Genau aus diesem Grund ist es auch übertouristisch und trotzdem irgendwie leblos. Die schönen Kolonialgebäude im Zentrum werden alle von reichen Ausländern gekauft und renoviert, was die Preise so in die Höhe treibt, dass es sich kein Nica mehr leisten kann. Man findet zwar unzählige schöne Fotomotive, trendige Cafés und Restaurants, das ursprüngliche Flair einer Nica-Stadt ist aber verloren gegangen. Nach zwei Tagen ging es also weiter ins weniger touristische Masaya.
Diese Stadt gefiel uns schon viel besser mit seinen lebhaften Plazas und chaotischen Märkten.
Die meisten Touristen kommen nach Masaya um den „authentischen“ Touri-Ramsch-Markt unsicher zu machen. Wir machten einen Bogen um diesen und gingen lieber am Einheimischen-Markt einkaufen (12 große Mangos für nicht mal 20cent)…
Von hier aus besuchten wir auch die nahe gelegene Laguna de Apoyo, ein Kratersee, der ganz nett ist zum plantschen. Wir hatten dummerweise unsere Badesachen vergessen…
Ein anderer Daytrip führte uns auf den Vulkan Masaya. Diesen Vulkan zu besteigen klingt aber spektakulärer als es ist. Eine asphaltierte Straße, die in einen großen Parkplatz mündet führt bis zum Gipfel. Die Aussicht ist diesen „harten“ Aufstieg aber auf jeden Fall wert. Der Krater misst mehrere hundert Meter im Durchmesser, ist fast 100 Meter tief und raucht wie die VOEST. Wir verließen dann aber schnell wieder den breiten Touristenpfad und erkundeten den erloschenen Krater nebenan. Hier gab es zwar keinen Rauch, dafür wunderschöne Landschaft, steile Klippen und hunderte Geier, die sich nicht mal durch unser Fotoshooting bei ihrem Sonnenbad stören ließen.
Ometepe – eine Insel wie aus einer Sage entsprungen. Mitten im riesigen Lago de Nicaragua ragen die beiden Vulkane Maderas und Concepción aus dem Wasser und bilden so diese semimythische Insel. Neben einer sagenumwobenen Lagune gibt es auch noch uralte Steinskulpturen und um das ganze abzurunden durchstreifen auch noch riesige Süßwasserhaie den See.
Einmal hier angekommen wird man gleich vom verschlafenen Flair der Insel eingelullt. Es herrscht schon im Rest von Nicaragua keine Hektik, aber auf Ometepe kann man noch mal einen Gang runterschalten.
Wir mussten uns also irgendwie beschäftigen um nicht gleich in den Schneewittchenschlaf zu verfallen. An einem Tag liehen wir uns Fahrräder aus und erkundeten so einen Teil der Insel. Wir hatten uns auch noch vorgenommen einen der beiden Vulkane zu besteigen, aber der Concepción ist im Moment zu aktiv und der Maderas nicht interessant genug. Auf der anderen Seite waren wir schon mal da…es fehlte nur die richtige Motivation. Im Endeffekt entschied ein Münzwurf und wir zogen ohne Vulkanbesteigung weiter nach Granada.
Aufgrund der Preislage in Costa Rica war schon im Vorhinein klar, dass unser Aufenthalt hier kurz ausfallen würde. Nach den ersten zwei Tagen war klar, dass es SEHR kurz werden würde.
Unser erster Stopp war im kleinen Karibiknest Cahuita. Hier gibt es nicht nur schöne Strände, sondern auch einen Nationalpark, den man auf kleinen Dschungelpfaden zu Fuß erkunden kann. Neben unzähligen Vögeln, Insekten und Reptilien sieht man auch noch Kapuziner- und Brüllaffen aus nächster Nähe. Dazu gibt es aber nicht viel zu erzählen – die Fotos sprechen für sich…
Nach Cahuita ging es nach San José, der Hauptstadt Costa Ricas. Nach einem verregneten Sightseeing-Tag ging es schon wieder weiter nach Nicaragua.
Nach unserer Bergtour im kalten Boquete brauchten wir wieder etwas Wärme und die holt man sich in Mittelamerika am Besten auf einer Karibikinsel. Bocas del Toro bietet sich dafür besonders an, da diese Inselgruppe so nahe am Festland ist, dass man sie für ein paar Dollar mit dem Wassertaxi erreichen kann. Dieses Geheimnis ist aber schon seit ein paar Jahrzehnten heraußen und dementsprechend überlaufen ist dieses kleine Paradies. Wir fanden trotzdem oder gerade deswegen ein echt gemütliches Hostel. Eigentlich ist es ja eine richtige Gringohütte, die noch dazu weit außerhalb unseres Budgets liegt, aber durch Verhandlungsgeschick und einen schweizerisch-österreichischen Sympathiebonus kriegten wir es zum halben Preis.
Die Aqua-Lounge ist komplett auf Stelzen im karibischen Meer gebaut, hat eine riesige Terrasse in der ein „Pool“ ausgeschnitten ist und bietet auch sonst allen erdenklichen Traveller-Luxus. Für uns hieß das jeden Tag in der früh aufstehen, gratis Pfannkuchen futtern, danach 5 Schritte gehen und ins mehrere Meter tiefe, glasklare Wasser zu fallen und mit bunten Fischen um die Wette zu tauchen. Den Rest des Tages verbrachten wir mit ausspannen, Sonnenbaden, fischen, rund ums und unterm Haus Schnorcheln, essen und nichts tun. Kevin verbrachte so viel Zeit im Wasser, dass ihm schon fast Schwimmhäute gewachsen wären. Ständig tauchte er Seesterne und –gurken herauf und war völlig fasziniert von den Barracudas und Muränen, die sich ums Haus tummelten. So wurden aus geplanten 2 Tagen schnell mal 8 oder so.
Wir schafften es aber auch 2 Tagesausflüge zu unternehmen. Einen auf die nahe gelegene Isla Bastimentos, wo wir am Wizzard Beach badeten und am Red Frog Beach erfolglos nach den berühmten roten Pfeilgiftfröschen suchten. Der andere Daytrip ging zu einer Grotte auf der Hauptinsel. Dort watet man im Stockdunkeln durch hüfttiefes Wasser und versucht dabei die tausenden Fledermäuse nicht zu wecken, die an der Decke hängen und schlafen – ein gruseliges Erlebnis! Am Höhlenausgang angekommen hatten wir gleich noch ein Schreckerlebnis. Dieselbe Schlange, die uns schon im Darien zum Umkehren gezwungen hatte versperrte uns den Weg. Diesmal war sie aber so sehr mit dem Jagen eines Frosches beschäftigt, dass sie keine Zeit hatte uns zu verjagen. Und wer den Mund so voll hat, kann auch nicht beißen. Deshalb verlief das Fotoshooting diesmal etwas entspannter.
Nach über einer Woche konnten wir uns endlich dazu aufraffen ins nahe gelegene Costa Rica weiterzureisen.
Schon bei unserer Ankunft im strömenden Regen erfuhren wir die frohe Botschaft, dass es hier um diese Jahreszeit jeden Nachmittag so schüttet. Die Regenzeit hat begonnen und in Boquete merkt man es so richtig…Wir dachten schon, dass dann aus der Vulkanbesteigung nichts würde bis uns Pancho (der nette, hyperaktive, ständig bekiffte Hostelbesitzer) von der Möglichkeit einer Übernachtbesteigung erzählte. In der Früh wäre am Gipfel die Sicht am Besten, meinte er. Und die braucht man für den Vulkan Barú auf jeden Fall. Er ist mit fast 3500m der höchste Berg Panamas und an einem klaren Tag kann man von oben beide Ozeane sehen, den Atlantik und den Pazifik.
Wenn man in Österreich an Panama denkt, denkt man an Bananen und den berühmten Kanal. Da wir Bananen schon zur Genüge gesehen, gerochen, gebraten, gegrillt, gekocht, püriert, gegessen,… haben, mussten wir uns also nur noch den Kanal ansehen um wirklich mitreden zu können.
Bei unserer Ankunft in Panama City kriegten wir gleich mal einen Kulturschock. Wir dachten bis vor kurzem noch, dass Kolumbien sehr westlich und modern ist…bis wir die Skyline der Stadt sahen, die nicht umsonst Miami des Südens genannt wird. Dadurch, dass der Panamakanal bis 1999 in den Händen der USA war hat sich natürlich die nordamerikanische Kultur hier dementsprechend breit gemacht und durch das Geld das der Kanal abwirft kann sie auch so richtig verwirklicht werden – dicke neue Autos, moderne Gebäude, Wolkenkratzer und Supermärkte in denen man wirklich ALLES kriegt. Neben den typisch amerikanischen Sachen wie Marshmallowcreme, Peanutbutter, Root Beer und Cream Soda fanden wir sogar Darbo Marmelade! Leider war die Tyrolean Blueberry nicht ganz so unsere Preisklasse…
Nach fast 1 ½ Jahren in Südamerika sollte es endlich nach Mittelamerika weitergehen. Das einzige Problem hierbei ist, dass es zwischen Kolumbien und Panama keine Straße und somit auch keinen regulären Grenzübergang gibt. Hier endet irgendwo im kolumbianischen Dschungel die Ruta Panamericana und fängt erst 150km weiter in der kleinen panamesischen Ortschaft Yaviza wieder an. Dazwischen befindet sich das berüchtigte Darien Gap – ein praktisch undurchdringliches Dschungelgebiet wo sich Sümpfe mit steilen Berghängen abwechseln. Neben diversen großen Raubtieren bewohnen auch allerlei giftige Tierchen dieses Gebiet und als wäre das noch nicht genug tummeln sich auch noch so einige Guerillas, Schmuggler und andere Banditen unter dem dichten Blätterdach des Darien.
Dem Tipp eines Amerikaners, den wir in Santa Marta kennen gelernt hatten, folgend, war unser nächster Stopp in Tolú. Von hier aus ging es hinaus aufs Archipelago San Bernardo. Unser genaues Ziel war die kleine Insel Mucura, ca. 2 Bootsstunden vom Festland entfernt. Diese winzige Karibikinsel ist glücklicherweise in keinem Reiseführer erwähnt und so vom großen Massentourismus bisher verschont geblieben. Den einzigen Tourismus, den Mucura abkriegt sind ein paar kolumbianische Tagestouristen aus Tolú, die aber nur 2 Stunden pro Tag den Hauptstrand der Insel in Beschlag nehmen. Ansonsten leben die Menschen hier noch sehr traditionell von und mit dem Meer. Jeden Morgen paddeln die Fischer mit ihren winzigen Kanus aufs Meer hinaus um Fische, Langusten und Riesenschnecken mit der Hand zu fangen.
Cartagena ist seit der Kolonialzeit die wichtigste Hafenstadt Kolumbiens. Hier lagerten die Spanier die von den Indios gestohlenen Reichtümer, bevor sie nach Europa verschifft wurden. Aus diesem Grund war die Stadt immer wieder Ziel von Piratenangriffen, die die Stadt plünderten und brandschatzten. Nach dem verheerenden Angriff von Francis Drake im Jahre 1586 war es den Spaniern dann endgültig zu viel und sie beschlossen Cartagena mit Mauern zu schützen und es so uneinnehmbar zu machen. Die Bauarbeiten der Festungsanlagen dauerten über 200 Jahre (zum Teil, weil Piraten bei Angriffen die Mauern immer wieder zerstörten) und sind auch heute noch echt beeindruckend.
