Dienstag, 21. April 2009

Zu Besuch bei Taylor in Bend/Oregon...

BIIIIIIGGGG Quetzaltrekkers-Reunion!!!!!!!
In Bend angekommen wurden wir gleich von einer stürmischen Taylor in die Arme geschlossen. Ganz in alter QT-Manier haben wir gleich groß aufgegrillt, Bier getrunken und Shisha geraucht. Wäre es hier Nachts nicht so kalt, hätten wir fast glauben können wir seien wieder in Nicaragua...
Gemeinsam schauten wir uns in den nächsten Tagen so einiges an. Zuerst ging es zu den Lavatunneln in der Nähe von Bend. Diese Höhlen wurden, wie der Name schon sagt, von einem Lavastrom geformt und erstrecken sich über mehrere Kilometer. Echt beeindruckend!
Danach ging es zum Campingausflug in den Smith Rock State Park. Klar, was wäre eine Quetzaltrekkers-Reunion ohne Campen und Hiken?
Bryan musste leider am Sonntag schon wieder abreisen und wir werden uns morgen früh (Dienstag) auf die Socken machen. Wir wollten nur noch die schon lange ausständige Aktualisierung abschliessen, bevor wir uns auf ins nächste Land machen.
Bis Calgary/Kanada sind es von hier noch 822 Meilen (1315km)... Wünscht uns Glück! Nur mehr knappe 2 Wochen bis wir Maritas Eltern dann nach 2 ½ Jahren wiedersehen!!!!!!!
Für alle, die sich jetzt Sorgen machen: Calgary ist natürlich noch lange nicht das Ende unserer Reise...

Am Weg nach Bend...

Von Yosemite ging es zurück nach Sunnyvale, wo wir Sanna ablieferten und unsere Rucksäcke wieder einluden. Und da wir schon mal so nahe bei San Francisco waren, wollten wir uns das auch noch anschauen. Bryan ging voll in seiner Rolle als Reiseführer auf und wir schafften die Express-Sightseeing-Tour in unter 4 Stunden!
Von San Francisco ging es dann in 2 Tagen in Bryans Auto rauf bis Bend/Oregon, wo unsere QT-Crew um ein Mitglied größer wurde.

Yosemite National Park...

Das riesige Yosemite Valley wurde vor Jahrtausenden von einem Gletscher aus dem Granit geschliffen. Heute ist von dem Eisriesen nichts mehr übrig, aber seine Spuren sind nicht zu übersehen – zu allen Seiten ragen die mehrere hundert Meter hohen Granitwände senkrecht empor. Und da gerade Frühling ist donnern von diesen Felswänden riesige Wasserfälle ins Tal. WOW!!!!! Toadally awsome, dude!!!!!!!!!!!!!
Wir frohren uns am Campingplatz den Arsch ab, machten ein paar echt irre Tageshikes und Marita und Sanna hatten sogar das Glück einen Bären aus nächster Nähe zu sehen...Aber wie schon beim Grand Canyon – Die Bilder sprechen einfach für sich!!!!

Zu Gast bei Bonnie und Allan in Sunnyvale...

Mal nicht per Daumen, sondern mit Öffis ging es Richtung Sunnyvale, nahe San Francisco. Hier verbrachten wir ein verlängertes Wochenende und genossen Massagen, Reikibehandlungen und gute Gesellschaft. Das Gathering zu dem Allan und Bonnie geladen hatten hatte den Zweck eine neue Art von Communities praktisch auszuprobieren. Zuerst besprachen wir warum viele andere Communities (Hippies, Kibbutz,...) nicht so recht funktionieren und was gegeben sein muss, dass es klappen kann. Dann war fröhliches Ausprobieren und gegenseitiges Button-pushing angesagt.
Auch wenn Allan immer wieder in seine ernste, theoretische Lehrerposition verfiel hatten wir doch eine Menge Spaß. Es gab haufenweise leckeres, gesundes Essen und M&M´s im Kilopack. Am Abend wurde musiziert und gelacht und wir lernten echt eine Menge netter Leute kennen.
Sanna aus Finnland adoptierten wir sogar vorübergehend und nahmen sie mit zurück nach Santa Cruz, wo wir gemeinsam mit Bryan das Aquarium von Monterrey unsicher machten. Danach gings noch zum Abendessen bei seinen Eltern und zur Schlossbesichtigung. Seine Großeltern hatten eine Menge Kohle im Baugewerbe gemacht und sich dann eine echte Ritterburg als Wohnhaus gebaut – inklusive Ritterrüstungen, Bootshaus, hinter Bildern versteckten Türen und riesigen Kerzenleuchtern im Wohnzimmer. Echt irre!
Da sich Sanna so gut in unsere Gruppe einfügte nahmen wir sie dann auch gleich noch in den Yosemite National Park mit...

Zu Besuch bei Bryan in Santa Cruz...

Quetzaltrekkers-Reunion in Santa Cruz!
Nach einem erfolgreichen Stoppertag stiegen wir direkt vor der Touristinfo in Santa Cruz aus, besorgten uns noch schnell eine Karte und ab gings ins Zentrum zum Treffen mit Bryan. Der nahm uns gleich mit auf den Farmers Market, wo wir mit unseren Riesenpackeln Obst- und Gemüsestände durchschauten, mit Freunden quatschten und den Tag genossen - Bryans Annahme: Bei richtigen Quetzaltrekker ist der Rucksack ja eh praktisch angewachsen – recht hat er.
Da Bryan gerade keinen Job hat, aber eine Wohnung und ein Auto besitzt, kamen wir genau zur richtigen Zeit. Er ging ganz in seiner Rolle als Gastgeber und Guide auf und zeigte uns Santa Cruz und die Umgebung. Nach ein paar Tagen mussten wir aber vorrübergehend wieder abreisen, da wir ein Stück weiter Nördlich auch noch einen Termin hatten. Allan, den wir in Antigua/Guatemala kennen gelernt hatten hatte uns zu einem interessanten Gathering mit Heilern, Bodyworkern und Masseuren eingeladen. Was uns dort erwartete wussten wir noch nicht so genau, aber es klang interessant...

Leo Carillo State Park...

Um uns von dem ganzen Großstadtrummel und der Glitzerwelt von Hollywood wieder etwas zu erholen zogen wir uns in den nahegelegenen Leo Carillo State Park zurück. Erst ging es mit dem Bus nach Malibu, wo wir im Vorbeifahren der Rettungsschwimmerzentrale zuwinkten. Zu Fuß starteten wir dann Richtung State Park und wurden sogar ohne den Daumen zu strecken aufgelesen und bis zur Rangerhütte chauffiert.
Hier hatten wir die genialste Campsite überhaupt – auf einer kleinen Lichtung im Wald mit einem Riesenbaum in der Mitte, der nur so zum klettern, sitzen, liegen und ausspannen einlud.
Nach 3 Tagen des Ausspannens und der Ausrüstungspflege (wieder 5 Patches mehr auf unserem Zelt) ging es weiter Richtung Norden.
Schön langsam wird es kitschig, aber wir schafften es wieder in nur einem Tag bis ans geplante Ziel. Diesmal waren unsere Glücksbringer 2 Kanadier, die uns bis nach Santa Cruz mitnahmen.

Los Angeles...

Da in Los Angeles alle Unterkünfte viel zu teuer sind haben wir im Vorhinein schon 2 Leute über HospitalityClub kontaktiert, ob sie uns nicht für 2-3 Tage beherbergen könnten. Da wir unser Tramperglück aber unterschätzt hatten und viel zu früh in LA waren standen wir vor einem Problem: Es war 8 Uhr abends und wir wussten nicht wo wir die Nacht verbringen sollten. Die Studentenpartie meinte, dass es in Santa Monica einen Park gibt, in dem viele Obdachlose übernachten und auch Freunde von ihnen schon mal dort gepennt haben.
So verbrachten wir unsere erste Nacht in LA so, wie unsere letzte in Stockholm – im Stadtpark.
Für die nächsten Nächte suchten wir uns aber dann doch eine Jugendherberge.- die bisher teuerste Unterkunft auf unserer Reise. 20 Dollar pro Person im 30-Bett-Schlafsaal!!!
Da wir uns einen langen Aufenthalt hier nicht leisten konnten, machten wir ein Intensivsightseeingprogramm. Eine Tageskarte für den Bus, einen Stadtplan und los ging es:
• Erster Halt Downtown: Riesenwolkenkratzer, das berühmte asymmetrische Disney-Theater, Chinatown, ein paar Zombies, die mit sich selbst reden, ein viel zu offensichtlicher Drogendeal, gehetzte Buisnessleute,...
• Nächster Halt Hollywood: der Walk of Fame, der Hollywoodschriftzug auf einem entfernten Hügel, die Hand- und Fußabdrücke von Stars vor Grauman´s Chinese Theater, ein Fotoshooting mit Captain Jack Sparrow in persona und die Angst eine Strafe für spucken, zu laut reden, Kaugummipapierl-verlieren oder dergleichen zu kassieren.
• Nächster Halt die Hügel von Hollywood: Unser Versuch das Hollywoodzeichen aus der Nähe zu sehen scheiterte an Luxusvillen, Hochsicherheitszäunen und Security-Personal.
• Nächster Halt Beverly Hills und Bel Air: da wir kein Auto haben schauten wir uns diese Luxusviertel vom Bus aus an
• Nächster Halt Rodeo Drive: Auf der teuersten Einkaufsstraße der Welt zerreißt Maritas Hose. Nicht der Richtige Zeitpunkt um sich einen Ersatz zu suchen....
• Nächster Halt Venice Beach: Eine Freak-Show! Hier versammelt sich alles was in LA nicht ganz normal ist – Straßenkünstler, Hippies, Obdachlose, Musiker, Punks, Clowns, der Gockel-Mann, ein Jimmy Hendrix-Double und, und, und... Wie Pflasterspektakel nur viel extremer, viel unzivilisierter und das ganze Jahr!

Grand Canyon...

Da die USA eine Autofahrernation sind, ist der Nationalparkseingang natürlich 7 Meilen vom Grand Canyon weg und öffentlichen Transport gibt es keinen. Da Autostoppen im Nationalpark auch noch verboten ist schafften wir es an diesem Tag nicht mehr bis zum großen Graben.
Wir campten gratis eine Nacht im National Forest und marschierten dann entlang eines Teilstücks des Arizonatrails in den Park hinein. Dort organisierten wir uns einen Campplatz und machten uns auf den Weg zum Canyon. An der Kante angekommen sahen wir hauptsätzlich Wolken und ein bisschen steile Felswand. So hatten wir uns das eigentlich nicht vorgestellt. Als es dann auch noch zu schneien begann, fanden wir heraus, dass wir ein völlig falsches Bild vom Grand Canyon hatten. Auf Fotos sieht man immer nur Wüste - und Wüste sollte doch heiß und trocken sein? Aber wenn man logisch nachdenkt: ...der Canyon ist über eine Meile (1,6km) tief, oder besser gesagt hoch. Der Colorado River, der an seiner tiefsten Stelle fliesst hat noch einige hundert Meilen bis zum Meer. Das ganze ergibt dann eine Seehöhe von über 7000 Fuss (mehr als 2300m) – Also: Wüste war richtig, aber mit trocken und warn ist da so früh im Jahr gar nichts!
Als der leichte Schneefall in einen Schneesturm überging verzogen wir uns in die geheizte Cafeteria und verharrten dort bei Refill-Kaffee und Wi-Fi bis zur Sperrstunde. Dann hieß es ab ins Zelt. Der Wetterbericht hatte für diese nacht -7 Grad gemeldet und wir haben nur unsere Sommerschlafsäcke. Auf der Suche nach wärmendem Material entschieden wir gegen die zu teuren Decken, Schlafsäcke und Rettungsdecken im Souvenirladen und machten es stattdessen wie die Obdachlosen. Wir investierten 50 cent um die Zeitungsbox aufzukriegen und deckten uns mit genügend Isoliermaterial ein. Zurück beim Zelt mussten wir dieses erst einmal von Eis und Schnee befreien bevor wir mit der großen Ausstopfaktion beginnen konnten. Wir zogen uns alles an was wir hatten und füllten dann die äußeren Lagen mit Zeitungspapier – Ein Gefühl als hätte man einen Schianzug an, aber hey! Wir haben überlebt!
Am nächsten Tag war das Wetter und die Sicht eindeutig besser! WOW!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! Ich glaube, wir lassen die Fotos einfach für sich sprechen, auch wenn ein Foto dieses Gefühl nicht wiedergeben kann. Hier merkt man erst wir klein man eigentlich ist – nein winzig...nein futziwutziklein....oder so.
Da wandern in den USA „sehr gefährlich“ ist braucht man für Übernachthikes ein Backcountry-Permit und weiss ich was für Registrierungen. Deshalb haben wir es bei Tageshikes belassen und flohen, nachdem wir alles gesehen hatten, so schnell es ging ins wärmere Tiefland.
Am ersten Tag schafften wir es nur bis Williams, wo wir in einem Trailerpark netterweise im geheizten Waschraum schlafen durften. Da „unsere“ Auffahrt am nächsten Morgen von einem alten Tramp belegt war und er meinte er warte durchschnittlich 1-3 Tage auf eine Mitfahrgelegenheit, beschlossen wir es nicht auf den Spruch auf seinem Pappendeckel ankommen zu lassen („Need a miracle“ – „Ich brauche ein Wunder“) und marschierten die paar Meilen zur nächsten Auffahrt.
Nach 20 Minuten an der Rampe kam dann UNSER „miracle“ in Form eines bunt bemalten Schulbusses voller Studenten aus Los Angeles. So brauchten wir wieder einmal statt geplanten 3 Tagen nur einen.

