Mittwoch, 2. Mai 2007

Hitchhikers´ life along the Carretera Austral...

Von Los Antiguos ging es zu Fuß über die Grenze. Wieder einmal hatten wir den Mörderverkehr. Erst nach 7km Marsch wurden wir vom 3. Auto das vorbeifuhr mitgenommen (die ersten zwei hatten leider keinen Platz). Wir kamen bis Chile Chico und erwischten dort gleich die Fähre über den Lago Gral. Carrera nach Puerto Ibañez. Dort angekommen war es bereits finster und wir wollten eigentlich nur einen Schlafplatz suchen als ein Wagen anhielt und uns fragte ob wir denn nach Coyhaique (unser nächstes Zwischenziel) wollten. Es ist nun schon das dritte mal, dass jemand anhält und uns mitnimmt, ohne, dass wir den Daumen gestreckt hätten…
In Chile Chico, als wir auf die Fähre warteten wollten uns die Keiler einiger Reiseunternehmen gleich ein Busticket nach Coyhaique fürs teure Geld verkaufen und hatten uns, als wir ablehnten mit einem mitleidig-gespielten Schulterzucken „viel Glück“ gewünscht, da es zu dieser Jahreszeit auf der Carretera Austral so gut wie keinen Verkehr gibt. - Wir haben alle Tourbusse überholt und waren vor ihnen in Coyhaique, ohne einen peso zu bezahlen. Hehe!!!
In Coyhaique blieben wir einen Tag um uns die Stadt anzuschauen und teilweise dringend nötige Einkäufe (wie zum Beispiel Ducktape!) zu erledigen und traten dann unseren Weg gen Norden an. Als uns nach halbstündigen Nieselregen, Tendenz feuchter werdend noch immer keiner mitgenommen hatte, legten wir kurzerhand eine Kaffeepause mit Keksen unter einer Brücke ein. Das sind so die angenehmen Seiten des Tramperlebens.
Am gleichen Tag lernten wir auch noch eine andere kennen. Nach mehren kurzen lifts nahm uns ein Kleintransporter auf seiner Ladefläche mit. Da die Strecke nur ca. 120km betrug glaubten wir noch bei Tageslicht in Puerto Puyuhuapi anzukommen. Wir freuten uns sogar, dass wir unsere erhoffte Tagesetappe schaffen würden. Wir wussten allerdings nicht, dass die berühmte Carretera Austral, die einzige Süd-Nord-Verbindung, die es in diesem Teil von Chile gibt und die auch nach Coyhaique noch eine gut ausgebaute zweispurige Asphaltstrasse war, auf diesem Abschnitt zu einer einspurigen Schotterpiste, vergleichbar mit einer schlechten österreichischen Fortstrasse, wurde.
Es war holprig, es war nass (von oben wie von unten), es war saukalt und nach einiger Zeit zu zweit auf einem Autoreifen alles andere als angenehm. Dann wurde es finsterer, nässer und kälter (knapp über dem Gefrierpunkt) und der Laster quälte sich im Schneckentempo die Serpentinen zu einem Pass hinauf. Bei einer Wahnsinnsdurchschnittsgeschwindigkeit von 20km/h (und da waren auch kurzfristige Etappen bei 80km/h dabei) holperten wir durch die Dunkelheit. Wir wussten nicht mehr wie wir uns schlichten sollten, ohne noch nässer zu werden oder das Gefühl in den Beinen vollständig zu verlieren.
Nach über 4! Stunden Fahrt kamen wir in Puyuhuapi an. Und das erste Schild, das wir sahen war „camping“, das zweite war „hospedaje“. Für jeden normalen Menschen, der nach so einem Höllenritt, pitschnass und durchgefroren mitten in der Nacht von der Ladefläche klettert ist die Entscheidung welche Unterkunft er wählen sollte klar…. Für uns auch: Camping! Als wir uns dann auch noch am Ofen des Campingplatzbesitzers wärmen durften waren wir glücklich und zufrieden.
Das von deutschen Auswanderern bereits 1940! gegründete Puerto Puyuhuapi war in unserer Reiseplanung eigentlich nicht als Zwischenstopp eingeplant, aber mit seiner abgelegenen Lage an einem einsamen Fjord und seinem verschlafenen Flair faszinierte uns dieses kleine Fischerdorf und wir erkundeten es einen Tag lang bei konstantem Nieselregen – einer echten Schönwetterphase für diese Gegend! Es hat hier durchschnittlich 4500mm Niederschlag pro Jahr! So wie immer – tolles Campingwetter…Und wir waren wieder mal nicht die einzigen Hardcore-Camper und –Tramper. Hier am A… der Welt, schon lange aus der Saison, weit ab vom Mainstreamtourismus gesellt sich plötzlich ein alter Bekannter zu uns: Der Amerikaner Kevin, dem wir schon in Ushuaia über den Weg gelaufen sind. Er ist auch seit kurzem via Daumen unterwegs und beschloss kurzerhand wie wir zu den Thermen „El Amarillo“ zu stoppen. So einen Weggefährten zu treffen ist wirklich nett, auch wenn die Chancen auf einen lift sich drastisch verringern. Auf diesem Teil der Carretera Austral fährt durchschnittlich jede Stunde mal ein Auto und die sind meistens schon voll besetzt. Aber wir sind ja gut zu Fuß und so sind wir, in kurzem Abstand voneinander einfach mal Richtung Norden losmarschiert.
Nach zwei Stunden Marsch durch den kalten Regenwald kam das erste Auto….in die Gegenrichtung. Kevin ging zur Seite, rutschte aus und fiel (mit ca. 20kg am Rücken) mit der Kniescheibe genau auf einen spitzen Stein. Und da waren wir nun – mitten in der Wildnis, weit weg von jeglicher Zivilisation und wussten nicht, ob die Kniescheibe noch ganz war oder nicht. Nach erster Verarztung und Kniescheibencheck wurde ein Stock gesucht, ein Motivationslolly gelutscht und es ging (langsam aber doch) weiter, noch tiefer in den Wald… Nur die harten kommen durch, oder?
Aber wenn man viel Geduld hat kommen doch immer wieder Autos und in kleinen Etappen kamen wir von Ortschaft zu Ortschaft. Den letzten lift bis kurz vor die Thermen sogar mit unserem amerikanischen Kollegen gemeinsam. Und so marschierten wir zu dritt die letzten 5 km bergauf zu den Thermen und fanden uns kurz darauf schwitzend und dampfend im über 40°C heißen Thermalwasser wieder…

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