Die gesamte Altstadt ist von einer riesigen Mauer mit unzähligen Kanonen umgeben. Rund um die Stadt findet man immer noch die enormen Festungen, die Angriffe von allen Seiten abwehren sollten. Die Altstadt hat sich über die Jahrhunderte kaum verändert – enge Gassen mit bunten Kolonialbauten und blumenbeladenen Balkonen. Bunt gekleidete Frauen tragen Körbe mit Obst auf ihren Köpfen um dir frisch einen Obstsalat zuzubereiten und an jeder Ecke findet einen der vielen tinteros (Kaffeeverkäufer)
Da Cartagena das Haupttouristenziel in Kolumbien ist (für viele Touristen der einzige Ort, den sie in Kolumbien besuchen) ist es leider übertouristisch und überteuert. Aber ein Spaziergang durch die wunderschöne Altstadt kostet ja nichts und wir sind inzwischen schon so lange unterwegs, dass wir auch in Cartagena was finden, das in unserer Budget passt…
Von Cartagena aus besuchten wir in einem Tagesausflug den Volcán de Lodo. Die beste Art diesen relativ aktiven Vulkan zu besuchen ist es einfach ein wenig Anlauf zu nehmen, in den Krater zu springen und das warme Bad zu genießen…Der Vulkan ist natürlich nicht mit Lava gefüllt, sondern spuckt lauwarmen Schlamm. Das Blubbern wird durch die Gärgase von Biomasse im Erdinneren erzeugt. Sieht ekelhaft aus, ist aber echt lustig. Man dümpelt im lauwarmen cremigen Schlamm und kann nicht untergehen. Der Korkstoppeleffekt ist einfach zu groß. Hat man genug vom Schlammbaden geht man einfach zur nahe gelegenen Lagune und lässt sich von den dort wartenden Ladies für ein Trinkgeld abschrubbeln und entmatschen… Angeblich soll dieser Schlamm sehr gesund sein und gegen Hautkrankheiten helfen – Marita hat jetzt einen juckenden Ausschlag am Rücken - war wohl eher etwas kontraproduktiv…Trotzdem ist das Bad in diesem einzigartigen Vulkan echt ein Erlebnis!
Wie ihr ja alle wisst, hatte Kevin vor einigen Monaten einen kleinen Mitbewohner im Bauch. Er hatte sich in Uruguay eine Dasselfliegenlarve (dermatobia hominis) eingefangen. Wie sich ein paar Wochen nach der erfolgreichen Abtreibung von Kevins Tierchen heraus stellte war Marita auch in froher Erwartung. Und sie war schon in der vierten (von neun) Schwangerschaftswochen. Da eine gewaltvolle Abtreibung, so wie sie bei Kevins Baby angewandt wurde, nicht die sanfteste Methode ist, beschlossen wir bei Marita ein paar Hausmittel zu probieren. Im Internet fanden wir einige Möglichkeiten, welche wir allesamt ausprobierten. Weder das Vaseline noch das 400g-Steak konnten „Fritzi“ davon überzeugen vor Geburtstermin sein Nest zu verlassen. Er hielt lieber für 5! Stunden die Luft an, anstatt ins leckere Fleisch zu kriechen…
Nachdem alle Versuche eines Aborts fehlschlugen und Marita sich die Antibiotikatherapie, die Kevin machen musste, ersparen wollte, beschlossen wir: „Fritzi wird ausgetragen!“
Theoretisch sollte er nach ca. 9-wöchiger Schwangerschaft zur Welt kommen, sich verpuppen und zur Dasselfliege werden. Es gefiel Fritzi in Maritas Hintern aber so gut, dass er wohl etwas länger bleiben wollte. Das wäre ja grundsätzlich kein so großes Problem gewesen, hätte er nicht angefangen seine Wohnung auszubauen. Irgendwann hatte Marita genug von den Schmerzen und wir beschlossen uns doch für eine Abtreibung. Der Hautarzt in Quito entschied sich Gott sei Dank nicht für die Methode des Kaiserschnitts, sondern für die Zangengeburt und drückte Fritzi einfach wie einen Riesenpickel heraus.
Und so ward eine Made geboren und durfte auch gleich zum Babyschwimmen – IN FORMALIN!!!! Du beißt keinen mehr in den Arsch, Fritzi!!!!!!!!!!!
Wir hatten ja schon von anderen Reisenden gehört, dass die Polizeikontrolle am Parkeingang sehr genau sein sollte, aber als wir 3 da auftrixten wurde sie gleich noch genauer. Irgendwie ja verständlich, wenn man bedenkt, dass sie hauptsächlich nach Drogen (Marihuana) suchen (um Bestechungsgelder zu kassieren – dein Gras kriegst du eh wieder zurück)…und dann kommen da einer mit Iro und Zopf, eine mit Batik-Peace-Shirt und der Dritte mit Dreads und Filzhut…
Nach einer ¾ Stunde erfolgloser Intensivsuche (sie hatten gerade einmal mit dem zweiten Rucksack angefangen) hatten wir schon das Verbot den Rum, das Fischerzeug und sogar die Armbänder mitzunehmen. Wir beschlossen daraufhin den Polizisten und uns einiges an Arbeit zu ersparen und nicht in den Nationalpark zu gehen. Die Polizisten waren auch noch so nett uns zu verraten, dass man außerhalb des Parks ohne weiteres am Stand campen kann. Also ersparten wir uns den Nationalparkseintritt und suchten uns unseren eigenen Strand.
Wir marschierten also in die Richtung, in die die Polizisten gemeint hatten und kamen nach kurzer Zeit zu einem Fluss. Da Flüsse bekanntlich alle zum Meer fließen gingen wir einfach den entlang, denn da wollten wir ja hin. Da sich der Weg am Ufer schon nach ein paar hundert Metern verlief, gingen wir halt IM Fluss. Für ein Weilchen ging das auch ganz gut, bis der Fluss (das Meer schon in Sichtweite) plötzlich breiter und tiefer wurde. So waren wir gezwungen über eine Bananen und Kokosplantage auszuweichen um dann doch irgendwie zum Strand zu kommen. Und dort fanden wir DAS Paradiesplatzl!
Kurz bevor der Fluss ins Meer mündet, läuft er für ca. 500m parallel zum Meer. Nur eine ca. 100 Meter breite Sanddüne trennt den glasklaren, lauwarmen Strom von der tosenden Brandung. Da der Fluss im Oberlauf sehr breit und seicht ist, heizt er sich im Laufe des Tages extrem auf und erreicht zu Sonnenuntergang dann Badewassertemperaturen. An unserem Campplatz war er nur ca. 5 m breit und dadurch knie- bis schultertief – ideal zum Baden also.
Hinter dem Fluss ist noch ein kleiner Sandstreifen und dann beginnt der Dschungel. Hier wechseln sich dann Kokospalmen mit Lianen und Mangroven ab.
Für alle denen das zu schnell ging - Hier noch mal eine Skizze von unserem kleinen Paradies:
Ein idealer Platz zum Ausspannen und das Beste war: Das Camp war bereits innerhalb des Nationalparks.
Hier machten wir es uns gemütlich. Mit Hängematten und Lagerfeuer, Kokosnüssen so viel man essen kann, viel Sonne, Süßwasser vor der Haustüre und viel Zeit um das ganze zu genießen. Wir gönnten uns natürlich auch so einige Specials: Schon mal bei Sonnenuntergang in einem lauwarmen Fluss in der Karibik gelegen und aus einer Kokosnuss mit Strohhalm einen Coco-Loco getrunken (Cocktail aus Kokoswasser, Sahne, Zucker und RUM)?
Jeden Tag in der Früh besuchte uns ein Kokosnusssammler, der auf ein kleines Kaffeeplauscherl vorbeischaute. Von ihm lernten wir wie man Kokosnüsse richtig aufmacht und welche brauchbar und welche unbrauchbar sind. In den folgenden Tagen ließen wir dann, was Kokosnüsse betrifft, unserer Kreativität freien Lauf: Kokosnuss zum Frühstück, Kokosnuss gebraten mit Linsen, Kokosnuss im Reis, karamellisierte Kokosnuss, Kokosnusscocktail, Trinkbecher aus Kokosnussschalen, Lagerfeuer aus trockenen Kokosnüssen, einen Hut aus Kokosmatten, einen Korb und ein Regendach aus Kokospalmwedeln,…
Wenn wir mal genug von Kokosnüssen hatten, dann rauchten wir uns am Abend halt eine Shisha an und futterten Popcorn.
Kevin und Claudius waren ständig irgendwo im Dschungel und den Mangroven unterwegs und jagten Fische, Krabben oder Kokosnüsse. Obwohl wir eigentlich nichts zu tun hatten waren wir doch den ganzen Tag beschäftigt…und wir hätten uns auch noch für eine weitere Woche was zu tun gefunden. Leider wurden aber die Futterreserven knapp und wir wollten den touristischen Teil des Nationalparks auch noch ansehen. Um den Parkrangern auch sicher nicht zu begegnen folgten wir natürlich nicht dem Weg, sondern schlugen uns mit den Macheten unseren eigenen durchs Unterholz. Wo es ging wanderten wir am Strand bzw. überkletterten die Klippen oder wateten hüfttief in der Brandung. Zugegeben, es war nicht der einfachste Weg, aber wir schafften es uns an den Parkrangern vorbeizuschummeln.
Wir campten noch 2 Tage auf einem Campingplatz in Arecifes (eine der Ortschaften im Park) und machten uns dann wieder auf den Rückweg nach Santa Marta. Beim Verlassen des Parks haben wir noch mal heftig gezittert, da jeder (zahlende) Besucher ein Plastikarmband bekommt, das er jederzeit vorweisen können muss. Sie kontrollierten uns aber zum Glück nicht und so war es endlich gewiss – Wir hatten uns pro Mann und Nase 25.000 Peso (ca. 9 Euro) gespart…für uns ein Haufen Kohle!
Unser erster Stopp, zurück in Kolumbien war Santa Marta. Obwohl diese Stadt über 400.000 Einwohner hat, wirkt sie im Zentrum eher so als wären es eher 40.000. Direkt an die gemütliche Altstadt schließt der weiße Sandstrand und das karibische Meer an. Die Hostels sind meist nur einen Block von der Strandpromenade entfernt und so kann man, obwohl man mitten in der Großstadt ist, noch vor dem Frühstück gemütlich mal eine Runde planschen.
Nur 5km von der Stadt entfernt liegt das kleine Fischernest Taganga, das sich immer mehr zum Touristenziel entwickelt. Wir besuchten es nur als Tagesausflug. Hier gibt es wunderschöne Sand- und Schotterstrände und je weiter man die Küste entlang wandert, umso schöner und einsamer werden die Buchten.
In unserem Hostel in Santa Marta lernten wir den Deutschen Claudius kennen, der genauso wie wir in den Nationalpark Tayrona wollte. Wir schlossen uns also spontan zusammen um eine Woche lang den Park unsicher zu machen.
Nach dem Kulturschock in Venezuela waren wir froh wieder zurück in Kolumbien zu sein. Was wir bisher nämlich noch nicht wirklich erwähnt haben ist, wie nett und gemütlich die Kolumbianer sind. Sie sind fast so freundlich wie die Kanadier und fast so gemütlich wie die Österreicher – eine echt gute Mischung also. An einem typischen Samstag Nachmittag sitzt man gemeinsam auf der Terrasse vor dem Haus, schlürft Kaffee oder trinkt das eine oder andere Bier, tratscht mit den Nachbarn oder hilft verschwitzten Backpackern, die vorbeischnaufen, den richtigen Weg zu finden…
Kolumbianer sind generell sehr gesprächig und haben immer Zeit für einen kleinen Plausch – wir verquatschen uns regelmäßig mit den tinteros (Kaffeeverkäufern). Wenn man mal eine Info braucht oder den richtigen Weg sucht kann es schon mal passieren, dass 5 Nachbarn plötzlich zu diskutieren beginnen, welche Lösung für dich am gescheitesten wäre.
Wir fühlen uns wirklich wohl in diesem Land!
