Siwa ist eine der abgelegensten Oasen Ägyptens. Im Radius von über 300km ist keine nennenswerte Siedlung und absolut nichts außer, Sand, Sand und noch mehr Sand...Wenn man nach Siwa kommt, nach stundenlanger Busfahrt durch die Wüste, hat man das Gefühl auf einer Insel gelandet zu sein. Es gibt hier immer noch mehr Eselskarren, als motorisierte Fahrzeuge, die Männer tragen blütenweiße Galabias und die Frauen sind komplett verschleiert, so dass man nicht einmal die Augen sieht, Dattelpalmen erstrecken sich bis zum Horizont und die kleinen, traditionellen Lehmhäuser verschmelzen praktisch mit den Ruinen der alten Festung Siwas. Obwohl Siwa 20km breit und 80km lang ist spielt sich doch alles ziemlich im Zentrum ab und die wichtigsten Sehenswürdigkeiten sind alle halbwegs nahe beieinander. Da es uns zu teuer war ein Fahrrad auszuleihen starteten wir halt per pedes los. Siwa war seit jeher ein Handelszentrum, weshalb man auch heute noch viele alte Ruinen der einstigen Tempel und Festungen sieht. Zu einem der berühmtesten frühen Touris, die Siwa besuchten gehörte Alexander der Große, der vom hiesigen Orakel erfuhr, dass er der Sohn von Zeus ist (was ihm wieder die offizielle Legitimation gab Herrscher über Ägypten zu werden). Diesem Orakeltempel statteten wir natürlich einen Besuch ab (auch wenn da heute keine Vaterschaftstests mehr gemacht werden). Wir wanderten stundenlang durch die Dattelpalmenhaine und schlugen uns die Bäuche mit den leckeren, picksüßen Früchten voll, schwammen in einer der Süßwasserquellen für die Siwa so berühmt ist und streunten durch die kleinen Gassen der alten Festung Shali, die im Zentrum von Siwa auf einem kleinen Hügel liegt. Diese Oase hat echt etwas sehr magisches und relaxtes. Siwa ist sicher das ganze Jahr über sehr ruhig...doch im Ramadan ist dieses Nest unter Tags praktisch komatös. Alle Leute verkriechen sich in ihren Häusern, fast alle Geschäfte sind geschlossen und kein einziges Restaurant hat geöffnet. Erst nach Sonnenuntergang erwacht die Oase zum Leben. Die Geschäfte sperren auf, die Shishacafés räumen ihre Tische und Stühle auf die Straße und bereiten die Pfeiffen vor, die ersten Restaurants bereiten Essen zu und die Straßen füllen sich mit Menschen. Es war für uns unmöglich unter Tags was zu Essen aufzutreiben, ein offenes Internetcafé zu finden oder mal wo einen Tee zu trinken. Den Tag verbrachten wir also meist mit unproduktivem Nichtstun (weil es einfach nichts zu tun GAB) und in der Nacht konnten wir nicht schlafen, weil da die Oase zum vollen Leben erwachte – Bauarbeiten um 3 in der Früh sind nicht unbedingt schlaffördernd. Nach 2 Tagen in der Oase, nachdem wir den Großteil der Sehenswürdigkeiten gesehen hatten, beschlossen wir also wieder zurück nach Kairo zu fahren, wo sowohl die Futtersituation als auch die Internetlage bedeutend besser ist. Hier saßen wir nun die letzten Tage bis zu unserem Flug aus, schrieben an der Aktualisierung, schlugen uns die Bäuche mit billigen Sandwiches voll und plauderten mit den vielen anderen Reisenden, die sich auf der gemütlichen Dachterrasse des Hotels versammeln. Während wir hier in Kairo auf unseren Flug warten, sind Kevins Eltern schon auf dem Weg nach Istanbul. Mit ihnen werden wir dann die nächsten Monate in ihrem Wohnmobil durch die Türkei, Griechenland und Italien reisen. Nicht mehr lange, dann kann Kevin seine Eltern, nach fast 4 Jahren wieder in die Arme schließen! Wir freuen uns echt schon riesig auf diesen neuen Reiseabschnitt!
Zu einem echten Ägyptenaufenthalt gehören für uns ein paar Ausspanntage in Dahab einfach dazu – Tee trinken, Shisha rauchen, von einer Polsterlandschaft in die nächste fallen, schnorcheln, plantschen und die Seele baumeln lassen. In den letzten 5 Jahren seit unserem letzten Besuch hat sich Dahabs Erscheinungsbild stark verändert – große Anlagen mit Pools sind in die Höhe geschossen, anstelle der Ortsdisko gibt es jetzt ein Kinder-Spiel-Café, es gibt mehr Koffertouristen als Backpacker und anstelle vieler Polsterlandschaften sind Restaurants mit Tischen und Sesseln gerückt...Trotzdem hat es Dahab irgendwie geschafft sein entspanntes, individuelles Flair zu bewahren. Und nach all dem Kulturprogramm in Luxor war Dahab genau das Richtige. In den letzten 5 Tagen, die wir mit Maureen gemeinsam hatten, versuchten wir eine ausgewogene Mischung zwischen Urlaubsprogramm und Extremschweijern zu finden. Wir führten Maureen in die faszinierende Unterwasserwelt Dahabs ein und das Schnorcheln gefiel ihr so sehr, dass sie gar nicht mehr aus dem Wasser wollte. Das resultierte in einem massiven Sonnenbrand am Hintern (klar, das ist das, was man beim Schnorcheln am meisten aus dem Wasser streckt). So gab es zusätzlich zum Schweijerprogramm noch ein Beautyprogramm mit Joghurtpackungen am Hinterteil und eine kurze Leggin als Sonnenschutz für zukünftige Schnorcheltrips. Wenn wir grade nicht im Wasser waren, saßen wir in einer der unzähligen Polsterlandschaften, tranken Tee, rauchten Shisha und genossen die Meeresbrise. Diese letzten Tage mit Maureen vergingen echt wie im Flug und bald schon hieß es wieder Abschied nehmen, was uns ganz und gar nicht leicht fiel. Es hat echt gut getan wieder mal ein Familienmitglied bzw. eine gute Freundin um sich zu haben... Nach Maureens Abreise mussten wir und dann überlegen, wie wir die restliche Zeit bis zu unserem Flug nach Istanbul rumkriegen würden. Der ursprüngliche Plan war eigentlich, noch einen Abstecher nach Jordanien und Israel zu machen, aber irgendwie hatten wir uns mit Dahabrelaxitis angesteckt, dass uns das ganze Transportorganisieren und Herumreisen so überhaupt gar nicht freute. Also beschlossen wir kurzerhand noch ca. ein bis 2 Wochen in Dahab zu bleiben und dann noch ein bisschen in Ägypten zu reisen. Aus den ein bis 2 Wochen wurde über ein Monat...Naja, Dahab ist einfach ZU gemütlich. Wir hatten uns unsere eigene Shisha gekauft, kochten unseren eigenen Tee und verbrachten so die meisten Tage mit gemütlichem herumschweijern, Zukunftspläne schmieden und massivem Ausspannen. Kevin entdeckte das Kartenspielen für sich und so verspielten wir ganze Nachmittage mit Rummy-Extreme-Marathons. Um nicht völlig von der Shisha-Paralyse übermannt zu werden, schafften wir uns mit unzähligen Schnorchelausflügen ein bisschen Abwechslung und Bewegung. Bald kannten wir jeden Schnorchelspot rund um Dahab. Das Napoleon-Reef kristallisierte sich bald als unser absoluter Liebling heraus – wunderschöne Korallen, tausende bunte Fische, weißer Sanduntergrund auf dem die Sonnenstrahlen reflektieren und geniale Farben und Muster produzieren und der lustigste „Sergeant Major“-Schwarm in ganz Dahab. Normalerweise flüchten diese kleinen schwarz-gelben Fische vor herannahenden Schnorchlern, dieser neugierige Schwarm von mehreren hundert Fischen kam jedoch immer zu uns her, wenn wir an dieser speziellen Stelle am Riff vorbei schwammen. Innerhalb kürzester Zeit treibt man dann inmitten eines riesigen Fischschwarms. Sie schwammen uns nach, beäugten uns von allen Seiten, spielten mit uns,...eine echt unwirkliche Erfahrung! Wir spielten viele, viele Stunden mit unseren kleinen geschuppten Freunden. Nach so einem erfolgreichen Schnorcheltrip flackten wir uns dann meist noch ein paar Stunden an den Strand, was uns zu einer ziemlich guten Bräune verhalf. Am Abend gabs dann immer noch ein lecker Essen in unserem Stammrestaurant und eventuell ein Bierchen zum Nachtisch – Das Leben kann einfach SOOOO schön sein.... Nach gut einem Monat in Dahab mussten wir dann schweren Herzens Abschied von unserem „Zuhause“ nehmen, denn wir hatten nur noch gut eine Woche bis zu unserem Flug nach Istanbul und wollten auch noch eine der berühmten Oasen Ägyptens besuchen. Good bye Dahab! Bis zum nächsten Mal!
Luxor war für uns der erste Ort auf dieser Reise an dem wir beide schon früher mal gewesen sind. Es fühlte sich irgendwie ein bisschen wie heimkommen an. Wir waren wirklich gespannt, wie sich Luxor in den letzten Jahren verändert hat, da unser letzter Besuch ja schon über 5 Jahre her ist. Wir quartierten uns in unserem Stammhotel ein, das sich Gott sei Dank kaum verändert hat...Naja, die Badezimmer haben sie saniert, wogegen wir natürlich gar nichts einzuwenden hatten.
Gleich am ersten Abend besuchten wir unseren alten Freund Ali bei seinem Shop im Bazaar. Der freute sich riesig uns wiederzusehen - besonders, weil er wusste, dass wir ein Geschenk von Otto für ihn mit hatten. (Helga und Otto hatten ihn nämlich bei ihrem letzten Ägyptenurlaub auch besucht und ihm da versprochen ihm ein Handy zu besorgen, da diese in Ägypten teuer und schwer aufzutreiben sind. Otto hatte darauf hin eine Handysammelmission gestartet und Maureen 5 Handys mitgegeben.) Ali lud uns gleich ein bei ihm zu wohnen und arrangierte für uns gleich alles, dass wir am nächsten Tag übersiedeln könnten.
Leider hatte Maureen irgendwo was falsches zu Essen erwischt und lag am nächsten Tag mit Durchfall flach, was nicht nur unseren Besuch bei Ali verhinderte, sondern auch unser geplantes Sightseeing-Programm erstmal auf Eis legte. Für Maureen gabs also strikte Bettruhe, Kamillentee und Knäckebrot, während wir Luxor erkundeten und über die Veränderungen der letzten Jahre staunten.