Autostoppen in Arizona...

Nach unseren guten Autostoppererahrungen in Mexiko wurden wir von den USA gleich einmal kräftig enttäuscht. Noch bevor wir unseren ersten Lift hatten, wurden wir auch schon vom Sherriff verstaubt. Wir waren zwar an einer Stelle, an der Autostoppen laut Gesetz völlig legal ist, aber erklär das mal einem amerikanischen Cop, der dich da nicht haben will. So fanden wir schon am zweiten Tag in den USA heraus, dass die Polizei hier für Autostopper nicht der Freund und Helfer ist.
Aber nicht nur der Sherriff ist z´wider und grantig, sondern der Großteil der Autofahrer auch. Als Autostopper passt du einfach nicht ins amerikanische System. Hier ist alles für Fahrzeuge ausgelegt und wenn du keines hast muss mit dir irgendwas nicht stimmen – nur Massenmörder und Drogenabhängige reisen per Daumen!
Was das Autostoppen für uns so schwierig gemacht hat, waren nicht nur die ewigen Wartezeiten und die Cops, sondern vor allem die Reaktionen der Autofahrer. Beim Stoppen hast du ca. eine halbe Sekunde um den Autofahrer davon zu überzeugen, dass du nett, sauber und mitnehmenswert bist. Das heisst: mit Schwung und Elan den Daumen strecken, immer freundlich lächeln und soviel positive Energie wie möglich rüberbringen. Wenn du als Antwort darauf nur grantige, ängstliche, empörte, hochnäsige oder sogar aggresive Blicke kriegst, kostet das ganz schön Kraft und Energie.
Und die Leute, die dich dann mitnehmen gehören dann meist (selbst) sozialen Randgruppen an. So zum Beispiel der 40jährige Donald, der bei seiner Mutter (einer verrückten Wissenschaftlerin) wohnt und in seinem Garten irgendwo in der Wüste von Arizona funktionstüchtige Wasserstoffmotoren für Autos baut. Dieser Kerl hat nicht mal einen Schulabschluss, aber mit Versuch und Irrtum und so mancher Explosion ertüftelte er diesen genialen Spritsparmotor. Nach einer kleinen Auseinandersetzung zwischen ihm und seiner Mom durften wir bei ihm im Garten campen. Und nachdem sie unsere Pässe kontrolliert hatte, durften wir sogar ins Haus und waren plötzlich nicht mehr Donalds Gäste, sondern ihre. Wahrlich eine kulturelle Erfahrung!
Aber solches Glück hatten wir selten. Nach einem 20 Meilen Tag und 5 Stunden an der gleichen Stelle mit dem oben genanntem Problem der grantigen Gesichter waren wir körperlich und emotional am Ende. Da wir von mehreren Leuten gehört hatten, wie gefährlich die Wüste in dieser Gegend nicht sei, weil es von Drogenschmugglern und Illegalen nur so wimmle, wollten wir in einem nahegelegenen Campingplatz übernachten. Die nette Dame am Schalter erklärte uns jedoch, dass es ohne Fahrzeug nicht möglich sei hier zu campen. Mit Auto und Zelt ist ok, aber ohne fahrbaren Untersatz...Wir waren den Tränen nahe, baten um eine Ausnahme und boten ihr sogar unsere Reisepässe zu hinterlegen, aber...Regel ist Regel. Sie meinte noch wir könnten auf der nahe gelegenen Raststation schlafen – „Die ist nur 20 Meilen den Freeway runter!“ Dass wir kein Auto haben, hatte sie anscheinend schon wieder vergessen. Als letzten Ratschlag bakamen wir: „Na dann müsst ihr in der Wüste campen. Aber seid vorsichtig, das ist gefährlich!“
An diesem Punkt waren wir fast so weit wieder zurück nach Mexiko zu fahren und einen Flug über dieses verdammte Land zu nehmen.
Nach einer Nacht in der Wüste, in der wir zum Glück nicht von der Border Patrol geweckt wurden (die patroullieren dort nämlich mit Wärmebildhubschraubern) trafen wir Gott sei Dank unseren rettenden Engel...
Wir waren gerade dabei unsere Autostopperehre aufzugeben und einen bus zu nehmen, als sie uns erschien. Nach einem Marsch in die nächste Stadt, saßen wir bei einer Tankstelle auf unseren Rucksäcken und tranken Kaffee aus 1/2liter-Bechern. Plötzlich streckt uns eine Fremde 20 Dollar entgegen und meint: „Ihr könnt das sicher für eure Reise brauchen!“ Wir waren erst mal völlig baff und einigten uns dann nach einem kurzen Smalltalk darauf, dass wir das Geld nur im Tausch gegen eines unserer Armbänder akzeptieren können. Beim Verabschieden meinte sie noch so: „Wenn ich euch nachher noch mal sehe, dann fahre ich euch nach Flagstaff rauf.“ Wir bedankten uns lächelnd und setzten unseren Marsch zum Greyhound-Terminal fort. Als wir dort um die Ecke bogen wartete sie dort schon auf uns. – Sie hatte es wirklich ernst gemeint.
Kurz darauf cruisten wir mit ihrem Sohn am Beifahrersitz den Freeway Richtung Norden rauf. „Ich würde sonst heute den ganzen Tag zuhause sitzen. So kommen wir wenigstens ein bisschen raus und ich fahre ja sowieso gerne!“ Und sie fährt wirklich gerne. Sie brachte uns nicht nur nach Flagstaff, sondern sogar noch weiter bis Valle – 3 Stunden oneway!
DANKE VIRNALISA UND DUSTYN!!!!
Von dort, wo sie uns aussteigen ließ waren es nur noch 30 Meilen bis zum Grand Canyon. Die schafften wir an diesem Tag auch noch locker auf der Ladefläche eines Pickups.

Mazatlan...und ein laaaanger Autostoppertag...

Der einzige grund warum wir Mazatlan in unsere Reiseroute aufgenommen haben ist der dortige Hafen von dem aus die Fähren nach Baja California starten. Hier wollten wir fürs teure Geld auf die Halbinsel hinüberschippern und dann Richtung Norden nach Tijuana stoppen. Wie sich aber herausstellte ist der Fährbetrieb bis Mitte Mai oder so eingestellt und so mussten wir unsere Reisepläne wieder einmal völlig umkrempeln.
Anstatt nun also einen haufen Geld auszugeben und nach Westen zu reisen, zahlten wir nichts und stoppten direkt Richtung Norden. Das stellte sich als genialer Plan heraus.
Wir planten für die Strecke bis zur US-Grenze ungefähr 3-7 Tage ein und schafften die 1250km in unter 25! Stunden! - Neuer Rucksacknomaden-Autostopper-Rekord!!!!!!!!!!!!!!!
Wir wurden praktisch von einem Trucker zum Nächsten weitergereicht (Funkgerät sei Dank). Wir fuhren bis Mittenacht und campten für nur 3 Stunden auf einer Raststation neben dem Truck bis uns der Fahrer wieder aufstaubte, einlud und weiterfuhr. Als wir dann letztendlich an der US-Grenze standen konnten wir es kaum glauben, dass wir gestern um diese Zeit noch in Zentralmexiko gewesen sind.
Wir hatten nicht mal Zeit unsere Rucksäcke umzupacken und marschierten einfach mal mit der Machete außen am Rucksack drauf los.
Die Mexikaner waren so überrascht ausländische (nicht US) Touristen zu sehen, dass sie glatt vergaßen uns die Ausreisegebühr für Mexiko abzuknöpfen. Bei den Amis ging es nicht viel anders zu – wir wurden wie VIPs ins Obergeschoß begleitet um unsere Greencard ausgestellt zu kriegen und vor lauter Freude, dass sie mal nicht mit Mexikanern zu tun hatter vergaßen sie völlig darauf unsere Rucksäcke zu röntgen oder auch nur näher anzusehen.
Zur Feier dieser erfolgreichen und unerwartet problemlosen Grenzüberquerung gönnten wir uns gleich mal die volle Ladung USA und gingen zm McDonalds essen.

Durango...

Diese nette kleine Stadt ist hauptsächlich wegen der Filmsets in den umliegenden Hügeln bekannt. Sie mussten für unzählige US-Western als Kulisse herhalten. Wir sahen uns eines der Filmsets an und da es unter der Woche war, waren wir die einzigen Besucher. Es war nicht einmal das Kassenhäuschen offen. So wanderten wir grati durch die Geisterstadt und hofften verzweifelt auf einen vorbeitreibenden Kugelbusch um die Szenerie perfekt zu machen. Die kommen aber in dieser Gegend natürlich nicht vor...Haben sie wahrscheinlich für die Filme aus der USA importiert...
Der Saloon in dem schon Filmgrößen wie John Wayne und Kevin Costner ihren Wiskey (oder Apfelsaft?) geleert haben hatte leider auch geschlossen. So machten wir uns wieder auf den Weg zurück in die reale Welt. Hier laufen auch jede Menge Möchtegerncowboys und Revolverhelden herum – die sprechen aber spanisch...

Zacatecas...

Wir haben zwar in Puerto Escondido beschlossen ein paar Kolonialstädte auszulassen, aber um Zacatecas kommt man einfach nicht herum.
Nach ewiger Unterkunftssuche und etwas Preisfeilscherei konnten wir dann vom Hotelzimmer aus den Blick auf die wunderschöne Kathedrale geniessen. Nach einem Tag durch die Stradt spazieren hatten wir aber so ziemlich alles gesehen und so viel aufregender wie andere Kolonialstädte auf unserer Reise war Zacatecas dann auch nicht.
Also hieß es für uns wieder Rucksäcke schultern und Daumen Strecken. So kamen wir im null komma nix nach Durango.

Mexico City...

Ciudad de Mexico, oder DF (sprich: De Effe), wie es die Mexikaner nennen, ist einer der größten Ballungsräume der Erde. Wie viele Menschen genau dort leben ist nicht ganz klar, aber Schätzungen gehen bis 26 Millionen!
Das ganze klingt aber schlimmer als es ist. Das historische Zentrum ist realtiv kompakt und für eine so große Stadt (unter Tags) auch relativ sicher. Hier trafen wir uns mit Martin, einem Österreicher, den wir in Puerto Escondido kennen gelernt hatten und machten für ein paar Tage die Stadt unsicher.
Hier ging sich auch der ausständige Arzttermin für Marita aus in dem sie ihre Hormonspirale ausgetauscht bekam – wieder 5 Jahre ohne Sorgen!
Ausserdem mussten wir uns von einem langjährigen Freund trennen – unser Scheisser gab plötzlich den Geist auf und machte gar nichts mehr (außer bunten Bildern und komischen Geräuschen). Zum Glück sind Elektrogeräte in Mexiko relativ günstig und so bekamen wir einen zwar minimal größeren aber auch viel besseren neuen Mini-Laptop. Und wie es sich für einen echten Mexikaner gehört spricht er natürlich Spanisch. Für uns nach 2 Jahren Internetcafe-Erfahrung in Lateinamerika kein Problem!
Nach einer Woche im Smog ging es weiter in die alte Silberstadt Zacatecas.

Acapulco...

Nach insgesamt 3 Wochen im wunderschönen Puerto Escondido waren wir vom vielen Hängemattenschaukeln so ausgeglichen, dass wir endlich weiterreisen konnten. Am Tag vor unserer geplanten Abreise trafen wir zufällig Andrew, den wir schon von Nicaragua kannten. Er war mit seinem Dad und seiner Schäferhündin Lola auf dem Weg von Nicaragua Richtung USA. Natürlich nahmen wir sein Angebot uns bis Acapuco mitzunehmen gerne an. Wir wussten schon, dass es in seinem Jeep etwas eng werden würde, aber hatten keine Ahnung wie knapp der Platz mit all dem Gepäck und der Riesenhündin werden würde.
Wir waren echt froh als Knie und Schultern nach 8 Stunden Platzangst und Hundemundgeruch endlich wieder mehr als 10 cm voneinander entfernt sein konnten. Naja, wenigstens kamen wir zügig und gratis bis Acapulco...
Dieses berühmte Ferienparadies liegt an einer fast geschlossenen Bucht und ist trotz der nur knapp einer Million Einwohner über ca. 15km entlang der Küste. Obwohl die besten Jahre der Stadt schon vorüber sind zieht es immer noch Tausende mexikanische und internationale Urlauber an.
Da Springbreak, die Semesterferien der Amis, kurz bevor stand und wir den grölenden, saufenden Studentenhorden aus dem Weg gehen wollten hielten wir unseren Aufenthalt in Acapulco so kurz wie möglich. Wir sahen uns natürlich die berühmten todesmutigen Klippenspringer an, machten das übliche Sightseeing-Programm und zogen schon nach 3 Tagen weiter nach Mexico City.
Dank der neuen Schnellstrasse schafften wir die 400km locker in einem Tag – raus aus der Touristenhölle, rein in den Großstadtdschungel!