Eigentlich wollten wir ja mit einem Frachtschiff aufs Archipièlago Los Roques, einer Inselgruppe vor der venezuelanischen Küste, aber der Hafenwächter wollte uns einfach nicht reinlassen um bei den Kapitänen zu fragen. Er schaltete einfach auf stur: keine Touris auf Frachtschiffen! Wir hätten vielleicht hartnäckiger sein können, aber da Kevin eh noch etwas angeschlagen war ließen wir das Streiten sein und zogen, genervt von Venezuela und seinen sturen Hafenaufpassern ab.
Wir fuhren nach Tucacas um uns dort im Nationalpark Morrocoy von einem Boot auf einer der vielen Inseln für eine Woche oder so aussetzen zu lassen. Klingt im Reiseführer echt nett – Karibik, Korallenriff, einsame Insel, Camping,…
Leider haben die Venezuelaner den Nationalpark in der Osterwoche so vermüllt, dass er bis auf weiteres für Camper geschlossen ist. So mussten wir es bei Daytrips belassen und waren im Nachhinein auch froh darüber – Wir können die Parkranger wirklich verstehen! Die Gegend an sich ist zwar wunderschön, aber die Venezuelaner sind was Müll angeht echte Schweine! Es scheint, als wären Nationalparks in Venezuela nicht dazu da, die Natur zu schützen und zu bewahren, sondern sie möglichst vielen Menschen möglichst einfach zugänglich zu machen. Der Müll, der zum Camping und Picknicken mitgenommen wird, wird einfach dort fallen gelassen, wo man gerade steht. Die leeren Bierflaschen an denen im lauwarmen Wasser genuckelt wird, bleiben anschließend einfach im knietiefen Wasser zurück. Man kann ohne Sandalen nicht ins Meer gehen, da man sich sonst an den Kronkorken und Glasscherben die Füße aufschneidet….Als wir das alles gesehen hatten war klar: Noch schnell Kevins Fieber ganz auskurieren und dann wieder schnell zurück ins sichere und günstigere Kolumbien!
Carácas, die Hauptstadt Venezuelas und das Zentrum der bolívarischen Revolution. Für alle denen südamerikanische Politik nicht so geläufig ist: Simón Bolívar war jener General, der fast ganz Südamerika von den Spaniern befreite. Hugo Chávez, Venezuelas Präsident, hat es sich nun zum Ziel gesetzt sein Land in einen perfekten sozialistischen Staat zu verwandeln und das ganze natürlich im Namen des großen Befreiers Bolívar…Mit einer Demokratie hat das ganze nicht mehr viel zu tun, aber Hugo verkauft sich so gut, dass das keinem auffällt. Es scheint, als würde er Schritt für Schritt eine ähnlich Diktatur wie sie sein Spetzi Fidel in Kuba aufgezogen hat anstreben. Er hat immer wieder so geniale Ideen wie die letzte Währungsreform, oder die neue halbstündige Zeitzone für Venezuela und kommt mit denen auch durch. Informiert wird das Volk darüber in seinen spontanen mehrstündigen Reden. Hugo hat nämlich einen Knopf mit dem er alle nationalen Radio- und Fernsehsender abwürgt und seine Reden übertragen lässt…und das mitten im Hauptabendprogramm oder wann immer er sonst grad Lust dazu hat… Dafür erzählt er dem Volk dann für 3-4 Stunden oder so alles was sich grad so in seinem Leben tut, was er nicht alles gemacht hat, was er so vorhat, wer morgen zu ihm auf Besuch kommt und wie genial die Zahlen und Statistiken unter seiner Regierung nicht sind. Aber genug mit Politik!
Kaum in Caracas angekommen, fing Kevin an zu husten und zu fiebern. Was für den Normal-Österreicher nach einfacher Grippe klingt, ist im Malaria- und Denguefieber-Gebiet schon etwas besorgniserregender. Nach näherer Fieberkurvenanalyse war aber dann klar, dass es sich Gott sei Dank doch nur um eine Bronchitis handelte. Die Klimaanlagen in venezuelanischen Bussen laufen prinzipiell auf Vollgas und man fragt sich wenn man mit langer Hose und Pullover drinnen sitzt: „Warum muss ich frieren, wenn die draußen kurzärmelig und in Shorts rumlaufen?“ Kein Wunder also, wenn man sich da eine Erkältung zuzieht.
So wurde also das Caracas-Sightseeing krankheitsbedingt auf ein Minimum beschränkt und wir fuhren sobald Kevin halbwegs reisefähig war weiter. Raus aus dieser heißen, dreckigen Millionenstadt, ans karibische Meer…
Unser erster Stopp in Venezuela war in Mérida. Nach einem ewigen Busmarathon kamen wir am Abend in der Stadt an und wollten nur noch ein Bett. Das zu finden stellte sich allerdings als schwierig heraus. Unterkünfte gibt es in Mérida zwar in rauen Mengen, aber zu Preisen, die so weit außerhalb unseres Budgets liegen, dass sie nicht einmal für nur eine Nacht in frage kämen. Nach zwei Stunden des planlosen Herumirrens und Fragens in mindestens 20 Hotels war das beste Angebot für ein Doppelzimmer über 30 Dollar (In Bolivien können wir dafür ein halbes Monat übernachten). Unsere Rettung waren die Artesanos (reisende, knüpfende Hippies, die es in ganz Südamerika gibt und zu denen wir inzwischen auch oft gezählt werden) auf der Plaza – die wissen immer wo es was einigermaßen günstiges gibt…Und so kamen wir dann doch für 25 Dollar unter – Immer noch viel zu teuer, aber wie wir bald herausfinden mussten leider venezuelanischer Standard. Unser Reiseführer aus dem Jahr 2007 ist eigentlich relativ aktuell, nur in Venezuela stimmen die Preise überhaupt nicht. Meist sind sie Doppelt bis 2,5 mal so hoch wie erwartet. Jaja Hugo…mit dem Bolívar Fuerte gibt es keine Inflation mehr, gell? (Chávez hat bei seiner „Währungsrevorm“ Ende 2007 beim Bolívar einfach drei Nuller gestrichen und jetzt haben sie in Venezuela den Bolívar Fuerte – den „starken Bolívar“…)
Eigentlich wollten wir in Mérida mit der längsten Seilbahn der Erde fahren – Innerhalb von 12,5 km fährt sie von 1577m auf 4765m. Sicher ein eindrucksvoller Trip, aber keine 28 Dollar wert. Außerdem hätten wir sowieso 3 Tage warten müssen bis die nächste fährt und bei den Hotelpreisen kam das erst recht nicht in Frage…
Da Mérida sonst nichts in unserer Preislage zu bieten hat (die Eisdiele mit den 900 Sorten Eis muss natürlich auch zu haben!) gings direkt weiter nach Caracas.
Nach der Hitze des kolumbianischen Tieflands ging es hinauf in die auf ca. 2600m gelegene Hauptstadt des Landes. Bogotá hat ein angenehm kühles Klima und hat trotz seiner Größe im Zentrum eine gemütliche Atmosphäre.
Eines der Highlights bei unserer Sightseeingtour war die Donacion Botero, eine Stiftung des gleichnamigen kolumbianischen Künstlers. Hier kann man neben seinen eigenen Werken auch die von international berühmten Künstlern wie Picasso, Chagall, Monet, Matisse, Miró, Renoir, Dali oder Klimt bewundern. So etwas müssen uns sogar wir Kunstmuffel ansehen – besonders weil die Ausstellung GRATIS ist… Es waren mit Abstand die meisten Gemälde, die wir in unserem Leben auf einen Haufen gesehen haben. Und obwohl uns Boteros Stil anfangs nicht sonderlich gefiel, wurden wir nach den 123 Botero-Bildern im Museum sogar noch zu richtigen Botero-Fans…
Ein weiteres Gratismuseum in Bogotá ist das Polizeimuseum. Grundsätzlich wäre es genauso uninteressant wie jedes andere Polizeimuseum, hätten sie nicht ein ganzes Stockwerk der Jagd nach Pablo Escobar gewidmet. Für alle, denen dieser Name nichts sagt: Pablo Escobar war der Chef des Medellín-Drogen-Kartells und einer der gefürchtetsten und meistgesuchten Verbrecher dieses Jahrhunderts. Jahrelang sah die kolumbianische Regierung seinem Treiben machtlos zu (sie boten ihm sogar einmal volle Begnadigung für all seine Verbrechen und Morde an, wenn er in Zukunft all seine kriminellen Geschäfte niederlegen würde) bis sie Unterstützung von den USA bekamen. Ein 1500 Mann starkes Sonderkommando mit dem modernsten Equipment schaffte es erst nach einer 499tägigen Jagd ihn zu stellen und zu erschießen. Im Museum kann man von seiner versilberten und vergoldeten Harley Davidson, über seine Waffensammlung bis hin zu der Jacke, die er am Todestag trug alles bewundern. Der Rest des Museums wäre eher langweilig, wäre nicht die rührende Privatführung mit Kaffeepause, Museumsdirektorplausch und und und gewesen.
Nach ein paar Tagen in der Großstadt zog es uns aber wieder weiter – Richtung Venezuela.
Als wir die Einladung annahmen dachten wir eigentlich wir würden nur einen Nachmittag oder so bei der Familie verbringen um dann nach Bogotá weiterzufahren. Es kam aber wieder mal anders. Fabio hatte die ganze Woche Urlaub und wie sich beim Abendessen herausstellte waren wir schon für die ganze Woche mit eingeplant. Er wollte fischen, wandern, campen, baden,…
Dass unser Aufenthalt in Palmira länger als nur einen Tag dauern sollte war schon allen klar…außer uns. Aber wenn man schon mal so nette Leute trifft, warum nicht etwas Zeit mit ihnen verbringen.
Fabio und Nubia bemühten sich den ganzen Tag lang uns Kolumbien und insbesondere Palmira zu zeigen. Wir wurden liebevoll umsorgt und bekocht und mussten nichts anders tun als mit den Kindern zu spielen, ein wenig von Österreich und der Reise zu erzählen und einfach das Leben zu genießen. Jeden Tag stand etwas anderes am Programm: Sightseeingtour in Palmira, Grillabend beim Sohnemann, Fischen im völlig überfüllten Zuchtteich, Badeausflüge zu kleinen Gebirgsflüssen…
Als es am Wochenende zum Campingausflug ging, waren wir in unserem Element – da wir in Wald und Wildnis den einen oder anderen Trick bzw. Blödsinn kennen mussten wir das natürlich an die nächste Generation weitergehen. Die Kiddies hatten den größten Spaß beim Feuermachen, schnitzen, Holz sägen, Witze erzählen, Spielen und Blödeln,…Wenn die Großeltern bzw. Eltern wüssten, was wir mit den Kleinen alles angestellt haben. Yonniver dürfte, wenn es nach seiner Mum ginge nicht mal aus einer Petflasche trinken. Das mussten wir natürlich ändern – der würde sich in ein paar Jahren beim ersten Bier vor seinen Freunden ganz schön blamieren…
Nach einer Woche All-inclusive-Urlaub in Palmira ging es weiter nach Bogotá. Dank Fabio kamen wir im Bus in der Schlafkabine des Fahrers unter – nicht ganz legal, weil sich das Geld der Busfahrer einstreift, aber für uns billiger. Die Busse werden zwar vom Busunternehmen kontrolliert (um Korruption der Busfahrer zu vermeiden), aber die Schlafkabine des Fahrers wird dabei meist ausgelassen. Es war zwar etwas eng, aber was macht man nicht alles um ein paar Pesos zu sparen…
Das kleine, von ehemaligen Sklaven gegründete Dschungeldorf San Cipriano hat bis heute keinen Straßenanschluss. Es führen lediglich Zugschienen am Dorf vorbei, auf denen aber nur gelegentlich ein Güterzug vorbeikommt. Deshalb haben die Einheimischen ihr eigenes Transportsystem entwickelt: Auf von Motorrädern angetriebenen Karren bringen sie Lebensmittel und Touristen in ihr Dorf.
