Samstag, 31. Mai 2008

Boquete und der Vulkan Barú...

Schon bei unserer Ankunft im strömenden Regen erfuhren wir die frohe Botschaft, dass es hier um diese Jahreszeit jeden Nachmittag so schüttet. Die Regenzeit hat begonnen und in Boquete merkt man es so richtig…Wir dachten schon, dass dann aus der Vulkanbesteigung nichts würde bis uns Pancho (der nette, hyperaktive, ständig bekiffte Hostelbesitzer) von der Möglichkeit einer Übernachtbesteigung erzählte. In der Früh wäre am Gipfel die Sicht am Besten, meinte er. Und die braucht man für den Vulkan Barú auf jeden Fall. Er ist mit fast 3500m der höchste Berg Panamas und an einem klaren Tag kann man von oben beide Ozeane sehen, den Atlantik und den Pazifik.
Den ersten Tag in Boquete spannten wir erst mal von der Großstadthektik aus und erkundeten die Umgebung. Aufgrund seiner hohen Lage (gut 1000m) herrscht hier das ganze Jahr ein angenehm kühles Klima. Die Gegend ist deswegen auch das Hauptanbaugebiet für Hochlandkaffee in Panama. Ist echt nett in der hügeligen tiefgrünen Landschaft durch Kaffeeplantagen zu streifen (vorausgesetzt es regnet gerade nicht…).
Aus der ersten geplanten Besteigung wurde witterungsbedingt nichts. Also hieß es warten. Nach 3 Tagen spielte endlich das Wetter mit und wir konnten los. Spontan schlossen sich auch noch der Israeli Saki und die Südkoreanerin Chong Mi an, was uns ganz recht war. Erstens ist das Taxi für uns günstiger, wenn man es sich teilt und zweitens ist es zu mehrt immer mehr Spaß.
Kurz vor 23 Uhr fuhren wir mit dem Taxi zum Anfangspunkt des Pfades und begannen im hellen Mondlicht den Aufstieg. Um 5 in der früh waren wir dann rechtzeitig zu Sonnenaufgang am Gipfel. Wir wurden schon gewarnt, dass es ziemlich kalt werden würde da oben, aber mit SO einem Zapfen hatten wir echt nicht gerechnet…Frierend und bibbernd genossen wir den schönsten Sonnenaufgang in unserem Leben. Die Sicht war genial und man konnte auf der einen Seite die Sonne im Atlantik schimmern sehen und auf der anderen Seite berührte der Schatten des Vulkans den Pazifik. Einfach nur geil!
Nach zwei Stunden des Staunens und Frierens am Gipfel stiegen wir ein paar hundert Meter ab und lernten wieder einmal was über fremde Kulturen: Israelis gehen wandern um an einem schönen Ort Kaffee zu trinken. Anstelle von warmer Kleidung hatte Saki nämlich Gaskocher, Kochtopf, Kaffee, Zucker, Wasser und sogar Plastikbecher und Kaffeelöffel mit auf den Berg genommen. Es gibt nichts Besseres als einen schönen starken türkischen Kaffee nach einer anstrengenden Nacht ohne Schlaf!
Gut koffeiniert machten wir uns an den Abstieg. Auf dem Weg wurden noch schnell Karotten von einem Feld mitgenommen (auf Reisen muss man schauen wo man was zu essen kriegt und Gratisvitamine sind da immer willkommen). Und weil wir gerade auf unserer Sparwelle waren umgingen wir auch noch die Rangerstation und sparten uns so die 5 Dollar Nationalparkseintritt pro Person.
Um 13 Uhr, pünktlich zu Regenbeginn, waren wir dann wieder zurück an de Straße, wo wir 14 Stunden vorher losmarschiert waren. 30 Kilometer, 2000 Meter Aufstieg und genauso viele Höhenmeter wieder runter…Unsere Beine wussten was sie geleistet hatten!
Eigentlich wollten wir alle 4 am nächsten Tag weiterreisen, aber keiner fühlte sich körperlich so recht in der Lage, seinen Rucksack zu schultern. Wir beschlossen also im Kollektiv noch zu bleiben und unseren armen Muskeln in den nahe gelegenen heißen Quellen etwas Entspannung zu gönnen.
Es tat echt so gut wieder mal den ganzen Körper in heißes Wasser zu tauchen (Badewannen spielt es beim Reisen einfach nicht)!
Am Abend kochten wir noch groß auf und machten einen Riesenberg Bananen-Pfannkuchen und ließen so zwei wunderschöne gemeinsame Tage ausklingen…
Nächster Stopp auf unserer Reise war die Karibikinselgruppe Bocas del Toro, wo wir gerade sind. Hier genießen wir gerade alle Vorzüge eines eigentlich viel zu teuren Hostels, das wir glücklicherweise zum Halbpreis gekriegt haben. Aber dazu mehr beim nächsten Mal…

Der Panamakanal...

Wenn man in Österreich an Panama denkt, denkt man an Bananen und den berühmten Kanal. Da wir Bananen schon zur Genüge gesehen, gerochen, gebraten, gegrillt, gekocht, püriert, gegessen,… haben, mussten wir uns also nur noch den Kanal ansehen um wirklich mitreden zu können.
Dieses Meisterwerk der Baukunst wurde 1914 fertig gestellt und ermöglicht seitdem täglich ca. 40 Schiffen die Abkürzung zwischen Pazifik und Atlantik zu nehmen.
Technisch funktioniert der Kanal so, dass ein Fluss, der in den Atlantik rinnt aufgestaut und so der Lago Gatún geschaffen wurde. Da dieser Stausee aber nur die halbe Strecke zwischen Atlantik und Pazifik ausmacht, musste der Rest gegraben werden. Der Seespiegel liegt ca. 26 Meter über dem des Meeres, weshalb die riesigen Ozeandampfer in entsprechend großen Schleusen erst gehoben und auf der anderen Seite wieder gesenkt werden müssen. Das heißt ein vom Atlantik kommendes Schiff fährt erst ein Stück den Fluss rauf wird dann mittels Schleusen auf Seespiegel gehoben, fährt am See bis zu den nächsten Schleusen, die es dann wieder auf Pazifikniveau in den künstlich gegrabenen Teil des Kanals absenken. Dieser Spaß spart viele tausend Kilometer, kostet aber auch dementsprechend. Ein durchschnittlicher Ozeandampfer zahlt für die 6-10stündige Durchfahrt (das 24-48 Stunden lange Schlangestehen nicht mitgerechnet) ungefähr 100.000-200.000 US-Dollar.
Der beste Ort um sich das ganze aus nächster Nähe anzusehen sind die Schleusen in Gatún. Diese besuchten wir als Tagestrip von Panama City aus.
Hier kann man von einer Beobachtungsplattform aus miterleben, wie die riesigen Schiffe durch die Schleusen manövriert werden. Ist schon irre, wenn man zuschaut, wie diese bis zu 300m langen Monster in 3 hintereinander liegenden Schleusen die 26 Meter angehoben werden. Links und rechts haben sie je nur knappe 2 Fuß „Spazi“.
Nach einem Tag der Zahlen und Superlativen fuhren wir mit rauchenden Köpfen wieder zurück nach Panama City.
Mit dem Kanal war auch der letzte Punkt im Pflicht-Sightseeing-Programm abgehakt und so konnten wir weiter nach Boquete fahren. Dort hatten wir einen Termin mit einem Vulkan…

Ciudad de Panamá - Panama City

Bei unserer Ankunft in Panama City kriegten wir gleich mal einen Kulturschock. Wir dachten bis vor kurzem noch, dass Kolumbien sehr westlich und modern ist…bis wir die Skyline der Stadt sahen, die nicht umsonst Miami des Südens genannt wird. Dadurch, dass der Panamakanal bis 1999 in den Händen der USA war hat sich natürlich die nordamerikanische Kultur hier dementsprechend breit gemacht und durch das Geld das der Kanal abwirft kann sie auch so richtig verwirklicht werden – dicke neue Autos, moderne Gebäude, Wolkenkratzer und Supermärkte in denen man wirklich ALLES kriegt. Neben den typisch amerikanischen Sachen wie Marshmallowcreme, Peanutbutter, Root Beer und Cream Soda fanden wir sogar Darbo Marmelade! Leider war die Tyrolean Blueberry nicht ganz so unsere Preisklasse…
Nachdem wir alle unsere Junkfood-Gelüste befriedigt hatten erkundeten wir die Stadt.
Die Altstadt von Panama City war bis vor kurzen noch ein Slum in dem man sich als Tourist besser nicht hineinverirrt hätte. In den letzten Jahren wurde aber vermehrt begonnen das Erbe der Stadt zu bewahren und wieder zu renovieren und so kann man dank verstärkter Polizeipräsenz die ersten hochglanzrenovierten Kolonialbauten bewundern. Trotz der vielen Ruinen, die immer noch in der Altstadt stehen kann man schon erahnen wie wunderbar kitschig das Stadtbild mal werden wird. Im Moment ist es ein Stadtteil, der irgendwie nicht zusammenstimmt, weil zu neu und zu alt einfach zu nah beieinander steht.
Mit den beiden Israelis Or und Lilach besuchten wir auch die grüne Lunge der Stadt. Mitten in Panama City befindet sich der 265 ha große Parque Natural Metropolitano – ein Stück Urwald mitten im Großstadtdschungel. Am Parkeingang erfuhren wir von den Rangern, dass man mit viel Glück auch Tiere sehen kann. Mit unserem Glück (und inzwischen gut geschulten Augen) sahen wir nicht nur einen Ameisenbären und ein Faultier, sondern auch noch eine ganze Gruppe Tití-Affen. Das Faultier war beim Fotoshooting nicht ganz so kreativ in seinen Posen, die Affen flirteten da schon viel begabter mit der Kamera…

Darien - über die letzte wahre Grenze Amerikas...

Nach fast 1 ½ Jahren in Südamerika sollte es endlich nach Mittelamerika weitergehen. Das einzige Problem hierbei ist, dass es zwischen Kolumbien und Panama keine Straße und somit auch keinen regulären Grenzübergang gibt. Hier endet irgendwo im kolumbianischen Dschungel die Ruta Panamericana und fängt erst 150km weiter in der kleinen panamesischen Ortschaft Yaviza wieder an. Dazwischen befindet sich das berüchtigte Darien Gap – ein praktisch undurchdringliches Dschungelgebiet wo sich Sümpfe mit steilen Berghängen abwechseln. Neben diversen großen Raubtieren bewohnen auch allerlei giftige Tierchen dieses Gebiet und als wäre das noch nicht genug tummeln sich auch noch so einige Guerillas, Schmuggler und andere Banditen unter dem dichten Blätterdach des Darien.
Die einzige offizielle Variante von Kolumbien nach Panama zu kommen wäre ein Flug, was aber weder zu unserem Reisestil noch Budget passt. Also nichts wie rein ins Vergnügen! Nach langer Internetrecherche fanden wir eine relativ sichere und vor allem günstige Variante diese Grenze zu überqueren.
Mit dem Bus ging es bis Turbo, Kolumbiens letzter großer Karibikhafen vor der Grenze. Verständlich, dass hier nicht nur Bananen verschifft werden…14% der 200.000-Einwohner-Stadt leben direkt oder indirekt vom Schmuggel oder anderen kriminellen Machenschaften. Ist ganz lustig, wenn man in Turbo auf der Plaza sitzt, sich 20 Leute aussucht und dann überlegt, welche 3 wohl die Kriminellen sind…
Von Turbo nahmen wir ein Schnellboot, das uns nach einem 2 ½stündigen rauen Wellenritt in der kleinen Ortschaft Capurgana absetzte.
Dieses kleine Nest an der Küste mitten im Darien ist das neue In-Ziel für kolumbianische Touristen. Es ist auch wirklich gemütlich mit seinen kleinen Gassen und Shops und ziemlich sicher aufgrund der Grenzpolizei, die hier ihren Stützpunkt hat. Wir beschlossen ein paar Tage zu bleiben und die Gegend rundherum etwas zu erkunden. Wenn man schon mal so viel Wildnis vor der Haustür hat…
An einem Tag wanderten wir nach Sapzurro, einer kleinen Ortschaft, die eine Bucht weiter liegt. Um dort hinzugelangen muss man 1 ½ Stunden auf einem kleinen Pfad durch den Dschungel gehen. Der Weg hin war überhaupt kein Problem. Wir gingen sogar noch weiter in die nächste Ortschaft La Miel, die schon zu Panama gehört. Auf der „Grenze“ befindet sich eine Sandsackstellung in der 2 Hängematten hängen. Eine olivgrüne und eine in fleckerltarn – passend zur jeweiligen Uniform. Hier schreiben sowohl der panamesische als auch der kolumbianische Soldat deinen Namen in ein Schulheft und du kannst die Grenze überqueren – Nur als Ausflug versteht sich, da man von La Miel sowieso nicht wegkommt.
Der Rückweg von Sapzurro nach Capurgana gestaltete sich als etwas problematischer als der Hinweg. Nach ca. 20 Minuten versperrte uns nämlich eine giftgrüne ca. 1 ½ Meter lange Schlange den Weg…und sie machte auch nach 10 Minuten des Wartens keine Anstalten diesen zu verlassen. Da ein Umgehen an dieser Stelle nicht möglich war versuchte Kevin sie zu verscheuchen indem er Holzstückchen in ihre Richtung warf. Anstatt sich aber ins Unterholz zu verziehen wurde sie aggressiv und attackierte die Holzstücke. Nach weiteren 10 Minuten unternahm Kevin einen zweiten Versuch an ihr vorbeizukommen. Mit einem 3 Meter langen Stock bewaffnet wollte er sich auf der anderen Seite des Weges an ihr vorbeischmuggeln. Das aggressive Mistvieh schoss aber direkt auf den Stock zu um ihn anzugreifen und zwang Kevin so in die Flucht. Sie war sich ihrer Gefährlichkeit so sicher, dass sie begann mit uns zu spielen. Sobald wir uns auf 10 Meter an sie heranwagten schlängelte sie sich wieder ganz gemächlich in unsere Richtung bis wir wieder genug Sicherheitsabstand zu ihr einhielten. Dieses Spiel wiederholten wir ein paar Mal, sahen aber dann bald ein, dass wir gegen sie keine Chance hatten und nicht an ihr vorbeikommen würden. Das hieß also zurück nach Sapzurro und hoffen, dass uns irgendwer zu einem halbwegs vernünftigen Preis zurück nach Capurgana bringen würde. Als wir zum Hafen kamen, legte gerade ein Fischer ab, der neben seinem Fang (2 Haie) noch Platz für uns hatte.
Nach ein paar Tagen an den Dschungelstränden des Darien ging es mit einem Fischerboot weiter nach Puerto Obaldia, wo wir den panamesischen Einreisestempel bekamen. Nach allen Formalitäten ging es weiter zum Flughafen, einer 500m langen unebenen Betonpiste gleich hinter dem Fußballplatz, die sich im Dschungel verläuft.
Von hier flogen wir mit der kleinen 17-sitzigen Aeroperlas-Maschine nach Panama City. Dort angekommen nahm uns gleich mal der Zoll in Beschlag. Das einzige wo sie Stress hatten war beim Einkassieren der Pässe, danach wurde alles in Ruhe erledigt. Nach 3 ½ Stunden kannten sie unseren gesamten Rucksackinhalt, unsere finanziellen Mittel, unsere weitere Reiseplanung und wir kriegten netterweise auch noch unsere Pässe zurück. Gemeinsam mit einem israelischen Pärchen, das wir am Flug kennen gelernt hatten fuhren wir in die Stadt hinein, die wir in den nächsten Tagen erkundeten.