Als es Maureen dann wieder besser ging, starteten wir ganz sachte mit Sightseeing Light – erst ein bisschen im Luxortempel alte Steine und Hieroglyphen schauen und dann gemütlich mit einer Felucca (traditionelle Nil-Segelboote) in den Sonnenuntergang schippern. Nachdem das ganz gut gegangen ist, entschieden wir die Dosis für den nächsten Tag zu erhöhen. Wir starteten bald in der Früh und fuhren mit der Fähre über den Nil. Wir mussten Maureen unbedingt ein Stück Sahara zeigen und die Tafelberge rund um das Tal der Könige sind einfach atemberaubend. Wir mussten die relative Kühle des Morgens (ca. 30ºC) nutzen, da Luxor'sche Sommertemperaturen um die Mittagszeit unerträglich werden. Bei etwa 43ºC im Schatten braucht man echt nicht auf Wüstenberge klettern...
Die Aussicht von dort oben ist echt irre. Auf der einen Seite sieht man das gesamte Niltal, das sich wie eine grüne, fruchtbare Schlange durch die Wüste windet und auf der anderen Seite die endlose Weite der Sahara, bizarre Felsformationen und unter einem ganz klein das Tal der Könige mit seinen Touristenmassen, die wie Ameisen in den Grabhöhlen verschwinden und wieder herausgewuselt kommen. Um ca. 10 Uhr mussten wir aber schon wieder mit dem Abstieg beginnen, da die Hitze schön langsam auf Backofentemperatur anstieg. Zurück in Luxor bereiteten wir dann alles aufs Übersiedeln vor – Ali wollte uns auf jeden Fall beherbergen und die Chance mal das ländliche Ägypten zu sehen konnten wir Maureen auch auf keinen Fall vorenthalten.
Der Empfang in Alis Haus war echt herzlich. Alis Mutter umarmte Marita wie eine heimgekehrte Tochter und wollte sie gar nicht mehr loslassen. Kurz darauf saßen wir dann auf dem Boden im Wohnzimmer tranken Tee und quatschten über alte Zeiten. Am Abend wurden wir dann lecker bekocht – Ägyptische Hausmannskost ist einfach SOOOO lecker!
Am nächsten Morgen fuhren wir dann mit Ali wieder nach Luxor hinein – er zum Geschäftemachen und Arbeiten, wir zum Sightseeing-Programm abschließen. Der Karnak Tempel ist eine der größten Tempelanlagen in Ägypten und wir hatten gelesen, das er für viele Ägyptenreisende das absolute Highlight des Urlaubs war. Naja, wenn man großzügigerweise über die Touristenmengen hinwegsieht, ist er schon eine gigantische Anlage mit wunderschönen Hieroglyphen und riesigen Säulen...das Highlight in Ägypten sind für uns aber immer noch die Menschen und die Kultur.
Wir blieben insgesamt 2 Nächte in Alis Dorf, genossen die Gastfreundschaft der Leute, unternahmen ausgedehnte Spaziergänge in den Zuckerrohrfeldern rund ums Dorf und bekamen wieder einmal einen guten Blick hinter die Kulissen im ägyptischen Alltag. Danach mussten wir leider schon wieder weiter. Maureen hatte nur gut 2 Wochen in Ägypten und wir wollten ihr Dahab und das Rote Meer auch noch unbedingt zeigen.
Nach einem herzlichen Abschied von Alis Familie und all den Leuten in Alis Shop fuhren wir im Übernachtbus nach Dahab – der Schweijer-Hauptstadt Ägyptens.
Ägypten – endlich mal ein Land in dem wir schon vor der großen Reise einmal waren. Für Marita ist es schon das dritte mal und Kevin war sogar schon vier mal im Land der Pharaonen. Auch wenn wir vorher noch nie in Kairo waren, fühlte es sich ein bisschen wie heimkommen an – der süße Geruch von Wasserpfeiffen, die unmöglich nachzuahmenden HCHR-Laute der arabischen Sprache und die berühmte ägyptische Gastfreundschaft.
Um die „große Stadt“ (ca. 18 Mio. Einwohner) hatten wir bisher einen großen Bogen gemacht, aber da unser Flug hier ankam und wir uns in knapp einer Woche hier mit Maureen (Kevins Schwester) treffen würden, stürzten wir uns diesmal mitten rein in den Großstadtdschungel. Und wir wurden echt positiv überrascht – nach Delhi wirkt Kairo wirklich wie eine saubere, moderne westliche Metropole. So kam es zumindest uns vor... mehr dazu später...
In den fünf Tagen die wir bis zu Maureens Ankunft hatten, kundschafteten wir schon mal die Sehenswürdigkeiten ein wenig aus und nutzten die gute Internetleitung die wir im Hotel hatten um unserem Blog das lange überfällige facelifting zu verpassen.
Am 18. Juli war es dann soweit – nach über 3 1/2 Jahren konnten wir endlich wieder ein Familienmitglied des Koppensteinerclans in die Arme schließen. Maureen hatten wir sogar schon fast 4 Jahre nicht mehr gesehen, da sie bei unserer Abreise gerade auf Auslandssemester in Holland war! Wir waren echt happy unsere kleine Schwester/ beste Freundin wiederzusehen!!!!
Da wir aber nur gut 2 Wochen gemeinsam Zeit hatte mussten wir etwas Gas geben und so starteten wir in Kairo gleich mit dem vollen Sightseeing- Programm. Für Maureen war es die erste Reise außerhalb Europas und deshalb war für sie schon Kairo eine Herausforderung. Es ist echt lustig wie viele Sachen Maureen aufgefallen sind, die wir schon gar nicht mehr sehen, weil es für uns einfach Alltag ist. Zum Beispiel dass die Gehsteige 30cm hoch sind und keine Aufgänge haben oder dass Ampeln reine Ziergegenstände sind, die keiner beachtet. Dass man beim Straßenüberqueren auf seine verkehrsstromteilenden „Mosesmächte“ vertrauen muss und dass einem Ägypter im Gegensatz zu Österreichern einfach sagen wenn ihnen deine Frisur gefällt.
Gleich am Tag nach Maureens Ankunft begannen wir mit dichtem Sightseeing-Programm. Wir wollten ihr einfach so viel wie möglich von diesem faszinierenden Land zeigen. Wir starteten gleich mal mit DEM Highlight eines jeden Ägyptenaufenthalts – den Pyramiden von Giza. Und auf richtige Rucksacknomadenmanier machten wir das Ganze natürlich nicht mit einer Tour, sondern individuell. Wir wussten, dass einer der Stadtbusse direkt zu den Pyramiden fährt, wussten auch, welche Nummer der haben soll, hatten aber Probleme den richtigen zu finden. Unsere arabischen Nummernlesekünste waren nämlich leider so eingerostet, dass wir zum Entziffern viel zu lange brauchten und der Bus nach erfolgreichem Lösen des Nummernrätsels schon lange an uns vorbei war. Also suchten wir aus der Unmenge von Stadtbussen einfach den Sympathischten aus, von dem ein Ägypter meinte, der könnte dort hinfahren, wo wir hin wollen. Mit einmal Umsteigen klappte es auch und wir stiegen direkt vor den Pyramiden aus.
Da die Pyramiden von Giza das absolute Must-See einer jeden Ägyptenreise sind, ist es auch dementsprechend touristisch. Wir entkamen dem Ganzen aber relativ gut, indem wir einfach alle „You want a Camel ride?“ und „Horseride, mister?“ gekonnt ignorierten (in Indien haben wir diese Fähigkeit perfektioniert) und einfach zu Fuß das Riesenareal abstapften. Nachdem wir der Sphinx hallo gesagt hatten marschierten wir einfach ein bisschen raus in die Wüste um einen Gesamtüberblick von den Ruinen zu bekommen. Gott sei Dank sind der Großteil der Touristen solche Herdentiere, dass sie immer zusammen bleiben und man, nur ein bisschen Abseits der Horden seine heilige Ruhe hat. Es fühlte sich fast an, als hätten wir die gesamten Pyramiden nur für uns allein.
Zurück bei den Tourgruppenmassen stellten wir uns dann an, um in eine der Pyramiden reingehen zu können – Wenn wir schon mal da sind, dann wollen wir auch mal sehen, wie diese Riesengräber von innen aussehen. In einem engen Gang geht man gebückt mehrere hundert Meter ins Innere der Pyramide. Es ist stickig, eng, spärlich beleuchtet und drückend heiß...Nicht unbedingt die ideale Umgebung für Klaustrophobiker! Am Ende des langen Ganges kommt man dann endlich in die Grabkammer – einem großen Raum mit einem steinernen Sarkophag, sonst nichts. (Alles was da einmal gewesen ist, ist jetzt im ägyptischen Museum ausgestellt.) Es ist echt ein schräges Gefühl da mitten in dieser Kammer zu stehen und zu wissen, das man mitten in einer der riesigen Pyramiden von Ägypten steht...
Am Tag nach den Pyramiden sahen wir uns dann all die Schätze an, die die Archäologen in ihren Grabräuberfeldzügen erbeutet haben. Das ägyptische Museum ist ein gigantischer Komplex voller Statuen, Hieroglyphen, Mumien, Sarkophagen und allen möglichen Grabbeigaben (von feinstem Goldschmuck über Einrichtungsgegenstände bis hin zu 3000 Jahre altem Brot und Fleisch). Wir wanderten stundenlang durch die riesigen Hallen und sahen nur einen Bruchteil der Ausstellungsstücke. Einfach irre!
Nach 2 Tagen Intensivsightseeing in Kairo gönnten wir unseren müden Fussis aber wieder keine Erholung sondern latschten quer durch die Stadt zum berühmten Khan al-Khalili, dem Touristenbazaar und der angrenzenden islamischen Altstadt mit ihren unzähligen Moscheen und alten Koranschulen. – Wir boten Maureen wirklich das volle Touristenprogramm! Im Gegensatz zu den meisten Touristen kriegte sie jedoch keine klimatisierten Busse und Lunchstopps in überteuerten Restaurants, sondern stinkende Stadtbusse und billige Straßensnacks. Ist zwar vielleicht nicht ganz so komfortabel, dafür aber ein Stück „echtes Ägypten“ ...besonders, wenn man jeden anstrengenden Sightseeing- Tag in einem der vielen, kleinen Straßencafés bei Tee und Shisha ausklingen lässt...
