Sonntag, 22. Juli 2007

Cañon (sprich canjon) de Colca...

Nach der Wochenendpause sind die Streiks in Arequipa natürlich mit frischem Schwung und neu gebastelten Puppen weitergegangen und das Wegkommen wurde uns wieder einmal verwehrt.
Nachdem wir von allen Seiten unterschiedliche Infos bekommen hatten fuhren wir einfach auf gut Glück zum Busterminal. Am Tor des Terminals kämpften wir uns erst einmal durch wütende Menschenmassen, die alle das Geld für ihre Tickets zurückwollten und kamen dank eines freundlichen Polizisten am Tor und unseres Touristenstatus auch rein. Im Terminal erfuhren wir, dass zwei Busunternehmen mitten in der Nacht (zu leider überteuerten Preisen) Richtung Cabanaconde fahren… unserem Trip in den Canon de Colca stand also nichts mehr im Weg….
Der Bus ging um 2 in der Früh, weswegen wir schon um 6 Uhr beim Cruz del Condor, dem berühmten Kondoraussichtspunkt im Canon, ankamen. Wir waren die einzigen Touristen im Bus und stiegen gemeinsam mit ca. 15 einheimischen Frauen, die große Säcke mit Touristenramsch dabeihatten aus. Die Kondore sollten erst um 8, wenn die Thermik aufgrund der Sonneneinstrahlung gut genug ist aus dem Canon aufsteigen und ihre Kreise ziehen. Wir nutzten die 2 Stunden bevor die Touristen in Strömen kamen um Kaffee zu kochen und die schöne Landschaft zu genießen.
Pünktlich um 8 kamen die Touristenbusse an, die Kondore hatten etwas Verspätung… Aber dann, als die Thermik endlich gut genug war erhoben sie sich in die Lüfte und zeigten ihre Flugkünste.
Der Andenkondor ist der größte flugfähige Vogel der Welt mit einer Flügelspannweite von bis zu 3m und einem Gewicht von bis zu 11kg. In der Andenregion wird er als heiliges Tier verehrt. Es ist echt faszinierend, wenn sich diese Riesenvögel in deiner unmittelbaren Nähe fast ohne Kraftaufwand entlang der Wände des Canons hinaufschrauben.
Wir hatten vor unserem Trip schon von Touristen gehört, dass die Kondore nur 30 Meter über ihren Köpfen hinweggesegelt waren und hofften, dass wir das gleiche Glück haben würden. Wir hatten Glück…dass sie nicht mit uns kollidierten! Nachdem uns einer der Kondore schon aus einigen hundert Metern Entfernung ins Visier genommen hatte, steuerte er direkt auf uns zu und brauste nur knappe 4 Meter über unsere Köpfe hinweg! Es muss aus der Entfernung lustig ausgesehen haben als 300 Menschen mit offenem Mund den Kopf eingezogen haben…
Mit offenem Mund haben sie auch uns angesehen, als wir gegen 9 unsere Rucksäcke schulterten und ganz selbstverständlich die staubige Straße entlang in Richtung Cabanaconde losmarschierten… ganz ohne Touribus oder Guide…immer dem Canon entlang.
Der Canon de Colca ist mit einer Tiefe von über 3000m einer der tiefsten Canons der Erde (der Grand Canion in den USA ist gerade mal halb so tief!) und erstreckt sich auf einer Länge von über 100km.
Kurz vor der kleinen Ortschaft Cabanaconde bogen wir (Dank der Wegbeschreibung von Jörg) rechts in den Canon ab. Von hier stiegen wir in immer steiler werdenden Serpentinen bis zum Grund des Canons, wo der Rio Colca fließt, ab.