Isla Mucura... echtes Karibikflair...

Dem Tipp eines Amerikaners, den wir in Santa Marta kennen gelernt hatten, folgend, war unser nächster Stopp in Tolú. Von hier aus ging es hinaus aufs Archipelago San Bernardo. Unser genaues Ziel war die kleine Insel Mucura, ca. 2 Bootsstunden vom Festland entfernt. Diese winzige Karibikinsel ist glücklicherweise in keinem Reiseführer erwähnt und so vom großen Massentourismus bisher verschont geblieben. Den einzigen Tourismus, den Mucura abkriegt sind ein paar kolumbianische Tagestouristen aus Tolú, die aber nur 2 Stunden pro Tag den Hauptstrand der Insel in Beschlag nehmen. Ansonsten leben die Menschen hier noch sehr traditionell von und mit dem Meer. Jeden Morgen paddeln die Fischer mit ihren winzigen Kanus aufs Meer hinaus um Fische, Langusten und Riesenschnecken mit der Hand zu fangen.
Da es auf Mucura natürlich auch keine Hotels oder so gibt kam unser Zelt endlich wieder mal zum Einsatz. Eigentlich wollten wir ja am Strand campen, aber der „padron“ (Inselhäuptling) wollte das nicht mehr und so stellten wir unseren „Schneck“ halt mitten im Dorf auf. Wir hatten zwar weniger Ruhe, dafür bekamen wir das Dorfleben aus nächster Nähe mit.
Anfangs wurden wir von den vielen Kindern im Dorf nur von weitem sehr skeptisch beäugt und genau unter die Lupe genommen. Als sie sich dann am zweiten Tag einig waren, dass wir weder gefährlich noch langweilig sind kam die ganze Schar an und ging mit uns und unserer Ausrüstung auf Tuchfüllung. Zu Bestzeiten war Kevin mit mindestens 5 Kindern behängt!
In unserer „Freizeit“ erkundeten wir die Insel, was sich anstrengender anhört als es ist. In 5 Minuten hat man dieses kleine Eiland durchquert und in 20 Minuten schafft man es rundherum. Die Wasser hier sind ideal zum Baden und Schnorcheln, da die gesamte Inselgruppe von einem Korallenriff umgeben ist, das die Brandung abhält. Dadurch gibt es keine Wellen, das Wasser ist glasklar und man kann sich die Korallen und Fische in aller Ruhe aus der Nähe ansehen.
Nach 5 Tagen im Paradies ging es aber wieder weiter – endlich Richtung Mittelamerika! Das einzige, was noch zwischen uns und Panama lag war das Darien Gap – die letzte wahre Grenze Amerikas…

Dienstag, 29. April 2008

Cartagena... frueher der Traum aller Piraten... heute der vieler Touristen...

Cartagena ist seit der Kolonialzeit die wichtigste Hafenstadt Kolumbiens. Hier lagerten die Spanier die von den Indios gestohlenen Reichtümer, bevor sie nach Europa verschifft wurden. Aus diesem Grund war die Stadt immer wieder Ziel von Piratenangriffen, die die Stadt plünderten und brandschatzten. Nach dem verheerenden Angriff von Francis Drake im Jahre 1586 war es den Spaniern dann endgültig zu viel und sie beschlossen Cartagena mit Mauern zu schützen und es so uneinnehmbar zu machen. Die Bauarbeiten der Festungsanlagen dauerten über 200 Jahre (zum Teil, weil Piraten bei Angriffen die Mauern immer wieder zerstörten) und sind auch heute noch echt beeindruckend.

Die gesamte Altstadt ist von einer riesigen Mauer mit unzähligen Kanonen umgeben. Rund um die Stadt findet man immer noch die enormen Festungen, die Angriffe von allen Seiten abwehren sollten. Die Altstadt hat sich über die Jahrhunderte kaum verändert – enge Gassen mit bunten Kolonialbauten und blumenbeladenen Balkonen. Bunt gekleidete Frauen tragen Körbe mit Obst auf ihren Köpfen um dir frisch einen Obstsalat zuzubereiten und an jeder Ecke findet einen der vielen tinteros (Kaffeeverkäufer)

Da Cartagena das Haupttouristenziel in Kolumbien ist (für viele Touristen der einzige Ort, den sie in Kolumbien besuchen) ist es leider übertouristisch und überteuert. Aber ein Spaziergang durch die wunderschöne Altstadt kostet ja nichts und wir sind inzwischen schon so lange unterwegs, dass wir auch in Cartagena was finden, das in unserer Budget passt…

Von Cartagena aus besuchten wir in einem Tagesausflug den Volcán de Lodo. Die beste Art diesen relativ aktiven Vulkan zu besuchen ist es einfach ein wenig Anlauf zu nehmen, in den Krater zu springen und das warme Bad zu genießen…Der Vulkan ist natürlich nicht mit Lava gefüllt, sondern spuckt lauwarmen Schlamm. Das Blubbern wird durch die Gärgase von Biomasse im Erdinneren erzeugt. Sieht ekelhaft aus, ist aber echt lustig. Man dümpelt im lauwarmen cremigen Schlamm und kann nicht untergehen. Der Korkstoppeleffekt ist einfach zu groß. Hat man genug vom Schlammbaden geht man einfach zur nahe gelegenen Lagune und lässt sich von den dort wartenden Ladies für ein Trinkgeld abschrubbeln und entmatschen… Angeblich soll dieser Schlamm sehr gesund sein und gegen Hautkrankheiten helfen – Marita hat jetzt einen juckenden Ausschlag am Rücken - war wohl eher etwas kontraproduktiv…Trotzdem ist das Bad in diesem einzigartigen Vulkan echt ein Erlebnis!


Etwas spaet aber doch - Die Geschichte einer Schwangerschaft...

Wie ihr ja alle wisst, hatte Kevin vor einigen Monaten einen kleinen Mitbewohner im Bauch. Er hatte sich in Uruguay eine Dasselfliegenlarve (dermatobia hominis) eingefangen. Wie sich ein paar Wochen nach der erfolgreichen Abtreibung von Kevins Tierchen heraus stellte war Marita auch in froher Erwartung. Und sie war schon in der vierten (von neun) Schwangerschaftswochen. Da eine gewaltvolle Abtreibung, so wie sie bei Kevins Baby angewandt wurde, nicht die sanfteste Methode ist, beschlossen wir bei Marita ein paar Hausmittel zu probieren. Im Internet fanden wir einige Möglichkeiten, welche wir allesamt ausprobierten. Weder das Vaseline noch das 400g-Steak konnten „Fritzi“ davon überzeugen vor Geburtstermin sein Nest zu verlassen. Er hielt lieber für 5! Stunden die Luft an, anstatt ins leckere Fleisch zu kriechen…

Nachdem alle Versuche eines Aborts fehlschlugen und Marita sich die Antibiotikatherapie, die Kevin machen musste, ersparen wollte, beschlossen wir: „Fritzi wird ausgetragen!“

Theoretisch sollte er nach ca. 9-wöchiger Schwangerschaft zur Welt kommen, sich verpuppen und zur Dasselfliege werden. Es gefiel Fritzi in Maritas Hintern aber so gut, dass er wohl etwas länger bleiben wollte. Das wäre ja grundsätzlich kein so großes Problem gewesen, hätte er nicht angefangen seine Wohnung auszubauen. Irgendwann hatte Marita genug von den Schmerzen und wir beschlossen uns doch für eine Abtreibung. Der Hautarzt in Quito entschied sich Gott sei Dank nicht für die Methode des Kaiserschnitts, sondern für die Zangengeburt und drückte Fritzi einfach wie einen Riesenpickel heraus.

Und so ward eine Made geboren und durfte auch gleich zum Babyschwimmen – IN FORMALIN!!!! Du beißt keinen mehr in den Arsch, Fritzi!!!!!!!!!!!

Der Tayrona Nationalpark - Eineinhalb Wochen im Paradies...

Wir hatten ja schon von anderen Reisenden gehört, dass die Polizeikontrolle am Parkeingang sehr genau sein sollte, aber als wir 3 da auftrixten wurde sie gleich noch genauer. Irgendwie ja verständlich, wenn man bedenkt, dass sie hauptsächlich nach Drogen (Marihuana) suchen (um Bestechungsgelder zu kassieren – dein Gras kriegst du eh wieder zurück)…und dann kommen da einer mit Iro und Zopf, eine mit Batik-Peace-Shirt und der Dritte mit Dreads und Filzhut…

Nach einer ¾ Stunde erfolgloser Intensivsuche (sie hatten gerade einmal mit dem zweiten Rucksack angefangen) hatten wir schon das Verbot den Rum, das Fischerzeug und sogar die Armbänder mitzunehmen. Wir beschlossen daraufhin den Polizisten und uns einiges an Arbeit zu ersparen und nicht in den Nationalpark zu gehen. Die Polizisten waren auch noch so nett uns zu verraten, dass man außerhalb des Parks ohne weiteres am Stand campen kann. Also ersparten wir uns den Nationalparkseintritt und suchten uns unseren eigenen Strand.

Wir marschierten also in die Richtung, in die die Polizisten gemeint hatten und kamen nach kurzer Zeit zu einem Fluss. Da Flüsse bekanntlich alle zum Meer fließen gingen wir einfach den entlang, denn da wollten wir ja hin. Da sich der Weg am Ufer schon nach ein paar hundert Metern verlief, gingen wir halt IM Fluss. Für ein Weilchen ging das auch ganz gut, bis der Fluss (das Meer schon in Sichtweite) plötzlich breiter und tiefer wurde. So waren wir gezwungen über eine Bananen und Kokosplantage auszuweichen um dann doch irgendwie zum Strand zu kommen. Und dort fanden wir DAS Paradiesplatzl!

Kurz bevor der Fluss ins Meer mündet, läuft er für ca. 500m parallel zum Meer. Nur eine ca. 100 Meter breite Sanddüne trennt den glasklaren, lauwarmen Strom von der tosenden Brandung. Da der Fluss im Oberlauf sehr breit und seicht ist, heizt er sich im Laufe des Tages extrem auf und erreicht zu Sonnenuntergang dann Badewassertemperaturen. An unserem Campplatz war er nur ca. 5 m breit und dadurch knie- bis schultertief – ideal zum Baden also.

Hinter dem Fluss ist noch ein kleiner Sandstreifen und dann beginnt der Dschungel. Hier wechseln sich dann Kokospalmen mit Lianen und Mangroven ab.

Für alle denen das zu schnell ging - Hier noch mal eine Skizze von unserem kleinen Paradies:

Ein idealer Platz zum Ausspannen und das Beste war: Das Camp war bereits innerhalb des Nationalparks.