Von Kairo wollten wir runter nach Luxor und da auf dieser Strecke ein Zug verkehrt zogen wir den natürlich den ungemütlichen Bussen vor. Leider wurde daraus nix, weil es für Touristen nicht nur extra Regeln sondern auch noch extra Preise gibt. Von den Regeln wussten wir schon und damit hätten wir leben können, aber dass wir für den in Ägypten ohnehin teuren Zug auch noch das doppelte zahlen sollten, sahen wir nicht ein! Auf der Website von Egypt Railways fanden wir die normalen Preise und gingen davon aus dass wir die auch kriegen würden. Am Ticketschalter am Bahnhof staunten wir nicht schlecht, als uns der Kassierer nicht nur keine 2.Klasse-Tickets verkaufen wollte sondern auch noch für die 1.Klasse statt 90 Pfund 167 Pfund wollte. So nett Ägypter sind, aber manchmal kommt man sich hier echt vor wie eine wandelnde Geldbörse!
Wir ließen das ganze dann und nahmen für 90 Pfund einen VIP Bus nach Luxor.
Nach 2 Monaten im lauten, heißen, hektischen und dreckigen Tiefland Indiens sehnten wir uns nach etwas Abwechslung. Deshalb verzogen wir uns in die kühleren Berge im Nordwesten des Landes. Mit Dharamsala begaben wir uns mitten rein ins buddhistische Zentrum Indiens - dem Sitz der tibetischen Regierung im Exil und dem Zuhause von seiner Heiligkeit dem 14. Dalai Lama. Wir hatten uns wirklich eine Flucht aus Indien erhofft...und wurden enttäuscht! Es war zwar wirklich bedeutend kühler und etwas buddhistischer (sprich friedlicher), aber immer noch laut, chaotisch und dreckig !!!HUPHUP!!! Dem kann man in Indien wahrscheinlich fast nicht entkommen – Wo Straße, da HUP! Wo Leute, da Dreck! Dharamsala bildet da keine Ausnahme. Das einzige woran man Dahramsala von anderen indischen Städten unterscheiden kann, sind die vielen Mönche in ihren weinroten Roben, die das Stadtbild aufpeppen. Nach der Besetzung Tibets durch China musste der Dalai Lama 1959 aus Sicherheitsgründen nach Indien fliehen. Seitdem lebt und residiert er hier. Ihm sind viele Exiltibeter gefolgt und haben sich hier niedergelassen. Dharamsala ist nun ein Zentrum der tibetischen Kultur, die hier wieder auflebt, nachdem sie in Tibet von den Chinesen jahrzehntelang unterdrückt und zerstört worden ist (und immer noch wird).
Hier trafen wir uns auch wieder mit Shalabh, einem Inder, den wir beim Trekken in Nepal kennen gelernt haben. Shalabh ist seit nun ca. 10 Monaten fast permanent am trekken im Himalaya. Zu unserem Glück plante er gerade wieder einen Hike und nahm uns mit - 5 Tage in der Natur, weit ab von herkömmlichen Trekkingrouten, weg von jeglicher Zivilisation, zu entlegenen Seen, über einen Pass mit ca. 4200m – genau das was wir wieder einmal brauchten! Nach 2 Monaten im landschaftlich eher langweiligen Tiefland hatten wir richtige Natur-Entzugserscheinungen! Der Trek war wirklich toll. Wir hatten zwar etwas viel Regen und wurden bei einem Sturm auf 3000m fast mit unserem Zelt davongewachelt, aber sonst war es echt cool! Es tat echt gut wieder mal raus zu kommen – Wirklich unberührte Natur hat man in Indien nicht so oft! Und wir machten eine erstaunliche Entdeckung: Die Vegetation in diesem Teil des Himalayas auf 2500m ist sehr ähnlich wie die in Österreich. Es war echt unglaublich, wie viele Pflanzen wir kannten: Löwenzahn, Klee, Spitzwegerich, Sauerampfer, Schafgarbe, Bärentatzen, Sumpfdotterblumen, Hänsel und Gretel, Vergissmeinnicht,... Da kriegten wir echt fast Heimweh...
Nach dem Trek verbrachten wir den Großteil unserer Zeit mit Extrem-Ausspanning und Indien-Vermeiding. Eigentlich wollten wir ja ursprünglich noch nach Rishikesh, der Yogahauptstadt Indiens, aber irgendwie hatten wir genug von Indien und so saßen wir unsere verbleibende Zeit aus und entspannten, genossen das gute, nicht scharfe, tibetische Essen und ließen uns von den ersten Monsunschauern einwascheln. Dieses Sauwetter war wahrscheinlich auch der Grund für die leichte Verkühlung, die sich Kevin zuzog. Bei einer besonders ausgiebigen Schneuz-Session, schaffte er es, so einen Überdruck in seinem Kopf zusammenzubringen, dass er sein Innenohr beleidigte. Das resultierte in massiven Gleichgewichtsstörungen, Übelkeit und Taubheit am linken Ohr. Da das ganze nach 2 Tagen noch nicht besser geworden war und wir von einem mexikanischen Telefon-Joker-HNO-Arzt (Vater eines Freundes) erfahren hatten, dass es sich um eine ernstzunehmende Entzündung handeln könnte, mussten wir so schnell wie möglich ins nächste gute Krankenhaus. Da man indischer Gesundheitsversorgung generell aber nicht trauen kann (und schon gar nicht auf dem Land), entschieden wir uns für eine Notevakuierung in ein Krankenhaus im 12 Stunden entfernten Delhi. Die Busfahrt war Hölle – Kevin war so schon reisekrank - auf jeden Fall vermittelte ihm das sein Gleichgewichtsorgan und er hatte permanent, auch im Ruhezustand, das Gefühl in einem Bus auf einer kurvigen Bergstrecke zu sitzen. Als er dann tatsächlich im Bus durch die Berge kurvte verdoppelte sich der Effekt nur noch – mit einem Wort: kotzübelspeigrausschlechtwäh! In Delhi angekommen ging es gleich ins Krankenhaus. Zum Glück stellte sich heraus, dass sich das Innenohr nicht entzunden hatte, sondern nur eine mechanische Irritation vorlag. Der Doc verschrieb ihm ein paar Tabletten gegen Schwindel und Tinitus und meinte, dass das Ganze in einigen Wochen wieder vorüber sein müsste. Unserem Flug nach Ägypten stand also nichts mehr im Weg. Wir saßen die letzten paar Tage in Indien aus, erledigten letzte Einkäufe und schickten noch ein Packl nach Österreich. Am 12.07. ging es dann endlich nach Ägypten! Good bye Shiva, Helllloooo Allah!
Der Goldende Tempel von Amritsar ist der heiligste Tempel der Sikhs. Wir wussten nicht so recht was wir zu erwarten hatten. Dass der Tempel an sich faszinierend und wunderschön ist war klar, aber über Sikhismus und die Mentalität der Sikhs hatten wir schon so viele unterschiedliche Dinge gehört...Von gastfreundlich, offen und anderen Religionen gegenüber tolerant bis schwer bewaffnet den Glauben verteidigend und feindselig allen anders gläubigen gegenüber war alles dabei. Davon mussten wir uns einfach selber ein Bild machen. Wir fuhren einfach mal hin und ließen uns überraschen.
Da die meisten wahrscheinlich nicht viel über Sikhismus wissen – hier mal eine kurze Zusammenfassung: Gegründet wurde die Religion im 15. Jhd in Punjab von Guru Nanak. Er betonte die Einheit der Schöpfung und predigte die Abkehr von „Aberglauben“, traditionellen religiösen Riten und sozialer Hierarchisierung entlang Religion, Herkunft und Geschlecht. Damit setzte er sich in einem vom Hinduismus und Islam dominierten Gebiet natürlich in ein Wespennest. Diese Ideen gefielen diesen beiden Religionen nämlich gar nicht und so wurden die Sikhs seit jeher unterdrückt und für ihren Glauben verfolgt und mussten ihre Religion immer wieder verteidigen. Die oft gewalttätigen und blutigen „Bekehrungsversuche“ der Nachbarreligionen resultierten in einer Verehrung und Verherrlichung des Märtyrertums und einer starken Ideologie den eigenen Glauben, wenn es sein muss auch mit der Waffe, zu verteidigen. Leider ist der Sikhismus hauptsächlich dafür bekannt und nicht für andere Grundlagen der Religion, die friedliches miteinander Auskommen, Gastfreundschaft und Gleichberechtigung betonen. Folgende Beschreibung des Sikhismus, die wir gefunden haben trifft es eigentlich ganz gut:
„Als Eckpfeiler des Sikh-Seins gelten ein sozial ausgerichtetes Familienleben, der ehrliche Verdienst des Lebensunterhaltes sowie lebenslange spirituelle Entwicklung. Der Dienst an Mitmenschen sowie das Bemühen um Beseitigung sozialer Ungerechtigkeiten werden als wichtige Form der Gotteshingabe angesehen. Frauen und Männern wird eine gleichberechtigte Rolle mit gleichen Rechten und Pflichten zugesprochen. Hingegen werden Rituale, Pilgerfahrten, die Wiederholung von Mantren oder eines bestimmten Namens für Gott sowie die Ausübung von spezifischen Yoga- und Meditationstechniken für eine tiefgehende religiöse Haltung als unwichtig eingestuft. Aberglaube, Okkultismus, Asketentum, religiöses Spezialistentum– wozu auch Priester gerechnet werden– das Mönchs- und Nonnentum sowie Mittler zwischen dem Menschen und dem Schöpfer werden abgelehnt, da jedem Menschen das Potenzial zugesprochen wird, das Göttliche direkt in sich selbst und im Alltag mit Anderen zu erfahren“ (vgl. Wikipedia, 17.07.2010)
Unser erster Eindruck von Amritsar und dem Sikhismus war auf jeden Fall ein sehr positiver: gratis Schlafmöglichkeit in der Tempelunterkunft, gratis Tempeleintritt, für alle Religionen offen, gratis Essen in der Tempelküche und wirklich freundliche Leute! Der Tempel selbst übertraf auch alle Erwartungen. Der in der Sonne fast leuchtende goldene Tempel steht in der Mitte eines großen künstlichen Teichs. Nur eine lange Brücke verbindet ihn mit dem „Festland“. Um wirklich IN den Tempel zu kommen muss man sich ca. eine halbe Stunde mit hunderten anderen Pilgern anstellen, aber auch ein Spaziergang rund um den Teich ist faszinierend. Zu jeder Tageszeit wandern hunderte Menschen rund um den Teich, baden im heiligen Wasser (was im Gegensatz zu den heiligen Wassern des Ganges echt sauber ist), sitzen im Schatten und diskutieren oder schauen einfach nur den Fischen im Wasser zu. Den ganzen Tag werden die heiligen Gebete, die im Tempel gesungen werden live über Lautsprecher auf dem ganzen Gelände übertragen. Wir verbrachten jeden Tag viele Stunden am Tempelgelände, gingen spazieren, saßen gemütlich irgendwo im Schatten und unterhielten uns mit den unterschiedlichsten Menschen, posierten für Fotos und genossen die verkehrsfreie, saubere Umgebung (eine Seltenheit in Indien). Ein weiteres Highlight bei unserem Besuch in Amritsar war das „Langar“, die tempeleigene Ausspeisung. Täglich werden hier ca. 60 000 Gratismahlzeiten, die mit Spendengeldern bezahlt und von Freiwilligen zubereitet werden, ausgegeben. Jeder ist willkommen (zu essen und zu spenden) und es ist wirklich eine einzigartige Erfahrung mit den Pilgermassen am Boden zu sitzen und zu essen. Was uns besonders fasziniert hat ist, wie gut organisiert das Ganze war. Von der Tellerausgabe bis zum servieren des Essens (unaufhörlich laufen Freiwillige mit Essenskübeln und Schöpflöffel durch die Reihen) bis zum anschließenden einsammeln des Geschirrs. In Schüben werden die Pilger in unterschiedliche Speisesäle geführt und abgespeist. Nachdem diese Partie mit dem Essen fertig ist, wird schon wieder für die nächste vorbereitet....und das den ganzen Tag. Einfach irre! Alles in allem war unser Besuch in Amritsar wirklich lohnenswert. Der Goldene Tempel gehört eindeutig zu unseren Highlights in Indien!