Dienstag, 10. Februar 2009

Puerto Escondido...

Von Mazunte nach Puerto Escondido versuchten wir in Mexiko erstmals unser Glück beim Autostoppen. Schon nach wenigen Minuten in der sengenden Hitze saßen wir in einem klimatisierten Pickup und überholten unterwegs noch 2 Busse. Eine gute Stunde später stiegen wir direkt gegenüber unserer Unterkunft aus. Manchmal kann Autostoppen so viel gemütlicher sein als Busreisen…
Obwohl wir eigentlich nur 2 Tage oder so in Puerto bleiben wollten, ist es nun doch schon wieder eine Woche…Aber die Ortschaft ist nett, die Unterkunft günstig und das Essen, dank eigener Küche auch leistbar, abwechslungsreich und genug. Wir wissen, dass wir schön langsam Richtung Norden aufbrechen sollten, aber im Hochland ist es einfach so arschkalt!!! Wir haben beschlossen einfach ein paar alte Kolonialstädte auszulassen und dafür noch ein bisschen länger im Paradies zu verweilen.

Mazunte...

Mazunte ist ca. doppelt so groß wie Zipolite, hat doppelt so viele Restaurants und doppelt so viele Hotels…aber mehr los ist deswegen auch nicht. Wir fanden eine günstige Cabaña direkt am Strand und genossen das azurblaue Meer, die Sonne und tonnenweise pappige Tortillas (das einzige für uns leistbare Futter).
Viele Tagestouristen kommen um sich das Schildkrötenzentrum hier anzusehen. Es ist sowohl ein Forschungszentrum, als auch eine Aufzuchtsstation in der alle, der in Mexiko lebenden Schildkrötenarten vertreten sind. So konnten wir uns diese faszinierenden Tiere in allen Größen aus nächster Nähe ansehen.
Später machten wir auch noch einen Bootsausflug hinaus aufs Meer um Delfine und Schildkröten in freier Wildbahn zu sehen. Wir hatten Glück und sahen nicht nur unzählige Delfine direkt neben unserem kleinen Schinackel springen, sondern auch noch eine Schule Grauwale, die die Küste entlang zog und uns alle paar hundert Meter kurz ihre Rücken und Schwanzflossen zeigte. Außerdem sahen wir noch einige Mantarochen und eine Seeschlange. Höhepunkt der Tour war aber sicherlich die große Meeresschildkröte, mit der wir schwimmen konnten. Unser Guide stürzte sich bei voller Fahrt aus dem Boot und fing eines dieser riesigen Tiere. Dann durften wir ins Wasser, um sie uns aus der Nähe anzusehen…Es war just ein Tier der Spezies, deren Babies wir wenige Tage zuvor in die Freiheit entlassen hatten. Nach einem kurzen Fotoshooting durfte sie aber wieder abtauchen und wir sahen ihr zu, wie sie in den blauen Tiefen des Ozeans unter uns verschwand…

Zipolite und die Babyturtles...

Nach ein paar Wochen im Hochland Guatemalas und Mexikos ging es endlich wieder ins Warme. An der mexikanischen Pazifikküste war unser erster Stopp im kleinen Nest Zipolite. Dieser paradiesische Strand wurde in den 70ern von Hippies und Aussteigern entdeckt und in ein gemütliches Paradies verwandelt. Auch heute noch tummeln sich hier Esoteriker, Althippies und Touristen die das breite Angebot an Massagen und anderen Wohlfühlbehandlungen genießen. Zipolite ist außerdem einer der wenigen Orte in Mexico an denen Nacktbaden kein Problem ist, was noch zusätzlich zur sowieso schon sehr relaxten Stimmung beiträgt.
Wir fanden hier einen günstigen Platz zum Campen und….schon war eine Woche um!!!!
Wir verbrachten unsere Tage mit Sonnenbaden, Fischen, Felsenkraxeln, Hängemattebaumeln und Extreme-Relaxing. Am Abend setzten wir uns immer mit einem Bier auf die Hauptstraße und genossen das bunte Treiben.
Bei einem Einkaufs- und Geldabhebeausflug in die nahe gelegene Stadt Pochutla trafen wir zufällig ein paar Deutsche, die wir in Oaxaca im Hostal kennen gelernt hatten. Spontan beschlossen wir sie zur nahe gelegenen Lagune zu begleiten, wo man zu einem lächerlichen Preis eine Croc-watching-Tour machen kann. Man dümpelt mit einem Kanu im See herum, während im Wasser neben dir die 3-4 Meter langen Panzerechsen lautlos durchs kühle Nass gleiten.
Am Weg zurück hatten wir noch das Glück bei einer Babymeeresschildkrötenfreilassungsaktion dabei sein zu können. In der Brutstation an der Playa Ventanilla werden die am Stand gesammelten Schildkröteneier ausgebrütet und die frisch geschlüpften Babies dann unter Aufsicht gesammelt freigelassen. Das erhöht ihre Überlebenschancen und verhindert ein Festmahl unter Pelikanen und Möwen.
Die kleinen Scheißer sind einfach sooo süß, wenn sie unbeholfen auf deiner Handfläche herumklettern. Und wenn sie dann alle gesammelt Richtung Meer krabbeln ist der euphorischste Moment wenn dann endlich die Welle kommt und sie mit hinaus nimmt…
Nach 8 Tagen in Zipolite schafften wir es endlich weiterzureisen. Wir kamen genau 2,5 Km weit…ins benachbarte Mazunte…

Oaxaca, Tule und Monte Álban...

In Oaxaca war es schon ein wenig wärmer. Dennoch noch weit von unserer Komforttemperatur entfernt. Auch hier machten wir nur das Pflichtsightseeing-Prgramm und erkundeten ein wenig die Umgebung.
Einer dieser Trips führte uns zum Arbol de Tule. Dieser 2000-3000 Jahre alte Baum hat einen Stammdurchmesser von bis zu 14 Metern. Er steht im Kirchenhof der kleinen Ortschaft Tule und lässt das Gotteshaus neben sich wie ein Spielzeug aussehen – Ein wahrer Großvater!
An einem anderen Tag besuchten wir die Zapoteken-Ruinen von Monte Albán. Echt beeindruckend, aber…im Prinzip wieder nur alte Steine. Inzwischen sind wir echt nicht mehr leicht zu beeindrucken.
Viel beeindruckender waren da schon die Leckereien am Markt. Neben dem besten Schnürl-Käse überhaupt gibt es in Oaxaca auch noch geröstete Heuschrecken in allen Größen und Schärfegraden zu kaufen.
Jeden Abend gönnten wir uns ein Corona in der Literflasche und mampften dazu Käse und chapulines (am besten mittelgroß und mittelscharf)…

San Cristóbal de las Casas...

Mit Xela waren unsere Pläne für Guatemala abgeschlossen und es konnte endlich nach Mexiko weitergehen. Unser erstens Ziel war die Zapatisten-Hauptstadt San Cristobal de las Casas. Diese mittelgroße statt wurde bei der Revolution 1994 von der EZLN (Nationale Zapatistische Befreiungsarmee) eingenommen, um mehr Rechte für die indigene Bevölkerung zu fordern. Sie wurden zwar nach wenigen Tagen von der Armee wieder zurückgedrängt, aber sie konnten mit dieser Aktion auf jeden Fall ein deutliches Zeichen setzen.
Wir erkundeten die wunderschöne koloniale Stadt für ein paar Tage, entschieden uns aber bald wieder weiter zu fahren, da die Temperaturen hier im Hochland alles andere als angenehm sind – da half auch die Zapatisten-Sturmhaube nichts…

Xela und der Besuch bei Quetzaltrekkers Guatemala...

Nach Xela mussten wir aus zwei Gründen: Zum einen wegen der hohen Vulkane in der Umgebung und zum anderen, weil hier unsere Kollegen von Quetzaltrekkers Guatemala zuhause sind und wir schauen mussten was die hier heroben so treiben.
So quartierten wir uns im Casa Argentina ein, das sowohl ein Hostal als auch das Büro/Zuhause von QT ist. Als quasi Arbeitskollegen wurden wir gleich herzlich empfangen und zum Essen eingeladen. Außerdem bekamen wir wertvolle Tipps wie man die Vulkane der Umgebung solo besteigen kann.
Das erste unserer hohen Ziele war der Vulkan Santa Maria mit 3772m. Vom Gipfel dieses Vulkans aus sieht man direkt auf den kleineren Vulkan Santiaguito, der zu den aktivsten in ganz Guatemala gehört. Im Schnitt bricht er alle 40-50 Minuten aus und spuckt eine riesige Staub- und Aschewolke ca. 1000 Meter hoch in die Luft. Echt beeindruckend so etwas aus nächster Nähe zu sehen und zu hören – man hat das Gefühl als würde da unten ein Düsenjet starten. Der Santa Maria ist außerdem auch ein sehr heiliger Berg für die hier lebenden Maya. Als wir oben waren sahen wir hunderte Menschen, die hier hoch gepilgert waren um zu beten, singen und den Göttern zu opfern. Es vermischt sich auf groteske Art und Weise das Christentum mit dem alten Glauben und der nicht abreißende Singsang ist halb katholisch und halb heidnisch.
Es ist schon ein witziger Kontrast, die Touristen in ihrer High-Tech-Trekking-Ausrüstung neben den Locals zu sehen, die den Berg mit Flip-Flops besteigen und oben in Wolldecken gehüllt unter Plastikplanen campen.
Dank der Quetzaltrekker-Tipps konnten wir den Berg locker ohne Guide und Tour besteigen und zahlten so statt 20€ nur ca. 40 Cent pro Person.
Nach einem Tag Pause starteten wir schon unsere nächste Vulkanbesteigung. Diesmal sollte es auf den höchsten Berg von Mittelamerika gehen - den Vulkan Tajumulco mit 4222m. Bei unserem frühmorgendlichen Start fanden wir heraus, dass der Wegbeschreibung zu folgen („Immer Bergauf und dem Gipfel entgegen“) im Dunkeln und bei dichtem Nebel gar nicht so einfach ist. Aber Dank Kevins internem, intuitionsgesteuerten GPS war der Aufstieg aber kein Problem. Nach ca. 1 Stunde waren wir dann endlich über den Wolken und wir sahen zum ersten Mal den Gipfel des Tajumulco. Noch eine Stunde später konnten wir mal wieder richtige Höhenluft schnuppern – über 4000m wird der Sauerstoff dann nämlich schon merklich knapp. Während wir in Bolivien und Peru bei unseren Bergtouren (oft über 5000m) super akklimatisiert waren, sind wir im Moment schon sehr Dickluft-verwöhnt.
Doch das Gefühl, wenn man es dann endlich geschafft hat und am höchsten Punkt von Zentralamerika steht entlohnt für alle Mühen! Nach einer ausgiebigen Pause und einer deftigen Frühstücksjause mussten wir dann auch noch den Berggeistern opfern. Kevin hatte noch einen Böller von Silvester übrig, den er rituell sprengte…Der Tajumulco ist jetzt keine 4222m hoch, sondern nur mehr 4221m…Es fühlte sich auf jeden Fall so an…
Und auch das obligatorische Stoamandl durfte nicht fehlen. Danach ging es im Laufschritt wieder hinunter und wir waren schon am frühen Nachmittag wieder zurück in Xela.
In den nächsten Tagen in Xela lernten wir auch noch die Kiddies vom Quetzaltrekkers-Projekt kennen. An einem Abend waren wir zum wöchentlichen QT-Dinner eingeladen und an einem anderen spielten wir mit den Kids Fußball!
Gerade als wir abreisen wollten erfuhren wir von der geplanten Demo gegen den Krieg in Palästina, an der der Großteil der Quetzaltrekkers teilnehmen wollte. So blieben wir noch einen Tag und marschierten für einen guten Zweck mit. Die Demo war nicht groß, aber der gute Wille zählt…Es war sogar ein Bild von dieser Aktion in einer lokalen Zeitung – Kevins Iro ist unverkennbar!

Lago Atitlan...