Wenn man hier ankommt, fühlt man sich als wäre man auf einem anderen Kontinent gelandet. San Cipriano ist ein Stück Afrika mitten im kolumbianischen Dschungel.
In der Nähe des Dorfes fließt ein glasklarer, eiskalter Fluss durch den dichten Dschungel. Über kleine Wanderwege erreicht man wunderschöne Flussstrände und Wasserfälle. Hier kann man sich in der brütenden Mittagshitze in eines der vielen tiefen Becken stürzen und sich den Wasserfall auf den Kopf prasseln lassen. Wenn das zu langweilig wird, erkundet man einfach den umliegenden, dichten Dschungel auf eigene Faust… Man sollte nur sichergehen sich wieder vor 2 Uhr nachmittags auf den Heimweg zu machen, da man ansonst besser Kiemen haben sollte. Beim täglichen Regenschütter kann man sich schon mal wie ein Fisch vorkommen… San Cipriano gehört mit seinen 6.500 mm Niederschlag im Jahr zu den nassesten Orten in Kolumbien. Bei Temperaturen um die 30 Grad ist das aber nur halb so schlimm.
Hier lernten wir auch die Familie Betancourt kennen, die uns nach einem halbstündigen Pläuschchen spontan zu sich nachhause einlud. Wir glichen das noch schnell mit unserem Terminkalender ab und da wir gerade Zeit hatten sagten wir zu.
In einigen kleinen Tälern in den kolumbianischen Andenausläufern lebte seit fast 3000 Jahren eine Kultur, die ihre Toten in sehr schönen Grabanlagen bestattete. Mit dem Eintreffen der Spanier in Kolumbien verschwand diese Kultur jedoch und ihre Kultstätten gerieten in Vergessenheit. Erst vor kurzem wurden die teilweise riesigen Steinskulpturen wieder vom Dschungel befreit.
Der Ort in dessen Nähe die meisten dieser Grabstätten gefunden wurden ist jedoch immer noch sehr schwer zugänglich. Nur eine kleine Schotterstraße führt nach San Agustín und man muss schon so einige Qualen auf sich nehmen um dort hin zu kommen, dafür hat man dort dann seine Ruhe vor den großen Touristenmassen.
Die Gegend dort ist einfach wunderschön – ein mildes, leicht tropisches Klima, eine Hügellandschaft, vergleichbar mit dem Mühlviertel, bedeckt von niedrigem dschungelartigem Bewuchs. Wenn man die Gegend erwandert geht man vorbei an Obst- und Zuckerrohrplantagen, Dschungel, kleinen Dörfern mit freundlichen Menschen und dem einen oder anderen Soldaten, der aber ebenfalls freundlich grüßend sein mit Tarnnetzen zugehängtes Camp bewacht. Es ist halt doch noch Guerillagebiet…
Die Statuen und Grabstätten zu beschreiben bringt nicht viel, da die Fotos hier einfach für sich sprechen…
Nach ein paar Tagen hatten wir alle wichtigen Sehenswürdigkeiten in der Gegend erwandert und es konnte weiter gehen in die nächste kolumbianische „Metropole“…
Von Otavalo ging es gleich weiter ins kolumbianische Ipiales. Trotz der kürzlichen Streitigkeiten zwischen Ecuador und Kolumbien war der Grenzübertritt kein Problem. Das Erste was wir an der kolumbianischen Grenze zu sehen bekamen war ein Fahndungsplakat mit den meistgesuchten FARC-Guerillas. Von den vielen Fotos waren zwei frisch mit Lackstift durchgestrichen worden, darunter stand zu lesen „ELIMINADO“ (eliminiert).
Von Ipiales aus besuchten wir das Santuario de la Vigen de Las Lajas. Hier hatte irgenwann irgendwer eine Erscheinung und da Kolumbien ein sehr katholisches Land ist, musste das natürlich eine Maria sein. Und bei Marienerscheinungen ist es hier eben so üblich dann eine Kirche ihr zu Ehren an der Stelle der Erscheinung zu errichten. In diesem Fall war das etwas ungünstig, da die Maria ausgerechnet in einer Felswand in 50 Metern Höhe erscheinen musste. Trotzdem wurde eine Kirche gebaut! Es ist sogar ein ziemlich eindrucksvoller Bau geworden.
Wir erkundeten die Umgebung natürlich auch abseits der breiten Pilgerpfade und entdeckten ein Stückchen stromauf eine alte indigene Kultstätte. Schon interessant, dass dann praktisch genau auf der gleichen Stelle eine Maria erscheint…Oder war es vielleicht doch jemand anderes?
Was in Quito an Andenflair fehlte, bekamen wir dafür in Otavalo. Diese kleine Andenstadt lebt heute fast ausschließlich vom samstäglichen Tourismus. Den Rest der Woche ist es angenehm ruhig hier. Viele Leute tragen noch die traditionelle Tracht. Die Männer haben espandrilloartige Sandalen, weiße ¾-Hosen, einen schwarzen Poncho und lange, zu einem Zopf gebundene Haare unter einem schwarzen Filzhut. Die Frauen tragen einen geraden, langen Rock, eine viel zu gerüschte Bluse, viele, viele Goldkettchen und ein gefaltetes, auf den Kopf gelegtes Tuch. Es ist echt schön zu sehen, dass hier die Tracht, nicht wie in manch anderen Tourismuszielen, nur für die Touristen angezogen wird, sondern immer noch Teil der Kultur ist. Auch die Jugend trägt oft noch die alte Tracht und auch die Schuluniformen in Otavalo sind an sie angelehnt.
Der Samstagsmarkt war, wie zu erwarten war großteils obertouristisch. Aber wenn man ein Stückchen weitergeht und in ein paar Seitenstraßen abbiegt findet man auch hier authentisches Markttreiben. Gelegentlich findet man auch noch ein paar regionale Spezialitäten: das gegrillte Cuy (Meerschweinchen) war wie immer lecker, nur die lebenden Schnecken in Zitronensaft sind etwas gewöhnungsbedürftig…
Nur eine knappe Autostunde von Quito entfernt liegt die weltberühmte Anlage „Mitad del Mundo“. Für manche ist es das Highlight eines Ecuador-Urlaubs, für andere, die etwas genauer hinschauen und nachforschen, einfach nur die am besten verkaufte Lüge in ganz Südamerika.
In diesem „Freizeitpark“ steht das riesige Monument, das vor knapp hundert Jahren hier auf der Äquatorlinie errichtet wurde. Man kann hier gleichzeitig auf beiden Hemisphären stehen – mit einem Fuß auf der Nord- und mit dem andern auf der Südhalbkugel.
Für dieses tolle Foto zahlt man 2 Dollar Parkeintritt, kann sich aber großzügigerweise noch einige „schwindlige“, teils völlig themenfremde Mini-Ausstellungen und hunderte Souvenirshops ansehen. Für das Monument, das Museum und das Planetarium muss man natürlich noch extra zahlen…
Und der große Betrug kommt erst: Laut neuesten GPS-Messungen steht das Monument mehr als 200 Meter neben der tatsächlichen Äquatorlinie. Davon hört man natürlich im Park kein Wort…
Interessant ist, dass wenige Kilometer neben dem tollen Monument die Ruinen einer alten Kultur zu finden sind, welche vor tausenden Jahren exakt auf der Äquatorlinie errichtet worden waren um astronomische Forschungen vorzunehmen. Das Besondere an diesem Platz ist, dass man aufgrund der hohen Berge und des niedrigen Bewuchses den Horizont rundherum sieht. Überall sonst auf der Welt läuft die Äquatorlinie entweder im Meer oder im Dschungel, was es den Menschen aufgrund der fehlenden Fixpunkte am Horizont unmöglich machte exakte astronomische Forschungen anzustellen.
Auch wenn in jedem Reiseführer steht, dass man beim Herzeigen der Fotos zuhause ja nicht dazusagen muss, dass man gar nicht wirklich auf beiden Hemisphären gleichzeitig gestanden ist…Die Wahrheit ist uns wichtiger als ein Touri-Foto!
Nach 4 Tagen in und um Quito hatten wir alles Notwendige erledigt und konnten weiter Richtung Norden, in das kleine Nest Otavalo, wo jeden Samstag der größte Markt Ecuadors stattfindet.
Als wir in Quito ankamen erwarteten wir uns, wie im Reiseführer beschrieben, Menschen in traditionellen Trachten, Marktleben auf der Straße und was eben sonst noch zu einer typischen Andenstadt gehört….und wurden schwerst enttäuscht. Zugegeben, die Altstadt ist echt schön mit ihren alten Gassen und hübsch restaurierten Gebäuden, aber dennoch fehlt das andine Flair komplett und auch sonst strahlt die Stadt nichts faszinierendes oder gemütliches aus. Quito ist einfach eine Großstadt ohne viele Besonderheiten.
Wir logierten natürlich im „besten“ Viertel der Stadt, wo sich die Straßen ab sieben Uhr abends mit zwielichtigen Personen füllten. Wir versuchten dieser eigenartigen Partygesellschaft eher aus dem Weg zu gehen, da es gelegentlich auch vorkommen konnte, dass die Polizei als Überraschungsgast mit Pfefferspray vorbeischaute. – Ein kurzer Sprüher in die Runde und der Tumult löst sich hustend auf…
Es hätte auch noch ein „besseres“ Viertel für Backpacker gegeben, aber nach einem kurzen Besuch in „Gringolandia“ waren wir auf einmal mit unserer dreckigen, unsicheren Unterkunft ganz zufrieden. In diesem Viertel der Stadt gibt es mehr Touristen als Einheimische und die Preise sind, im Vergleich mit dem Rest Ecuadors, einfach unverschämt hoch…Dafür kannst du dort im English Bookstore schmökern, im Irish Pub deinen Cider trinken und anschließend Falafel und Shawarma essen…
Baños ist DIE Outdoor-Metropole Ecuadors. Die Stadt liegt eingebettet zwischen dicht bewachsenen Bergen am Fuße des Vulkans Tungurahua, welcher immer noch beängstigend aktiv ist. Im August 2006 war die letzte große Eruption wo ganz Baños evakuiert werden musste, aber auch jetzt grummelt und spuckt der Berg immer wieder - nur eine Woche vor unserer Ankunft in Baños sogar so stark, dass es noch im 100km entfernten Ambato zu spüren war…
Wir fanden eine gemütliche, günstige Unterkunft (sogar mit Kabelfernsehen) und konnten so, trotz eher miesem Wetter in aller Ruhe die Gegend erkunden.
Wegen der tief hängenden Wolken war der Vulkan, der über der Stadt thront leider nie zu sehen. Da konnten wir noch so hoch die umliegenden Hügel hinaufklettern, mehr als die vom Krater aufsteigenden Rauchsäulen waren nie zu sehen...
An einem Tag liehen wir uns Mountainbikes aus und machten die Ruta de las Cascadas - die Wasserfallstraße - unsicher. Auf einer Strecke von 60km großteils bergab kommt man durch wunderschöne Landschaft und alle paar Kilometer stürzt von irgendeiner Felswand ein Wasserfall ins Tal…
Durch Zufall kamen wir auch noch zum wahrscheinlich schönsten Flecken in ganz Ecuador – der Gnomenschlucht. Hier donnert ein glasklarer Fluss 10 Meter in die Tiefe, in eine Grotte, die von Lianen und Moosen bewachsen ist. Kolibris flattern herum und überall duftet es nach exotischen Pflanzen. Rund um diesen schönen Flecken Erde hat sich nämlich ein Kanadier seinen eigenen kleinen botanischen Garten angelegt mit Pflanzen aus ganz Ecuador – vom Bergland bis zum tiefsten Dschungel….