Jaisalmer stellte sich als viel kleiner und gemütlicher als Jodhpur heraus. Die kleine Stadt mitten in der Wüste vermittelt fast so was wie ein Outpostfeeling. Auch hier gibt es ein enormes Fort, das über der Stadt thront. Im Unterschied zu Jodhpur ist dieses Fort jedoch noch zum Großteil bewohnt. Wenn man durch die kleinen Gassen der Stadt wandert fühlt man sich irgendwie in der Zeit zurückversetzt - Alte Havelis (Häuser reicher Geschäftsleute) mit ihren wunderschönen, fein verzierten Sandsteinfassaden drängen sich dicht an dicht, Kamele trotten durch die Straßen und Männer mit großen bunten Turbanen sitzen in alten Hauseingängen. Man kommt sich teilweise fast vor wie mitten in einem Märchen aus 1000 und 1 Nacht. Die meisten Touristen kommen nach Jaisalmer um eine Wüstensafari zu machen. Warum man aber genau hier eine Wüstentour machen sollte ist uns schleierhaft...Wir haben schon viele Wüsten gesehen und die rund um Jaisalmer gehört echt nicht zu den beeindruckendsten – weite sandige Ebenen mit spärlichem Grasbewuchs, kleine Dörfer und in der Trockenzeit brach liegende Felder. Mit Ägypten (und dem großen Sandhaufen namens Sahara) in Aussicht konnten wir auf diesen Kamelritt hier echt verzichten. Bei unserer Ankunft in Jaisalmer wurden wir gleich mal von einem Sandsturm begrüßt. Die ganze Stadt lag hinter einem graugelben Schleier aus feinstem Staub, der überall hineinkriecht und alles bedeckt. Unser Hotelzimmer war völlig eingestaubt. Es waren nicht nur alle Ablageflächen, der Boden und die Vorhänge völlig verstaubt, sondern auch die Leintücher, Fensterscheiben und sogar die Kloschüssel waren in eine dünne Staubschicht gehüllt – der Alptraum eines jeden Allergikers! Am nächsten Tag hörte der Sandsturm abrupt auf und wurde von einem, für diese Jahreszeit untypischen, Regen abgelöst. Das versetzte ganz Jaisalmer in Volksfeststimmung: es war angenehm kühl, der Staub wurde aufgewaschen und Kinder nutzten die Gelegenheit für einen lustigen Badespaß auf der Straße! Der nette Nieselregen ging aber bald in einen Schütter über, der für 2 Tage nicht aufhörte. In einer Stadt, die auf so ein Klima nicht ausgelegt ist hat das interessante Folgen. Durch unsere Zimmerdecke regnete es als hätte jemand die Dusche aufgedreht, ein Dorf in der Nähe von Jaisalmer stand 3 Meter unter Wasser, die Zugschienen wurden auf einem Streckenabschnitt weggespült und die Straßen waren teilweise so tief unter Wasser, dass ein wegkommen aus Jaisalmer unmöglich war. So saßen wir zwangsläufig in der Wüste fest – wegen Überflutungen!!! Gott sei Dank gibt es echt blödere Orte zum Festsitzen. Wir nutzten die Zeit und ließen uns neue Brillen machen. Maritas Brillenbügel war einige Wochen zuvor gebrochen und unsere Gläser waren nach 3 ½ Jahren nicht unbedingt schonender Behandlung ziemlich zerkratzt. So bekam Marita eine komplett neue Brille und Kevin neue Gläser für seine alte Brille – gut 70€ für ein Brillengestell und 2 Paar kratzfeste, antispiegelbeschichtete, ultraleichte Kunststoffgläser ist nicht schlecht, oder? Nach etwa einer Woche in Jaisalmer war die Straße wieder frei und wir konnten endlich weiterreisen – Nächster Stopp: der Goldene Tempel in Amritsar!
Nach Agra wollten wir weiter in den Wüstenstaat Rajastan. Wir hatten von vielen Leuten gehört, dass wir uns die mittelalterlichen Städte und die gigantischen Festungen nicht entgehen lassen sollten. Gleichtzeitig wurden wir aber auch gewarnt, dass gerade die Zeit vor dem Monsun die heißeste Zeit in der Wüste sei und es unmöglich wäre es dort auszuhalten. Wir hatten die 47ºC in Varanasi und Aurangabad überlebt, weswegen wir zuversichtlich waren es auch in Rajastan zu schaffen. Und es stellte sich als halb so schlimm heraus. Die Hitze hatte sogar einen eindeutigen Vorteil – touristisch war total tote Hose, was nicht nur die Unterkunftspreise niedrig hielt, sondern uns auch das Gefühl gab, die einzigen Weißnasen in ganz Rajastan zu sein... Als erstes fuhren wir in die berühmte blaue Stadt, Jodhpur. Hier hat es sich irgendwie eingebürgert die Häuser in einem netten himmelblau zu streichen, was einen echt hübschen Kontrast zum braun, gelb und grau der umliegenden Wüste bildet. Über der Stadt thront eine gigantische Festung. Wir hatten zwar vor, sie auch von innen zu besichtigen, die hohen Eintrittspreise und die Kreditkartenhinterlegung (traue keinem außer Mami, und die ist weit, weit weg!) für den im Eintrittspreis enthaltenen Audioguide hielten uns aber dann doch davon ab. Die hohen Eintrittspreise waren in Indien sowieso oft ein Grund für uns das Sightseeing-Programm zu spritzen. Wir sehen einfach nicht ein, dass wir für ein kleines Museum oder einen unbedeutenden Tempel 250Rs (4,4€) zahlen, während Inder für 10Rs (0,17€) reinkommen. Außer dem Fort hat Jodhpur nicht sonderlich viel zu bieten und auch die Futterlage stellte sich als schwierig heraus. Außer dem weltberühmten Omlette-Mann gab es im Umkreis von 2km von unserem Hotel kein günstiges Essen...und immer nur Omelettes ist auch langweilig. Zur Erklärung: der Omlette-Mann ist ein Typ, der draufgekommen ist, dass sich günstige Omlette-Sandwiches an Touristen besser verkaufen als die ewig gleichen indischen Curries. Irgendwie hat er es einmal in einen Lonely-Planet-Reiseführer geschafft und nun vermarktet er seine Eierflatschen mit Stolz und Begeisterung an internationale Touristen – inklusive laminierten Zeitungsausschnitten in unterschiedlichsten Sprachen und eigener Businesscard! Nachdem wir uns also an Omletten-Sandwiches abgegessen hatten, fuhren wir weiter nach Jaisalmer.
Kein Indienaufenthalt wäre komplett ohne den Besuch des Taj Mahals. Auch wir wollten uns diesen riesigen Marmorbau, der von vielen als das schönste Gebäude der Welt bezeichnet wird, nicht entgehen lassen. Wir kannten das Taj Mahal natürlich schon von vielen Bildern, Postern und Fotos, wo es immer irgendwie gleich hübsch, weiß und edel aussieht und erwarteten genau das zu sehen. Doch als wir dann wirklich davor standen... - WOW!!! So riesig, so prunkvoll und so erhaben KANN ein Gebäude eigentlich gar nicht sein! Das Taj Mahal wurde von Shah Jahan als Grabmal für seine zweite Frau erbaut, die bei der Geburt ihres 14. Kindes gestorben war. Der Bau des Taj Mahals dauerte 8 Jahre (wobei es 22 Jahre dauerte um die gesamte Anlage fertigzustellen). Kurz nachdem die Bauarbeiten abgeschlossen waren wurde Shah Jahan von seinem eigenen Sohn Aurangzeb gestürzt und im nahe gelegenen Agra Fort eingesperrt. Vom Fort aus sieht man auf das etwa 1,5km entfernte Taj Mahal. So konnte Shah Jahan wenigstens auf das Grabmal seiner Geliebten blicken...und das jeden Tag, bis zu seinem eigenen Tod. Jeder Inder kriegt einen verklärten Blick, wenn es ums Taj Mahal geht. Es ist für sie das romantischste Gebäude schlechthin – das Sinnbild für die wahre Liebe...Naja, ob man Liebe wirklich an der Größe des für den Geliebten errichteten Grabmals messen kann?... Für uns bleiben noch ein paar Fragen: Welches Grab hat Shah Jahan wohl für seine erste Frau gebaut? Was hat er bei der Erziehung seines Sohnes falsch gemacht? und Haben es die Bauarbeiter, die das Taj Mahal bauen mussten, wohl auch so romantisch gefunden?