Hier machten wir es uns gemütlich. Mit Hängematten und Lagerfeuer, Kokosnüssen so viel man essen kann, viel Sonne, Süßwasser vor der Haustüre und viel Zeit um das ganze zu genießen. Wir gönnten uns natürlich auch so einige Specials: Schon mal bei Sonnenuntergang in einem lauwarmen Fluss in der Karibik gelegen und aus einer Kokosnuss mit Strohhalm einen Coco-Loco getrunken (Cocktail aus Kokoswasser, Sahne, Zucker und RUM)?

Jeden Tag in der Früh besuchte uns ein Kokosnusssammler, der auf ein kleines Kaffeeplauscherl vorbeischaute. Von ihm lernten wir wie man Kokosnüsse richtig aufmacht und welche brauchbar und welche unbrauchbar sind. In den folgenden Tagen ließen wir dann, was Kokosnüsse betrifft, unserer Kreativität freien Lauf: Kokosnuss zum Frühstück, Kokosnuss gebraten mit Linsen, Kokosnuss im Reis, karamellisierte Kokosnuss, Kokosnusscocktail, Trinkbecher aus Kokosnussschalen, Lagerfeuer aus trockenen Kokosnüssen, einen Hut aus Kokosmatten, einen Korb und ein Regendach aus Kokospalmwedeln,…

Wenn wir mal genug von Kokosnüssen hatten, dann rauchten wir uns am Abend halt eine Shisha an und futterten Popcorn.

Kevin und Claudius waren ständig irgendwo im Dschungel und den Mangroven unterwegs und jagten Fische, Krabben oder Kokosnüsse. Obwohl wir eigentlich nichts zu tun hatten waren wir doch den ganzen Tag beschäftigt…und wir hätten uns auch noch für eine weitere Woche was zu tun gefunden. Leider wurden aber die Futterreserven knapp und wir wollten den touristischen Teil des Nationalparks auch noch ansehen. Um den Parkrangern auch sicher nicht zu begegnen folgten wir natürlich nicht dem Weg, sondern schlugen uns mit den Macheten unseren eigenen durchs Unterholz. Wo es ging wanderten wir am Strand bzw. überkletterten die Klippen oder wateten hüfttief in der Brandung. Zugegeben, es war nicht der einfachste Weg, aber wir schafften es uns an den Parkrangern vorbeizuschummeln.

Wir campten noch 2 Tage auf einem Campingplatz in Arecifes (eine der Ortschaften im Park) und machten uns dann wieder auf den Rückweg nach Santa Marta. Beim Verlassen des Parks haben wir noch mal heftig gezittert, da jeder (zahlende) Besucher ein Plastikarmband bekommt, das er jederzeit vorweisen können muss. Sie kontrollierten uns aber zum Glück nicht und so war es endlich gewiss – Wir hatten uns pro Mann und Nase 25.000 Peso (ca. 9 Euro) gespart…für uns ein Haufen Kohle!

Santa Marta und Taganga...

Unser erster Stopp, zurück in Kolumbien war Santa Marta. Obwohl diese Stadt über 400.000 Einwohner hat, wirkt sie im Zentrum eher so als wären es eher 40.000. Direkt an die gemütliche Altstadt schließt der weiße Sandstrand und das karibische Meer an. Die Hostels sind meist nur einen Block von der Strandpromenade entfernt und so kann man, obwohl man mitten in der Großstadt ist, noch vor dem Frühstück gemütlich mal eine Runde planschen.

Nur 5km von der Stadt entfernt liegt das kleine Fischernest Taganga, das sich immer mehr zum Touristenziel entwickelt. Wir besuchten es nur als Tagesausflug. Hier gibt es wunderschöne Sand- und Schotterstrände und je weiter man die Küste entlang wandert, umso schöner und einsamer werden die Buchten.

In unserem Hostel in Santa Marta lernten wir den Deutschen Claudius kennen, der genauso wie wir in den Nationalpark Tayrona wollte. Wir schlossen uns also spontan zusammen um eine Woche lang den Park unsicher zu machen.

Zurueck in Kolumbien...

Nach dem Kulturschock in Venezuela waren wir froh wieder zurück in Kolumbien zu sein. Was wir bisher nämlich noch nicht wirklich erwähnt haben ist, wie nett und gemütlich die Kolumbianer sind. Sie sind fast so freundlich wie die Kanadier und fast so gemütlich wie die Österreicher – eine echt gute Mischung also. An einem typischen Samstag Nachmittag sitzt man gemeinsam auf der Terrasse vor dem Haus, schlürft Kaffee oder trinkt das eine oder andere Bier, tratscht mit den Nachbarn oder hilft verschwitzten Backpackern, die vorbeischnaufen, den richtigen Weg zu finden…

Kolumbianer sind generell sehr gesprächig und haben immer Zeit für einen kleinen Plausch – wir verquatschen uns regelmäßig mit den tinteros (Kaffeeverkäufern). Wenn man mal eine Info braucht oder den richtigen Weg sucht kann es schon mal passieren, dass 5 Nachbarn plötzlich zu diskutieren beginnen, welche Lösung für dich am gescheitesten wäre.

Wir fühlen uns wirklich wohl in diesem Land!


Tucacas und der Nationalpark Morrocoy...

Eigentlich wollten wir ja mit einem Frachtschiff aufs Archipièlago Los Roques, einer Inselgruppe vor der venezuelanischen Küste, aber der Hafenwächter wollte uns einfach nicht reinlassen um bei den Kapitänen zu fragen. Er schaltete einfach auf stur: keine Touris auf Frachtschiffen! Wir hätten vielleicht hartnäckiger sein können, aber da Kevin eh noch etwas angeschlagen war ließen wir das Streiten sein und zogen, genervt von Venezuela und seinen sturen Hafenaufpassern ab.

Wir fuhren nach Tucacas um uns dort im Nationalpark Morrocoy von einem Boot auf einer der vielen Inseln für eine Woche oder so aussetzen zu lassen. Klingt im Reiseführer echt nett – Karibik, Korallenriff, einsame Insel, Camping,…

Leider haben die Venezuelaner den Nationalpark in der Osterwoche so vermüllt, dass er bis auf weiteres für Camper geschlossen ist. So mussten wir es bei Daytrips belassen und waren im Nachhinein auch froh darüber – Wir können die Parkranger wirklich verstehen! Die Gegend an sich ist zwar wunderschön, aber die Venezuelaner sind was Müll angeht echte Schweine! Es scheint, als wären Nationalparks in Venezuela nicht dazu da, die Natur zu schützen und zu bewahren, sondern sie möglichst vielen Menschen möglichst einfach zugänglich zu machen. Der Müll, der zum Camping und Picknicken mitgenommen wird, wird einfach dort fallen gelassen, wo man gerade steht. Die leeren Bierflaschen an denen im lauwarmen Wasser genuckelt wird, bleiben anschließend einfach im knietiefen Wasser zurück. Man kann ohne Sandalen nicht ins Meer gehen, da man sich sonst an den Kronkorken und Glasscherben die Füße aufschneidet….Als wir das alles gesehen hatten war klar: Noch schnell Kevins Fieber ganz auskurieren und dann wieder schnell zurück ins sichere und günstigere Kolumbien!


Caracas... das Zentrum der bolivarischen Revolution...

Carácas, die Hauptstadt Venezuelas und das Zentrum der bolívarischen Revolution. Für alle denen südamerikanische Politik nicht so geläufig ist: Simón Bolívar war jener General, der fast ganz Südamerika von den Spaniern befreite. Hugo Chávez, Venezuelas Präsident, hat es sich nun zum Ziel gesetzt sein Land in einen perfekten sozialistischen Staat zu verwandeln und das ganze natürlich im Namen des großen Befreiers Bolívar…Mit einer Demokratie hat das ganze nicht mehr viel zu tun, aber Hugo verkauft sich so gut, dass das keinem auffällt. Es scheint, als würde er Schritt für Schritt eine ähnlich Diktatur wie sie sein Spetzi Fidel in Kuba aufgezogen hat anstreben. Er hat immer wieder so geniale Ideen wie die letzte Währungsreform, oder die neue halbstündige Zeitzone für Venezuela und kommt mit denen auch durch. Informiert wird das Volk darüber in seinen spontanen mehrstündigen Reden. Hugo hat nämlich einen Knopf mit dem er alle nationalen Radio- und Fernsehsender abwürgt und seine Reden übertragen lässt…und das mitten im Hauptabendprogramm oder wann immer er sonst grad Lust dazu hat… Dafür erzählt er dem Volk dann für 3-4 Stunden oder so alles was sich grad so in seinem Leben tut, was er nicht alles gemacht hat, was er so vorhat, wer morgen zu ihm auf Besuch kommt und wie genial die Zahlen und Statistiken unter seiner Regierung nicht sind. Aber genug mit Politik!

Kaum in Caracas angekommen, fing Kevin an zu husten und zu fiebern. Was für den Normal-Österreicher nach einfacher Grippe klingt, ist im Malaria- und Denguefieber-Gebiet schon etwas besorgniserregender. Nach näherer Fieberkurvenanalyse war aber dann klar, dass es sich Gott sei Dank doch nur um eine Bronchitis handelte. Die Klimaanlagen in venezuelanischen Bussen laufen prinzipiell auf Vollgas und man fragt sich wenn man mit langer Hose und Pullover drinnen sitzt: „Warum muss ich frieren, wenn die draußen kurzärmelig und in Shorts rumlaufen?“ Kein Wunder also, wenn man sich da eine Erkältung zuzieht.

So wurde also das Caracas-Sightseeing krankheitsbedingt auf ein Minimum beschränkt und wir fuhren sobald Kevin halbwegs reisefähig war weiter. Raus aus dieser heißen, dreckigen Millionenstadt, ans karibische Meer…


Mérida... und der venezuelanische Preisschock!

Unser erster Stopp in Venezuela war in Mérida. Nach einem ewigen Busmarathon kamen wir am Abend in der Stadt an und wollten nur noch ein Bett. Das zu finden stellte sich allerdings als schwierig heraus. Unterkünfte gibt es in Mérida zwar in rauen Mengen, aber zu Preisen, die so weit außerhalb unseres Budgets liegen, dass sie nicht einmal für nur eine Nacht in frage kämen. Nach zwei Stunden des planlosen Herumirrens und Fragens in mindestens 20 Hotels war das beste Angebot für ein Doppelzimmer über 30 Dollar (In Bolivien können wir dafür ein halbes Monat übernachten). Unsere Rettung waren die Artesanos (reisende, knüpfende Hippies, die es in ganz Südamerika gibt und zu denen wir inzwischen auch oft gezählt werden) auf der Plaza – die wissen immer wo es was einigermaßen günstiges gibt…Und so kamen wir dann doch für 25 Dollar unter – Immer noch viel zu teuer, aber wie wir bald herausfinden mussten leider venezuelanischer Standard. Unser Reiseführer aus dem Jahr 2007 ist eigentlich relativ aktuell, nur in Venezuela stimmen die Preise überhaupt nicht. Meist sind sie Doppelt bis 2,5 mal so hoch wie erwartet. Jaja Hugo…mit dem Bolívar Fuerte gibt es keine Inflation mehr, gell? (Chávez hat bei seiner „Währungsrevorm“ Ende 2007 beim Bolívar einfach drei Nuller gestrichen und jetzt haben sie in Venezuela den Bolívar Fuerte – den „starken Bolívar“…)

Eigentlich wollten wir in Mérida mit der längsten Seilbahn der Erde fahren – Innerhalb von 12,5 km fährt sie von 1577m auf 4765m. Sicher ein eindrucksvoller Trip, aber keine 28 Dollar wert. Außerdem hätten wir sowieso 3 Tage warten müssen bis die nächste fährt und bei den Hotelpreisen kam das erst recht nicht in Frage…

Da Mérida sonst nichts in unserer Preislage zu bieten hat (die Eisdiele mit den 900 Sorten Eis muss natürlich auch zu haben!) gings direkt weiter nach Caracas.

Bogotá... die Hauptstadt Kolumbiens...

Nach der Hitze des kolumbianischen Tieflands ging es hinauf in die auf ca. 2600m gelegene Hauptstadt des Landes. Bogotá hat ein angenehm kühles Klima und hat trotz seiner Größe im Zentrum eine gemütliche Atmosphäre.

Eines der Highlights bei unserer Sightseeingtour war die Donacion Botero, eine Stiftung des gleichnamigen kolumbianischen Künstlers. Hier kann man neben seinen eigenen Werken auch die von international berühmten Künstlern wie Picasso, Chagall, Monet, Matisse, Miró, Renoir, Dali oder Klimt bewundern. So etwas müssen uns sogar wir Kunstmuffel ansehen – besonders weil die Ausstellung GRATIS ist… Es waren mit Abstand die meisten Gemälde, die wir in unserem Leben auf einen Haufen gesehen haben. Und obwohl uns Boteros Stil anfangs nicht sonderlich gefiel, wurden wir nach den 123 Botero-Bildern im Museum sogar noch zu richtigen Botero-Fans…

Ein weiteres Gratismuseum in Bogotá ist das Polizeimuseum. Grundsätzlich wäre es genauso uninteressant wie jedes andere Polizeimuseum, hätten sie nicht ein ganzes Stockwerk der Jagd nach Pablo Escobar gewidmet. Für alle, denen dieser Name nichts sagt: Pablo Escobar war der Chef des Medellín-Drogen-Kartells und einer der gefürchtetsten und meistgesuchten Verbrecher dieses Jahrhunderts. Jahrelang sah die kolumbianische Regierung seinem Treiben machtlos zu (sie boten ihm sogar einmal volle Begnadigung für all seine Verbrechen und Morde an, wenn er in Zukunft all seine kriminellen Geschäfte niederlegen würde) bis sie Unterstützung von den USA bekamen. Ein 1500 Mann starkes Sonderkommando mit dem modernsten Equipment schaffte es erst nach einer 499tägigen Jagd ihn zu stellen und zu erschießen. Im Museum kann man von seiner versilberten und vergoldeten Harley Davidson, über seine Waffensammlung bis hin zu der Jacke, die er am Todestag trug alles bewundern. Der Rest des Museums wäre eher langweilig, wäre nicht die rührende Privatführung mit Kaffeepause, Museumsdirektorplausch und und und gewesen.