Baños hätte neben Natur auch noch Thermalbäder zu bieten, welche wir aber ausließen. Am Wochenende schlichten sich hier nämlich hunderte Ecuadorianer dicht an dicht in die kleinen Betonbecken. Für uns war hier einfach der Kuschelfaktor zu groß…
Unser nächster Stopp war Quito, die von unserem Reiseführer so hoch gelobte „authentische“ Andenstadt…
Da Caracas zu teuer und ungemuetlich ist und wir noch dazu gesundheitlich im Moment etwas angeschlagen sind (Kevin hatte bis gestern noch Fieber), haben wir es diesmal einfach nicht geschafft einen vernuenftigen Text zu schreiben. Wir haben es wirklich probiert, aber wir wollen euch ja gute Texte liefern, die uns und spaeter euch Spass machen.
Diese beiden Lehmziegelpyramiden sind noch um ca. 700 Jahre älter als Chan Chan und stammen von der Kultur der Moche. Bis jetzt ist nur der Huaca de la Luna (Huaca = Tempel) teilweise freigelegt und restauriert. Interessant bei diesem Tempel ist, dass es eigentlich 5 übereinander gebaute Tempelanlagen sind. Die Moche haben mit jeder Dynastie den alten Tempel völlig mit Lehmziegeln ausgelegt und einen neuen darüber errichtet. Vom 5. und vermutlich letzten Tempel ist aufgrund der Erosion praktisch nichts mehr erhalten, von den anderen sieht man noch erstaunlich viel, da sie ja nur eine Dynastie lang verwendet wurden und seit dem mit Ziegeln komplett zugeschlichtet waren. Die Wände der Tempel sind reichhaltig verziert und mit feinen bunten Mustern und Symbolen bemalt. Die Pyramidenform entstand dadurch, dass jeder neue Tempel etwas kleiner gebaut wurde als sein Vorgänger. Archeologen können heute nur Teile der unteren Tempel freilegen, da sonst ja die gesamte darüber gebaute Konstruktion zusammenstürzen würde. Die Tempel waren ja nie darauf ausgelegt ein Stockwerk tragen zu müssen.
Gleich neben dem Huaca de la Luna steht der noch größere Huaca del Sol. Diese Riesenpyramide ist der größte Lehmziegelbau der Erde – 140 Millionen Lehmziegel wurden hier übereinander geschlichtet. Heute erinnert dieser im Flachland stehende „Berg“ eher an einen großen Sandkuchen als einen Tempel. Was sich in seinem Inneren befindet weiß man bis heute nicht, da noch keine größeren Ausgrabungen vorgenommen worden sind. Die Archäologen sind noch mit dem Huaca de la Luna beschäftigt…Aus diesem Grund kann man auf den Huaca del Sol auch noch raufklettern und darauf herumspazieren. Erst wenn man den Gipfel erklommen hat wird einem die wahre Größe dieses Bauwerks bewusst. Es ist unvorstellbar wie man so viele Lehmziegel übereinanderschlichten kann. Wenn man es nicht besser wüsste, könnte man glauben, es ist einfach ein Berg…
Leider haben wir von diesen Tempeln nur sehr wenige Fotos, weil unsere Speicherkarte nach dem Besuch der Huaca de la Luna den Geist aufgegeben hat und sich einfach nicht mehr auslesen lässt. Schade! Es wären viele wunderschöne Fotos dabei gewesen…
Nachdem wir mit diesen Tempeln, die (vorerst) letzten für uns interessanten Dinge in Peru gesehen haben, haben wir das Land fluchtartig verlassen. In einer Marathonbusfahrt gings nach Ecuador - insgesamt über 30 Stunden in Bussen, 4 mal Umsteigen inklusive Citytrekking zum nächsten Busunternehmen, regenbedingten Verspätungen (La Niña lässt wieder mal grüßen),…
Jetzt sind wir in Riobamba, oder wie manche es nennen Friobamba (frio = kalt). Da es mit unserer geplanten Fahrt am Dach eines Zuges über die spektakuläre Nariz del Diablo (Teufelsnase) aufgrund von Streckenschäden nichts wird, fahren wir morgen weiter ins tiefer gelegene (und hoffentlich wärmere) Baños. Dort warten auf uns Thermalbäder, Downhill-Mountainbiking in den Dschungel und geniale Landschaft…
Einst die größte Lehmziegelstadt der Welt mit über 100 000 Einwohnern, erinnert Chan Chan heute eher an eine überdimensionale Sandkiste. Trotz der starken Erosion sind aber bis heute noch viele Strukturen dieser 700Jahre alten Großstadt erhalten geblieben. Nur ein Bruchteil der Anlage ist bisher restauriert worden. Der Rest ist frei zugänglich und bröckelt langsam vor sich hin. Man hat das Gefühl, die Archäologen kommen mit dem Restaurieren nicht so schnell nach, wie die Lehmmauern wieder zerfallen.
Was aber erhalten und restauriert worden ist, ist echt beeindruckend. Wir besichtigten den Tempelkomplex von Tschudi.
Da Lehmziegel ein leicht zu bearbeitendes Baumaterial sind, sind auch die Reliefs und sonstigen Verzierungen der Tempelanlagen von besonderer Feinheit. Von allen Mauern lachen einem Fische, Vögel und Fabelwesen entgegen. Wahrlich beeindruckend ist aber die Mauer, die die gesamte Anlage umgibt. Eine mehrere Meter dicke, bis zu 10 Meter hohe Wand, die rein aus Lehmziegeln gebaut ist und eine Tempelanlage von mehreren Hektar umschließt.
Chan Chan liegt zwischen Trujillo und Huanchaco in der Wüste. Die Tempelanlage von Huaca Esmeralda hatte dieses Glück nicht. Die Stadt ist inzwischen schon rund um sie herum gewachsen. Nur eine Mauer trennt den Tempel von den umliegenden Wohnhäusern. Irgendwie lustig mitten in einem Wohngebiet auf einer uralten Lehmziegelpyramide herumzuklettern. So was ist auch nur in Peru möglich – in Machu Picchu darf man nicht mal auf massiven Granit steigen und hier zerbröselt ein antiker Lehmtempel unter den Sportschuhen und Stilettos der Touristenmassen.
Der Grund warum wir diese Großstadt in unsere Reiseroute mit aufgenommen haben, ist ihre Nähe zu unzähligen Ruinen. Die Stadt an sich hat aber auch ihre schönen Seiten. Im historischen Zentrum steht ein wunderschön renoviertes Kolonialgebäude neben dem anderen und auf der gepflegten Plaza tummeln sich Künstler, Prediger und allerlei interessante Leute.
Da wir aber dem Großstadtrummel aus dem Weg gehen wollten, fuhren wir ins nur wenige Kilometer entfernte Huanchaco. Dieses kleine Fischerdorf ist heute einer der beliebtesten Bade- und Surforte des Landes. Während die Touristen mit ihren Surfboards aufs Meer rauspaddeln, benutzen die heimischen Fischer die traditionellen „caballitos de totora“. Diese, nach jahrhundertealter Tradition gebauten kajakartigen Boote werden aus Totora-Schilf gebunden. Als Paddel werden am Ende aufgeschnittene Bambusrohre verwendet. Bis heute bringen die Fischer ihren Fang so ans Ufer – Ein Schauspiel, wenn sie alle nach getaner Arbeit zum Strand zurückpaddeln!
Von Huanchaco aus erkundeten wir in den nächsten Tagen, die umliegenden Ruinen.
Perus Outdoorparadies wird nicht ohne Grund so genannt. Die Lage zwischen der Cordillera Blanca und der Cordillera Negra macht Huaraz zum idealen Startpunkt für Bergsteiger, Trekker, Rafter und sonstige Outdoorfreaks. Da aber gerade Regenzeit ist und wir ohnehin keine warme Trekkingausrüstung mehr haben fielen derartige Aktivitäten für uns leider aus.
Stattdessen mussten wir uns mit den ca. 3200 Jahre alten Ruinen von Chavín de Huantar zufrieden geben.
Diese Tempelanlage wurde in der Zeit zwischen 1200 v.Chr. und 800 v. Chr. von einer der ältesten Hochkulturen des südamerikanischen Kontinents erbaut. Berühmt ist die Anlage für seine unterirdischen Tunnel, Kammern und Steinfiguren. Die architektonische Leistung dieser Kultur ist wirklich erstaunlich. Der Tempel ist komplett symmetrisch und antiseismisch aufgebaut und viele Elemente orientieren sich am astronomischen Kalender. So konnten die Menschen von Chavín genau sagen, wann Sonnenwende ist und wann sie ernten oder aussähen müssen.
Das Tal, in dem die Tempelanlage von Chavín de Huantar steht, war aber schon lange Zeit vorher besiedelt. Man fand Spuren von menschlichen Siedlungen die auf das Jahr 12 200 v.Chr. datiert wurden. Und diese Kulturen wussten schon damals was lecker ist: Seit 7000 v.Chr. wurden hier Cuy (Meerschweinchen) gezüchtet und gegessen.
Nachdem das Wetter aber der Jahreszeit entsprechend kühl und feucht war zogen wir schon nach wenigen Tagen weiter Richtung Trujillo – der Sonne entgegen.
Da die peruanischen campesinos (Bauern bzw. Landbevölkerung) wieder mal streikten und Straßen blockierten dauerte die Busfahrt aber etwas länger als normal. Statt 9 Stunden saßen wir 30! Stunden in einem klapprigen Bus ohne jeglichen Service…21 Stunden Verspätung! – Ein neuer Rekord!
Streiken ist ja, wie wir schon von Arequipa wissen, eine der Lieblingsbeschäftigungen der Peruaner. Die im ganzen Land errichteten Straßensperren werden dann meist mit Polizeigewalt geräumt, was nicht immer friedlich abläuft. Allein an unserem Reisetag gab es 4 Tote…
Auf unserem Weg nach Norden stolperten wir Dank des Tips einer spanischen Backpackerin über die Oase Huacachina in der Nähe von Ica. Bei dieser, von riesigen Sanddünen umgebenen Lagune fanden wir ein günstiges Hostal mit Pool und beschlossen einfach mal 2 Tage Urlaub vom Reisen zu machen. Aber da man nicht nur faul im Pool hängen kann erkundeten wir natürlich die Gegend und aus unserem „Urlaub“ wurde wieder nichts. Dafür war die Aussicht vom Gipfel der Riesendünen echt atemberaubend!
Nachdem wir unsere wasserdichte Kamera im Pool ertränkt hatten (schon die 2. „wasserdichte“ Kamera, die unter Wasser den Geist aufgegeben hat) ging es von der Wüste wieder in die Berge…
Bis Mitte des vorigen Jahrhunderts war Nasca ein kleines Nest wie viele andere in der peruanischen Küstenregion. Dank der kommerziellen Luftfahrt wurde in den 30er Jahren aber zufällig eine der mystischsten Stätten Perus entdeckt. Piloten berichteten von Linien und Figuren, die sie im Wüstensand erkennen konnten. Der Wissenschaftler Paul Kosok war der Erste, der die Gegend genauer erkundete und so das Ausmaß dieser Wunderwerke im Sand erkannte. Heute ist Nasca nach Machu Picchu eines der Haupttouristenziele in Peru.
Die Nascalinien erstrecken sich über eine Fläche von 500km2 im Wüstensand und sind teilweise mehrere Kilometer lang. Es sind riesige Linien und Figuren, die in der Zeit zwischen 900 v.Chr. und 600 n.Chr. durch das Abtragen der oberen dunkleren Gesteinsschicht geschaffen wurden. Erkennen kann man sie nur aus der Luft, weshalb niemand genau weiß warum und wie diese gigantischen Zeichnungen kreiert worden sind. Die Spekulationen über die Funktion der Linien reichen von „walking lines“ eines Wasserkults über Bilder für die Götter bis hin zu astronomischen Kalenderlinien. Manche meinen sogar es seien Landebahnen von Außerirdischen…wenn man sich die Bilder so ansieht könnte an jeder dieser Theorien was Wahres dran sein. Bis heute zerbrechen sich jährlich hunderttausende Touristen den Kopf darüber.