„Da Lago Atitlan is so a grossa See in de Beag von Guatemala wo gaunz fü Leit mit am buntn Gwaund umadumrenan! Echte Indianer, a boa Hippis und an haufn Gringos (Amis).“
Kevins Kurzzusammenfassung trifft es eigentlich schon recht gut. Aber es gibt noch ein bisschen mehr zu erzählen...
Nach über 2 Wochen in Antigua ging es für uns wieder weiter. Gemeinsam mit der Norwegerin Stine fuhren wir zum Lago Atitlan. Die erste Nacht verbrachten wir noch in Panajachel, dass, da es den direktesten Straßenanschluss hat die Touristenhölle schlechthin ist: Nur Restaurants, Hotels und Souvenirshops und überfüllt mit vor allem guatemaltekischen Touristen, die es so richtig Krachen lassen.
Wir fuhren so schnell es ging weiter ins ruhigere San Marcos. Dieses kleine Nest ist das genaue Gegenteil von Pana. Außer ein paar kleinen Hotels gibt es hier nicht viel. Die Leute, die man hier trifft sind hauptsächlich Hardcore-Esoteriker, Pseudo-Yogis, Althippies und solche, die es noch werden wollen.
Unsere Tage in San Marcos verbrachten wir meistens bei den nahe gelegenen Felsen am Seeufer. Hier hat man die volle Ruhe zum Lesen, Entspannen und Sonnenbaden. Außerdem kann man von einigen Felsen ideal ins Wasser springen. Kevin ging wieder mal auf Konfrontationskurs mit seiner Höhenangst und stürzte sich x-mal von den 9 Meter hohen Klippen ins Wasser.
Fazit dieser Tage am See: Marita holte sich einen mörderischen Sonnenbrand am Bauch und Kevin ein verrissenes Kreuz…
Nach ein paar Tagen der Ruhe fuhren wir weiter nach San Pedro, in die Party- und Drogenmetropole des Lago Atitlans. Viele Backpacker kommen hierher um einen Spanischkurs zu machen und nebenbei noch so richtig die Sau raus zu lassen. An uns ging die ganze Sache wieder einmal spurlos vorüber. Das was bei uns Party-Machen am Nächsten kam war ein gepflegtes Bier am Randstein und auch da waren wir um 10 Uhr abends im Bett…
Nachdem wir alle Bars und Sprachschulen (ausnahmslos nur von außen) gesehen hatten, konnte es weiter nach Xela gehen, wo ein paar hohe Vulkane auf uns warteten…

Verwandtschaftsbesuch...

Als wir gerade in Antigua angekommen waren erfuhren wir, dass Maritas Onkel und Tante gerade auf einer Kreuzfahrt sind und auch einen Tag in Puerto Quetzal, an der Küste Guatemalas anlegen würden. So beschlossen wir kurzerhand einfach ein bisschen länger in Antigua zu bleiben und uns mit ihnen zu treffen. Zum einen ist es für uns praktisch, weil wir so ein paar Sachen heim „schicken“ können, zum anderen mussten wir die Gelegenheit nutzen nach über 2 Jahren wieder mal Familie zu sehen!
Das Treffen stellte sich aber schwieriger als gedacht heraus. Am Kreuzfahrtschiff bieten sie für diesen Tag an Land zwar auch Touren nach Antigua an, diese waren aber leider schon ausgebucht. Also mussten wir uns was anderes einfallen lassen…
Wir mieteten uns also für den 1. Jänner ein Auto (was echt nicht so einfach war) und fuhren hinunter an die Küste. Das Kreuzfahrtschiff legte pünktlich um 9 Uhr an und kurz darauf wurden wir schon von einer überglücklichen Vroni und einem freudestrahlenden Robert in die Arme geschlossen. Da es an der Küste echt nichts Sehenswertes gibt packten wir die beiden ins Auto und fuhren wieder zurück nach Antigua, um ihnen unser momentanes zuhause zu zeigen. Neben dem typischen Sightseeingprogramm (Aussichtshügel, Kirchen Kunsthandwerksmarkt,…) führten wir sie auch noch am Markt zum Essen aus. Obwohl sie erst skeptisch auf eine eigene Portion verzichteten, bestellten sie dann, nachdem unsere Teller serviert worden waren und das Essen darauf „gar nicht so schlecht“ aussah, doch noch was für sich auch. Nachdem wir uns auch noch durch die tropischen Früchte am Markt gekostet hatten ging es schon wieder zurück zum Schiff.
Wir ließen den Nachmittag mit einem Bier (und Kevin und Robert mit einer Curley) im Hafen ausklingen. Um 5 Uhr Nachmittag hieß es dann Abschied nehmen - Robert und Vroni kehrten zurück in ihre schwimmende Luxusstadt und wir machten uns wieder auf nach Antigua in unser kleines, billiges Zimmer zu unseren Rucksäcken…Unterschiedlicher können Reisestile nicht sein!
Danke Vroni und Robert für diesen wunderschönen Tag!

Silvester in Antigua...

In Antigua ist schon zu Weihnachten die Hölle los gewesen. Wie im Rest von Süd- und Mittelamerika wird auch hier zu Mitternacht Feuerwerk geschossen…Und zu Silvester, wurde uns gesagt, sollte noch viel mehr geschossen werden. Die Ratschläge gingen von „Mitten rein ins Getümmel!“ bis „Verzieh dich zu Mitternacht in irgendeine Bar oder ins Hotel, denn die Plaza ist lebensgefährlich“. Für uns war klar: wir mussten uns natürlich ersteres geben!
Schon die ganze Woche freute sich Kevin wie ein kleines Kind aufs große Kracherschießen. Am 31. am Nachmittag war es dann soweit. Wir gingen auf den Feuerwerks-Markt, den sie extra für Neujahr aufgebaut hatten und Kevin konnte sich endlich selbst sein Geburtstagsgeschenk machen. Nach einer guten halben Stunde des Aussuchens und Preisfeilschens war der Rucksack voll mit Böllern und Feuerwerk und das Geldtaschl leer. Also hieß es zurück zum Hostal, Zeug abliefern, Rucksack ausleeren, mehr Geld einpacken und wieder zurück zum Markt. Maritas Einwände, dass wir ja schon Böller hatten um mindestens 2 Einfamilienhäuser in die Luft zu jagen schlugen auf taube Ohren. Kevin brauchte mindestens eine weitere Rucksackladung um völlig zufrieden zu sein…
Um die Zeit bis zum großen Schießen zu überbrücken kochten wir im Hostal groß auf – Hühnchen in Erdnuss-Sahne-Sauce!
Gegen Mitternacht wanderten wir dann aufmagaziniert dem Inferno entgegen. Schon von weitem hörte man die Kracher - und Kracher in Guatemala sind nicht wie die netten kleinen Schweizer in Österreich, sondern eher wie Rohrbomben, weshalb jeder richtige Rumpser auch gleich von dem Gezirpe und Getute der Autoalarmanlagen begleitet ist.
Kevin ging voll in seiner Rolle als Sprengmeister auf, während Marita eine Fetzengaudi mit kleinen Feuerwirbelchen und Knisterhölzchen hatte…
Mitternachtswalzer gab’s zwar keinen, dafür klingelnde Ohren und viel zu süßen Sekt – perfektes Silvester sozusagen – Happy Birthday, Kevin!
Nach dem großen Schießen ging es für uns aber gleich ins Bett. Wir mussten am nächsten Morgen ja bald auf um Maritas Onkel und Tante vom Hafen abzuholen…

MayaPedal...

Manche Leute, die man beim Reisen kennen lernt, sind nur kurze Bekanntschaften, bei anderen weiß man sofort, dass das ganz besondere Freunde sein werden. Tyson ist einer dieser Menschen…
Wir lernten ihn bei unserer Arbeit in Nicaragua kennen, als eines schönen Tages plötzlich ein abgekämpfter Radfahrer in der Tür stand und fragte ob das hier ein Hostal sei. Das Haus hat von außen interessant ausgeschaut… Wir erklärten ihm was wir hier machen und er erzählte uns von seiner bereits einjährigen Radreise durch Süd- und Mittelamerika. Da Tyson noch auf Unterkunftssuche war und wir ein Zimmer frei hatten quartierten wir ihn kurzerhand bei uns im Haus ein. Wir kochten gemeinsam, erfuhren einiges über seinen überaus interessanten Lebensstil und tauschten Autostoppergeschichten gegen Radfahrstorys aus.
Seit diesen Tagen ist der Kontakt zwischen uns nie abgerissen. In Antigua bekamen wir dann ein Mail, in dem er uns schrieb, dass er in dem kleinen Ort Itzapa, ca. 1 Stunde von Antigua, bei Mayapedal als Volunteer arbeitet. Wir beschlossen kurzerhand ihm einen Überraschungsbesuch abzustatten. Und überrascht war er!
Sofort wurden wir der ganzen Volunteer-Truppe vorgestellt und zum Mittagessen eingeladen. Es war ein super Tag mit spazieren gehen, kochen, Schokolademachen und die Volunteerwerkstatt besichtigen.
Bei Mayapedal bauen Volunteers aus alten Fahrrädern Maschinen, die mit Tretkraft anstelle von Strom angetrieben werden. Es gibt Fahrrad-Waschmaschinen, Fahrrad-Mixer, Fahrrad-Mühlen,… Im Prinzip ist es als Sozialprojekt geplant, in dem die arme Landbevölkerung von Guatemala unterstützt werden soll. In der Realität schlagen leider nur einige Profit aus den verkauften Maschinen und der eigentliche Zweck ist in den Hintergrund getreten.
Tyson war sehr gefrustet deswegen, sah es aber trotzdem als gute Gelegenheit viel über Fahrräder und deren Reparatur zu lernen…Und die Truppe dort war echt super!
Nach einem ereignisreichen Tag und einem geschenkten Kocher aus recycelten Bierdosen ging es für uns wieder zurück nach Antigua. Es war echt schön Tyson wieder gesehen zu haben. Und wir werden weiter in Kontakt bleiben. Er ist ja auch auf dem Weg in die Staaten. Vielleicht kreuzen sich unsere Wege ja wieder einmal…

Vulkan Pacaya...

Wir haben schon von anderen Travellern gehört, dass sich der Besuch dieses aktiven Vulkans echt lohnt, da man wirklich nahe an die Lava heran kommt. Da wir seit Nicaragua sowieso vulkansüchtig sind, konnten wir uns das natürlich nicht entgehen lassen…und Lava wollten wir immer schon mal sehen. Wir hatten ja keine Ahnung WIE nahe wir sie sehen würden…
In 2 Stunden wandert man rauf bis knapp unter den Gipfel. Hier tritt aus der Seite des Vulkans konstant Lava aus. In kleinen Bächen rinnt das flüssige Gestein aus dem inneren des Bergs. Und du kannst (so nahe du es in der Hitze halt aushältst) direkt daneben stehen. Es ist so schräg auf einem erst kürzlich erloschenen Lavastrom zu stehen, wo du weißt, dass das vielleicht vorgestern oder so noch tausende Grad heiße Lava war. Unter deinen Füßen siehst du in den kleinen Spalten und Rissen noch die Lava glühen…
Du musst schon aufpassen wo du hinsteigst, da es sein kann, dass dir sonst deine Sohlen unter den Füßen wegschmelzen. Kevins Schuhe sind ein gutes Beispiel für „ZU nahe bei der Lava“…Auch ein nettes Andenken!
Wenn du in Nicaragua auf Vulkane kletterst hast du oft das Gefühl als würdest du auf einem erloschenen Grill stehen…beim Pacaya ist es eher so als würdest du am frisch angeheizten Barbecue herumspazieren!
Sicherheitstechnisch ist ein Trip auf den Pacaya ein Albtraum, aber es ist einfach eine irre Erfahrung! Du stehst so knapp bei der Lava, dass du, wenn du wolltest Marshmallows oder Würstel darauf grillen könntest. Oder du zündest dir einfach deine Zigarette mit glühendem Gestein an…Schade, dass wir vergessen hatten ein Steak mitzubringen…

Antigua...

Die schöne Kolonialstadt Antigua liegt im Hochland Guatemalas, umringt von den Vulkanen Agua (Wasser), Fuego (Feuer) und Acatenango. Es ist die ehemalige Hauptstadt des Landes, weshalb es hier unzählige alte Kolonialbauten, weite Kopfsteinpflasterstraßen und schöne alte Kirchen gibt. Vor ein paar Jahrzehnten entdeckten Auswanderer und die Oberschicht Guatemalas die Stadt für sich und kauften die alten eingefallen Gebäude im Zentrum auf und putzten sie wieder heraus. Heute ist Antigua DIE Touristenhauptstadt des Landes, aber auch sicher die Unguatemaltekischte. Viele der Stromleitungen verlaufen unterirdisch, das Müllabfuhrsystem funktioniert tadellos und streunende Hunde verschwinden über Nacht auf mysteriöse Art und Weise.
Eigentlich wollten wir nur einige Tage in Antigua bleiben. Der Plan war nach Weihnachten weiter zu ziehen. Als wir aber erfuhren, dass Maritas Onkel und Tante bei ihrem Kreuzfahrtsurlaub für einen Tag auch in Guatemala Halt machen würden, beschlossen wir auf sie zu warten und Silvester auch noch in Antigua zu feiern. Wann hat man schon mal die Möglichkeit die Familie wieder zu sehen…Das Warten war auch nicht so schlimm. In und um die Stadt gibt es genug zu tun und Dank unserer supergünstigen Unterkunft und dem billigen Marktfutter konnten wir locker in unserem Budget bleiben. Außerdem fanden sich in unserem Hostel immer nette Leute zum quatschen. Wir verbrachten viele Abende mit gemeinsamen Abendessen und Gesprächen bis tief in die Nacht. Bei so einem gemütlichen Leben vergeht die Zeit des Wartens echt schnell…

Dienstag, 23. Dezember 2008

Lanquín und Semuc Champey...

Da Semuc Champey und die nahe gelegenen Höhlen von Lanquin zum Pflichtprogramm eines jeden Backpackers gehören, mussten wir natürlich auch hin. Aus Erfahrung meiden wir normalerweise jede Art von geguideter Tour, aber in diesem Fall stimmte das Preis-Leistungs-Verhältnis und es war die einzige Möglichkeit wirklich alles zu sehen. Und wir wurden positiv überrascht.