Nach ein paar Tagen in der Großstadt zog es uns aber wieder weiter – Richtung Venezuela.


Zu Gast bei der Familie Betancourt in Palmira...

Als wir die Einladung annahmen dachten wir eigentlich wir würden nur einen Nachmittag oder so bei der Familie verbringen um dann nach Bogotá weiterzufahren. Es kam aber wieder mal anders. Fabio hatte die ganze Woche Urlaub und wie sich beim Abendessen herausstellte waren wir schon für die ganze Woche mit eingeplant. Er wollte fischen, wandern, campen, baden,…

Dass unser Aufenthalt in Palmira länger als nur einen Tag dauern sollte war schon allen klar…außer uns. Aber wenn man schon mal so nette Leute trifft, warum nicht etwas Zeit mit ihnen verbringen.

Fabio und Nubia bemühten sich den ganzen Tag lang uns Kolumbien und insbesondere Palmira zu zeigen. Wir wurden liebevoll umsorgt und bekocht und mussten nichts anders tun als mit den Kindern zu spielen, ein wenig von Österreich und der Reise zu erzählen und einfach das Leben zu genießen. Jeden Tag stand etwas anderes am Programm: Sightseeingtour in Palmira, Grillabend beim Sohnemann, Fischen im völlig überfüllten Zuchtteich, Badeausflüge zu kleinen Gebirgsflüssen…

Als es am Wochenende zum Campingausflug ging, waren wir in unserem Element – da wir in Wald und Wildnis den einen oder anderen Trick bzw. Blödsinn kennen mussten wir das natürlich an die nächste Generation weitergehen. Die Kiddies hatten den größten Spaß beim Feuermachen, schnitzen, Holz sägen, Witze erzählen, Spielen und Blödeln,…Wenn die Großeltern bzw. Eltern wüssten, was wir mit den Kleinen alles angestellt haben. Yonniver dürfte, wenn es nach seiner Mum ginge nicht mal aus einer Petflasche trinken. Das mussten wir natürlich ändern – der würde sich in ein paar Jahren beim ersten Bier vor seinen Freunden ganz schön blamieren…

Nach einer Woche All-inclusive-Urlaub in Palmira ging es weiter nach Bogotá. Dank Fabio kamen wir im Bus in der Schlafkabine des Fahrers unter – nicht ganz legal, weil sich das Geld der Busfahrer einstreift, aber für uns billiger. Die Busse werden zwar vom Busunternehmen kontrolliert (um Korruption der Busfahrer zu vermeiden), aber die Schlafkabine des Fahrers wird dabei meist ausgelassen. Es war zwar etwas eng, aber was macht man nicht alles um ein paar Pesos zu sparen…

San Cipriano - ein kleines Stueckchen Afrika mitten im kolumbianischen Dschungel...

Das kleine, von ehemaligen Sklaven gegründete Dschungeldorf San Cipriano hat bis heute keinen Straßenanschluss. Es führen lediglich Zugschienen am Dorf vorbei, auf denen aber nur gelegentlich ein Güterzug vorbeikommt. Deshalb haben die Einheimischen ihr eigenes Transportsystem entwickelt: Auf von Motorrädern angetriebenen Karren bringen sie Lebensmittel und Touristen in ihr Dorf.

Wenn man hier ankommt, fühlt man sich als wäre man auf einem anderen Kontinent gelandet. San Cipriano ist ein Stück Afrika mitten im kolumbianischen Dschungel.

In der Nähe des Dorfes fließt ein glasklarer, eiskalter Fluss durch den dichten Dschungel. Über kleine Wanderwege erreicht man wunderschöne Flussstrände und Wasserfälle. Hier kann man sich in der brütenden Mittagshitze in eines der vielen tiefen Becken stürzen und sich den Wasserfall auf den Kopf prasseln lassen. Wenn das zu langweilig wird, erkundet man einfach den umliegenden, dichten Dschungel auf eigene Faust… Man sollte nur sichergehen sich wieder vor 2 Uhr nachmittags auf den Heimweg zu machen, da man ansonst besser Kiemen haben sollte. Beim täglichen Regenschütter kann man sich schon mal wie ein Fisch vorkommen… San Cipriano gehört mit seinen 6.500 mm Niederschlag im Jahr zu den nassesten Orten in Kolumbien. Bei Temperaturen um die 30 Grad ist das aber nur halb so schlimm.

Hier lernten wir auch die Familie Betancourt kennen, die uns nach einem halbstündigen Pläuschchen spontan zu sich nachhause einlud. Wir glichen das noch schnell mit unserem Terminkalender ab und da wir gerade Zeit hatten sagten wir zu.

San Agustín...

In einigen kleinen Tälern in den kolumbianischen Andenausläufern lebte seit fast 3000 Jahren eine Kultur, die ihre Toten in sehr schönen Grabanlagen bestattete. Mit dem Eintreffen der Spanier in Kolumbien verschwand diese Kultur jedoch und ihre Kultstätten gerieten in Vergessenheit. Erst vor kurzem wurden die teilweise riesigen Steinskulpturen wieder vom Dschungel befreit.

Der Ort in dessen Nähe die meisten dieser Grabstätten gefunden wurden ist jedoch immer noch sehr schwer zugänglich. Nur eine kleine Schotterstraße führt nach San Agustín und man muss schon so einige Qualen auf sich nehmen um dort hin zu kommen, dafür hat man dort dann seine Ruhe vor den großen Touristenmassen.

Die Gegend dort ist einfach wunderschön – ein mildes, leicht tropisches Klima, eine Hügellandschaft, vergleichbar mit dem Mühlviertel, bedeckt von niedrigem dschungelartigem Bewuchs. Wenn man die Gegend erwandert geht man vorbei an Obst- und Zuckerrohrplantagen, Dschungel, kleinen Dörfern mit freundlichen Menschen und dem einen oder anderen Soldaten, der aber ebenfalls freundlich grüßend sein mit Tarnnetzen zugehängtes Camp bewacht. Es ist halt doch noch Guerillagebiet…

Die Statuen und Grabstätten zu beschreiben bringt nicht viel, da die Fotos hier einfach für sich sprechen…

Nach ein paar Tagen hatten wir alle wichtigen Sehenswürdigkeiten in der Gegend erwandert und es konnte weiter gehen in die nächste kolumbianische „Metropole“…


Die Kirche von Las Lajas...

Von Otavalo ging es gleich weiter ins kolumbianische Ipiales. Trotz der kürzlichen Streitigkeiten zwischen Ecuador und Kolumbien war der Grenzübertritt kein Problem. Das Erste was wir an der kolumbianischen Grenze zu sehen bekamen war ein Fahndungsplakat mit den meistgesuchten FARC-Guerillas. Von den vielen Fotos waren zwei frisch mit Lackstift durchgestrichen worden, darunter stand zu lesen „ELIMINADO“ (eliminiert).

Von Ipiales aus besuchten wir das Santuario de la Vigen de Las Lajas. Hier hatte irgenwann irgendwer eine Erscheinung und da Kolumbien ein sehr katholisches Land ist, musste das natürlich eine Maria sein. Und bei Marienerscheinungen ist es hier eben so üblich dann eine Kirche ihr zu Ehren an der Stelle der Erscheinung zu errichten. In diesem Fall war das etwas ungünstig, da die Maria ausgerechnet in einer Felswand in 50 Metern Höhe erscheinen musste. Trotzdem wurde eine Kirche gebaut! Es ist sogar ein ziemlich eindrucksvoller Bau geworden.

Wir erkundeten die Umgebung natürlich auch abseits der breiten Pilgerpfade und entdeckten ein Stückchen stromauf eine alte indigene Kultstätte. Schon interessant, dass dann praktisch genau auf der gleichen Stelle eine Maria erscheint…Oder war es vielleicht doch jemand anderes?

Otavalo und der grosse Samstagsmarkt...

Was in Quito an Andenflair fehlte, bekamen wir dafür in Otavalo. Diese kleine Andenstadt lebt heute fast ausschließlich vom samstäglichen Tourismus. Den Rest der Woche ist es angenehm ruhig hier. Viele Leute tragen noch die traditionelle Tracht. Die Männer haben espandrilloartige Sandalen, weiße ¾-Hosen, einen schwarzen Poncho und lange, zu einem Zopf gebundene Haare unter einem schwarzen Filzhut. Die Frauen tragen einen geraden, langen Rock, eine viel zu gerüschte Bluse, viele, viele Goldkettchen und ein gefaltetes, auf den Kopf gelegtes Tuch. Es ist echt schön zu sehen, dass hier die Tracht, nicht wie in manch anderen Tourismuszielen, nur für die Touristen angezogen wird, sondern immer noch Teil der Kultur ist. Auch die Jugend trägt oft noch die alte Tracht und auch die Schuluniformen in Otavalo sind an sie angelehnt.

Der Samstagsmarkt war, wie zu erwarten war großteils obertouristisch. Aber wenn man ein Stückchen weitergeht und in ein paar Seitenstraßen abbiegt findet man auch hier authentisches Markttreiben. Gelegentlich findet man auch noch ein paar regionale Spezialitäten: das gegrillte Cuy (Meerschweinchen) war wie immer lecker, nur die lebenden Schnecken in Zitronensaft sind etwas gewöhnungsbedürftig…


Mitad del Mundo - Die Mitte der Welt!

Nur eine knappe Autostunde von Quito entfernt liegt die weltberühmte Anlage „Mitad del Mundo“. Für manche ist es das Highlight eines Ecuador-Urlaubs, für andere, die etwas genauer hinschauen und nachforschen, einfach nur die am besten verkaufte Lüge in ganz Südamerika.

In diesem „Freizeitpark“ steht das riesige Monument, das vor knapp hundert Jahren hier auf der Äquatorlinie errichtet wurde. Man kann hier gleichzeitig auf beiden Hemisphären stehen – mit einem Fuß auf der Nord- und mit dem andern auf der Südhalbkugel.

Für dieses tolle Foto zahlt man 2 Dollar Parkeintritt, kann sich aber großzügigerweise noch einige „schwindlige“, teils völlig themenfremde Mini-Ausstellungen und hunderte Souvenirshops ansehen. Für das Monument, das Museum und das Planetarium muss man natürlich noch extra zahlen…

Und der große Betrug kommt erst: Laut neuesten GPS-Messungen steht das Monument mehr als 200 Meter neben der tatsächlichen Äquatorlinie. Davon hört man natürlich im Park kein Wort…

Interessant ist, dass wenige Kilometer neben dem tollen Monument die Ruinen einer alten Kultur zu finden sind, welche vor tausenden Jahren exakt auf der Äquatorlinie errichtet worden waren um astronomische Forschungen vorzunehmen. Das Besondere an diesem Platz ist, dass man aufgrund der hohen Berge und des niedrigen Bewuchses den Horizont rundherum sieht. Überall sonst auf der Welt läuft die Äquatorlinie entweder im Meer oder im Dschungel, was es den Menschen aufgrund der fehlenden Fixpunkte am Horizont unmöglich machte exakte astronomische Forschungen anzustellen.

Auch wenn in jedem Reiseführer steht, dass man beim Herzeigen der Fotos zuhause ja nicht dazusagen muss, dass man gar nicht wirklich auf beiden Hemisphären gleichzeitig gestanden ist…Die Wahrheit ist uns wichtiger als ein Touri-Foto!


Nach 4 Tagen in und um Quito hatten wir alles Notwendige erledigt und konnten weiter Richtung Norden, in das kleine Nest Otavalo, wo jeden Samstag der größte Markt Ecuadors stattfindet.


Quito... authentische Andenstadt?¿?

Als wir in Quito ankamen erwarteten wir uns, wie im Reiseführer beschrieben, Menschen in traditionellen Trachten, Marktleben auf der Straße und was eben sonst noch zu einer typischen Andenstadt gehört….und wurden schwerst enttäuscht. Zugegeben, die Altstadt ist echt schön mit ihren alten Gassen und hübsch restaurierten Gebäuden, aber dennoch fehlt das andine Flair komplett und auch sonst strahlt die Stadt nichts faszinierendes oder gemütliches aus. Quito ist einfach eine Großstadt ohne viele Besonderheiten.