Am nächsten Tag verabschiedeten wir uns von der Standard-Touristenroute und marschierten auf der anderen Seite des Canons in die hochgelegene kleine Ortschaft Tapay. Zu Inkazeiten hatte dieser Ort noch eine andere Lage und war mit über 1000 Einwohnern einer der wichtigsten Orte im Canon. Er dürfte auch ein wichtiges Handelszentrum für die Region gewesen sein, da Archäologen in den Ruinen Reste von Seefisch und anderen, nicht in der Region vorkommenden Speisen gefunden haben. Tapay wurde in der Kolonialzeit an seinen heutigen Ort verlegt, da die exponierte, strategisch gute Lage von den Spaniern nicht mehr benötigt wurde und dem Ort außerdem aufgrund des verschwindenden Gletschers das Wasser ausging. Die Ruinen des alten Ortes sind immer noch vorhanden. Die mussten wir natürlich sehen! Also fragten wir uns im Ort durch und marschierten den Wegbeschreibungen folgend los. Grundsätzlich waren diese ja auch richtig, nur erwischten wir leider, der irrigen Annahme folgend, die Ruinen müssten weiter den Hang rauf sein, die falsche Abzweigung. Nach ca. 400 Höhenmetern durch Kakteen und anderes stechendes Gewächs war dann Schluss – der Weg verlief sich im Dickicht. Naja, Umwege erhöhen die Ortskenntnis und Höhenmeter sind auch nie umsonst: Man hat meist eine schöne Aussicht und wenn nicht, so hat man wenigstens die Beinmuskulatur trainiert...
Wir kehrten also um und beim zweiten Anlauf kamen wir dann auch zu den Ruinen – eine faszinierende Anlage!
Völlig von Kakteen und anderem Gesträuch überwuchert stehen die teilweise noch sehr gut erhaltenen Ruinen im Steilhang. Dicht an dicht auf einer Riesenfläche stehen die Gebäude, die einst so viele Menschen beherbergt haben. Kaum ein Tourist verirrt sich hierher und deshalb gibt es auch keine ausgetretenen Wege zwischen den Ruinen. Man muss sich also seinen eigenen suchen und einfach drauflos klettern…
Oberhalb der Ortschaft in einer kleinen Höhle entdeckten wir dann auch eine Begräbnisstätte. Die Knochen und Schädel vieler Menschen lagen dort wild durcheinander geworfen. Aber inzwischen gewöhnen wir uns schon daran irgendwo menschliche Überreste zu finden…
Und nicht nur die Knochen erinnern an die früheren Bewohner dieser Ortschaft. Zwischen beziehungsweise in den Häusern liegen noch Tongefäße und Scherben, die von den Kakteen überwuchert werden. Die Ruinen von Tapay sind also keine von den typischen, von Archäologen zusammengeräumten und eingezäunten Stätten, sondern einfach eine alte Ortschaft, die sich die Natur langsam wieder zurückerobert.
Von den Ruinen ging es über zwei weitere kleine Ortschaften dann zum Touristenmagneten des Canons: der Oase Sangalle. Dieses kleine Fleckchen Erde trägt ihren Namen „El Paraiso“ zu Recht und lässt sich am besten durch die Fotos beschreiben.
Wie üblich waren sie mit uns Individualtouristen kurzfristig überfordert. Es fand sich jedoch schnell ein Plätzchen für unser Zelt und so beschlossen wir hier im Paradies einen Tag Pause einzulegen. Das muss man doch ausnutzen, wenn man für gut einen Euro pro Person campen und den 25 Grad warmen Pool benutzen kann. Die Touren kommen alle am Nachmittag an und brechen in der Nacht oder dem frühen Morgen schon wieder auf um beim Aufstieg der Tageshitze zu entgehen. Also hatten wir die gesamte Anlage am Vormittag für uns…
Da wir nicht zu den Frühaufstehern gehören und uns die Hitze nicht so viel ausmacht brachen wir nach besagtem Pausetag erst um 9 auf und stiegen in der Gluthitze des Vormittags in Rekordzeit nach Cabanaconde auf – Knappe 3 Stunden in der Hitze mit Gepäck, wo Normaltouren in der Nacht mit Tragtieren über 4 benötigen…Schön langsam kriegen wir echt eine Mörderkondi!
Von Cabanaconde ging es mit dem Bus wieder nach Arequipa wo wir jetzt noch einen Tag ausspannen. Dann geht es weiter nach Cusco – der ehemaligen Hauptstadt des Inkareichs…

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