Zuerst ging es in die erst kürzlich entdeckte Cueva de las Marias. Der Ursprung des Baches der aus dieser Höhle rinnt, ist bis heute noch ein Rätsel… Mit Badehosen, Kerzen und Kopflampen ausgestattet wateten wir in das eiskalte Wasser der Höhle. Teilweise mussten wir mit der Kerze in der Hand längere Strecken schwimmen, passierten einige Engstellen und kletterten in einem Wasserfall am Seil hoch. Ist schon ein mulmiges Gefühl wenn man in einer dunklen Höhle im schwarzen tiefen Wasser schwimmt und nicht genau weiß was so alles da drinnen lebt...

Am Rückweg ging es dann durch die Klospülung. An dieser Stelle verengt sich die Höhle auf einen schmalen Schlitz, in dem nach wenigen Metern das Wasser plötzlich wie in einer Klospülung in einem kleinen Loch verschwindet. Der Guide erklärt dir nur wo du deine Hände und Füße platzieren musst und wann du auslassen sollst. Unwissend wo du landen wirst platscht du in einen kleinen darunter liegenden Pool…

Völlig unterkühlt und durchgefroren kamen wir nach 2 Stunden wieder ans Tageslicht.

Nach der Höhle ging es im Autoschlauch den Fluss hinunter. Beim Rückweg sprangen wir noch (wer wollte) von einer 8 Meter hohen Brücke. Kevin musste natürlich auf Anhieb einen Kopfsprung wagen…er blieb der Einzige an diesem Tag.

Dann ging es auf eine etwa halbstündige Wanderung zu einem Aussichtspunkt, von wo aus wir die berühmten Pools von Semuc Champey aus mehreren hundert Metern Höhe bewundern konnten. Wieder unten beim Fluss konnten wir durchgeschwitzt von der Dschungelwanderung endlich in die kühlen, glasklaren Pools springen. Das Besondere an Semuc Champey ist, dass ein reißender Fluss in einer Höhle verschwindet und erst nach mehreren Hundert Metern wieder donnernd ans Tageslicht kommt. Auf dem Dach der Höhle, das wie eine natürliche Brücke wirkt, hat sich im Lehmstein eine Unzahl von glasklaren, türkis schimmernden Pools und Wasserfällen gebildet. Es gibt unzählige Felsen, die zum Hineinspringen einladen, natürliche Wasserrutschen und mehre Meter tiefe Pools. Das ganze wirkt wie ein natürlich entstandener Wasserfreizeitpark und ist einfach paradiesisch!

Nach diesem ereignisreichen Tag fielen wir am Abend hundemüde in unsere Hängematten – Reisen kann so schön sein!!!

Cobán - alte Braeuche und Kaffee

In die kleine Stadt Cobán sind wir eigentlich nur deswegen gefahren, weil es am Weg nach Semuc Champey liegt. Es gab aber dann doch einige nette Dinge zu sehen. Mit seiner Lage auf knapp über tausend Metern bietet sich die Gegend rund um Cobán für den Anbau von Hochlandkaffee an. Das Wetter hier ist auch genauso wie es der Kaffee mag – schön feucht und kühl. Nur wir zwei Karibikverwöhnten fühlten uns nicht so wohl…

Trotzdem machten wir volles Sightseeingprogramm. Erst gings zur Kaffee-Finca Magdalena, wo wir alles über die koffeinhaltigen Bohnen und ihre Verarbeitung erfuhren. Diese Kaffeeplantage wurde 1880 von einem deutschen Auswanderer gegründet und produziert noch immer qualitativ hochwertigen Exportkaffee. Echt nett mal zu sehen wo unsere heiß geliebte schwarze Suppe herkommt.

Gestärkt mit einer Tasse frisch gerösteten Kaffees ging es weiter zum Templo el Calvario. Der Kreuzweg, der zu dieser Kapelle führt, wurde von den Indigenas etwas umfunktioniert. In den kleinen Nischen findet man nicht mehr den Leidensweg Jesu, sondern diverse Opfergaben an die alten Mayagötter. Hier in Guatemala kommt es oft vor, dass sich alte Traditionen und die christliche Religion vermischen. Auf dem Friedhof neben der Kirche findet man zwei große Opferschalen und in der Kirche hängen große Bündel mit Mais – dem Stoff aus dem in der Maya-Mythologie die ersten Menschen geformt worden sind.

Ciudad de Guatemala - eine positive Ueberraschung...

An einem langen Reisetag schafften wir es von Livingston bis Guatemala City zu kommen. Von dieser Stadt hatten wir bisher nichts Gutes gehört und bereiteten uns auf das Schlimmste vor. Alle Reisenden, denen wir bisher von unserem Plan, auch die Hauptstadt des Landes zu besuchen erzählt hatten, haben den Kopf geschüttelt und uns davon abgeraten. Unserer Meinung nach ist es aber wichtig auch die Hauptstadt eines Landes gesehen zu haben und so stürzten wir uns mitten hinein in die Action…und wurden positiv überrascht.

Sicherlich ist Guatemala City eine der gefährlichsten Städte des gesamten Kontinents, aber wenn man tagsüber im Zentrum der Stadt ohne Wertgegenstände spazieren geht merkt man nicht viel davon. Die riesige Plaza lädt zum Hinsetzen und Leuteschauen ein (eine unserer Lieblingsbeschäftigungen) und am nahe gelegenen mercado central kann man von kitschigen Souvenirs bis zu exotischen Früchten und Weihnachtsramsch alles kaufen. Überall kann man günstige Straßensnacks kaufen und so verbrachten wir einen gemütlichen Naschmittag…

Unserer Meinung nach ist Guatemala City eine mehr oder weniger schöne Großstadt (was sich ja eigentlich widerspricht), die man auf jeden Fall gesehen haben sollte.

Beim Schlendern auf dem Markt entdeckten wir in einem Elektronikgeschäft auch endlich die Lösung für unser Speicherplatzproblem. Seit unser I-pod nämlich den Geist aufgegeben hat können wir unsere Bilder nur noch am Laptop speichern und der wird erstens schön langsam voll und zweitens ist es immer besser, die Daten noch an einem zweiten Ort gesichert zu haben. Nach langem Überlegen beschlossen wir die 110 Euro zu investieren und uns eine 2,5“ 320GB externe Festplatte zu gönnen. Jetzt kann unser Laptop endlich wieder mal aufatmen!

Livingston - zurueck in Guatemala...

Wenn man an Guatemala denkt, kommt einem sicher nicht als erstes die Karibik in den Sinn. Livingston ist auch nicht unbedingt das, was man als typisch guatemaltekisch bezeichnet. Die Garifuna-Stadt an der Mündung des Rio Dulce hat bis heute noch keinen Straßenanschluss und hat deshalb sein karibisches Flair noch nicht verloren. Ein bisschen ist es sogar wie Belize…aber nicht mehr ganz so entspannt, freundlich und belizisch…

Nichts desto trotz war es unser letzter Halt an der Karibik und so machten wir das Beste daraus. Wir campten (als einzige) im Garten vom teuren Gringohostel und genossen es die Exoten am Platz zu sein.

Hier lernten wir auch den Indo-amerikaner Channy kennen, der mit seinen 66 Jahren die Welt mit genauso viel Begeisterung und Scheißdrauf erkundet wie wir. Bei ein paar gemeinsamen Bier tauschten wir Reisegeschichten und Tips aus und lernten eine Menge über Astronomie. Hoffentlich treffen wir ihn mal wieder…entweder in Guatemala, oder irgendwo im Rest dieser kleinen Welt…

Da der Bankomat in Livingston unsere Karten (alle 3) nicht akzeptieren wollte, war unser Aufenthalt hier begrenzt. Wir kratzten noch die letzten Dollar zusammen und dehnten so unseren letzten Karibikaufenthalt so lange wie möglich. Es zog uns so gar nicht ins kalte Hochland…

Punta Gorda und ein Jubilaeum...

Unser nächstes Ziel war Punta Gorda, eine Stadt, die dafür bekannt ist, dass seine Bewohner soooo relaxt sind - noch mehr als im Rest von Belize. Sie können sich nicht einmal dazu aufraffen ihre Stadt beim vollen Namen zu nennen und so ist Punta Gorda im ganzen Land einfach als PG bekannt.

Wir kamen hierher, weil es leider schon wieder Zeit war, unser neues Lieblingsland zu verlassen. Von PG fahren die Boote nach Guatemala ab und auf dem Wasserweg spart man sich die 20 US$ Ausreisegebühr (Es werden lediglich die 3,75 US$ Nationalparkerhaltungsgebühr kassiert und die zahlten wir gerne)

Bevor es aber zurück nach Guatemala ging legten wir einen Tag Pause ein um unser 2jähriges Reisejubiläum zu feiern.

2 years on the road!!!

Wir feierten mit lauter Sachen, die wir uns sonst nicht gönnen. Wir leisteten uns ein teures beliz´sches Bier, aßen andächtig die Gummibärchen, die Kevin in Nicaragua als Trinkgeld bekommen hatte (die ersten seit 2 Jahren!) und stießen mit österreichischem Marillenschnaps an (Danke, Dominik!).

Am nächsten Morgen stiegen wir schweren Herzens in das Boot, das uns über den blau strahlenden Golf von Honduras nach Livingston/Guatemala brachte. Keiner von uns beiden wollte Belize so recht verlassen und schon gar nicht in Richtung Guatemala…

Placencia - eine Halbinsel wie im Paradies...

Placencia - die Insel, auf die man mit dem Auto fahren kann. Dadurch, dass der Ort auf der äußersten Spitze einer 16 Meilen langen Halbinsel liegt, die meist nur 50 bis 300 Meter breit ist, hat man nicht das Gefühl am Festland zu sein. Lange Zeit konnte man Placencia nur mit dem Boot erreichen und dieses damals entstandene Inselflair ist bis heute erhalten geblieben.

Die Ortschaft ist umringt von weißen Sandstränden an denen Schatten spendende Kokospalmen einen grünen Kontrast zum türkis schimmernden Wasser der Karibik bilden. (Es ist WIRKLICH so kitschig, sorry!)

Das Geheimnis vom Paradies ist leider schon lange heraußen und hunderte reiche Amis bauen ihre Villen und Paläste entlang der Strände der Halbinsel. Das Dorf selbst ist aber zum Glück verschont geblieben und ist noch immer ruhig und relaxt.

Da Lebensmittel hier teurer sind als am „Festland“ hieß es für uns: Handleine auspacken und ab an den Strand! Wir fingen zwar nichts Großes, aber wenn man einen ganzen Fischschwarm verkocht, wird man davon auch satt. Touris schauen manchmal ein wenig irritiert, wenn sie beim romantischen Strandspaziergang auf zwei Hippies treffen, die auf ihrem Benzinkocher ein paar Aquariumfische abbraten, aber die Einheimischen finden es immer lustig und interessant. Eine Fischerkollegin schenkte uns sogar 2 Bier! Wenn das kein perfekter Tag am Strand ist…

Auch wenn das Wetter in Placencia alles andere als karibisch war, genossen wir trotzdem dieses kleine Paradies.

Durch unsere tollen Verkaufserfolge in Barton Creek angestachelt, versuchten wir unser Glück als professionelle Artesanos natürlich auch hier. Wir haben zwar schon öfter Armbänder und dergleichen verkauft, haben es aber noch nie gewagt uns tatsächlich mit unserem Zeug auf die Straße zu setzen und zu verkaufen. Placencia ist da der perfekte Ort für eine Premiere.

Wegen mangelnden Touristen waren unsere Verkäufe zwar nicht all zu rosig, aber die eine oder andere Mahlzeit ging sich schon aus. Wir werden es auf jeden Fall beibehalten an schönen Orten unsere Reisekasse ein bisschen aufzubessern.

Placencia wäre wirklich ein Platz, an dem wir es uns vorstellen könnten zu leben. Der Erste auf unserer Reise, der 100%ig passen würde…Aber noch ruft die Reiselust und man kann schöne Orte ja vormerken…

Sitee River...

Da es von Hopkins ins benachbarte Sitee keinen Bus gab und auch kein Verkehr war, hieß es für uns wieder mal marschieren. So ging es in der Mittagshitze über eine im Sumpf aufgeschüttete Schotterstraße Richtung Süden.

Plötzlich gab es ein lautes Platschen und aus dem Augenwinkel nahmen wir eine schnelle Bewegung im Wasser wahr. Wir hatten circa 4 Meter neben uns ein sich sonnendes Krokodil aufgeschreckt… „Lass uns lieber in der Mitte der Straße gehen!“

In Sitee River angekommen fanden wir eine tolle Campingmöglichkeit mit gratis Kajak/Kanubenutzung und mit dem 3 Nächte zum Preis von 2 Angebot war unsere Aufenthaltsdauer schon bei der Ankunft klar.

Der Zugang zu gratis Kajaks artete in ein Intensivoberkörpermuskulaturtraining aus. Stundenlang erkundeten wir den Fluss und seine Seitenarme auf der Suche nach Krokodilen. Nebenbei versuchten wir unser Glück beim Fischen und erlegten die eine oder andere Kokosnuss. (Merke: Nimm NIE die im Sumpf liegenden trockenen Nüsse – sie riechen entweder nach Scheiße oder schmecken nach Magensäure – 2 Erfahrungen, die man sich sparen kann!)