Wir logierten natürlich im „besten“ Viertel der Stadt, wo sich die Straßen ab sieben Uhr abends mit zwielichtigen Personen füllten. Wir versuchten dieser eigenartigen Partygesellschaft eher aus dem Weg zu gehen, da es gelegentlich auch vorkommen konnte, dass die Polizei als Überraschungsgast mit Pfefferspray vorbeischaute. – Ein kurzer Sprüher in die Runde und der Tumult löst sich hustend auf…

Es hätte auch noch ein „besseres“ Viertel für Backpacker gegeben, aber nach einem kurzen Besuch in „Gringolandia“ waren wir auf einmal mit unserer dreckigen, unsicheren Unterkunft ganz zufrieden. In diesem Viertel der Stadt gibt es mehr Touristen als Einheimische und die Preise sind, im Vergleich mit dem Rest Ecuadors, einfach unverschämt hoch…Dafür kannst du dort im English Bookstore schmökern, im Irish Pub deinen Cider trinken und anschließend Falafel und Shawarma essen…


Baños...

Baños ist DIE Outdoor-Metropole Ecuadors. Die Stadt liegt eingebettet zwischen dicht bewachsenen Bergen am Fuße des Vulkans Tungurahua, welcher immer noch beängstigend aktiv ist. Im August 2006 war die letzte große Eruption wo ganz Baños evakuiert werden musste, aber auch jetzt grummelt und spuckt der Berg immer wieder - nur eine Woche vor unserer Ankunft in Baños sogar so stark, dass es noch im 100km entfernten Ambato zu spüren war…

Wir fanden eine gemütliche, günstige Unterkunft (sogar mit Kabelfernsehen) und konnten so, trotz eher miesem Wetter in aller Ruhe die Gegend erkunden.

Wegen der tief hängenden Wolken war der Vulkan, der über der Stadt thront leider nie zu sehen. Da konnten wir noch so hoch die umliegenden Hügel hinaufklettern, mehr als die vom Krater aufsteigenden Rauchsäulen waren nie zu sehen...

An einem Tag liehen wir uns Mountainbikes aus und machten die Ruta de las Cascadas - die Wasserfallstraße - unsicher. Auf einer Strecke von 60km großteils bergab kommt man durch wunderschöne Landschaft und alle paar Kilometer stürzt von irgendeiner Felswand ein Wasserfall ins Tal…

Durch Zufall kamen wir auch noch zum wahrscheinlich schönsten Flecken in ganz Ecuador – der Gnomenschlucht. Hier donnert ein glasklarer Fluss 10 Meter in die Tiefe, in eine Grotte, die von Lianen und Moosen bewachsen ist. Kolibris flattern herum und überall duftet es nach exotischen Pflanzen. Rund um diesen schönen Flecken Erde hat sich nämlich ein Kanadier seinen eigenen kleinen botanischen Garten angelegt mit Pflanzen aus ganz Ecuador – vom Bergland bis zum tiefsten Dschungel….

Baños hätte neben Natur auch noch Thermalbäder zu bieten, welche wir aber ausließen. Am Wochenende schlichten sich hier nämlich hunderte Ecuadorianer dicht an dicht in die kleinen Betonbecken. Für uns war hier einfach der Kuschelfaktor zu groß…

Unser nächster Stopp war Quito, die von unserem Reiseführer so hoch gelobte „authentische“ Andenstadt…

Samstag, 5. April 2008

Verzoegerung der Textveroeffentlichung...

Da Caracas zu teuer und ungemuetlich ist und wir noch dazu gesundheitlich im Moment etwas angeschlagen sind (Kevin hatte bis gestern noch Fieber), haben wir es diesmal einfach nicht geschafft einen vernuenftigen Text zu schreiben. Wir haben es wirklich probiert, aber wir wollen euch ja gute Texte liefern, die uns und spaeter euch Spass machen.
Da wir morgen Richtung Archipelago Los Roques aufbrechen und voraussichtlich erst wieder in etwa 3 Wochen zu einem vernuenftigen Internetanschluss kommen werden, haben wir zumindest mal einen Teil der Aktualisierung gemacht...
Im Moment stehen die aktuellen Fotos und die Reiseroute online. Der Text folgt...
Sorry...

Dienstag, 26. Februar 2008

Huaca de la Luna und Huaca del Sol...

Diese beiden Lehmziegelpyramiden sind noch um ca. 700 Jahre älter als Chan Chan und stammen von der Kultur der Moche. Bis jetzt ist nur der Huaca de la Luna (Huaca = Tempel) teilweise freigelegt und restauriert. Interessant bei diesem Tempel ist, dass es eigentlich 5 übereinander gebaute Tempelanlagen sind. Die Moche haben mit jeder Dynastie den alten Tempel völlig mit Lehmziegeln ausgelegt und einen neuen darüber errichtet. Vom 5. und vermutlich letzten Tempel ist aufgrund der Erosion praktisch nichts mehr erhalten, von den anderen sieht man noch erstaunlich viel, da sie ja nur eine Dynastie lang verwendet wurden und seit dem mit Ziegeln komplett zugeschlichtet waren. Die Wände der Tempel sind reichhaltig verziert und mit feinen bunten Mustern und Symbolen bemalt. Die Pyramidenform entstand dadurch, dass jeder neue Tempel etwas kleiner gebaut wurde als sein Vorgänger. Archeologen können heute nur Teile der unteren Tempel freilegen, da sonst ja die gesamte darüber gebaute Konstruktion zusammenstürzen würde. Die Tempel waren ja nie darauf ausgelegt ein Stockwerk tragen zu müssen.

Gleich neben dem Huaca de la Luna steht der noch größere Huaca del Sol. Diese Riesenpyramide ist der größte Lehmziegelbau der Erde – 140 Millionen Lehmziegel wurden hier übereinander geschlichtet. Heute erinnert dieser im Flachland stehende „Berg“ eher an einen großen Sandkuchen als einen Tempel. Was sich in seinem Inneren befindet weiß man bis heute nicht, da noch keine größeren Ausgrabungen vorgenommen worden sind. Die Archäologen sind noch mit dem Huaca de la Luna beschäftigt…Aus diesem Grund kann man auf den Huaca del Sol auch noch raufklettern und darauf herumspazieren. Erst wenn man den Gipfel erklommen hat wird einem die wahre Größe dieses Bauwerks bewusst. Es ist unvorstellbar wie man so viele Lehmziegel übereinanderschlichten kann. Wenn man es nicht besser wüsste, könnte man glauben, es ist einfach ein Berg…

Leider haben wir von diesen Tempeln nur sehr wenige Fotos, weil unsere Speicherkarte nach dem Besuch der Huaca de la Luna den Geist aufgegeben hat und sich einfach nicht mehr auslesen lässt. Schade! Es wären viele wunderschöne Fotos dabei gewesen…


Nachdem wir mit diesen Tempeln, die (vorerst) letzten für uns interessanten Dinge in Peru gesehen haben, haben wir das Land fluchtartig verlassen. In einer Marathonbusfahrt gings nach Ecuador - insgesamt über 30 Stunden in Bussen, 4 mal Umsteigen inklusive Citytrekking zum nächsten Busunternehmen, regenbedingten Verspätungen (La Niña lässt wieder mal grüßen),…

Jetzt sind wir in Riobamba, oder wie manche es nennen Friobamba (frio = kalt). Da es mit unserer geplanten Fahrt am Dach eines Zuges über die spektakuläre Nariz del Diablo (Teufelsnase) aufgrund von Streckenschäden nichts wird, fahren wir morgen weiter ins tiefer gelegene (und hoffentlich wärmere) Baños. Dort warten auf uns Thermalbäder, Downhill-Mountainbiking in den Dschungel und geniale Landschaft…

Chan Chan...

Einst die größte Lehmziegelstadt der Welt mit über 100 000 Einwohnern, erinnert Chan Chan heute eher an eine überdimensionale Sandkiste. Trotz der starken Erosion sind aber bis heute noch viele Strukturen dieser 700Jahre alten Großstadt erhalten geblieben. Nur ein Bruchteil der Anlage ist bisher restauriert worden. Der Rest ist frei zugänglich und bröckelt langsam vor sich hin. Man hat das Gefühl, die Archäologen kommen mit dem Restaurieren nicht so schnell nach, wie die Lehmmauern wieder zerfallen.

Was aber erhalten und restauriert worden ist, ist echt beeindruckend. Wir besichtigten den Tempelkomplex von Tschudi.

Da Lehmziegel ein leicht zu bearbeitendes Baumaterial sind, sind auch die Reliefs und sonstigen Verzierungen der Tempelanlagen von besonderer Feinheit. Von allen Mauern lachen einem Fische, Vögel und Fabelwesen entgegen. Wahrlich beeindruckend ist aber die Mauer, die die gesamte Anlage umgibt. Eine mehrere Meter dicke, bis zu 10 Meter hohe Wand, die rein aus Lehmziegeln gebaut ist und eine Tempelanlage von mehreren Hektar umschließt.

Chan Chan liegt zwischen Trujillo und Huanchaco in der Wüste. Die Tempelanlage von Huaca Esmeralda hatte dieses Glück nicht. Die Stadt ist inzwischen schon rund um sie herum gewachsen. Nur eine Mauer trennt den Tempel von den umliegenden Wohnhäusern. Irgendwie lustig mitten in einem Wohngebiet auf einer uralten Lehmziegelpyramide herumzuklettern. So was ist auch nur in Peru möglich – in Machu Picchu darf man nicht mal auf massiven Granit steigen und hier zerbröselt ein antiker Lehmtempel unter den Sportschuhen und Stilettos der Touristenmassen.


Trujillo und Huanchaco...

Der Grund warum wir diese Großstadt in unsere Reiseroute mit aufgenommen haben, ist ihre Nähe zu unzähligen Ruinen. Die Stadt an sich hat aber auch ihre schönen Seiten. Im historischen Zentrum steht ein wunderschön renoviertes Kolonialgebäude neben dem anderen und auf der gepflegten Plaza tummeln sich Künstler, Prediger und allerlei interessante Leute.

Da wir aber dem Großstadtrummel aus dem Weg gehen wollten, fuhren wir ins nur wenige Kilometer entfernte Huanchaco. Dieses kleine Fischerdorf ist heute einer der beliebtesten Bade- und Surforte des Landes. Während die Touristen mit ihren Surfboards aufs Meer rauspaddeln, benutzen die heimischen Fischer die traditionellen „caballitos de totora“. Diese, nach jahrhundertealter Tradition gebauten kajakartigen Boote werden aus Totora-Schilf gebunden. Als Paddel werden am Ende aufgeschnittene Bambusrohre verwendet. Bis heute bringen die Fischer ihren Fang so ans Ufer – Ein Schauspiel, wenn sie alle nach getaner Arbeit zum Strand zurückpaddeln!

Von Huanchaco aus erkundeten wir in den nächsten Tagen, die umliegenden Ruinen.


Huaraz und die Ruinen von Chavín de Huantar...

Perus Outdoorparadies wird nicht ohne Grund so genannt. Die Lage zwischen der Cordillera Blanca und der Cordillera Negra macht Huaraz zum idealen Startpunkt für Bergsteiger, Trekker, Rafter und sonstige Outdoorfreaks. Da aber gerade Regenzeit ist und wir ohnehin keine warme Trekkingausrüstung mehr haben fielen derartige Aktivitäten für uns leider aus.

Stattdessen mussten wir uns mit den ca. 3200 Jahre alten Ruinen von Chavín de Huantar zufrieden geben.

Diese Tempelanlage wurde in der Zeit zwischen 1200 v.Chr. und 800 v. Chr. von einer der ältesten Hochkulturen des südamerikanischen Kontinents erbaut. Berühmt ist die Anlage für seine unterirdischen Tunnel, Kammern und Steinfiguren. Die architektonische Leistung dieser Kultur ist wirklich erstaunlich. Der Tempel ist komplett symmetrisch und antiseismisch aufgebaut und viele Elemente orientieren sich am astronomischen Kalender. So konnten die Menschen von Chavín genau sagen, wann Sonnenwende ist und wann sie ernten oder aussähen müssen.

Das Tal, in dem die Tempelanlage von Chavín de Huantar steht, war aber schon lange Zeit vorher besiedelt. Man fand Spuren von menschlichen Siedlungen die auf das Jahr 12 200 v.Chr. datiert wurden. Und diese Kulturen wussten schon damals was lecker ist: Seit 7000 v.Chr. wurden hier Cuy (Meerschweinchen) gezüchtet und gegessen.

Nachdem das Wetter aber der Jahreszeit entsprechend kühl und feucht war zogen wir schon nach wenigen Tagen weiter Richtung Trujillo – der Sonne entgegen.

Da die peruanischen campesinos (Bauern bzw. Landbevölkerung) wieder mal streikten und Straßen blockierten dauerte die Busfahrt aber etwas länger als normal. Statt 9 Stunden saßen wir 30! Stunden in einem klapprigen Bus ohne jeglichen Service…21 Stunden Verspätung! – Ein neuer Rekord!

Streiken ist ja, wie wir schon von Arequipa wissen, eine der Lieblingsbeschäftigungen der Peruaner. Die im ganzen Land errichteten Straßensperren werden dann meist mit Polizeigewalt geräumt, was nicht immer friedlich abläuft. Allein an unserem Reisetag gab es 4 Tote…


Die Oase Huacachina...