Puducherry, oder Pondicherry, wie es zu Kolonialzeiten hieß, wird im Reiseführer als schöne französische Kolonialstadt beschrieben, die zwar all das hat, was zu einer indischen Stadt so dazugehört (Sprich: Lärm, Chaos, Dreck und viel zu viele Leute), aber immer noch ein ganz besonderes Flair besitzt. Die indische Stadt hatten wir gleich auf den ersten Blick gefunden...das Flair suchten wir vergebens. Es stehen zwar ein paar alte Kolonialbauten in der Gegend herum, aber die meisten von ihnen wurden einfach in teure Hotels oder Restaurants umgewandelt. Der Strand von Puducherry ist nichts Besonderes und Essen ließ sich auch kein vernünftiges auftreiben. Nach einem Tag Sightseeing (oder besser gesagt Sights suchen und nicht finden) fuhren wir weiter ins nahe gelegene Mamallapuram. In diesem kleinen Nest gibt es zwar auch nicht viel zu sehen oder zu tun, aber es ist wenigstens ruhig und günstig. Eigentlich hätten 2 Tage für diese kleine Ortschaft völlig ausgereicht, aber da im Moment Ferien in Indien sind und die Züge schon Wochen im Vorhinein ausgebucht sind, mussten wir uns das Ticket von Chennai (nahe Mamallapuram) nach Agra (im Norden, am anderen Ende von Indien) schon in Hampi checken. Da wir uns dort mit der Reiseplanung etwas verschätzt hatten, bzw. für einige der Stopps mehr Zeit als nötig eingeplant hatten, hatten wir 6 Tage zum Todsitzen. Aber es gibt sicher noch blödere Orte dafür als Mamallapuram. Wir hatten ein nettes Zimmer in einer privaten Lehmhütte außerhalb des Ortes, wo wir nach den vorhergegangenen anstrengenden Reisetagen so richtig ausspannen konnten. Wir verbrachten unsere Tage mit nichts tun, spazieren gehen und der Besichtigung der umliegenden Tempel (die nach denen von Hampi wirklich mickrig wirkten). An einem Tag fuhren wir zur nahe gelegenen „Crocodile Bank“, einer Aufzuchtsstation für Krokodile, Gaviale und andere Panzerechsen aus der ganzen Welt. Nachdem wir die 6 Tage rumgebogen hatten ging es mit dem Bus nach Chennai. Von dort nahmen wir einen Zug einmal quer durch Indien, nach Agra im Norden des Landes – 31 Stunden im Zug, über 2000km Strecke...für knappe 9 Euro pro Person! In Indien ist Zugfahren echt leistbar...
Indien ist ein Land, in dem Gegensätze oft unmittelbar aufeinander treffen - verschiedene Religionen, unterschiedliche Traditionen und komplett gegensätzliche Kulturen. Immer wieder stolpert man von einer Welt direkt in die nächste. Wir hatten genau so einen Religions- und Kultursprung als wir nach dem Besuch im Ashram direkt nach Tiruvannamalai zu einem Hindutempel fuhren, in dem Shiva als brennender Lingam (Phallus) verehrt wird. In Tiruvannamalai, einer der 5 wichtigsten Shiva-Städte, wird dieser Gott in seiner Feuerinkarnation verehrt. Das besondere an der gigantischen Tempelanlage ist nicht nur ihre Größe (ein Tempelgelände von 10 Hektar ist nicht zu verachten), sondern auch die Tatsache, dass das einer der wenigen Tempel in Indien ist, bei dem man auch als Nicht-Hindu bis ins allerheiligste Tempelinnere darf. Und dann beinhaltet das auch noch einen ewig brennenden Phallus – Das mussten wir uns ja einfach ansehen! Wir kamen im strömenden Regen in Tiruvannamalai an - einer der ersten Vorboten des Monsuns, der Ende Mai das Festland von Indien erreichen und sich dann langsam von Süden nach Norden arbeiten wird. Da es einer der ersten Regengüsse der Saison war, wusch er die Straßen mal kräftig auf und alles, was sich da in den letzten Monaten an Dreck, Urin, Fäkalien, Müll und Co angesammelt hatte lief in einer dunkelbraunen Suppe knöcheltief die Straßen hinunter – Waren wir froh in diesem Moment in einer Motor-Riksha zu sitzen! Als wir am nächsten Morgen den Tempel besichtigten regnete es noch immer leicht, was der ganzen Anlage ein besonders schräges Flair gab. Der Tempel ist konzentrisch aufgebaut – je tiefer man hineingeht, umso heiliger wird es. Im ersten Ring kämpfen noch Verkäufer und Bettler um die Aufmerksamkeit der Tempelgeher, aber je weiter man, über Gänge, Korridore und kleine Plätze ins Tempelinnere vordringt umso mystischer wird die Stimmung. Im innersten Tempel, dort wo der Lingam brennt, muss man sich dann in einer langen Schlange anstellen, um dann letztendlich einen kurzen Blick darauf erhaschen zu können. In diesen verrauchten, von Ruß und Räucherwerk geschwärzten Hallen befindet man sich in einer fremden Welt. Der Steinboden ist blank poliert von abertausenden Pilgern, zu den Füßen der Statuen liegt weißes Pulver, oder Asche, das sich die Gläubigen auf die Stirn drücken, kein Sonnenstrahl ist je in das tiefste Innere des Tempel vorgedrungen und die Hitze der Flammen in den engen Kammern ist erdrückend. Wir kamen uns vor wie Besucher in einer völlig anderen Zeit, wie Zeugen eines alten, längst ausgestorbenen Kults mit geheimnisvollen Ritualen und Göttern....Und im Grunde ist es eigentlich nur ganz normaler Hinduismus, wie er von Millionen von Menschen jeden Tag praktiziert wird, nur dass du das als Tourist meist nicht zu sehen bekommst. Der Feuerlingam war übrigens nicht so spektakulär...die Tempelstimmung wars aber allemal wert hier einen Zwischenstopp einzulegen.
Keine Indienreise wäre komplett, ohne den Besuch in einem Ashram. Und welcher Ashram bietet sich dazu mehr an, als der von Sathya Sai Baba, dem wohl berühmtesten und umstrittensten Guru in Indien. Wir wussten zwar weder wie es genau in einem Ashram abläuft, noch was jetzt die eigentliche Lehre von Sai Baba ist, aber im Reiseführer hatte das ganze ziemlich unproblematisch und einfach geklungen. Schon auf der Busfahrt nach Puttaparthi, einem kleinen Nest 4 Stunden nördlich von Bengaluru (Bangalore), wurden wir auf Sai Baba vorbereitet. Bereits eine Busstunde vor dem Ashram lachte sein Gesicht von praktisch jeder Plakatwand und Slogans seiner Lehre wie: „Love ever, hurt never!“ zierten Häuserwände, Strommasten und Felsbrocken am Straßenrand. Was im Reiseführer wie „hinkommen, Zimmer checken und einfach Ashram anschauen“ geklungen hatte, stellte sich als etwas schwieriger heraus. Schon beim Eingang mussten wir durch eine strenge Sicherheitskontrolle inklusive Metalldetektor. Danach war es gar nicht so einfach auf dem riesigen Gelände jenes Gebäude zu finden, das die Unterkünfte für ausländische Sai Baba-Anhänger vergibt. Und Informationen über Tagesablauf oder Ashramregeln zu bekommen war praktisch unmöglich. Wir verbrachten den gesamten ersten Tag damit, die riesige Anlage des Ashrams zu erkunden und über die Menschenmassen zu staunen, die sich zum täglichen Darshan (Massenaudienz mit Sai Baba) in der gigantischen Halle versammeln. Am Abend statteten wir uns im ashrameigenen Buchgeschäft mit Literatur über Sai Baba aus – Wenn wir schon hier sind, sollten wir auch wissen, worum es in seiner Lehre geht. Das was wir bis dahin wussten, ergab noch nicht sehr viel Sinn und widersprach sich oft ziemlich mit dem Verhalten, dass die Leute im Ashram an den Tag legten. Dieser offensichtliche Widerspruch wurde auch nach dem genaueren Befassen mit seiner Message nicht unbedingt weniger. Grundsätzlich kann man die Lehre Sai Babas (so wie wir sie verstanden haben) wie folgt zusammenfassen: Jeder Mensch braucht Religion/Spiritualität. Es ist gleich welcher Religion du angehörst, da alle im Grunde die gleiche Message haben – die der Liebe. Es gibt nur eine große göttliche Kraft, die Kraft der Liebe. Er selbst ist die Verkörperung dieser Liebe. Deshalb sollst du ihn anbeten. Liebe durchdringt alles und alles ist Liebe und da Liebe göttlich ist, bist du auch Gott, genauso wie Sai Baba selbst. Ziel ist es diese alles umfassende Einheit zu erkennen und dein Ego völlig aufzugeben. Da er dir diesen Weg zeigt musst du ihn anbeten....oder so ähnlich. (Es kann natürlich sein, dass wir mit unserer Interpretation des Ganzen völlig falsch liegen. Es soll sich also hier keiner angegriffen fühlen, der seine Lehre anders versteht) Im Praktischen soll das so aussehen, dass man diese Liebe wahr nimmt und auch andere mit dieser Liebe behandelt. Slogans wie „Help ever, hurt never!“ kann man überall (auf Baseballcaps, T-shirts, Plakaten,...) am Ashramgelände lesen. Wir waren echt überrascht, wie wenig diese theoretische Message im Ashram in die Praxis umgesetzt wurde. Grundsätzlich ist es ja eine sehr ähnliche Lehre wie die, die wir im Kloster in Thailand gelernt hatten, nur dass wir dort das Gefühl hatten, dass es die Leute dort wirklich leben. Im Ashram von Sai Baba entdeckten wir mehr Unruhe, Neid und Unzufriedenheit als Liebe und Frieden. Besonders die Anhänger aus der westlichen Welt waren ein Schock für uns – so viele verhärmte, unzufriedene, z´wider dreinschauende Esofuzzis! Wir gaben Sai Baba noch eine letzte Chance uns zu überzeugen und gingen am nächsten Abend zum Darshan, wo er sich normalerweise zeigt um seine Liebe zu verbreiten. Wir hatten schon in Thailand von einer anderen Retreat-Teilnehmerin gehört was für eine wunderbare Ausstrahlung er hat und wie sich die Energie in der Menschenmenge ändert, sobald er die Halle betritt. Erst warteten wir mal eine gute Stunde, während Helfer des Ashrams Wasser austeilten und die Leute davon abzuhalten versuchten sich noch in die schon besetzten vorderen Reihen zu quetschen. Als Sai Baba dann aber endlich auf seinem Rollstuhl-Thron sitzend in die Halle geschoben wurde, war sämtliche Ordnung beim Teufel. Alle drängten, schubsten und rempelten nach vorne um einen Blick auf den großen Guru zu werfen (obwohl jeder etwas gesehen hätte, wären alle ruhig auf ihrem Platz sitzen geblieben). Also von der großen Liebe spürten wir da nicht viel! Und auch das Ego, das man eigentlich loslassen sollte nahm wieder überhand – ICH muss ihn sehen, ICH muss erlöst werden, ICH, ICH, ICH!!! Auch in Sai Baba sahen wir nur einen alten Mann mit schräger Afro-Frisur und nicht die Mensch gewordene Gottheit... Aber auch wenn diese ganze Ashram- und Verehrungsmasche nicht ganz so unser Ding ist, konnten wir trotzdem ein paar ganz nette Ideen und Denkanstöße aus Puttaparthi mitnehmen.