Nach drei Tagen sollte es nach Placencia weitergehen. Wir saßen in der Haltestelle und warteten auf den Bus, als wir plötzlich von irgendwoher Reggaemusik hörten. Kurz darauf erschien eine klapprige Karre in unserem Blickfeld aus der uns ein Rastamann zugrüßte: „Eh Rastafara, Respect!“ Er hatte - oh Wunder - ein wenig Zeit und stieg aus um mit uns ein wenig zu plaudern. Als er Maritas Ukulele am Rucksack entdeckte war er sofort begeistert – Jamsession! Da die Ukulele aber nicht so klingen wollte wie er sich das vorgestellt hatte meinte er wir müssten sie erst weihen. Er klappte seine zerlesene, in Leder gebundene Bibel auf und entnahm ihr einen feinsäuberlich gerollten Joint. Der Joint wurde angeraucht und die Ukulele weitergereicht (man kann nicht rauchen und spielen gleichzeitig). Nach einer kurzen Reggaesession (ich glaube alle Rasta können singen) und einem auf Rasta-Style interpretierten Bibelzitat stieg er wieder in seine Schüssel und tuckerte zum Sound von Bob Marley wieder weiter. Yea, dats life here fella! Yu betta Belize it!

Da wieder einmal kein Bus kam durften wir wieder Geld sparen und nette Leute kennen lernen. Ein paar nette Leute später standen wir bei der Abzweigung nach Placencia. Hier war das erste Fahrzeug das daherkam ein Bus und so bezahlten wir halt.

Als wir in den alten Schulbus einstiegen grüßte der Fahrer mit einem Daumen nach oben und drehte den Reggae lauter. Im Takt wippend quälte sich der Bus dann über eine rote lehmige Schlammpiste durch den Dschungel Richtung Placencia…

Der Blue Hole National Park und Hopkins...

Nächster Halt: Blue Hole National Park.

Nur gute 10 Meilen südlich von Belmopan liegt dieser kleine Nationalpark, in dem es neben mehreren Höhlen und Lehmsteinformationen auch das namensgebende Blue Hole gibt. Der Name ist aber spektakulärer als das blaue Loch selbst. Es ist eine kollabierte Lehmsteinhöhle, die sich dank einem unterirdischen Fluss mit Wasser gefüllt hat und nun in allen Blautönen schimmert. Gemäß Reiseführer soll es 100 Meter im Durchmesser haben und über 30 Meter tief sein. In Wirklichkeit hat es (wenn man die seichten Stellen mit einrechnet) 20 Meter im Durchmesser und ist angeblich 8 Meter tief. Keine Ahnung wo die bei Lonely Planet diese Daten herhaben…

Die Höhlen, die nur in einem Nebensatz erwähnt werden, waren dafür echt eindrucksvoll. Man kann leider nur in eine ohne Guide rein, aber die paar hundert Meter reichten schon, um wieder einmal ein bisschen Höhlenluft zu schnuppern.

Wir konnten für ein paar Belizedollar beim Besucherzentrum des Parks campen, was uns wieder einmal eine Nacht in einem teuren Hotel sparte. Als dann am Abend die Ranger heimgegangen waren und der Verkehr auf der Straße weniger wurde, konnten wir endlich auf die andere Straßenseite – rein in die Grapefruitplantage! Wir füllten alle unsere Taschen und genossen die bittersüßen Früchte zum Abendessen. Zum Frühstück gab’s dann für jeden einen halben Liter frisch gepressten Grapefruitsaft zum Kaffee. So lässt es sich leben – selbst im teuren Belize!

Nach dieser mit Tierstimmen und Scharrgeräuschen gefüllten Dschungelnacht wollten wir weiter an die Karibikküste. Da der Bus aber zu voll war und nicht stehen blieb, hatten wir zwei Möglichkeiten: a) wir warten noch eine Stunde und hoffen, dass uns der nächste Bus mitnimmt oder b) wir sparen ein paar Dollar und lernen in diesem so freundlichen Land ein paar nette Menschen kennen.

Mit einem Grapefruittruck ging es kurz darauf den Hummingbird Highway Richtung Süden runter. Als Abschiedsgeschenk drückte uns der Trucker dann ein paar Grapefruits in die Hand, nicht wissend, dass unsere Rucksäcke nur deshalb so schwer waren, weil wir von der letzten Plantage noch einen Vorrat gebunkert hatten…

Ein paar lifts später waren wir an unserem Ziel, dem kleinen Nest Hopkins, angekommen.

Da Hopkins aber nicht viel mehr als eine staubige Straße mit ein paar Häusern entlang der Küste war machten wir uns gleich am nächsten Tag auf Richtung Sitee River – einem noch kleineren Nest in dem es auch nichts zu sehen gibt, man aber günstig campen kann.

Barton Creek Outpost...

Mitten im Dschungel, am Rand des Mountain Pine Ridge Forest Reserves haben sich zwei Amis in der Nähe der Barton Creek Höhle ihr kleines Paradies geschaffen – den Barton Creek Outpost. Außer der Höhle gibt es in der näheren Umgebung noch schöne Badeplätze, Dschungelspaziergänge, Mennonitendörfer und Orangenplantagen zu sehen.

Und das Beste daran: Wenn man sein eigenes Zelt hat kann man dort gratis campen. So eine Gelegenheit können wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Die einzige Schwierigkeit besteht darin dieses Paradies am A… der Welt zu erreichen. Es gibt keinen öffentlichen Transport und die einzige offizielle Variante hinzukommen ist via Tour, die circa 40US$ pro Person kostet.

Von dem ließen wir uns natürlich nicht beirren. Wir kauften Futter für mehrere Tage, fuhren mit dem Bus bis zur Abzweigung zum Reserve und marschierten los. Schon das erste Auto, das nach einer Stunde kam, nahm uns mit. Wie sich herausstellte, war es sogar eine der teuren Touren, die am Weg zum Outpost war. So kamen wir gratis per Tour an unser Ziel! Wenn das kein Autostopperglück ist!

Die nächsten Tage verbrachten wir mit Schwimmen, Wandern, Leben genießen und Knüpfen. Unseren Gastgebern gefielen unsere Armbänder und Ketten sogar so gut, dass sie uns gleich noch ein paar abkauften.

Der Rücktransport nach San Ignacio funktionierte auch völlig reibungslos und gratis, da wir mit den bei der Höhle stationierten Parkrangern mitkamen.

Alles in allem haben wir für diesen Trip (im teueren Belize) praktisch kein Geld ausgegeben…wir haben sogar Gewinn gemacht, wenn man unsere tollen Verkäufe mit einrechnet.

Belize City und Belmopan

Belize City war, bis es 1961 von einem Hurricane schwer getroffen wurde, die Hauptstadt des Landes. Um neuerliche Schäden zu vermeiden packte die Regierung alles zusammen und verlegte die Hauptstadt einfach in das kleine Nest Belmopan, im Landesinneren. Die Idee der neuen Hauptstadt hat die Leute von Belize City aber nicht zum Übersiedeln animieren können. So bleibt Belmopan ein kleines Nest und Belize City mit 66 000 Einwohnern die größte Stadt des Landes.

Wir besuchten beide Städte in einem Tagestrip von San Ignacio aus. In Belmopan gibt es außer ein paar Regierungsgebäuden, einer Tankstelle und einem Busterminal nicht all zu viel zu sehen und auch Belize City ist weit davon entfernt eine Metropole zu sein. Die Hauptstraße ist eine staubige Schotterstraße auf der ein schwarzer Polizist mit der offenen Tarnjacke und Sonnenbrille auf einem pinken Mädchenfahrrad Patrouille fährt…Irgendwie wirkt die Stadt wie ein überdimensionales Karibiknest – und genau das ist sie eigentlich auch. Sicher gibt es auch hier ein paar sehr seltsame Gestalten und Belize City mag schon das gefährlichste Pflaster des Landes sein, aber das mag nicht viel heißen. Es ist und bleibt Belize! Wir sind im Moment andere Kaliber gewohnt.

Belize - San Ignacio...

Da Kevin, aus irgendeinem Grund immer schon nach Belize wollte und wir sowieso unser Visum Für Guatemala verlängern mussten, beschlossen wir einen kurzen Abstecher in dieses angeblich viel zu teure Land zu machen.

Stell dir vor: ein Land ca. halb so groß wie Österreich mit nur 300 000 Einwohnern, die aus allen Kulturen, Farben und Religionen bunt zusammengewürfelt sind und sich auch noch gut untereinander vertragen. Jeder spricht mehrere Sprachen und man einigt sich bei einem Gespräch halt einfach auf eine davon. Das Land selbst ist von Dschungel überwachsen, mit glasklaren Flüssen durchzogen und das zweitgrößte Barrier Reef der Erde liegt direkt vor seiner Küste. Überall wachsen Orangen, die Strände sind sauber, die Leute freundlich, überall hört man Reggae,…

Wo ist da der Haken?...Gibt keinen! Wir haben unser Paradies gefunden!

Dieses Land war genau das was wir jetzt brauchten. Nachdem wir die Grenze von Guatemala überquert hatten wurden wir gleich von freundlich grüßenden Menschen empfangen. Keiner will mehr unverschämt hohe Summen für lächerliche Kleinigkeiten, man tut sich einfach so mal einen Gefallen, alles läuft etwas langsamer und jeder hat mal Zeit für einen kleinen Tratsch auf der Straße. Es ist hier völlig normal wildfremde Menschen anzusprechen und mit ihnen schon nach wenigen Minuten gut befreundet zu sein (Ja, so etwas gibt es auf dieser Welt noch!).

So ging es uns in San Ignacio als wir auf der Suche nach einem Campingplatz von einem reggaesingendem Rastamann mit Joint im Mund eingeladen wurden mit ihm zu campen. Der Campingpreis stellte sich als leistbar heraus und so hatten wir ein neues Zuhause. Calvin, der singende Rasta, war neben uns der einzige Camper und wir verbrachten die nächsten Tage mit gemeinsamem Kochen, singen, quatschen und Ideen austauschen. Ein echt witziger Kerl!

Calvin ist gebürtiger Belizer, der lange Zeit in Jamaika gelebt hat und erst seit wenigen Wochen wieder in seiner ursprünglichen Heimat ist. Er lebt davon Bananenwein zu brauen und den dann am Markt zu verscherbeln. Es ist grundsätzlich nur ein leckerer Fruchtsaft, aber er vermarktet ihn mit so einer Begeisterung, dass er zum magischen Heiltrunk wird. Seine Inspiration schöpft er aus der Kraft Jah´s und dem heiligen Kraut, dass er ununterbrochen raucht – ein echter Rastafari halt. Wenn manche Christen Glauben, Spiritualität und Nächstenliebe so leben würden, wäre diese Welt ein besserer Ort! Er betet, verbrennt heiliges Kraut und singt (um den Druck im Kopf zu verringern) heilige Reggaelieder. Mit ihm haben wir die Rastafari-Bewegung als echte Religion verstanden.

So langsam das Leben in Belize scheint, so schnell ziehen die Tage vorbei (besonders, wenn man nur ein 30-Tages-Visum hat)

Jeden Samstag ist in San Ignacio Markttag und das bedeutet, dass die ohnehin schon bunte Ortschaft noch viel bunter wird. Alles und jeder versammelt sich auf dem großen Marktplatz und es wird gehandelt, getratscht und gegrillt. Die Amish fahren mit ihren Pferdefuhrwerden an dir vorbei, während die Inderin in ihrem Sari mit dem Rasa mit den knielangen Dreadlocks plaudert und der ausgewanderte Ami bei dem kleinen Mayaweibchen seine Kokosnüsse kauft. Der eine oder andere Tourist vervollständigt das bunte Treiben noch.

Die Ruinen von Tikal...

Der Besuch der Ruinen von Tikal begann nicht in der besten Stimmung. In den letzten Wochen unserer Reise hatte sich ein Stimmungstief aufgebaut. Zuerst war da der schmerzhafte Abschied von León und Quetzaltrekkers, dann die heftige Geschichte von El Salvador, viele anstrengende Reisetage, die Bescheißerei in Guatemala und dann noch die Nachricht von Robs Ermordung.

Obwohl es uns schwer fiel, beschlossen wir am Tag nachdem wir die Todesnachricht erhalten hatten zu den Ruinen zu fahren – Wir brauchten die Ablenkung.

Tikal ist einfach gigantisch! Die Stadt, die einst über 100 000 Einwohner hatte, war Jahrhunderte vom Dschungel überwachsen und ist heute gerade so weit freigelegt, dass man ihre vielen Plazas, Gebäude und Tempel bewundern kann. Es wurde aber noch genug Dschungel übergelassen, um einem das richtige Indiana Jones-Feeling zu geben. Nur die Spitzen der gigantischen Tempel ragen über das Dschungeldach hinaus.

Den ganzen Tag (von sechs in der Früh bis vier am Nachmittag) wanderten wir zwischen den Ruinen umher und erkletterten fast jeden Tempel. Bei einer Fläche von ehemals 30km² und Tempeln, die bis zu 64m hoch sind, kommen da so einige Strecken- und Höhenkilometer zusammen…

Im Vergleich zu Copán ist Tikal einfach RIESIG. Es ist faszinierend wie die Maya damals so hohe und schmale Tempel bauen konnten.