Aufgrund unseres knappen Budgets wollten wir uns ursprünglich den Überflug sparen und stattdessen nur den Aussichtsturm besuchen, von dem aus man zwei der Figuren erkennen kann. Nachdem sich der hoch gelobte „mirador“ aber als wackeliges Miniblechtürmchen entpuppt hatte, von dem aus man die Figuren nur mit sehr viel Fantasie erahnen konnte, beschlossen wir doch etwas tiefer in die Taschen zu greifen. Dank Nebensaison und Verhandlungsgeschick kriegten wir einen Flug, der normal 60 US$ kostete um 30US$ und so schlichteten wir uns noch am gleichen Nachmittag zu viert (Pilot inklusive) in eine Blechdose der Markt Cessna. Allein dieser abenteuerliche Flug wäre die 30 Dollar schon wert gewesen. Man kommt sich vor wie in einem VW-Käfer mit Flügeln, der mit einer Wahnsinnsgeschwindigkeit von 90km/h jedes auf der Strecke liegende Luftloch mit Präzision ansteuert. Und da wir ja die Luxusvariante des Überflugs gebucht hatten zog der Pilot über jeder Figur noch 3 Schleifen – 2 rechts und eine links. Wahres Achterbahnfeeling in 80m Höhe!
Aus der Luft sind die Linien und Figuren echt faszinierend. Dass man so große Bilder in den Sand malen kann ist echt unvorstellbar, besonders, weil man ja vom Boden aus absolut nichts erkennen kann. Kein Wunder also, dass sie erst so spät entdeckt worden sind. Für die Figur der Echse ist es leider zu spät gewesen. Den armen Gecko hat schon vor der Entdeckung der Linien die Ruta Panamericana überrollt. Jeden Tag wird er aufs Neue von hunderten Autos und LKWs überfahren…
Dank eines Hospitalityclub-Kontakts konnten wir dann auch noch das Planetarium gratis besuchen. Hier erfuhren wir noch viel über die Linien und die deutsche Wissenschaftlerin Maria Reiche, die ihr Leben der Erforschung ebendieser gewidmet hat. Diese faszinierende Frau leistete auch mit 85 Jahren noch Feldarbeit und trug viel zur Erhaltung der Linien bei.
Unsere Reise nach La Paz hatten wir so geplant, dass wir genau zu Karnevalsbeginn ankamen. Die Vorwehen dieses Festes hatten wir schon in Sucre und Cochabamba mitgekriegt, wo man nicht auf die Straße gehen konnte, ohne nass gespritzt zu werden. Deshalb machten wir uns auch in La Paz schon auf einiges gefasst…
In Bolivien wird der Karneval nicht so wie im benachbarten Brasilien mit Salsa und knappen Kostümen gefeiert, sondern eher traditionell naturreligiös. Statt den halbnackten Salsatänzerinnen sieht man in La Paz dicke Bolivianerinnen in traditioneller Tracht, die mit Luftschlangen, Knallfröschen, Cocablättern und viel hochprozentigem Alkohol ihre Marktstände und Geschäfte weihen. So wird mit viel Radau und anschließender Sauferei der Pachamama geopfert. Somit kann im kommenden Geschäftsjahr praktisch nichts mehr schief gehen.
Es ist echt schön bei so einer Zeremonie zuzusehen. Das Ritual hat, obwohl es sehr wichtig ist, nichts Hochheilig-andächtiges, sondern eher etwas Selbstverständlich-notwendiges. Im Gegensatz zu Segnungen der Kirche braucht man hier keinen Pfarrer, da Segnungen jeder machen kann… Nach den Opferungen setzen sich dann noch alle gemütlich auf ein paar Bier zusammen und feiern und opfern mit jedem Gläschen weiter (der erste Schluck wird immer für die Pachamama ausgegossen) … Eine echt gemütliche Arte religiöse Feste zu zelebrieren…
Die Jugend feiert auf etwas dynamischere Art. Früher war es Brauch zu Karneval ausgeblasene und mit Duftwasser gefüllte Eier der Angebeteten auf die Schulter zu klatschen. Da aber Duftwasser teuer und das Fassungsvermögen von Eiern eher gering ist wurde der Brauch „etwas“ abgeändert. Heute liefern sich die Jugendlichen regelrechte Schlachten mit Wasserbomben, gigantischen Spritzpistolen und neuerdings auch mit Schaumsprays.
Das konnten wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Wir kauften uns Billigponchos und eine Dose Schaumspray und stürzten uns mit unserer wasserdichten Kamera mitten ins Getümmel. Für die Bolivianer war es echt ein Riesenspaß Touristen einzuschaumen. Aber auch wir haben sie nicht verschont…
Bolivianer halten ohne Probleme 4 Tage lange Wasserschlachten und Saufereien durch. Wir hatten schon nach einem Tag genug und versuchten die restlichen 3 Tage so wenig Wasser und Schaum wie möglich abzukriegen. Gar nicht so leicht, wenn von jedem Balkon kübelweise Wasser auf Passanten gekippt wird und organisierte Wasserschlachtenpickups die Strassen unsicher machen und alles was Beine hat mit Wasserbomben eindecken.
So verbrachten wir die meiste Zeit entweder im Zimmer oder auf einem der vielen Märkte von La Paz. Besonders erwähnenswert ist der „mercado de las brujas“ – der Hexenmarkt. Hier kriegt man alles was man für den täglichen Ritualgebrauch so benötigt: getrocknete Lamaföten (werden als Schutz bei neu gebauten Häusern unter der Eingangtür vergraben), San Pedro Kakteen (ein sehr starkes Halluzinogen, das bei manchen Ritualen verwendet wird), Affenschädel, Schlangen- und Raubkatzenhäute, eingelegte Kröten, Räucherwerk, Talismane, Cocablätter, Kerzen,… Aber auch alle möglichen Heilkräuter und Wunderheilmittel gibt es hier zu kaufen - vom Aphrodisiakum bis zum Mittel gegen Warzen findest du hier alles.
Auf diesem Markt einzukaufen ist für Bolivianer so normal wie zum Bäcker zu gehen, aber für uns ist es wie ein Besuch in einer anderen Welt…
Nachdem wir den Karneval ausgesessen hatten (es wäre keine gute Idee gewesen mit Rucksäcken die 2 km zum Terminal zu gehen) ging es endlich weiter Richtung Norden. Mit einem kurzen Zwischenstopp in Copacabana am Titicacasee ging es direkt nach Nasca/Peru.
Da Cochabamba eine Großstadt ohne viele Sehenswürdigkeiten ist und das Wetter hier auch nicht besser war, gestalteten wir unseren Aufenthalt relativ kurz. Wir wanderten, wie in jeder Stadt das historische Zentrum ab und hielten uns dann die meiste Zeit auf den in Cochabamba riesigen Märkten auf.
Sucre teilt sich, obwohl es bei weitem nicht eine der größten Städte des Landes ist, mit La Paz den Titel der Hauptstadt. In La Paz befindet sich die Exekutive und Regierung während Sucre die Judikative besitzt.
Wir fuhren also zum Busterminal, kauften uns unsere Tickets und setzten uns entspannt in den Bus. In bolivianischen Bussen wird, solange sie noch im Terminal stehen so ziemlich alles verkauft und so genehmigten wir uns was zu Essen und eine Zeitung. Erst hier lasen wir was die andauernden Regenfälle in Bolivien angerichtet hatten. Unzählige Straßen (unter anderem in dem Gebiet um Santa Cruz) waren unbefahrbar und es war sogar schon nationaler Katastrophenalarm ausgerufen worden.
Bei unserem ersten Bolivien-Besuch vor gut einem halben Jahr schauten wir uns hauptsächlich das Altiplano an (Andenhochebene, die sich von Südbolivien bis Peru erstreckt). Dieses Gebiet ist aufgrund der enormen Höhe (der Großteil über 4000m) sehr karg und lebensunfreundlich. Es gibt praktisch keine Industrie und das einzige das wächst sind Kartoffeln und Quinoa. Aus diesem Grund ist dieser Teil Boliviens auch extrem arm und (nach Meinung der UNO) „unterentwickelt“.
Südamerika ist relaxt, Uruguay ist sehr relaxt und in Paraguay kriegst du fast die Schlafkrankheit – Da tut sich rein gar nix!
Nach ein paar weiteren Tagen des Wartens in Montevideo wollten wir schon fast wieder an den Strand abhauen…Zum Glück schauten wir vorher noch mal bei der Post vorbei, wo ein Umschlag für Kevin auf uns wartete. Wir erfuhren auch (Internetverfolgung sei Dank), dass Maritas Karte am Vortag in Montevideo angekommen war und aus unerfindlichem Grund gleich wieder zurück nach Österreich gegangen ist.
Schon vor ziemlich genau einem Jahr waren wir in diesem kleinen Hippie-/Fischerdorf am Rande der berühmten Wanderdünen. Es liegt auf einem kleinen Kap, das sich die Bewohner mit einer großen Kolonie von Seelöwen teilen. Es gibt keinen Straßenanschluss und die einzige Stromleitung hierher versorgt den Leuchtturm und sonst nichts. Am Abend flackern in den Fenstern der Häuser Kerzen und man hört statt Fernseher und Radio Gitarrenmusik und Live-Gesang. Unter Tags tummeln sich viele Tagestouristen, aber da es keine Hotels oder ähnliches gibt bleiben am Abend nur noch die eingesessenen Hippies über. Da im Dorf campen verboten ist bildet sich jeden Sommer eine kleine Zeltstadt ca. 1km außerhalb an einem kleinen Bach. Hier ließen wir uns auch wieder nieder und ergatterten diesmal sogar ein echt geniales Platzl. Wir hatten unseren eigenen Strauch (von denen es in und um Polonio nicht all zu viele gibt) und hatten so den ganzen Tag Schatten, was hier VIEL wert ist. Dank unserm Busch hatten wir auch viele Mitbewohner, die teils sogar IN unserem Zelt Quartier bezogen. Neben unzähligen Vögeln bestand unsere Nachbarschaft sonst hauptsächlich aus Insekten. Riesengrillen bevölkerten unsere Rucksäcke und deren Tragesysteme und die sich dazugesellende Riesensandspinne (Größe einer halbwüchsigen Vogelspinne) durfte nur deshalb bleiben, weil wir hofften, dass sie erstere Bewohner verzehren könnte. Neben Ameisen und Käfern besuchte uns eines Tages auch eine 1,3m lange, vermutlich giftige Schlange – Die haben wir nicht zu uns ins Zelt gebeten, auch wenn sie vielleicht auch Grillen frisst… Um 3 in der früh wurden wir gelegentlich von kauenden, schmatzenden, prustenden, unseren Strauch fressenden Kühen geweckt, aber Gott sei Dank waren sie so nett unser Zelt nicht niederzutrampeln.
Nachdem unsere Bankomatkarten erst Anfang Jänner in Montevideo eintreffen würden beschlossen wir noch einige Tage nach Cabo Polonio zu fahren um dort am Strand auszuspannen und Geld zu sparen.
Wir konnten Weihnachten in der Wohnung einer Freundin von Juliana und Beta feiern – mitten in der Altstadt von Montevideo. Es gab sogar einen Computer mit Internetanschluss und so konnten wir sogar mit unseren Familien telefonieren.
Jose Pedro Varela ist ein kleines 6000-Seelen-Nest im Landesinneren. Alles lebt hier von der Landwirtschaft oder der Reisindustrie. Eine Ortschaft in der es wirklich NICHTS zu sehen gibt... Außer es verirren sich mal zwei Backpacker hierher…
Zurück in Montevideo checkten wir im gleichen Hotel ein, in dem wir auch bei unserer Ankunft in Südamerika abgestiegen waren. Hier wurde auch unser 1jähriges Reisejubiläum bei Chips und Packlwein ausgiebig gefeiert. Eigentlich wollten wir ja gespitzt essen gehen, aber nach einer kurzen Restaurant-Sightseeing-Tour beschlossen wir, dass unser Geld im Supermarkt effektiver investiert ist und deckten uns dort mit Junkfood ein.