Auf unserem Weg nach Norden stolperten wir Dank des Tips einer spanischen Backpackerin über die Oase Huacachina in der Nähe von Ica. Bei dieser, von riesigen Sanddünen umgebenen Lagune fanden wir ein günstiges Hostal mit Pool und beschlossen einfach mal 2 Tage Urlaub vom Reisen zu machen. Aber da man nicht nur faul im Pool hängen kann erkundeten wir natürlich die Gegend und aus unserem „Urlaub“ wurde wieder nichts. Dafür war die Aussicht vom Gipfel der Riesendünen echt atemberaubend!

Nachdem wir unsere wasserdichte Kamera im Pool ertränkt hatten (schon die 2. „wasserdichte“ Kamera, die unter Wasser den Geist aufgegeben hat) ging es von der Wüste wieder in die Berge…


Nasca...

Bis Mitte des vorigen Jahrhunderts war Nasca ein kleines Nest wie viele andere in der peruanischen Küstenregion. Dank der kommerziellen Luftfahrt wurde in den 30er Jahren aber zufällig eine der mystischsten Stätten Perus entdeckt. Piloten berichteten von Linien und Figuren, die sie im Wüstensand erkennen konnten. Der Wissenschaftler Paul Kosok war der Erste, der die Gegend genauer erkundete und so das Ausmaß dieser Wunderwerke im Sand erkannte. Heute ist Nasca nach Machu Picchu eines der Haupttouristenziele in Peru.

Die Nascalinien erstrecken sich über eine Fläche von 500km2 im Wüstensand und sind teilweise mehrere Kilometer lang. Es sind riesige Linien und Figuren, die in der Zeit zwischen 900 v.Chr. und 600 n.Chr. durch das Abtragen der oberen dunkleren Gesteinsschicht geschaffen wurden. Erkennen kann man sie nur aus der Luft, weshalb niemand genau weiß warum und wie diese gigantischen Zeichnungen kreiert worden sind. Die Spekulationen über die Funktion der Linien reichen von „walking lines“ eines Wasserkults über Bilder für die Götter bis hin zu astronomischen Kalenderlinien. Manche meinen sogar es seien Landebahnen von Außerirdischen…wenn man sich die Bilder so ansieht könnte an jeder dieser Theorien was Wahres dran sein. Bis heute zerbrechen sich jährlich hunderttausende Touristen den Kopf darüber.

Aufgrund unseres knappen Budgets wollten wir uns ursprünglich den Überflug sparen und stattdessen nur den Aussichtsturm besuchen, von dem aus man zwei der Figuren erkennen kann. Nachdem sich der hoch gelobte „mirador“ aber als wackeliges Miniblechtürmchen entpuppt hatte, von dem aus man die Figuren nur mit sehr viel Fantasie erahnen konnte, beschlossen wir doch etwas tiefer in die Taschen zu greifen. Dank Nebensaison und Verhandlungsgeschick kriegten wir einen Flug, der normal 60 US$ kostete um 30US$ und so schlichteten wir uns noch am gleichen Nachmittag zu viert (Pilot inklusive) in eine Blechdose der Markt Cessna. Allein dieser abenteuerliche Flug wäre die 30 Dollar schon wert gewesen. Man kommt sich vor wie in einem VW-Käfer mit Flügeln, der mit einer Wahnsinnsgeschwindigkeit von 90km/h jedes auf der Strecke liegende Luftloch mit Präzision ansteuert. Und da wir ja die Luxusvariante des Überflugs gebucht hatten zog der Pilot über jeder Figur noch 3 Schleifen – 2 rechts und eine links. Wahres Achterbahnfeeling in 80m Höhe!

Aus der Luft sind die Linien und Figuren echt faszinierend. Dass man so große Bilder in den Sand malen kann ist echt unvorstellbar, besonders, weil man ja vom Boden aus absolut nichts erkennen kann. Kein Wunder also, dass sie erst so spät entdeckt worden sind. Für die Figur der Echse ist es leider zu spät gewesen. Den armen Gecko hat schon vor der Entdeckung der Linien die Ruta Panamericana überrollt. Jeden Tag wird er aufs Neue von hunderten Autos und LKWs überfahren…

Dank eines Hospitalityclub-Kontakts konnten wir dann auch noch das Planetarium gratis besuchen. Hier erfuhren wir noch viel über die Linien und die deutsche Wissenschaftlerin Maria Reiche, die ihr Leben der Erforschung ebendieser gewidmet hat. Diese faszinierende Frau leistete auch mit 85 Jahren noch Feldarbeit und trug viel zur Erhaltung der Linien bei.


La Paz und der Karneval

Unsere Reise nach La Paz hatten wir so geplant, dass wir genau zu Karnevalsbeginn ankamen. Die Vorwehen dieses Festes hatten wir schon in Sucre und Cochabamba mitgekriegt, wo man nicht auf die Straße gehen konnte, ohne nass gespritzt zu werden. Deshalb machten wir uns auch in La Paz schon auf einiges gefasst…

In Bolivien wird der Karneval nicht so wie im benachbarten Brasilien mit Salsa und knappen Kostümen gefeiert, sondern eher traditionell naturreligiös. Statt den halbnackten Salsatänzerinnen sieht man in La Paz dicke Bolivianerinnen in traditioneller Tracht, die mit Luftschlangen, Knallfröschen, Cocablättern und viel hochprozentigem Alkohol ihre Marktstände und Geschäfte weihen. So wird mit viel Radau und anschließender Sauferei der Pachamama geopfert. Somit kann im kommenden Geschäftsjahr praktisch nichts mehr schief gehen.

Es ist echt schön bei so einer Zeremonie zuzusehen. Das Ritual hat, obwohl es sehr wichtig ist, nichts Hochheilig-andächtiges, sondern eher etwas Selbstverständlich-notwendiges. Im Gegensatz zu Segnungen der Kirche braucht man hier keinen Pfarrer, da Segnungen jeder machen kann… Nach den Opferungen setzen sich dann noch alle gemütlich auf ein paar Bier zusammen und feiern und opfern mit jedem Gläschen weiter (der erste Schluck wird immer für die Pachamama ausgegossen) … Eine echt gemütliche Arte religiöse Feste zu zelebrieren…

Die Jugend feiert auf etwas dynamischere Art. Früher war es Brauch zu Karneval ausgeblasene und mit Duftwasser gefüllte Eier der Angebeteten auf die Schulter zu klatschen. Da aber Duftwasser teuer und das Fassungsvermögen von Eiern eher gering ist wurde der Brauch „etwas“ abgeändert. Heute liefern sich die Jugendlichen regelrechte Schlachten mit Wasserbomben, gigantischen Spritzpistolen und neuerdings auch mit Schaumsprays.

Das konnten wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Wir kauften uns Billigponchos und eine Dose Schaumspray und stürzten uns mit unserer wasserdichten Kamera mitten ins Getümmel. Für die Bolivianer war es echt ein Riesenspaß Touristen einzuschaumen. Aber auch wir haben sie nicht verschont…

Bolivianer halten ohne Probleme 4 Tage lange Wasserschlachten und Saufereien durch. Wir hatten schon nach einem Tag genug und versuchten die restlichen 3 Tage so wenig Wasser und Schaum wie möglich abzukriegen. Gar nicht so leicht, wenn von jedem Balkon kübelweise Wasser auf Passanten gekippt wird und organisierte Wasserschlachtenpickups die Strassen unsicher machen und alles was Beine hat mit Wasserbomben eindecken.

So verbrachten wir die meiste Zeit entweder im Zimmer oder auf einem der vielen Märkte von La Paz. Besonders erwähnenswert ist der „mercado de las brujas“ – der Hexenmarkt. Hier kriegt man alles was man für den täglichen Ritualgebrauch so benötigt: getrocknete Lamaföten (werden als Schutz bei neu gebauten Häusern unter der Eingangtür vergraben), San Pedro Kakteen (ein sehr starkes Halluzinogen, das bei manchen Ritualen verwendet wird), Affenschädel, Schlangen- und Raubkatzenhäute, eingelegte Kröten, Räucherwerk, Talismane, Cocablätter, Kerzen,… Aber auch alle möglichen Heilkräuter und Wunderheilmittel gibt es hier zu kaufen - vom Aphrodisiakum bis zum Mittel gegen Warzen findest du hier alles.

Auf diesem Markt einzukaufen ist für Bolivianer so normal wie zum Bäcker zu gehen, aber für uns ist es wie ein Besuch in einer anderen Welt…

Nachdem wir den Karneval ausgesessen hatten (es wäre keine gute Idee gewesen mit Rucksäcken die 2 km zum Terminal zu gehen) ging es endlich weiter Richtung Norden. Mit einem kurzen Zwischenstopp in Copacabana am Titicacasee ging es direkt nach Nasca/Peru.



Freitag, 1. Februar 2008

Cochabamba...

Da Cochabamba eine Großstadt ohne viele Sehenswürdigkeiten ist und das Wetter hier auch nicht besser war, gestalteten wir unseren Aufenthalt relativ kurz. Wir wanderten, wie in jeder Stadt das historische Zentrum ab und hielten uns dann die meiste Zeit auf den in Cochabamba riesigen Märkten auf.
Außerdem trafen wir uns mit Bastian, einem Deutschen, den wir auch über den Hospitality-Club kennen gelernt hatten. Mit ihm und seiner Freundin gingen wir edel Steakessen (und die können echt mit argentinischen Steaks mithalten!!!). Wir erfuhren viel über seine Projekte in Bolivien und tauschten die eine oder andere Reisegeschichte aus. Ein echt gemütlicher Abend!
Da das Wetter aber einfach nicht besser werden wollte beschlossen wir Richtung Peru weiterzureisen. Mit einem Zwischenstopp in La Paz, geht es dann endlich der Sonne entgegen. An der peruanischen Küste scheint nämlich schon seit Wochen ununterbrochen die Sonne und wir hocken im Sauwetter….
Gestern sind wir hier in La Paz angekommen und werden noch einige Tage in dieser faszinierenden Metropole mitten in den Hochanden bleiben. Danach soll es nach Nazca, zu den berühmten gleichnamigen Linien gehen…

Sucre...

Sucre teilt sich, obwohl es bei weitem nicht eine der größten Städte des Landes ist, mit La Paz den Titel der Hauptstadt. In La Paz befindet sich die Exekutive und Regierung während Sucre die Judikative besitzt.
Die Stadt wird auch „Ciudad Blanca“ – „Die weiße Stadt“ genannt, da praktisch alle Häuser weiß sind. Die Stadt setzt auch alles daran, dass sie so bleiben. Jeder Bewohner ist dazu verpflichtet einmal jährlich zu einem bestimmten Datum sein Haus weiß zu streichen.
Hier in Sucre trafen wir auch unseren ersten Hospitality-Club-Kontakt. Wolfgang ist Deutscher, der aber schon viele Jahre in Bolivien lebt und arbeitet. Bei ihm waren wir jedem Abend zum Kaffee eingeladen und lernten bei unseren stundenlangen Gesprächen so manches über bolivianische Geschichte, Politik und Gebräuche. Ihm verdanken wir auch ein paar neue bolivianische Lieblingsgerichte. Seit dem gibt’s fast jeden Tag „Api“ und „Pasteles“ zum Frühstück!
Das Wetter hatte sich im Vergleich zu Santa Cruz nicht wesentlich gebessert und so versuchten wir jedes Regenloch für Sightseeing und Stadtrundgänge zu nutzen. Und auch die Weiterreise war nicht gewiss, da sich die Situation in ganz Bolivien zugespitzt hatte. Es gibt bis jetzt unzählige Tote und Vermisste, viele Dörfer sind überflutet oder weggeschwemmt, Brücken sind weggerissen und viele Straßen sind aufgrund von Hangrutschen oder ähnlichem unbefahrbar. In La Paz ist sogar ein Teil der Trinkwasserversorgung für Tage zusammengebrochen.
So nutzten wir die „Zwangspause“ für schon lange ausständige Arztbesuche. Dank Wolfgang fanden wir auch einen guten Zahnarzt, der noch einen Termin für uns einschieben konnte. So kriegte Marita statt der erwarteten einen Füllung gleich vier und Kevin, der eigentlich nur zur Kontrolle da war ging mit einem Weisheitszahn in der Tasche heim.
Der zweite Arztbesuch war bei einer Dermatologin, da Kevin seit Uruguay einen seltsamen Abszess am Bauch hatte, der nicht abheilen wollte. Die Ärztin meinte es sei ein Abszess, der aufgeschnitten werden müsste. Sie und auch wir staunten nicht schlecht, als uns aus der Wunde statt dem erwarteten Eiter eine ca. 1cm große Larve entgegenlachte. Dermatobia hominis – die Larve der Dasselfliege. Diese Fliege legt ihre Eier auf anderen Insekten, oftmals Moskitos, ab. Diese Schlüpfen auf ihrem Zwischenwirt und lassen sich, wenn dieser ein Tier oder einen Menschen sticht, auf die Haut des Opfers fallen. Durch die Einstichstelle kriecht die winzigkleine Larve in die Haut und nistet sich dort ein. Sie wird bis zu 3cm groß (Kevins Exemplar war also noch ein Teenie) und verlässt, wenn sie ausgewachsen ist ihren Wirt um sich zu verpuppen und zur Fliege zu werden…Kevins Haustierchen schaffte es nicht so weit und wir haben jetzt ein neues, in Formalin eingelegtes Reisemaskottchen.
Nach einem Tag Ruhepause von der Zahn- und Larvenextraktion ging es wieder weiter – nach Cochabamba.