Wir hatten schon vom vielen Reisenden gehört, dass Hampi ein Pflichtstopp bei jedem Indienaufenthalt ist – geniale Landschaft, alte Tempel und gemütliche Atmosphäre...Und genau das fanden wir vor, nur dass es unsere Vorstellungen bei weitem übertraf. Die Landschaft rund um Hampi ist voller riesiger Boulder, die sich neben-, in- und übereinander stapeln. Oft scheint es, als wäre hier mal ein Riese durchgekommen und hätte aus purem Spass die Steine übereinander geschlichtet. Oft balanciert ein riesiger Findling auf einem anderen und man fragt sich wie das möglich ist, dass der nicht schon längst heruntergefallen ist. Zu dieser bizarren Landschaft kommen dann noch die vielen Tempel, die in der Umgebung verstreut sind. Manchmal sind es riesige Anlagen, meist aber nur kleine, einfache Bauten, mitten zwischen den Bouldern und manchmal sogar darauf. Wir wanderten stundenlang in der Affenhitze umher, kletterten und hüpften von Boulder zu Boulder, nur um wieder einen neuen versteckten Tempel zu finden. Auch Hampi selbst war für uns eine positive Überraschung – ein kleines Dorf mit freundlichen Leuten, günstigem Essen und relaxtem Flair. Hätten wir nicht nur 3 Monate für ganz Indien, wären wir in Hampi sicher noch etwas länger geblieben. So mussten wir „schon“ nach 6 Tagen unsere Rucksäcke packen und weiterreisen.
Wir hätten eigentlich vorgehabt in Palolem 2-3 Tage zu bleiben und dann weiter zu reisen, aber wieder einmal kam es anders. An einem benachbarten Strand wurde gerade ein großer Bollywood-Blockbuster gedreht und sie suchten noch „Westerners“ als Statisten. Und das Angebot da mal mitzuarbeiten klang echt verlockend: den ganzen Tag am Privatstrand einer Luxushotelanlage im Schatten herum hängen und ab und zu durchs Bild laufen, Frühstück und Mittagessen gratis und Wasser und Tee so viel man mag. Dazu gibt’s noch pro Person 1000 Rs pro Tag (ein durchschnittlicher Inder verdient etwa 150 Rs am Tag). Wir hatten in den letzten 3 ½ Jahren nicht oft die Möglichkeit gehabt Geld zu verdienen und schon gar nicht auf so gemütliche Art und Weise. Außerdem gehört es zu einem richtigen Indienaufenthalt ja fast dazu, einmal hinter die Kulissen der riesigen Bollywood-Filmindustrie geblickt zu haben. An unserem ersten „Arbeitstag“ waren wir noch etwas skeptisch, ob die ganzen Versprechen auch eingehalten werden würden. Wir haben schon Geschichten von anderen Reisenden gehört, die so was ähnliches in Mumbai, dem Zentrum der indischen Filmindustrie, gemacht hatten und den ganzen Tag ohne Wasser und Essen in der Hitze standen. Aber wir wurden echt überrascht. Der Strand war wirklich wunderschön, mit vielen Schatten spendenden Sonnenschirmen (so einen Luxus haben wir am Strand sonst nie, da man für die Dinger meist zahlen muss) und die Verpflegung war erstklassig. An einem der schönsten Stränden Indiens im Schatten liegen, Chai schlürfen und kaltes Wasser serviert kriegen – so lassen wir uns Geld verdienen echt einreden. Naja, gelegentlich mussten wir schon auch wirklich was tun. In jeder Szene, die gedreht wurde, brauchten sie Leute, die im Hintergrund durchs Bild laufen. Wir wurden mit quietschbunten Luftmatratzen, Schwimmreifen und Paddel dekoriert und dann auf Kommando durchs Bild geschickt. Gemeinsam mit uns taten das zeitgleich auf den ganzen Strand verteilt noch etwa 150 andere Statisten – die Weißnasen im Vordergrund, die Inder etwas weiter hinten um den Strand zu füllen. Es gibt zwar wahrscheinlich keinen einzigen echten Strand an dem zeitgleich so viele Menschen im Zickzack wild durcheinander spazieren, aber in Bollywood geht es eben nicht immer darum, dass alles realistisch ist – Hauptsache bunt und glamourös! Wir hatten am ersten Tag so viel Spaß (und 2000 Rs mehr in der Tasche), dass wir gleich noch einen dran hängten und dann noch einen und noch einen. Mit der Zeit waren wir schon voll die alten Hasen am Set und der Statisteneinweisertyp stellte uns immer ganz vorne hin, in die Nähe der Kamera, weil wir bei Kommandos wie „Start sound“ oder „Back to one“ wussten was zu tun war. Vielleicht war es aber auch Kevins Frisur, die der Regisseur im Bild haben wollte, wer weiß? In den vier Tagen am Set liefen wir so oft im Hintergrund durchs Bild, dass die Chancen gar nicht so schlecht stehen, dass ihr uns im Herbst in „Golmaal 3“ im Kino sehen könnt (falls ihr zu dieser Zeit gerade in Indien sein solltet...sonst gibt’s den Film sicher auch auf DVD). Es war wirklich interessant mal zu sehen, wie so ein Filmdreh abläuft. Bollywood- Produktionen haben mit Sicherheit ein viel knapperes Budget als die Filme, die in Hollywood gedreht werden, (auch wenn die Zuschauerzahlen oft vergleichbar sind) die Stars hier in Indien sind aber mit Sicherheit um einiges gemütlicher. Bei diesem Film spielten einige der größten Stars von Indien mit. Bollywood-unwissend wie wir sind, erkannten wir sie nur als solche, da sie immer einen privaten Sonnenschirmhalter hatten und in Plastiksesseln sitzen durften. Sie waren aber keineswegs so abgehoben, wie man es von Hollywoodstars kennt. Bis auf die etwas hochnäsige Hauptdarstellerin, die private Assistenten und sogar Bodyguards hatte, waren sie eigentlich alle ganz gemütlich und locker und es war auch kein Problem mal mit ihnen kurz zu reden oder ein Foto von ihnen zu machen. Einer der Hauptdarsteller lief selbst immer mit seiner Kamera am Set herum und fotografierte alles mögliche, von Dreharbeiten bis Schauspielkollegen. Einmal, als Marita im Schatten ausspannte, kam er her und veranstaltete ein Fotoshooting mit ihr, dann mit Kevin, dann mit uns beiden...Es ist schon ein komisches Gefühl, wenn der Star eines Films plötzlich dich fotografiert – irgendwie verkehrte Welt... Naja, Inder fotografieren uns generell gerne - warum sollte ein Filmstar eine Ausnahme bilden? Normale Inder auf Urlaub fotografieren uns mit einer Handykamera und er halt mit einer 10.000 US$ Spiegelreflex. Nach 4 Tagen am Set hatten wir aber genug Sonne, Stars und Sand und fuhren um insgesamt 8000Rs (ca.140€) reicher weiter ins Landesinnere – nach Hampi.
Nach fast 3 Monaten in Nepal und nun schon über einer Woche in der premonsunalen Hitze Indiens freuten wir uns echt wieder mal auf Strand und Meer. Und da Goa angeblich einige der schönsten Strände Indiens haben soll, hofften wir auf ein paar paradiesische Tage unter Kokospalmen. Als erstes steuerten wir die kleinen Ortschaft Arambol im Norden Goas an. Dort angekommen mussten wir fast nochmal im Reiseführer nachschauen, ob wir wirklich im richtigen Nest waren. Was wir vorfanden entsprach nämlich nicht exakt dem Bild, das wir nach dem Reiseführerlesen hatten... Das „vibrierende Backpackerzentrum“ war eine kleine hässliche Strandortschaft und der „paradiesische Strand“ war ein breiter dreckiger Sandstreifen, auf dem sich mehr streunende Hunde und Kühe als Menschen tummelten... Das Meer ist eine braune, tosende Suppe, die zum Baden zu gefährlich ist... Irgendwie hatten wir uns das berühmte, tropische Goa etwas anderes vorgestellt! Mag sein, dass es in der Touristensaison schöner ist, aber vom Wort „paradiesisch“ ist Arambol etwa soweit entfernt wie ein Nordseestrand. Wir machten das Beste draus und nutzten die Vorteile der Nebensaison – im Luxuszimmer zum Spottpreis lässt es sich auch ganz gut ausspannen... Nach ein paar Tagen wurde uns das aber zu fad und wir fuhren weiter nach Panaji. Eigentlich wollten wir uns in den beiden ehemals portugiesischen Städten Old Goa und Panaji wieder etwas Kulturprogramm geben, aber da sich keine vernünftige Unterkunft auftreiben ließ und wir portugiesische Kolonialstädte schon aus Südamerika kennen, änderten wir wiedermal spontan unsere Reisepläne und fuhren weiter nach Palolem, im Süden Goas. Die angeblich schönste Strandortschaft Goas erwies sich als positive Überraschung. Palolem selbst ist zwar auch nix besonderes, aber der Strand kann sich tatsächlich sehen lassen – eine weite Bucht, umringt von Kokospalmen und einem goldenen Sandstreifen. Hier gefiel es uns schon besser und dank der Nebensaison ließ sich auch in Palolem ein Zimmer auftreiben das normalerweise nicht unserem Budget entsprechen würde (200Rs statt 500Rs). Endlich konnten wir wieder mal Sonne, Meer und Strand so richtig genießen!