Diese Stadt ist DAS Aushängeschild von Uruguay und Pflichtpunkt bei jeder Uruguayreise. Die ehemalige Schmugglerstadt an der Mündung des Rio de la Plata ist heute ein echtes Juwel – verwinkelte grob gepflasterte Gassen, kleine liebevoll restaurierte Kolonialbauten und überall blühende Büsche und Blumen.
Unser erster Besuch in der Hauptstadt Argentiniens vor knapp einem Jahr fiel ja sehr kurz aus, weswegen wir jetzt, auf unserem Weg Richtung Uruguay noch ein paar Tage Sightseeing in der Stadt des Tangos einlegten.
Der Grund warum wir unbedingt auch nach Rosario mussten war eine Adresse, die jedem Argentinier ein Begriff ist – Entre Rios 480. In diesem gewöhnlichen Wohnhaus erblickte am 14.Juni 1928 Ernesto „Che“ Guevara das Licht der Welt. Nur ein kleines Schild weist darauf hin, aber wenn man schon in der Nähe ist…
Alta Gracia ist eine Kleinstadt 35km von Cordoba entfernt und war bis Mitte des letzten Jahrhunderts das In-Sommerfrische-Ziel der argentinischen Highsociety. Deshalb und aufgrund des milden Klimas zog auch die Familie Guevara Lynch hierher. Die gesunde Luft sollte ihrem Sohn, dem asthmakranken kleinen Ernestito gut tun.
Einen Tag vor der geplanten Abreise aus Salta lernten wir die beiden Slowaken Zuzana und Juri kennen. Und weil grillen zu mehrt viel lustiger ist, beschlossen wir am Abend ein großes Asado zu veranstalten. Das Wetter machte uns aber fast einen Strich durch die Rechnung. Zum Glück gibt es auf dem Campingplatz aber einen überdachten Grillplatz, den wir uns witterungsbedingt mit all den anderen Campern teilen mussten. Anfangs war es noch ungemütlich und jeder war jedem im Weg aber nach ein paar Gläschen Wein legte sich das und bald wurden Gitarren, Trommeln und Zuzanas Fiedel ausgepackt. Ab da ging die Party so richtig los. Auf 25m² feierten wir zu 20st bis spät in die Nacht. Aus diesem Grund wurde auch die Abreise aus Salta noch einen Tag verschoben – es ist so leicht sich auf argentinischen Campingplätzen zu vertrödeln…
Inmitten waldbedeckter Hügel liegt diese hübsche, ruhige Stadt. Wenn man in ihrem gepflegten Zentrum herumschlendert glaubt man fast nicht, dass hier eine halbe Million Menschen leben. Neben vielen alten Kolonialbauten und Kirchen hat die Stadt auch noch ein echt interessantes Museum. Es wird der Fund von 3 Kindermumien dokumentiert, die von den Inkas auf 6700m auf dem Gipfel des Vulkans Llullaillaco den Göttern geopfert wurden. Für die Inka hatten die Berge eine besondere Bedeutung, da sie den Göttern näher waren als alles andere. Diese Mumien sind so gut erhalten, dass man glaubt, dass sie jeden Moment aufwachen könnten. Echt faszinierend!
Im Osten Paraguays ist Autostoppen nicht üblich – in Argentinien aber schon! Deshalb ging es nach einem regenbedingten Pausetag in Encarnacion über die Brücke in die argentinische Schwesterstadt Posadas am anderen Flussufer. Ab hier hatte uns die Landstrasse wieder….naja fast…erst mussten wir mal aus der Stadt rauslatschen – 9km in der brütenden Nachmittagshitze um nachher herauszufinden, dass auch ein Stadtbus um einen Peso so weit raus gefahren wäre…Von hier gings dann aber – mit einem netten Vampirjäger bis zum Polizeicheckpoint vor der Stadt und dank der Hilfe der Polizisten auch noch weiter. Ein Bauer nahm uns auf seinem Pickup mit, bis sein Feldweg zu seiner Estancia abzweigte – Wir waren froh, denn hier mitten im Nichts findet man leicht einen Platz für sein Zelt in der Nähe der Straße und kann so am nächsten Tag zeitig aufbrechen und weiterstoppen. Außerdem wird man fernab der Zivilisation viel leichter mitgenommen – Mitleids-Bonus!
Etwa 30 Kilometer nördlich von Encarnacion liegen die ehemaligen Jesuitenmissionen von Jesus und Trinidad. Hier wurden bis vor ca. 250 Jahren Guaraní (Ureinwohner dieses Gebietes) von Jesuitenmönchen „bekehrt“. Anders als bei anderen Missionierungsaktionen ging es hier aber auch um den Schutz der indigenen Bevoelkerung vor den Sklavenhaendlern und Grossgrundbesitzern. Ab ca. 1600 hatten die Jesuiten das o.k. von der spanischen Krone in den Guaraní-Gebieten Ackerbau zu betreiben und zu missionieren. Diese Jesuitenreduktionen erwirtschafteten aber bald so viel Ueberschuss, dass die Spanier das Ganze abbliesen und die Jesuiten wieder verstaubten. Die Reduktionen verfielen langsam und wurden erst vor kurzem wieder restauriert. Trinidad ist heute sogar UNESCO Weltkultuterbe was aber nicht heisst, dass es deshalb ueberrannt ist...
Itaipú ist nach dem kürzlich fertig gestellten Dreischluchtendamm in China das zweitgrößte Wasserkraftwerk der Erde. Nach fast 10 Jahren Bauzeit ging es 1984 in Betrieb und versorgt bis heute praktisch ganz Paraguay und ein Viertel Brasiliens mit Energie. Dennoch ist das Werk sehr umstritten, da nicht nur 40.000 Guaraní umgesiedelt werden mussten, sondern sein Bau auch beträchtliche Schäden am Ökosystem nach sich zog. Deshalb ist die PR-Abteilung des Zweistaaten-Unternehmens immer noch bemüht ihr Image aufzupolieren. Sie haben nicht nur unzählige kleine Nationalparks und Wildtierzuchtstationen, sondern auch einige gratis Freizeitparks, ein riesiges Besucherzentrum und gratis Kraftwerksführungen – letzteres mussten wir natürlich ausnutzen.
Nachdem wir uns die Fälle angesehen hatten ging es ins paraguayische Ciudad del Este. Diese Stadt ist Paraguays Schmugglermetropole und war einst die korrupteste Stadt Südamerikas. Heute ist sie ein riesiger, funkelnder Elektronikmarkt in dem man vom Tamagotchi bis zum Laptop alles kriegt. Das Gekaufte wird dann in riesigen Säcken und Schachteln über die Puente de Amistad nach Brasilien oder Argentinien geschleppt – sehr offensichtliches Schmuggeln, aber die Grenzer schauen gerne mal weg…
Nachdem wir in Puerto Iguazu ein paar Tage ausgespannt und den Luxus der argentinischen Supermärkte und Fleischereien genossen haben ging es endlich zu den Wasserfällen.
Bei unserer Flucht ins sicherere und billigere Paraguay kamen wir zwangsläufig durch Rio de Janeiro durch und…wenn wir schon da sind…
Arembepe ist das Wochenendausflugsziel der Mittelklassesalvadorianer, den Rest der Woche ist es aber angenehm ruhig. Zwei Kilometer außerhalb dieses ehemaligen Fischernests begab es sich aber in den 60ern, dass sich die Wege von Mick Jagger und Janis Joplin unter Kokospalmen kreuzten und eine Hippiekolonie entstand…Auch heute noch ist „Aldeia Hippie“ der Wohnort einiger Althippies, Künstler und Tagträumer. Es gibt bis heute weder Strom, fließend Wasser, noch Kanalanschluss, dafür jede Menge weißen Sand und Kokospalmen so weit das Auge reicht. Und wozu braucht man eine mega Stereoanlage, wenn man Gitarre, Trommeln, Kräuter und Freunde hat…
Nach 36 Stunden Busfahrt kamen wir fertig und hungrig (weil unsere mitgenommene Jause klimabedingt zu schnell schlecht geworden ist – nächstes mal keine Spaghetti mit Soße mehr) in Salvador an. Wir gaben unsere Rucksäcke bei der Gepäckaufbewahrung am Terminal ab und fuhren voller Erwartung ins Zentrum um unsere Post abzuholen. Danach wollten wir nach einem halben Tag Express-Sightseeing gleich weiter nach Rio.
Nach einer relativ rauen Fahrt auf einem Fluss, der hier oft schon so breit ist, dass man das Ufer nicht mehr sehen kann, erreichten wir Belém, das Tor zwischen Amazonas und Atlantik. Der Übergang zwischen den beiden Gewässern ist aber ein sehr fließender, da das Flussdelta solche enormen Ausmaße hat. Der Amazonas ist hier mehrere Kilometer breit, der Seegang oft enorm und es gibt hier sogar eine Insel, die größer ist als die Schweiz…
Von Europa klingt Brasilien wie DAS südamerikanische Paradies…und genau das haben wir auch erwartet…und wurden wirklich enttäuscht. Nicht nur, dass das Preisniveau hier ungefähr dem europäischen entspricht und somit für uns nicht leistbar ist, es ist auch die brasilianische Mentalität, die wir einfach nicht aushalten. Wir wollen hier niemandem Brasilien „schiachreden“, aber es ist für uns auch echt wichtig mal nicht wie alle anderen nur von Kokospalmen und weißen Stränden zu erzählen, sondern das Land und vor allem die Leute so zu beschreiben wie es wirklich ist.
Nach einer viel zu teuren Nacht in Santarem, einer Stadt, die nichts Besonderes zu bieten hat, zogen wir weiter nach Alter do Chao – der Karibik des Amazonas. Schon bei der Ankunft kamen wir uns vor als wären wir versehentlich in den Garten eines Luxushotels gestolpert: weiße Sandstrände, lauwarmes Flusswasser, Mangobäume, Kokospalmen und rundherum Dschungel. Und alles um einen Deut zu kitschig, als hätte es ein Landschaftsplaner entworfen.
Manaus – eine Großstadt mitten im Dschungel mit einem internationalen Hafen, der 1500km vom Meer entfernt ist. Hier, am Zusammenfluss des Amazonas mit dem Rio Negro wird der Fluss so groß, dass es sogar riesige Containerschiffe vom Meer bis hierher schaffen. Nach Wochen mitten in Dschungel und auf kleinen Flüssen ein ungewohnter Anblick…
Wir hatten Glück und erwischten tatsächlich ein Boot, das auch noch am selben Tag ablegte – mit uns und noch ca. 200 anderen Menschen an Bord. Das heißt Nase an Nase, Hängematte an Hängematte mit wildfremden Menschen für 2 Tage…
Iquitos - Eine Stadt mit 400.000 Einwohnern mitten im Dschungel ohne Straßenanschluss. Weltweit die größte ihrer Art.
Nachdem wir in Pucallpa alles fürs Riverboat-fahren besorgt hatten (Hängematten, Getränke, Futternapf, Moskitoschutz,…) packten wir unser Zeug und marschierten zum Hafen. Dort fragten wir uns durch welches Boot nach Iquitos fahren würde und gingen an Bord.
Um 7 in der Früh starteten wir mit Chelos kleinem Boot Richtung Wildnis. Erst ging es die Lagune hinauf und dann über einen kleinen Kanal in den Rio Ucayali. Dieser hier noch relativ schmale Fluss (in etwa so breit wie die Donau) bildet mit einigen anderen Flüssen später den Rio Amazonas.