Die Fahrt von Santa Cruz nach Sucre...

Wir fuhren also zum Busterminal, kauften uns unsere Tickets und setzten uns entspannt in den Bus. In bolivianischen Bussen wird, solange sie noch im Terminal stehen so ziemlich alles verkauft und so genehmigten wir uns was zu Essen und eine Zeitung. Erst hier lasen wir was die andauernden Regenfälle in Bolivien angerichtet hatten. Unzählige Straßen (unter anderem in dem Gebiet um Santa Cruz) waren unbefahrbar und es war sogar schon nationaler Katastrophenalarm ausgerufen worden.
Wir hofften also für unsere Strecke das Beste…Bis 3 Uhr morgens ging auch alles relativ glatt, aber bei einer Furt (in Bolivien gibt es kaum Brücken) war dann endgültig Schluss. Der Regen hatte den kleinen Bach in einen reißenden Fluss verwandelt, sodass an eine Überquerung nicht zu denken war. Das einzige was wir machen konnten war darauf zu warten, dass das Wasser weniger werden würde. Und wir waren nicht die einzigen, die warteten...Neben unserem Bus standen noch ca. 8 andere Busse und einige LKWs in der Schlange.
Nach 11 Stunden ohne Futter und Wasser kam endlich Leben in die wartende Schlange. Ein Baufahrzeug und ein LKW riskierten die Durchquerung des Flusses und schafften es auch mit Müh und Not – Für Busse war es aber immer noch unmöglich. Erst als irgendjemand ein Baufahrzeug organisiert hatte, das die Furt von großen Steinen und Unebenheiten befreite konnten es auch die Busse wagen. Zum Glück saßen wir nicht im ersten Bus!
Mit viel Anlauf und etwas Glück schafften es aber alle heil ans andere Ufer und die Fahrt nach Sucre konnte weitergehen.
Nach 26! Stunden (statt normalerweise 12) kamen wir endlich in der weißen Stadt Sucre an.

Santa Cruz de la Sierra...

Bei unserem ersten Bolivien-Besuch vor gut einem halben Jahr schauten wir uns hauptsächlich das Altiplano an (Andenhochebene, die sich von Südbolivien bis Peru erstreckt). Dieses Gebiet ist aufgrund der enormen Höhe (der Großteil über 4000m) sehr karg und lebensunfreundlich. Es gibt praktisch keine Industrie und das einzige das wächst sind Kartoffeln und Quinoa. Aus diesem Grund ist dieser Teil Boliviens auch extrem arm und (nach Meinung der UNO) „unterentwickelt“.
Bei unserem jetzigen Besuch wollen wir uns eher das reichere Tiefland ansehen. Aufgrund des großteils tropischen Klimas wächst hier fast alles und zudem befindet sich hier auch das enorme Ölvorkommen des Landes.
Santa Cruz ist mit 1,3 Mio. Einwohnern Boliviens größte Stadt und neben Cochabamba eine der Reichsten. Im Zentrum findet man unzählige Boutiquen und edle Restaurants. Je weiter man sich aber vom historischen Zentrum entfernt desto mehr wird aber auch deutlich, dass das Geld in Bolivien nur in den Händen weniger ist…
Im Moment ist in Bolivien Regenzeit, was normalerweise heißt, dass es jeden Tag ein bis zwei Stunden regnet und sonst die Sonne scheint. Dieses Jahr ist das aber dank „La Niña“ anders und es schüttet in Strömen.
Aus diesem Grund hielten wir unseren Aufenthalt in dieser Großstadt kurz und hofften auf besseres Wetter in Sucre.

Asunción...

Südamerika ist relaxt, Uruguay ist sehr relaxt und in Paraguay kriegst du fast die Schlafkrankheit – Da tut sich rein gar nix!
Das soll jetzt nicht heißen, dass Paraguay kein schönes Land ist, ganz im Gegenzteil, aber es ist einfach nichts los. In den Sommermonaten verschlimmert sich die Situation noch, weil eine glühende Hitze über dem ganzen Land liegt. Besonders Asunción sollte man um diese Jahreszeit meiden. 40 Grad im Schatten bei einer Luftfeuchtigkeit, die dir die Schuhe auszieht! Deshalb gestalteten wir auch unseren Paraguayaufenthalt relativ kurz.
Neben dem üblichen Sightseeing konnten wir hier auch extrem viel deutsche Kultur bewundern. Unter dem Diktator Strössner (1954-1989) wanderten sehr viele Deutsche nach Paraguay aus (unter anderem wurde vielen Nazis Asyl gewährt). Der Chaco, ein großes, reltiv trostloses Steppengebiet wird fast ausschließlich von deutschen Mennoniten bewohnt. Hier wird auch heute noch (Platt)deutsch gesprochen. Auch in Asunción findet man überall deutsche Bäckereien, Fleischereien, Hotels…sogar zwei deutschsprachige Zeitungen gibt es in Paraguay. Dieser Auswanderungstrend setzt sich auch heute noch fort – Es gibt im Internet eine Unzahl an Comunities, Foren und sonstigen Seiten von Auswanderern für Auswanderer – alles in Deutsch versteht sich.
Eigentlich sollte man sich so richtig DEUTSCHE Kultur in Südamerika ja anschauen, aber da wir uns wahrscheinlich mit den oberreligiösen und konservativen Mennoniten nicht all zu gut verstanden hätten, ließen wir den Zwischenstopp im Chaco aus und reisten gleich direkt nach Santa Cruz/Bolivien. Mit dem Bus ging es über die Ruta Trans-Chaco, die Hauptroute, die Paraguay und Bolivien miteinander verbindet. Man soll sich da aber keine falschen Vorstellungen machen. Die Trans-Chaco wird nicht zu Unrecht als eine der miesesten Straßen Südamerikas bezeichnet – bei Sonnenschein brauchst du eine Staubmaske und bei Regen am besten Gummistiefel und eine Schaufel…
Dank unserem Rallye -Busfahrer kamen wir aber trotzdem in Rekordzeit gut durchgeschüttelt in Santa Cruz an.

Hurra, hurra die Post ist da! Endlich gehts weiter...

Nach ein paar weiteren Tagen des Wartens in Montevideo wollten wir schon fast wieder an den Strand abhauen…Zum Glück schauten wir vorher noch mal bei der Post vorbei, wo ein Umschlag für Kevin auf uns wartete. Wir erfuhren auch (Internetverfolgung sei Dank), dass Maritas Karte am Vortag in Montevideo angekommen war und aus unerfindlichem Grund gleich wieder zurück nach Österreich gegangen ist.
Aber da wir ja jetzt zumindest eine Bankomatkarte und die Kreditkarte haben und Maritas nicht verschollen, sondern auf dem Weg zurück nach hause ist, konnten wir weiter.
Gleich am nächsten Tag ging es also per Bus raus aus der Stadt und dann per Daumen Richtung argentinischer Grenze. Aber schon von unserer zweiten Mitfahrgelegenheit erfuhren wir, dass die Grenzen zu Argentinien am Landweg alle dicht sind. Grund sind die schon seit langem andauernden Streitigkeiten der zwei Länder wegen der uruguayischen Papierfabrik am Grenzfluss. Deshalb machen die Argentinier immer wieder die Grenzen dicht und der einzige Weg das Land in Richtung Argentinien zu verlassen ist per Fähre nach Buenos Aires.
Also änderte sich spontan unsere geplante Route und wir stoppten nach Colonia del Sacramento. Aber da Wochenende war und alle Porteños (Bewohner von Buenos Aires und Umgebung) wieder nachhause wollten waren die günstigen Fähren natürlich alle voll. Für uns hieß das also eine Nacht im Straßengraben und am nächsten Morgen weiter nach Carmelo, wo auch noch Fähren fahren.
Mit viel Glück ergatterten wir 5 Minuten vor Abfahrt noch zwei Restplätze und konnten endlich aus Uruguay ausreisen…
In Buenos Aires hatten wir schon eine halbe Stunde nach Ankunft am Terminal einen Anschlussbus nach Asunción/Paraguay.

Donnerstag, 10. Jänner 2008

Cabo Polonio - Das gelobte Land aus Sand...

Schon vor ziemlich genau einem Jahr waren wir in diesem kleinen Hippie-/Fischerdorf am Rande der berühmten Wanderdünen. Es liegt auf einem kleinen Kap, das sich die Bewohner mit einer großen Kolonie von Seelöwen teilen. Es gibt keinen Straßenanschluss und die einzige Stromleitung hierher versorgt den Leuchtturm und sonst nichts. Am Abend flackern in den Fenstern der Häuser Kerzen und man hört statt Fernseher und Radio Gitarrenmusik und Live-Gesang. Unter Tags tummeln sich viele Tagestouristen, aber da es keine Hotels oder ähnliches gibt bleiben am Abend nur noch die eingesessenen Hippies über. Da im Dorf campen verboten ist bildet sich jeden Sommer eine kleine Zeltstadt ca. 1km außerhalb an einem kleinen Bach. Hier ließen wir uns auch wieder nieder und ergatterten diesmal sogar ein echt geniales Platzl. Wir hatten unseren eigenen Strauch (von denen es in und um Polonio nicht all zu viele gibt) und hatten so den ganzen Tag Schatten, was hier VIEL wert ist. Dank unserm Busch hatten wir auch viele Mitbewohner, die teils sogar IN unserem Zelt Quartier bezogen. Neben unzähligen Vögeln bestand unsere Nachbarschaft sonst hauptsächlich aus Insekten. Riesengrillen bevölkerten unsere Rucksäcke und deren Tragesysteme und die sich dazugesellende Riesensandspinne (Größe einer halbwüchsigen Vogelspinne) durfte nur deshalb bleiben, weil wir hofften, dass sie erstere Bewohner verzehren könnte. Neben Ameisen und Käfern besuchte uns eines Tages auch eine 1,3m lange, vermutlich giftige Schlange – Die haben wir nicht zu uns ins Zelt gebeten, auch wenn sie vielleicht auch Grillen frisst… Um 3 in der früh wurden wir gelegentlich von kauenden, schmatzenden, prustenden, unseren Strauch fressenden Kühen geweckt, aber Gott sei Dank waren sie so nett unser Zelt nicht niederzutrampeln.
Natürlich statteten wir auch den Lobo Marinos (Seelöwen) wieder einen Besuch ab und Kevin hatte den größten Spaß sie mit der neuen Kamera von ihrer Schokoladenseite zu erwischen.
Am 30. Dezember hatten wir die gute Idee, wie schon im Jahr zuvor, wieder Herzmuscheln zu essen. Wir buddelten einige hundert dieser delikaten Tierchen aus dem Strand und bereiteten sie in lecker Gemüsesauce ganz frisch zu – Ein Festmahl…von dem wir Stunden später noch was haben sollten.
Was wir nicht ahnen konnten war, dass gerade Rotalgensaison ist. Diese spezielle Algenart kommt nur 10 Tage im Jahr in Küstennähe vor und macht für diese Zeit sämtliches Seafood ungenießbar.
Fischvergiftung ist etwas, dass wir niemandem wünschen. Die ganze Nacht über pflanzten wir Tretminen in die Dünen. Muschelsuppe aus allen Enden – Kevin schaffte es sogar 3 dieser kleinen Biester durch die Nase wieder ans Tageslicht zu befördern…
Von unseren nächtlichen Dünenbesuchen noch etwas angeschlagen verbrachten wir den ganzen 31. im Schatten. Am Abend verließen wir nur zweimal kurz das Zelt. Das erste Mal um 20:58 Uhr, um in Gedanken mit allen Daheimgebliebenen Silvester zu feiern und zu schauen ob wir die versprochenen Raketen sehen. Das zweite Mal machte uns der Wecker um kurz vor 12 darauf aufmerksam, dass wir raus sollten um das Feuerwerk nicht zu verpennen. Nach einer halben Stunde lagen wir aber schon wieder, immer noch von Bauchkrämpfen geplagt, in unseren Schlafsäcken.
Am 1. Jänner ging es uns aber dann schon wieder relativ gut – da waren wir die einzigen in Cabo Polonio. Während der ganze Ort im Schatten seinen Kater ausschlief feierten wir Kevins Geburtstag am Strand mit viel Sonne, Sand und Wellen. Das große Geburtstagsessen müssen wir aber noch nachholen, da sowohl unser Budget, als auch unsere angeschlagenen Mägen mit Spaghetti mit Tomatensoße zufrieden waren.
Jeden Abend machten wir einen Ausflug ins Dorf um an der einzigen Stelle mit Handyempfang unser Mobiltelefon für eine viertel Stunde in die Luft zu strecken und zu sehen ob schon ein SMS mit der Nachricht der Bankomatkartenankunft aus Montevideo gekommen ist.
Am 6. Jänner mussten wir Polonio schweren Herzens den Rücken kehren, da wir Abgabetermin für unsere 3-wöchige Zeitungskolumne (Tips-Freistadt) hatten. Es gibt nicht viele Orte in Südamerika von denen uns die Abreise so schwer fällt wie von diesem Flecken Sand.
So marschierten wir zwangsweise die 8km über die Dünen zurück zur Strasse und stoppten Richtung Internet. Unser erster Lift war eine Familie aus Montevideo, die uns nach La Paloma mitnahm und uns, unser Kartendilemma kennend, sogar ihr Haus in Montevideo zur Verfügung gestellt hätte (auch wenn sie noch 2 Wochen Urlaub in Aguas Dulces machen würden). Die kennen dich grad mal eine halbe Stunde und bieten dir an in ihrem Haus zu wohnen…Das gibt’s nur in Uruguay!
Nachdem wir in La Paloma den Bericht geschrieben und verschickt hatten, stoppten wir noch Richtung Montevideo. Unser zweiter Lift an diesem Tag nahm uns auch bis in die Hauptstadt mit und lud uns sogar noch zum Essen ein. Manche Menschen sind fast zu nett für diese Welt…
In Montevideo fanden wir glücklicherweise eine Bank, die uns mit Kevins komplett verbeulter Kreditkarte trotzdem Geld gab. Nicht mehr am Hungertuch nagend (zuletzt hatten wir nur noch 300 Peso = 10 Euro – nicht mal in Uruguay ist das viel Geld) sitzen wir jetzt in Montevideo und warten auf Post…

Unsere Odyssee nach Cabo Polonio...