Die Kombination der Worte „Zug“ und „Spezial“ bedeutet in manchen Ländern, dass dieser Zug besonders schnell, besonders luxuriös oder die Strecke besonders schön ist. Wie wir bei der Fahrt nach Jalgaon lernten ist das in Indien anders... Hier ist ein Spezialzug ein Zug, der zusätzlich zum regulären Zugverkehr unterwegs ist und darum nur dann auf die Strecke darf, wenn gerade kein anderer Zug darauf unterwegs ist. In einem Land das täglich 18 bis 20 Mio.! Leute und zusätzlich noch unzählige Tonnen an Gütern transportiert heißt das: viiiieeeel WARTEN! Für eine Zugfahrt, die laut Fahrplan 20 Stunden dauern sollte brauchten wir 34! Als wir um 2 Uhr früh (geplante Ankunft wäre 11 Uhr Vormittags gewesen) völlig fertig, dreckig, verschwitzt und stinkend in Jalgaon ausstiegen wollten wir nur noch duschen und dann schlafen. Nach 5 Stunden Schlaf fuhren wir mit dem Bus direkt nach Ajanta. Hier entstanden zwischen dem 3. Jhd. v. Chr. und dem 6. Jhd. n. Chr. unzählige Klöster und Tempel. Das besondere daran ist, dass diese direkt aus einer Felswand heraus gehauen worden sind - Riesige Hallen, wunderschön verzierte Säulen und enorme, fein gearbeitete Statuen...alles aus einem Stück Fels heraus gemeißelt. So faszinierend die Höhlen waren, so ermüdend war die Hitze, die zu dieser Jahreszeit das Landesinnere von Indien lahmlegt. Nach einem ganzen Tag Busfahren und Sightseeing hatte es Marita sämtliche Kühlsystemsicherungen geputzt und sie lag am Abend mit dröhnendem Schädel und Fieber im Bett. So musste Kevin am nächsten Tag alleine zu den benachbarten Höhlen von Ellora fahren. Sie sind auch, genau wie die Höhlen in Ajanta, aus dem nackten Fels gehauen. Es gibt hier Tempelhöhlen von 3 verschiedenen Religionen - 12 buddhistische, 17 hinduistische und 5 Jain (religiöse Abspaltung vom Hinduismus ähnlich dem Buddhismus). Die Höhlen hier sind aber viel jünger. Als im 6. Jhd. n. Chr. die Bedeutung des Buddhismus in dieser Gegend nachließ, wurde Ajanta verlassen und an seiner Stelle begannen im nahe gelegenen Ellora die Tempel und Klöster zu wachsen. Während die buddhistischen Höhlen hier noch sehr simpel sind, sind die hinduistischen teils riesige freistehende, aus einem Stück Fels gehauene Tempel mit kunstvollen Verzierungen und Statuen. Schon irre was man aus einem Stück Fels alles machen kann...einfach nur all das weg meißeln, das nicht nach Tempel aussieht... Nach zwei Tagen Sightseeing hintereinander im indischen Brotbackofenklima war nun Kevin nahe am Hitzschlag. Während sich Maritas körpereigenes Kühlsystem wieder halbwegs stabilisiert hatte, begann nun Kevin zu fiebern – Fast 40 Grad Fieber bei 46 Grad Außentemperatur sind echt nicht lustig...und das in einem der grindigsten Hostels auf der ganzen Reise! Aber mit ein paar Tagen Bettruhe und vielen nassen Tüchern kriegten wir ihn bald wieder fieberfrei und konnten weiterfahren nach Goa.
Wir starteten unseren Indienaufenthalt gleich mit der vollen Indiendröhnung - Tempel, Verkehrschaos, Pilgermassen, Chillum rauchende Yogis, heilige Kühe, hinduistische Rituale mit viel Rauch und Feuer, Badespass mit brennenden Leichen gleich daneben,... - Willkommen in Varanasi, der heiligsten Stadt am Ganges!!! Nach hinduistischem Glauben ist das Wasser des Ganges heilig und ein Bad darin wäscht sämtliche Sünden ab. Außerdem wird man, wenn man nach dem Tod an den Ufern des Ganges verbrannt wird, vom Wiedergeburtenkreislauf befreit. So viel Heiligkeit garantiert in Indien auch ganz viel Action – am Flussufers des Ganges ist immer was los! Tausende Pilger waschen sich täglich im völlig verschmutzten Wasser (Zu Industriemüll und Abwässern, die ungefiltert in den Ganges fließen kommen noch Opfergaben und die Asche (und teils unverbrannte Körperteile) der Verstorbenen dazu). Sie trinken es sogar, da das Gangeswasser auch heilende Fähigkeiten besitzen soll. Obwohl wir ja sonst mal gerne lokale Gepflogenheiten ausprobieren, hielten wir uns diesmal zurück, verzichteten auf Durchfall, Hautausschlag und Co und beobachteten das bunte Treiben nur. Während das Bad im Ganges für manche eine hoch heilige, ernste Angelegenheit mit unzähligen Ritualen ist, sehen es andere als Wasserspaß mit heiligen Nebenwirkungen und es herrscht teils ausgelassene Badeseestimmung. Wenige Meter neben den Badenden werden am Ufer die Toten verbrannt. Nachdem die Verstorbenen kurz in den heiligen Fluss getaucht wurden, werden sie auf einen offenen, genau abgewogenen Scheiterhaufen (Gewicht und Qualität des Holzes bestimmen den Preis der Bestattung) gelegt und verbrannt. Ihre Asche wird (nachdem das Gold von Zähnen und Schmuck heraus gewaschen worden ist) dann in den Ganges gestreut. Da diese Art des Ablebens nach hinduistischem Glauben den Austritt aus dem Wiedergeburtenkreislauf garantiert kommen viele Leute aus ganz Indien hierher um zu sterben. Es gibt eigene Sterbehäuser in Varanasi, die die Menschen in ihren letzten Tagen beherbergen und dann für sie die Bestattung arrangieren. Einen menschlichen Körper auf einem offenen Feuer brennen zu sehen ist ein Bild an das westliche Augen nicht gewöhnt sind – halbverkokelte Beine, die aus Scheiterhaufen stehen und aufplatzende Gedärme stehen in christlichen Begräbnissen einfach nicht auf der Tagesordnung. Aber nicht nur Leben und Tod existieren in Varanasi direkt nebeneinander, sondern auch Ritual- und Alltagsleben gehen fließend ineinander über. Unter Tags ist das Ufer nicht nur Schauplatz von Totenverbrennungen und rituellen Bädern, sondern die Leute treffen sich hier auch zum Wäsche, Geschirr und Kinder waschen, Cricket spielen, Yoga machen, Touristen abzocken und fischen. Am Abend versammeln sich dann tausende Leute zur Puja (Ritual), wo dann mit viel Getrommel, Glockengeläute, Gesang, Tanz, Feuer und Rauch den Göttern und der heiligen „Mutter Ganga“ geopfert wird. Nebenbei wird das Flussufer aber auch für den Abendspaziergang, Leute treffen und Abendessen genutzt. Varanasi ist echt ein buntes Kaleidoskop an Gegensätzen – Wir waren begeistert! Es war der perfekte laute, bunte, schräge Einstieg für dieses laute, bunte, schräge Land! Wir verbrachten die meiste Zeit in Varanasi damit am Ufer des Flusses oder in den kleinen, verwinkelten Gassen der Altstadt spazieren zu gehen und die Stadt auf uns wirken zu lassen. Naja, zuerst einmal verbrachten wir die meiste Zeit im Hotelzimmer, da sich Kevin bei seiner ersten Mahlzeit in Indien gleich mal eine Lebensmittelvergiftung oder so zugezogen hatte. Erst als die auskuriert war konnten wir mit dem Erkunden anfangen... An einem Morgen charterten wir uns zu Sonnenaufgang ein kleines Boot und ließen uns eine Stunde lang das Ufer entlang rudern. Vom Fluss aus bekommt man noch einen viel besseren Blick auf das farbenprächtige Morgenbadespektakel, mit der eindrucksvollen Kulisse von Varanasis Altstadt im Hintergrund! Eigentlich könnte man mehrere Wochen in Varanasi verbringen, ohne dass einem langweilig wird. Da wir aber für ganz Indien nur 3 Monate Zeit haben, mussten wir uns schon nach wenigen Tagen von der Stadt verabschieden. Unser nächster Stopp war etwa 1000km weiter im Süden – die Tempelhöhlen von Ajanta und Ellora.
In Kathmandu kauften wir uns einen gebrauchten Indienreiseführer und fingen an zu planen... Normalerweise planen wir nicht viel, aber da Indien so groß ist und wir auch den Monsun miteinberechnen mussten, blieb uns nix anderes übrig als den Großteil der über 1200Seiten zu lesen. Wir schafften es sogar uns einen Reiseplan zurechtzulegen....
Eigentlich wollten wir uns für den riesigen Subkontinent 6 Monate Zeit nehmen, aber da es die Indische Botschaft in Wien nicht schaffte das fürs 6-Monatsvisum benötigte Bestätigungsfax nach Kathmandu zu schicken, kriegten wir nur die halbe Visumszeit und müssen Indien jetzt im Schnelldurchlauf machen. So gaben wir ordentlich Gas und starteten unseren Indienaufenthalt gleich mit einem 26 Stunden Reisetag von Kathmandu nach Varanasi...
Wenn man schon mal in Nepal ist, sollte man auch mal am Dach der Welt vorbeischauen. Wenn der höchste Berg der Welt schon mal ums Eck liegt, wäre es echt schade ihn sich nicht aus nächster Nähe angeschaut zu haben. Am Besten geht das, wenn man den Everest Base Camp Trek macht.
Da der Mount Everest aber tief im Himalaya liegt und der nächste Straßenanschluss weit weg ist hat man 2 Möglichkeiten um zum Startpunkt des Treks in Lukla zu kommen. Entweder man fliegt gemütlich von Kathmandu aus ein, oder man setzt sich erst 14 Stunden in einen Bus und marschiert dann noch eine knappe Woche die 80km nach Lukla. Wir wogen Zeitaufwand und Anstrengung gegen Kosten ab und entschieden uns letztendlich für die gemütlichere Flugvariante.
Wie sich herausstellte war der Flug ein Abenteuer für sich. In einer kleinen 18-Sitzer-Maschine starteten wir bei leichtem Nebel in Kathmandu und waren kurz darauf mitten drin in den Bergen...und mit mitten drin, meinen wir MITTEN drin! Die kleine Maschine flog so tief, dass wir zeitweise links und rechts vom Flieger nur Felswände sahen und wenn wir über einen Pass flogen, schüttelten uns die darüber ziehenden Winde kräftig durch. Die Landung in Lukla war dann auch nicht ohne. Das Flugfeld hat eine Neigung von 12 Grad, was nicht nach viel klingen mag, aber wenn man drauf zufliegt bzw. in der Schräge bergauf aufsetzt ist das nicht ohne. Da das kurze Flugfeld in den Hang gebaut ist endet es einfach in einer Wand, auf die du nach erfolgreicher Landung mit rasender Geschwindigkeit zusteuerst. Zum Glück funktionierten die Bremsen und wir kamen heil in Lukla an.