Aber beide Ruinenstädte muss man gesehen haben – Tikal wegen seiner Architektur und Umgebung und Copán wegen der feinen Steinmetzkunst.

Rob - Der Verlust eines guten Freundes...

Es ist jetzt, wo wir diese Zeilen schreiben, schon über ein Monat her, aber irgendwie können wir es immer noch nicht fassen. Das sind Sachen, von denen man normalerweise nur in der Zeitung liest und plötzlich ist man selbst davon betroffen…Aber alles der Reihe nach:

Wir haben Rob in León bei Quetzaltrekkers kennen gelernt. Er machte sein 5-monatiges Praktikum für seine Tourismusschule in León und genoss das Leben in Nicaragua in vollen Zügen. Er war die gesamten 3 ½ Monate, die wir in León waren mit von der Partie und war einfach fixer Bestandteil des Quetzaltrekkers-Hauses.

Als Anfang November die Zeit für die Heimreise nach Holland gekommen war, fuhr Rob mit dem Chickenbus über Nacht von Managua nach Guatemala City, von wo aus er seinen Flug nachhause hatte. Der Bus kam aber nie an.

Etwa 100km vor dem Ziel wurde der Bus am nächsten Morgen ausgebrannt am Straßenrand gefunden. Der Polizei war es zunächst ein Rätsel was sich zugetragen hatte, da alle Passagiere noch in ihren Sitzen saßen, die Türen und Fenster des Busses aber offen standen. Offensichtlich hatte keiner versucht dem Feuer zu entkommen.

Erst nach einigen Tagen stellte sich heraus, dass sämtliche Passagiere beim Ausbruch des Feuers schon tot gewesen sind. Sie wurden alle erschossen.

15 Nicaraguaner und Rob fanden den Tod.

Niemand weiß warum und was sich genau abgespielt hat. Die Polizei vermutet irgendeinen Drogen- oder Ganghintergrund.

Es tat so unglaublich weh, die Bilder des ausgebrannten Busses mit den Leichensäcken davor in der Zeitung zu sehen. Wir kennen diese Busse so gut. Fast jeden Tag sitzen wir in einem von ihnen. Und dann siehst du das Bild mit dem ausgebrannten Bus und weißt, dass in einem der schwarzen Plastiksäcke die verkohlten Überreste von Rob liegen.

Es schmerzt so unglaublich und über all dem steht die große Frage nach dem WARUM! Diese Menschen waren völlig unschuldig! Niemand, besonders nicht Rob, hatte irgendjemandem etwas getan. Womit haben sie so ein Ende verdient?

Es ist so schwer diesen Film wieder aus dem Kopf zu kriegen. Dadurch, dass wir schon so lange in dieser Gegend unterwegs sind und selbst viel in Übernachtbussen gefahren sind, können wir uns die Situation ZU gut vorstellen. Wenn man von so einer Tragödie in einem fernen Land hört ist es tragisch, aber wir haben die ganzen Bilder dazu im Kopf.

Als wir von dem ganzen per Mail erfuhren, waren wir einfach fassungslos. Wir versuchten das Ganze irgendwie zu begreifen. Ziellos wanderten wir durch Flores, da uns im Hotel die Decke auf den Kopf gefallen wäre…Und dann sitzt du dort mit Tränen in den Augen auf der Plaza, versuchst die Geschichte zu verarbeiten und würdest am liebsten den spielenden Kindern ihre Plastikpistolen aus der Hand reißen mit denen sie rumrennen und sich gegenseitig abschießen.

Rob ist in den Monaten in León ein wirklich guter Freund geworden. Eine Zeit lang waren wir sogar die einzigen Bewohner der schrägen Quetzaltrekkers-WG.

Rob war so ein lustiger und schräger Kerl – er hasste Hikes und liebte die Nica-Girls. Er wusste genau, wie er seinen Europäer-Bonus und Latino-Hüftschwung in den Discos von León zu seinem Vorteil einsetzte.

Mit seiner schrägen Art, Sachen aus einem völlig anderen Blickwinkel zu betrachten unterhielt er uns und stellte uns vor so manches Rätsel. Wir haben schon viele Fragen zu unserer Reise gestellt bekommen, aber Rob schaffte es immer wieder uns Sachen zu fragen, über die wir noch nie so nachgedacht hatten. Wenn er dich mit seiner begeisterten und begeisternden Art ansah und meinte: „Wie muss sich das wohl anfühlen, wenn…“…

Marita wird nie wieder Wäsche mit der Hand waschen können ohne an Rob denken zu müssen. Das waren nämlich immer die Momente, wo er kam um über Liebesleben, Zukunftspläne und andere Sorgen ihren weiblichen Rat einzuholen…

Goodbye Dutchie! We miss you! Hasta luego, amigo!

Flores und ein Stimmungstief...

Wir fuhren voll positiver Erwartungen nach Guatemala. Von so vielen Reisenden hatten wir schon gehört wie toll, faszinierend und billig dieses Land nicht ist. Unser erster Eindruck war aber ein ganz anderer. SO billig ist es nicht (besonders nicht, wenn man gerade von Nicaragua und Honduras kommt), ein jeder will dir was andrehen oder dich bescheißen und das ganze noch auf eine echt unfreundliche und plumpe Art.

Unser Busfahrer zum Beispiel, mit dem wir vorher fließend spanisch gesprochen hatten, blieb ein paar Kilometer außerhalb von Flores stehen und fragte die dort wartenden Taxifahrer wie viel die 2 Gringos wert seien. Dass wir in der ersten Reihe saßen und jedes Wort verstanden schien er nicht zu checken. Nach den abgeschlossenen Trinkgeldverhandlungen stieg der Taxifahrer ein und wollte uns erklären, dass wir für Flores hier aussteigen müssten. Wie dumm, dass wir einen Stadtplan haben und spanisch sprechen. Man hat uns schon in vielen Ländern beschissen (oder es zumindest versucht), aber SO plump…

So kamen wir nach einem langen Tag in Bussen grantig und fertig in Flores an – der Touristenfalle schlecht hin. Wegen seiner Nähe zu den Ruinen von Tikal, einer der größten Mayastätten des Kontinents, steht Flores auf dem Programm jedes Guatemala-Reisenden. Es liegt auf einer Halbinsel, auf der es außer Hotels, Souvenirshops und Restaurants kaum andere Gebäude gibt. So kamen wir uns in einem Land, das uns ohnehin schon viel zu teuer erschien vor wie wandelnde Geldtaschen. Ein nicht-Touristenlokal zu finden ist also unmöglich und so legten wir jeden Tag bei der Futtersuche mehrere Kilometer zurück. Erst im benachbarten Santa Elena fanden wir im letzten Eck des Marktes etwas Essbares, das unserer Preisvorstellung nahe kam.

Beim Internetchecken im Hotel erfuhren wir dann in einem Mail von Taylor (Quetzaltrekkers-Crew) von der Ermordung unseres guten Freundes und Quetzaltrekkers-Kollegen Rob.

Das gab unserer Stimmung den Rest. ICH HASSE DIESES LAND UND WILL SO SCHNELL WIE MÖGLICH WIEDER RAUS!!!

Tela und Omoa - die Karibikkueste Honduras'

Nach so viel Geschichte und alten Steinen brauchten wir wieder etwas Entspannung. Und wo lässt es sich besser ausspannen als an der heiß geliebten Karibik. Nach über einem halben Jahr endlich wieder Salzwasser in der Nase!

Unser erster Halt in Tela war eher enttäuschend – der Reiseführer hat wieder mal zu viel versprochen. Die Strände waren nicht so besonders (wir sind inzwischen aber auch verwöhnt) und die Stadt selbst hat überhaupt nichts Karibisches. Sie ist halt nur zufällig hier gebaut worden…

Die einzige Besonderheit war unser Hotel - wieder einmal eine dieser Hütten, die in keinem Reiseführer steht und doch (oder gerade deshalb) etwas Besonderes ist. Als wir zum ersten Mal davor standen glaubten wir, dass diese Bruchbude schon lange nicht mehr in Betrieb ist – ein erblasstes Schild auf einem uralten, halbvermoderten Holzbalkon und keine ersichtliche Eingangstür. Als wir wieder umdrehen wollten kam ein Nachbar angelaufen und lotste uns durch einen schmalen Wellblechdurchgang an der Seite des Hauses in einen Hinterhof wo einige alte Männer so in ihr Kartenspiel vertieft waren, dass sie uns nicht mal wahrnahmen. Nach ein paar lauten „Buenas tardes!“ machte sich dann doch einer die Mühe und nahm sich um uns an. Der Alte schielte an uns vorbei (oder schaute er uns beide zugleich an?) und deutete uns ihm zu folgen. So ging es durch seine Küche, über eine wacklige Holztreppe mitten hinein ins Geisterhaus. Der Boden hatte nicht mehr alle Dielen und man sah ins darunter liegende Wohnzimmer. (Merke: Nachts nicht ohne Taschenlampe aufs Klo gehen!) Die Matratze war zu weich und durchgelegen, der uralte Industrieventilator quietschte und wackelte und am Balkon hätte man bei Wind seekrank werden können, aber es war die bei weitem günstigste und stilvollste Unterkunft seit langem!

Nach Tela ging es in das kleine, verschlafene Karibiknest Omoa wo wir endlich unser heiß ersehntes Karibikflair fanden! Einst sehr touristisch ist es heute eher ruhig. Seit sie die Straße zur Grenze nach Guatemala ausgebaut haben, verirren sich nur mehr wenige Backpacker hierher.

Wir fanden ein perfektes Hostel und blieben (wieder mal) hängen… Wir schliefen günstig in Hängmatten, hatten Küche, Garten, Waschplatz und gratis Fahrräder und Kajaks. Tagsüber erkundeten wir die Gegend und die Abende verbrachten wir, so wie die Einheimischen, fischend am Steg.

Bei einem Kajakausflug entlang der Küste begegnete uns ein Fischer in seinem Ruderboot. Mit einem „Ya conocen el rio?“ (Kennt ihr den Fluss schon?) lud er uns ein ihn zu begleiten. Er war gerade unterwegs ein paar Bambusstangen abzuholen und brauchte, wie es schien, ein bisschen Unterhaltung. So sahen wir nicht nur den schönen Fluss, sondern erfuhren auch noch so einiges über hondurianische Politik, misslungene Agrarreformen und die Alltagssorgen der örtlichen Fischer – besser als jede gebuchte Paddeltour!

So schön es war im Paradies, aber irgendwann (als das Geld knapp wurde) mussten wir dann doch weiterziehen. Unser nächstes Ziel, das guatemaltekische Flores, war aber gar nicht so leicht zu erreichen. Im Gegensatz zu Südamerika, wo es zu fast jedem x-beliebigen Ziel einen Direktbus gibt, muss man in Mittelamerika bei jeder 2. Kreuzung oder Ortschaft den Bus wechseln. An diesem Tag saßen wir in 5! verschiedenen Bussen. Und das heißt: 5 mal den richtigen Bus erraten, 5 mal den Fahrpreis ausstreiten, 5 mal Packln reinschlichten und immer aufmerksam sein, dass dein Rucksack nicht vor dir aussteigt.

Die Ruinen von Copán...

Hinein in die Touristenhoelle! Der Grund warum sich so viele Touris in dieses kleine Dorf verirren, sind die nahe gelegenen, gleichnamigen Ruinen, die zu den 3 wichtigsten Mayastätten gehören. Sie sind Pflichtprogramm bei jedem Hondurastrip.

Wir stellten uns auf das Schlimmste ein und komischerweise…kam es nicht schlimmer. Ganz im Gegenteil, Copan Ruinas ist ein nettes kleines Nest mit genug günstigen Unterkünften und allem was Rucksacknomaden sonst noch so brauchen. Neben den vielen edlen Restaurants, wo man auf der Karte schaut, was man sich alles nicht leistet gibt es glücklicherweise auch noch einen Markt mit Comedor (Ausspeisung). Wir sind es inzwischen gewohnt, dass Einheimische komisch schauen, wenn sich 2 (inzwischen sonnengebräunte) Bleichgesichter ins letzte Eck vom Markt verirren und sich ganz selbstverständlich bei einem Comedor hinsetzen und das Tagesmenu bestellen, ohne erst zu fragen, was es heute gibt…(Unsere Erfahrung zeigt, dass es zu 90% ohnehin Hendl mit Reis und Bohnen ist) Man lernt mit der Zeit einfach wo es gutes, günstiges, frisches Essen gibt…

Wenn man schon so nahe an einer der wichtigsten Ruinenstädte ist muss man sie sich auch anschauen, auch wenn man weiß, dass es eine große Touristenabzocke ist. Aber es hilft nichts – an der Kasse einfach den großen Geldschein aus dem Geldgurt kramen, nicht zu viel drüber nachdenken, wie viele Tagesbudgets das sind und ihn dann schweren Herzens gegen 2 Eintrittskarten zu den Ruinen tauschen (und nur dort hin – für Museum, Tunnel, Guide,…müsste man mehr bezahlen)

Uns reicht aber eh der einfache Eintritt. Vorab haben wir schon alles Wichtige über Copán und seine Geschichte gelesen, im Reiseführer ist ein Plan und für genauere Informationen muss man sich einfach nur unauffällig an Tourgruppen dranhängen. Was Sprachen betrifft sind wir ja inzwischen bei solchen Geschichtsspionageaktionen nicht mehr so wählerisch. Wir nehmen was daherkommt – deutsch, englisch, spanisch und wenn es von einem Spanischsprecher gesprochen wird auch mal italienisch oder portugiesisch.