Nach einigen Monaten in den eher kalten Hochanden, war die Ankunft in Pucallpa, als betrete man ein Dampfbad. Die jährliche Durchschnittstemperatur!!! liegt hier bei 26 Grad, die konstante Luftfeuchtigkeit lässt es aber noch heißer erscheinen…
Nach der schockierenden Fahrt durch die Erdbebengebiete ging’s ab ins Großstadtgetümmel von Lima.- Wieder mal eine Stadt mit so vielen Einwohnern wie Österreich…
Nach ein paar Tagen des Einkaufens und Organisierens in Cusco haben wir es endlich geschafft diese Stadt hinter uns zu lassen (insgesamt waren wir 20 Tage in der Stadt). Die Busfahrt ging durch die Ortschaften Ica und Pisco, die vom kürzlichen Erdbeben am schwersten betroffen waren. Was wir da sahen hat uns schwer bewegt, weshalb wir darüber auch einen Eintrag verfassen obwohl es ja „nur“ eine Busfahrt war…
Schon beim Ticketkauf wussten wir worin das Weltwunder besteht: Es ist echt ein Wunder es zu schaffen so vielen Touristen täglich so viel Geld aus der Tasche zu ziehen. Der Eintrittspreis hat sich seit Anfang des Jahres von ca. 23 Dollar auf 40 Dollar erhöht. Ein Preis, der im Vergleich zu den anderen Preisen in Peru einfach unverschämt hoch ist. Aber dank einer kleinen Datumsänderung auf Maritas Studentenausweis zahlte wenigstens einer von uns nur die Hälfte – die 2 Euro für den Datumsstempel hatten sich echt ausgezahlt!!!
Nach einem Tag in den Ruinen ging es weiter. Uns stand einer der anstrengendsten Tage unseres Treks bevor: Nach 300 Höhenmetern Aufstieg im dichten Urwald ein Abstieg von 1500 Metern in einer trockenen, glühend heißen Grassteppe und dann noch ein Aufstieg von 1200 Höhenmetern im feuchtschwülen Dschungel…
Nachdem wir die ganze Info (eine Karte im Maßstab 1:100 000) zusammen hatten und alles was wir für die 7-14 Tage (so unsere Info) brauchten besorgt hatten ging es mit dem Bus und dann das letzte Stück mit dem Taxi über enge, unbefestigte Gebirgsstraßen nach Cachora - ein Nest mit mehr Mulis als Einwohnern wo die Schweine auf der Plaza chillen…Ein paar Lehmhäuser mitten im Nirgendwo…
Auf Quechua (andine Ursprache, die auch heute noch von vielen Menschen gesprochen wird) bedeutet Cusco „Nabel der Welt“. Der Legende nach wurde die Stadt von den ersten Inka Manco Capac und Mama Ocllo (seiner Schwester bzw. Frau) deswegen an dieser Stelle gegründet, weil ihr Speer hier ohne Widerstand im Boden versank und sie somit den Nabel oder die Mitte der Welt gefunden hatten. Von hier aus bauten sie ihr riesiges Imperium auf…
Nach der Wochenendpause sind die Streiks in Arequipa natürlich mit frischem Schwung und neu gebastelten Puppen weitergegangen und das Wegkommen wurde uns wieder einmal verwehrt.
Da Jörg der Sache mit der Wochenendstreikpause nicht so ganz traute wurden wir am Samstag schon um halb 6 vom Hostal abgeholt. Das Geländeauto brachte uns an verlassenen Straßensperren vorbei und über Rumpelpisten bis auf 4800m. Von dort begann der Aufstieg ins 600m höher gelegene Basecamp. Nachdem das Camp stand und unsere Ausrüstung für den nächsten Tag angepasst war machten wir noch einen kurzen Akklimatisationsaufstieg um in der folgenden sehr kurzen Nacht wenigstens ein bisschen schlafen zu können. (Für alle, die keine Erfahrung im Höhenbergsteigen haben: Ab ca. 3500m sollte man nicht mehr auf der erreichten Tageshöhe schlafen, sondern noch einige hundert Meter auf- und wieder absteigen um den Kreislauf zu entlasten.)
Wie sieht es aus, wenn in Europa die Lehrer streiken?...Hier in Peru machen auch noch alle anderen mit, die gerade Zeit, keine Lust zum Arbeiten oder Freude an Lagerfeuern und Straßensperren haben. Plötzlich geht es nicht nur um die Bildungsreform, sondern auch noch um die Brotpreiserhöhung, die Regierung im Allgemeinen und so manch andere, nicht ganz durchschaubare Sachen.
Nach Puno sind wir in die „ciudad blanca“ – „die weiße Stadt“ weitergereist. Arequipa trägt diesen Namen, weil seine alten Gebäude aus der Kolonialzeit vorwiegend aus sillar, einem weißen Vulkangestein gebaut sind. Die Stadt liegt eingebettet in einer Ebene zwischen den drei Vulkanen El Misti (5822m), Pichu Pichu (5571m) und Chachani (6075m). Aufgrund seiner beeindruckenden Lage befindet sich Arequipa aber auch in konstanter Gefahr. Jedes Jahrhundert wurde die Stadt von schweren Erdbeben oder Vulkanausbrüchen erschüttert, das letzte mal 2001. Geologen sagen außerdem eine große Eruption des Vulkan Misti voraus, was heute tragischer wäre als je zuvor, da die Stadt immer weiter seine Hänge emporwächst.
Puno ist eine eigentlich nicht sehr ansehnliche Großstadt an den Ufern des Titikakasees. Sie ist aber ein wichtiger Ausgangspunkt zu weiteren Attraktionen des Sees. Von hier aus kann man die Inseln vor der Bucht von Puno besuchen. Wir besuchten zwei davon – die angeblichen Highlights:
Nach dem Kevin heil in Copacabana angekommen war konnte es endlich auf die Isla del Sol gehen (weswegen wir eigentlich hierher gefahren waren…) Diese Insel ist der Inkalegende zufolge der Geburtsort der Sonne und auf ihr befindet sich auch der Roca Sagrada (heiliger Stein) aus dem angeblich die ersten Inka geboren wurden. Aus diesem Grund zieht es immer mehr Touristen auf die Insel, die aber meist nur einen Tagesausflug zu den historischen Stätten machen. Wir nahmen uns etwas mehr Zeit und erkundeten die gesamte Insel zu Fuß. Wenn man nämlich vom Hauptweg abzweigt und die Insel ohne Karte (gibt es einfach nicht) und auf eigene Faust erforscht findet man die wirklichen Sehenswürdigkeiten: Einsame Buchten mit glasklarem Wasser, im Hintergrund thront die Cordillera Real, über einem wird auf Terrassen, die noch aus der Inkazeit stammen Mais, Kartoffeln und Oka angebaut,…Man wandert durch vom Tourismus fast unberührte Gebiete und das einzige was einem entgegenkommt sind ein paar Schafe oder unangenehmer, störrische Mulis, die den Weg blockieren… (aber dieses Problem kennen wir schon vom Choro- Trail)
Da wir nicht daran gedacht hatten, dass unser, in Potosi gestohlener Rucksack, ja über die Kreditkarte versichert ist, hatten wir uns dort auch keine Anzeigenbestätigung geben lassen, welche wir jetzt aber brauchten… Also ab zum Polizeiposten wo sie uns sagten, dass die von Potosi das ohne Probleme per Fax schicken könnten. Wir müssten das nur mit der Polizei in Potosi telefonisch vereinbaren. Telefonnummer von den Kollegen hatten sie aber keine.
Nachdem wir uns ein paar Tage in La Paz erholt hatten und ein 8,3kg schweres Paket mit Souvenirs und unnötigen Ausrüstungsgegenständen nach Österreich geschickt hatten ging es weiter Richtung Titikakasee. Hier an den Ufern des größten und höchsten schiffbaren Sees Südamerikas liegt das verschlafene, sehr mediterran wirkende Pilgerziel Copacabana.
Der Camino de Choro ist einer der beliebtesten Trekkingpfade in Bolivien. Er verläuft entlang einer alten Inkahandelsroute – früher der einzige Weg Güter aus den tropischen Yungas ins höher gelegene La Paz zu transportieren.
Tiefer als Potosí, aber immer noch fast auf der Höhe des Großglockners liegt La Paz, die höchste Hauptstadt der Welt. Hier mussten wir uns erst mal ohne Reiseführer zurechtfinden (der war auch im Rucksack), was aber nicht all zu lange dauerte. Die letzten Tage verbrachten wir mit Einkaufen! Neue Handschuhe, neue Hauben (*schluchz*), warme Pullis, einen neuen Rucksack,…Und eine neue Backupsicherung für unsere Fotos – Kevin hat jetzt einen 80GB I-Pod!!!!!!!
Nach einigen Tagen in Potosí sollte es für uns weiter nach La Paz gehen. Da der Bus erst am Abend ging, packten wir alles was wir für den Tag und die anschließende Busfahrt brauchten in unseren kleinen Rucksack und wollten die Großen im Büro des Busunternehmens unterstellen.
Der Trip startete am Mercado de los Mineros, auf dem sich die Minenarbeiter mit allem was sie für die Arbeit brauchen eindecken. Es ist weltweit der einzige Markt auf dem man legal Dynamit und Ammoniumnitrat erwerben kann. Gleich daneben stehen dann riesige Säcke mit Coca und billiger, bis zu 96%iger Trinkalkohol… Als Tourist kann man diese Sachen als Geschenke für die mineros kaufen. Nachdem ich mich mit dem Wichtigsten eingedeckt hatte ging es hinauf zu den kooperativen Minen. Das sind viele kleine Minen, die von kleinen Gruppen von mineros betrieben werden, welche dann das Rohmaterial an die Minengesellschaft verkaufen.
Nach der realitätenverzerrenden Tour in Uyuni ging es weiter in die alte Kolonialstadt Potosí – der höchstgelegenen Großstadt der Welt auf atemraubenden 4070m. Hier mussten wir uns auch von unseren Reisekameraden Mela und Stefan trennen, da ihre Zeit in Südamerika leider dem Ende zuging und sie einen Flug in Santiago erwischen mussten.
Uyuni ist eine kleine Stadt mitten in der endlosen Weite des Altiplanos, die nur wegen seiner Lage inmitten einer Vielzahl von Naturwundern zum Touristenmagnet geworden ist. Von hier aus starten ein- oder mehrtägige Geländewagentouren in die einsame, surreale Salzwüste und zu all den anderen Destinationen, die man auf eigene Faust ohne Fahrzeug unmöglich erkunden kann…
Da sich unter Bolivien kaum jemand etwas vorstellen kann – zuerst ein paar interessante Fakten: Das Land ist flächenmäßig so groß wie Frankreich und Spanien zusammen, hat aber nur ca. so viele Einwohner wie Österreich. Ungefähr die Hälfte Boliviens befindet sich auf über 3000m (Altiplano) die andere Hälfte gehört zum Amazonasbecken. Ca. 60% der Bolivianer haben noch rein indigene Wurzeln und nur ein minimaler Anteil der Bevölkerung hat europäische Vorfahren. Dadurch haben hier noch sehr viele alte Rituale und Gebräuche überlebt und werden auch heute noch praktiziert. Besonders der Pachamama (Mutter Erde) wird häufig geopfert – das geht vom ersten Schluck Bier, der auf den Boden gegossen wird bis hin zu Tieropfern, die zu besonderen Anlässen gemacht werden.
Es ist schön, sich mit Freunden zu treffen und nicht in ewiger Handykontrollverbindung miteinander zu stehen. Wir trafen uns einfach zwischen 12 und 17 Uhr in Calama auf der Plaza. Falls einer von uns nicht kommen sollte schreibt der andere ein Mail mit der Unterkunft wo man zu finden ist. Hat alles einwandfrei geklappt. Pünktlich um ¾ 5 kamen Mela und Stefan an (Wir hatten schon ab 13 Uhr gewartet – Selber schuld!)