Da man beim Base Camp Trek relativ schnell auf große Höhe aufsteigt, muss man es langsam angehen. Das größte Problem auf diesem Trek ist die Gefahr der Höhenkrankheit. Auch wenn es bis zum Base Camp nur ca. 55km sind, sollte man dafür etwa 10 Tage einplanen. Höhenkrankheit entsteht, wenn man zu schnell auf zu große Höhe aufsteigt und der Körper mit dem geringen Sauerstoffgehalt und dem verminderten Luftdruck nicht mehr zurecht kommt. Dadurch kann sichFlüssigkeit in den Lungen (HAPE – High Altitude Pulmonary Oedema) oder im Hirn (HACE – High Altitude Celebral Oedema) ansammeln, was unerkannt und unbehandelt zum sicheren Tod führt. Jedes Jahr sterben einige Trekker und Bergsteiger im Himalaya an AMS (Acute Mountain Sickness) Um das ganze zu verhindern muss man dem Körper genügend Zeit zum Akklimatisieren geben und langsam aufsteigen. Die goldene Regel ist nicht mehr als 300m pro Tag aufzusteigen und bei dieser Geschwindigkeit alle 1000m einen Rasttag einzulegen.
Für den Base Camp Trek heißt das also meist kurze Tagesetappen zu gehen und viel Zeit in Lodges mit Warten zu verbringen – also nicht ganz so unser gewohnter Trekkingstil...
Aber nicht nur mit dem Tempo hatten wir so unsere Probleme. Da der Khumbu (die Everest Region) schon seit den 1950ern regelmäßig von Bergsteigern und in weiterer Folge von Trekkern heimgesucht wurde, hat sich natürlich ein riesiger Tourismuszweig entwickelt. Viele der Everest-Besteiger starteten Hilfsprojekte, bauten Schulen, Krankenhäuser und Kraftwerke und verwandelten so den Khumbu in eine der am meisten entwickelten abgelegene Regionen in Nepal. Dadurch wurden die Menschen natürlich aber auch abhängig von Tourismus und Hilfsprojekten und viel der ursprünglichen Kultur und Lebensart ist verloren gegangen. Da Touristen Jahr für Jahr abertausende Dollar in der Region ausgeben, liegen nicht nur viele der Felder brach (mit Touristen kann ich mehr Geld machen als mit Kartoffeln!), sondern es steigen auch ständig die Preise für Essen und Unterkunft (Klar: Wenn keine Kartoffeln mehr angebaut werden, muss sie jemand aus dem Tiefland rauf schleppen...)
Da mit März die Trekkingsaison beginnt war es auch mit den einsamen Pfaden, wie wir sie vom Annapurna Circuit gewohnt waren nichts mehr. Riesige geguidete Gruppen watscheln mit ihren Turnschuhen und Minirucksäckchen durch die Landschaft, während Scharen von Trägern ihre Ausrüstung den Berg hoch schleppen. Ein Guide von einer Campingtour erzählte uns, dass er für seine 9 Klienten 23! Träger angestellt hat. Die tragen dann vom Klozelt bis zum frischen Gemüse alles was der Luxustrekker so braucht.
So gefrustet wir von den Trekkermassen, den unpersönlichen Lodgesiedlungen, der fehlenden Kultur und den Preisen waren, so beeindruckt waren wir von der Landschaft um uns herum. Mit jedem Tag (wenn wir nicht gerade in irgendeiner Lodge warten mussten) wurde der Bewuchs karger und die Berge höher.
Am fünften Tag überquerten wir die Baumgrenze und kurz darauf waren wir im Land der Gletscher, Moränen und Berggiganten. Hier oben wächst praktisch nichts mehr und man sieht nur Fels und Eis, soweit das Auge reicht.
Da wir aus Gründen der Langeweile weiter unten einen Akklimatisierungstag ausgelassen hatten, bekam Marita weiter oben dann Probleme. Am Weg von Lobuche (4940m) nach Gorak Shep (5170m) blieb ihr (wahrscheinlich wegen einer Kombination aus dünner Luft, morgendlicher Eiseskälte und leerem Magen) plötzlich die Luft weg und ihr wurde schwarz vor Augen. Uns blieb nichts anderes übrig als wieder zurück nach Lobuche zu gehen und noch einen Pausetag einzulegen. Da die Anzeichen von Höhenkrankheit aber wieder komplett verschwanden, konnten wir am nächsten Tag ohne Probleme nach Gorak Shep aufsteigen. Wir gingen an diesem Tag sogar noch bis ins Everest Base Camp weiter.
Da Anfang April die Klettersaison für den Everest beginnt, herrschte hier Hochbetrieb. Es waren zwar noch keine Bergsteiger da, aber dafür umso mehr sherpa, die alles für die Ankunft der Expeditionen vorbereiteten. Überall wurde Equipment ausgepackt und Zelte aufgebaut. Da das Base Camp AUF den Khumbugletscher ist und sich die Gletscheroberfläche jedes Jahr verändert, müssen auch die Campplätze jedes Jahr neu angelegt werden. Die Plattformen für die Zelte werden aus dem Eis und Geröll herausgearbeitet und dann mit Steinen befestigt. Jeden Tag erreichen tonnenweise Equipment und Verpflegung das Base Camp – aus dem Tiefland hochgeschleppt von hunderten Trägern und unzähligen Yakkarawanen. Es ist lustig zu beobachten, wie hier auf dem Gletscher eine riesige kunterbunte, internationale temporäre Zeltstadt entsteht, die für hunderte Kletterer, Köche, Koordinatoren,... für die nächsten Wochen ihr zuhause ist.
Vom Base Camp aus kriegt man auch einen guten Eindruck von der Größe und Gefährlichkeit des Khumbu-Eisfalls, einer der größten Herausforderungen bei der Besteigung von Mount Everest. Jeden Tag schiebt sich dieser gigantische Gletscher bis zu einem Meter Richtung Tal. Er ist wie ein gefrorener Fluss, der über eine Felskante schießt. Durch den plötzlichen Abfall bilden sich riesige Gletscherspalten und Eissäulen, die regelmäßig weg brechen. Der gesamte Khumbu-Eisfall sieht aus wie ein gigantisches Labyrinth aus instabilen Eisscherben. Dass Menschen wirklich da rauf kommen ist echt irre!
Wir beließen es da bei einem Erkundungsspaziergang im unteren Bereich des Gletschers...
Nach ca. 2 Stunden im Base Camp machten wir uns auf den Weg zurück nach Gorak Shep. Am nächsten Morgen ging es auf den 5643m hohen Kala Patthar, sozusagen dem Hausberg von Gorak Shep. Von diesem „Schotterhügel“ hat man eines der besten Everest Panoramas. Da es in der Nacht geschneit hatte konnten wir mal wieder richtige Winterstimmung genießen. Im Neuschnee stapften und schnauften wir den Berg hinauf und als wir dann endlich völlig außer Atem oben ankamen mussten wir erkennen....Wir sind auf den falschen Berg geklettert! Es ist uns eh schon beim Aufstieg komisch vorgekommen, dass wir die einzigen sein sollen, die an diesem Tag auf den berühmtesten Everest-Aussichtspunkt klettern. Wir sahen weder Fußspuren am Weg rauf, noch trafen wir andere Leute am Gipfel. Oben angekommen sahen wir die Menschenmassen dann auf den benachbarten Hügel klettern. Kala Patthar hat nämlich 2 Gipfel (was man von Gorak Shep aus nicht sieht) – einer mit 5545m und einer ein bisschen höher mit 5643m. Nach einer ausgiebigen Everest-Fotosession machten wir uns auf den Weg zum höheren Gipfel, was Gott sei Dank nicht zu viel Abstieg beinhaltete.
Die Aussicht vom Kala Patthar (von beiden Gipfeln) ist wirklich atemberaubend – man ist wirklich mitten drin zwischen den Giganten...360º, so weit das Auge reicht nur schneebedeckte Berge und riesige Gletscher. WOW!!!!
Nach über 2 Stunden auf den Gipfeln stiegen wir wieder nach Gorak Shep ab, schulterten unsere Rucksäcke und machten uns auf den Weg zurück Richtung Lukla.
Eine halbe Stunde nach Gorak Shep fanden wir einen Sherpa neben dem Weg, der gar nicht gut aussah – apathisch, nicht ansprechbar und unfähig sich zu bewegen. Er sah aus, als hätte ihn die Höhenkrankheit schwer erwischt. Da sich sonst niemand um ihn zu kümmern schien, nahmen wir uns um den armen Kerl an. Wir versuchten von vorbeikommenden Trägern und Guides Hilfe zu bekommen, aber die meinten nur er wäre betrunken und könne sich selber helfen. Da dies offensichtlich nicht der Fall war und es schön langsam spät (und kalt) wurde, beschlossen wir ihn gemeinsam mit einem Deutschen, den wir kennen gelernt hatten nach Gorak Shep zu geleiten/tragen. Da hat er wenigstens ein Bett und einen Ofen, wo er sich auskurieren kann.
Während Marita auf die Rucksäcke aufpasste schleppten ihn die beiden Männer über die Moräne nach Gorak Shep. Auf dem Weg ins Dorf wurde der Sherpa wieder etwas munterer und konnte erzählen (mit Händen, Füßen, viel Nepali und ein bisschen Englisch), dass er Base Camp Sherpa war und zwar am Vortag etwas getrunken hatte, aber nur EIN Glas Raxsi (Schnaps). Da er auch nicht nach Alkohol roch und alle Anzeichen von Höhenkrankheit hatte (Schwindel, Kopfschmerzen, Probleme geradeaus zu gehen) wollten wir ihn anfangs eigentlich nach Lobuche runterbringen, aber er bestand darauf nach Gorak Shep aufzusteigen.
Im Dorf angekommen staunten die Leute dort nicht schlecht – sie waren es gewohnt, dass Sherpas höhenkranke Touristen angeschleppt bringen, aber nicht umgekehrt...
Nachdem wir ihn dort abgeliefert hatten, konnten wir weiter absteigen. Und wir genossen es so sehr wieder richtig trekken zu können (so lange und so weit wie wir wollten ohne von der Höhe gebremst zu werden). Die Strecke, für die wir bergauf 9 Tage gebraucht hatten (brauchen mussten) schafften wir bergab etwas schneller. Nur 3 Tage nachdem wir am Kala Patthar den höchsten Berg der Welt bestaunt hatten saßen wir schon wieder im Flieger Richtung Kathmandu.
Dort angekommen mussten wir uns auch schon an die Vorbereitungen für unser nächstes Reiseziel machen. Ein Indien-Visum zu kriegen stellte sich als langwieriger heraus als geplant und so verbrachten wir Ewigkeiten damit in Kathmandu zu warten und zu warten und noch mehr zu warten...