Wir verbrachten den ganzen Tag in den Ruinen und kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus. Die Maya waren was Architektur betrifft genau solche Psychos wie die Inka! Und die Archäologen haben sich auch hier ganz gut (kreativ) verwirklicht.

Gracias - lieber Termalwasser, als Bergsteigen...

Nach dem höchsten Berg in El Salvador wollten wir auch gleich noch den höchsten von Honduras, den Cerro de las Minas dranhängen. Das war der eigentliche Grund warum wir nach Gracias gefahren sind…Dort angekommen bemerkten wir, dass man in der Umgebung von Gracias nirgends einen hohen Berg sehen konnte. Die Einheimischen erklärten uns dann, dass sich dort drüben unter den Wolkentürmen der Cerro versteckt. Das tut er zu dieser Jahreszeit sehr gerne…Das Camp für die Besteigung des Berges liegt auf über 2000m, das heißt im Nebelwald mitten in den Wolken. Da wir das uns und unserem altersschwachen Zelt nicht antun wollten, entschieden wir uns lieber für die nahe gelegenen heißen Quellen. Der Schneck musste im Hotel bleiben…Wir wurden schön eingewaschelt, aber mit warmen Wasser…und man muss doch nicht jeden höchsten Berg besteigen, oder?

Cerro El Pital - der hoechste Berg El Salvadors...

Von Suchitoto ging es weiter nach Norden, der Grenze zu Honduras entgegen. Auf der Strecke lag noch La Palma, das im Reiseführer als wunderschönes Künstlerdorf beschrieben ist und toller Ausgangspunkt für eine Besteigung des Cerro El Pital sein soll. Künstlerdorf klang nett und die Besteigung des höchsten Berges El Salvadors (2730m) musste sein.

Da aber La Palma in Wirklichkeit eines der hässlichsten Dörfer war, das wir seit langem gesehen hatten standen wir 10 Minuten nach unserer Ankunft schon wieder an der Bushaltestelle. San Ignacio, das nächste Dorf, gefiel uns viel besser.

Mit unserem Glück fanden wir auch noch eine Luxusunterkunft in unserer Preisklasse. Ein Zimmer mit gemütlichen Betten, Ventilator, Klimaanlage, Kabelfernsehen, Privatbad und gutem Geruch! Keine Ahnung warum, aber aus einem Grund, den wir bis heute noch nicht kennen, bekamen wir dieses Zimmer zur Hälfte des Normalpreises. Nicht zu viel Nachfragen – einfach genießen!

Der El Pital ist nicht nur der höchste Berg El Salvadors, er ist auch noch der am Leichtesten zu besteigende. Hätte man ein Auto könnte man bis zum Gipfel fahren. Rucksacknomaden fahren ein Stück mit dem Bus und marschieren dann noch die letzten 2 Stunden. Oben angekommen hat man zwar aufgrund einer großen Sendeanlage auf der einen und Wald auf der anderen Seite keine sonderliche Aussicht, dafür kann man zwischen El Salvador und Honduras hin und herhüpfen. Der Stein, der den höchsten Punkt markiert ist nämlich gleichzeitig auch ein Grenzstein. Ein Stück unterhalb des Gipfels gibt es aber eine nette almartige Wiese, von der die Aussicht großartig ist und man perfekt im weichen Gras sitzend Frühstücken kann.

Nach einem Ausspanntag in San Ignacio verließen wir El Salvador in Richtung Honduras – wieder ein Land abgehakt.

Suchitoto - das "originale" El Salvador...

Wenn man Salvadorianern erzählt, dass man nach Suchitoto fährt, kriegen sie einen verklärten Blick und fangen an zu träumen – Suchi ist eine kleine Ortschaft, die heute noch so ist, wie angeblich ganz Salvador vor dem Bürgerkrieg war – Eine kleine heile Welt mit einer gepflegten Plaza, kleinen gepflasterten Strassen, einem kleinen Rummel und überall riecht es nach frisch gemachten Pupusas…

(Pupusas waren unsere Hauptnahrung im teuren El Salvador. Diese köstlichen mit Käse, Bohnen, Fleisch oder ähnlichem gefüllten Maisflatschen kann man fast an jeder Straßenecke für 25cent pro Stück kaufen.)

Suchitoto hat ein angenehmes Klima, unsere Unterkunft war supergemütlich und wir brauchten einige Tage zum Ausspannen. So nutzten wir die Gelegenheit wieder mal richtig Abzuschalten und erkundeten die Umgebung.

An einem Tag ging es zu einem wunderschönen Wasserfall, an einem anderen machten wir einen Spaziergang zum See. Da bei einem Seezugang ein „Centro Turistico“ war und die dort Eintritt von uns wollten zweigten wir wieder mal vom Touri-Trail ab und gingen lieber in die kleine Fischerspelunke am seegrasbewachsenen Ufer auf einen Kaffee. Der kostete uns ganze 15cent pro Tasse und bei dem Preis sind mindestens 10 schwimmende Ameisen inkludiert! Die besseren Schwimmer konnten wir noch lebend aus der lauwarmen Suppe retten, die anderen machten den Kaffee nahrhafter…

Von Suchitoto aus besuchten wir auch unsere erste Mayastätte. Die Ruinen von Cihuatan bestehen aus einer kleinen mit Gras bewachsenen Pyramide, einem kleinen Ballspielplatz und ein paar Steinhügeln. Ein netter erster Einstieg in die Welt der Mayaruinen, aber nichts Besonderes…

Santa Ana...

In Argentinien haben wir Mate getrunken, in Bolivien Coca gekaut, in Kolumbien Zigarren geraucht,… manchen Suchtmitteln kommt man einfach nicht aus. Hier in Mittelamerika ist es seit Nicaragua der Zwang Vulkane zu besteigen. Und im Nationalpark Los Volcanes gibt es gleich 3. Der eher unspektakuläre inaktive Cerro Verde, der Vulkan Santa Ana mit seinem wunderschönen spiralförmigen Krater und Itzalco, der immer noch sehr aktiv ist und sich deshalb den Beinamen Leuchtturm des Pazifiks verdient hat.

Der Ausgangspunkt dafür ist die kleine Stadt Santa Ana von wo aus wir bald in der Früh starteten. Nach 3stündiger Rumpelbusfahrt kamen wir bei strahlendem Sonnenschein im Nationalpark an. Hier erklärte man uns, dass heute eine Besteigung leider nicht möglich sei, da angeblich zu viel Wind ist. (Oder waren es nur zu wenige Touristen um die Tour rentabel zu machen?) „Aber ihr könnt ja morgen wiederkommen…vielleicht geht die Tour dann…“ So viel Ungewissheit war uns keine weiteren 6 Rumpelbusfahrtsstunden wert und so schossen wir ein paar Fotos und beließen es dabei…

San Salvador...

Ein ganz normaler Tag im Leben von Rucksacknomaden: „Nach einer stundenlangen Busfahrt in einem alten amerikanischen Schulbus kommt man wieder einmal am Rande einer Millionenstadt außerhalb des Stadtplanes an. Locker drängt man sich mit beiden Ellenbogen an den Einheimischen vorbei um rechtzeitig vor anderen Interessenten bei seinem Gepäck zu sein. Gekonnt ignoriert man die Horde von Taxifahrern und schultert lässig seinen 25kg-Rucksack. Zielstrebig marschiert man planlos aus dem Terminal und quetscht sich in den nächsten Autobus, der angeblich Richtung Zentrum fährt. Mit einem Hüftkick schwingt man den Rucksack über das Drehkreuz und schlichtet sich und das Gepäck auf 2 viel zu kleine Sitze. Locker schielt man mit einem Auge am Rucksack vorbei und versucht die sporadisch auftretenden Straßenschilder zu erspähen und mit dem Stadtplan abzugleichen. Genauso schnell, wie man drinnen war ist man eine halbe Stunde später am anderen Ende der Stadt auch schon wieder draußen. Die 2 Polizisten, die uns beim Ausstolpern erst skeptisch gemustert hatten erweisen sich nach einem netten Lächeln dann als ganz gute Touristinfo. So stapfen wir in die beschriebene Richtung los und fragen sobald wir außer Sichtweite sind den nächsten Passanten nach dem Weg – traue keiner Wegbeschreibung, die nicht von mindestens drei unabhängigen Personen bestätigt worden ist. In der Mittagshitze von San Salvador quälen wir uns mit unseren Packln an klimatisierten Einkaufszentren und Fastfoodlokalen vorbei. Der Magen knurrt und wenn man so an sich runter sieht könnten wir auch mal eine neue Garderobe vertragen. Kevins Hose besteht inzwischen aus mehr Patches als Originalmaterial und unsere Sandalen haben gerade beschlossen, sich von ihren Sohlen zu trennen. Dann wieder ein Blick rüber in die Glitzerwelt…den Kopf schütteln, den Magen auf noch unbestimmte Zeit vertrösten und einen Schritt zulegen. In einer vollkommen heruntergekommenen Hütte für Peacecorps-Volunteers finden wir dann eine überteuerte Unterkunft. Die steinalte Besitzerin gibt uns eine Wegbeschreibung zu unserem Zimmer – sie kommt die Stufen in den ersten Stock nicht mehr hinauf. So geht es durch ihr Wohnzimmer in die Garage und von dort über eine wackelige Treppe in unser neues Zuhause. Ein Rucksacknomade ist dort zuhause, wo er seinen Schlafsack ausrollt…“

Da San Salvador nicht zu den sichersten Pflastern gehört suchten wir uns eine Unterkunft im „guten“ Stadtviertel. Hier befinden sich die Fastfoodketten und Einkaufszentren der Stadt, die das wahre „Zentrum“ bilden, aber keinen persönlichen Charakter haben und genauso irgendwo in den USA sein könnten.

Die Altstadt im Gegensatz ist zwar vielleicht authentischer, aber deshalb nicht „schöner“. Es gibt zwar eine nett gepflegte koloniale Plaza, dahinter beginnt aber gleich der für lateinamerikanische Städte typische, grindige Markt auf dem von Bananen bis Raubkopien alles verkauft wird. Nur ein paar Straßen weiter steht man dann mitten in einem Armenviertel wo man lieber schnell wieder umdreht.

Es war wichtig die Stadt gesehen zu haben – sie ist aber nix zum lange bleiben.

Perquín und El Mozote...

Nach unserem Kurzaufenthalt in Tegucigalpa ging es mit „ein paar mal“ Buswechseln ins Hochland von El Salvador. Perquín war im Bürgerkrieg aufgrund seiner isolierten Lage in den grünen Hügeln im Nordosten des Landes DIE Guerillahochburg. Noch heute sind die Bewohner stolz auf ihre revolutionäre Vergangenheit. Am besten sieht man das im berühmten Guerillamuseum des Ortes. Hier findet man neben den Fotos der gefallenen Helden, Waffen und Zeitungsartikeln auch so manche Kuriosität: selbst gebastelte Handgranaten (Kevins Meinung: sehr kreativ…macht sicher einen gescheiten Rumpser!!!), das selbst gebastelte Equipment des Guerillaradiosenders und vieles mehr. Dass es in der Stadt zugegangen sein muss sieht man immer noch an den zahlreichen Schützengräben und Bombenkratern (die heute teilweise in Vorgärten als Goldfischteiche gepflegt werden).

In der nähe von Perquín liegt das kleine Dorf El Mozote in dem sich eines der dunkelsten Kapitel der salvadorianischen Geschichte abgespielt hat. Am 10. Dezember 1981 befahl die Regierung sämtlichen Bewohnern der Region sich in diesem kleinen Dorf zu versammeln um eine Hilfslieferung vom Roten Kreuz zu empfangen. Statt der Samariter marschierte aber das gefürchtete Atlacatl-Batallion ein. Unter dem offiziellen Vorwand Guerillakämpfer zu suchen folterten und ermordeten sie hier in den nächsten Tagen über 1000!!!! Menschen – der Großteil von ihnen Kinder, Frauen und alte Menschen. Es gab nur eine Überlebende, die aufgrund des Bürgerkrieges erst Jahre später die Wahrheit ans Licht bringen konnte. Rufina widmete ihr Leben der Verbreitung der Geschichte unter dem Titel: „Nunca más“ (Nie mehr wieder) Vom Originaldorf sieht man heute nur noch die Grundsteine der alten Kirche, da die Ortschaft nach dem Massaker komplett zerstört und niedergebombt worden ist.

Wenn man von so einer Geschichte im Reiseführer liest, klingt es schlimm aber es ist nur eine Geschichte. Wenn man dann tatsächlich im Dorf steht und von einer ehemaligen Bewohnerin, die nur durch Zufall zum Zeitpunkt des Massakers nicht im Dorf war, die Geschichte erzählt bekommt schnürt es einem die Kehle zu… Noch tagelang nachher waren wir schockiert und fassungslos wozu Menschen fähig sein können, wenn man sie in eine Uniform steckt…Wie bringt man jemanden dazu so etwas zu tun…