Sonntag, 19. August 2007

2.Etappe: Von Choquequirao nach Machu Picchu...

Nach einem Tag in den Ruinen ging es weiter. Uns stand einer der anstrengendsten Tage unseres Treks bevor: Nach 300 Höhenmetern Aufstieg im dichten Urwald ein Abstieg von 1500 Metern in einer trockenen, glühend heißen Grassteppe und dann noch ein Aufstieg von 1200 Höhenmetern im feuchtschwülen Dschungel…
Zeitgleich mit uns verließ eine geguidete Tour Choquequirao, an die wir uns meist spurenlesenderweise anhängten (mit unseren Rucksäcken waren wir etwas langsamer als die anderen, die sich ohne Gepäck durchs Gelände plagten…) Mittagspause machten wir dann wieder gemeinsam. Da die Mulis der anderen ca. 2 Stunden hinter uns waren und somit das Futter für die Tour auch noch weit weg war, halfen wir kurzfristig mit Kocher und einem Packerl Spaghetti aus. Von dem Zeitpunkt an waren wir von Willy, dessen Guideehre wir gerade gerettet hatten, voll akzeptiert und er gab uns immer wieder Tips. Wir machten den Trek zwar alleine, campten aber meist gemeinsam und kriegten da immer wieder mal einen guten Rat oder einen heißen Mate de Coca…
Tags darauf ging es hinauf bis auf einen Pass mit 4200m und von dort wieder mal….hinunter zu einem Fluss. Unten im Tal wurde das Camp aufgeschlagen. Von dort stand uns nur noch ein großer Aufstieg bevor…der höchste Pass mit ca. 4800m. Dieser Tag war landschaftlich einer der beeindruckendsten des gesamten Treks, da wir zwischen zwei Fast-Sechstausender-Gipfeln mit Gletschern und schneebedeckten Steilwänden hindurchgingen, während uns die Sonne ins Gesicht brannte. Am Pass war es aber dann doch sehr windig und kalt, weshalb wir trotz völliger Erschöpfung schnell wieder abstiegen. Schön langsam machten sich auch die letzten Tage in den Beinen und Schultern bemerkbar – Man stemmt ja doch bei jedem Schritt bergauf das gesamte Gewicht des Rucksackes…und das für viele Tausend Höhenmeter über extrem steile Wege. Steiler hätten sie teilweise nicht sein dürfen, weil wir sonst trotz Bergstiefeln keinen Halt gefunden hätten…Hier in den Anden machen sie, im Gegensatz zu den Alpen, halt noch vernünftige Serpentinen…Höhenmeter statt Wegmeter!
Nach dem Pass ging es noch viele Stunden weiter, da sich nirgends ein Campplatz anbot. Wir marschierten an alten Inkaminen vorbei, über waghalsige Brückenkonstruktionen und enge Trampelpfade in sandigen Steilwänden die immer wieder mal weg brechen und hunderte Meter in die Tiefe bröseln….Kurz vor Einbruch der Dunkelheit fanden wir doch noch einen Lagerplatz in der Nähe von heißen Quellen. Dort hätten wir rein theoretisch mitten im Dschungel unter einem heißen, natürlichen Wasserfall duschen können. Die Brückenkonstruktion um da hin zu kommen war uns aber ZU waghalsig und wir waren viel zu müde um auch nur an Körperpflege zu denken.
Am nächsten Tag ging es noch die letzte Monsteretappe durch den dichten Dschungel bis nach Santa Teresa. Die Touren verkürzen sich diese Strecke meist indem sie für die letzten 10-15km, wo dann schon wieder eine Schotterstraße ist, einen Transport nehmen – Wir bissen durch und machten auch das noch zu Fuß, vorbei an Kaffee- und Bananenplantagen, Giftschlagen, „Punk-Raupen“, Papageienschwärmen, handflächengroßen Schmetterlingen und unzähligen tropischen Früchten, die am Wegesrand zum jausnen einluden.
Völlig fertig und „fußmarod“ kamen wir in Santa Teresa an – nach nur 6 Trekkingtagen (2 Tage schneller als eigentlich gehofft).
In diesem 2000-Seelen-Nest mitten im Dschungel fühlten wir uns gleich wohl und beschlossen einen Tag auszuspannen, bevor wir weiter nach Machu Picchu gingen. Am ersten Abend gab es zum Einschlafen für jeden ein Voltaren, am nächsten Abend dann schon ein Bier…
Da der Großteil der Bevölkerung hier von der Landschaft lebt kamen wir wieder zu Unmengen von frischen Vitaminen zu Spottpreisen: 2 Riesenavocados für ca. 25 cent, 20 mittelgroße Bananen für 75 cent, ca. 3 Kilo Mandarinen für 25 cent,...
Nachdem unsere Füße einen Tag Erholung genossen hatten mussten sie wieder in die Stiefel und an die Arbeit. In Santa Teresa ging es runter zum Fußballfeld, dann mittels einer waghalsigen Cablecar-Konstruktion über einen reißenden Fluss (die 2 Kreuze am Ufer sahen wir zum Glück erst nach unserer Überfahrt…) und dann zwei Stunden lang die Straße entlang bis zu einem kleinen Kraftwerk. Von hier aus gehen Zugschienen bis nach Aguas Calientes (Ortschaft unterhalb von Machu Picchu). Man könnte die gesamte Strecke von Santa Teresa bis Aguas Calientes auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln (erst Bus und dann sauteurer Zug) machen – aber wenn schon, denn schon: Wir machen alles zu Fuß!
Die Strecke entlang der Schienen war wunderschön: exotische Blumen, Schwärme von Papageien, die kreischend über unsere Köpfen hinweg zogen, Unmengen von bunten Vögeln und Kolibris und neben uns immer der klare Rio Urubamba, der geradezu zum fischen einlädt…
Nach 5 Stunden waren wir dann in Aguas Calientes – nach gut einer Woche in der Wildnis ein echter Schock! Dieses kleine Nest ist der wohl hässlichste Fleck in Peru. Tausende Touristen, die in genauso vielen 3-Stern-Zweckbauten wohnen und in völlig überteuerten Restaurants essen gehen. In diesem Ort ein günstiges Hostal oder Restaurant zu finden ist fast unmöglich – wir kamen glücklicherweise für ein paar Soles in einer Hostel-Baustelle unter…
Am nächsten Tag sollte es dann nach Machu Picchu, in die verlorene Stadt der Inka und eines der neuen sieben Weltwunder gehen.

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