Nachdem unsere Bankomatkarten erst Anfang Jänner in Montevideo eintreffen würden beschlossen wir noch einige Tage nach Cabo Polonio zu fahren um dort am Strand auszuspannen und Geld zu sparen.
Wir hatten auch echtes Stopperglück und schossen am ersten Tag gleich übers Ziel hinaus. Vor lauter quatschen mit unserem netten Autofahrer übersahen wir die Abzweigung nach Aguas Dulces und so beschlossen wir eben spontan bis Punta del Diablo mit ihm mitzufahren. Wir campten die Nacht in den Dünen am Strand und machten uns am nächsten Tag auf die Rückreise Richtung Aguas Dulces. Dort angekommen wollten wir über den Strand bis Cabo Polonio wandern – gesamt etwa 15km. Aber nach 7km war in der kleinen Ortschaft Valizas Schluss. Hier fließt nämlich ein ca. 5m breiter Fluss ins Meer, den wir aufgrund der starken Strömung mit den Rucksäcken nicht durchqueren konnten. Die einzige Möglichkeit rüber zu kommen war ein alter Knacker mit seinem Motorboot. Dieser verlangte aber allen Ernstes für diese 5m 20Pesos pro Person. Einheimische sagten uns, dass er normalerweise 5-10 pro Person kassiert und bei uns wahrscheinlich wegen der Rucksäcke draufschlägt – klar, ohne Rucksack könnte man den Fluss ohne weiteres furten, aber mit den Packeln waren wir auf ihn angewiesen… und da er uns das mit so einem Scheiß-Grinser sagte, beschlossen wir ihm das Gegenteil zu beweisen...
Es ging zwar nur um einen Betrag von ca. 70cent pro Person, aber hier schalteten wir einfach auf stur! Wir marschierten nach Valizas rein, von dort weiter auf die Ruta 10 und erreichten so nach ein paar Stunden die Brücke die wir gratis und mit einem breiten Grinsen überquerten! Alles in allem ein Umweg von ca.15km, aber um die 40 gesparten Peso kriegt man mindestens ein Bier (1 Liter natürlich)!
Am nächsten Tag schafften wir es zu Fuß über die Dünen bis Cabo Polonio! Das gelobte Land hat uns wieder!

Weihnachten in Montevideo...

Wir konnten Weihnachten in der Wohnung einer Freundin von Juliana und Beta feiern – mitten in der Altstadt von Montevideo. Es gab sogar einen Computer mit Internetanschluss und so konnten wir sogar mit unseren Familien telefonieren.
Am 24. kauften wir groß ein und feierten mit viel Essen (1/2kg Fleisch pro Person), mitternächtlichem Countdown und Feuerwerk – nix da mit stiller Nacht! Es war wirklich ein gemütliches Beisammensein, auch wenn sich bei uns so keine rechte Weihnachtsstimmung einstellen wollte. Wie denn auch bei Sommertemperaturen und Mitternachtsfeuerwerk?

Zu Besuch in der Metropole Jose Pedro Varela...

Jose Pedro Varela ist ein kleines 6000-Seelen-Nest im Landesinneren. Alles lebt hier von der Landwirtschaft oder der Reisindustrie. Eine Ortschaft in der es wirklich NICHTS zu sehen gibt... Außer es verirren sich mal zwei Backpacker hierher…
Schon auf unserem Weg von der Landstraße ins Zentrum ernteten wir so manch fragenden Blick und die alte Dame, die wir nach dem Weg fragten hatte richtig Angst vor uns zwei Exoten. Bei unseren Ausflügen in den Supermarkt wurden wir auch beäugt als wären wir von einem anderen Stern…
Beta hat hier ein kleines Haus in dem sie nicht nur lebt, sondern auch arbeitet – todo es ceramica (alles ist Keramik)! Entsprechend sieht es auch im und ums Haus aus. In der Küche stapeln sich Farbtöpfe, das Wohnzimmer ist mit halbfertigen Stücken und Materialien vollgestellt und überall liegt der nicht zu vermeidende graue Staubfilm. Da Beta in letzter Zeit nicht nur mit der örtlichen Trennung von Juliana zu kämpfen hat, sondern auch noch massive finanzielle Probleme hat, kamen wir gerade recht. Wir versuchten unser Bestes, krempelten Haus und Hof um und brachten etwas Leben in ihre Bude. Den ganzen Tag waren wir mit irgendwelchen Reparaturen oder sonstigen Projekten beschäftigt – wir spielten Automechaniker, eröffneten Varelas erstes Keramikgeschäft, brachten Ordnung ins Haus,…
Nach der Arbeit ging Beta dann jeden Abend mit den zwei Weltreisenden hausieren und angeben. Bald kannte uns das ganze Dorf und wir hatten jeden Abend eine andere Einladung. Im Tausch gegen uruguayische Hausmannskost und das eine oder andere Gläschen Bier brachten wir die große, weite Welt ins Wohnzimmer der Varelos und unterhielten sie mit unseren Fotos und Reisegeschichten.
Eine besondere Einladung war die zur Feier des 50. Geburtstags von Daniel, auf die sich das ganze Dorf schon 2 Wochen vorher freute. Es war DAS Event in Varela und wir durften uns zu den auserwählten 100 Gästen zählen. Zu Essen gab es etwas typisch Uruguayisches – Es wurde eine halbe Kuh in ihrer Haut gegrillt – mit Haaren und allem drum und dran. Ein ungewohnter Anblick, wenn man ein Stück Fleisch samt Fell am Teller liegen hat, aber man isst eh nur das Fleisch. Die Haut bleibt beim Grillen nur deshalb drauf, damit das Fleisch saftiger bleibt. Echt lecker!
Bei Wein, Whisky, Musik und Tanz wurde bis in den Morgen gefeiert und wie es sich für echte Österreicher gehört waren wir diejenigen, die bis zur Sperrstunde übrig geblieben sind…
Nach einer echt gemütlichen Zeit in Varela packten wir am 24. aber dann doch zusammen und fuhren nach Montevideo um mit Juliana und Beta dort die Feiertage zu verbringen.

Montevideo...

Zurück in Montevideo checkten wir im gleichen Hotel ein, in dem wir auch bei unserer Ankunft in Südamerika abgestiegen waren. Hier wurde auch unser 1jähriges Reisejubiläum bei Chips und Packlwein ausgiebig gefeiert. Eigentlich wollten wir ja gespitzt essen gehen, aber nach einer kurzen Restaurant-Sightseeing-Tour beschlossen wir, dass unser Geld im Supermarkt effektiver investiert ist und deckten uns dort mit Junkfood ein.
Tags darauf besorgten wir uns eine neue uruguayische SIM-Karte und kontaktierten all unsere Freunde vom letzten Sommer. Das ganze artete beinahe in Stress aus: Mit Belén waren wir bei der Noche de las Luces (größtes Feuerwerk in Uruguay um den Anfang des Sommers zu feiern), mit Nacho besuchten wir ein Experimentaltheater,…Walter lud uns zu einem „kleinen Snack“ zu Mittag ein, was sich als das edelste Essen seit über einem Jahr entpuppte. Am Mercado del Puerto, wo sich ein Nobelrestaurant an das andere reiht, genehmigten wir uns erst einen typisch uruguayischen Aperitif und schlugen uns dann die Bäuche mit einem Riesenasado voll. Im kommenden (europäischen) Sommer kommt Walter nach Österreich – wir werden zwar noch nicht daheim sein, aber vielleicht können sich unsere Familien mal revanchieren…
Nachdem uns Juliana und Beta eingeladen haben, so wie letztes Jahr Weihnachten mit ihnen zu feiern, beschlossen wir kurzerhand unseren Uruguay-Aufenthalt noch zu verlängern.
Nach ein paar Tagen im teuren Montevideo wollten wir in das kleine Nest José Pedro Varela im Landesinneren um dort Beta in ihrem Haus zu besuchen und die Zeit bis Weihnachten tot zu schlagen. Vor der Abreise wollten wir noch schnell zum Bankomaten um ein wenig Geld abzuheben, aber…nix da! – Karte kaputt! Da sich Kevins Bankomatkarten in der brasilianischen Hitze im Zelt etwas deformiert hatten und seit dem nur noch bei jenen Bankomaten funktionieren, die die Karten nicht einziehen (solche gibt es in ganz Uruguay nicht) und Maritas nun auch den Geist aufgegeben hatte, hatten wir ein Problem. Das Bestellen einer neuen Bankomatkarte dauert in Österreich 10 Tage und dann kommen noch mal 3-15 (oder mehr)Tage für den Postweg nach Südamerika dazu. Naja, wir können das auf Post warten eh schon ganz gut (siehe Salvador)…

Colonia del Sacramento...

Diese Stadt ist DAS Aushängeschild von Uruguay und Pflichtpunkt bei jeder Uruguayreise. Die ehemalige Schmugglerstadt an der Mündung des Rio de la Plata ist heute ein echtes Juwel – verwinkelte grob gepflasterte Gassen, kleine liebevoll restaurierte Kolonialbauten und überall blühende Büsche und Blumen.
Wir schafften es aber wieder mal uns nicht wie Standardtouristen aufzuführen und verzogen uns in den Hafen zum Fischen – so wie es die Einheimischen machen…
So schön Colonia aber ist, so klein ist es auch und deshalb hatten wir nach 2 Tagen alles gesehen und es konnte nach Montevideo weitergehen.
Unser erster Lift war gleich eine lokale Berühmtheit – Emilio Arenas Florin. Er hat 3 Einträge im Guiness´ Buch der Rekorde für die weltgrößte Sammlung an Bleistiften, Schlüsselanhängern und Zündholzschachteln. Da man als Autostopper für so was immer Zeit hat nahmen wir sein Angebot an und schauten uns sein kleines Privatmuseum an – echt beeindruckend so ein Sammlervogel!
Unser nächster Lift war anfangs weit weniger gesprächig als Emilio und so nahmen wir an, dass er einfach keine Lust zu plaudern hatte. Nach ca. 50 Schweigekilometern schwenkte der Wagen plötzlich nach links und wir donnerten mit 100km/h in den Strassengraben. Während unser Fahrer ein Nickerchen hielt versuchten wir den Wagen ohne zu schleudern wieder auf die Straße zu bekommen. Davon wurde unser Schläfer aber dann doch munter und meinte mit einem Lächeln: Wenn ihr jetzt nicht gewesen wärt, wäre ich jetzt tot. Dann gab er auch noch zu, dass es heute eh schon das zweite Mal ist, dass er weggenickt ist…Die restliche Fahrt versuchten wir alles um die Konversation aufrecht zu erhalten. Auf einen zweiten Ausflug in den Strassengraben hatten wir echt keine Lust!

Buenos Aires...

Unser erster Besuch in der Hauptstadt Argentiniens vor knapp einem Jahr fiel ja sehr kurz aus, weswegen wir jetzt, auf unserem Weg Richtung Uruguay noch ein paar Tage Sightseeing in der Stadt des Tangos einlegten.
Wir quartierten uns zwangsweise in einem der vielen Gringo-Hostels ein. Hier wurde uns wieder einmal bewusst, dass Reisen nicht gleich Reisen ist. In diesen Unterkünften trifft man hauptsächlich jene mutigen Abenteuer, die mit einem Around-the-World-Ticket in 7 Monaten die ganze Welt neu entdecken und schon nach 2 Monaten in Südamerika echte Hardcore-Traveller sind. Die einzigen Einheimischen mit denen sie je Kontakt hatten sind meist englischsprachige Hotelangestellte, Taxifahrer und Kellner – aber ein Urteil über „die südamerikanische Kultur“ ist auf jeden Fall drin. Wir versuchten die sozialen Kontakte zu unseren „Reisekollegen“ auf ein Minimum zu beschränken und verbrachten die Tage mit Sightseeing und die Abende mit Internetrecherche im hosteleigenen Wi-Fi.
Von Buenos Aires ging es mit dem Zug in den Vorort Tigre, wo wir eine Fähre über den Rio de la Plata nach Carmelo/Uruguay nahmen. Von da gings mit dem Daumen weiter nach Colonia del Sacramento.